Freitag, 28. Februar 2025

Zu Gast im Buecherhaus: Claudius Crönert



Heute habe ich den in Hamburg geborenen Autor Claudius Crönert zu Gast. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Philosphie hat er sich als politischer Journalist und Literat einen Namen gemacht. 

Er ist bekannt für seine Kriminalromane und historischen Werke, darunter der mit dem Goldenen Homer ausgezeichnete Roman "Freyas Land". Unter dem Pseudonym Carl Rath veröffentlicht er ebenfalls spannende Krimis. Zu seinen weiteren bemerkenswerten Büchern zählen "Die Herren der Schwerter", "Das Kreuz der Hugenotten" und "Letzter Tanz auf Sankt Pauli".

Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine fundierte Recherche und ein tiefes Verständnis für historische Kontexte aus, was ihm ermöglicht, komplexe Geschichten mit lebendigen Charakteren zu erzählen.

Hallo Claudius, herzlich willkommen im Bücherhaus! Es ist mir eine große Freude, dich heute hier zu haben. Ich freue mich darauf, mit dir über deine faszinierenden Romane zu sprechen und mehr über deine Inspirationen und kreativen Prozesse zu erfahren. Deine Werke haben viele Leser begeistert, und ich bin gespannt auf die Geschichten hinter deinen Büchern. Lass uns gemeinsam in die Welt deiner historischen Romane eintauchen und mehr über dein neuestes Werk "Das Erbe der Karolinger" erfahren. Kaffee, Tee und Kekse stehen bereit, bitte bedien dich.


Fangen wir ganz harmlos an:

1. Wenn du nicht schreibst, wie vertreibst du dir die Zeit?

Ich lese, treibe Sport, gehe ins Kino oder treffe mich mit Freunden.


2. Wie war dein Weg zum Schreiben? Gab es ein bestimmtes Erlebnis oder einen Moment, der dich dazu inspiriert hat, Autor zu werden?

Das Schreiben war immer in meinem Leben, ich habe schon als Kind und als Jugendlicher Geschichten geschrieben. Es gab dann Momente in meinem Leben, wo ich mir die Frage gestellt habe, ob ich ernst damit machen möchte. Wie man sieht, habe ich sie mit Ja beantwortet.


3. Welches Buch – außer deinen eigenen, das versteht sich ja von selbst– würdest du jemandem empfehlen, der sich für historische Romane interessiert, und warum?

Einen einzigen historischen Roman zu empfehlen, ist schwierig bis unmöglich. Ich nenne drei: 1. Robert Harris: „Intrige“ – ein Buch, das auf eindringliche Weise den Weg eines Menschen zur Einsicht beschreibt. 2. Madeleine Miller: „Das Lied des Achill“. Der Autorin gelingt es, eine uralte Geschichte auf ganze neue und berührende Art zu fassen. 3. Jurek Becker: „Jakob, der Lügner“. Ein Drahtseilakt zwischen Dilemma, Grausamkeit und Absurdität.


4. Du hast schon einige sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht, wie hat dein beruflicher Hintergrund als Journalist deine Arbeit als Autor beeinflusst?


Ich habe mich immer für Fragen von Politik und Gesellschaft interessiert, im Journalismus genauso wie im Romanscheiben. Beides hat sich gegenseitig beeinflusst, würde ich sage.


5. Wie unterscheiden sich deine historischen Romane von deinen Kriminalromanen in Bezug auf Stil und Recherche?


Im Krimi ist der Stil heutiger, die Recherche geht in die Kriminalistik, die Schauplätze lassen sich leichter abgehen. Im historischen Roman ist es eine andere Art von Recherche (Museen, Literatur), und es braucht ein wenig Vorstellungskraft, um die alte Zeit heraufzubeschwören.



5. Hast du eine Lieblingsepoche, über die du am liebsten schreibst?


Nein, für mich ist es wichtig, dass ich irgendwo den Ansatz einer Geschichte erkenne, die mich interessiert, die mich packt. Das zählt mehr als die jeweilige Epoche. In diese versuche ich dann einzutauchen.



6. Und wenn wir schon bei Lieblingen sind hast du auch eine Lieblingsfigur aus deinen Romanen, die du gern treffen würdest?



