Dienstag, 28. Februar 2023

Das Kreuz der Hugenotten von Claudius Crönert

 

Berlin um 1700. Die Stimmung zwischen eingewanderten französischen Calvinisten und einheimischen Lutheranern ist angespannt, denn beide Gruppen müssen sich eine Kirche teilen. Der Handschuhmacher Paul Deschamps und seine Landsleute planen daher ein eigenes Gotteshaus. Kurfürst Friedrich stimmt dem Bau zu und gewährt auch der deutschen Gemeinde eine neue prächtige Kirche. Doch während des Baus stürzt der Deutsche Dom ein und der Mob wendet sich gegen den Hugenotten Paul. 

Wenn ich zu historischen Romanen greife, dann braucht es schon das gewisse Etwas, das mich neugierig macht. Hier war es dann die Geschichte der Hugenotten, die um 1700 von Frankreich unter anderem nach Deutschland flohen. 20000 von ihnen gingen nach Brandenburg-Preußen, wo sie von Kurfürst Friedrich Wilhelm mit besonderen Privilegien ausgestattet wurden. Ich kann mich nicht erinnern, während des Geschichtsunterrichts davon gehört zu haben. Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass es interessant gewesen wäre zu erfahren, warum damals viele Menschen ihre Heimat verließen, um in einem fremden Land neu anzufangen und die Schwierigkeiten der Integration, die sich damit auftun. Und vor allem auch Vergleiche zu ziehen, zwischen damals und heute.

Claudius Crönert ist es gelungen, mich in die damalige Zeit zu versetzen und er brachte mich dazu, immer mal wieder zu schauen, was es noch zu erfahren gibt. Das liegt natürlich auch an seinen Protagonisten. Der Konflikt zwischen den Hugenotten aus Frankreich und den Lutheranern wird schon auf der ersten Seite klar, beim sonntäglichen Kirchgang wird den Hugenotten der Weg in die Kirche versperrt. Erst wenn die „eigenen Leute“ Platz genommen haben, dürfen die Fremden ins Gotteshaus. Wer keinen Platz findet, muss eben stehen und nicht wenige müssen dem Gottesdienst außerhalb des Deutschen Doms folgen. Meiner Meinung nach ist es dem Autor sehr gut gelungen, Fakten mit Fiktion so miteinander zu verweben, dass sie ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Das liegt natürlich auch an seinen Protagonisten. Aber es bleibt natürlich nicht bei den Konflikten um die Religion, Paul Dechamps ist Handschuhmacher und ein Meister seines Fachs, doch die Qualität des Leders, die er von den ortsansässigen Gerbern bezieht, lässt zu wünschen übrig. Auch dafür findet Paul eine Lösung, die allerdings nicht jedem gefällt.

Das Kreuz der Hugenotten wurde vom Autor überarbeitet und vom Gmeiner Verlag neu aufgelegt und ich bin froh, dass ich das Buch für mich entdecken durfte.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag; 2023. Edition (8. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 504 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839203333
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839203330


Montag, 27. Februar 2023

The Spook's 1: Spook. Band 1: Der Schüler des Geisterjägers.

 



Eigentlich ist Tom nur ein ganz gewöhnlicher Bauernsohn. Bis ihn seine Eltern zum launischen Geisterjäger John Gregory schicken. Als Lehrling des geheimnisvollen „Spook“ soll er künftig Dämonen bannen und böse Hexen einsperren. Stattdessen befreit er aus Versehen die fiese alte Malkin – und katapultiert sich damit unfreiwillig von einem Abenteuer ins nächste …

„Spook. Der Schüler des Geisterjägers“ ist der erste von mittlerweile 13 Bänden der Bestseller-Fantasy-Reihe „The Wardstone Chronicles". Die beliebte Fantasy Kinderbuch-Reihe erzählt die Geschichte eines jungen Helden, der die Welt vor den schauderhaftesten Kreaturen bewahrt.

Tom ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes, von dem seine Mutter sagt. »Sie hat die 6 Söhne nur vor ihm bekommen, damit er der siebte sein kann und er hat noch etwas, das alle anderen siebten Söhne, siebter Söhne nicht haben: Sie ist seine Mutter.« 
Als Tom 13 Jahre alt ist, kommt der Spook zu seinen Eltern, um Tom als Lehrling mitzunehmen.
Tom hat keine große Wahl, der Hof seines Vaters wird an den ältesten Sohn gehen und eine Lehrstelle zu finden wird schwierig, also geht er zur Probe mit dem Spook. Und damit beginnt das wohl größte und gefährlichste Abenteuer, das ein Junge erleben kann.



Ich werde häufiger gefragt, ob ich nicht auch eine Buchempfehlung für jüngere Leser habe, da ich selten Kinder und Jugendbücher lese, muss ich normalerweise verneinen und so wurde es mal wieder Zeit für ein neues Genre.

