Mittwoch, 30. Juni 2021

Schwesterntod: Ein True Crime Thriller von Eva - Maria Silber und Kirsten Wilczek


 Eine Nacht, die das Leben einer Familie in einen Trümmerhaufen verwandelt: Zwei Schwestern werden an einem Sommertag als vermisst gemeldet und drei Tage später ermordet aufgefunden. Die Mutter wird wegen Doppelmordes verurteilt. Ein Justizirrtum?

Dann der Paukenschlag: 23 Jahre nach dem Mord gesteht der Vater gegenüber Zeugen die Tat. Zwei pensionierte Richterinnen rollen als Judges find Justice nach amerikanischem Vorbild den zwanzig Jahre alten Mordfall wieder auf. Er oder sie, welches Elternteil hat die unfassbare Tat begangen? Oder war alles doch ganz anders?

Eva-Maria Silber und Kirsten Wilczek, beide mit dem Justizwesen bestens vertraut, verarbeiten einen Fall, der die Öffentlichkeit über Jahrzehnte fesselte, zu einem schockierend authentischen Thriller.

Als  die Schwestern Susanne und Claudia ermordet aufgefunden werden, ist für die Öffentlichkeit und die Ermittler schnell klar, ihre eigene Mutter Heidrun Bosman hat die 6- und 8-jährigen Mädchen ermordet. Nur die junge Staatsanwältin Marie-Louise verweigert sich der Vorverurteilung und wird deshalb von dem Fall abgezogen. Als Jahre später der Vater den Mord gegenüber Zeugen gesteht, rollen Marie-Louise und Marte, die als Richterin kurz vor der Pensionierung steht, den Fall nach dem Vorbild der amerikanischen Organisation Judges find Justice, wieder auf.
Schwesterntod ist ein True Crime Thriller, der auf dem Monika Weimar beruht, die angeblich ihre Töchter Melanie und Karola tötete, um für ihren Liebhaber einem amerikanischen Soldaten frei zu sein. Ich erinnere mich noch recht gut an die Hexenjagd, die es damals gab. Manchmal schien es, als wäre das schlimmste Verbrechen, das Monika Weimar begangen hatte, ihre Affäre mit dem US-Soldaten. Der mutmaßliche Mord an den Kindern rückte Zeitweise in den Hintergrund und auch das gerade diese Affäre ein starkes Motiv für ihren Ehemann Reinhard Weimar gewesen sein könnte, interessierte die Ermittler scheinbar nicht.

Die Autorinnen Eva-Maria Silber und Kirsten Wilczek lassen ihre Geschichte nicht nur im Jahr 2010 spielen, sondern auch in Rückblenden im Jahr 1987, das ist immer gut gekennzeichnet aber auch ohne die Zeitangaben ist schnell klar in welcher Zeit die Handlung gerade angesiedelt ist, die Art und Weise wie mit der Verdächtigen Heidrun umgegangen wurde, entbehrte jeglicher Menschlichkeit, da war es mir teilweise schon vollkommen egal, ob sie die Kinder tötete oder nicht, so geht man nicht mit Menschen um.

Textstelle Seite 211 Zeitpunkt 1987
*Ich habe ja gesagt, dass sie mir nicht glauben würden* hauchte Heidrun.
*Da haben Sie recht! Ich könnte mir vorstellen, dass der Schaden beim Todeskampf einer ihrer Töchter entstanden ist. Aber beim Fick mit ihrem Neger? Nee*
Heidrun erklärt sich daraufhin bereit, die Szene nachzustellen und bevor Marie-Louise das verhindern kann, wird sie auf einem Parkplatz umringt von Polizeibeamten und Reportern zur Schau gestellt.

Da drehte sich mir fast der Magen um.

Marie-Louise und Marte sind ein Dream-Team, perfekt aufeinander eingespielt, als Schwestern kennen sie sich in- und auswendig und sorgen mit ihren Dialogen und der Art wie sie miteinander umgehen für uneingeschränktes Lesevergnügen. Ich mochte die beiden wirklich sehr.
Es muss Menschen geben die sich selbstlos für andere einsetzen ohne Ansicht der Person oder der Umstände, die einzig und allein nach Faktenlage urteilen, na ja und ein bisschen auf ihr Bauchgefühl hören. 
Schwesterntod bekommt von mir eine Leseempfehlung.

