Montag, 31. März 2025

Edith Holler: Roman von Edward Carey (Autor, Illustrator), Cornelius Hartz (Übersetzer)

Ein Fluch hindert die zwölfjährige Edith Holler daran, das Theater ihres Vaters zu verlassen. Sollte sie es doch wagen, würde das Theater einstürzen – und sie selbst sterben. Da Edith kein anderes Leben kennt und von allen im Theater liebevoll umsorgt wird, fühlt sie sich in ihrer Welt recht wohl. Hin und wieder spielt sie mit Puppen kleine Stücke im Schaufenster, um die Menschen in Norwich zu unterhalten und auf die Aufführungen aufmerksam zu machen.

Edith bringt sich ihr Wissen aus Büchern bei, die sie regelrecht verschlingt. Dabei stößt sie auf ein düsteres Geheimnis der Stadt: Seit Jahrzehnten verschwinden Kinder, und es scheint eine Verbindung zu einer Fabrik zu geben, die Käfermarmelade herstellt. Die Legende um Mawther Meg, die angeblich Kinderblut für diese Marmelade nutzte, fasziniert Edith so sehr, dass sie ein Theaterstück darüber schreibt.

Die Lage spitzt sich zu, als ihr Vater Margaret Unthank kennenlernt – die Erbin des Käfermarmelade-Vermögens – und beschließt, sie zu heiraten. Edith misstraut ihr zunächst, doch Margaret zeigt sich freundlich – sowohl ihr als auch dem Theater gegenüber.

Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten – diese Geschichte muss man selbst erleben und erfühlen.

Edward Carey erzählt in einer märchenhaft-skurrilen Welt aus Horror und Humor von Ediths Kampf um Freiheit und Wahrheit – ein Kampf, der eine ganze Stadt ins Wanken bringt.

Ich mag den eigenwilligen Schreibstil des Autors sehr. Edward Carey fängt die Atmosphäre des Theaters meisterhaft ein: den verblassenden Glanz der Zuschauerbereiche ebenso wie die geheimnisvolle Welt hinter der Bühne. Besonders bemerkenswert ist auch das Titelbild des Buches. Was zunächst merkwürdig wirkt, ergibt im Laufe der Geschichte Sinn und fügt sich stimmig in die Erzählung ein. Und natürlich dürfen auch die Illustrationen nicht unerwähnt bleiben: Sie wirken anfangs seltsam, doch während der Lektüre lernt man sie zu schätzen.





  • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck; 1. Edition (20. März 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 428 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406829694
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406829697
  • Originaltitel ‏ : ‎ Edith Holler

Stammzellen von Alina Lindermuth


Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, und ich wurde nicht enttäuscht. Stammzellen spielt in einer Welt, in der die Klimakrise eine seltsame Wendung nimmt: Eine neue Krankheit namens "Dendrose" sorgt dafür, dass Menschen sich in Bäume verwandeln. Das Phänomen, "Klimadendron" genannt, steht im Zusammenhang mit menschlichen Eingriffen in die Natur.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ronja, eine junge Ärztin aus der kleinen Stadt Farnburg. Sie arbeitet in einem "Dendro-Team" und kümmert sich um Betroffene der Krankheit sowie deren Familien. Auf einer Zugfahrt lernt sie Elio kennen, einen Sprachwissenschaftler, und verliebt sich in ihn. Ich fand die Beziehung zwischen Ronja und Elio allerdings etwas seltsam. Ihre Interaktionen wirkten auf mich oft befremdlich und nicht immer nachvollziehbar. Ohne den Hinweis im Klappentext hätte ich nicht erwartet, dass sie ein Paar werden.

Die stärksten Momente des Romans sind für mich die Szenen, die sich direkt mit der Krankheit befassen. Besonders eindringlich fand ich die Szene im Garten von Elios Eltern: Sie geben Ausländern die Schuld an der Krankheit und glauben, dass diese sie eingeschleppt und verbreitet hätten. Ronja versucht zu erklären, dass es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt, doch ihre Argumente stoßen auf taube Ohren. Diese Situation erinnerte mich stark an die Corona-Pandemie, wo es ebenfalls Menschen gab, die für logische Erklärungen nicht zugänglich waren.