Tom wächst in einer liebevollen Familie auf, das unterscheidet das Buch schon einmal von diversen anderen Fantasygeschichten, in denen sich der Hauptcharakter auf den Weg machen muss, um sein Glück zu finden. Er ist kein problembeladener Junge, der mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat, das ist schon einmal der erste Pluspunkt für das Buch. Ein weiterer ist, dass meiner Meinung nach und entgegen der Aussage des Klappentextes der Geisterjäger John Gregory nicht launisch ist, er ist ein strenger und gewissenhafter Lehrherr. Er packt den Jungen nicht in Watte, sondern lässt ihn so manche Prüfung bestehen, bei der es am Ende darauf ankommt, aus den eigenen Fehlern zu lernen und ihn darauf vorzubereiten, den echten Gefahren gewachsen zu sein. Tom arbeitet hart, um alles zu lernen, was in seinem späteren Beruf wichtig ist, und so füllt er Seite um Seite seines Notizbuches mit Informationen zu Hexen, Geisterbildern und Boggarts. 
Viel zu früh muss Tom gegen die hinterlistige Hexe Malkin kämpfen und bekommt dabei unerwartet Hilfe von Alice, die auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht und schon bald die Entscheidung treffen muss, auf welcher Seite sie steht und ob sie sich überhaupt entscheiden kann.

Ich mochte die Geschichte und ich mag die Art und Weise wie Joseph Delany sie erzählt, er nimmt seine jugendlichen Leser ernst, beschönigt nichts, die eine oder andere Passage ist ziemlich gruselig, aber er weiß, was er seiner Zielgruppe zumuten kann.
Im Buch finden sich einige Illustrationen von Patrick Arrasmith, die mir auch sehr gut gefielen und die das Buch noch ein klein wenig mehr zu etwas Besonderem machen. 

Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht und vergebe für diesen ersten Band der Reihe eine Leseempfehlung.
Das vorliegende Buch ist eine Neuauflage der Jugendbuchreihe  »Spook – Der Schüler des Geisterjägers von Joseph Delany aus dem Jahr 2008.« 

  • Herausgeber ‏ : ‎ foliant Verlag; 1. Edition (28. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzerin: Tanja Ohlsen




Freitag, 24. Februar 2023

Küstenlied von Eva Lirot (Frieda Liekens 3. Fall)

 


Ein neuer Fall für Frieda Lieken, mittlerweile schon der dritte der sympathischen Ermittlerin auf der Insel Fehmarn. Frieda ist angekommen auf der Insel und in ihrem neuen Zuhause bei ihren Großeltern. Einzig ihr Job ist noch nicht das Gelbe vom Ei, aber da ihr Vorgesetzter Eisele demnächst in den Ruhestand geht, stehen die Chancen, dass sie seine Nachfolgerin wird, gut. Doch noch hat Eisele das Sagen und für ihn scheint festzustehen: Der Tote, der stranguliert am Pier hängt, hat Selbstmord begangen oder will er einfach den Gesangswettbewerb, der viele Touristen auf die Insel lockt, nicht in Gefahr bringen? Denn der Tote war Mitglied des Männergesangsverein „Die Frankonen“ Frieda allerdings ist der Meinung es war Mord und ein weiterer Toter der ebenfalls zu den Frankonen gehörte, stützt ihre Theorie.

Frieda hat es wirklich nicht leicht, mit ihrem Chef und dass ihr Freund Martin seit Tagen nicht oder nur sehr knapp auf ihre Nachrichten reagiert, macht es für sie nicht leichter. Fast lenkt ihr Privatleben sie von ihrer Arbeit ab, zudem auch noch ihr Großvater unter den Folgen eines Schlaganfalls leidet und Frieda schon mit dem Gedanken gespielt hat aus dem Haus der Großeltern auszuziehen. Dass ihre Großmutter das nicht zulassen würde, versteht sich aber von selbst. Oma Lieken ist mittlerweile eine meiner Lieblingsmenschen in den Krimis um Frieda und die Insel Fehmarn. 

Zeitgleich lernen wir den Mörder kennen und hier zeigt sich wieder das besondere Talent der Autorin Eva Lirot sich in das Seelenleben ihrer Protagonisten einzufühlen und ihre Leser und Leserinnen mitzunehmen. Je mehr ich über das Leben des Täters und schließlich auch über sein Motiv erfuhr, desto mehr tat er mir leid.

Natürlich rechtfertigt nichts seine Taten, aber vielleicht regt seine Geschichte dazu an, die Augen vor
dem oft stillen Leid der Menschen nicht zu verschließen und eine helfende Hand zu reichen oder auch nur ein offenes Ohr zu haben.



Eva Lirot ist auch mit dem dritten Fall ein sehr spannender Krimi gelungen, der wieder einmal Lust auf mehr macht und hoffentlich müssen wir nicht allzu lange darauf warten, wie es Frieda weiterhin ergeht auf der Insel. Und falls ihr euch fragt, was eigentlich mit Martin los ist, diese Frage beantwortet sich natürlich, aber nur wenn ihr das Buch lest, was ich nur empfehlen kann.