Ich habe noch einen Lieblingssatz aus dem Buch für euch:

Der Morgen musste eine angeregte Nacht verbracht haben. Sein Sonnenaufgang lächelte Pausbäckchenrosa.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dp Verlag (24. März 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 348 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3968173279
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3968173276




Dienstag, 29. Juni 2021

Tränenrot von Ralf Gebhardt

 


Gleich ihr erster Streifendienst stellt die jungen Polizistinnen Sophie Schellenberg und Nicole Wolff vor gewaltige Probleme. Als sie auf dem Parkplatz eines halleschen Einkaufscenters eine Leiche im Kofferraum eines PKWs finden und auf eigene Faust einem Verdacht folgen, ahnen sie nicht, was es mit dem Italiener Luca Pacano auf sich hat. Sophie hat sich ausgerechnet in ihn verliebt. Schnell geraten sie immer tiefer in die Fänge der Mafia, werden mit Schutzgelderpressung und Drogen konfrontiert. Schließlich erhalten sie ein „Angebot, das sie nicht ablehnen können“: Durch Informationen aus der kriminellen Szene würden sie schnell Polizeikarriere machen, wenn sie sich auf die Seite der Familie Pacano stellen. Die beiden Freundinnen bitten um Bedenkzeit, obwohl Nicole zu diesem Zeitpunkt bereits Lucas Freund Rajko verfallen ist. Als sie eine Party besuchen, auf der sie Luca und Rajko treffen, eskaliert die Situation. Das, was dann passiert, übersteigt ihr Vorstellungsvermögen: Im Strudel des Bösen werden sie selbst von Jägerinnen zu Gejagten.


Sophie und Nicole sind nicht nur Kolleginnen, sie sind auch Freundinnen und gehen seit der Polizeischule gemeinsam durch Dick und Dünn. Weil die Frauenquote auch im Polizeidienst erfüllt werden muss, dürfen die unerfahrenen  Beamtinnen gemeinsam auf Streife, ohne einen erfahrenen Kollegen oder eine Kollegin an ihrer  Seite, was den Lauf der Dinge vielleicht geändert hätte.
Doch es ist wie es ist und Sophie und Nicole sehen sich mit Situationen konfrontiert, die man normalerweise nach Sizilien oder die USA verorten würde.
Ein Mafia-Clan hat die Kontrolle über die kriminelle Szene in Halle und sie wollen ihre Macht mithilfe der beiden Beamtinnen ausweiten, nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere, sollen Nicole und Sophie Informationen an die Familie Pacano weitergeben und dafür Informationen über Verbrechen außerhalb des Clans erhalten. Dazu überreden sollen sie Luca Pacano und Rajko, die rechte Hand des Don. Die Frauen verlieben sich in die Männer, die nur ein Ziel haben, sie auf ihre Seite zu ziehen und auch vor Erpressung mit kompromittierenden Videos  nicht zurückschrecken.

Tränenrot ist ein rasanter Thriller, der wie ein Schnellzug immer mehr Tempo aufnimmt und der auf eine Schlucht zurast, vor der er nicht mehr zu stoppen ist, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Und lange sieht es nicht danach aus, das es irgendeine Art von Wunder geben könnte, das nicht nur Sophie und Nicole retten würde, sondern auch dem Mafia-Clan das Handwerk legen würde. 
Ab und an musste ich  innehalten, die zahlreichen Actionszenen fordern ein hohes Tempo beim Lesen und hätte ich mich dem angepasst, wäre mir vielleicht das eine oder andere Detail entgangen, Luca z.B. überraschte mich, aber das müsst ihr selbst lesen.
Der Thriller ist brutal, auch hier verlangt Ralf Gebhardt seinen Lesern so einiges ab, auch wenn er selten ins Detail geht, aber hey ich habe eine Fantasie die ganz schnell Purzelbäume schlägt, wenn man ihr einen Bildschnipsel hinhält. Der Autor versteht sich meisterhaft auf diese Bildschnipsel, die sich in meinem Kopf zu einem Hochglanzfoto zusammenfügen.

Von mir bekommt Tränenrot eine Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ edition oberkassel (17. Juni 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 300 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958132340
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958132344


Montag, 28. Juni 2021

Der Blutkünstler von Chris Meyer


Tom Bachmann seziert Seelen – von Mördern, Psychopathen, Sadisten. Dabei geht er akribisch vor, um das Böse, das diese Menschen in sich tragen, zu verstehen. Tom Bachmann ist ohne Zweifel der beste Profiler seiner Generation. Doch nun bekommt er es mit einem Killer zu tun, der dem Wort Grausamkeit eine neue Dimension verleiht: dem Blutkünstler.

Der Blutkünstler foltert seine Opfer lange und ausgiebig, ehe er ihre Körper dazu benutzt, um etwas Großes zu erschaffen. Ein Kunstwerk. Ein Vermächtnis. Ein Farbenspiel aus Fleisch und Blut.

Tom Bachmann, der „Seelenleser“ des BKA, setzt alles daran, den Blutkünstler zur Strecke zu bringen. Dabei muss er sich einer verstörenden Wahrheit stellen, einer Wahrheit, die erklärt, warum er der Einzige ist, der den Killer aufhalten kann.

