Samstag, 29. Mai 2021

In 18 Morden um die Welt Eine Anthologie

 


Zwanzig Autorinnen erzählen als Hommage an Jules Vernes von Tatorten aus der ganzen Welt. Da geht es um den Ravenmaster, der sich um die Raben im Londoner Tower kümmert. Um Sarah, die mit einem Katamaran in der indonesischen Inselwelt kreuzt. Oder um zwei schwarz-weiße Paare in Ghana. Dann um einen Schönheitschirurgen und seinen Patienten in Neu-Dehli. Um die Silvesterreise eines Paares nach Rio de Janeiro. Kann man sich vorstellen, dass es im Wiener Burgtheater hinter der Bühne leidenschaftlicher zugeht als auf ihr? Und schließlich: Was ist der berühmteste Cold Case Australiens? "Es gab nur diesen einen Schlüssel und den besaß sie. Dieser Stollen war ihr Geheimnis. Alle anderen, die davon wussten, waren längst tot. Sie war die Einzige, die Zugang zur Hölle hatte." (Aus: „Dem Himmel so fern“ von Thea Lehmann) Eine Reise rund um den Erdball, infiziert vom Lese-Virus, aber völlig Corona-frei!


Ich muss es euch nicht noch einmal erzählen, ich liebe Kurzgeschichten. Die kann man auch lesen, wenn die Zeit knapp ist, denn eine geht immer.
Und so habe ich gleich zugestimmt, als Heike von Frau Goethe liest, mir vorschlug, wir könnten doch einmal Kurzgeschichten gemeinsam lesen, bzw. sie hört und ich lese. Denn Heike hat das Buch als Hörbuch und ich als Print.
Wir wollten versuchen die Unterschiede bzw. die Vorteile beim *Lesevergnügen* herauszustellen.
Ich höre keine Hörbücher, ich brauche Papier in der Hand und habe mein ganz eigenes Tempo beim Lesen, so manche Geschichte braucht mehr Tempo, die eine oder andere will langsam gelesen werden.
Und das kann ich bei einem Hörbuch ja leider nicht beeinflussen, ebenso wie ich beim Lesen Stimmen im Kopf habe, die je nach Protagonist variieren, und ich höre z.B. die Vögel zwitschern oder den Straßenlärm vor den Fenstern. All das fehlte mir bei den zwei oder drei Hörbüchern die ich ausprobiert habe. 
Natürlich kam es auch auf den jeweiligen Vorleser an, schaffte er es mir Bilder in Kopf zu projizieren, rieche ich den Regen am Morgen oder die Gewürze auf dem Basar, oder auch die unangenehmen, der Müll auf den Straßen oder gar die Leiche im Keller.

Aber kommen wir zum Buch.
In 18 Morden um die Welt, ist eine Anthologie die von Fenna Williams und Petra K. Gungl herausgegeben wurde und in der uns 18 Autorinnen rund um die Welt schicken, von Europa über Asien nach Afrika, geht es weiter nach Südostasien  über Australien und Nord und Südamerika zurück nach Europa.

Ich hatte eine reine Krimianthologie erwartet, mit spannenden Geschichten und manchmal ungewöhnlichen Arten jemanden zu ermorden, denn Frauen morden besser, wie
 Fenna Williams in Grenzgänge, die Story spielt in Französisch - Guayana und Micki lernt, dass ein Flug von dorthin tatsächlich ein Inlandsflug ist.
 Nimmerland von Mareike Fröhlich spielt in Kanada, herrliche Wälder und Berge und eine Protagonistin die im Laufe der Zeit feststellt, dass eine Fernbeziehung mit ihrem Mann, der in Deutschland zurückblieb, nicht das ist, was sie will.

Dann kommen wir aber nach Australien, dort lernen wir Ludwig Leichhardt kennen, der Botaniker schreibt an Charlotte was er auf seinen Expeditionen erlebt, bis sich seine Spur in den weiten des Landes verliert.
Leichhardt gilt als Humbold Australiens und sein Leben ist einen weiteren Blick wert. Die Autorin Christiane Geldmacher hat mich mit ihrer Story Totgesagt wirklich neugierig gemacht.

In Afrika genauer gesagt in Namibia lebt Betty mit ihrem alkoholkranken Mann auf einer Farm, der gewalttätige Mann macht ihr das Leben zur Hölle, aber Betty gibt nicht auf, irgendwann findet sie den Mann, der sie glücklich macht. Das klingt jetzt verwirrend, aber wer es makaber mag, so wie ich, wird diese Story lieben.

In Island und Griechenland wird es fantastisch, die isländische Mythologie lässt Elfen lebendig werden und es wird schon seinen Grund haben warum es Elfenbeauftragte gibt, die dafür sorgen, dass sie ungestört leben können und manchmal treffen Sterbliche und Elfen aufeinander und verlieben sich sogar, wie sie zueinander finden können erzählt Yvonne Keller in Johannistagstod oder zwei Fliegen mit einer Klappe.
In Griechenland haben die Götter nur noch begrenzte Macht, reicht sie aus um Schildkröten zu retten? Das erfahren wir in Die grüne Göttin von Ingrid Werner.

Mein Fazit zu meiner literarischen Weltreise:
Ich war gern mit den Autorinnen unterwegs, sie führten mich in wunderbare Landschaften ohne das ich mein Haus verlassen musste, so mag ich Reisen, ankommen ohne losfahren zu müssen.
Ich mochte jede einzelne Geschichte, es gab tatsächlich keine die mir nicht gefallen hätte.
Die Anthologie ist von der ersten bis zur letzten Seite absolut lesenswert.
Ob sie auch Hörenswert ist, erzählt euch Heike auf ihrem Blog.


  • Herausgeber : Leinpfad Verlag; 1. Edition (16. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 300 Seiten
  • ISBN-10 : 3945782716
  • ISBN-13 : 978-3945782712



 



Freitag, 28. Mai 2021

Schwarzes Herz von Eva Lirot

 


Im Stadtwald wird die Leiche eines Jungen gefunden. Der Körper wurde auf eine Art zugerichtet, die selbst hartgesottenen Ermittlern wie Jim Devcon das Blut in den Adern gefrieren lassen. Nur wenige Tage später wird ein Mädchen als vermisst gemeldet. Es besteht der Verdacht auf Entführung. Doch Devcon befürchtet einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen. Er setzt alles daran, das Mädchen lebend zu finden - und trifft auf eine Gegnerin, die ihn an seine Grenzen bringt.