Das Buch kann unabhängig von den anderen Teilen gelesen werden, die Fälle an sich sind immer abgeschlossen, aber ich empfehle trotzdem auch die ersten beiden Krimis um Frieda Lieken zu lesen, es lohnt sich sie näher kennenzulernen.




Die Reihenfolge:

Küstenlicht
Küstenwind
und
Küstenlied

  • ASIN ‏ : ‎ B0BTS3M55N
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (3. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 223 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8373485067

Donnerstag, 23. Februar 2023

Kannibal. Jagdrausch von Mark Benecke

 

In seinem zweiten Kriminalroman nimmt Mark Benecke seine Leser mit in die düstere Welt des Kannibalismus, wo unbekannte Begierden und Fantasien die Privatermittler Becker und Funke an ihre Grenzen bringen.


Ein Koffer voller Menschenknochen lässt die Behörden, den Privatermittler Bastian Becker und seine Kollegin Janina Funke zu dem sonderbaren Fall hinzuziehen. Becker und Funke haben schon bald den Verdacht, dass es sich um Kannibalismus handeln könnte, denn das Fleisch auf den Knochen ist nicht verwest, sondern wurde abgeschabt. Becker taucht ab in die tiefen des Internets, um die Szene nach einem potenziellen Kannibalen zu durchsuchen, der für den Tod des gefundenen Opfers verantwortlich ist.


Woher kommt das Verlangen danach, andere zu essen oder gegessen zu werden? Gemeinsam mit Bastian Becker geben wir uns dem Jagdrausch nach den Beweggründen dieser Menschen hin. Wo wir als Leserinnen und Leser Bastian Becker als Beobachter folgen, taucht dieser tiefer und tiefer hinab in die Abgründe und gerät ins Visier des Täters und auch Janina gerät in Gefahr. 


Das Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven, der Autor lässt viel Raum für die eigene Fantasie, die unweigerlich angekurbelt wird, wenn man der Geschichte aufmerksam folgt. Ich mochte den Schreibstil Mark Beneckes. 


Ich habe allerdings auch Kritik:  Bastian Becker entspricht so sehr dem Klischee des ehemaligen Polizisten, der aufgrund seiner Art und seiner Arbeitsweise für den normalen Polizeidienst nicht geeignet ist. Becker ist genial, so genial, dass er die Unterstützung Janinas braucht, um die Dinge des alltäglichen Lebens nicht aus dem Blick zu verlieren. Das ist allerdings meine persönliche Befindlichkeit, ich mag zu viel Persönliches in Krimis nicht. 

Und wahrscheinlich lese ich zu viele Krimis, denn es gab da diesen einen Satz, nach dem mir klar war, wer für die Tat verantwortlich war.


Nichtsdestoweniger mochte ich das Buch, ein klein wenig einzudringen in die Psyche eines anderen. Zu versuchen herauszufinden, warum ein Mensch so handelt, macht den besonderen Reiz des Buches aus.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Benevento; 1. Edition (23. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 208 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 371090157X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710901577

Mittwoch, 22. Februar 2023

Draußen die Welt von Janet Lewis

 

Mary Perrault, Anfang fünfzig, führt mit ihrem Mann und den vier Kindern ein beschauliches Leben im ländlichen Kalifornien. Aber dann bricht 1929 die New Yorker Börse zusammen: Der Kampf ums nackte Überleben bringt das Fundament der Gesellschaft ins Wanken und bedroht auch das innere Gleichgewicht der Familie Perrault. Immer wieder gerät Mary in Situationen, in denen sie entscheiden muss, ob sie zum eigenen Vorteil oder zum Wohle anderer handeln soll. In leuchtend klarer Sprache und mit unwiderstehlich sanftem Sog erzählt Janet Lewis am Beispiel des scheinbar unspektakulären Lebens einer Frau, wie der Mensch sich im Angesicht von Krisen sein moralisches Wertesystem und seine Würde erhalten kann.


Marys Leben dreht sich komplett um ihre Familie, gemeinsam mit ihrem Mann und ihren vier Kinder lebt sie in  Kalifornien. Sie hat ein schönes Leben, das sich um ihre Familie, ihre Freunde und die Gemeinde, in der sie lebt, dreht. Sie bietet Hilfe an, wo sie gebraucht wird. 

Draußen die Welt ist eine ruhige Geschichte, die vom Leben erzählt, mit all seinen Höhen und Tiefen. In Marys Leben gibt es ein Drinnen. Ihre Familie, ihre Freunde, ihre Gemeinde, für sie lebt Mary ohne sich, wie man bei der Zeit, in der die Geschichte spielt, erwarten könnte, selbst aufzugeben, sie ändert, was sie ändern kann. Aber sie nimmt auch hin, was nicht zu ändern ist, im Großen wie im Kleinen. Ein Beispiel dafür ist die Veranda, vor ihrem Haus, die ihr Mann nie fertig gebaut hat, sie hat sich damit arrangiert. 
Das Leben verläuft in ruhigen Bahnen, bis das Draußen hereinbricht, die Weltwirtschaftskrise erschüttert das Land und auch Marys Familie leidet unter den Umständen.