Ich hatte mich auf den Blutkünstler sehr gefreut, endlich mal wieder ein handfester, blutrünstiger Thriller, der mich die Nächte durchlesen lässt und Gänsehaut erzeugt, nur leider konnte der Blutkünstler meine Erwartungen nicht ganz erfüllen. Was zum Großteil daran lag, das der Profiler Tom Bachmann der verschollene Bruder Robert Hunters sein könnte, Thrillerfans kennen den sympathischen Profiler aus der Feder Chris Carters.  Tom Bachmann erinnert mit seinem Schicksal sehr an Hunter, nur fehlt ihm leider die Menschlichkeit, die Empathie die einen guten Ermittler ausmacht, ihm nur Probleme aufzuhalsen die ihm und seinem Umfeld das Leben schwer machen, reicht nicht um einen spannenden Charakter zu erschaffen.

Diese Parallelen haben mich tatsächlich gleich zu Beginn der Lektüre etwas geärgert, also habe ich das Buch erst einmal an die Seite gelegt, um es später von vorne zu beginnen, dabei habe ich mich dann auf die Story konzentriert.

Ein Serienmörder versetzt die Menschen in Angst und Schrecken, mehrere Frauen wurden grausam verstümmelt, in ein gelbes Kleid gesteckt und in Szene gesetzt. Ein Kunstwerk aus Fleisch und Blut.
Tom Bachmann bekommt als Neuer beim BKA ein erfahrenes Team an die Seite gestellt, Ira die früher als verdeckte Ermittlerin gearbeitet hat und nichts vom Profiling hält, die Pathologin Nina die bei der Arbeit klassische Musik hört, um dem Grauen ihres Berufs etwas entgegenzustellen und den IT-Experten Phillip, genial und manchmal etwas verpeilt (ein weiteres Klischee 😀). Nach einer gewissen Zeit des zusammen Raufens arbeiten sie gemeinsam auf Hochtouren, um den Blutkünstler zur Strecke zu bringen. 
Durch die verschiedenen Perspektiven erfährt der Leser viel über die Opfer, den Killer und die Ermittler, das macht die Story dann doch durchaus lesenswert.
Chris Meyer hat keinerlei Rücksicht auf evtl. Befindlichkeiten seiner Leser genommen, die Morde werden akribisch beschrieben, ein Pluspunkt des Buches, denn wenn mir ein brutaler und blutiger Thriller versprochen wird dann will ich das auch haben, entweder muss es so sein, das meine Fantasie Purzelbäume schlägt oder wie hier, so genau beschrieben werden, das automatisch Bilder im Kopf entstehen, das ist dem Autor hier zu 100 % gelungen.

Ich bin jetzt zwiegespalten, die Story an sich war gut, stellenweise großartig, aber meine gleich zu Beginn aufkommenden Vorbehalte gegen Tom Bachmann konnte ich nicht komplett ablegen.

Ich vergebe für das Buch eine Leseempfehlung mit Einschränkungen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch; 2. Edition (31. Mai 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548063764
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548063768






Dienstag, 15. Juni 2021

Weil ich an uns glaubte von Heike Fröhling

 


Günther ist sechzehn, als er seine Heimat hinter sich lassen muss – und mit ihr seine große Liebe Marianne. Dass Günthers Familie in der DDR unter Beobachtung steht, wissen beide. Sie ahnen jedoch nichts von den Fluchtplänen seiner Eltern. Von heute auf morgen getrennt, versuchen Marianne und Günther verzweifelt, sich in der neuen Situation einzufinden, die verloren geglaubte Liebe hinter sich zu lassen. Aber auch in seinem neuen Leben im Westen kann Günther Marianne nicht vergessen. Wird es ihm gelingen, sie wiederzufinden?

Viele Jahre später erfährt Enkelin Lena, dass ihre totgeglaubte Großmutter noch lebt. Lena möchte Marlies unbedingt kennenlernen. Als Marlies ihr eine Geschichte erzählt, wird Lena bald klar, dass darin mehr Wahrheit steckt, als sie anfangs vermutet. Sie birgt eine Erkenntnis, die ihr eigenes Leben völlig auf den Kopf stellen könnte.



Als Lena kurz vor ihrer bevorstehenden Verlobung erfährt, das ihre totgeglaubte Großmutter Marlies noch lebt und ihr diese ihre Lebensgeschichte erzählt, hinterfragt die junge Frau ihre bisherigen Lebensziele.


Marianne, so nennt Marlies das Mädchen in ihrer Geschichte, ist seit der Schulzeit mit Günther befreundet, der so ganz anders aufwächst als sie, in seiner Familie findet sie den Halt und die Geborgenheit, die sie vermisst und es weht ein anderer politischer Wind. Günthers Eltern hinterfragen das Regime der DDR während Mariannes Eltern unbeirrt daran glauben auch bei der Erziehung der Kinder könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Mariannes Weg ist vorgegeben, sie soll im Geschäft des Vaters mitarbeiten und damit Basta. 