Ein weiterer berührender Moment ist ein Hausbesuch Ronjas bei einer Familie ohne Garten oder Geld für ein eigenes Grundstück. Sie kann nur ein Gefäß für die Umpflanzung anbieten – eine Übergangslösung auf dem Balkon. Die emotional stärkste Szene des Buches war für mich jedoch der Moment, als Ronja und Elio ihre Tochter an die Krankheit verlieren. Diese Tragödie hat mich sehr berührt und ist wohl etwas, das alle Eltern nachvollziehen können.

Ich hätte mir insgesamt mehr Auseinandersetzung mit den ökologischen und politischen Aspekten des Themas gewünscht. Der Roman konzentriert sich stark auf die persönlichen Geschichten der Figuren, was zwar sehr intensiv ist, aber die größeren Zusammenhänge nur am Rande behandelt.

Lindermuths Schreibstil hat mir gut gefallen. Sie beschreibt Beziehungen und Gefühle sehr einfühlsam und macht die ungewöhnliche Geschichte dadurch glaubwürdig. Die Mischung aus realistischen und fantastischen Elementen funktioniert für mich richtig gut.

Stammzellen überzeugt mit einer originellen Idee und viel emotionaler Tiefe. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie abstrakte Bedrohungen durch den Klimawandel plötzlich ganz konkret und persönlich werden.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Kremayr & Scheriau; 1. Edition (12. März 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3218014468
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3218014465

Sonntag, 23. März 2025

Frühjahrskollektion: Roman von Christine Koschmieder

 Lilo will den nächsten großen Coup landen: Bademoden für die reife Frau. Das neue elastische Gewebe soll ihr den Swimmingpool hinter dem neuen Bungalow finanzieren. Doch dann steht unerwartet die Vergangenheit in ihrer Kabine. Denn neuerdings interessiert sich die deutsche Justiz für Geschäfte, die damals im besetzten Polen gemacht worden sind. Lilo und Harry sind kein unbescholtenes Paar. Sie verbindet mehr als eine unschuldige Liebe zur Mode. Auch Josef Neckermann, für dessen Versandunternehmen Harry zu arbeiten anfängt, mag lieber nach vorn als zurück blicken. Während Harry für seinen neuen Arbeitgeber auf der Leipziger Messe Verträge aushandelt, erfährt Tochter Reni mehr über die Vergangenheit deutscher Konfektionshäuser, als ihr lieb ist. – Farbig und genau erzählt Frühjahrskollektion von einer Zeit im Wandel und von Frauen, die der Verkleidungen überdrüssig geworden sind.


Als ich das Cover von 'Frühjahrskollektion' sah, ließ es mich zunächst an einen der vielen gerade sehr beliebten Romane über starke Frauen denken, die sich in den 1950er und 1960er Jahren gegen alle Widerstände durchsetzen müssen. Doch bereits der Klappentext ließ mich ahnen, dass hinter der Oberfläche mehr steckt. Tatsächlich führte mich Christine Koschmieder in eine Welt, die weit über die üblichen Geschichten von beruflichem Erfolg und persönlicher Befreiung hinausgeht. Der Roman taucht in die deutsche Nachkriegszeit ein, beleuchtet die Schattenseiten des Wirtschaftswunders und entwirft ein differenziertes Bild von Frauen, die sich in einer Zeit des Wandels behaupten müssen.


Lilo, Harry und Reni leben das Wirtschaftswunder: Lilo führt ein kleines Modeunternehmen und wurde mit dem „kleinen Schwarzen“ bekannt. Gerade plant sie eine Bademodenreihe für die reifere Frau – ein Projekt, das ihr den Swimmingpool hinter dem modernen Bungalow finanzieren soll. Harry organisiert Kriegsgräberfahrten für Frauen, die ihre gefallenen Angehörigen besuchen wollen, während Tochter Reni als gefragtes Mannequin mit ihrem Freund Fred durch die Welt reist. Der moderne Bungalow in der hessischen Provinz scheint der sichtbare Beweis für ihren Erfolg zu sein – doch unter dieser glänzenden Oberfläche lauert eine dunkle Vergangenheit.