Das ist der Klappentext zu Schwarzes Herz, dem neusten Buch von Eva Lirot, er weckt in mir als begeisterte Thrillerleserin natürlich bestimmte Erwartungen und ein gewisses Maß an Vorfreude auf spannende und schlaflose Lesenächte. Lesenächte wurden es dann nicht, nur eine Nacht brauchte ich für das knapp 180 Seiten starke Buch. Es war  eine Nacht voller Spannung und voller Emotionen und voller Fragen an mich selbst. Jetzt nicht zu spoilern fällt mir sehr schwer.

Donnerstag, 27. Mai 2021

Drei Morde für die Mördermitzi von Isabella Archan


Mitzi steckt in Schwierigkeiten, richtig tief in Schwierigkeiten. Kasi, guter Freund und ehemaliger mittlerweile reumütiger Enkeltrickbetrüger, ist tot. Erschlagen mit einem Stein auf dem Mitzis Fingerabdrücke gefunden wurden. Dass sie eine schlüssige Erklärung für ihre Fingerabdrücke hat interessiert die ermittelnden Beamten herzlich wenig, was vielleicht auch mit der etwas umständlichen Art zusammenhängt mit der Mitzi versucht alles zu erklären. 

Da kann nur noch Agnes Kirschnagel helfen, die junge Inspektorin lässt nichts unversucht, um ihrer Freundin zu helfen, Unterstützung erhält sie dabei von dem Pflichtverteidiger Jakob Sparroder.
Doch Mitzi wäre nicht Mitzi würde sie nicht, trotz aller Versprechungen, der Polizei und ihrem Anwalt die Ermittlungen zu überlassen in ihrem eigenen Fall auf Mördersuche gehen. Dabei gerät sie ins Visier des Mörders, denn sie kommt ihm gefährlich nah.

Drei Morde für die Mördermitzi ist der dritte Band der Reihe und der, der mir am meisten zu Herzen ging und das nicht nur, weil Mitzi unter Mordverdacht gerät. Mitzi ist mir seit dem ersten Band, Die Alpen sehen und sterben mehr und mehr an Herz gewachsen. Sie ist ein besonderer Charakter, verschroben, manchmal etwas naiv und dabei sehr fantasievoll und intelligent, wirkt die Einzelgängerin auf viele Menschen in ihrem Umfeld sehr seltsam, doch ist sie auch fähig einen Mord zu begehen, wie Chefinspektor Klammer, der Leiter der SOKO Trafik (Trafik ist österreichisch für Kiosk), die die Morde aufklären soll, felsenfest zu glauben scheint? 
Wer Mitzi kennt und damit verrate ich nicht zu viel, weiß natürlich, dass sie dazu gar nicht fähig ist und so begibt sich der Leser gemeinsam mit Mitzi und Agnes auf die Suche nach dem wahren Täter.
Agnes gelingt es zur SOKO Trafik versetzt zu werden und damit alle Informationen die Mitzi be- oder entlasten könnten möglichst zeitnah zu erhalten.
Mir stellte sich also die Frage: Wer ist der Mörder und was hat es mit den *Ladys* auf sich, die Kasi kurz vor seinem Tod ein lukratives Jobangebot gemacht hatten?
Die Suche ist äußerst spannend, ich mochte schon die anderen Bände sehr, aber dieser ist meiner Meinung nach der beste der Reihe und ich hoffe das Mitzi und Agnes noch viele Fälle gemeinsam lösen können. Das Ende lässt auf jeden Fall darauf schließen, dass wir noch mehr von der Mördermitzi lesen werden.

  • Herausgeber : Emons Verlag (27. Mai 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 336 Seiten
  • ISBN-10 : 3740811099
  • ISBN-13 : 978-3740811099



Mittwoch, 26. Mai 2021

Die Schnüfflerin von Anne von Vaszary


Nina die seit Beginn ihrer Schwangerschaft unter einem außergewöhnlichen Geruchssinn leidet, überlebt nur knapp einen Gift-Anschlag, dem mehrere Gäste eines Restaurants zum Opfer fallen, eines der Opfer ist Ricky, der Vater ihres ungeborenen Kindes.

Als einzig Überlebende steht die junge Frau plötzlich selbst im Focus der Ermittlungen und wird gleichzeitig vom Leiter der Ermittlungen Kommissar Koller mehr als angemessen und zulässig in die Aufklärung des Falles eingebunden. Der ehemalige Hundeführer macht sich Ninas außergewöhnlichen Geruchssinn zunutze. Gleichzeitig versucht die junge Frau etwas mehr über den Vater ihres Kindes herauszufinden, den sie kaum kannte, sie will dem Kind später alles, was möglich ist über Ricky erzählen können, anders als ihre,  mittlerweile verstorbene, Großmutter und Mutter die nichts über Ninas Vater preisgaben.
Überhaupt ist das Verhältnis zwischen Nina und ihrer Mutter eher schwierig, sie kommunizieren eigentlich nur über den Anrufbeantworter und Nina erfährt erst durch die Polizei das ihre Mutter sich nicht wie gedacht in Australien aufhält, sondern in Europa.

Die Schnüfflerin ist der erste Band einer Reihe um die 23-jährige Schulabbrecherin Nina und so viele Themen wie neben dem Kriminalfall angeschnitten wurden, wird es noch einige weitere Bände geben, Stoff dafür gibt es genügend, es gibt so einiges in Ninas Leben, das neugierig macht und auch die weitere Entwicklung der jungen Frau und ihr weiterer Lebensweg bieten viel potenzial für spannende Bücher.

Ich mochte Nina, sie hat zwar ihr Leben überhaupt nicht auf der Reihe, Beziehungen zu pflegen oder einen Job auf Dauer zu behalten ist nicht ihr Ding und die Gründe dafür liegen wie so oft in der  Vergangenheit. Doch die junge Frau jammert nicht, nach und nach reflektiert sie ihr Leben und sicherlich wird sie an sich arbeiten, um nicht nur zu Erkennen, sondern auch zu verinnerlichen, dass sie allein für ihr Leben verantwortlich ist. Das macht diese Protagonistin sehr sympathisch.