Der ruhige Erzählstil des Buches hat mich mitgenommen in Marys Leben, ich erlebte mit ihr die traurigen und tragischen Momente, wie den Tod ihrer Freundin. Aber auch die hoffnungsvollen, als Mary die junge Sylvie unterstützt, damit diese eine würdevolle Hochzeit bekommt, trotz der fortgeschrittenen Schwangerschaft, eine Katastrophe in der damaligen Zeit.
Es sind die kleinen und großen Geschichten, die das Leben schreibt, die dieses Buch so besonders machen. 
Die Autorin Janet Lewis war mir bis dato völlig unbekannt, dachte ich, nicht ahnend, dass ich zumindest schon zwei Verfilmungen ihres Romans »Die Frau, die liebte« gesehen hatte. 
Janet Lewis (1899–1998) lebte zumeist in Kalifornien mit ihrem Mann, dem Dichter Yvor Winters. Neben Lyrik schrieb sie vier Romane, darunter eine viel beachtete Trilogie um berühmte historische Justizfälle. Lewis war ihr Leben lang vehemente Kriegsgegnerin und Fürsprecherin der indigenen und schwarzen Bevölkerung.
Ich bin wirklich beeindruckt von ihrer Art zu erzählen, allerdings gebührt hier sicher auch der Übersetzerin Sylvia Spatz ein ganz großes Lob.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (16. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423283181
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423283182
  • Originaltitel ‏ : ‎ Against A Darkening Sky







Freitag, 17. Februar 2023

Therapiert von Martta Kaukonen

 

Star-Therapeutin Clarissa Virtanen hat schon viele schwierige Fälle behandelt. Als die traumatisierte junge Ira vor ihr sitzt, die kaum ein Wort herausbringt, läuten bei ihr sofort die Alarmglocken. Ira scheint kurz davor, sich etwas anzutun. Das will Clarissa um jeden Preis verhindern. Schließlich darf sie nicht noch einen ihrer Schützlinge verlieren. Denn das würde auch ihr Leben zerstören, das längst nicht so perfekt ist, wie es nach außen scheint. Aber Clarissa ahnt nicht, dass Ira sie aus einem ganz bestimmten Grund als Therapeutin ausgewählt hat.

Auf den ersten Blick scheint die Star-Therapeutin Clarissa alles erreicht zu haben, sie gilt als Koryphäe ihres Fachs. Doch der schöne Schein trügt, sowohl privat als auch beruflich läuft es nicht so wie es soll. Clarissa kann es sich nicht erlauben, noch einen Patienten zu verlieren und so verwendet sie all ihre Energie darauf, der jungen Ira zu helfen, die zunächst einmal schweigt.

Das Buch ist nicht einfach zu lesen, in relativ kurzen Kapiteln lässt die Autorin Martta Kaukonen, jeweils einen der vier Hauptcharaktere erzählen, sodass man sich nach und nach ein genaueres Bild der Personen machen kann. Hierbei lag mein Hauptaugenmerk natürlich auf Ira und es stellte sich die Frage: Ist sie wirklich die zwanghafte Lügnerin, wie sie von sich selbst behauptet und wenn ja, was von dem, was sie erzählt, kann man ihr glauben?

Je nachdem, um wen es in den einzelnen Kapiteln gerade gegangen war, änderte sich auch meine Meinung, zu den einzelnen Personen, ihren Beweggründen, oftmals hat mich das mehr verwirrt, als dass es mich bei der »Wahrheitsfindung« unterstützt hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich das Buch bewerten soll, es hat mich gut unterhalten und es gab immer wieder Passagen, die mich am Buch hielten und mich überraschten. Es hatte aber auch seine schwachen Momente, für mich waren es dann doch die, in denen die Autorin wieder eine neue Wendung ins Spiel brachte. Aber wie schon geschrieben, im Großen und Ganzen war das Buch unterhaltsam und ich würde mich über weitere Bücher der Autorin freuen, ihr Debüt lässt schon mal auf viel Gutes hoffen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (15. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453427041
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453427044
  • Originaltitel ‏ : ‎ Terapiassa
  • Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara

Donnerstag, 16. Februar 2023

Die FROST-Chroniken 2: Der letzte Magier von Juri Susanne Pavlovic


Wir mussten alle so lange auf den 2. Band der Frost-Chroniken warten und nun durfte ich es endlich lesen.

Schon das Cover ist ein echter Hingucker, es passt perfekt zum 1. Band.
Aber es kommt natürlich auf den Inhalt, auf die Geschichte an.
Und die ist wieder einmal großartig.