Die deutsche Justiz beginnt sich für Geschäfte zu interessieren, die während der Besatzung Polens getätigt wurden. Lilo und Harry sind kein unbescholtenes Paar: Ihre Verbindung zur Mode reicht bis ins Ghetto von Łódź dem früheren Litzmannstadt zurück, dort hat sie als "Ansiedlerbetreuerin" Kindern neue Namen gegeben, die in neue Familien vermittelt wurden, deutsche Namen für deutsche Familien. Dort lernte sie auch Harry kennen, der ihr beibrachte, wie man Modelle aus Draht biegt, um die Mode, die im Ghetto gefertigt wurde, zur Geltung zu bringen. Der Besuch einer früheren Kollegin Hertha bringt die Vergangenheit zurück, die Justiz versucht aufzuklären, was damals wirklich passiert ist und die Beteiligten ausfindig zu machen, Hertha beschwört Lilo von nichts gewusst zu haben und auch keine Namen zu kennen, im Gegenzug vermittelt sie Harry einen neuen Job bei dem Versandhaus Neckermann.

Reni schluckt in Wodka-Orange getränkte Wattebällchen um das allgegenwärtige Hungergefühl zu dämpfen, als Mannequin muss sie auf ihr Gewicht achten, die Beziehung zu Fred dem Inhaber der Modeschau-Gesellschaft ist nicht auf Liebe begründet, für sie ist Fred Mittel zum Zweck, erst nach und nach erkennt sie das das Leben das sie führt sie einengt, wie der BH den sie trägt.

Auch Harrys neuer Arbeitgeber Neckermann verkörpert den Geist des Wirtschaftswunders, blickt jedoch lieber nach vorne als zurück. Während Harry auf der Leipziger Messe Verträge aushandelt, erfährt Reni mehr über die Vergangenheit deutscher Konfektionshäuser, als ihr lieb ist.

Vieles was Christine Koschmieder in ihren Roman thematisiert, war mir schon bekannt, wie sicherlich jedem der sich für die jüngere deutsche Vergangenheit interessiert, was diese Geschichte allerdings von anderen abhebt ist die Art wie sie erzählt wird. Lilo und Harry haben die Vergangenheit hinter sich gelassen, sie leben auch nach dem Krieg weiter, wie sie während der Zeit gelebt haben; Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Christine Koschmieder beschreibt in ihrem Roman eine Zeit des Umbruchs. Sie zeigt Frauen, die keine Lust mehr haben, sich hinter gesellschaftlichen Konventionen zu verstecken. Und sie zeigt eine Gesellschaft, die lieber die Augen zudrückt, statt sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Vieles bleibt unausgesprochen, und doch hatte ich beim Lesen ein gutes Gefühl für die Atmosphäre jener Jahre und die Spuren, die sie hinterlassen haben. Der Roman ist eine schonungslose Abrechnung mit den verlogenen Jahren des Wirtschaftswunders und den patriarchalen Strukturen, die tief in der deutschen Geschichte verankert sind. Gleichzeitig macht er eindrücklich spürbar, wie diese Vergangenheit bis in die Gegenwart nachwirkt und wie schwer es ist, sich von ihren Schatten zu befreien.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin; 1. Edition (27. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 288 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985681597
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985681594

Samstag, 22. März 2025

Hohlräume von Peter Zimmermann

Peter Zimmermanns Hohlräume erzählt die Geschichte einer Familie am Abgrund. Im Mittelpunkt steht Karl, ein Lehrer wider Willen. Nach gescheiterten beruflichen Plänen bleibt ihm nichts anderes übrig, als eine Stelle als Geschichtslehrer in seinem schweizerischen Heimatort anzunehmen. Seine Schüler finden ihn langweilig, privat läuft es nicht besser – seine Ehe mit Esther ist erstarrt, und seine Affäre mit der neuen Spanischlehrerin Laura endet abrupt. Als eine Schülerin von der Affäre erfährt und ihn um kleinere Gefälligkeiten erpresst, gerät Karl weiter unter Druck. Um seinen Alltag zu bewältigen, greift er schließlich zu drastischen Mitteln: Er stiehlt Drogen aus dem Vorrat seines Sohnes Julian, der damit dealt. Als Julian seine Schwester Sophie verdächtigt, eskaliert die Situation beinahe zur Katastrophe.