Fast hätte ich den Kriminalfall vergessen: Wer hat die Restaurantbesucher vergiftet und warum?
Diese Frage beschäftigt natürlich nicht nur die Leser, sondern auch Nina und die Ermittler.
Gemeinsam mit Nina verfolgen wir Spuren, die ins Nichts führen oder auch einmal im Kreis um an anderer Stelle in eine komplett andere Richtung zu führen. Nach und nach enthüllen sich die Puzzleteile um am Ende eine klares und nachvollziehbares Bild zu ergeben, ein Bild das in die gleichzeitig grausamen wie bedauernswerten tiefen der menschlichen Psyche blicken lässt.

Ich habe aber auch ein klein wenig Kritik.
Ich hoffe doch sehr das eine Mordverdächtige oder ein Opfer niemals so aktiv in die Ermittlungsarbeit der Polizei einbezogen werden, egal welche Beweggründe die Ermittler haben. Natürlich ist mir bewusst, dass das Buch genau darauf aufbaut und ich bin zwiegespalten, auf der einen Seite ist das Verhältnis Ninas zu Koller sehr interessant und ich bin gespannt, inwieweit sich ihre künftige Zusammenarbeit  entwickeln wird, die wird es geben da bin ich mir sicher, auf der anderen Seite wäre etwas mehr Realismus schön gewesen.

Alles in allem hat mich Die Schnüfflerin sehr gut unterhalten, der Krimi bietet eine gute Mischung aus Spannung und Witz, das ist Nina zu verdanken die ihren Humor niemals so ganz verliert.

  • Herausgeber : Knaur TB; 1. Edition (13. Januar 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 384 Seiten
  • ISBN-10 : 3426523825
  • ISBN-13 : 978-3426523827


Dienstag, 25. Mai 2021

Douglas Adams Der Anhalter durch die Galaxis

 


Die meisten von uns kennen Douglas Adams den 1952 in Cambridge geborenen Schriftsteller, dessen erste Kurzgeschichte über einen Mann, der in der U-Bahn sein Gedächtnis verlor und es im Fundbüro suchte, in einer Sciene-Fiction Jugendzeitschrift veröffentlicht wurde, 
als Autor von

Per Anhalter durch die Galaxis

die in 5 Bänden erschienene 4-teilige Trilogie ist wohl ohne Zweifel das bekannteste Werk des Autors. Die Idee dazu kam ihm angetrunken auf einem Acker in Innsbruck als er in die Sterne schaute. 
Aber Moment: vier, fünf, drei? Was denn nun?
Eigentlich ist es ganz einfach.
Douglas schrieb gemeinsam mit dem  John Lloyd eine BBC Radiosendung

Per Anhalter durch die Galaxis

Die Trilogie basiert also auf einem Hörspiel, das im Großen und Ganzen im ersten Teil erzählt wird, ich schreib jetzt  noch mal 

Per Anhalter durch die Galaxis

John Loyds Beitrag zum Hörspiel wurde allerdings komplett aus dem Buch gestrichen, das betraf hauptsächlich  die Folgen 5 und 6.

Zur Ursprünglichen Trilogie gehören noch

Das Restaurant am Rande des Universums
und
Das Leben, das Universum und der ganze Rest.

Dies waren auch die drei Bücher, die ich zuerst las und ich war begeistert vom Wortwitz, den auch der Übersetzer ins Deutsche transportieren konnte.
Wer saß nicht schon vor einem amtlichen Schreiben, das so formuliert ist, das es niemand versteht und genauso gut irgendwo im Universum hinterlegt sein könnte. Der Effekt ist der Gleiche und am Ende steht man im Bademantel mit einem Handtuch in der Hand als
Anhalter in der Galaxis.
So erging es Arthur Dent, der im Laufe der Trilogie widersinnige Abenteuer erlebt und sich mit so manchem Bürokratiewahnsinn auseinandersetzen muss.

Die weiteren Teile erschienen 
1992
Machs gut und danke für den Fisch
und 1994
Einmal Rupert und zurück.
Diese mochte ich auch, allerdings nicht ganz so sehr wie die ursprüngliche Trilogie, sie sind mir auch nicht so gut in Erinnerung geblieben.

Per Anhalter durch die Galaxis wurde 2005 verfilmt, der Film löste einen wahren Hype aus, für viele Liebhaber der Buchvorlage ist das allerdings unverständlich, der Film hält sich nur zu Beginn an die Romanvorlage und verfällt mehr und mehr in Klamauk, es ist aber auch schwierig den speziellen Humor der Vorlage aufrechtzuerhalten.

Begleitbuch zu Per..
Fun Facts:
Deep Blue der Schachcomputer von IBM bekam seinen Namen nach dem Supercomputer Deep Thought aus
Per Anhalter durch die Galaxis
und dem eigenen Spitznamen Big Blue, wie IBM auch genannt wird.
Das Deep Thought eine Anspielung auf den Pornoklassiker Deep Trought ist, verschweige ich natürlich auch nicht.

Keine Panik, steht auf dem Umschlag des Reiseführers 
Per Anhalter durch die Galaxis
und auf dem zentralen Bildschirm des Tesla Roadster der als Nutzlast mit einerSpaceX Rakete ins All geschossen wurde.

Der Babbelfish ist  Namensgeber für ein Übersetzungsprogramm von AltaVista und Yahoo. Im

Per Anhalter durch die Galaxis,
ist Der Babbelfish, eine Kreatur, die, wenn man sie sich ins Ohr gesteckt hat, jede Fremdsprache übersetzt.


Fragen die man nicht beantworten kann, werden wie die Frage nach dem Sinn des Lebens im Buch mit 42 beantwortet.
Wolfram Alpha, die Taschenrechner-Funktion von Google und die Sprachsteuerung Siri liefern auf Anfrage von answer to life, the universe and everything das Resultat 42.



In der logischen Programmiersprache Prolog können an ein System von Fakten und Regeln Fragen gestellt werden. Gibt man eine einzelne freie Variable X (was der Frage nach allgemeiner Wahrheit entspricht) ein, antwortet das Programm folgendermaßen:„% … 1,000,000 ………… 10,000,000 years later“„%“„% >> 42 << (last release gives the question)“

Verständlicher für mich, die von Computern keine Ahnung hat, ist da schon die Hommage der Firma SuSe, die der ersten Version von SuSe Linux den Namen 4.2 gab.

