Montag, 26. Februar 2018

Klipp Klapp... und du bist tot von Mari März

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Inhalt: Strafversetzt. Nach Brandenburg. So recht weiß Lisbeth Schwintowsky noch nicht was sie davon halten soll, dass sie von Berlin in die Brandenburgische Provinz versetzt wurde, die ihr als Kind allerdings schon mal Heimat war und wo sie gemeinsam mit ihrer Schwester im geerbten Haus wohnen kann.
Und sie stellt bald fest, das Kollegialität und Zusammenhalt auf ihrer neuen Dienststelle keine Fremdworte sind, was sich bei ihrem ersten Fall, dem Mord an einer jungen Frau, als sehr hilfreich erweist.
Lisbeth und ihre Kollegen müssen tief in der Vergangenheit der ehemaligen DDR suchen um das Motive für den Mord an der Toten aus dem Mühlbach zu finden.

Meine Meinung: Ich gebe zu, ich war etwas irritiert, der Krimi spielt im Jahr 2000 also zu einer Zeit als der Fall der Mauer gefühlt gerade erst gewesen ist, aber ich habe mich schnell damit arrangiert, da ein späterer Zeitpunkt viele Begebenheiten nicht nachvollziehbar gemacht hätte.
Ich mag Krimialfälle in denen es Bezüge zur Vergangenheit gibt, besonders wenn sie mir Einblicke in eine Zeit geben von der ich relativ wenig weiß, als nicht betroffene kenne ich die DDR nur aus Erzählungen und das was in den Medien berichtet wurde.
Als erfahrene Krimi und Thrillerleserin, konnte ich mir so einiges recht schnell zusammenreimen, die kompletten Zusammenhänge sah aber auch ich erst zum Ende des Buches, so das die Spannung durch das ganze Buch erhalten blieb.
Auch der Humor kam nicht zu kurz, das erste Mal musste ich über das Wort * Tussenequipmentwettkullern* schmunzeln, OK es war spät und ich war müde und demenstprechend albern, aber trotzdem ;o) ich liebe dieses Wort.
Die Protagonisten Lisbeth und ihre Kollegen Stefan, Herr Müller, Klaus und Katti sind durchweg sympathisch ( wenn mir auch der Dialekt der Praktikantin Katti auf die Nerven ging, aber das nur am Rande und natürlich außerhalb jeder Wertung), die Autorin beschreibt sie alle sehr liebevoll und detailliert, ich habe sie sehr gern kennengelernt.
Ich rechne der Autorin sehr hoch an, das sie es sich gespart hat Lisbeth eine Liebesgeschichte mit einem Kollegen anzudichten, das lenkt nur von den Ermittlungsarbeiten hat.
Kipp Klapp und du bist tot, verzichtet auf brutale und blutige Details, das hat die Geschichte nicht nötig, sie lebt vom Schicksal der Opfer und Täter, das nicht minder grausam ist als würde es von verstümmelten Leichen nur so wimmeln.
Ich freue mich schon auf das angekndigte nächste Buch der Rachetrilogie und vergebe für Klipp Klapp eine Lesempfehlung.
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  • Taschenbuch: 364 Seiten
  • Verlag: REDRUM BOOKS; Auflage: 1 (13. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3959570651
  • ISBN-13: 978-3959570657

Dienstag, 20. Februar 2018

Reue von Sascha Berst-Frediani

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Inhalt: Reue erzählt die Geschichte eines Mordes. Eigentlich ist damit schon alles gesagt, aber natürlich erzähle ich euch noch ein klein wenig mehr.
Sabine lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Ort, gemeinsam haben sie sich ein Haus gekauft, dessen Einliegerwohnung sie an Thomas vermietet haben. Thomas ist jung und attraktiv das genaue Gegenteil des eher grobschlächtigen Dieters, der als Zeitsoldat nur am Wochenende zuhause ist. Ein Umstand der Sabine nicht weiter stört, sie hat sich eingerichtet in ihr freies Leben und kann der Versuchung auf einen Flirt mit dem Untermieter nicht wiederstehen. Nur mit einem hat Sabine nicht gerechnet, mit dem Tratsch und Klatsch in kleinen Orten und mit dem Neid und der Frustration ihrer Kollegin.