Aber auch Günthers Eltern lassen ihm nicht immer die Wahl, als sie die DDR verlassen, muss er sie begleiten, doch er kann Marianne nicht vergessen.


In zwei Zeitsträngen erzählt die Autorin die Geschichte ihrer Protagonistinnen, während Lena wohlbehütet, wenn auch unzufrieden bei ihrer Mutter und ihrem Großvater aufwuchs, muss Marianne sich unterordnen, erst dem Vater, dann ihrem Ehemann die sie gemeinsam kurz nach der Geburt ihrer Tochter Susanne in eine Psychiatrische Klinik einweisen lassen.


Mariannes/ Marlies Geschichte hat mich berührt und betroffen gemacht, sie steht für die Geschichte von Millionen von Menschen, die ihr Leben nicht so leben können, wie sie es glücklich machen würde, überall auf der Welt. Ihr Schicksal konnte sie nicht brechen und mit Günthers Hilfe scheint sie es geschafft zu haben, Frieden mit ihrer Vergangenheit zu schließen.


Lena hingehen war mir nicht sonderlich sympathisch, sie scheint mir für ihr Alter zu naiv und zu unstet, schon auf den ersten Seiten, hatte ich eine Abneigung gegen sie, die ich nicht wirklich erklären kann. Gut, das man nicht jeden mögen muss, um ein Buch gern zu lesen.


Mein Fazit. Weil ich an uns glaubte, ist ein durchaus gelungener Roman, der die jüngste Vergangenheit ein klein wenig mehr ans Licht bringt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Tinte & Feder (11. Mai 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 240 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496706030
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496706031

Montag, 14. Juni 2021

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch (Ein Fall für Leopold von Herzfeldt)

 


1893: Augustin Rothmayer ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hochgebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet – jede von ihnen brutal gepfählt. Der Totengräber hat schon Leichen in jeder Form gesehen, kennt alle Todesursachen und Verwesungsstufen. Er weiß, dass das Pfählen eine uralte Methode ist, um Untote unter der Erde zu halten. Geht in Wien ein abergläubischer Serientäter um? Der Inspektor und der Totengräber beginnen gemeinsam zu ermitteln und müssen feststellen, dass sich hinter den Pforten dieser glamourösen Weltstadt tiefe Abgründe auftun.


Mit großen Plänen kommt Leopold von Herzfeldt nach Wien, er will den Weg bereiten für die moderne Kriminalistik, die er in Graz von seinem Mentor Hans Gross vermittelt bekam, dessen Buch *Handbuch für Untersuchungsrichter* das Standardwerk für die Polizei werden könnte und er will seine Vergangenheit hinter sich lassen, dafür gab der junge Polizist eine vielversprechende Karriere als Untersuchungsrichter auf. Doch schon vor seinem offiziellen Dienstbeginn, verdirbt er es sich mit seinen Kollegen, als er sich unbefugt in die Ermittlungen zu einem Mord, von dem er zufällig erfährt, einmischt.
Unterstützung erhält er nur von der jungen Telefonistin Julia, dem Polizeianwärter Andreas Jost und dem Totengräber Augustin Rothmayer.
Es sind grausame Morde die Leopold aufzuklären hat und irgendjemand scheint alles daranzusetzen Leopolds Ermittlungen zu behindern und ihn aus Wien zu vertreiben. Leopold hat Gegner im Revier, die tiefer in den Fall verstrickt zu sein scheinen und die alles daran setzen die Ermittlungen zu behindern. Statt die Ermittlungen zu den Morden mit modernsten Methoden vorantreiben zu kommen, muss er sich um einen versuchten Grabraub von Bernhard Strauss einem Halbbruder des berühmten Komponisten Johann Strauss kümmern und Fotos in einem verstaubten Archiv sortieren. 
Währenddessen hat Augustin ganz andere Probleme, ein kleines Mädchen taucht auf dem Zentralfriedhof auf und wirbelt sein beschauliches Leben gehörig durcheinander, die kleine Anna lässt sich nicht wieder wegschicken und so nimmt der gutmütige Totengräber das Kind bei sich, auf nicht ahnen welch schreckliches Schicksal sie hat.

Fotos, Fingerabdrücke, Faserspuren dies und vieles mehr ist aus der modernen Kriminalistik nicht mehr wegzudenken, doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts steckten alle diese Techniken noch in den Kinderschuhen, vieles von dem, was Leopold anwendet, wird von den Kollegen eher misstrauisch beäugt wobei mir nie so ganz klar war, liegt es an seinen Methoden oder an ihm, dem Piefke, der Hochdeutsch spricht und offensichtlich aus gutem Haus stammt, zu dem ist er jüdischer Abstammung, was einem seiner Kollegen besonders aufstößt und er hat manchmal eine etwas überhebliche Art, die ihm als Neuling nicht gut zu Gesicht steht. Seine Hartnäckigkeit und sein Wille den Fall unbedingt lösen zu wollen, egal in welche Schwierigkeiten er persönlich gerät, haben mir aber gut gefallen und vielleicht legt er im Laufe der Zeit etwas von der Überheblichkeit ab.

