Ich kenne den Vorgängerband „Das Mondscheincafé“ leider nicht. Nach der Lektüre dieses Romans bedauere ich das zwar, wirklich nötig ist er aber nicht, um der aktuellen Geschichte folgen zu können.
Die Erzählung beginnt mit einer Art Mitarbeiterversammlung im Mondscheincafé und einer leicht zugänglichen Einführung in die Astrologie, die einen Zusammenhang zwischen der Stellung der Himmelskörper und dem menschlichen Schicksal herzuleiten versucht. Die Mitarbeiter:innen sind Katzen, die sich zu den Öffnungszeiten des Cafés in Menschen verwandeln; sie tragen die Namen von Planeten und spiegeln deren Eigenschaften wider. Das Café selbst hat weder feste Öffnungszeiten noch einen festen Standort oder eine Speisekarte. Es erscheint dort, wo es gebraucht wird, und ist nur für Menschen sichtbar, die Rat und Hilfe suchen, oft, ohne es selbst zu wissen.
Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, die alle an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Satomi macht in Tokio Karriere und führt eine Fernbeziehung; ihr Freund Ryo ist dort glücklich, wo er lebt, sie in Tokio. Eine mögliche Hochzeit würde bedeuten, dass einer von beiden sein Leben grundlegend verändert, und Satomi ahnt, dass an Weihnachten ein Antrag auf sie zukommt, auf den sie innerlich noch keine Antwort hat. Ihre Kollegin Koyuki hangelt sich von einem befristeten Job zum nächsten und leidet fast noch mehr darunter, dass sie sich seit der Wiederheirat ihrer Mutter heimatlos fühlt, weil sie dem Stiefvater seine vorgebliche Zuneigung nicht ganz glauben mag. Junko wiederum hat ihre Karriere für ihr Wunschkind Ayo aufgegeben, ein kleines Mädchen, das alle Herzen im Sturm erobert,nur nicht das ihres Großvaters, zu dem Junko nach einer schwierigen Kindheit und Jugend jeden Kontakt abgebrochen hat, und nun fragt sie sich, ob sie das Recht hatte, ihrer Tochter diesen Großvater vorzuenthalten.
Die einzelnen Episoden machen sehr schön deutlich, wie wichtig es ist, die eigenen Wünsche wirklich zu kennen und sich ehrlich einzugestehen, was man vom Leben möchte. Die Gäste finden ihre Wege zum Glück und zur Lösung ihrer Probleme nicht durch Belehrungen, sondern durch Gespräche, behutsame Anstöße und viel Selbstreflexion.
Die warme, harmonische Atmosphäre entfaltet sich beim Lesen allmählich und wirkt zum Ende hin besonders stark. Diese Stimmung entsteht durch den ruhigen, bildhaften Erzählton und die sorgfältige Wortwahl, wofür neben der Autorin auch der Übersetzerin Yukiko Luginbühl ein ausdrückliches Lob gebührt.
- Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
- Erscheinungstermin : 11. September 2025
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 208 Seiten
- ISBN-10 : 3423352671
- ISBN-13 : 978-3423352673
- Originaltitel : Mangetsu Kohiten no Hoshiyomi, Honto no Negaigoto

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