Meine Meinung: In dieser Geschichte gibt es nicht einen Sympathieträger, oder doch ein alter Bauer, ein Nebencharakter, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Alle anderen, waren unfreundlich, gehässig, egoistisch, oberflächlich, mitleiderregend.. mir fallen gar nicht genügend Worte ein. Und doch hat mich die Geschichte sofort ihn ihren Bann gezogen unaufhaltsam steuert sie auf die Katastrophe zu und als Leser kann man nur staunend zusehen. Jeder der Protagonisten kommt zu Wort: Sabine die andere Frauen für Flittchen hält, weil sie flirten selber aber fremd geht und für die Karriere auch mal einen weiteren Knopf an der Bluse öffnet. Thomas dem es schwer fällt die Affäre mit Sabine geheim zuhalten, der  nur in ihrer Nahe sein will. Dieter, der nur geheiratet hat weil man das eben tut, es hätte auch die vorige Freundin sein können. Sie alle erzählen was vor der Tat geschah und soweit möglich was auf den Mord folgte. Der Autor hat es geschafft eine sehr spannende Story in nur 247 Seiten zu packen, die ungewöhnlicher nicht sein kann. Ungewöhnlich und doch so alltäglich, sie kann sich genau so abspielen, täglich in jedem Dorf in jeder Stadt.
Begeistert war ich vom Ende, das ich natürlich nicht verrate.
Wer keine Angst vor unsympathischen Protagonisten hat, wer Geschichten mag die das Leben geschrieben haben könnte, der liegt mit Reue von Sascha Berst-Frediani genau richtig.

  • Gebundene Ausgabe: 247 Seiten
  • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 2018 (7. Februar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839222494
  • ISBN-13: 978-3839222492

Montag, 19. Februar 2018

Der letzte von uns Adélaïde de Clermont-Tonnerre

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Inhalt: Wern und Rebecca lernen sich 25 Jahre nach dem Ende der 2. Weltkriegs in New York kennen und lieben. Unterschiedlicher können beide nicht sein. Wern wurde als Kind adoptiert und wuchs in liebevollen aber einfachen Verhältnissen auf, seine Adoptiveltern respektierten den Wunsch seinen Namen nicht zu ändern, nachdem sie einen in seine Kleidung eingenähten Zettel fanden auf dem „Ändern sie seinen Namen nicht, er ist der Letzte von uns.“ stand. Er ist dabei sich gemeinsam mit einem Freund ein Bauunternehmen aufzubauen.  Rebecca ist das Kind reicher Eltern, das zwar geliebt wurde aber aufgrund besonderer Umstände trotzdem nicht wohlbehütet scheint, sie probiert sich aus, liebt die Kunst und nimmt auch schon mal Drogen. Bei einem Treffen zwischen Wern und Rebeccas Eltern, bei dem Rebeccas Mutter einen Nervenzusammenbruch erleidet, trennen sich ihre Wege.

Sonntag, 18. Februar 2018

Seelenloch von Eva Lirot

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Inhalt: Jim Devcon und Tatjana müssen immer noch die traumatischen Erlebnisse verarbeiten die sie in den letzten Monaten erleiden mussten, als ein weiteres grausames Verbrechen geschieht. Ein maskierter Mann verletzt und tötet mit einem Flammenwerfer mehrere Menschen auf der Zeil, der bekannten Frankfurter Einkaufstraße und trotz vieler Handyvideos kann der Täter unerkannt fliehen und einen weiteren Anschlag verüben, bei dem er allerdings unabsichtlich einen Gegenstand am Tatort hinterlässt der Jim Devcon und sein Team auf seine Spur führt und in ein Milieu, das seine eigenen Gesetze zu machen scheint.
Meine Meinung:
Kann Spuren von Spoilern enthalten, das lässt sich dieses Mal nicht ganz vermeiden.

The Girls von Emma Cline

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Inhalt: Kalifornien 1969, die Blütezeit der Hippies, sie leben frei, sorgenlos, ungebunden und voller Liebe. So auch Suzanne in deren Bann die gerade mal 14 jährige Evie Boyd gezogen wird und der sie auf eine Ranch folgt, auf der der eher schlichte aber charismatische Russell eine Kommune gegründet hat.
Evie ist einsam, sie fühlt sich unbeachtet von den frisch geschiedenen Eltern und ihrer einzigen Freundin. Suzannes Aufmerksamkeit genießt sie wie die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut und kann sich nicht vorstellen diese jemals zu verlieren. Unaufhaltsam steuert sie auf eine Katastrophe zu, die ihr Leben lang begleiten wird.

