Donnerstag, 30. Mai 2019

Infiltriert von Vincent Voss

Inhalt: Nach einem Freibadbesuch fallen dem Biologielehrer Flo seltsame Veränderungen an seiner Familie auf, die sich nach Störungen des Fernsehempfangs noch verstärken.

Zunächst sind die Veränderungen nur gering, nicht ganz in Worte zu fassen. Flos Frau Merle und seine ältere Tochter Nele, agieren wie Marionetten, sie tun was sie immer tun, allerdings scheint ihnen die Seele zu fehlen, anders kann ich das nicht ausdrücken.

Bald erfährt Flo, das nicht nur seine direkte Familie betroffen ist, sondern fast alle Menschen und das diese Veränderung mit dem Regen zu tun haben der aus einem wolkenlosen fiel, als die Familie im Freibad war.


Meine Meinung:

Was wäre wenn, Erich von Däniken recht hätte? Wenn Außerirdische lange vor uns auf der Erde gewesen wären und wenn sie unsere Leben bis heute beeinflussen? Wenn sie nur auf den richtigen Moment gewartet hätten, um eine Gensequenz zu aktivieren, die die Zeit über in uns geschlummert hätte und den Menschen zu willenlosen Puppen macht? Ja dann passiert vielleicht das, was sich Vincent Voss in seinem aktuellen Roman ausgedacht hat.

Vincent Voss überzeugt mit seiner Schreibkunst, er setzt seinen Lesern Bilder in den Kopf, die manchmal nur unheimlich sind, manchmal aber auch ekelig, was genau ich meine werdet ihr beim Lesen des Buches erfahren, ich verrate hier nichts davon. Das Unheimliche kann ich näher beschreiben, stellt euch vor der Mensch, den ihr liebt, macht alles wie immer, er küsst euch, er schläft mit euch, er kümmert sich und das alles ohne echte Emotionen, eure Kinder sind perfekt, sie tun was von ihnen erwartet wird, ohne Widerspruch, wer Kinder hat, weiß das das besonders gruselig ist und das irgendwas nicht stimmt.

Der Autor hat es geschafft diese Stimmung in Worte zu fassen und dabei die Action nicht zu kurz kommen zu lassen.

Flo kämpft gegen die Anderen und wird dabei von der Wissenschaftlerin Kassandra von Altmark unterstützt, die schon länger glaubt, dass die Menschheit von Außerirdischen infiltriert wurde und eine Organisation gründete, die die Anderen bekämpft. Geglaubt hat ihr allerdings niemand, kein Wunder bei dem Vornamen.

Dass es schon jemanden gab der an die Existenz anderer Wesen glaubt, darf man bei der Lektüre nicht außer Acht lassen, sonst empfindet man die allgemeine Entwicklung vielleicht als zu rasant. Wobei mir Flos Entwicklung doch ein klein wenig zu schnell ging, fast schon skrupellos tötet der Lehrer, um seine Familie zu schützen, auch wenn er sich immer wieder klar macht, dass er nicht die Menschen tötet, die sie einmal waren, sondern DIE ANDEREN. So wie ich mir klar machen musste, das Menschen in Büchern und Filmen anders handeln als im richtigen Leben.

Lange Rede kurzer Sinn.
Das Buch ist absolut lesenswert, Anspielungen auf bekannte Filme sind sicherlich gewollt und steigerten mein Lesevergnügen noch. 
Zu Wasser scheint Vincent Voss ein etwas gespaltenes Verhältnis zu haben, wer darüber mehr erfahren möchte, sollte eines seiner anderen Bücher lesen: 
https://lesenswertesausdembuecherhaus.blogspot.com/2015/12/wasser-von-vincent-voss.html

Und ausnahmsweise erwähne ich auch mal wieder den Coverdesigner Timo Kümmel, er hat ein wirklich schönes Cover gestaltet.



  • Taschenbuch: 316 Seiten
  • Verlag: Low, Torsten; Auflage: Erstausgabe (21. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940036501
  • ISBN-13: 978-3940036506