Es geht turbulent zu in diesem Buch, Yuriko wird wegen Hochverrats angeklagt, sein Freund Frakis sitzt wegen einer angeblichen Sittenverfehlung auf einer Gefängnisinsel. Florine hat einen Eintrag im Sittenregister und es gibt eine Verschwörung, um die Zentallinische und die Abrantinische Regierung zu stürzen, was Yuri mithilfe seiner Mitstreiter und Freunde unbedingt verhindern muss. 
Doch zunächst einmal gilt es Frakis zu retten.

Als ich das Buch gestern beendet habe, dachte ich: Es wird einfach hier eine Rezension zu schreiben.
Die Geschichte hat alles, was eine gute Fantasystory ausmacht. Eine gute Portion Action, Magie und Zauberei, Liebe und Freundschaft, dazu noch der Humor, der mich im ersten Band schon so begeistert hat, weil er nie übers Ziel hinausschoss. 
Das passte auch alles, es war wunderbar, ich bin eingetaucht in das Leben Yuris und seiner Freunde, ich war ganz nah bei ihnen. Und so habe ich auch ihren Schmerz gefühlt und ihre Angst um das Leben der anderen. Denn dieser Band ist stellenweise tieftraurig, dass was die Freunde durchleiden müssen, schafft eine teilweise düstere Atmosphäre. Die aber immer auch von dem grenzenlosen Optimismus Yuris erhellt wird, denn den verliert er am Ende nie, egal wie schwierig die Situation ist, in die er sich meist selbst hineinmanövriert hat.
Wir treffen auch wieder auf viele liebgewonnene Charaktere. Es gibt ein Wiedersehen mit Pintel und Lomir, mit Krona und dem Spielmann und natürlich mit Galina, die sich von dem Mädchen das Zaubern lernen wollte, in eine Kämpferin wandelte, die ihren Platz im Leben gefunden hat. 

Und sie alle sind die Menschen, wie ich sie in anderen Fantasyromanen manchmal vermisst habe. Ich will Menschen und Wesen wie sie sind, eigennützig, stur, manchmal gut, manchmal böse, die weinen, schreien, lachen und lieben. Sie alle haben ihre Schwächen, außer natürlich Yuriko Mandorak Doragon Zinnober Frost, Krötenmeister, Todesaustrickser, Freund der Drachen und Erfinder der legendären Feuersiegel, der, wenn man ihn fragt, perfekt ist.  Ich erwarte von Ihnen, dass sie mich mitnehmen in ihre Welt, mich in ihren Bann ziehen und dazuzubringen immer mehr von ihnen zu erfahren und genau das finde ich immer wieder in den Romanen von Juri Susanne Pavlovic. 


Juri Susanne Pavlovic zeigt uns, dass Freundschaft manchmal wertvoller ist, als Liebe, aber auch, dass es sich immer lohnt, um die wahre Liebe zu kämpfen. Der letzte Magier ist eine Geschichte über Freundschaft und unverbrüchliche Loyalität. Ich verlasse die Freunde nur ungern, allerdings mit der Hoffnung sie einmal wiederzusehen, denn die Welt ist riesig und schön und wer weiß, ob Yuri nicht wieder einmal aufbricht, um mehr von ihr kennenzulernen und sich in Schwierigkeiten zu bringen.

Von  Juri Susanne Pavlovic ist im Abrantes-Zyklus erschienen:

Das Spielmannslied

Der Sternenritter

Feuerjäger 1: Die Rückkehr der Kriegerin

Feuerjäger 2: Herz aus Stein

Feuerjäger 3: Das Schwert der Königin

Die Herren von Nebelheim

Drei Lieder für die Königstochter

Die Frostchroniken 1: Krieg und Kröten



  • Herausgeber ‏ : ‎ Amrun Verlag; 1. Edition (22. Januar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 649 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958691676
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958691674
  • Abmessungen ‏ : ‎ 14.3 x 21.5 x 4.7 cm

Dienstag, 14. Februar 2023

Aufblattelt von Martina Parker ( Klub der Grünen Daumen)

 


Ich habe mich mal wieder von einem Cover verführen lassen, das in kräftigem Rot und Grün gehalten zur genaueren Betrachtung einlädt und dann hat der Klappentext mir den letzten kleinen Schubs gegeben. Dorftratsch ist immer interessant, sofern man nicht selbst betroffen ist. Und zu guter Letzt, es wurde mal wieder Zeit für etwas Neues und ein österreichischer Gartenkrimi ist definitiv etwas Neues für mich.

Doch nun zur Story.

Aufblattelt (aufblatteln (österr.) blamieren, bloßstellen, lächerlich machen, vorführen) ist schon der dritte Band um den Klub der grünen Daumen, deren Mitglieder im schönen Südburgenland zu Hause sind. Allerdings ist es meiner Meinung nach nicht zwingend notwendig, die ersten beiden Bände zu kennen.

In Aufblattelt stehen Vera, die als Journalistin für die Lokalzeitung arbeitet und Isabella im Mittelpunkt der Geschichte.