Meine Meinung: Wenn ich an Hippies denke, denke ich unweigerlich an Hair, das romantisierende Musical, das ich als Teenager gesehen habe: Liebe, Freundschaft, Loyalität und friedliche Revolution gegenüber den Eltern und der Gesellschaft. Und das so dachte ich beim Lesen von Evies Geschichte, wird das Kind auf der Schwelle zum erwachsen werden gesucht haben, als sie sich in die Fänge der Sektenähnlichen Gemeinschaft begeben hat.
Nicht ahnend das das was sie für Freiheit hält nur eine andere Art von Zwang ist, das das was sie für Liebe hielt nur eine andere Art von Abhängigkeit ist.
Der Schreibstil der Autorin ist etwas ganz besonderes, sie schafft es die Zeit auferstehen zu lassen, die eine Zeit der Veränderung und des Aufbruchs ist. Das die Geschichte stark an die Geschichte der Manson Family erinnert ist sicher kein Zufall.
Emma Cline schreibt als hätte sie es erlebt, als wäre sie Evie (aufgrund ihres Alters ist das natürlich nicht möglich) und ich habe ihr zugehört, gebannt und manchmal schockiert.
The Girls ist ein Buch das nachdenklich stimmt und wirklich lesenswert.

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  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (9. Februar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423146206
  • ISBN-13: 978-3423146203
  • Originaltitel: The Girls


Samstag, 17. Februar 2018

Interview mit Christian von Aster


Herzlich willkommen zur Fantasywoche 2018

Vor einigen Wochen gingen die ersten Planungen los,  welche Autoren nehmen teil, welcher Blogger macht was, wir hatten die Qual der Wahl.
Ich habe mich entschieden, gemeinsam mit Nadine und Sarah den Autor
Christian von Aster zu interviewen.

Christian von Aster, geboren 1973, studierte Germanistik und Kunst, um sich schließlich Bühne, Film und Schreiben zuzuwenden. Neben seinen Fantasybüchern ist er auch mit seinen Lesungen, die gleichermaßen die Gothic- wie Phantastikszene begeistern, einem großen Publikum bekannt. Außerdem betreibt er die Berliner Lesebühne »Das StirnhirnhinterZimmer«. Christian von Aster wurde 2012 mit dem SERAPH-Preis ausgezeichnet.

© Christian von Aster



1) In deinem Buch geht dein Protagonist Aaron ja ziemlich kritisch mit seinen Werken und damit mit der modernen Fantasyliteratur ins Gericht, wie viel von Dir steckt in diesen Worten, was häst du davon wie sich die Fantasyliteratur seit Tolkien und Co. entwickelt hat? (Den Orkfresser müsst ihr unbedingt lesen, ich bin begeistert, mehr dazu demnächst)

Ich möchte in diesem Zusammenhang erst einmal kurz auf das ‚und Co.‘ eingehen. Denn während Tolkien zurecht als Grundstein der modernen Fantasy-Literatur gilt, gibt es doch vor und neben ihm zahlreiche Autoren, die sie auf vielfältige Art mitgeprägt haben. Ob es sich nun um den - unter anderem von H.P. Lovecraft sehr geschätzten - Lord Dunsany mit seinen Kurzgeschichten, Robert E. Howard, dessen Conan-Epos ja ebenfalls vor dem Herrn der Ringe erschienen ist oder auch Fritz Leiber handelt. Zusammen mit der usrprünglichen Grundlage der Fantasy-Literatur, der Mythologie, beinhalten ‚Tolkien und Co‘ für ein Genre dementsprechend zahllose Ansätze, sich zu entwickeln. Und eben diese Möglichkeiten sind es, die ich an der Fantasy schätze. Als Subgenre der Phantastik beinhaltet es schier für Autoren geradezu unendliche Möglichkeiten, die weit über die Grenzen der klassischen oder High-Fantasy hinausreichen und bloß einen verwegenen Autor und ein aufgeschlossenes Publikum brauchen. In dem Bereich zeigt zum Beispiel die Fanfiction, was alles möglich ist. Und während ich die Möglichkeiten der modernen Fantasy-Literatur, die, basierend auf den Klassikern um zig Subgenres (wie etwa die Urban-Fantasy) und neuere Klassiker bereichert wurde, in ihrer Vielfalt für bemerkenswert erachte, sehe ich besonders im Hinblick auf ihre Vermarktung und den rein ökonomisch motivierten Versuch, eher Erfolge zu reproduzieren als Neues zu wagen, ein Problem. Diese Differenzierung ist mir wichtig. Das Phänomen, dass, kaum dass etwa ein Dan Brown Erfolg hat, man während des kommenden Jahres in der Buchhandlung bis zur Hüfte in fast identischem Cover-Artwork und schlechten Kopien waten kann. Weshalb mein auch Protagonist weniger mit der Fantasy-Literatur selbst als mit dem, was mitunter aus ihr gemacht und wie sie verkauft wird, hart ins Gericht geht.
Was meine persönliche Meinung angeht, erschreckt es mich allerdings tatsächlich ein wenig, dass ein Buch wie ‚Einhörner gegen Vampire‘, dass ja Teil der Kritik meines Protagonisten ist, womöglich ernsthaft Teil der modernen Fantasy-Literatur sein könnte.