Station 8 Episode 3 von Dominique Stalder


Ihr erinnert euch, das ich schon zwei Episoden gelesen und rezensiert habe und ich mag sowohl die Story als auch die Art der Veröffentlichung immer noch sehr.
Achtung Text kann Spoiler enthalten.
Zur Story. Mel erfährt von Jürgen das sie nicht die Erste ist, die den Stromdiebstahl bemerkte und meldete und sie erfährt von den Konsequenzen, die die Meldung nach sich ziehen kann.
Vanessa uns Valentin machen sich gemeinsam mit Bit auf die Suche nach ihrem Vater und ziehen die Ratszweite Sam ins Vertrauen, dabei erfahren sie, dass die Räte weitaus luxuriöser leben als die anderen Bewohner der Station, womit ich mit meiner Vermutung, das Politiker auch nach dem *Ende der Welt* zum großen Teil nach ihrem eigenen Vorteil schauen, nicht alleine stehe.
Desweiteren erfahren wir das Henry von Unbekannten gefangen gehalten wird, leider wird immer noch nicht verraten von wem und was seine oder ihre Beweggründe sind, da hätte ich mir in der 3. Episode etwas mehr gewünscht.
Nichtsdestotrotz, habe ich auch diese Episode sehr gern gelesen und freue mich schon auf die weiteren. Episode 4 soll meines Wissens nach im Juni erscheinen.
Ich schrieb auch schon das ich die Art der Veröffentlichung sehr gern mag. Diese kleinen, günstigen Bücher sind das perfekte Mitbringsel, mit denen man fast jedem jugendlichem Leser immer wieder eine Freude machen kann. Dominique Stalder hat mit Station 8 ein Jugendbuch geschaffen das bisher vollkommen ohne unnötige Gewalt oder Sexscenen auskommt und ich hoffe das das auch so bleibt.

  • Taschenbuch: 100 Seiten
  • Verlag: Independently published (28. April 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1095756168
  • ISBN-13: 978-1095756164




Freitag, 17. Mai 2019

Westwall von Benedikt Gollhardt

Inhalt:
Die Polizeischülerin Julia verliebt sich in Nick den sie zufällig in der Bahn kennen lernt, nach einer gemeinsamen Nacht entdeckt sie nicht nur ein riesiges Hakenkreuz auf seinem Rücken, sie  erfährt das er ihr einen falschen Namen genannt hat.
Nick, der es mit der Wahrheit nicht genau nimmt.
Wolfgang versucht vergeblich die Vergangenheit vor seiner Tochter Julia zu verbergen
Ira führt eine Gruppe Jugendlicher, die niemand vermisst, tief in den Wald zu einem alten Forsthaus.
Ausbilder Hauptkommissar Roosen versucht seine Schüler zu schützen, besonders Julia liegt ihm am Herzen.
Ein Ein Verfassungsschützer dem die Fäden, die er fest in der Hand zu halten glaubt entgleiten.

Das sind nur einige der Protagonisten in Benedikt Gollhardts Debütroman Westwall, es gibt natürlich noch mehr und jeder von ihnen hätte das Zeug zum Hauptprotagonisten, aber der Autor hat sich entschlossen Julia zu wählen.
Die junge Frau tut sich nach einer sorgenfreien Kindheit und Jugend in einer Bauwagensiedlung, ein klein wenig schwer mit einem *normalen* und geregelten Leben als Polizeschülerin, aber das ist es was sie will und was sie liebt. Ihr Leben verläuft in ruhigen und vorgezeichneten Bahnen. Bis zu dem Tag an dem sie Nick kennen lernt und alles aus den Fugen gerät, sie gerät in den Focus des Verfassungsschutz.
Ich mochte das Buch wirklich, es beleuchtet ein hochaktuelles Thema.
Neonazis
Jedes Buch, das das Problem das Neonationalismus anspricht, ist meiner Meinung nach ein wichtiges Buch und wenn es das auf unterhaltsame Weise tut, wie Westwall, und damit Menschen erreicht die sich sonst nicht mit Politik auseinandersetzen, um so besser.
Gollhardt bedient sich aller Klischees die man sich denken kann, die irren Nazis, fehlgeleitete Kinder, ein kiffender Althippie, der väterliche Vorgesetzte und und und, aber er setzt diese Klischees geschickt ein, sie bilden das Grundgerüst für die vielen Wendungen in der Geschichte, sie erklären das eine oder andere Geheimnis. Und Geheimnisse gibt es viele.

Besonders gut gelungen sind dem Autor die Orts- und Personenbeschreibungen, ohne das er sich in zu vielen Details verliert, schaffte er es mir klare Bilder in den Kopf zu setzen.
Westwall bekommt eine klare Leseempfehlung.