Isabella ist bis über beide Ohren in Ferdinand, den Stiefsohn des Grafen Bertl von Hohenfels verliebt, der genau wie sie als Umweltschützer aktiv ist, in seiner Familie fühlt sich die junge Frau allerdings nicht willkommen. Voller Standesdünkel lassen sie Isabella spüren, dass sie nicht wirklich dazugehört. Aber davon lassen sich Ferdinand und Isabella nicht beirren und sie bereiten eine typische Burgenländische Hochzeit vor, auf der es allerdings zu einem unschönen Zwischenfall kommt. Ferdinands Stiefschwester, Mimi, bricht tot zusammen. Ein bedauerlicher Unfall, wie es später heißt. Oder hat doch Isabellas Großmutter einen Fluch ausgesprochen? 
Und es bleibt nicht bei dem einen Unglück.


Im Showgeschäft würde man jetzt sagen:

The Show must go on

Und genauso handelt die Familie von Hohenfels, es muss weitergehen, Geld muss verdient werden und das Ansehen der Familie darf unter keinen Umständen beschmutzt werden. 

Auch Vera ist verliebt, allerdings unglücklich in Tom, der sich nicht binden will, außerdem versucht sie gerade Handwerker zu bekommen, die ihren Schuppen zu einem Wohnraum ausbauen sollen. (da war ich so sehr bei ihr, die Suche nach einem Handwerker ist in der heutigen Zeit ja schon fast eine eigene Geschichte wert). Weniger amüsant sind da schon die Probleme ihrer Tochter Letta, das Mädchen ist einsam seit ihre einzige Freundin weggezogen ist und schließt sich der älteren Delphina an, die als eine Art Au-pair-Mädchen bei den Hohenfels wohnt, die Brasilianerin ist die Tochter eines Geschäftsfreundes Bertl. 

Doch nun genug getratscht, ich könnte noch stundenlang weitererzählen, denn es passiert eine Menge auf 440 Seiten.
Aber ist das auch spannend? 
Auf jeden Fall ist es unterhaltsam, so sehr, dass sich die Seiten fast wie von selbst umblättern und ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Über jedem Kapitel erfährt man interessantes und manchmal skurriles aus der Natur, wusstet ihr z. B. das auf dem Konstanzer Konzil 1414–1418 beschlossen wurde, dass Biber Fische sind und deswegen auch während der Fastenzeit gegessen werden dürfen?  Oder dass frei lebende Hühner nachts auf Bäumen schlafen?
Außerdem erfährt man während der Treffen des Klubs viel über Pflanzen und deren Wirkungen, da hätte ich mir tatsächlich das eine oder andere genaue Rezept gewünscht. 
Etwas erstaunt über mich selber war ich bei der Sprache, die Autorin verwendet natürlich auch Burgenländischen Dialekt und ich habe das meiste davon tatsächlich verstanden, ohne dass ich auf die Fußnoten zurückgreifen musste. Diese Fußnoten sind aber sicherlich für den einen oder anderen sehr hilfreich. 

Und nun genug getrascht, lest das Buch amüsiert euch.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag; 2023. Edition (25. Januar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 458 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839203260
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839203262






Donnerstag, 9. Februar 2023

Rotwild von Maria Grund

 


Bedrohlich dunkle Wolken türmen sich über der Insel vor der schwedischen Küste, als die Kommissarin Sanna Berling auf einer verlassenen Farm einen sterbenden jungen Mann findet, dessen Anblick sich für immer in ihr Gedächtnis brennt. Sein Körper ist übersät von Wunden. Verzweifelt möchte er Sanna mit seinem letzten Atemzug etwas mitteilen, doch bevor er den Satz beendet, ist er tot. Zusammen mit ihrer Partnerin Eir Pedersen nimmt sie fieberhaft die Suche nach dem grausamen Mörder auf. Ihr Instinkt führt die beiden Ermittlerinnen tief in die dunklen Wälder der schwedischen Insel. Dort, im undurchdringlichen Dickicht, scheint eine namenlose Gefahr zu lauern. Und Sanna spürt, wie gleichzeitig auch die Schatten der Vergangenheit gnadenlos näher kriechen.

Der zweite Fall nach »Die Füchsin« mit dem ungewöhnlichen Ermittlerduo Sanna Berling und Eir Pedersen aus der Feder Maria Grund, beginnt mit dem Tod eines jungen Mannes, der übersät von Wunden auf einer verlassenen Farm stirbt. Kurz vor seinem Tod will er Sanna noch etwas mitteilen, doch er stirbt, bevor er seinen Satz beenden kann.

Drei Jahre sind seit dem letzten Fall vergangen, ein Fall den Sanna nicht lösen konnte, das hat sie noch immer nicht verarbeitet. Sie zieht mit ihrem Hund Sixen in einen kleinen Ort, um sich nicht mehr mit Mord beschäftigen muss, sondern nur noch mit alltäglichen kleinen Ordnungswidrigkeiten. Doch ihr Plan geht selbstverständlich nicht auf. Dieser Fall führt Sanna und Eir wieder zusammen, gemeinsam ermitteln sie und stoßen auf eine weitere Leiche. 