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2) Nach dem Buch ist vor dem Buch. Woran arbeitest du gerade?

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Unter anderem dem fünften Teil des Konterapokalypse-Epos ‚Schwestern der begrenzten Barmherzigkeit‘ ,einem famos bebilderten Buch mit dem Titel ‚Eine außerordentlich außerordentliche Liebesgeschichte – mit Rittern, Helden und Holden und so‘, einem absonderlichen Theaterstück und als Übersetzer an den Memoiren von ‚Lukas die launische Liebesbrieftaube‘. 

3) Wie kommst du auf die Ideen zu deinen Büchern? ( Mein nächster Buchkauf wird wahrscheinlich dieses hier sein. Allein das Cover ist ja schon der Hammer) 

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Vor allem in dem ich mich bemühe zu leben, zu staunen, mich mit interessanten Menschen zu umgeben und zu beobachten. Wir leben in einer Welt voller Wunder, die sich mit dem Blick eines Poeten, eines Satirikers oder auch eines Phantasten betrachten lassen. Für meine Ideen versuche ich jeden davon ein wenig aus mir rausschauen zu lassen.
Und wenn ich dann dort draußen mal einen Stein umdrehe, finde ich darunter Dreck, eine Koboldhöhle, einen dunklen Gang oder eine zerfledderte Plastiktüte mit Geldscheinen. Aber in jedem Fall eine Geschichte.
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Nannis Interview

Nannis Welt: In deinem Roman „Der Orkfresser“ finden sich auch viele Kurzgeschichten, die alle eine gewisse Moral enthalten. Dies finde ich ja besonders klasse. Wie kommst du auf solche Werke und kann man die auch gesammelt in einem Band erhalten?

Christian von Aster: Ich liebe Kurzgeschichten und halte sie tatsächlich für eine Art Königsdisziplin. Was leider im krassen Gegensatz zu ihrer Verkäuflichkeit auf normalen Buchmarkt steht. Wobei dahingehend ebooks grandiose neue Möglichkeiten eröffnen. Schon mein erstes Buch ‚Websters Pandämonium‘ war vor gut zwanzig Jahren eine Sammlung von Kurzgeschichten, die mit einer Art Haupthandlung verwoben sind. Dieses Prinzip hat mir schon bei dem von mir sehr geschätzten E.T.A. Hoffmann in seinem Buch ‚Die Serapionsbrüder‘ gefallen und ich habe es in meinen Büchern immer wieder gern aufgegriffen. Sei es im ‚Harem der verschleierten Geschichten‘ oder ‚Sieben sonderlichen Schellen‘. Und selbst in meinem größeren Romanen habe ich immer wieder kleine Geschichten einzubetten versucht. Ideen dafür finden sich immer und überall. Das Leben ist dahingehend inspirierend genug. Wir sind, wie ja auch im Orkfresser deutlich wird, immer irgendwie umgeben von phantastischer Inspiration.