  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag; Auflage: Originalausgabe (25. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3328104127
  • ISBN-13: 978-3328104124


Sonntag, 12. Mai 2019

Sachsenmorde 3 Andreas M. Sturm (Hrsg)

Das ich Kurzgeschichten mag, muss ich wohl nicht mehr erwähnen, dabei ist das Genre relativ egal, aber zu meinen Favoriten gehören natürlich auch bei Kurzgeschichten Krimis.
Mittlerweile habe ich auch Autoren kennengelernt, deren Geschichten ich besonders schätze und freue mich schon immer sehr auf neu Veröffentlichungen von Ihnen. Einige von ihnen haben sich in der Anthologie Sachsenmorde 3 versammelt.
Die einzelnen Geschichten erzählen von Geistern der Vergangenheit, verbalen Entgleisungen die zur Katastrophe führen, Kontrollzwang und Nachbarn die andere einfach nicht in Ruhe leben lassen können. Jede ist auf ihre Art besonders, die eine oder andere stimmt nachdenklich, spannend sind sie alle.
Ich erzähle im Anschluss ganz kurz etwas über jede einzelne Geschichte ohne sie zu werten, nur soviel: Mir hat jede Geschichte auf ihre Art gefallen, auch wenn die eine oder andere etwas vorhersehbar war, überzeugten sie alle durch den Schreibstil und den Aufbau der Geschichte.
Die Geschichten müssen nicht immer überraschende Wendungen haben, damit sie mir gefallen, ich muss sie gern lesen.

Mein Fazit:
Eine durch und durch lesenswerte Anthologie.


  • Taschenbuch: 270 Seiten
  • Verlag: edition krimi; Auflage: 1 (4. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3946734227
  • ISBN-13: 978-3946734222



Alte Last von Frank Kreisler

Wenn die Vergangenheit ans Licht zu kommen droht, neigt man schon mal zu Panikreaktionen, wie den Ich Erzähler in der ersten Geschichte, den ein Bauvorhaben in arge Bedrängnis bringt.
Das Ende ist zwar etwas vorhersehbar aber die Geschichte ist gut und interessant erzählt.

Schabernack von Andreas M. Sturm

Es kann der frömmste nicht in Frieden leben wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
Dieser Spruch, so alt er auch ist, stimmt leider immer noch, das muss auch die junge Frau erleben, deren Nachbar ihr das Leben schwer macht.
Als sie beginnt sich zu wehren eskaliert die Situation.
Eine böse kleine Geschichte, genau wie ich es mag.

Panta rhei von Anette Schwohl

Die wohl traurigste Geschichte der Anthologie. Tabea und ihre Mutter werden auf Schritt und Tritt von ihrem Vater kontrolliert. Allein die Vorstellung zu keiner Sekunde des Lebens eigene Entscheidungen treffen zu können, löste in mir ein Gefühl der Beklemmung aus. Die Autorin hat die Gefühlswelt eines Kindes auf eindrucksvolle Weise in Worte gefasst.

Am seidenen Faden von Martina Arnold

Hier habe ich mit einem vollkommen anderen Handlungsverlauf gerechnet, da hat die Autorin mich  überrascht.

Strafversetzung von Uwe Wittenfeld 

Manchmal lösen ein paar unbedachte Worte eine Kettenreaktion aus, an deren Ende eine Katastrophe steht. Das muss der Lehrer Schandowsky erfahren als er verbal mit einem Schüler aneinander gerät und darauf hin strafversetzt wird, das seine große Liebe ihm folgt, macht das Ganze nicht wirklich besser.

Falsche Liebe von Connie Roters

Da hat mal jemand genau das bekommen was er verdient hat, gut so denke ich nur wenn ich Krimis lese,aber so geht man einfach nicht mit Menschen um und schon gar nicht mit solchen von denen man geliebt wird.

Ganz unten von Gisela Witte

Anton landet nach einem Brand ganz unten mühselig rappelt er sich wieder auf und steht plötzlich dem Verursacher seines Leids gegenüber.
Kann man in dieser Situation noch klar denken und die Situation kontrollieren um sich die Zukunft nicht zu verbauen? Eine der nachdenklicheren Storys.

Der Besuch aus Chicago von Bernd Köstering

Nach Jahren kehrt Charly (Karl) Zastrow als gemachter Mann aus Chicago nach Chemnitz zurück. Innerhalb von 15 Jahren ist er in Amerika reich geworden und könnte nun die Fabrik retten in der seine früheren Freunde und Kollegen noch heute arbeiten, aber er stellt eine folgenschwere Bedingung. Ganz schön nachtragend der Kollege, aber wer weiß wie man selber handeln würde in seiner Situation.

Der letzte Cognac von Hartwig Hochstein

Zu jedem Krimi ein passendes Getränk, so hält es Heinrich Haber, der Bewohner eines Seniorenheimes, eines dieser Getränke ist ihm nun zum Verhängnis geworden.
Um den Fall zu lösen muss der ermittelnde Kommissar erst mal das Motiv herausfinden und das ist gar nicht so einfach.