Der Asteroid (Nr. 18610) wurde nach Arthur Dent, dem Protagonisten der Anhalter-Romane getauft.


Beispielbild Frankfurter Rundschau


Es gäbe noch viel mehr über Douglas Adam zu berichten, zum Beispiel, dass er das Buch Die letzten ihrer Art: eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde für eines seiner wichtigsten hielt. Seine Fans allerdings sahen und sehen in ihm immer nur den Autor von Per Anhalter durch die Galaxis.
Auch nach seinem Tod wird er für dieses Buch gefeiert nicht nur aber hauptsächlich am 25.05. mit dem Handtuchtag (Towel Day), dieses Datum wurde übrigens willkürlich gewählt im Gegensatz zum Handtuch, das wohl so ziemlich das Nützlichste ist, was man Per Anhalter durch die Galaxis mitnehmen kann.
42 Mal wollte ich eigentlich Per Anhalter durch die Galaxis schreiben es hat nicht funktioniert, ich könnte zwar noch stundenlang weiterschreiben, aber dann kommt ihr ja nicht dazu Per Anhalter durch die Galaxis zu lesen.

Ihr wollt mehr?
dann schaut doch mal hier
und hier
Nadine und Heike haben noch einiges zu erzählen.





Sonntag, 23. Mai 2021

Gastrezension von phantastische Fluchten: Das unsterbliche Nashorn / Dorothea Flechsig

 


Elvira Schirra ist entsetzt, als vor ihren Füßen eine junge Frau zusammenbricht und kurz darauf stirbt. Vor ihrem letzten Atemzug übergibt sie der Rentnerin ein Baby, mit der Bitte, sich um es zu kümmern. Das einzige, was die Mutter dem Baby mitgab, war der Name »Florin«. 

Mehr als zwölf Jahre kümmerte sich Elvira um den Jungen. Zusammen lebten sie in ihrem kleinen, denkmalgeschützten Häuschen in einem Hinterhof, in einer Stadt, wo sich niemand für die Nachbarn interessiert. 
Für ein Kind hatte Florin ein schönes Leben, er musste nicht zur Schule und lernte von seiner »Oma Elvira« alles, was man so zum Leben braucht. Und Klavierspielen. Der Junge hatte ein unglaubliches Talent dafür und Elvira, die früher als Klavierlehrerin gearbeitet hatte, brachte ihm alles bei, was sie konnte. Seine einzige Freundin war ein Mädchens Namens Paula, der er zufällig im Hinterhof begegnete. Aber Freunde stellen zu viele Fragen, daher musste Florin vorsichtig sein, was er Paula erzählte und so bastelte er sich ein Lügengebilde zusammen. 
Als Elvira eines Tages stirbt, bleibt Florin alleine zurück. Nicht einmal Paula erzählt er von dem Tod der alten Dame und in der Anonymität einer großen Stadt fällt es nicht auf, wenn ein Junge alleine lebt. Da niemand von dem Tod der alten Frau erfuhr, wird ihre Rente weiter bezahlt, so dass der Junge ein Einkommen hat. Als allerdings Paula hinter das Geheimnis kommt und ihrer Mutter erzählt, dass Florin alleine in dem Haus lebt, schaltet dieses das Jugendamt ein. 
Der Vertrauensbruch erweist sich für Florin letztendlich als Glücksfall, denn er findet eine wunderbare Pflegefamilie und das unglaubliche Abenteuer »Leben« beginnt.
 
Kommentar: 
Ich habe schon mehrere Bücher der Autorin gelesen und als sie mir »das unsterbliche Nashorn« anbot, habe ich keinen Moment gezögert. Ihre Geschichten sind unglaublich schön und sie erzählt sie mit wunderbar, warmherzigen Worten. In jeder Geschichte steckt auch eine kleine Botschaft, die zum Nachdenken anregt. Hier mag es sein: » Jeder Mensch ist ein Individuum und sollte als solches geschätzt und geachtet werden. Dabei spielt es keine Rolle, wo er herkommt oder ob er gehandicapt ist.«
Zu Beginn der Geschichte denkt man: »Wow, keine Schule, aufstehen wann man möchte, keine Eltern, die einem sagen, was man zu und zu lassen hat. Jeden Tag ein Lieblingsessen und viel Freizeit. Was für ein Traum.« 
Doch je weiter man liest, desto nachdenklicher wird man. Die Anonymität der Großstadt schützt einen, macht aber auch einsam. Florin hat keine Geburtsurkunde, keinen Nachnamen und keinen Pass. Er existiert somit eigentlich gar nicht. Dem neugierigen Hausmeister wird vorgelogen, dass Florins Eltern im Ausland arbeiten. Florin lebt mit Elvira völlig alleine und isoliert, er hat keine Freunde. Eine alte Oma zu haben, die einen verwöhnt, ist sicherlich schön aber die Situation erfordert viele Lügen, über die man letztendlich stolpern muss. 
Als Florin zur Familie Fabricius kommt, ist er zu Beginn  sehr unsicher. Aber deren eigene Kinder Amelie und Lenni helfen ihm über die ersten Unsicherheiten hinweg. Kinder sehen die Welt mit ihren eigenen Augen, sind unvoreingenommen und neugierig. Sie akzeptieren Florin so wie er ist und helfen ihm, seine Scheu zu überwinden. 
Auch in die Schule muss Florin jetzt. Dort trifft er auf Max, der sein bester Freund wird. 
Sowohl Paula, als auch Max und die Fabricius leben in unterschiedlichen Familienkonstellationen, was ja auch der Realität entspricht. Heutzutage werden viele Ehen geschieden, die Eltern pendeln zwischen den Elternteilen hin und her, müssen sich mit Stiefeltern arrangieren, was manchmal gut geht oder auch nicht. 
Dorothe Flechsig beschreibt die mit sehr verständlichen und schönen Worten, die einem ans Herz gehen. Ich mochte Florin vom ersten Moment an und auch die anderen Kinder wachsen einem ans Herz. Vor allem Max, der dem Leben immer eine positive Seite abgewinnt. Florins Herz wird jedoch immer Paula gehören, seiner ersten und besten Freundin. 
Die Kinder erleben einige Abenteuer zusammen, hüten Geheimnisse und bleiben ihr Leben lang verbunden. Auch wenn ein Teil der Geschichte »Fantasie« ist, wirkt sie realistisch und macht den Leser nachdenklich. Man beginnt darüber zu sinnieren, was der größte Wunsch im Leben ist. Ist es der, der einen reich oder der, der einen glücklich macht? Und wie definiert man Glück? Für Max ist es etwas völlig anderes als für Florin oder Lenni. 
Ich überlege noch. 
Das Cover besticht durch seinen leichten Glitzereffekt, es ist in verschiedenen Blautönen gehalten und zeigt Ori, das Nashorn. Ja, denn auch das Nashorn spielt eine Hauptrolle in diesem Buch aber darüber zu erzählen würde euch die Spannung nehmen. Erlest es euch selbst.
 