Ja, Herkus Monte aus „Die Herren der Schwerter“, das heute unter dem Titel „Der Fürst des Ostens“ bei dotbooks erhältlich ist. Ich habe das Buch vor etwa fünfzehn Jahren geschrieben. Damals ist Herkus mir ans Herz gewachsen, und das hat bis heute gehalten.


7. Für Freyas Land wurdest du mit dem Goldenem Homer ausgezeichnet, dem Preis für historische Romane, hat diese Auszeichnung deine Arbeit nachhaltig beeinflusst?



Sie hat mich bestärkt und bestätigt, und das war schön.



8. Die Zeit der Karolinger ist den meisten von uns nur durch den Geschichtsunterricht bekannt, was waren die größten Herausforderungen bei der Recherche zu dem Buch?




Die zeitgenössischen Schriften über Kaiser Ludwig sind in Bezug auf die handelnden Personen nicht besonders zuverlässig. Trotzdem bezieht sich die wissenschaftliche Literatur stark auf sie. Die Herausforderung war, eigene Charaktere zu schaffen, die in die verbürgten Geschehnisse passen.


9. Magst du uns ein kleines bisschen über Das Erbe der Karolinger verraten?




Es handelt sich um eine Familien- und Erbschaftsgeschichte im Mittelalter. Kaiser Ludwig hatte drei Söhne. Nachdem einem Unfall hat er das Reich für den Fall seiner Nachfolge aufgeteilt. Dann starb seine Frau, er hat wieder geheiratet und einen weiteren Sohn bekommen. Da er auch diesem ein Erbe zukommen lassen wollte, hat er sein Testament neu gefasst. Seine Söhne aus erster Ehe waren damit nicht einverstanden. So begann ein langer, fataler Streit in der Familie. Von diesem erzählt der Roman.




Vielen Dank, Claudius, für das nette Gespräch und die Einblicke in deine Arbeit. Es war mir ein großes Vergnügen, mit dir zu sprechen und mehr über deine Werke zu erfahren. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Inspiration für deine zukünftigen Projekte. Auf ein baldiges Wiedersehen!


"Das Erbe der Karolinger" erscheint am 28.02.2025 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2025 Edition (28. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 816 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3757701100
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3757701109


Für immer von Maja Lunde

 

An einem gewöhnlichen Tag Anfang Juni kommt die Zeit zum Stehen. Niemand stirbt, niemand wird mehr geboren. Die neue Ewigkeit verändert das Lebensgefühl der Menschen: Die Rentnerin Margo will ausgelassen das Leben feiern und auf Reisen gehen – doch ihr pflanzenliebender Ehemann Otto möchte seine Balkonblumen nicht alleine lassen. Für die Fotografin Jenny gibt es nichts Schöneres, als die geschenkte Zeit mit ihrer Familie im Sommerhaus zu verbringen. Trotzdem plagt sie das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Und die Krankenschwester Eva erlebt die Sorge der Schwangeren, die nicht wissen, wann ihre Babys zur Welt kommen. Überall im Land rätselt man, warum die Menschen aus dem Lauf der Zeit herausgefallen sind. Ist es ein Virus, ein alter Zauber oder eine Verschwörung böser Mächte? Und warum geht in der Natur der Kreislauf von Werden und Vergehen unvermindert weiter? Feinfühlig und mit viel Wärme schreibt Maja Lunde in ihrem neuen großen Roman über das Leben im Jetzt, die eigene Endlichkeit und über unsere Verbindung zur Natur.


Maja Lunde hat, meiner Meinung nach, ein erschreckendes Szenario geschaffen. Niemand stirbt mehr, niemand wird geboren – der Lebenslauf aller Menschen im Land ist zum Stillstand gekommen, während die Natur ihrem Lauf weiter folgt. Maja Lunde wirft einen Blick darauf, wie sich die Menschen verhalten, wenn sie nicht mehr altern. Wie nutzen sie die geschenkte Zeit? Sehen sie sie überhaupt als Geschenk oder eher als Fluch, als Strafe?