Künstlerseele von Franziska Steinhauer

Noch einmal geht es um einen Nachbarschaftsstreit und um eine Katze, hier hat der Täter mein vollstes Verständnis, wie schon eine der Prozeßbeobachterinnen sagte:

Wenn ich mir vorstelle, ich fände meine Cosima...! Und müsste glauben, ich kenne den Täter! Ganz ehrlich, ich glaube mein Hirn ist ähnlich determiniert wie seins.

Hier hat mir der Aufbau der Geschichte besonders gut gefallen.

Siebenundzwanzig von Matthias Ramtke

Die Geschichte trieb mir die Tränen in die Augen, mein Mitleid galt allerdings nicht nur dem Opfer sondern auch den Tätern, um das zu verstehen muss man wahrscheinlich Kinder haben. Ausnahmsweise weiß ich genau woher der Autor die Inspiration für seine Geschichte fand. Die grausamsten Geschichten schreibt das Leben. Ich weiß ich wiederhole mich, den Satz schrieb ich schon in meiner letzen Rezension, aber er trifft wieder einmal erschreckend zu.

Tod einer Hexe von Jan Flieger

Bärchen: dieses Wort besiegelt das Schicksal einer untreuen Ehefrau.
Fremdgehen tut man ja auch nicht.
Ich mag den Schreibstil Jan Fliegers und habe mich auf diese Geschichte besonders gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Außer Kontrolle von Andreas M. Sturm

Noch einmal das Thema Rache, diesmal die Rache einer Frau, die sich nicht damit begnügt ihrem ehemaligen Freund an seinem Arbeitsplatz Misskredit zu bringen, sie schreckt auch nicht davor zurück einer unschuldigen jungen Frau Schaden zuzufügen. Vielleicht hätte sie sich das mit der Trennung vorher überlegen sollen.






Samstag, 11. Mai 2019

Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit von Rebecca Michéle


Inhalt:Das Findelkind Rose wächst Anfang des 20. Jahrhunderts unbeschwert und wohlbehütet in einem irischen Kloster auf, ihre Liebe zu Gott und den Menschen bezeugt sie dadurch das sie Nonne wird und in der Kloster eigenen Schule unterrichtet. Da sie aber immer wieder gegen die Klosterregeln verstößt, um den ihr anvertrauten Schülern zu helfen, wird sie in ein Kloster nach Dublin versetzt, dem eine Wäscherei angeschlossen ist, in der gefallene Mädchen und Frauen arbeiten.
Dort trifft sie auf Cindy und Fiona, die wie alle anderen Magdalen Frauen, wie sie genannt werden, ausgebeutet, misshandelt und vergewaltigt werden.

Meine Meinung:
Selten hat mich ein Buch schon auf den ersten Seiten so wütend gemacht, dementsprechend schwer fällt mir eine sachliche Bewertung.. Es macht einen Unterschied ob die grausamen Ereignisse die man in einem Buch liest der Fantasie des Autors entspringen oder ob sie auf Tatsachen beruhen wie in der vorliegenden Geschichte.
Wenn wir hier in Deutschland an Klöster und Nonnen denken, kommen uns Bilder von sanften und hilfsbereiten Frauen in den Sinn, die ihr Leben anderen Menschen gewidmet haben um zu helfen und das Wort Gottes zu verbreiten.
Und so wird es sicherlich auch in allen Nonnenklöstern der Welt sein, mit Ausnahmen und diese Ausnahme scheint fast alle Klöster in Irland zu umfassen, in denen Frauen in der Gewalt von Nonnen für ihre Sünden büßen mussten, Ich habe versucht herauszufinden wie viele solcher Einrichtungen, von denen die letzte 1996 geschlossen wurde, es gab und stieß auf immer mehr Namen von kirchlichen Einrichtungen auf deren Gelände Kinderleichen gefunden wurden, z. B. in Tuam einer Stadt westlich von Dublin dort wurden im Laufe der Zeit wohl 800 Kinder verscharrt und wie Müll weggeworfen. In den Wäschereien mussten die Frauen und Mädchen bis zu totalen Erschöpfung unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, niemand interessierte sich für ihr Schicksal oder schenkte ihren Aussagen glauben.

