Freitag, 29. August 2025

Müesli, Mord und Matterhorn: Kurzkrimis

Die Schweiz soll eines der sichersten Länder der Welt sein? Nicht wenn es nach diesen 15 Autorinnen und Autoren geht! Das Verbrechen kennt keine Kantonsgrenzen. Ob im Aargau, Wallis, Solothurn, in Bern, Basel oder Zürich – gemordet wird in allen Regionen. Sei es im apokalyptischen Basel, im Homeoffice in Bern, auf dem Aletschgletscher oder im Zug beim Hören eines True-Crime-Podcasts. Es kann jeden treffen, überall und zu jeder Zeit. Seien Sie auf der Hut!

 

 

 Die Schweiz gilt ja gemeinhin als ein sehr sicheres Land.  Die Herausgeberin Barbara Saladin und der Herausgeber Paul Ott haben 15 Autorinnen und Autoren versammelt, um uns mit Kurzkrimis ein ganz anderes Bild der beschaulichen Schweiz zu vermitteln. 

Da ist z.B. 

Die geheime Gewürzmischung von Christine Bonvin

 Sofie trifft auf ihrer Joggingrunde Carole, die Freundin des verstorbenen Nachbarn, die Frau ist völlig verzweifelt, da sie nicht an den Selbstmord ihres Verlobten glaubt.Gemeinsam mit ihrem Mann André  will Sofie herausfinden was wirklich zum Tod des Mannes führte, war der Grund wirklich die Entlassung weil er die geheime Gewürzmischung in der Fleischwarenfabrik gestohlen hat und dabei erwischt wurde? Sofie und André, beginnen in der Fabrik zu ermitteln und stoßen dabei auf einige Ungereimtheiten.

Etwas vorhersehbar aber trotzdem habe ich sie mit großem Vergnügen gelesen.

Besonders gut gefallen hat mir der dystopische Krimi

Der Sprung aus der Zeit von Wolfgang Bortlik

Irgendwann in naher Zukunft ist die Welt nur noch ein Trümmerhaufen, geschaffen vom Klimawandel, dem die Industrienationen nichts entgegen zusetzen hatten, als es für Maßnahmen dagegen zu spät war. In der Schweiz leben die Menschen mehr mehr oder weniger vom Tauschhandel. Tim Fischer ist Detektiv, als er seiner Nichte  Bücher bringt die er gegen Lebensmittel tauschen möchte erfährt er vom Verschwinden einer Frau die Sturmvogel genannt wird, sie hatte viel dazu beigetragen die Sünden an den Menschen und der Natur wieder gutzumachen. Steckt eine aufstrebende Organisation hinter dem Verschwinden der Frau? Die Gruppierung will die alte Ordnung wiederherstellen. Manche glauben sie seien Überreste der Autokraten oder einfach Nazis.
Erschreckend war für mich weniger die Auflösung als der Gedanke daran, das ich mir die Zukunft so vorstellen kann.

Wenn ich euch jetzt jede einzelne der Kurzgeschichten vorstelle sprengt das den Rahmen. Darum jetzt nur noch zwei die mir wirklich gefielen, das heißt nicht das die anderen nicht genauso lesenswert gewesen wären, die meisten haben mir wirklich gut gefallen.

Pokerface von Sascha Michael Campi

Der Mord den Kriminalpolizist Jean-Claude Müller aufklären soll, ist besonders brutal, das Opfer wurde vor seinem Tod offensichtlich gefoltert, ein Mafiamord, da ist sich Müller schnell sicher. Als Leserin erfuhr ich im Laufe der Story, mehr über die Hintergründe der Tat und dem genauen Ablauf der Ereignisse und selten habe ich mich am Ende der Geschichte so amüsiert.

Ebenfalls sehr amüsant ist die gerade mal 2,5 Seiten lange Story

Geld oder Leben von Barbara Saladin

Fredy braucht Geld, dringend, ein Banküberfall scheint die schnellste Lösung für sein Problem, trotz aller Bedenken wegen der heutzutage modernsten Sicherheitsmaßnahmen entscheidet er sich dafür und tatsächlich verläuft der Überfall, reibungslos. Was dann geschah verrate ich euch natürlich nicht.

Anthologien zu bewerten, ist immer eine kleine Herausforderung. Nach dem Lesen frage ich mich daher meist, ob der positive Eindruck überwiegt  und das war hier ganz klar der Fall. Auch wenn nicht jede Geschichte meinen persönlichen Geschmack getroffen hat, fand ich die Sammlung insgesamt sehr gelungen. Einige Beiträge haben mich sogar richtig überrascht. Ich habe sie mit großem Vergnügen gelesen und kann diese Anthologie allen empfehlen, die Lust auf abwechslungsreiche, spannende und teils ungewöhnliche Perspektiven haben.  