Ich muss zugeben, dies war mein erster Roman der Autorin. Mich hat das Thema sehr angesprochen, und ich habe nur Gutes über sie gehört. Ich liebe ihren Schreibstil – ihre Figuren- und Naturbeschreibungen sind bildhaft, und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Dabei verzichtet sie darauf, plakative Bilder zu erzeugen. Beim Lesen wurde ich teilweise tatsächlich melancholisch. Die Erinnerung an meine eigenen Schwangerschaften, die Vorfreude darauf, die Babys in den Armen zu halten, war groß. Und dann die Vorstellung, nicht zu wissen, wann und ob das überhaupt geschehen wird – das war schon beim Lesen erschreckend. Genau das erleben Jakob und Lisa, deren Kind in Lisas Bauch nicht mehr wächst.

Das ältere Ehepaar Margo und Otto ist eigentlich schon fast am Ende seines Lebens angekommen, als die Zeit stehen bleibt. Plötzlich sind alle Beschwerden des Alters vorbei – keine Zipperlein quälen sie mehr. Margo will diese neue Unbeschwertheit genießen und aktiv sein, wie sie es schon lange nicht mehr war. Otto hingegen will lieber zu Hause bleiben.

Eine weitere faszinierende Figur ist Jenny, eine Fotografin mit einer unheilbaren Krankheit, die plötzlich die Möglichkeit hat, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Ihr Schicksal zeigt besonders eindringlich, wie der Zeitstillstand das Leben der Menschen auf den Kopf stellt.

Maja Lunde zeigt, wie unterschiedlich die Menschen mit der unerwarteten Stagnation umgehen. Sie führt ihren Leser*innen vor Augen, wie kostbar die Zeit ist, die wir wirklich haben. Für mich will sie uns dazu bringen, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen – sinnvoll im Sinne von lebenswert. Sie genießen, wenn wir die Gelegenheit dazu haben, die kleinen Glücksmomente nicht als selbstverständlich zu nehmen. Denn diese sind es, von denen wir in schwierigeren Zeiten zehren können.

Besonders beeindruckend finde ich, wie Lunde die weitreichenden gesellschaftlichen Auswirkungen des Zeitstillstands schildert. Sie beschreibt nicht nur die persönlichen Schicksale, sondern auch, wie sich das gesamte soziale Gefüge verändert, wenn plötzlich niemand mehr altert oder stirbt. Dies regt zum Nachdenken darüber an, wie fragil unsere gewohnte Ordnung ist und wie sehr unser Leben von der Vergänglichkeit geprägt wird.

Fazit:  Maja Lunde erschafft ein faszinierendes und zugleich beklemmendes Szenario, das zum Nachdenken über Zeit, Vergänglichkeit und den Wert des Lebens anregt. Ihr bildhafter Schreibstil und die vielschichtigen Charaktere machen den Roman zu einem intensiven Leseerlebnis.


  • Herausgeber ‏ : ‎ btb Verlag (15. Januar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 320 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442762782
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442762781
  • Originaltitel ‏ : ‎ Lukkertid

Dienstag, 25. Februar 2025

The Florist: Thriller von C.L. Pattison (Autor), Wolfgang Thon (Übersetzer)



Amy McKenzie steckt all ihre Energie in den Erfolg ihres Blumenladens "Darling Blossoms". Als sie beauftragt wird, die Blumen für die Geburtstagsparty von Isabel Elliott zu arrangieren, hält sie das für die Chance ihres Lebens. Isabel ist die Schwägerin des erfolgreichen Architekten James Elliott, der zusammen mit seiner Frau Eleanor zur Londoner High Society gehört.

James Elliotts Projekte sorgen in der Stadt für Aufsehen. Seine Arbeit hat ihm nicht nur beruflichen Erfolg, sondern auch einen Platz in den exklusivsten Kreisen Londons verschafft. Amy sieht in diesem Auftrag die perfekte Gelegenheit, ihre Karriere voranzutreiben und endlich in diese glamouröse Welt einzutauchen, nach der sie sich so sehr sehnt.

Die Geburtstagsfeier verspricht ein glanzvolles Ereignis zu werden, bei dem sich die Elite der Stadt versammelt. Doch was als Amys Durchbruch gedacht war, nimmt eine tragische Wendung, als jemand stirbt und Amy plötzlich im Mittelpunkt der Ermittlungen steht, da sie als eine der wenigen Personen zum Zeitpunkt des Todesfalls im Haus war. Und ein Vorfall aus ihrer Vergangenheit, den sie unbedingt geheim halten muss, droht ans Licht zu kommen.