Die fiktive Geschichte der drei Frauen Rose, Cindy und Fiona hat mich zutiefst berührt, sie geben nicht auf und setzen alles daran der Hölle auf Erden zu entfliehen und als sie es schaffen, verstecken sie sich nicht sondern engagieren sich unter falschem Namen, im irischen Unabhängigkeitskampf. Ob sie am Ende ihr Glück finden müsst ihr selber herausfinden.
Die Autorin stimmt aber auch versöhnliche Töne an, sie verdammt zwar die Taten der Nonnen und Priester, aber nicht  Gott. Sie verachtet was diese Menschen anderen antaten aber nicht den Glauben.
Diese Trennung ist ihr meiner Meinung nach sehr gut gelungen und auch wichtig, denn der Glaube ist es der vielen Menschen auch heute noch Trost und Halt gibt.

Das Leben schreibt die grausamsten Geschichten wie Rebecca Michéle mit diesem Buch eindrucksvoll beweist.

  • Taschenbuch: 500 Seiten
  • Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (16. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958131751
  • ISBN-13: 978-3958131750








Donnerstag, 9. Mai 2019

Der Blutrote Teppich von Christof Weigold

Nach §2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diesen Beitrag als Werbung.
Hollywood 1922:Hardy Engels zweiter Fall.

Inhalt. Hardy Engel hat die letzten Tage und Wochen seine Wohnung kaum noch verlassen, als ihm das Geld ausgeht und er weder Wohnung noch Alkohol weiter finanzieren kann, nimmt er widerwillig einen scheinbar einfachen, gut bezahlten Auftrag als Detektiv an,an den sich ein weiterer noch lukrativerer Auftrag anschließen soll.
Doch zunächst einmal soll er die junge Schauspielerin Mabel Normand observieren. Der berühmte Regisseur William Desmond Taylor macht sich Sorgen um die junge Frau, allerdings scheinen diese Sorgen unbegründet, denn sie verlässt ihre Wohnung nicht und Hardy verbringt eine ungemütlich Nacht vor ihrem Haus.
Als er am Morgen Bericht erstatten will, findet er Taylor tot auf und gerät unter Mordverdacht.

Meine Meinung:
Hollywood, die Traumfarbrik.
Einen Krimi vor dieser Kulisse hatte ich noch nicht gelesen und so wusste ich absolut nicht was mich erwartet, womit auch klar ist das ich den ersten Band der Reihe noch nicht kenne, aber Christof Weigand hat die Story so aufgebaut das das auch nicht zwingend notwendig ist, ein Umstand den ich sehr zu schätzen weiß.
Lange waren mir die Hintergründe des Mordes nicht klar und so konnte ich gespannt mit Hardy Engels auf Mörderjagd gehen.
Der Autor beschränkt sich nicht auf einen Blick auf die prächtigen Fassaden Hollywoods und der Filmstudios, er zeigt das wahre Gesicht der Traumfrabrik, das von Korruption und Vertuschung bestimmt wird. Fast jeder hat ein Geheimnis, das er ungern preisgeben möchte: Der Schein muss gewahrt bleiben. Und so hat Hardy es nicht leicht dem wahren Täter auf die Spur zu kommen, aber er muss nicht allein ermitteln, er bekommt Unterstützung von Polly, die ebenfalls Nachforschungen zu Taylors Tod anstellt. Aber auch Polly teilt nicht jedes Geheimnis mit Hardy.
Geschickt verwebt Cristof Weigold historische Fakten mit Fiktion, so das die Leser nicht nur auf fiktive Gestalten sondern auch auf bekannte Filmgrößen wie Charly Chaplin treffen.
Die Auflösung des Falls war schlüssig und nachvollziehbar so das ich für
Der Blutrote Teppich eine klare Leseempfehlung geben kann.

  • Broschiert: 640 Seiten
  • Verlag: KiWi-Paperback (11. April 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462051415
  • ISBN-13: 978-3462051414

Mittwoch, 8. Mai 2019

Die Leute von Privilege Hill von Jane Gardam

Zur Verlagsseite
Klappentext: Dass Jane Gardam hinreißende Romane schreibt, ist bekannt. Nun ist ein weiterer Schatz zu heben: Gardams Erzählungen, für die sie berühmt ist und mit Alice Munro und Katherine Mansfield verglichen wird. Hetty, die Familienmutter, die bei der Begegnung mit ihrem ehemaligen Liebhaber in einen somnambulen Zustand gerät. Annie, die Schriftstellerin, die sich gegen Neugier und Gier entscheidet und ein Geheimnis dem Meer übergibt. Der verstummte chinesische Junge, der in England einen vom Himmel gestürzten Schwan rettet und plötzlich zur Sprache zurückfindet. Sie alle berühren uns und entwickeln ein Eigenleben, das über die Geschichten hinausgeht – in jeder dieser Erzählungen steckt die Verheißung eines Romans.