Vieles in diesem Band verweist auf den Ersten, es ist also meiner Meinung nach zwingend erforderlich auch diesen gelesen zu haben. Die Leserinnen und Leser, lernen die Ermittlerin noch ein wenig besser kennen, ihre Ängste und Hoffnungen, allerdings schafft es die Autorin die Waage zu halten zwischen dem Beruflichen und Privaten. Die Spannung baut sich langsam aber stetig auf und kommt erst im letzten Drittel des Buches richtig in Fahrt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (18. Januar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328107061
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328107064
  • Originaltitel ‏ : ‎ Dödsdansen

Mittwoch, 8. Februar 2023

Stigma von Lea Adams

 

Eine Männerleiche, die Augenhöhlen leer, eine Plastiktüte über dem Kopf: Mordermittlerin Jagoda »Milo« Milosevic und ihr Kollege Vincent Frey stoßen auf Hinweise, dass der Tote in der Vergangenheit Frauen missbraucht hat. Ein mögliches Motiv? Der Verdacht erhärtet sich, als kurz darauf ein weiterer verurteilter Sexualstraftäter ermordet wird. Milo folgt bei den Ermittlungen ihrem Instinkt, doch sie fühlt sich zunehmend beobachtet. Erkennt sie das Böse, wenn es vor ihr steht?

Schon der Prolog zeigt: Dieses Buch ist kein Cosy Krimi, selten habe ich in so detaillierte Gewaltbeschreibungen gelesen wie in diesem Thriller. Die Trigger Warnung auf der ersten Seite des Buches ist also mehr als berechtigt.

Die Mordermittler Jagoda »Milo« Milosevic und ihr Kollege Vincent Frey stoßen auf Hinweise, dass der Tote, der mit entfernten Augen und einem Müllsack über dem Kopf aufgefunden wurde, möglicherweise ein Sexualstraftäter gewesen ist. Ein weiteres Opfer offenbart ihnen ein Motiv, denn auch dieser Mann hat in der Vergangenheit Frauen missbraucht.

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist ein hochaktuelles Thema, diese Gewalt beginnt schon mit anzüglichen Bemerkungen, unsittlichen Berührungen und endet nicht selten mit brutaler Vergewaltigung. 

Nicht selten werden die Opfer nicht ernst genommen oder ihnen wird eine Mitschuld zugeschoben.

 "Es ist ja nichts passiert. 
"Was machst du auch mitten in Nacht allein in draußen"
"Dein Rock war ja auch verdammt kurz." 

Mit dem Wissen wie Frauen, die derart schreckliches erleben mussten, war für mich relativ schnell klar, dass es sich bei Stigma um einen Rache-Thriller handeln muss. 

Die Ermittlungen erweisen sich als schwierig und Milo und Vincent kommen dem Täter oder der Täterin nicht wirklich näher, das macht den Fall trotz des offensichtlichen Motivs sehr spannend. Und auch dass Milo im Laufe der Ermittlungen bedroht wird, gibt dem ganzen noch einen weiteren Kick. 

Bis hierhin ist Stigma für mich ein 5 Sterne Thriller. 

Leider war mir Milo nicht sehr sympathisch. Milo, die ihr Privatleben komplett für sich behält, war gefühlt nur am Nörgeln, an den Essgewohnheiten ihres Kollegen, an seiner Art, mit anderen zu sprechen, daran, dass er gern flirtet. Und wenn sie nicht nörgelt, plagt sie das schlechte Gewissen ihrer Lebensgefährtin Valerie gegenüber, weil sie sich nicht traut sich zu outen, weder im beruflichen Umfeld, noch ihrer Familie gegenüber. 
Vincent ist das genaue Gegenteil, er scheint immer gut gelaunt. Mit seiner lockeren Art schafft er es, die eine oder andere Situation zu entschärfen und seine Gegenüber dazu zu bringen, mehr zu erzählen als sie eigentlich wollen. Aber auch hier war mir das so manches Mal zu viel des Guten. 

Als Team, arbeiten sie recht gut zusammen und ich hoffe bei weiteren Fällen, sollte es welche geben, der Beiden auf weniger Privates von Milo. 

Für alle, die es leid sind, immer wieder dieselbe Geschichte über ermordete Frauen zu lesen: Dieses Buch ist für Euch. 

Während des Lesens ging mir die obige Aussage nicht aus dem Kopf und mir stellte sich die Frage, was anders ist an diesem Buch. Der Thriller hat alles, was üblich ist. Tote, Mörder, Ermittler, ob ich sie nun mag oder nicht. Nichts Neues am Thrillerhimmel. 