Die Hauptfigur Amy ist besonders gelungen: Ihr Ehrgeiz wird durch eine geheimnisvolle Vergangenheit ergänzt, was sie zu einer vielschichtigen und faszinierenden Protagonistin macht. Ihre Gedankengänge und Emotionen sind zwar nachvollziehbar, sympathischer machen sie Amy für mich allerdings nicht; ihre Handlungen gehen meiner Meinung nach schon über das normale Maß hinaus.

Die Handlung überraschte mich immer wieder mit unerwarteten Wendungen, die die Spannung aufrechterhielten, allerdings zeigten sich auch manchmal etwas vorhersehbare Entwicklungen. Zudem gibt es in der Mitte des Romans einige Passagen, die das Erzähltempo etwas verlangsamen.

Gleichzeitig beleuchtet der Roman tiefgründig die Themen toxischer Beziehungen und die Schattenseiten des sozialen Aufstiegs, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.

Interessant fand ich den Aufbau des Romans, Polizeiakten wechseln sich mit der eigentlichen Handlung ab, die nicht chronologisch verläuft, sondern in der Zeit springt, die Kapitel sind gekennzeichnet, so das man immer weiß in welcher Zeit man gerade ist.

Die Stärken überwiegen also deutlich. "The Florist" ist ein fesselnder Thriller mit einer spannenden Geschichte und gut ausgearbeiteten Charakteren. Leser, die spannende Erzählungen mit unvorhersehbaren Entwicklungen und einer dichten Atmosphäre schätzen, werden an diesem Buch ihre Freude haben.



Donnerstag, 20. Februar 2025

Der Gott des Waldes: Roman von Liz Moore (Autorin), Cornelius Hartz (Übersetzer)

Wow, und das sage ich ja eher selten: Was für ein fantastisches Buch! Ich war von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Aber worum geht es überhaupt? Die Van Laars residieren oberhalb des Feriencamps Emerson mitten in einem Naturschutzgebiet in den Adirondack Mountains im Haus "Self Reliance". Selbstvertrauen hat in diesem Haus jedoch nur Peter van Laar III. Seine Frau Alice, die sich selbst schon immer kleingemacht hat, lebt seit dem nie aufgeklärten Verschwinden ihres kleinen Sohnes Bear von Tabletten und Alkohol, die sie seit ihrem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik auf Anraten ihres Arztes Dr. Lewis "bei Bedarf" nimmt. Als ihre Tochter Barbara am Feriencamp teilnehmen will, stimmt sie ohne zu zögern zu. Barbara ist ein schwieriges Kind, unangepasst und mitten in der Pubertät. Sie würde auf der bevorstehenden Party auf "Self Reliance" nur unangenehm auffallen.

Dann geschieht das Unfassbare: Barbara ist eines Morgens verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen und ohne dass jemand in der Hütte, in der sie untergebracht war, etwas mitbekommen hat. Zumindest behaupten das die Betreuerinnen Louise und Annabel sowie Tracy, ihre einzige Freundin im Camp. Schnell stellt sich die Frage, ob das Verschwinden von Barbara etwas mit dem Vorfall von vor 14 Jahren zu tun hat, als ihr Bruder verschwand.Liz Moore lässt ihre Protagonisten erzählen. Sie beginnt mit Louise, die als Erste merkt, dass Barbara verschwunden ist und ihre Chefin T.J. Hewitt erst nach ihrer eigenen erfolglosen Suche nach dem Mädchen informiert und die sie über die genauen Geschehnisse in der Nacht belügt. Das wird noch weitreichende Folgen für sie haben.

 Immer wieder springt die Autorin in den Jahren 1975 und 1961 um einige Tage oder Monate vor das Verschwinden der Kinder, um von den damaligen Geschehnissen zu berichten. Da ist besonders Carl zu erwähnen, der die großangelegte Suchaktion nach Bear leitete und der das Kind als Letzter sah.Ein äußerst interessanter Erzählstil, der mich immer wieder neugierig machte, wie sich die Geschichte um Barbara entwickelt.