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. August 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839208947
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839208946

  • Mittwoch, 27. August 2025

    Die Toten von nebenan von Olivia Monti

    Nach einem Fahrradunfall glaubt Frau Löffler, noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Doch als sie nach Hause zurückkehrt, wirkt ihr Viertel merkwürdig verändert. Sie begegnet Menschen, die ihren längst verstorbenen Nachbarn ähneln. Diese sind wieder in ihren Gärten zu finden, sitzen dort, grüßen über den Zaun und halten an ihren gewohnten Ritualen fest.

    Ihre Großmutter nimmt sie liebevoll in Empfang und erklärt ihr behutsam, dass Frau Löffler  gestorben ist. Diese Erkenntnis fällt Frau Löffler zunächst schwer zu fassen, doch die Großmutter verspricht ihr, sie auf diesem neuen Weg zu begleiten und ihr Halt zu geben.

    In der Wohnung der Großmutter, die ganz genauso aussieht wie zu deren Lebzeiten, findet Frau Löffler einen Zufluchtsort. Der vertraute Duft von Kaffee und frisch gebackenem Kuchen, die bekannten Möbelstücke all das gibt ihr einen kleinen, aber wichtigen Anker in dieser fremd gewordenen Welt.


    Große Sorgen macht sich Frau Löffler um ihre an Demenz erkrankte Mutter um die sie sich bisher kümmerte und die sie nun nicht mehr wahrnimmt.

    Die Idee, dass das Leben der Verstorbenen sich kaum von dem der Lebenden unterscheidet, hat mir besonders gut gefallen. Auch im Tod sind die Menschen nicht frei von Gefühlen, Liebe, Freundschaft aber auch Neid, Missgunst und sogar Rassismus bestimmen das Zusammenleben der Toten. Sie führen ihre Routinen fort und bringen dabei dieselben Konflikte und Schwächen mit wie zu Lebzeiten. Gerade diese Parallelen verleihen dem Roman seine besondere Kraft, indem sie unsere eigene Gesellschaft spiegeln.

    In dieses fragile Gefüge tritt Herr Tobler, der es versteht, den Toten genau das Gesicht zu zeigen, das sie sehen wollen. Für viele ist er ein Idealmann, für andere die verkörperte Autorität, die sonst fehlt. Seine Versprechen eines Paradieses auf Erden animieren viele Bewohner der Siedlung, sich gegen die noch lebenden Nachbarn aufzulehnen.

    Die Autorin zeigt , wie leicht Sehnsüchte, Ängste und Unzufriedenheit von charismatischen Persönlichkeiten genutzt werden können, um Menschen zu beeinflussen und zu manipulieren. Herr Tobler erscheint den Toten nicht zufällig so, wie sie ihn sehen wollen als Retter, als Lösung für ihre unerfüllten Wünsche und verdrängten Konflikte. Das Buch hält den Lesenden einen Spiegel vor, der unsere eigene Gesellschaft zeigt: Wie schnell Menschen sich von Verlockungen blenden lassen, wie tief verwurzelte Konflikte, Neid oder Vorurteile immer wieder neue Bühne finden und wie gefährlich es sein kann, wenn man verfügbare Sehnsüchte für eigennützige Zwecke missbraucht.





    Herausgeber ‏ : ‎ novum Verlag
    Erscheinungstermin ‏ : ‎ 31. Juli 2025
    Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 296 Seiten
    ISBN-10 ‏ : ‎ 3991309068
    ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3991309062





    Dienstag, 26. August 2025

    Das Haus am Walchensee: Glück ist Familiensache von Sophie Oliver

    „Das Haus am Walchensee. Glück ist Familiensache“ von Sophie Oliver hat mich insgesamt sehr gut unterhalten. Niklas und Freya haben sich endgültig zusammengerauft und Freya hat ihr Glück mit Tobias gefunden. Ich finde es sehr schön, wie echt die Familienbeziehungen beschrieben wurden, besonders das Verhältnis zwischen Niklas und seiner Schwester Freya, hat die Autorin gut beschrieben. Die  Rückkehr von Niklas ehemaligen Freundin Pia bringt viel Leben und Spannung in die Erzählung.