Meine Meinung:
Nachdem ich mich erst ein mal an den besonderen Schreibstil der mir bis Dato völlig unbekannten Autorin gewöhnt hatte, konnte ich mich auf ihre kurzen Erzählungen einlassen, die mich zum größten Teil durchaus für sich einnehmen konnten.
Die Geschichten erklären sich nicht immer von selbst, sie erfordern ein gewisses Maß an Geduld und nicht immer war mir klar was die Autorin mir sagen wollte. Vielleicht hätte ich nicht mit Erzählungen der Autorin anfangen sollen, kaum hatte ich mich auf eine Geschichte eingelassen war sie schon weder vorbei und ich musste mich an neue Charaktere gewöhnen. Nichtsdestotrotz habe ich den feinsinnigen manchmal etwas bissigen Humor Jane Gardams genossen, es gibt nicht mehr viele Autoren die sich einer so feinen Sprache bedienen, hier muss sicherlich auch Isabel Bogdan lobend erwähnt werden, die Übersetzerin der Erzählungen.
Ich empfehle Die Leute von Privilege Hill für alle Freunde der englischen Literatur.

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (18. April 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423147032
  • ISBN-13: 978-3423147033


Sonntag, 5. Mai 2019

alles still auf einmal von Rhiannon Navin (Britta Mümmler ,Übersetzer)

Gemeinsam mit seinen Mitschülern und der Lehrerin versteckt sich der sechsjährige Zack  in einem Wandschrank, als ein Amokläufer seine Schule überfällt und mehrere Schüler und Lehrer erschießt.
Sein älterer Bruder Andy ist unter den Opfern und von jetzt auf gleich ist das Leben seiner Familie vollkommen verändert.

Bücher über Amokläufe an Schulen gibt es einige  und ich habe auch schon einige gelesen, allerdings noch keines aus der Sicht eines kleinen Jungen der so etwas überlebte.

Im Klappentext heißt es:
An seiner kleinen Hand führt er die Menschen, die er liebt, aus der Verzweiflung.

Dieser Satz, weckt vielleicht in dem einen oder anderen die Erwartung, das der kleine Zach, etwas ganz besonderes tut um das Leid seiner Familie und das der anderen zu lindern oder gar auszulöschen.
Aber das tut er nicht, Zach ist einfach nur ein kleiner, verstörter Junge der versucht mit einer für ihn unfassbaren Situation zurechtzukommen und er handelt und denkt wie ein kleiner Junge, er hofft das die täglichen Streitereien nun ein Ende haben, wo sein schwieriger Bruder nicht mehr da ist und leidet unsäglich als ihm bewusst wird das er solche Gedanken hegt, kommt sein Bruder doch nie mehr nach Hause kommt.
Zach leidet und seine Eltern sind nicht imstande ihrem kleinen Jungen beizustehen, sie sind verständlicherweise Gefangene ihres eigen Unglücks. Zachs Mutter erleidet einen Zusammenbruch und sein Vater steht der Situation hilflos gegenüber, wirklichen Trost und Halt kann er auch nicht spenden. Das war für mich alles verständlich und nachvollziehbar, einzig das sie nach meiner Ansicht, zu lange gewartet haben dem Kleinen psychologische Hilfe zukommen zu lassen, war für mich nicht nachvollziehbar. Auch der Heilungsprozess, wenn man das so nennen kann, den die Familie durchmachen muss, jeder auf seine Weise, war meiner Meinung nach sehr realistisch beschrieben.
Das Buch hat mich sehr berührt, die Autorin hat es geschafft ein emotionales Buch zu schreiben ohne dabei zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, das sie die Geschichte komplett aus der Sicht Zachs geschrieben hat und das das zu keiner Zeit kindisch oder übertrieben wirkte, man konnte spüren das sie ein Kind im entsprechenden Alter hat.

Die Sekunden vielleicht auch Minuten nach dem letzten Schuss und die Stille die sich nach dem Attentat in Zachs Zuhause ausbreiten, vereinen sich fast körperlich spürbar im Titel des Buches.
alles still auf einmal
Meist gefallen mir die Originaltitel bei übersetzen Büchern besser, hier ist es ausnahmsweise einmal andersherum.
Ich vergebe für das Buch eine Leseempfehlung.