Liz Moores Geschichte ist weit mehr als die Story um zwei verschwundene Kinder. Sie erzählt von der fast unerträglichen Dekadenz der Besucher auf "Self Reliance", die sich nicht darum scheren, was mit ihnen passiert ist. Auch für Peter Van Laar III scheint seine Reputation viel mehr zu bedeuten als seine Kinder als Menschen oder auch seine Frau Alice, die einfach nur hübsch und repräsentativ zu sein hat, weil er sie für dumm hält und sich nicht scheut, ihr das auch zu sagen.

Ein weiterer faszinierender Aspekt des Romans ist die Einführung von Judyta Luptack, die kürzlich in das New York Bureau of Criminal Investigation (BCI) aufgestiegen ist. Als eine der ersten Frauen in dieser Position hat Judyta keinen leichten Stand beim BCI. Die Autorin fügt diesen Aspekt klug und authentisch in die Geschichte ein und zeigt die Herausforderungen, denen Frauen in männerdominierten Berufsfeldern der 1970er Jahre gegenüberstanden. Trotz der Vorurteile ihrer Kollegen zeichnet sich Judyta durch ihren scharfen Intellekt und ausgeprägten Spürsinn aus, die von ihren männlichen Kollegen oft maßlos unterschätzt werden. Ihre Perspektive bringt eine zusätzliche Ebene in die Ermittlungen und zeigt, wie wichtig Diversität und frische Sichtweisen für die Aufklärung komplexer Fälle sind.


"Der Gott des Waldes" ist ein absolut empfehlenswertes Buch, das trotz seines unaufgeregten und leisen Erzählstils durchweg spannend ist.


  • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck; 1. Edition (20. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 590 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406829775
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406829772
  • Originaltitel ‏ : ‎ God of the Woods The




Dienstag, 18. Februar 2025

Coast Road: Roman von Alan Murrin. Übersetzt von Anna-Nina Kroll

 

Herbst 1994. Die Bewohner des irischen Küstenstädtchens Ardglas beschäftigt nur ein Thema: Colette Crowley – Dichterin, Bohemienne, die Frau, die ihre Familie verlassen hat, um in Dublin ihr Glück zu finden – ist zurück und wohnt in einem kleinen Cottage an der Coast Road. Jeder ihrer Schritte wird von der Gemeinde argwöhnisch beäugt. Hat sie es verdient, dass ihr Mann ihr den Zugang zu den Kindern verwehrt? In ihrer Verzweiflung bittet Colette eine Bekannte um Hilfe, Izzy Keaveney, Hausfrau und Mutter, unglücklich verheiratet mit einem Lokalpolitiker, der sich ausgerechnet für die Legalisierung der Scheidung im Land einsetzt. Und so entsteht zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Frauen eine Bindung, die ihre Leben in ungeahnte Bahnen lenkt.

Alan Murrins Debütroman Coast Road zeichnet ein eindringliches Porträt einer Frau, die gegen gesellschaftliche Konventionen aufbegehrt. Die Geschichte spielt im Irland der 1990er Jahre und fängt die beklemmende Atmosphäre eines kleinen Küstenstädtchens ein, in dem Klatsch und soziale Kontrolle das Leben bestimmen.

Im Mittelpunkt steht Colette Crowley, eine Dichterin, die nach einer Affäre Dublin verlässt und in ihre Heimat Ardglas zurückkehrt. Sie mietet ein Cottage bei Dolores und Donal, einem Paar, das sein viertes Kind erwartet und dringend auf zusätzliche Einnahmen angewiesen ist. Doch Colettes Rückkehr bleibt nicht unbemerkt: In der streng katholisch geprägten Gemeinschaft wird sie misstrauisch beäugt, weil sie ihre Familie verlassen hat.

Auch Izzy, die unglücklich mit dem Lokalpolitiker James verheiratet ist, steht im Zentrum des Tratsches – insbesondere wegen ihrer engen Freundschaft zum Gemeindepfarrer. Um dem Alltag zu entfliehen, nimmt sie an Colettes Schreib-Workshops teil. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine vorsichtige Verbindung, die auf die Probe gestellt wird, als Colette Izzy bittet, ihr zu helfen, ihren jüngsten Sohn Carl wiederzusehen. Anfangs zögert Izzy, doch die Begegnung mit Colette zwingt sie dazu, ihre eigene Ehe und die engen gesellschaftlichen Erwartungen zu hinterfragen.