Fazit: 
Eine wunderschöne Geschichte, die auch das Herz eines erwachsenen Lesers erfreut. Eine Geschichte mit viel Fantasie und Warmherzigkeit, die man unbedingt seinem Kind vorlesen sollte. Dabei scheut sich Dorothea Flechsig auch nicht, traurige Themen anzusprechen aber das gehört ebenso zum Leben wie die Freude. 
Ich bedanke mich von Herzen für dieses schöne Buch und ich freue mich auf weitere Werke der Autorin. 
 
Titel: Das unsterbliche Nashorn
Autorin: Dorothea Flechsig
Verlag: Glücksschuh Verlag
Sprache: Deutsch
Ab 10 Jahren
Hardcover, 144 Seiten 
ISBN: 9783943030785

Weitere tolle Rezension von Petra, findet ihr auf ihrem Blog, der ein Muss für alle Fantasyfans ist.
https://phantastische-fluchten.blogspot.com/

Samstag, 22. Mai 2021

Lerne zu fürchten von Timo Leibig

 


Mariella und Dominik verdienen ihr Geld als professionelle Trickbetrüger und Diebe. Der Einbruch in eine Villa am Bodensee scheint Routine zu sein, doch dabei stoßen sie auf einen Geheimgang, der in die Tiefe führt. Qualvolle Schreie dringen empor. Bevor sie dem Ganzen auf den Grund gehen können, müssen sie fliehen. Doch wer sind ihre Verfolger und was treiben sie im Keller unter dem Keller? Mariella und Nicki stürzen sich in die Recherche, stoßen auf ominöse Seilschaften und alte Vermisstenfälle - und stehen längst selbst im Visier der Täter. 

Die Akademie des Todes ist ein Gemeinschaftsprojekt der Autoren Martin Krist,Emeliy Dark und Timo Leibig.
Lerne zu fürchten ist als drittes Buch der Reihe und mein erstes. Die Bücher können, so die Autoren, absolut unabhängig voneinander gelesen werden 
Ich lernte Mariella und Dominik kennen, die ihren Lebensunterhalt als Trickbetrüger und Einbrecher verdienen. Die Minutiös geplanten und perfekt organisierten Raubzüge verliefen bisher immer erfolgreich.
Der nächste Coup soll ihnen Gold im Wer von 1 Million Euro bescheren, doch Mariella hat ein ungutes Gefühl, sie will den Einbruch in die alte, düstere Villa am Bodensee abbrechen, aber Dominik setzt sich durch und stößt dabei auf das ultimative Grauen. Wobei es für Mariellas Befürchtungen kein besonderes Bauchgefühl braucht, schon die Beschreibung der Villa ließ mich den Beiden zuflüstern
Lasst es bleiben, geht nach Hause, das geht nicht gut aus
Natürlich haben sie nicht auf mich gehört und das ist auch gut so, bescherte es mir doch 
 252 mit  perfektem Lesevergnügen gefüllte Seiten.
Die Beziehung zwischen Dominik und Mariella ist geprägt, von Harmonie, tiefer Zuneigung und vor allem Vertrauen. Dieses Vertrauen ist auch überlebenswichtig für alles, was nach dem Einbruch geschieht. Gemeinsam mit dem Gaunerpärchen tauchen wir ab in eine Welt voller Grauen und einem Blick in die Abgründe der menschlichen Seele, wobei ich an der Menschlichkeit so manchmal meine Zweifel hatte.
Ihre Gegner scheinen ihnen lange Zeit überlegen doch, die Beiden lassen sich nicht abhalten das richtige zu tun, auch nicht als sie selber in höchster Gefahr schweben. 
Lerne zu fürchten ist außerordentlich spannend, mit manchmal sehr überraschenden Wendungen  und macht Lust auf die anderen beiden Bände

Lerne zu hassen ( Emeliy Dark)
und
Lerne zu leiden (Martin Krist)

  • Herausgeber : BoD – Books on Demand; 1. Edition (6. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 260 Seiten
  • ISBN-10 : 3753478830
  • ISBN-13 : 978-3753478838


Montag, 17. Mai 2021

Caravaggios Schatten von Bernhard Jaumann

 


Kunstdetektiv Rupert von Schleewitz ist mit einem alten Schulfreund in der Gemäldegalerie von Schloss Sanssouci, als der plötzlich ein Messer zieht und auf ein Caravaggio-Gemälde einsticht. Was hat es mit dieser Wahnsinnstat auf sich? Von Schleewitz wird mit einem düsteren Geheimnis aus der gemeinsamen Vergangenheit konfrontiert.

Das beschädigte Meisterwerk – es handelt sich um den »Ungläubigen Thomas« – wird auf dem Transport in ein Spezialinstitut gestohlen. War das Attentat nur Mittel zum Zweck für einen Kunstraub? Der Attentäter schweigt eisern, während es von Schleewitz und seinen Kollegen Klara Ivanovic und Max Müller gelingt, Kontakt zu den Dieben herzustellen. Für die Rückgabe des Bildes fordern diese ein beträchtliches Lösegeld.