Augustin hingegen war mir sofort sympathisch, er ist ein typischer Fall von *Rauhe Schale, weicher Kern* so liebevoll grummelig er sich um die kleine Anna kümmerte, das war schon sehr liebenswert. Zudem ist er hochintelligent und gebildet, sein forensisches Wissen ist für die damalige Zeit enorm und das er dieses Wissen niederschreibt und damit auch der Gerichtsmedizin hilft, ist ein großer Gewinn für alle die seine Kenntnisse zu schätzen wissen.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus dem 

Almanach der Toten
so können wir teilhaben am Wissen des Totengräbers.

Oliver Pötsch Charakterbeschreibungen haben mir gut gefallen, sie scheinen authentisch, echte Personen ihrer Zeit, sicherlich bedient er sich auch an dem einen oder anderen Klischee, aber das sei verziehen, Klischees vermitteln uns ein Gefühl von Vertrautheit und wir mögen nun einmal das was wir kennen. Als Beispiel nenne ich hier die Puffmutter Elli, die wie es sich für eine gute Bordellbetreiberin gehört, bei allem Geschäftssinn das Herz auf dem rechten Fleck hat. Was genau es mit ihr auf sich hat, müsst ihr aber selber lesen.

Das Buch des Totengräbers ist ein sehr spannenden historischer Krimi. Ich bin gespannt wie es mit Leopold von Herzfeldt, Augustin Rothmayer weitergeht.

  • Herausgeber : Ullstein Paperback; 1. Edition (31. Mai 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 448 Seiten
  • ISBN-10 : 3864931665
  • ISBN-13 : 978-3864931666


 


Samstag, 12. Juni 2021

Die Highlanderin von Eva Fellner

 


Die Tochter der Highlands. Island 1289: Bei einem Schiffsunglück gerät Enja in die Fänge von Menschenhändlern. Sie wird in den Orient entführt und dort zur Assassinin ausgebildet. Als junge Frau sucht sie ihre Wurzeln und macht sich auf den langen Weg nach Schottland, wo in den Highlands ein erbitterter Krieg zwischen den Clans und den Engländern tobt. Als Enja bei einem Angriff schwer verletzt wird, rettet sie ausgerechnet der Clanführer James Douglas. Auf seiner Burg kommt sie wieder zu Kräften. Sie ist fasziniert von James, und als er in englische Gefangenschaft gerät, unternimmt Enja alles, um ihn zu retten – obwohl sie sich damit einen mächtigen Feind macht: den englischen König. Die hochspannende Geschichte einer furchtlosen Heldin vor der Kulisse der Schottischen Unabhängigkeitskriege.


Schottland 1307

Verkleidet als die Braut tötet die  Freiheitskämpferin Enja den englischen Baron de Keighley auf dessen Hochzeit mit der schottischen Adligen Elisabeth Armstrong. Die Hochzeit wurde vom englischen König Edward angeordnet, Hochzeiten wie diese dienen dem einzigen Zweck,  Schottland an England zu binden.
Doch die Schotten streben nach Unabhängigkeit.

Die Geschichte Enjas beginnt in Island im Jahr 1289, dort wird das Mädchen auserwählt über das Meer zu fahren und den Göttern zu dienen, das kleine Mädchen weiß nicht, was sie dort erwartet und sie wird es nie erfahren denn das Schiff geht in einem Sturm unter, in letzter Minute wird sie von Sklavenhändlern gerettet. Sie wird in den Orient verschleppt.
Nach einer Ausbildung zur Assassinin verschlägt es sie nach Schottland, wo sie schon bald eine tiefe Verbundenheit zu dem Land und den Menschen spürt.

Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen erzählt, einmal wird Enjas Leben in Schottland geschildert immer wieder unterbrochen von Passagen aus der Vergangenheit, beginnend bei ihrer Reise in den Orient, dem Schiffbruch und ihrer Ausbildung. 
Ich mochte diese Art der Erzählung sehr, hätte die Autorin eine andere Art gewählt, ich weiß nicht, ob ich das Buch beendet hätte, das muss ich jetzt aber erklären.
Wir lernen Enja als starke, unabhängige junge Frau kennen, die Freiheitskampf der Schotten ihr eigenes Leben riskiert, um ihrer Wahlheimat zur Unabhängigkeit zu verhelfen. Ihr Weg im Orient sollte ein ganz anderer sein, als schönes junges Mädchen landet sie einer Schule für Haremsdamen, dort soll sie Demut, Gehorsam, die Sprache des Landes und alles, was sich für eine junge Frau geziemt lernen. Doch Enja ist rebellisch und sie hat nur den Wunsch nach Hause zurückzukehren.
Hätte ich nicht gewusst, wo das Leben sie hinführt, hätte ich einen klassischen historischen Liebesroman erwartet, das irgendwann der Held kommt, der sie rettet. Aber Enja braucht keinen Helden und das macht sie sehr sympathisch.
Doch natürlich ist sie auch eine Frau mit Gefühlen und so bleibt es nicht aus, das sie sich verliebt als sie James Douglas kennenlernt, den Sohn des Clanführers William , doch auch hier spart sich die Autorin eine kitschige Liebesgeschichte und dafür bin ich ihr sehr dankbar, denn dann hätte ich eine  Geschichte verpasst, die mit spannenden und interessanten Charakteren punktet und die geschickt, Fiktion und historische Fakten miteinander verwebt. Dazu kommt noch eine kleine Prise Fantasy, ich bin sehr gespannt wie und ob sich das noch weiterentwickelt.