Hohlräume ist mehr als die Geschichte eines einzelnen Mannes. Zimmermann erzählt aus sechs Perspektiven, die sich über den Verlauf aehr kurzer Zeit entfalten. Dieser erzählerische Ansatz macht den Roman komplex und intensiv. Die Wechsel zwischen den Perspektiven sind präzise gesetzt und verstärken die emotionale Wirkung des Geschehens.

Das Grundgerüst der Story bildet der unausweichliche Absturz einer Familie. Zimmermann schildert existenzielle Krisen und prekäre Lebenssituationen mit großer Präzision, ohne ins Dramatische zu kippen. Während ich als Leserin immer mehr darauf wartete, dass die Leben der Protagonisten in einer Katastrophe enden, überrascht Peter Zimmermann mit einem unerwarteten Ende.

Hohlräume ist ein vielschichtiges und herausforderndes Buch. Die dichte Erzählweise und die multiperspektivische Struktur fordern die Aufmerksamkeit der Lesenden, belohnen aber mit einer schön komponierten Geschichte. Wer literarische Tiefe und psychologische Feinzeichnung schätzt, wird hier. fündig.

Das Cover und auch der Titel passen meiner Meinung nach hervorragend zur Story. Das Cover zeigt einen realen Ort im Roman, der Titel deutet auf die innere Leere hin, die Menschen empfinden, wenn ihr Leben nicht den gewünschten Verlauf nimmt. Diese Leere manifestiert sich in unerfüllten Träumen und fehlendem Sinn, wie es bei Karl, dem widerwilligen Lehrer, deutlich wird. "Hohlräume" kann auch auf die christliche Hölle anspielen, die als Ort der Qual und Verzweiflung beschrieben wird – ein Symbol für die emotionalen und existenziellen Lücken im Leben der Charaktere.


Herausgeber ‏ : ‎ edition bücherlese; 1. Edition (1. Februar 2025)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3039810081
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3039810086

Donnerstag, 20. März 2025

Blogger der Edition Outbird. Heute donkey_kongs_books

 Wir feiern im April  den Verlag Edition Outbird und stellen euch im Zuge dessen die Blogger des Verlags vor.


Heute möchte ich euch den Blogger Andreas vorstellen, dem ich auch ein paar Fragen gestellt habe, aber vielleicht ist es besser er stellt sich selber kurz vor, schließlich kennt er sich am besten. 

Mein Name ist Andreas und wohne in Gladenbach (Mittelhessen). Meinen Namen hier verdanke ich meinem Neffen, da ich ihn am Donkey Kong erinnere.
Ansonsten - wenn ich nicht gerade lese, gehe ich gerne wandern und auf Konzerte.

Kurz und knapp, dann kann es ja mit den Fragen losgehen.

 

Was verbindet dich mit dem Verlag?

Ich muss gestehen, ich habe bisher noch nichts vom Verlag gelesen, daher ist es noch ein unbeschriebenes Blatt für mich.

Warum hast du angefangen Bücher nicht nur zu lesen, sondern anderen auch davon zu erzählen?

Gelesen habe ich eigentlich schon immer. Seit Corona und Langeweile während der Lockdowns hat sich das aber weiter verstärkt. Da in meinem Umfeld aber sonst niemand liest bzw. sich für Bücher interessiert, habe ich bei Instagram damit angefangen zu rezensieren und so. 

Bevorzugst du bestimmte Genre? 

Am liebsten lese ich Fantasy, Horror, Thriller, Krimis/ Crime und im Bereich Apokalypse/ Dystopien

Welche Bücher hast du in letzter Zeit gelesen und welche würdest du besonders empfehlen? 

Puh da gibt es einige. Die Bücher der Verlage Edition Roter Drache und Calderan kann ich sehr empfehlen. Auch die Bücher der Autorin Tanja Hanika und A.v.G. Koopmans

Wie entscheidest du dich welche Bücher du rezensierst?