    Sie sorgt mit ihrer Rückkehr für einige Turbulenzen in Niklas’ Leben und gibt der Handlung eine persönliche Tiefe, die über eine einfache Familiengeschichte hinausgeht. Dennoch muss ich sagen, dass manche Wendungen und Entwicklungen für mich etwas vorhersehbar waren. Vor allem bei den Liebesgeschichten und familiären Konflikten hätte ich mir ab und zu mehr überraschende Momente gewünscht.

    Ebenfalls gut gefallen hat mir das Gefühl von Heimat, das durch die Beschreibungen des Walchensees und den Alltag im Gasthof „Fischerfleck“ vermittelt wird. Man spürt die enge Verbundenheit der Figuren zu ihrem Umfeld. Das verleiht dem Roman eine herzliche Atmosphäre.

    Insgesamt ist es ein schöner und gefühlvoller Roman über Zusammenhalt und die Suche nach dem eigenen Glück. Für alle, die Geschichten mögen, in denen Familie und Heimat im Mittelpunkt stehen, ist dieses Buch auf jeden Fall lesenswert. Trotz kleiner Vorhersehbarkeiten bleibt es ein Wohlfühlroman voller Charme.



  • Herausgeber ‏ : ‎ FISCHER Taschenbuch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 6. Dezember 2023
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3596707889
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3596707881

  • Samstag, 23. August 2025

    Und New York blieb dunkel von Benjamin Cohen


    Es ist heiß im New Yorker Sommer 1977, und beim Lesen konnte ich die drückende Hitze förmlich spüren. Die Menschen wirken gereizt, alle warten sehnsüchtig auf das angekündigte Gewitter. Als es endlich losbricht, fällt in weiten Teilen der Stadt der Strom aus. Dass dieser Blackout kommt, war mir durch den Klappentext bewusst, trotzdem hat mich die Intensität der geschilderten Situation beeindruckt. Während in manchen Vierteln ausgelassen weitergefeiert wird, kommt es in anderen zu Unruhen und Plünderungen.

    Benjamin Cohen erzählt die Geschichte dieses Stromausfalls aus mehreren Perspektiven. Besonders eindrücklich beschrieben fand ich Cynthia Simmons, die als Reinigungskraft arbeitet, und ihren Mann Ellington, der mit einem kleinen Geschäft versucht, seine Familie zu ernähren. In den 70er Jahren waren die Lebensumstände für Schwarze Menschen in den USA besonders schwierig, weil Rassismus allgegenwärtig war und Schwarze Menschen damals häufig auf stereotype Kategorien reduziert wurden, man sprach von „Good Black“ oder „Bad Black“.

    Auch ihre Tochter Pamela fand ich sehr interessant. Sie arbeitet als Krankenschwester im heruntergekommenen Krankenhaus Bellevue. Als der Strom ausfällt, ist sie dort allerdings nicht als Angestellte, sondern als Patientin. Sie ist hochschwanger und sollte nur eine Nacht zur Beobachtung bleiben. Trotzdem versucht sie, in dieser Notsituation so gut es geht den anderen Patienten zu helfen.


    Eine weitere Perspektive liefert David Berkowitz, der als „Son of Sam“ bekannt wurde. Seine Mordserie versetzte New York damals in Angst und Schrecken. Schon zu Beginn des Buches gewährt Cohen Einblicke in seine gestörte Psyche, die sehr bedrückend sind, da der Autor sie  sehr detailliert beschrieben hat. Seinen Spitznamen bekam er wegen seiner Behauptung, ein Dämon der im Körper des Nachbarhundes hätte ihn zu seinen Taten gezwungen. Später widerrief er diese Behauptung allerdings.

    Die Erlebnisse der Familie Simmons in jener Nacht haben mich tief berührt. Ich konnte ihre Angst und Sorge förmlich spüren und habe mit jedem Moment mit ihnen mitgefiebert. Ständig habe ich gehofft, dass sie sicher durch diese unwirkliche und bedrohliche Situationen kommen mögen.

    „Mir hat besonders gefallen, wie geschickt historische Fakten mit fiktiven Elementen verwoben wurden, ohne dass es gezwungen wirkt. Die Dialoge klingen natürlich und glaubwürdig, die Beschreibungen sind treffend und detailreich – und trotzdem bleibt genug Freiraum, um eigene Bilder im Kopf entstehen zu lassen.“

    Soweit ich es beurteilen kann hat der Autor die historischen Fakten sehr gut recherchiert, alles was ich selbst recherchierte stimmte ziemlich mit dem Gelesenen überein.