Murrin gelingt es meisterhaft, die erdrückende Enge einer Kleinstadt einzufangen, in der Frauen nach festen Regeln leben müssen. Der Herbst 1994 dient dabei nicht nur als zeitliche Kulisse, sondern spiegelt auch Colettes innere Zerrissenheit wider. Der Roman erzählt ruhig, aber eindringlich vom Leben der Frauen in einer Zeit, in der eine Scheidung in Irland noch fast unmöglich war. Wer sich gegen die Konventionen stellte, riskierte soziale Ächtung.

Coast Road ist ein feinfühlig erzählter Roman über Selbstbestimmung, gesellschaftliche Zwänge und die leisen Rebellionen des Alltags. Alan Murrin beweist mit diesem Debüt ein bemerkenswertes Gespür für Atmosphäre und zwischenmenschliche Spannungen. Besonders beeindruckt hat mich Murrins ruhige, unaufgeregte Erzählweise, die mit feinen Beobachtungen das alltägliche Leben einfängt und gerade in den leisen Momenten eine große Intensität entfaltet.

Coast Road von Alan Murrin – ein leiser, aber intensiver Roman über Selbstbestimmung, gesellschaftliche Zwänge und die stillen Rebellionen des Alltags. Mit feinfühligen Beobachtungen und einer ruhigen Erzählweise fängt Murrin die Enge einer irischen Kleinstadt der 90er Jahre ein. Besonders beeindruckend: die leisen, aber kraftvollen Momente, die lange nachwirken. 



  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (13. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423284579
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423284578
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Coast Road

Donnerstag, 13. Februar 2025

Die Tochter der Kelten: Historischer Roman. Die Kelten-Saga 1 von Heidrun Hurst

 

Eine Prophezeiung des Druiden Triquetos kostet Alenja schon vor ihrer Geburt fast das Leben. „Deine Tochter wird das Verlangen der Männer wecken, und Unrecht wird über jene hereinbrechen, die sie begehren.“ Ihr Vater, Fürst Cedrych, lässt sich davon überzeugen, dass seine junge Frau ihm noch weitere Kinder schenken könne, und beschließt, das Kind unter Triquetos’ Obhut zur Welt bringen zu lassen – um es direkt nach der Geburt zu töten. Doch der Druide tötet das Kind nicht, sondern versteckt Alenja auf dem abgelegenen Hof Mojas.

Alenja wächst gut behütet auf, bis zu dem Tag, an dem ihr Vater von dem Verrat erfährt und den Druiden sowie Moja töten lässt. Danach nimmt er Alenja in seinen Haushalt auf – sie soll an einen anderen Fürstenhof verheiratet werden.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Alenja, deren Schicksal wir begleiten. Vom einsamen Kind, deren einziger Vertrauter zunächst ihr Hund Arto und der alternde Krieger Voccio sind, bis zu dem Moment, in dem ihre Mutter Lita ihr eine Sklavin zur Seite stellt. Bis Alenja nach dem Willen ihres Vaters mit Airell, dem zukünftigen Herrscher von Opia verheiratet werden soll. Airell ist grausam und ein Leben an seiner Seite birgt Gefahren für Alenja, die sich zudem in Airells Bruder Faol verliebt. 

Heidrun Hurst gelingt es, Alenja als sympathische Hauptfigur zu etablieren, deren Entwicklung man gespannt folgt. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, und die Geschichte des Mädchens hat mich von Beginn an in den Bann gezogen. Dazu kommen die detaillierten Beschreibungen der Lebensumstände, die mir sehr gut gefallen haben. Besonders hervorheben möchte ich das Handwerk – ich konnte die verschiedenen Werkstätten fast vor mir sehen. Hurst verwebt geschickt Details über die fortschrittlichen Fähigkeiten der Kelten in der Metallverarbeitung, die für ihre hochwertigen Waffen und Werkzeuge bekannt waren. Auch die Fertigkeiten in der Glas- und Textilherstellung werden anschaulich beschrieben, was dem Leser einen umfassenden Einblick in die handwerkliche Kunstfertigkeit dieser Epoche gibt und in die weitreichenden Handelsbeziehungen der Kelten. Ebenso anschaulich beschreibt Heidrun Hurst die religiösen Rituale, hier zeigt sich auch wieder, wie von der Autorin gewohnt, wie genau und gründlich sie für diesen Aspekt des Romans recherchiert hat. 