Ein richtiges Auswahlkriterium habe ich da eigentlich nicht. Ich lese drauf los und rezensiere, sobald ich das Buch beendet habe.

Manchmal hat man ja ein nicht so gutes Händchen bei der Buchauswahl, das ist ja normalerweise kein Problem, aber wie gehst du damit um wenn es ein Rezensionsexemplar ist. Stichwort Sternchenvergabe, vergibst du auch für diese mal nur 1 Stern? 

Leider ja. Kommt aber auch nicht oft vor. Sollte dies der Fall sein, spreche ich (wenn möglich) persönlich mit dem Autor/ der Autorin und lege sachlich dar, warum mir die Geschichte nicht gefallen hat und wo meiner Meinung nach die Schwächen sind.

Was wünschst du dir von Verlagen und Autorinnen und Autoren?

Qualität, Fairness, Nachhaltigkeit, Kreativität, Professionalität, Engagement  

          Wie wichtig ist dir die Zusammenarbeit mit anderen Bloggerinnen und Bloggern?

          Ich finde diese Zusammenarbeit schon sehr wichtig. Wichtig ist dabei, dass man auf Augenhöhe              bleibt und sich mit Respekt begegnet.

          Diese Zusammenarbeit kann so sehr viele tolle Dinge zum Vorschein bringen, wie zum Beispiel:              neue Perspektiven und Ideen, gegenseitige Unterstützung, es fördert die Kreativität und                            Motivation, es stärkt die Glaubwürdigkeit und sorgt für vielfältige Inhalte.

         Vielen Dank, das du meine Fragen beantwortest hast. Ich freue mich auf ein Wiedersehen.

Mittwoch, 19. März 2025

Die tausend Farben von Paris Catherine Durand

Der Amerikaner Jack kommt 1951 nach Paris. Er sucht die Freiheit, will die faszinierende Stadt kennenlernen und sich als Maler durchschlagen. Als er an der Seine den Sonnenaufgang malt, lernt er die bezaubernde Fotografin Rose kennen. Beide verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Doch schon bald wird ihr zartes Band durch einen alten Bekannten Jacks bedroht. Jack soll im Künstlerviertel einen Spion aufspüren. Aber auch Rose scheint etwas über diese mysteriöse Person zu wissen. Kann ihre Liebe das Hindernis überwinden, oder wirft der Weltkrieg seine dunklen Schatten auf ihre junge Beziehung?


 Von der ersten Seite an war mir klar, dass „Die tausend Farben von Paris“ weit mehr als nur eine romantische Liebesgeschichte ist. Der Klappentext und die Tatsache, dass sich hinter dem Namen Catherine Durand die mir vertraute Autorin Petra Mattfeldt verbirgt, hatten meine Neugier geweckt – und ich wurde nicht enttäuscht.

Schon der Prolog zog mich in den Bann und ließ erahnen, dass hinter der romantischen Kulisse von Paris ein komplexes Netz aus Geheimnissen und Intrigen verborgen liegt. Die Begegnung zwischen Jack, einem amerikanischen Maler, und Rose, einer faszinierenden Fotografin, bildet das Herzstück der Geschichte. Doch ihre zarte Liebe wird schnell von den Schatten der Vergangenheit eingeholt, was die Handlung noch spannender macht.

Der Autorin gelingt es meisterhaft, die Atmosphäre des Pariser Künstlerviertels einzufangen. Die Mischung aus romantischer Stimmung und einer packenden Spionagehandlung hat mich regelrecht mitgerissen. Besonders die Suche nach einem Spion bringt eine zusätzliche Spannungsebene in die Geschichte – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Die Charaktere sind wunderbar vielschichtig und lebendig gezeichnet. Jack, der um seinen künstlerischen Erfolg ringt und gleichzeitig in eine gefährliche Spionageaffäre verwickelt wird, ist ein faszinierender Protagonist. Rose mit ihrer geheimnisvollen Verbindung zu den Ereignissen fügt der Geschichte noch mehr Tiefe hinzu. Besonders beeindruckt hat mich auch Durands Schreibstil: flüssig, atmosphärisch dicht und so detailreich, dass ich mich tatsächlich fühlte, als würde ich selbst durch das Paris der Nachkriegszeit schlendern.

