Sonntag, 9. November 2025

Manche Schuld vergeht nie: Kriminalroman von Elly Griffith


Es ist schon etwas länger her, dass ich ein Buch von Elly Griffiths gelesen habe, aber der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht. Zeitreisen, Morde im viktorianischen London und eine Ermittlerin, die zwischen den Zeiten ermittelt, das klang nach genau nach einer Mischung, die ich gern lese. Kriminalbeamtin Ali Dawson arbeitet für eine streng geheime Einheit, die ungelöste Mordfälle untersucht, sogenannte Cold Cases. Was selbst ihr Sohn Finn nicht weiß: Alis Arbeit führt sie mithilfe modernster Technik in die Vergangenheit. Ihr neuer Auftrag führt sie ins Jahr 1850, mitten ins viktorianische Zeitalter. Dort soll sie klären, ob der Vorfahr des ehrgeizigen Abgeordneten Isaac Templeton tatsächlich ein Mörder war. Doch etwas geht schief, und Ali strandet in der Vergangenheit, während in der Gegenwart ein weiterer Mord geschieht und ihr Sohn unter Verdacht gerät. 

Elly Griffiths verbindet das Zeitreisemotiv mit zwei spannenden Kriminalfällen, einmal in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Sie schafft es, auf den ersten Seiten eine recht dichte, Atmosphäre aufzubauen. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart gefiel mir besonders gut, so erfahren wir, wie Ali sich im London des 19. Jahrhunderts schlägt, dabei muss sie auch ganz profane Probleme lösen, wie die Beschaffung frischer Unterwäsche und natürlich auch, wie sie sich angemessen verhält, wobei ihr das meiner Meinung nach hervorragend gelingt und sie sich trotzdem nicht verrät. Ali bleibt Ali. 

In der Gegenwart erfahren wir, wie es Finn ergeht, als er erfährt, was wirklich Alis Aufgabe in der Behörde ist und wie es dazu kam, dass er unter Mordverdacht gerät. Für meinen Geschmack haben wir allerdings zu wenig darüber erfahren, was die Kollegen zu Alis Rettung planen.

Diese Perspektivwechsel sorgen dafür, dass die Lesenden immer ziemlich genau wissen, was in der jeweiligen Epoche gerade geschieht, besonders gefallen hat mir der flüssige, gut lesbare Stil der Autorin, der Spannung und Emotionen mühelos trägt. Die Cliffhanger an den Kapitelenden und die Bedrohung für Ali und ihren Sohn sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legt. Die Autorin beschreibt das viktorianische London authentisch und detailreich, sie verwebt Themen wie soziale Unterschiede, Klassendenken und das Frauenbild unaufdringlich. Und sie lässt uns einen Blick auf die heutige britische Klassengesellschaft werfen, die Briten machen wohl immer noch große Unterschiede zwischen dem Adel und den »niederen« Gesellschaftsschichten.

Ali Dawson ist angenehm unkonventionell. Weder die toughe Ermittlerin noch das gebrochene Klischee, sondern eine Frau mit Ecken, Brüchen und Lebenserfahrung, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Ihre Biografie alleinerziehende Mutter, Putzkraft, später Akademikerin macht sie greifbar und sympathisch. Auch die Nebenfiguren wirken lebendig und glaubhaft. Leider blieben am Ende der Story noch für meinen Geschmack zu viele Fragen offen, die meiner Meinung nach unbedingt hätten beantwortet werden müssen, da heißt es nun also auf die Fortsetzung warten.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Tropen
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 18. Oktober 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3608502955
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3608502954
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Frozen People

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