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich Alenjas weiteres Leben entwickelt und freue mich auf die Fortsetzung.


  • Herausgeber ‏ : ‎ dotbooks print (1. Januar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986909877
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986909871

Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste

 

Grisha zieht als frisch gebackener Absolvent der Hochschule für Ökonomie Bruno Leuscher von Gera nach Berlin in eine Neubauwohnung zieht, erwartet er ein aufregendes Berufsleben in der Staatlichen Planungskommission. Er wird der Abteilung Afghanistan zugeteilt, das kleine sozialistische Bruderland hat gerade einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit mit der DDR unterzeichnet. Nur hat Afghanistan nichts, was für die DDR von Interesse wäre, dementsprechend wenig gibt es für die Abteilung zu tun. Grisha soll sich laut seinem direkten Vorgesetzten Burg mit dem Kunstvollen Warten vertraut machen, einem wesentlichen Bestandteil seiner zukünftigen Tätigkeit.Allerdings hat Grisha eine geniale Idee, wie man die landwirtschaftlichen Produkte, die es in Afghanistan ja durchaus gibt, zur Zufriedenheit und zum finanziellen Vorteil für beide Länder nutzen kann. Denn die DDR braucht Devisen und die gibt es in Westdeutschland und wie diese nach Ostdeutschland kommen sollen, auch dazu hat Grisha eine zündende Idee.Mehr verrate ich euch nicht. Dies war tatsächlich mein allererstes Buch von Jakob Hein, nach der Lektüre fragte ich mich warum, denn wie es aussieht, habe ich wohl wirklich etwas verpasst. Humorvoll ohne ins Lächerliche abzugleiten erzählt der Autor eine sehr amüsante, wenn auch fiktive Geschichte aus der deutsch-deutschen Geschichte. Sie erzählt wie Grisha es schafft alle davon zu überzeugen, dass Cannabis in der DDR legal ist und wie er dieses landwirtschaftliche Produkt auch legal an die Westberliner bringen kann (Na gut, das habe ich euch jetzt doch verraten).

Er erzählt von Geheimtreffen hochrangiger Politiker im tiefsten Bayern, die genauso hätten ablaufen können und wer weiß, vielleicht hat sich ja auch alles so oder fast so abgespielt.In einer absurd-komischen Wendung der Geschichte führt Grischas Plan tatsächlich zu Verhandlungen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß über einen Milliardenkredit für die DDR - eine surreale Situation, die der Realität erstaunlich nahekommt.

 Die Art und Weise, wie Hein diese historischen Ereignisse in seine fiktive Erzählung einwebt, ist gleichermaßen unterhaltsam wie geistreich.Ich mochte Grisha sehr, fast schien er etwas naiv und introvertiert, dabei ist er der schlauste Kopf der ganzen Abteilung. Er liebt Filme und schafft es in einen Club anderer Filmliebhaber aufgenommen zu werden, gar nicht so einfach, schließlich herrscht Misstrauen gegen Fremde, sie könnten Spitzel sein, seine Liebe zu Filmen liefert ihm auch viele gute Ideen.Auch die anderen Protagonisten sind fast durchweg sympathisch, sie versuchen halt möglichst unbehelligt durchs Leben zu kommen.Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für alle, die entspanntes Lesevergnügen suchen. Hein verzichtet fast vollständig darauf, ein graues und trübes Bild der DDR zu zeichnen, was mir auch sehr gut gefallen hat. Stattdessen nutzt er die absurden Situationen und skurrilen Charaktere, um eine humorvolle und gleichzeitig nachdenklich stimmende Geschichte zu erzählen, die die Absurditäten des geteilten Deutschlands auf eine ganz eigene, erfrischende Art beleuchtet.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Galiani-Berlin; 1. Edition (13. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 386971316X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869713168