Ein weiteres Highlight sind die Nebenfiguren: Madame Lilou, die warmherzige Wirtin, oder George, der hilfsbereite Buchhändler – sie alle verleihen der Geschichte eine Leichtigkeit und Menschlichkeit, die sie besonders liebenswert machen. Auch Roses Eltern haben mich berührt: Ihr Vater mit seinem bedingungslosen Vertrauen und ihre Mutter mit ihrer charmanten Erinnerung an ihre eigene Jugend haben mich zum Schmunzeln gebracht.

Nicht zuletzt beeindruckte mich die historische Tiefe des Romans. Der Aspekt, dass Amerikaner nach dem Krieg deutsche Wissenschaftler für ihre Zwecke rekrutierten – unabhängig von deren Vergangenheit –, regte mich dazu an, selbst weiter zu recherchieren.

„Die tausend Farben von Paris“ ist für mich ein wunderbarer Mix aus historischem Roman, Liebesgeschichte und Spionagethriller. Es ist ein Buch voller Kunst, Liebe und Geheimnisse, das einen auf eine unvergessliche Reise durch das Paris der Nachkriegszeit mitnimmt. Besonders schön fand ich auch das Nachwort der Autorin, in dem sie erklärt, welche realen Personen sie inspiriert haben.

Für mich ist dieser Roman ein absolutes Lesehighlight – spannend, emotional und atmosphärisch dicht!




  • Herausgeber ‏ : ‎ Blanvalet Verlag; Originalausgabe Edition (19. März 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3764508507
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764508500

Dienstag, 18. März 2025

Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt von Alexander Krützfeldt

 

Wer renoviert schon als handwerklicher Volllaie ein Haus – nur mit YouTube-Tutorials? Wer macht den Fehler, wenn man schon dreimal durch den Führerschein gefallen ist und meldet sich zum Motorradführerschein an? Und zwar bei exakt jenem Fahrlehrer, der einen vor 20 Jahren so oft hat durchfallen lassen? Unser Autor!

Schlimmer geht immer, könnte man sagen – und Alexander Krützfeldt ist schon so oft auf die Nase gefallen, dass es beim Zuschauen wehtut. Dafür hat er es aber weit gebracht: zum ZeitMagazin, zur Süddeutschen Zeitung und zur Frankfurter Allgemeine Zeitung, für die er als Kolumnist schreibt. Über das persönliche Scheitern. Berührend, bedrückend, ehrlich – und wahnsinnig lustig.

Zum Beispiel über sein Haus und seine sechsstelligen Bauschulden. Da, hat ihm sein Therapeut geraten, solle man auch dankbar sein. Immerhin lerne man im Zweifel was für sein Leben! Denn die Frage ist ja nicht, warum man letztlich scheitert. Die Frage ist doch: Wie scheitert man – und was lernt man daraus? Kann man durch ständiges Scheitern nicht eine Art Superheld werden – weil einem das Scheitern neue Fähigkeiten lehrt? Weil es eine Herausforderung ist, an der man immer, oft, manchmal, wenigstens aber ab und zu mal ein bisschen persönlich wächst?


Als ich den Titel von Alexander Krützfeldts Buch "Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt." las, musste ich unwillkürlich an ein trotziges Kleinkind denken. Doch nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, erinnerte ich mich an unsere eigenen Abenteuer mit einem renovierungsbedürftigen Haus. Ohne YouTube-Videos, aber mit einer gehörigen Portion Mut und geringen Kenntnissen im Bauwesen, haben wir ebenfalls nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" gehandelt. Und genau das scheint auch Alexander Krützfeldt in vielen Lebenslagen getan zu haben.

In 32 Kapiteln, die ursprünglich als Kolumnen in namhaften Zeitungen erschienen sind, teilt Krützfeldt seine Geschichten über persönliches Scheitern und das Wiederaufrappeln – und das alles auf eine humorvolle Weise, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht hat. Sei es, dass er ein Haus zu renovieren versucht, das wohl nicht mehr zu retten ist, oder dass er seinen Kindern nach der Scheidung die Umstellung so einfach wie möglich machen möchte – Krützfeldts Erzählungen sind nicht nur unterhaltsam, sondern auch bemerkenswert offen.

Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt hat, ist der feine Humor. Ehrlicherweise hatte ich eher einen schenkelklopfenden, derben Stil erwartet, doch stattdessen fand ich eine humorvolle, aber respektvolle Art des Erzählens. Diese unerwartete Feinfühligkeit macht das Buch zu einer angenehmen Lektüre, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Besonders gelungen ist die Art, wie Krützfeldt aus seinen Misserfolgen lernt und sie mit Humor betrachtet. Seine Geschichten sind oft alltäglich und dadurch sehr nachvollziehbar. Ob es um handwerkliches Ungeschick, Beziehungsprobleme oder berufliche Herausforderungen geht – Krützfeldt schildert diese Erlebnisse auf eine Weise, die ich als sehr authentisch empfunden habe.

Insgesamt ist "Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt." eine Lektüre, die mich nicht nur zum Lachen gebracht, sondern auch zum Nachdenken angeregt hat. Sie zeigt, dass Scheitern ein natürlicher Teil des Lebens ist und oft der erste Schritt zum Erfolg. Krützfeldts Ehrlichkeit und Selbstironie machen das Buch zu einer erfrischenden Lektüre.


  • Herausgeber ‏ : ‎ MAXIMUM Verlag; 1. Edition (24. Februar 2025)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Broschiert ‏ : ‎ 274 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986790608
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986790608


    Montag, 17. März 2025

    Das Erbe der Karolinger: Historischer Roman von Claudius Crönert

     


    Was geschieht, wenn Neid und Gier zu Streit und Krieg führen: das große Karolinger-Epos


    Eigentlich macht Ludwig, Kaiser der Franken und Sohn Karls des Großen, alles richtig: Er regelt seine Nachfolge früh, ernennt seinen ältesten Sohn Lothar zum Mitregenten und bedenkt die jüngeren Söhne mit großen Ländereien. Schnell zeigt sich jedoch, dass Ludwig und Lothar unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie das Land regiert werden soll. Während sich der Vater um Frieden und Ausgleich bemüht, drängt der Sohn darauf, die Interessen des Reiches mit Härte durchzusetzen. Als Ludwig nach dem Tod seiner Frau ausgerechnet um Judith wirbt, für die sich auch sein Sohn interessiert, eskalieren die Streitigkeiten. Bald steht alles auf dem Spiel, was Karl der Große einst geschaffen hat.

    Karl der Große ist uns allen aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Sein Reich reichte von Thüringen bis zur französischen Atlantikküste. Seine Hauptstadt Aachen blieb bis ins 16. Jahrhundert ein wichtiger Ort für die Krönung der römisch-deutschen Könige.

    Doch was geschah nach seinem Tod?

    Diese Frage beantwortet Claudius Crönert in seinem neuen Buch

    Das Erbe der Karolinger

    Ludwig der Fromme war anders als sein Vater. Während Karl mit harter Hand regierte, setzte Ludwig auf Verhandlungen. Das gefiel nicht jedem, besonders nicht seinem ältesten Sohn Lothar. Er hielt Ludwig für schwach und sorgte sich um das Erbe seines Großvaters. Trotz der Spannungen versuchte Ludwig, seine Nachfolge klug zu regeln. Er machte Lothar zum Mitkaiser und gab seinen jüngeren Söhnen Pippin und Ludwig die Gebiete Bayern und Aquitanien.

    Crönert zeigt in seinem Roman nicht nur die politischen Ereignisse, sondern auch das Leben der kaiserlichen Familie. Ludwig wird als liebender Ehemann und Vater dargestellt. Nach dem Tod seiner ersten Frau, Irmingard, wollte er ins Kloster gehen, doch sein Beichtvater überzeugte ihn, weiterhin Kaiser zu bleiben und sich eine neue Frau zu suchen.