  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (18. April 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423262176
  • ISBN-13: 978-3423262170






Protagonisteninterview mit Henry Peyton

Heute möchte ich euch Henry Peyton vorstellen. Henry lebt seit seiner Geburt in der Station 8, einem der letzte Rückzugsorte der Menschen seit die Erde stillsteht und ein Leben wie wir es kennen unmöglich ist.
Henry arbeitet als Kontrollraumleiter und kümmert sich seit dem Tod seiner Frau allein um seine Kinder und seine Mutter.
Leider habe ich kein Foto von ihm gefunden, ich kann euch aber versichern, das er ein recht gutaussehender Mann ist, vor allem aber macht er einen sympathischen und zuverlässigen Eindruck. Ein Mann der auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf behält und auf den man sich verlassen kann.
Da ich von ihm, wie gesagt kein Foto habe, müsst ihr euch mit seinem Schöpfer begnügen.


Dominique Stalder ist der Autor des Episodenromans Station 8.von dem bisher 3 Folgen erschienen sind.

Jetzt aber zum Interview.



Guten Morgen Henry, wir befinden uns gerade in einer seltsamen Situation, ich interviewe eine fiktive Person, deren Geschichte ich noch nicht komplett kenne und du sitzt plötzlich und für dich sicher unerklärbar an meinem Küchentisch, da stehen übrigens Kaffee und Kekse. Bedien dich.

1) Wie fühlst du dich gerade?


Kaffee! Herrlich. Das ist etwas, was ich nur aus den Erzählungen kenne. Echter Kaffee. Wahnsinn. Wie fühle ich mich. Schwierig. Ich bin besorgt. Sehr sogar und es lässt mir keine Ruhe. Es geschehen Dinge, die nicht gut sind, die gefährlich sind und ich fühle mich hilflos.


2)In meiner Welt geht zwar gerade alles den Bach runter, was das Klima und den Frieden angeht, aber die Erde dreht sich noch. Wie hat das alles bei euch angefangen?

*überlegt* Ich weiß es ehrlich nicht. Es gibt über die Zeit vor dem Stillstand nur sehr wenig, was wir wissen. Die Tage und Nächte wurden länger. Alles geriet aus den Fugen. Kluge Wissenschaftler versuchten Lösungen zu finden, aber das Ende stand damit bereits fest.

3)Nach welchen Kriterien wurden die Stationen eigentlich an den Stellen gebaut an denen sie stehen?


Nun. Durch die fehlende Rotation war klar, dass die Welt sich wandeln würde. Man berechnete die Orte, die dann noch trocken waren, in der Nähe zur neuen Küste und innerhalb der atembaren Atmosphäre und verteilte sie einmal um die Erde.

4) Wie wurde entschieden, wer in die Station einziehen darf?

Da gibt es viele Gerüchte zu. Es gab auch Menschen, die nicht einziehen wollten. Bei dem Rest wurde auf genetische Qualität gesetzt. Genkrankheiten bedeuteten das Aus. Ein Hang zu psychischen Erkrankungen ebenso. Danach wurde nach Berufen ausgewählt. Man braucht ja gewisse Positionen. Der Rest war das Los.

5) Erinnerst du dich noch an die ersten Tage in der Station?

Ich bin hier drin geboren worden. Ich kenne es nicht anders.

6) Wie ist das Gefühl, zu wissen das du sie wohl nie wieder verlassen wirst, das deine Kinder hier aufwachsen und sterben werden?

Wir alle kennen kein anderes Leben nur meine Mutter erzählt, aber vorstellen können wir uns das nicht. Es wäre schön, wenn es anders ist, kommen aber damit klar.
7) Apropos Kinder, du bist alleinerziehender Vater von Teeniezwillingen, Kinder sind unter normalen Umständen schon eine Herausforderung, wie gehst du damit um, das sie erwachsen werden, mit wem kannst du über Erziehungsprobleme sprechen?

Teen. Hier gelten sie beinahe als erwachsen und es ist nicht leicht. Die Mutter fehlt. Ich will nicht, dass sie verletzt werden. Beide sollen ihren Weg gehen, aber sie sind auch zu jung, um gewisse Fehler zu erkennen.

8) Erzähl doch mal von deinem Tagesablauf, es haben ja noch nicht alle deine Geschichte gelesen.


Ich arbeite als Kontrollraumleiter im Kontrollraum der Station. Meine Schicht dauert 8 Stunden, wir wechseln also mit zwei anderen Teams. Wir kontrollieren im Grunde alles. Stromfluss, die Produktion von Strom, Nahrung … einfach alles. Wir entscheiden, ob geheizt wird oder nicht. Wir sind das Herz. Acht Stunden schlafe ich und die anderen Stunden versuche ich mich als Vater und Sohn, pflege meine Mutter. Es ist im Grunde sehr eintönig.