Nur unwillig besucht Rupert von Schleewitz bei einer  Stippvisite in Potsdam einen ehemaligen Freund Alban Posselt aus Internatszeiten. Gemeinsam besuchen die beiden Männer die seit ihrer Schulzeit kaum noch Kontakt hatten, die Gemäldegalerie von Schloss Sanssouci. 
Posselt verhält sich seltsam, er bedrängt von Schleewitz vor dem Gemälde, Der ungläubige Thomas, die Augen zu öffnen als dieser nicht begreift was Posselt von ihm will, zieht er ein Messer und zerstört das Gemälde.
Nur mit Mühe kann von Schleewitz die Potsdamer Behörden davon überzeugen ihn nicht mit Posselt in Gewahrsam zu nehmen.
Zurück in  München erfährt er kurze Zeit später, das das berühmte Gemälde auf dem Weg zum Restaurator gestohlen wurde und ein Beamter aus Brandenburg taucht in der Detektei auf und beauftragt die Kunstdetektei Schleewitz, das Gemälde diskret wiederzubeschaffen.

Rupert von Schleewitz ist in diesem Fall den er und sein Team aufklären sollen persönlich betroffen, nicht nur das es sein früher Schulfreund war, der das  Gemälde vor dem Raub zerstörte, er selber wird verdächtigt involviert zu sein.
Rupert verhält sich seltsam, es scheint ihn nicht im mindesten zu interessieren was Alban Posselt ihm in der Galerie sagen wollte, geschweige denn welches Motiv er für seine Tat hatte, er will nur das Gemälde so reibungslos wie möglich aus den Händen der Räuber zurückholen.
Ganz anders Max Müller, der bei seinen Recherchen auf einen dunklen Punkt in der Vergangenheit des Internats stößt, in dem Rupert und Alban lebten. Das Gemälde spielte dort eine große und unheilvolle Rolle. Eine Rolle die Rupert seit langer Zeit verdrängt.
Die Kunstexpertin Klara Ivanovic muss sich neben ihrer Arbeit für die Detektei noch um ihren an Parkinson erkrankten Vater kümmern, der Exzentriker macht es seiner Tochter nicht leicht und sorgt gleichzeitig für ein bisschen Leichtigkeit in der Geschichte, ich mag das Schlitzohr schon sehr.

Caravaggios Schatten bietet eigentlich Stoff für zwei Fälle, die Aufklärung warum Alban Posselt das Gemälde zerstörte und damit die Erklärung für das was im Internat geschah und natürlich der Kunstraub.
Ich bin in diesem Fall lieber Max gefolgt, er ist einfach der sympathischere Ermittler, dazu vermittelt Rupert in diesem Band eine unbestimmte Arroganz, die ich einfach nicht mag, wobei ich gegen Ende des Buches immer mehr zu der Erkenntnis kam, das es weniger Arroganz war, sondern die Angst vor dem was war, die ihn so agieren ließ.
Trotzdem waren Ruperts Ermittlungen und seine Bemühungen das Gemälde zurückzuholen interessant und seine Erkenntnis inwieweit die Brandenburger Behörden bei Wiederbeschaffung des Werkes wirklich beteiligt sind, hat mich doch etwas überrascht.

Ich vergebe für das Buch eine Leseempfehlung und freue mich auf eine Fortsetzung.
Ich habe aber auch etwas zu meckern: Rote Schrift auf schwarzem Grund, wie hier beim Klappentext, sieht zwar schick aus, ist aber sehr schlecht zu lesen. 


Der ungläubige Thomas ist der zweite Band um die Kunstdetektei von Schleewitz und wieder nahm ich die Gelegenheit wahr, die im Buch erwähnten Gemälde wenigstens im Internet anzusehen.

  • Herausgeber : Galiani-Berlin; 1. Edition (6. Mai 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 304 Seiten
  • ISBN-10 : 3869711973
  • ISBN-13 : 978-3869711973



Montag, 10. Mai 2021

Der Zorn der Regenmacher von Timo Leibig


Es regnet seit Wochen in der eigentlich schönen Küstenstadt La Harb, doch von der Schönheit der Stadt ist nicht mehr viel zu spüren, alles ist nass, die Vorräte verderben und die Stimmung ist mehr als gedrückt. Als immer mehr Menschen von einer Krankheit befallen werden, macht sich erst Angst und dann Panik breit. Der Rat der Stadt beschließt die Befallenen zu töten, um das Unheil aus der Stadt zu vertreiben. Leynas Vater Henry gehört zu den Befallen und die junge Heilerin setzt ihr eigenes Leben aufs Spiel, um ihn zu retten. 

Als sich herausstellt, dass die Befallenen Magiebegabt sind beginnt eine gnadenlose Jagd. Leyna muss sich notgedrungen mit den Zwillingen Nante und Hennig verbünden, diese gehören zu den Fratera, einer sehr gut organisierten Schmugglerbande, gemeinsam kämpfen sie gegen Hass und Gewalt und gegen eine unvorstellbare Gefahr aus dem Meer.

Timo Leibig ist es gelungen eine sehr düstere Atmosphäre zu schaffen, der ewige Regen, die Angst der Menschen vor der Krankheit und dem Regen und seinen Folgen, aber auch der Hass den einige entwickeln ist fast körperlich spürbar. Die Geschichte ist soweit ich weiß, auf einen einzelnen Band ausgelegt, um so erstaunlicher ist es das der Autor geschafft hat, seine Welt sehr ausführlich zu beschreiben ohne endlos lange und oft ermüdende Erklärungen, wie sie in Fantasyromanen leider oft zum Standard gehören. Leibig beweist, es geht auch ohne viele Worte, er traut seinen Lesern genug Vorstellungskraft zu, sich ein eigenes Bild der äußerlichen Gegebenheiten zu machen. 

Leibig konzentriert sich auf die Handlung und die ist sehr spannend, die Hauptprotagonisten sind sehr sympathisch und ich habe sie sehr gern bei ihrem Kampf gegen das Böse begleitet. 

Der Zorn der Regenmacher bekommt eine Leseempfehlung von mir.