    Diese fand er in Judith von Bayern. Judith ist jung, schön und klug, und so wird sie bald zu einer wichtigen Vertrauten Ludwigs. Die Geburt ihres Sohnes Karl führte zu neuen Spannungen innerhalb der Familie. Judiths Ambitionen für ihren Sohn und die daraus entstehenden Konflikte mit den älteren Söhnen werden geschickt in die Geschichte eingebaut. Der Autor beschreibt auch die Gerüchte am Hof, die Judith betrafen, geschürt durch ihre enge Freundschaft mit Ludwigs Patensohn Bernhard von Septimanien.

    Crönert beleuchtet in seinem Roman auch die Widersacher außerhalb der kaiserlichen Familie. Er stellt verschiedene einflussreiche Adelige und Kirchenmänner vor, die Ludwig dem Frommen gegenüber kritisch eingestellt waren oder sogar aktiv gegen ihn agierten. Einige dieser Persönlichkeiten waren in Verschwörungen und Intrigen gegen den Kaiser verwickelt, was die komplexe politische Landschaft jener Zeit verdeutlicht. Crönert beschreibt gekonnt, wie diese externen Konflikte die ohnehin angespannte Situation am Hof und innerhalb der Familie zusätzlich verschärften.


    Crönert erzählt diese komplexe Geschichte mit einer gelungenen Mischung aus Fakten und Fiktion. Dadurch wirken die Figuren authentisch, und die historischen Ereignisse werden greifbar. Der Roman endet mit Ludwigs Tod und einer ungeheuerlichen Forderung Lothars. Auf den vorangehenden 800 Seiten lässt der Autor die Geschichte lebendig werden und vermittelt seinen Leserinnen und Lesern ein gutes Verständnis für die Epoche, in der sie spielt.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2025 Edition (28. Februar 2025)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 816 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3757701100
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3757701109

    Freitag, 14. März 2025

    Nachtlügen von Lisanne Surborg


    Ich kenne die Autorin bereits von verschiedenen Kurzgeschichten und einer Novelle, "Nachtlügen" ist der erste Roman, den ich von ihr lesen durfte. Lisanne Surborg erschafft in diesem Werk eine faszinierende Welt der Traummanipulation. Ihr Schreibstil ist bildgewaltig und atmosphärisch dicht, ohne dabei überladen zu wirken. Sie hat mich tief in Isras düstere Realität hineingezogen und mich die Gratwanderung zwischen Traum und Wirklichkeit hautnah miterleben lassen.


    Die Protagonistin Isra führt ein Doppelleben: Tagsüber kellnert sie in einem Varieté und ist den Launen ihrer Gäste ausgesetzt. Doch nachts ist Isra mächtig. Dann schleicht sie sich in fremde Schlafzimmer, um Träume zu stehlen und sie in schreckliche Alpträume zu verwandeln. Als Nachtalb ist sie auf Träume angewiesen wie die Menschen auf das Sonnenlicht. Bis vor kurzem galt Isra noch als großes Talent in der Traummanipulation, doch seit einer ihrer Albträume einen Träumer zu Tode erschreckt hat, droht ihr der Ausschluss aus der Albengesellschaft. Und dann nimmt sie auch noch einen verbotenen Klartraum auf. Die Halluzinationen übernehmen ihren Alltag. Als einem weiteren ihrer Träumer ein Unglück widerfährt, steht Isra am Abgrund.


    Die Spannung hat mich bis zur letzten Seite mitgerissen, in einen Strudel aus Schuld, Angst und der verzweifelten Suche nach einem Ausweg. Surborg stellt mich vor die Frage: Wie weit kann man gehen, um zu überleben? Isra steht am Abgrund, sowohl in ihrer Welt als auch in ihrem Inneren.


    "Nachtlügen" ist für mich mehr als ein Fantasy-Roman. Es ist ein psychologisches Drama, das die dunkle Seite unserer Träume erforscht und die Leserinnen und Leser zwingt, ihren eigenen Ängsten ins Gesicht zu sehen. Ein spannendes Leseerlebnis, das mich auch nach dem Zuklappen des Buches nicht so schnell wieder loslässt.




    • Herausgeber ‏ : ‎ Klett-Cotta; 1. Auflage 2025 (15. März 2025)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Broschiert ‏ : ‎ 464 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3608966471
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3608966473