    Der Schreibstil von Benjamin Cohen ist eingängig und sehr flüssig, ohne dabei jemals banal zu wirken. Er findet eine klare Sprache, die sich leicht lesen lässt, und schafft es gleichzeitig, die Stimmung der Zeit lebendig werden zu lassen. Besonders gefallen hat mir, wie er historische Fakten und fiktive Elemente miteinander verbindet, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Die Dialoge klingen authentisch, die Beschreibungen sind präzise, und trotzdem bleibt genügend Raum für eigene Bilder im Kopf.

     

  • Herausgeber ‏ : ‎ Piper Taschenbuch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. Juli 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492066275
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492066273
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    Donnerstag, 21. August 2025

    Blinde Geister von Lina Schwenk


    Olivias Eltern sind die Kriegsgeneration, die hautnah miterlebt hat, wie es ist, die Angst am eigenen Leib zu spüren und nicht nur aus Erzählungen, wie Olivia und ihre Schwester Martha, die mit den Eltern unbeschwerte Urlaube am Meer verbringen und bedrückende Stunden im Keller des Elternhauses, wenn Karl wieder einmal die Angst vor einem erneuten Krieg überkommt.

    Wir erfahren Olivias Lebensgeschichte, die von Ängsten geprägt ist. Als Kind baut sie sich eine Höhle am Flussufer und stattet sie mit Konserven aus, ihr eigener Schutzkeller,den sie in ihrer eigenen Wohnung später vermisst. Als Erwachsene lässt sie sich immer wieder in die Psychiatrie einweisen; sie hat das Trauma ihres Vaters geerbt, nicht durch die Weitergabe seiner Gene, sondern durch sein Verhaltensmuster.

    Rita hat als Mutter vieles versucht, ihre Kinder vor dem Trauma des Vaters zu schützen, aber nicht genug. Statt sich ihm entgegenzustellen, brachte sie den Kindern bei, sich mit nur einem Becher Wasser zu waschen. Es fiel mir schwer, während des Lesens Verständnis für Rita aufzubringen. Das kam erst, nachdem ich später über das Gelesene nachdachte – sie hat einfach versucht, ihre Familie zu schützen und konnte dabei nicht jedem gerecht werden.


    Lina Schwenk gelingt es, auf knappem Raum eine ganze Familiengeschichte zu erzählen, deren leise Töne lange nachwirken. Vieles ist nicht ausdrücklich ausgesprochen, sondern entfaltet seine Wirkung zwischen den Zeilen. So wie die Kriegsgeneration vieles ungesagt ließ, bleibt auch in diesem Roman manches ungesagt. Gerade darin liegt seine Kraft: im Schweigen, das unausweichlich Teil der Geschichte ist und den Leserinnen und Lesern viel Raum für eigene Gedanken gibt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 21. August 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 191 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406837042
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406837043
  • Mittwoch, 20. August 2025

    Hildur – Die Toten am Meer von Satu Rämö

    Klappentext:
     Hildur Rúnarsdóttir dachte, in ihr Leben als Kriminalpolizistin in den Westfjorden von Island wäre endlich Ruhe eingekehrt. Da werden auf dem elterlichen Anwesen am Meer vier Menschenskelette entdeckt. Hildur forscht nach, obwohl sie gerade eigentlich in einem Misshandlungsfall auf einem Kreuzfahrtschiff ermittelt. Im Sommer strömen Scharen von Touristen auf die Insel im hohen Norden. Und je mehr Hildur herausfindet, desto mehr muss sie feststellen, dass die Gier mancher Menschen tödlich sein kann. Ein engmaschiges Netz aus skandalträchtigen Machenschaften, die tief in die Vergangenheit reichen, tut sich auf.

     

    Im mittlerweile vierten Band um die isländische Kriminalpolizistin Hildur Rúnarsdóttir ist wieder jede Menge los. Die Handlung spielt, wie gewohnt, in den abgelegenen und rauen Westfjorden Islands – diese Kulisse sorgt ab der ersten Seite für die besondere, kühle Stimmung, die ich an der Reihe sehr mag.

    Hildur hofft nach dem letzten Fall und dem Wiederfinden ihrer tot geglaubten Schwestern eigentlich auf ein bisschen Ruhe. Doch davon kann mal wieder keine Rede sein. Dieses Mal überschlagen sich die Ereignisse: Ein plötzlicher Kindstod erschüttert das Team, ein verletzter Mann schleppt sich von einem Kreuzfahrtschiff an Land, auf dem Grundstück von Hildurs verstorbenen Eltern werden vier menschliche Skelette gefunden und dann gibt es noch den Tod von Helga, der Geliebten ihrer Mutter. Als wäre das nicht genug, halten auch noch Einbrüche in Sommerhäusern die Polizei auf Trab  und das sind wahrscheinlich noch längst nicht alle Baustellen.