Dienstag, 11. Februar 2025

Du hast die Wahl von Marc Raschke


Marc Raschkes Buch "Du hast die Wahl" hat mich tief beeindruckt und meine Sicht auf die politische Lage in Deutschland weiter gefestigt. Es ist ein Werk, das nicht nur informiert, sondern auch dazu anregt, kritisch über die eigene Wahlentscheidung nachzudenken, ohne dabei belehrend zu wirken. Raschke gelingt es, komplexe politische Themen verständlich aufzubereiten und gleichzeitig eine klare Haltung gegen Populismus und den Rechtsruck zu beziehen, ohne jedoch konkrete Wahlempfehlungen auszusprechen. Das Buch greift aktuelle Herausforderungen auf, wie den Umgang mit Fake News, die Verbreitung populistischer Narrative, das Ausspielen der Menschen gegeneinander und die Verantwortung der Wählenden in einer Demokratie. Besonders wertvoll finde ich Raschkes Ansatz, Fakten mit Quellen zu untermauern. Dadurch gibt er den lesenden Werkzeugen an die Hand, um Desinformation zu erkennen und fundierte Argumente für Diskussionen zu entwickeln.

Als ich Politikunterricht in der Schule hatte, waren die meisten Stunden mehr als langweilig und vor allem erschien mir das Ganze überflüssig. Wir lebten in einer Demokratie, wir waren uns alle einig, dass sich so etwas wie das Dritte Reich niemals wiederholen dürfte und dass das auch niemand mehr zulassen würde. Gut, es gab andere Probleme: Der Kalte Krieg – aber da boten Europa gemeinsam mit den USA dem Osten die Stirn. Der Wald starb, die Luft war schlecht, das Öl war zwischendurch auch mal knapp – all das wurde zwar nicht vollständig gelöst, aber durch politische Maßnahmen zumindest gemindert. Das Schlimmste für mich als Teenager war das FCKW-Verbot; Haarspray im Pumpspender war einfach nichts. Tschernobyl, hohe Arbeitslosenzahlen – all das ging irgendwie an mir vorbei. Politik fand für mich fast ausschließlich im Fernsehen statt.


Doch die Zeiten haben sich geändert – und genau deshalb brauchen wir Bücher wie dieses.Themen wie soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Migration werden im Buch auf eine Weise behandelt, die zeigt, wie wichtig differenzierte Lösungen sind. Besonders eindrucksvoll finde ich Raschkes Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche Themen – darunter auch die Migrationspolitik – vielschichtig darzustellen und dabei unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen. Er regt zum Nachdenken an und zeigt auf, wie wichtig es ist, populistischen Tendenzen mit fundierten Argumenten entgegenzutreten.Was mir jedoch besonders auffiel, ist die Parallele zwischen historischen und aktuellen Entwicklungen, die ich beim Lesen für mich gezogen habe. „Die Menschen in unserem Land sind verunsichert. Sie fürchten um ihre Zukunft und die ihrer Kinder. Ist es da verwunderlich, dass viele nach einem Politikwechsel rufen? Nach einer starken Regierung, die alle Probleme löst, sodass jeder in Sicherheit und Wohlstand leben kann? 

Wohl kaum. 

Doch gerade deshalb ist es entscheidend, genau hinzusehen: Was steht in den Wahlprogrammen? Was sagen Politikerinnen der verschiedenen Parteien? Manche Parolen und Gesten erinnern erschreckend an die Zeit zwischen 1933 und 1945. Eine Wiederholung dieser Geschichte wäre fatal.“Für mich vermittelt das Buch eine eindringliche Warnung vor einer Wiederholung vergangener Fehler – insbesondere aus der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei schafft es Raschke, nicht alarmistisch zu wirken, sondern sachlich und fundiert zu argumentieren.Abschließend sehe ich "Du hast die Wahl" als ein wichtiges Buch unserer Zeit. Es bietet Orientierung in einer politisch aufgeladenen Atmosphäre und motiviert dazu, Verantwortung an der Wahlurne zu übernehmen. Ich hoffe, dass viele dieses Buch lesen und sich davon inspirieren lassen – nicht um ihre Meinung geändert zu bekommen, sondern um fundierte Entscheidungen zu treffen, die dem Gemeinwohl dienen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Pinguletta Verlag; 1. Edition (23. Januar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 106 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948063613
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948063610