Ich vergebe für Die Highlanderin eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (17. Mai 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 505 Seiten
  • ISBN-10 : 3746638291
  • ISBN-13 : 978-3746638294


Freitag, 11. Juni 2021

Mudlake Willkommen in der Hölle von Mario Steinmetz

 

Klappentext: Sie glaubten, sie hätten ihn in den Höllenschlund zurückgeschickt. Doch ein Jahrhundert später ist er wieder da. Stärker als je zuvor … Im Jahre 1876 stellen sich vier Revolverhelden einem brutalen Saloon-besitzer entgegen. Dabei stoßen sie auf ein Labyrinth, das sich wie ein böses Geschwür unter dem Provinznest Deadwood ausbreitet. Was als wilde Schießerei beginnt, endet nach einem Ritt durch die Hölle auf einer Farm, auf der sich Geschehnisse jenseits menschlicher Vorstellungskraft zutragen. Einhundert Jahre später gerät am selben Ort der Bus einer Abschlussklasse in die Fänge brutaler Dorfbewohner. Das Schicksal der Teenager entscheidet sich am Ufer des Mudlake, durch dessen schlammtriefende Oberfläche ein grauenvolles Geheimnis bricht.

 Klappentexte abtippen ist so furchtbar unkreativ, aber was soll man machen, wenn die Handlung so komplex ist, dass eine Inhaltsangabe so ausführlich werden müsste, das niemand sonst das Buch noch lesen muss?

Die Geschichte beginnt 1863 mit einem Massaker in Lawrence, Kansas. Unter dem Kommando William T. „Bloody Bill“ Andersons, einem der brutalstenBushwhacker auf Seiten der Konföderierten. Der Prolog lässt nicht nur erahnen, das es sich bei The Orphans um einen Horrorroman erster Güte handelt und wer hofft das es weniger blutig und brutal weitergeht, der irrt gewaltig. Das erste Kapitel führt uns ins Jahr 1976, eine Gruppe Waisenkinder ist in Begleitung der Nonne O'Hara auf ihrer Abschlussfahrt, nach diesem Ausflug verlassen sie das Waisenhaus, um auf eigenen Füßen zu stehen. Die Stimmung ist ausgelassen und bei einem Zwischenstopp in Paullina, einem kleinen, abgelegen Ort irgendwo in Iowa, wollen sich die Teenager so gut wie möglich amüsieren.
Die Jugendlichen ahnen nicht, das die Einwohner Paullinas ganz andere Pläne mit ihnen haben.
Nach und nach legt der Autor die Ereignisse offen, die dazu führten das Paullina der Ort ist, der er ist und was dazu führte, dass die Einwohner ganz besondere Traditionen pflegen.


Mario Steinmetz hat eine gruselige Atmosphäre geschaffen, man meint den Schweiß, die Schweine, das Blut und die Angst zu riechen, er spart nicht an Details, also hier nochmal die Warnung:
Dies ist ein Horrorroman.
Allerdings beschränkt sich Steinmetz nicht darauf, eine Gewalttat an die andere zu reihen, die Geschichte lebt nicht von Folterszenen, das wäre nach ein paar Seiten auch Todlangweilig. Nein, der Autor verwebt ein Stück belegter amerikanischer  Geschichte mit Legenden, die sich bis in die Gegenwart gehalten haben und das Schicksal der Jugendlichen in Jahr 1976 besiegeln, nur das es sich hier nicht um Legenden handelt.
Und es geht um Freundschaft, Zusammenhalt und um die Frage ob das Schicksal des Einzelnen vorherbestimmt ist, in dem Zusammenhang stellt sich dann auch eine weitere Frage: Kann man seinem Schicksal entkommen?
Diese Frage beantwortet Mario Steinmetz in seiner Story, die Antwort verrate ich euch natürlich nicht.
Je nachdem in welcher Zeit im Buch wir uns gerade befinden, sind die Protagonisten fiktiv oder beruhen teilweise auf realen Persönlichkeiten und damit demontiert Mario Steinmetz zumindest mein Bild von den Helden meiner Kindheit, wie ich sie aus unzähligen Western und Groschenheften kannte, sie sind nicht nur gut oder böse, nicht immer sauber und gepflegt, sie schreien, sie bluten und sie sterben. Nur die Bösen, sind böse, abgrundtief böse wie sich das für die Bösen gehört, oder vielleicht auch nicht, vielleicht müssen auch hier einige sich ihrem Schicksal unterwerfen?
Die Protagonisten in der Gegenwart, also im Jahr 1976 sind so, wie man sie sich vorstellt, jung, lebenshungrig mit teilweise lockeren Moralvorstellung, aber hey das waren die 70er ;o) Ich mochte sie alle, weil sie sich nicht in ihr Schicksal fügen, sie kämpfen um ihr Leben und um das ihrer Freunde.