    Diese Vielzahl an Verwicklungen sorgt einerseits für Tempo und Abwechslung, macht die Geschichte aber auch sehr komplex. Zumal sich die Ermittlungen dieses Mal zusätzlich auf Themen wie organisierte Kriminalität, Wirtschaftsverbrechen im Fischereisektor und Schmuggel erstrecken. Immer wieder schwingen zudem die düsteren Kapitel der Vergangenheit mit, denn Hildur arbeitet nicht nur ihre eigenen familiären Schicksalsschläge auf, sondern stößt auch in alten Akten auf Spuren, die alles verändern könnten.

    Auch privat läuft es für die Ermittlerin und ihre Kolleg:innen alles andere als rund: Jakobs kleiner Sohn Matias hat Schwierigkeiten, sich in seiner neuen Umgebung einzuleben. Unerwartet melden sich zudem Jakobs Eltern, die ihn früher immer seiner Karriere wegen im Stich gelassen haben in dem sie der Karriere wegen von einem Land ins nächste zogen ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse ihres Kindes. Und Hildur selbst hadert  mit ihrer Fernbeziehung zum finnischen Freund Anton. Gerade diese persönlichen Konflikte geben der Reihe eine emotionale Tiefe, die ich sehr schätze auch wenn sie den Roman zusätzlich aufladen.

    Satu Rämö schafft es, all diese vielfältigen Handlungsstränge zu verweben, zieht mal kräftig an und lässt manches bewusst noch lose  offensichtlich, um es im nächsten Band wieder aufzugreifen. Ich persönlich mag Rämös Schreibstil nach wie vor sehr: die kurzen, knappen Sätze, die dichte Atmosphäre, die Eigenheiten der Menschen und Landschaft, die so typisch nordisch-herb rüberkommen.

    Viele Rückblicke in die Vergangenheit machen den Originaltitel „Rakel“ gut nachvollziehbar. Wir erfahren viel über das Leben von Hildurs Eltern, vor allem über Rakel, die alles daran setzt, gut für ihre Kinder zu sorgen und ihren Mann davon abzuhalten, falsche Entscheidungen zu treffen, die das Leben der ganzen Familie betreffen. Das Verhalten von Hildurs Vater wird durch die Rückblicke teilweise erklärbar, auch wenn mir persönlich das Verständnis dafür dennoch etwas fehlt.

    Trotz dieser Stärken muss ich zugeben: Dieses Mal war es mir fast zu viel. Die Spannung, die mich sonst bei dieser Reihe fesselte, ist für mich zwischen den vielen Verwicklungen ein wenig auf der Strecke geblieben. Vielleicht wäre hier weniger wirklich mehr gewesen. Dennoch bleiben das nordische Flair, die spannende Ermittlungsarbeit und die stimmige Figurenzeichnung überzeugende Pluspunkte, die das Buch für Fans der Reihe und Islandkrimis absolut lesenswert machen.

     

    Ich bleibe Hildur und ihrem Team auf jeden Fall treu und bin gespannt, wie es weitergeht.

     

  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. August 2025
  • Auflage ‏ : ‎ Deutsche Erstausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 345344289X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453442894
  • Originaltitel ‏ : ‎ Rakel
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    Dienstag, 19. August 2025

    Im Bann des Vaterlandes: Der Algorithmus des Widerstands von Kevin Riemer-Schadendorf


    Kevin Riemer-Schadendorf hat mit diesem Roman eine düstere Zukunft entworfen, die mich beim Lesen ziemlich erschreckt hat. Es geht nicht mehr darum, ob unser Land in so eine Richtung gehen könnte, sondern nur noch darum, wie wir dieser erschreckenden Entwicklung überhaupt noch etwas entgegensetzen können.

    In der Welt, die er beschreibt, ist von Demokratie kaum noch etwas übrig. Freiheiten wie Meinungsäußerung und Selbstbestimmung sind fast nur noch Erinnerungen. Deutschland hat sich von der Welt abgekapselt und ist international kaum noch von Bedeutung.

    Im Zentrum steht Micha Rebesky, ein Journalist bei der „Norddeutschen Zeitung“. Ich konnte förmlich spüren, wie er miterlebt, wie der freie Journalismus unter Kontrolle gerät und künstliche Intelligenz Texte so verfälscht, dass sie nur noch das zeigen, was die Regierung will, anstatt wirklich Missstände aufzudecken.