  • Herausgeber : Penhaligon Verlag; Originalausgabe Edition (13. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 448 Seiten
  • ISBN-10 : 3764532424
  • ISBN-13 : 978-3764532420



Sonntag, 9. Mai 2021

Die Stille vor Lilou von Astrid Korten

Burn-out kann jeden treffen, als Jules der an einer Public Ecole unterrichtet daran erkrankt, bricht die heile Welt seiner Familie wie ein Kartenhaus zusammen.
Jules leidet nicht nur unter Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen, er entwickelt eine gefährliche Paranoia. So erlebt er den Besuch Paul Moreaus, dem Rektor seiner Schule, nicht als höflichen Krankenbesuch, sondern Kontrolle, schlimmer noch als Beweis dafür das seine Frau Malin und Paul ein Verhältnis haben. In jeder Geste, jedem Wort sieht Jules einen Angriff auf sich. 
Seine Genesung schreitet nur schleppend voran und als er dann endlich Fortschritte macht, schlägt das Schicksal mit noch größerer Härte zu.
Und Jules sinnt auf Rache, denn er weiß genau wer Schuld  an allem trägt, was in der Vergangenheit geschehen ist. Paul Moreau.
 Astrid Korten versteht es meisterhaft Jules verworrenes Gefühlsleben in Worte zu fassen und die Leser in Zwiespalt zu stürzen. Ich war mir zu keinem Zeitpunkt sicher was sich nur in Jules Kopf abspielt und was der Realität entspricht. Erst am Ende offenbart sich die Wahrheit.
Das Buch zwingt den Leser sich mit einer Krankheit auseinanderzusetzen, die jeden treffen kann, wie Jules Mutter bei einem Besuch sagte: "Burn-out hat doch heute jeder" meinte sie das vielleicht eher abfällig oder voller Unverständnis, vielleicht auch einfach nur hilflos. Es ist für außenstehende aber auch kaum möglich das Krankheitsbild zu verstehen, man sieht den Betroffenen ihre Krankheit nicht an, dazu kommt sie meist schleichend, dauernde Müdigkeit, Aggression, Selbstmitleid und in schweren Fällen Paranoia. Allein ohne professionelle Hilfe ist diese Krankheit nicht zu überwinden.
Vor allem ist es wichtig, frühzeitig Momente der Ruhe zu finden, Zeit für sich. 

Die Stille vor Lilou ist ein bemerkenswerter Roman, der lange nachwirkt und vielleicht dem einen oder anderen Leser den Blick schärft für die Menschen in ihrer Umgebung.

  • ASIN : B092XG8HL4
  • Herausgeber : Independently published (19. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 189 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8740690537


Sonntag, 2. Mai 2021

Verlorene Engel Max Heller 6 von Frank Goldammer


In seinem 6. Fall bekommt es Max Heller mit einem Serienvergewaltiger zu tun, niemand weiß, wo dieser als Nächstes zuschlagen wird, denn weder seine Opfer noch die Tatorte lassen ein Muster erkennen, als auch noch eine tote Frau gefunden wird, droht die Lage in der Bevölkerung zu eskalieren, Rufe nach Selbstjustiz werden laut. Als der Täter endlich gefasst wird, gesteht dieser zwar die Vergewaltigungen nicht aber den Mord, sind für diesen vielleicht die desertierten sowjetischen Soldaten verantwortlich?

Beruflich entwickelt sich für Heller scheinbar alles zum Guten, sogar eine Beförderung steht an, obwohl er sich weiterhin weigert in die Partei einzutreten. Heller kann nicht abschätzen, ob sein Sohn Klaus im Hintergrund vielleicht die Fäden zieht oder ob die Beförderung einzig und allein seinen Fähigkeiten geschuldet ist.
Schwerwiegender als alles Berufliche wiegt für ihn und seine Frau Karin allerdings die Entwicklung ihrer Tochter Anni, sie müssen wegen ihres Benehmens und ihrer schulischen Leistungen sogar zu einem Elterngespräch in die Schule und auch zu Hause benimmt sich das Mädchen anders als bisher gewohnt.

Wieder einmal ist es Frank Goldammer hervorragend gelungen das besondere Gefühl der Zeit einzufangen und es seinen Lesern zu vermitteln. Die Angst der Menschen vor der Bespitzelung durch die Stasi, lässt sie verstummen, denn jeder könnte ein Informant sein. Dies erlebt Heller in der eigenen Familie, sein Sohn Klaus ist so sehr von der Parteilinie überzeugt, dass auch während der seltenen Zusammentreffen jedes Wort an ihn auf die Goldwaage gelegt werden müsste.
Auch die allgegenwärtige Präsenz der sowjetischen Armee trägt zu der bedrückenden Atmosphäre bei. Und das, obwohl die politische Situation in diesem Band gar nicht so sehr im Vordergrund steht, es sind die leisen Töne, die die Atmosphäre schaffen.

Der Autor präsentiert uns im Laufe der Ermittlungen viele Verdächtige, die be- und entlastet werden, um dann eventuell wieder in den Focus Hellers zu geraten, das zeigt wie schwierig es damals war, mit den wenigen technischen Mitteln, an DNA-Analysen war ja noch nicht einmal ansatzweise zu denken, einen Täter zu ermitteln oder die Unschuld eines anderen zu beweisen.
Doch Heller kann auf seine Erfahrung und auch auf sein Bauchgefühl vertrauen.
Der Krimi ist gewohnt spannend und durch die vielen Verdächtigen und Spuren die Heller zu verfolgen hat, ist der Fall besonders knifflig und ließ mich die ganze Zeit miträtseln.
Ich war allerdings immer auf der falschen Spur, doch am Ende löste sich alles schlüssig und nachvollziehbar auf.

Verlorene Engel, kann als reiner Krimi eigenständig gelesen werden, allerdings würde man sich dann des Vergnügens berauben, die Geschichte Max Hellers und seiner Familie kennenzulernen, sie ist der rote Faden der sich durch alle 6. Bände zieht und auch wenn ich normalerweise kein Freund davon bin zu viel vom Privatleben, ihren Sorgen und Nöten, der Ermittler zu erfahren, sie lenken oft zu sehr von der eigentlichen Handlung ab.
Hier ist es anders, dadurch das der Autor niemals das wesentliche aus den Augen verliert und somit auch Heller sich immer (oder fast immer) zu 100 % auf seine Arbeit konzentriert, wird man auch als Leser  nicht abgelenkt.

Verlorene Engel bekommt eine absolute Leseempfehlung.

Eine weitere Rezension findet ihr bei FrauGoetheliest

  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (23. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 400 Seiten
  • ISBN-10 : 3423262834
  • ISBN-13 : 978-3423262835


Samstag, 1. Mai 2021

Heimatmord Eine Anthologie Strange Tales Club 4


Sie mögen Kriminalromane? Sie lieben es, wenn die Story einen regionalen Touch hat? Wenn sie sich vor der vertrauten Kulisse der eigenen Heimat abspielt oder den Leser in unbekannte Gegenden entführt? Dann sollten Sie sich diese Sammlung von Regional-Kriminalkurzgeschichten keinesfalls entgehen lassen.
Ich liebe Kurzgeschichten aus allen Genre, die ich sowieso lese und so liegt es nahe, das ich mich mit ihnen auch einmal auf eine Reise begebe.