Was den letzten Teil der Frage angeht, wäre wahrscheinlich das Buch ‚Allerfeinste Merkwürdigkeiten‘ das richtige, in dem sich jeweils meine drei womöglich besten Kurzgeschichten zu meinen liebsten fünf Genres finden: Märchen, Science Fiction, Horror, Satire und Weihnachten. Das klingt im ersten Moment sicher ein wenig befremdlich. Und ist es schlussendlich vermutlich auch. Aber dabei außerordentlich unterhaltsam.

Nannis Welt: Du hast mir verraten, dass du der Meinung bist, dieses Buch wird nicht Jedem gefallen. Erklärst du uns dies bitte genauer? 

Christian von Aster: Es scheint mir fast ein wenig verwegen, eine kontroverse Bemerkung aus unserem Vorgespräch in das Interview mit einfließen zu lassen. Aber ich denke, ich kann zu dieser Bemerkung stehen, und sie sogar sinnvoll begründen: mit Hilfe meines Protagonisten kritisiere ich letztendlich auch den aktuellen Umgang mit der Fantasy-Literatur. Vor allem im Hinblick auf Vermarktung, Werbung und bestimmte Mechanismen. Und obwohl Tristen all das sehr überspitzt, glaube ich, dass jemand, der dieses Feld beobachtet, einiges widererkennt. Was, besonders wenn Tristen seine Meinung zu Bloggern, Publikum und Kollegen kundtut, manchmal durchaus ein wenig undiplomatisch ist.

Wobei diese Figur keineswegs mich repräsentiert. Während er Tristen ernsthaft erfolgreich ist, schreibe ich schließlich über Erfolg wie Karl May über Amerika. Und kenne darüber hinaus einige Bestsellerautoren, die ich ohne zu zögern als sympathisch wenn nicht gar meine Freunde bezeichnen würde.

Wobei ich mich schon ein wenig ärgere, meine wirklich schrägen Romane nicht bei größeren Verlagen unterbringen zu können. Und da gibt es schon ein paar, die ich gern noch schreiben würde.

Klett-Cotta aber bin ich tatsächlich sehr dankbar, dass sie das Wagnis des Orkfressers mit mir eingegangen sind. Man ist dort zwar regelmäßig irritiert, wenn ich neue Stoffe vorstelle, aber man lässt mich noch immer rein. Und Kaffee bekomme ich sogar auch meist noch.

Nannis Welt: Was war die peinlichste Situation, die du als Autor oder auch privat je erlebst hast? Wie hast du dich aus der Situation gerettet, oder gab es da nix zu retten?

Ich sehe schon, du willst es wirklich wissen. Es gibt da eine Geschichte, die ich wohl nie vergessen werde aber die inzwischen verjährt sein dürfte. Wir waren mit einigen Leuten nachts mit dem Auto auf dem Weg in die Schweiz, im Kofferraum einige Bücherkisten. Die wollten wir nachts rüberschmuggeln, weil man, wenn man es offiziell macht, bezüglich der Mehrwertsteuer bürokratische Exzesse durchleben muss. Kaum über die Grenze gaben wir uns High-Five. Und dann ging das Blaulicht an. Auf die Frage, ob wir etwas zu verzollen hätten, antwortete mein Fahrer wagemutig: „Ein Glas Honig.“. Darauf wurde unser Kofferraum geöffnet, wo man etwas mehr als das fand. Es folgte die strenge Frage „Und was ist dann das?“, auf die ich zaghaft mit „Freiexemplare.“ Antwortete. Kurze Pause. Durchzählen. Kritische Nachfrage: „120 Freiexemplare?“. Ich: scheues Lächeln und leichtes Erröten während ich im Beifahrersitz versinke. Nächste Station: Zollstation. Alles gefilzt. Wagen mit Hund durchsucht, volles Programm. Dann Level 2. Gummihandschuhe. Erste Reaktion: ANGST. Als nächstes werden unsere Rucksäcke gefilzt. Als erstes wird ein Umschlag mit Fotos entnommen und geöffnet. 

Das erste Bild (man bedenke hier bitte meinen Rollenspielzusammenhang): Ich im Anzug mit finsterer Miene vor einem Kofferraum voller Waffen. Zollbeamte greift unauffällig nach seiner Waffe. „Das sind doch Sie? Haben Sie denn einen Waffenschein?“ Ich: „Nein, nein, das ist nur ein Hobby.“ Er. „Gefährliches Hobby!“. Das Ganze hatte noch ein paar sehr spannende Facetten. Am Ende ließ man uns aber nach einer angeregten Konversation unbehelligt ziehen, ich erzählte den Beamten noch die Ballade vom schielenden Scharfschützen und wir donnerten mitsamt der Bücher ins helvetische Hinterland.