    Was mich beeindruckt hat, ist, wie Micha sich dagegen wehrt. Unter einem Pseudonym bloggt er offen über Politik und Gesellschaft. Auch andere nutzen diese Plattform, um anonym ihre Beobachtungen zu teilen. So entsteht eine kleine Gegenöffentlichkeit in einer zunehmend gleichgeschalteten Gesellschaft. Über diese Gruppe kommt Micha schließlich mit einer Widerstandsbewegung in Kontakt.

    Er entscheidet sich, Teil dieser Bewegung zu werden und kündigt bei der Zeitung. Doch der Druck auf die Menschen steigt weiter an. Besonders erschreckend ist das KI-Programm SKALV, das alle überwacht und Menschen automatisch als potenzielle Straftäter einstuft. Diese Einstufungen führen zu automatisierten Verhaftungen. Auch Jule, eine ehemalige Kollegin von Micha, bleibt davon nicht verschont, weil sie sich weigert, einen regierungsnahen Artikel mit ihrem Namen zu unterschreiben. Um sie aus der Vorbeugehaft zu holen, riskiert Micha mit der Widerstandsgruppe alles.

    Das Ganze wirkt für mich besonders real, weil SKALV in der Geschichte eine Methode nutzt, die an reale Überwachungsprogramme wie die von Palantir erinnert. Diese werden schon in einigen Bundesländern verwendet und sind dort sehr umstritten. Ich finde, das bleibt kein theoretisches Szenario mehr, denn solche Programme könnten tatsächlich unsere Grundrechte untergraben, indem Menschen willkürlich in Risikoprofile gesteckt werden, ohne klare Transparenz oder Schutzmöglichkeiten.

    Ich will nicht zu viel verraten, denn das Buch entfaltet seine Kraft vor allem beim eigenen Lesen.

    Der Stil des Autors ist klar und schnörkellos. Besonders berührt hat mich, wie nah die Geschichte an der Realität ist. Ein Volk, das angesichts von Klimakrise, Fluchtbewegungen und Terror einfachen Lösungen hinterherläuft und dabei durch eigene Entscheidungen der Demokratie die Kraft nimmt, sich zu behaupten. Das Buch hat mir deutlich gemacht, wie fragil unsere Freiheit wirklich ist, wenn wir nicht wachsam bleiben.

    Mein Fazit:
    „Im Bann des Vaterlandes“ ist für mich nicht nur ein spannender Roman, sondern vor allem eine eindringliche Warnung. Wer glaubt, das sei alles nur Fiktion, unterschätzt die Gefahr. Wenn wir unsere demokratischen Werte nicht aktiv schützen, könnten sie schneller verschwinden, als wir es für möglich halten.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Pinguletta Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 8. August 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 236 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948063656
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948063658
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 16 Jahren

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    Sonntag, 17. August 2025

    Verflechtungen des Schicksals: Mitrys Trilogie - Band 3 von Pawel Kopije

     


    Schon auf den ersten Seiten von Verflechtungen des Schicksals, dem dritten Band der Mitrys-Trilogie von Pawel Kopijer, fühlte ich mich sofort wieder in die Welt von Amadal und Elise versetzt. Band 3 knüpft nahtlos an den vorherigen Teil an, für mich ein klarer Pluspunkt, da ich ohne Umschweife wieder mitten im Geschehen war.

     Noran und Silvan müssen getrennte Wege gehen, Semael nimmt Silvan gefangen und zwingt Noran dadurch für ihn zu kämpfen  . Silvan, wird als Geisel in der Festung Nemedor,  gefangen gehalten , doch Kopijer beschreibt ihn als klugen und widerstandsfähigen Menschen, der nie den Mut verliert. Seine einzige Verbündete ist  Amira, die Tochter des Statthalters, die ihm unter keinen Umständen helfen will. 😉 Ob Silvans Charme ihm auch in dieser Situation helfen kann?  Noran hingegen begibt sich auf eine gefährliche Mission in den Magischen Wald und muss dabei nicht nur seinen Freund retten, sondern auch die eigenen Grenzen ausloten.

     Kopijer bleibt seinem Schreibstil treu: Die Geschichte ist dicht erzählt, und alle Protagonisten bekommen genügend Raum um sich zu entfalten,  ich habe mich oft gefragt, wie sich Kopijer die Verflechtungen von Licht und Dunkelheit so überzeugend erdacht hat. 

    Was mir besonders gefallen hat: Der Autor schafft es, Spannung und leise Töne auszubalancieren. Die inneren Konflikte der Figuren wirken oft bewegender als das laute Getöse der Schlachten. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die man so nicht erwartet hätte, und das Setting bleibt bis zum Schluss atmosphärisch und vielschichtig.