Mirco Adam – Unter Verdacht

Seinen Landgang hat sich Mad Madsen eigentlich anders vorgestellt, seine Beobachtungen bringen ihn nicht nur in Gefahr, sondern auch auf die Spur gefährlicher Terroristen. Spannend und sicher nicht zu weit hergeholt.


Holger Finbarr Richter – Breisbach ist eine Reise wert

Ein Dedektiv schreibt seinem Enkel einen Brief und erzählt über seinen kuriosesten Fall, der hätte er sich nicht in Süddeutschland abgespielt, sehr an Seemannsgarn erinnert, dazu passte auch die Ausschweifende Erzählweise des Opas.


Georg Adamah – Kommissar Weberpals und das verschollene Manuskript des Georg Adamah

Gleich 3 Explosionen zerstören die Wohnung des Schriftstellers Georg Adamah und hinterlassen nichts als Schutt und Asche, von dem Schriftsteller fehlt jede Spur, ebenso wie von einem Manuskript mit brisantem Inhalt. Eine gut geschriebene Story die leider ein offenes Ende hat. Krimis mag ich dann doch lieber abgeschlossen.


Viola Eigenbrodt – Toxisch

Die Autorin beschreibt eindringlich wie die Vergangenheit eines Menschen die Gegenwart Aller beeinflussen kann, zum Guten oder auch schlechten. Angelikas Leben wird eher zum schlechten beeinflusst, ihre Familie nutzt sie nur aus und der Vater, der einzige der ihr Liebe entgegenbrachte, ist schon verstorben. Als sie Lutz kennenlernt, scheint sich alles zum besseren zu wenden, bis er sein wahres Gesicht zeigt.


Susanne Swazyena – Im Namen des Vaters – Gottes verstoßene Kinder

Stuttgart21 hat noch nie viel Gutes hervorgebracht, aber das was bei Baggerarbeiten in der Nähe der Wilhema ans Tageslicht kommt ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Sechzehn Babyleichen, werden in einer unterirdischen Kammer gefunden, einige liegen dort schon seit Jahren, eine erst seit ein paar Tagen. Erste Spuren führen den Ermittler Tom Wolfer in das nahegelegene Kloster Sankt Bernadette.


H.C. Scherf – Sein Blut für ihres

Eine Nachbarin findet die kastrierte und mit seltsamen Zeichen versehene Leiche, Eike Hollsteins.
Hauptkommisar Adelfio Mancinis Ermittlungen führen ihn in Kulturkreise die Traditionen pflegen die für Europäer kaum nachvollziehbar sind. Das Motiv für den Mord ist ebenso grausam wie nachvollziehbar.


Ina Kloppmann – Milas Geheimnis

Die Ausreißerin Mila trifft auf die Punkerin Elena, die sie in ein besetztes Haus mitnimmt und ihr für eine kurze Zeit Unterschlupf bietet. Mila scheint die Zeit zum Durchatmen dringend zu brauchen. Elena erfährt erst aus der Zeitung Milas Geheimnis.


Alexandra Mazar – Der rote Schuh

Ein klassischer Krimi, den ich auch sehr mochte.
Ein Radfahrer findet die Leiche einer jungen Frau, die augenscheinlich von einem Baum erschlagen wurde, doch was hatte sie mitten in der Nacht dort zu suchen und wo ist ihr zweiter Schuh?


Susanne Ziegert – Meuterei

Ich wusste natürlich, dass man auch in der Literatur irgendwann nicht mehr am Covid-19 Thema vorbeikommt, ich will beim Lesen eigentlich der Realität entfliehen und so war ich erst etwas skeptisch ob meine Vorbehalte mein Urteilsvermögen evtl. beeinflußen könnten.
Aber dem war nicht so, die Story über die MS Titania die mit tausenden von Menschen an Bord in Cuxhafen festsitzt, war in Verbindung mit einem tödlichen Unfall an Bord, sehr spannend, auch wenn die Polizistin Flores Salazar nicht an einen Unfall glaubt.


Alexander Kühl – Windmühlenberg

Friedrich Blohm wurde vergiftet und wenn man mich fragt, er kam noch viel zu billig davon.
Kurt Stolze und seine Kollegin Paula Reichmann sollen den Mord an dem ehemaligen Chemielehrer Friedrich Blohm aufklären und finden bei der Durchsuchung der Räumlichkeiten unzählige tote Katzen und werden von einem kleinen Mädchen auf die Spur eines Einsiedlers gebracht.


Norbert Schäfer – Schluchsee Blues

Was führte zum Tod von Helene Landauer, ist sie einfach eingeschlafen oder wurde sie von ihrem gewaltätigen Mann ermordet, aber der hat ein Alibi und warum ist ihr Sohn genau zum Zeitpunkt ihres Todes verschwunden? Was weiß ihre Tochter Maria?
Eine sehr spannende Geschichte mit einem grandiosen Ende.


Herbert Arp – Tod eines Preisgekrönten

Abgeschlachtet, gehäutet und gegrillt, dieses Schicksal sollte dem Meißner Widder Rudi eigentlich nicht widerfahren und doch werden seine Überreste genauso im Kleingarten der Punkband Die Analraketen gefunden. Der Fall ist klar, die Versicherung zahlt, die unbeliebte Band steht kurz vorm Rausschmiss aus der Kleingartenanlage. Doch niemand hat die Rechnung mit dem Versicherungsvertreter Torsten Harms gemacht..

Die meisten der Geschichten konnten mich wirklich überzeugen, sie waren spannend und in sich schlüssig, wenn mich eine vielleicht nicht so ganz begeistern konnte, war es auch nicht so das mir gar nichts daran gefiel, es waren dann eher Kleinigkeiten, sie waren dann die Praline in der Schachtel, die immer bis zum Schluss übrigbleibt, wenn man die Mischung schon kennt. 
Heimatmorde bekommt auf jeden Fall eine Leseempfehlung von mir.

  • ASIN : B091GSCQRD
  • Herausgeber : Independently published (3. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 358 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8730660830