Geblieben ist der einzige schweizerdeutsche Satz, den ich niemals vergessen werde und den man sich mit schweizerischer Langsamkeit und gerolltem R gesprochen vorstellen muss: „Aber Sie wissen schon, dass Sie eine Straftat begangen haben?“

In diesem Fall wohnte der Peinlichkeit aber zumindest im Nachhinein zumindest ein gewisser Unterhaltungsfaktor inne. Über weitere seitdem stattgefundene Schweizreisen möchte ich mich allerdings aus rechtlichen Gründen lieber nicht äußern.

Sarah fragt:

  1. Dein Buch ist voller humorvoller, wie auch zweideutiger Anleihen. Das ist ja nicht nur am Anfang deines Buches so, sondern bleibt auf einem Level. Wie schwierig war es denn gewesen sich in diese Stimmung beim Schreiben hineinzuversetzen, damit du ein ganzes Buch so füllen konntest?
Ich habe mich vor allem bemüht, mich in einen Charakter hineinzuversetzen, der, von seiner Liebe zur Phantastik und den Gesetzen des Erfolges zerrissen, seinen Weg zu finden versucht. Sobald ich diese Haltung eingenommen hatte, musste ich meinen Protagonisten  bloß noch von einer Szene in die nächste schubsen, und ihn Irrsinn, Unsinn, der Magie des Geschichtenerzählens und ein paar Katastrophen aussetzen. Womit er dann eben umgehen musste. Kraft seines Humors, seinem Glauben an die menschliche Vorstellungskraft, seiner Intelligenz, und dessen, was er im Lauf seines Lebens gelesen hat. Solange ich diese Figur ernst genommen habe, war es kein Problem, diesen Ton zu halten. Wobei ich mitunter gestaunt habe, wie er reagiert. Vor allem in den Momenten wo er Rumpelstilzchen und dem Unsichtbaren unterwegs war.

  1. Welche deiner schrägen und überaus einzigartigen Figuren hast du besonders ins Herz geschlossen? Und warum?
Ganz klar, die Tochter des Pensionsbetreibers. Lina, Hanna oder wie auch immer. Weil sie von Neugier getrieben ist, diese unbändige Phantasie hat und Bücher liest, die nichts für ihr Alter sind. Und nicht zuletzt, weil sie für die Grundaussage des Buches und die Magie des Geschichtenerzählens steht. Eine unangepasste kleine Persönlichkeit, die sich nicht mehr als nötig von Autoritäten, Wirklichkeit oder Regeln beeindrucken lässt, schließlich sogar ‚Alice im Wunderland‘ besser kennt als Lewis Carroll selbst und trotz ihres lockeren Verhältnisses zur Wahrheit sympathisch wirkt.

  1. Was würde dir als erstes durch den Kopf gehen, wenn du deinen Figuren im realen Leben gegenüber stehen würdest?
Allons-y!


Ich bedanke mich bei Christian von Aster, für die Beantwortung unserer Fragen, es hat sehr viel Spaß gemacht.
Und natürlich möchte ich mich bei Nadine und Sarah bedanken, die Zusammenarbeit mit Euch war eine wirkliche Bereicherung.


Weitere Beiträge zum Autor, zum Buch den Protagonisten und Kurzmeinungen findet ihr bei folgenden Bloggern:

http://www.buchstaebliches.de/au%C3%9Fer-haus/fantasywoche-2018/herr-von-aster-der-orkfresser-protagonistenvorstellung/
https://readingmaddoxgirls.blogspot.de/2018/03/fantasywoche-protagonisten-vorstellung.html?m=1
https://buechermomente.com/schauplaetze-orkfresser

Mittwoch, 14. Februar 2018

Der Augenblick von Irene Matt

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Inhalt:
Nach einem längeren Urlaub übernimmt Hauptkommissarin Alexandra Keller einen Fall, der erschütternder kaum sein kann, ein kleiner Junge wurde entführt und seitdem gibt es keine Spur von ihm. Auch Alexandra kommt nicht weiter und nur das Gewissen der Täterin führt zur Aufklärung.
Das liest sich jetzt wie ein Spoiler, ist aber natürlich keiner, denn im wesentlichen geht es nicht um einen simplen Kriminalfall.
Der ehemalige Ausbilder Alexandras, Herrmann Rau, arbeitet als Fallanalytiker und Psychologe und will im Rahmen einer Studie den Tätern helfen zu verstehen wie sie zum Täter wurden.