    Nicht alle offenen Fragen werden aufgelöst, und gerade das fand ich spannend. Kopijer überlässt manches bewusst der Fantasie seiner Leserschaft. Für mich ist das Ende  klug gewählt, denn es macht Lust auf mehr, ganz ohne alles vorzugeben.

    Fazit:
    Ein intensiver, gefühlvoller und kraftvoller Abschluss, der mich überzeugt hat  sowohl durch die Charaktertiefe als auch durch die reiche Welt, die Kopijer geschaffen hat. Für Fantasy-Fans, die Wert auf lebendige Figuren und komplexe Wendungen legen, ist diese Trilogie ein Muss. Und vielleicht gibt es ja doch nochmal ein Wiedersehen.

    Funfact: Als ich etwas über den Autor las stand da:Nach 25 Jahren als Unternehmer, Manager ... Gelesen habe ich: Nach 25 Jahren als Unternehmer, Magier.. und das passt denn meiner Meinung nach ist Pawel Kopije ein Magier der Worte und ich freue mich auf weitere Bücher des Autors.

    Band 1: Finsternis im Blut

    Band 2: Der Kämpfer von Semael
    
Band 3: Verflechtungen des Schicksals 


  • Herausgeber ‏ : ‎ Cologne Storytellers
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 18. Juni 2025
  • Auflage ‏ : ‎ überarbeitete
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 382 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3911363036
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3911363037
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 15 Jahren
  • Originaltitel ‏ : ‎ Sploty Przeznaczenia


  • Freitag, 15. August 2025

    Nichts ist, wie es scheint: Ein Graf-Brühlsdorf-Krimi von Walther Stonet

    Klappentext:

    Hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen ist Kriminalhauptkommissar a. D. Graf Brühlsdorf auf seine Farm in Nebraska, USA, entflohen, um mit sich ins Reine zu kommen. Hier will er eigentlich an seiner Doktorarbeit über moderne Kriminalforensik mit Hilfe von künstlicher Intelligenz schreiben. Doch eines frühen Morgens wird er unsanft geweckt. Auf seiner Farm ist ein Toter gefunden worden. Weder Brühlsdorf noch Estefania Hidalgo, Ermittlerin in der Nebraska State Patrol und unsterblich in den Grafen verliebt, ahnen: Der Mord ist der Beginn einer ganzen Serie. Die Opfer stammen aus dem Umfeld der US-Demokraten. Bekennervideos zielen auf eine Täterschaft der extremen US-amerikanischen Rechten. Der dritte Graf-Brühlsdorf-Krimi spielt während der Zeit des US-Präsidentschaftswahlkampfs. Nichts ist, wie es scheint: Täuschung, Fakes, falsche Spuren und ein hochintelligentes Täterphantom mit multiplen Identitäten, das mit allen Wassern gewaschen ist.

     

     
    Die Flucht aus Tübingen, um die eigene Doktorarbeit zu beenden und vielleicht eine Entscheidung zwischen den beiden Frauen, Rieke und Jana, in seinem Leben zu treffen, hat Brühlsdorf nicht die erhoffte Klarheit gebracht. Stattdessen wird sein Privatleben komplizierter – nicht zuletzt wegen Sunny, eigentlich Estefania Hidalgo, Ermittlerin der Nebraska State Police. Sie erinnert, wie sein Bodyguard James es so treffend formuliert, stark an Salma Hayek. Sunny ist in den Grafen verliebt und lässt sich auf eine enge Zusammenarbeit mit ihm ein, als auf seiner Farm ein Mord geschieht, nicht ahnend, dass dies nur der Auftakt zu einer ganzen Serie von Gewalttaten sein wird.

    Das Opfer ist Tim Tomkinson, Lebensgefährte von Brühlsdorfs Verwalter Serge. Tim hatte als Demokrat für das State Parliament kandidiert und sich mit Nachdruck für die Rechte der LGBTQIA+-Gemeinschaft eingesetzt. Für T.J. ist dieser Mord mehr als ein lokaler Kriminalfall, weshalb er ihn nicht in den Händen des örtlichen Sheriffs lassen will. Durch seine Verbindungen erreicht er, dass Sheriff Jude Eberhardt der Fall entzogen wird, sehr zu dessen Missfallen.

    T.J. ist komplett in seinem Element: Er will unbedingt zur Aufklärung des Mordes beitragen und setzt alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ein. Sein eingespieltes Team in Deutschland unterstützt ihn aus der Ferne, steuert Drohnen und erstellt detailreiche Aufnahmen des Leichenfundorts. 