Aber und das ist ein großes Aber, wo in den üblichen Thrillern, von Vergewaltigung und Gewalt nur die Rede ist, beschreiben die Autorinnen Regina Denk und Lisa Bitzer, die Szenen sexueller Gewalt, die immer wieder im Buch eingestreut sind so anschaulich, das man den Schmerz und die Angst der Opfer fast körperlich spürt. Die Bilder, die sie in die Köpfe der Leserinnen und Leser projizieren, sind grausam, und so anschaulich, dass auch der abgebrühteste Mensch sich das Leid der Frauen vorstellen kann, niemand, der auch nur ansatzweise zu Gefühlen fähig ist, kann sich dem entziehen. 



Lea Adam ist das Pseudonym der Autorinnen Regina Denk und Lisa Bitzer. Zwischen der schwedischen Küste und dem Münchener Umland haben sie unabhängig voneinander zahlreiche Buchprojekte veröffentlicht. Stigma ist ihr erster gemeinsamer Thriller.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch; 1. Edition (26. Januar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548067220
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548067223













Dienstag, 7. Februar 2023

Invasion der Springer von Peter Schmidt


 Angriff auf die Demokratie? Politische Destabilisierung? Machtübernahme?


Der Klimawandel hat zu einem hohen Anstieg der Temperaturen in der afrikanischen Sahelzone geführt. Die Folgen: neue Flüchtlingswelle vor allem nach Deutschland. Anders als früher folgen die Flüchtlinge diesmal einem wohlorganisierten Plan und dringen als sogenannte „
Springer“ ins Land, besetzen leer stehende Schulen, Verwaltungsgebäude und Fabrikhallen …

Wegen des Verdachts, dass diese Strategie auch in anderen Ländern der EU und den USA zur Gefahr werden könnte, wird der deutschstämmige Geheimdienstoffizier Colonel Hans Lauer von der amerikanischen NSA und westlichen Regierungen beauftragt, herauszufinden, ob es sich dabei nur – wie anfangs vermutet – um ein lukratives Geschäftsmodell von Schlepperbanden handelt, oder ob politische Interessen im Spiel sind, womöglich ein Komplott Russlands oder des wiedererstarkten IS zur Destabilisierung der NATO-Staaten.

Peter Springer zeichnet in seinem Politthriller ein düsteres Bild. Der rasant voranschreitende Klimawandel lässt die Temperaturen in den afrikanischen Ländern ansteigen und hat eine bis dahin nicht dagewesene Flüchtlingswelle ausgelöst. Die Flüchtenden folgen einem ausgeklügelten Plan, sie kommen einzeln oder in kleinen Gruppen ins Land, um dann leerstehende Gebäude zu besetzen. Die Behörden stehen diesem Phänomen machtlos gegenüber. Um herauszufinden, wer hinter dieser Flüchtlingswelle, die scheinbar zielgerichtet Deutschland überrollen soll, ermittelt der NSA Colonel Lauer.

Es gibt zu viele Flüchtlinge,
sagen die Menschen.

Es gibt zu wenig Menschen,
sagen die Flüchtlinge.

(Ernst Ferstl)



Zugegeben, der Titel des Buches hat mich zunächst einmal abgeschreckt »Invasion« dieses Wort projiziert Bilder in meinen Kopf, die mich eine innere Abwehrhaltung einnehmen lassen. Invasionen sind nie etwas Gutes. Will ich dieses Buch wirklich lesen? 
Auch das Cover hat nicht wirklich dazu beigetragen, die dunklen Gestalten vor dem Hintergrund eines Stacheldrahtzauns, die scheinbar triumphierend die Arme hochrecken, sind ebenso beunruhigend wie der Klappentext. Ich kannte weder den Autor noch eines seiner früheren Werke.
Dass ich mich trotzdem dafür entschieden habe, lag unter anderem an dem Zitat, das der Autor seiner Story vorangestellt hat.
Es gibt zu viele Flüchtlinge,
sagen die Menschen.
Ja, aber sie haben sich ihr Schicksal nicht ausgesucht, sie sind zur Flucht gezwungen, wenn sie überleben wollen. Ich würde genauso handeln.

Es gibt zu wenig Menschen,
sagen die Flüchtlinge.
Zuwenig Menschen, die nicht aus Angst vor dem Unbekannten, aus Angst um den eigenen Wohlstand, oder davor das einem das wenige das man hat auch noch weggenommen wird, grundsätzlich dagegen sind Flüchtende aufzunehmen.


Die Flüchtenden in Peter Schmidts Thriller sind erstaunlich gut informiert und ausgerüstet. Sie wissen ganz genau, bis wohin sie sich durchschlagen müssen, dass sie, sind sie erst einmal an ihrem Zielort angekommen, ohne Asylverfahren nicht abgeschoben werden können und stellen deshalb keinen entsprechenden Antrag. Alle haben das gleiche Smartphone Modell eines chinesischen Herstellers bei sich. Und die deutsche Bevölkerung reagiert immer ungehaltener auf die Menschen, die ins Land kommen. 

Colonel Lauer soll herausfinden, aus welchem Grund sich die Flüchtenden nur auf Deutschland konzentrieren, geht es nur Geld oder um Politik? 
Ab hier muss ich leider spoilern.