Meine Meinung:
Meine Inhaltsangabe klingt schräg, vermuten doch sowieso viele Menschen, dass hierzulande Täter vor Opferschutz geht und diese in Watte gepackt ihre meist viel zu geringe Strafe absitzen, wenn sie nur glaubhaft genug machen eine schlechte Kindheit gehabt zu haben. Zugegeben zu Anfang dachte ich ähnlich, aber je mehr Sitzungen die der Psychologe und ein begleitendes Team zu dem als Protokollführerin Alexandra gehört, mit verschiedenen Insassen einer psychiatrischen Klinik abhielt, ich beobachten konnte, desto mehr revidierte ich meine Meinung. Es geht in dem Buch nicht darum Entschuldigungen zu suchen, es geht um die Suche nach dem Warum. Am Besten erklärt sich das am Beispiel der Kindsmörderin Renate, Renate hatte scheinbar alles was man zum Glücklichsein braucht, sie sieht gut aus, ist beruflich erfolgreich und gesund und doch tötet und verscharrt sie auf ihrer Joggingrunde ein wildfremdes Baby, grundlos und spontan. Nicht einmal sie selber kann sich erklären was sie zu der Tat trieb.Erst nach und nach, nach quälenden Therapiesitzungen erinnert sie sich an traumatisches Erlebnis in ihrer Kindheit. Nicht die Entschuldigung für die Tat steht im Mittelpunkt der Therapie sondern die Heilung des Täters, die notwendig ist um weitere Taten zu verhindern. Und es stellt sich immer die Frage ob Heilung wirklich möglich ist.
Der Augenblick ist ein schwieriges Buch, nicht immer leicht zu lesen und auf gar keinen Fall leicht zu verstehen, aufgelockert wird es allerdings alles durch die beginnende Liebesbeziehung zwischen Alexandra und Herrmann.
Ich vergebe für Der Augenblick eine absolute Leseempfehlung für alle die sich auf ein schwieriges Thema einlassen wollen.

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  • Taschenbuch: 249 Seiten
  • Verlag: Schardt, M; Auflage: 1 (1. Dezember 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3961521247
  • ISBN-13: 978-3961521241

Mittwoch, 7. Februar 2018

Die Tote im roten Kleid von Ann Cleves

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Inhalt: Nach eine Erdrutsch wird in Tain, einem Cottage auf den Shetland Inseln, die Leiche einer unbekannten Frau gefunden. Schnell stellt sich heraus, das sie ermordet wurde, die Klärung  ihrer Identität gestaltet sich da schon schwieriger. Kommissar Jimmy Perez fordert Hilfe aus Inverness an, denn niemand will die Unbekannte gekannt haben.

Meine Meinung:
Die Tote im roten Kleid, war mein erstes Buch der Autorin Ann Cleves und somit natürlich auch das erste aus der Reihe um Jimmy Perez. Ein Pluspunkt des Buches ist definitiv das man die Vorgängerbände nicht gelesen haben muss, man erfährt im Buch das Perez seine große Liebe Fran durch einen Mord verloren hat und sich um deren kleine Tochter kümmert und natürlich ist er noch nicht über ihren Tod hinweg und damit noch nicht offen für eine neue Beziehung, die sich allerdings trotzdem anbahnt, dass war es dann aber auch schon mit persönlichen Problemen der Ermittler.
Die Krimihandlung an sich ist leider nicht allzu spannend, die Ermittlungen ziehen sich, es gibt keinen Hauptverdächtigen und so sind alle verdächtig.Erst nachdem die Identität der Toten geklärt werden konnte, kommt Bewegung in die Ermittlungsarbeiten. Jimmy sein Kollege Sandy und seine Vorgesetzte Willow aus Inverness, entdecken in dem komplizierten Beziehungsgeflecht das auf der Insel herrscht so manches Motiv und die Autorin führt ihre Leser damit auf die eine oder andere falsche Spur.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, ihre Beschreibungen der Orte sind wirklich toll, manchmal spürte ich die besondere Atmosphäre der Shetlands als wäre ich dort gewesen.
Ich mag auch die Hauptprotagonisten, so wie sie in diesem Band dargestellt wurden, das Ermittlerteam ist durchweg sympathisch.
Wer unaufgeregte und unblutige Krimis mag, liegt mit Die Tote im roten Kleid genau richtig.