  • Herausgeber : Mantikore-Verlag; Deutsche Erstauflage (12. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 340 Seiten
  • ISBN-10 : 3961881421
  • ISBN-13 : 978-3961881420
  • Lesealter : 18 Jahre und älter

Mudlake: Paullina Iowa



Im April erschien als überarbeitete Neuauflage Mario Steinmetz Horrorroman

Mudlake Willkommen in der Hölle

Die Geschichte beginnt 1876 in Lawrence Kansas, wo sich vier Revolverhelden einem brutalen Saloon-Besitzer entgegenstellen und endet nach einem Ritt durch die Hölle auf einer Farm in Iowa, auf der sich unvorstellbares zuträgt. 1976 gerät eine Jugendgruppe in die Hände brutaler Dorfbewohner und der Mudlake gibt sein grausiges Geheimnis preis.

Paullina, Iowa Juwel der Prärie
liest man auf der offiziellen Webseite der kleinen Stadt im O'Brien County, gibt es keinen schöneren Ort um zu Leben. Die 1882 gegründete Stadt wurde nach den Paullin Brüder genannt, denen das Land, auf dem sie erbaut wurde, gehörte.  Wie so viele Städte in den USA verdankt sie ihre Existenz der Eisenbahn. Heute lebt die 1000 Seelengemeinde hauptsächlich vom Tourismus, der Paullinasee und das nahegelegene Naherholungsgebiet sind ein Paradies für Camper. 

Mario Steinmetz hat auf seinen Reisen in die USA auch das Städtchen besucht und vielleicht überkam ihn der erste Grusel schon bevor er sie erreichte und vielleicht malte er sich aus, was ihn am Ende dieser Straße wohl erwarten würde. Ich stelle mir vor wie sich mit dem Blick ins Leere, im diesigen Licht, Geschichtsfetzen in seinen Kopf schleichen die sich nach und nach zu einer Story verdichten.


Der nächste Blick fiel vielleicht auf die Tankstelle am Ortseingang, von der aus sein Wagen misstrauisch von den Einheimischen beobachtet wird? (Ihr kennt alle diese Filme, bei denen der Zuschauer sofort weiß, das die Helden nichts Gutes erwartet, das reale Paullina ist natürlich ganz anders)


Spätestens beim Anblick des Grills und der Pension, schlug seine Fantasie sicherlich Purzelbäume und schäumte bei den typisch amerikanischen Bauten über.

Ein wesentlicher Bestandteil des Horroromans sind Schweine und der namensgebende Mudlake, wer sich jemals in einem Schweinestall aufgehalten hat, kennt den typischen Geruch und die Geräusche, die damit verbunden sind. Ob es in Paullina Schweinezucht gibt konnte ich nicht herausfinden nur das es in Iowa ein Umweltproblem mit der industriellen Schweinzucht gibt, an schlechten Tagen bekommt man in bestimmten Gegenden von Iowa kaum Luft, kein Wunder, wenn auf 1 Einwohner 7 Schweine gibt. Genauso wenig gibt es einen Mudlake, der See in der Nähe Paullinas ist eher idyllisch. Wer will da nicht gleich hineinspringen?

 

In den schlammigen, nach Schweinemist stinkenden Mudlake aus der Geschichte, setzt dagegen niemand freiwillig auch nur einen Fuß.

https://www.umdiewelt.de/t813_38

Wahrscheinlich hat Mario Steinmetz auf seinen Fahrten durch die faszinierenden Landschaften eine ordentliche Nase voll der unverwechselbaren Landluft abbekommen und mit seiner Schreibkunst konnte er auch das an sein Leser vermitteln, ebenso wie die besondere Atmosphäre einer amerikanischen Kleinstadt in den 70er Jahren. 
Der Autor sagte in einem Interview, das er über das schreibt, was er kennt, so hat er einige Zeit im White House Inn verbracht und ich bin mir nicht sicher was mir mehr Angst macht, die Vorstellung was auf abgelegen Farmen so alles geschehen kann oder dieses sehr spezielle Hotel.