9) Im Moment häufen sich die Probleme auf der Station, ohne zu spoilern kann ich ja nicht näher drauf eingehen was ich schon weiß, nur das was In den Klappentexten steht. Stichwörter: Stromdiebstahl, Krankheit, Station 1

Wie ist deine Prognose, wird alles gut ausgehen, ich weiß das auch für dich an Hellseherei grenzt, schließlich kannst du auch nicht in die Zukunft blicken, aber was erwartest du nach deinen bisherigen Erlebnissen?

Stromdiebstahl? Wer stiehlt Strom? Davon weiß ich nichts. Und wie viele sind denn krank? Ich meine es sind Twilight Days, da sind viele krank… wegen dem Alkohol. Was Station 1 angeht. Ich hoffe, dass wir das überleben oder verschont werden, aber ich habe kein gutes Gefühl.

10) Jetzt mal im Vertrauen, dein Autor, zwingt der dich manchmal dazu Dinge zu sagen oder zu tun, die du eigentlich nicht tun willst?

Mein Autor ist ein sadistische Arschloch. Muss ich mehr dazu sagen?

11) Oder wenn Ihr verschiedener Ansicht seid welchen Weg du gehen solltest, wer setzt sich durch?

Er sitzt am längeren Hebel. Dummerweise.


Upps hörst du das, das ist eine Alarmsirene, ich glaube du solltest nach Hause, nimm dir noch Kekse mit. Ich danke dir für deinen Besuch und das Gespräch.


*rennt los* Bis bald – hoffe ich. 


Mir hat das Interview sehr viel Spaß gemacht, wann hat man denn schon mal die Chance mit einer fiktiven Person zu sprechen. 
Ich hoffe das die Probleme auf der Station bald gelöst werden, aber nicht zu bald, denn mir gefällt die Reihe sehr.











Mittwoch, 1. Mai 2019

Der Herrscher der Tiefe von Jacqueline Montemurri

Lord David Lindsay sucht auf Kreta nach dem Palast des Minos. Von einem britischen Agenten erfahren Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar, Scheich Haschim und Djamila, das er auf der Suche nach dem Palast in einer geheimnisvollen Höhle verschollen ist. Gemeinsam mit dem britischen Captain MacLean machen sich die Freunde auf die Suche nach dem Lord und geraten auf der Mittelmeerinsel in große Gefahr, die nicht nur von kretischen Rebellen ausgeht sondern auch von todbringenden Geschöpfen. Als sie von  Kapitän Nemo auf der Nautilus gefangen genommen werden entbrennt ein Kampf zwischen Magie und Technik.

Bernhard Hennen schreibt statt eines Klappentextes
"Ich sehe die Reihe mit Begeisterung. Man beschreitet hier neue Wege und haucht der Serie einen frischen Geist ein, bleibt dabei aber sehr sensibel und respektvoll. So erschaffen die jungen Autoren eine wunderbare Hommage an Karl May, der in meinen Augen Jahrhunderbücher geschrieben hat"

Abgesehen davon, das ich persönlich lieber eine kurze Inhaltsbeschreibung als Klappentext lesen würde, stimme ich ihm vollkommen zu.
Jeder kennt Karl May, entweder wurden sein Bücher verschlungen oder die Filme gesehen. Gemeinsam mit Kara Ben Nemsi, Winnetou und natürlich Kapitän Nemo, auf den wir in diesem Buch treffen. Nur irgendwann bekam man auf die Frage nach Karl May die Aussage, seine Geschichten seien altmodisch und verstaubt. Die Sprache, die er in seinen Büchern verwendete passe nicht mehr wirklich in unsere Zeit.
Also legen wir die Bücher in einen Karton in den Keller und wenden uns neuen, zeitgemäßen Geschichten zu?
Oder aber wir greifen zu der Reihe Karl Mays Magischer Orient aus dem Karl May Verlag und lassen uns erneut gefangen nehmen von der phantastischen Welt Karl Mays.
Kapitän Nemo war immer eine meiner Lieblingsfiguren, zu gern wäre ich mit ihm in der Nautilus durch die Weltmeere gefahren. Dank Jacueline Montemurri konnte ich das gedanklich tun. Auch wenn Nemo erst spät im Buch erscheint, zunächst stellt die Autorin die verschiedenen Charakter vor und berichtet von der Reise der Freunde. In seiner Gesamtheit ist das Buch sehr spannend und interessant geschrieben. Jacueline Montemurri konnte den Zauber Karl Mays bewahren und ihn in unsere Zeit transportieren. Ein wirklich gelungenes Crossover.

  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: Karl-May-Verlag (19. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3780225077
  • ISBN-13: 978-3780225078