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  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (24. Januar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499273780
  • ISBN-13: 978-3499273780
  • Originaltitel: Cold Earth

Dienstag, 6. Februar 2018

Fräulein Hedy träumt vom Fliegen von Andreas Izquierdo

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Inhalt: Wenn eine 88jährige Dame der Gesellschaft per Zeitungsanzeige eine männliche Begleitung zum Nacktbadestrand sucht, löst das unweigerlich einen Skandal aus. Ein Skandal den Hedy von Pyritz nicht nachvollziehen kann, schließlich hat sie keinerlei unangemessenen Hintergedanken. Um ihren Plan durchzusetzen nötigt sie ihren Physiotherapeuten Jan dazu den Führerschein zu machen eigentlich eine Kleinigkeit, die aber Beide dazu bringt ihre verborgensten Geheimnisse zu offenbaren.

Meine Meinung:
Fräulein Hedy träumt vom Fliegen, ist nicht das erste Buch, das ich von dem Schriftsteller Andreas Izquierdo gelesen habe und jedes hat mich auf eine besondere Weise berührt. Bin ich auf mein erstes Buch von ihm ( Apocalypsia) noch durch Zufall gestoßen und war ich bei Das Glücksbüro ein klein wenig skeptisch, weil es ein ganz anderes Genre behandelte, fieberte ich den Nachfolgewerken schon entgegen, genauso war es dann auch bei dem aktuellen Buch, Fräulein Hedy träumt vom Fliegen.
Das Buch erzählt die Geschichte Hedys von Pyritz, die ganz die Tochter ihrer wilden Mutter in dem kleinen Ort Köseritz aufwächst und vom Fliegen träumt, ihre große Liebe kennen lernt und verliert und nach dem 2. Weltkrieg auf den Vater ihrer Tochter trifft. Und wir lernen natürlich Jan kennen, dem liebenswürdigen Physiotherapeuten mit LRS und einem Bruder der ihm nichts als Schwierigkeiten bereitet.
Den jungen Mann und Fräulein Hedy verbindet mit der Zeit eine tiefe und ehrliche Freundschaft, sie sind füreinander wie Familie, mehr als Hannah, Hedys Tochter es je für die alte Dame war, denn aus Gründen die tief in der Vergangenheit verborgen waren, vermochte Hedy nicht der Tochter ihre Liebe zu zeigen.
Das hätte jetzt kitschig werden können, mit einem festen Druck auf die Tränendrüse. Aber weit gefehlt, Hedys bissiger Humor, ihre angeborene Arroganz denen gegenüber die sich für etwas besseres halten und ihre unnachgiebige Härte wenn sie ihre Ziele erreichen wollte und die manchmal im krassen Gegensatz zu ihrer Warmherzigkeit stand, verhinderten das.
Ich habe Hedy und Jan tief in mein Herz geschlossen, ihre Lebensgeschichten so unterschiedlichen sie auch sind, zeugten doch beide davon das man die Hoffnung niemals aufgeben darf, das man auf seine Ziele hinarbeiten muss, so hart es eben geht.
Zum Schreibstil des Autors muss ich nicht wirklich etwas sagen glaube ich, ich hätte nicht schon so viele Bücher von ihm gelesen hätte er mich nicht überzeugt.
Die von ihm geschaffenen Charaktere waren so lebendig beschrieben, das ich besonders bei Fräulein Hedy versucht war zu glauben, er hätte eine leider schon lang verstorbene gute alte Freundin von mir gekannt und sie zum Vorbild genommen, charakterlich glichen sich die beiden Damen wohl bis aufs Haar.

Ich vergebe für dieses Buch eine absolute Leseempfehlung und freue mich schon auf das nächste Buch.

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Und hier geht es zu einer weiteren, sehr lesenswerten Rezension auf: Seehases Lesewelt

  • Broschiert: 524 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: Originalausgabe (15. Januar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458363092
  • ISBN-13: 978-3458363095