Vielleicht habt ihr ja jetzt Lust bekommen auf einen Besuch in Paullina in Iowa, die beste Vorbereitung auf jede Reise ist die passende Lektüre.

Hier geht es zu meiner Rezension Mudlake Willkommen in der Hölle

Foto von Mario Steinmetz

Dienstag, 1. Juni 2021

Das letzte grüne Tal von Mark Sullivan

 


Ukraine, März 1944: Es ist tiefer Winter, als Adeline und Emil Martel mit ihren beiden kleinen Söhnen vor der Roten Armee fliehen müssen. Als Deutsche sind sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher und es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als sich auf den beschwerlichen Weg gen Westen zu begeben. Der aber wird von den Nazis kontrolliert. Emil, der als Soldat Gräueltaten der SS miterlebte, muss weiter um die Sicherheit seiner Familie fürchten. Besonders, als Adeline einer Jüdin bei der Flucht hilft und sie alle in Gefahr bringt. Doch Emil und Adeline, geleitet von ihrem Glauben aneinander, gehen ihren Weg gemeinsam – immer weiter Richtung Westen …

Als sich im Winter 1944 die deutsche Armee  aus der Ukraine zurückzieht, schließen sich ihnen tausende von Deutschen an deren Vorfahren im 18. Jahrhundert dem Ruf Katharina der Großen gefolgt sind und sich niederließen um als Bauern, Händler und Handwerker ihr Auskommen zu finden. Waren sie schon vor dem Krieg Repressalien ausgesetzt verschlimmerte sich ihre Lage zusehends, alle Wolgadeutschen wurden Pauschal als Kollaborateure verfolgt und zu tausenden nach Sibirien deportiert. Um diesem Schicksal zu entgehen und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen schließen sich Adeline und Emil Martel gemeinsam mit ihren Eltern einem Flüchtlingstreck in den Westen an, der von deutschen Truppen geschützt wird, die sich auf dem Rückzug befinden.
Emil weiß von den Gräultaten der Deutschen und würde sich am liebsten allein mit seiner Familie auf den gefährlichen Weg machen, doch die vorrückende Sowjetarmee macht das unmöglich.
Adelina träumte von einem grünen Tal, in dem ihre Familie ihr Auskommen finden, dieser Traum, Emils Worte,* Geh soweit nach Westen wie du kannst, ich finde dich* als sie getrennt werden und ihr unerschütterlicher Glaube an Gott halten die junge Frau aufrecht.
Ich mochte Adeline und Emil, das junge Paar hält unverbrüchlich an ihrer Liebe fest und die Liebe zu ihren Kindern gibt ihnen die Kraft ihren Weg nach Westen in das letzte grüne Tal immer weiter zu gehen.
Die Reise ist beschwerlich, Hunger, Kälte, die Angst vor der Roten Armee und vor einer ungewissen Zukunft sind ihr ständiger Begleiter. Nicht jeder der sich auf diesen Weg begab, erreichte das Ziel.
Die Familie trifft auf Menschen, die ihnen helfen und auch auf solche die ihnen schaden wollen, da kommen wir zu einem der wenigen Kritikpunkte, die ich für dieses Buch habe, jeder Protagonist hat seine vorgegebene Rolle, es gibt keinerlei Überraschungen, weder zum positiven noch zum negativen, die Guten sind gut, die Bösen böse. So ist das Leben aber nicht, es gibt Zwischentöne und Grauzonen, die Sullivan aber komplett auslässt.
Aber meine positiven Gefühle zu diesem Buch überwiegen, es regt zum Nachdenken an und dazu sich mit diesem Teil der Geschichte zu befassen. Mir war z.B. nichts über den Holodomor, der Tötung durch Hunger in den 1930iger Jahren in der Ukraine bekannt. 

Mark Sullivan schreibt in seinem Vorwort, das ihm nach Unter Blutrotem Himmel gesagt wurde, er würde keine weitere so intensive Geschichte finden und lange Zeit hätte er das wohl auch geglaubt, bis er durch Zufall auf die Geschichte der Familie Martel stieß. Deren Weg von  Friedenstal ( heute Tryhrady) in der südlichen Ukraine über Moldawien, Rumänien, Ungarn, die Tschechische Republik, Polen und Deutschland nach Bozeman in Montana führt. Sullivan erzählt eine eindringliche Geschichte, die auf wahren Ereignissen beruht, allerdings musste der Autor auch auf seine eigene Vorstellungskraft zurückgreifen, um Lücken zu schließen, dies machte er allerdings auf sehr behutsame Weise, die Erlebnisse der Flüchtlinge erfordern keine weiteren Ausschmückungen, sie sind erschütternd genug.

Das letzte grüne Tal bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Tinte & Feder (11. Mai 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 619 Seiten
  • ISBN-10 : 2496705638
  • ISBN-13 : 978-2496705638
  • Originaltitel : The Last Green Valley
  • Übersetzer: Peter Groth