    Der berufliche Hintergrund von Walther Stonet, der mit moderner Computertechnik bestens vertraut ist, zeigt sich in der Präzision der technischen Beschreibungen deutlich. Die technische Komponente wird nicht nur als Hilfsmittel, sondern als fester Bestandteil der Ermittlungen dargestellt und ich habe das meiste davon sogar verstanden.

    Stonet lässt in seine Erzählung immer wieder kritische Beobachtungen zu den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten einfließen. Er zeigt ein Land, in dem sich  der Ton in der öffentlichen Diskussion verschärft hat und in dem aus verbaler Anfeindung schnell konkrete Gewalt entstehen kann. T.J. erkennt diese Entwicklung und sieht in den Hintergründen des Falls Parallelen dazu.

    Der Weg von der Entdeckung der Leiche bis hin zur Aufklärung ist von vielen Hindernissen geprägt, folgt jedoch einer klaren inneren Logik. Schritt für Schritt entfalten sich neue Erkenntnisse, ohne dass der rote Faden verloren geht. 

    Gleichzeitig bleibt offen, wie sich T.J.s Privatleben entwickeln wird. Ob es in diesem Band geordneter wird oder sich noch weiter verkompliziert,verrate ich euch natürlich nicht. Auch die Identität der Täterin oder des Täters sei an dieser Stelle nicht verraten. Sicher ist nur, dass T.J. bei seiner Rückkehr nach Deutschland nicht allein ist.

    Mir hat auch dieser Fall des Kriminalhauptkommissar Tankred-Jürg Graf Brühlsdorf sehr gut gefallen. Der Autor verbindet wieder einmal spannende Kriminalermittlungen mit hochaktuellen gesellschaftlichen Themen, diese Mischung mag ich sehr.  


  • Herausgeber ‏ : Oertel u. Spörer
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 16. August 2024
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 424 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3965551825
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3965551824



  • Donnerstag, 14. August 2025

    Wer die Schuld trägt: Thriller (Bjørk Isdahl, Band 2) von H.S.Palladino

    Im zweiten Band der Reihe kehrt Bjørk Isdahl zurück. Sie kämpft noch immer mit den Geschehnissen in aus Vergangenheit und arbeitet nun als Wut-Coach im Gefängnis. Dort hilft sie den gefährlichsten Straftätern, mit ihrer Aggression umzugehen. Als ein früherer Kollege sie um Hilfe bittet, wird sie in einen neuen Fall hineingezogen. Eine Frau ist verschwunden  und die Spuren führen zurück zu einem Doppelmord, bei dem Bjørk damals die falsche Person beschuldigt hat. Dieser Fehler lässt sie bis heute nicht los.

    Die Geschichte spielt in einem heißen,  Sommer in Norwegen. Diese Hitze schafft eine dichte, fast greifbare Atmosphäre, die gut zu Bjørks innerem Zustand passt. Und ich konnte mir die Hitze sehr gut vorstellen, die die Autorin beschreibt, hier herrschen gerade auch ziemlich hohe Temperaturen. Die Autorin schafft es also, diese Stimmung sehr überzeugend darzustellen.

    Bjørk ist mir in diesem Band etwas nähergekommen als in Band 1 Die den Schnee fürchten. Ihr Kampf mit der eigenen Schuld wirkt glaubwürdig und berührend. Sie ist nicht perfekt, sondern eine Figur mit Ecken und Kanten, was sie besonders menschlich macht.

    Der Fall selbst ist spannend und vielschichtig. Die Verbindung zur Vergangenheit bringt einige für mich sehr überraschende Wendungen, ohne übertrieben oder künstlich zu wirken.

    H. S. Palladino schreibt klar und ruhig. Vielleicht färbt ihre Lebensart auch auf ihre Art zu schreiben ab: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Es gibt keine unnötige Dramatik oder brutale Szenen. Trotzdem ist die Spannung immer spürbar. Man weiß genau, was passiert, auch wenn vieles unausgesprochen bleibt. Gerade das macht das Buch interessant und auch für Leser:innen geeignet die es etwas subtiler mögen.

    Das Umfeld wirkt echt, nicht nur die Orte, sondern auch die Gedanken und Gefühle der Figuren. Der zweite Band ist für mich  stärker als der erste. Die Reihe wird immer besser. Besonders gefallen haben mir die ruhigen, nachdenklichen Töne, die tief unter die Oberfläche gehen.

     

  • Herausgeber ‏ : ‎ Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 19. März 2025
  • Auflage ‏ : ‎ Deutsche Erstausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3734112729
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734112720
  • Originaltitel ‏ : ‎ Den som bærer skyld
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