Sonntag, 27. Februar 2022

Die Kräutersammlerin von Heidrun Hurst

 


Eine junge Frau auf der Suche nach der Wahrheit - ein einfühlsamer und mystischer Schwarzwaldkrimi aus dem Mittelalter. Schiltach im Kinzigtal, 1343: Heilerin und Kräutersammlerin Johanna entdeckt im Wald ein totes Mädchen, offenbar ein Opfer von Wölfen. Doch einige der Verletzungen passen nicht zum Biss eines Raubtiers. Johanna beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, und findet in dem jungen Flößer Lukas einen Verbündeten. Haben die Leprosen, die zurückgezogen im Wald leben, etwas damit zu tun? Oder der geheimnisvolle Einsiedler? Und was hat es mit dem fahrenden Spielmann auf sich, der immer wieder unerwartet auftaucht? Als ein weiteres Mädchen verschwindet, werden die Nachforschungen für Johanna lebensgefährlich .


Seit dem Tod ihrer Mutter, lebt Johanna allein in dem Städtchen Schiltach, ihren Lebensunterhalt verdient sich die junge Frau als Kräuterheilerin, sie kennt sich mit den verschiedensten Kräutern aus und sie weiß ebenso wie sie Wunden und Verletzungen behandeln kann, bei denen Kräuter allein nicht helfen. Johanna wird in dem kleinen Ort geachtet und gemocht.
Als sie im Wald die Leiche eines jungen Mädchens findet, deren Körper seltsame Male aufweist, glaubt sie nicht, dass Wölfe für ihren Tod verantwortlich sind.

Der Einstieg in das Buch fiel mir wirklich leicht, sowohl der Prolog als auch die ersten Kapitel sind sehr spannend, dazu kommt ein Schreibstil der es mir schwer, machte das, Buch wieder aus den Händen zu legen. Die ruhige Erzählweise der Autorin macht das Buch zu einer sehr angenehmen Lektüre, sie lässt ihren Leserinnen und Lesern Zeit ihre Protagonisten, allen voran natürlich Johanna und die Örtlichkeiten kennenzulernen, ebenso anschaulich erzählt sie von den Sitten und Gebräuchen der damaligen Zeit. Wir schreiben das Jahr 1334, das Leben ist hart in Schiltach, viele Familien leben von der Flößerei, ein gefährlicher Beruf, wie gefährlich erleben wir am Beispiel Symons, dem Johanna nach einem Unfall ein Loch in den Schädel bohren musste, um sein Leben zu retten. Das mag auf den ersten Blick sehr weit hergeholt sein, aber solche Operationen wurden durchaus auch schon im Mittelalter durchgeführt. Was mit Johanna geschehen wäre, wenn ihre Patienten nicht überlebten, darüber kann ich nur spekulieren.
Weitere Protagonisten sind der junge Flößer Lukas, der sich sehnlichst wünscht Johanna für sich zu gewinnen, seine Chancen stehen allerdings eher schlecht, denn Johanna will ihre Unabhängigkeit entgegen aller Traditionen nicht aufgeben. Clewin ein reisender Spielmann, dessen Rolle etwas undurchsichtig ist, er scheint einfach nur verliebt in die junge Heilerin, hartnäckig wirbt er um Johanna, die seinem Charme allerdings widerstehen kann, im Gegensatz zu fast allen anderen. Und dann ist da noch Ida und ihre ständige Begleiterin, das Mädchen wird vollkommen verwahrlost und stumm im Wald gefunden und da niemand anderer sie aufnehmen will, erbarmt sich Johanna. Hier erzähle ich euch nicht mehr, es ist so schön von der besonderen Beziehung Idas zu ihrer ständigen Begleiterin und später auch zu Johanna zu lesen, das muss jeder für sich selber erlesen. 
Eigentlich wäre Johannas Geschichte für sich schon spannend genug, aber da ist ja auch noch das tote Mädchen aus dem Wald und dann verschwindet noch ein Mädchen auf dem Weg zu einer neuen Anstellung.
Dass beide Fälle zusammenhängen, wird dem Leser schon bald klar, die Aufklärung wer hinter den Taten steckt und was seine Motivation dazu ist, ist so grausam, allein die Vorstellung davon dreht sensiblen Gemütern sicherlich fast den Magen um.
Ich mochte auch den Schluss, denn die Entscheidungen, die getroffen wurden, sind absolut nachvollziehbar, alles andere wäre dann doch zu märchenhaft gewesen, wer das Buch gelesen hat, wird wissen, was ich meine, wer noch das Vergnügen vor sich hat, wird es verstehen.
Begebt euch also gern auf eine Reise in den Schwarzwald, da ich nicht weit entfernt lebe, war es besonders interessant von Städten und Dörfern zu lesen in denen ich schon war.





  • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag (22. August 2019)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3740806370
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740806378


Samstag, 26. Februar 2022

Fuchsmädchen von Maria Grund

 


Eisige Kälte herrscht an jenem Sonntag auf der Insel vor der Küste Schwedens, als man die Leiche eines jungen Mädchens in einem verlassenen Kalksteinbruch entdeckt. Das Verstörende an dem Fall: Die Tote hat eine unheimliche Fuchsmaske bei sich. Ermittlerin Eir bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Zusammenarbeit mit ihrer neuen Kollegin Sanna einzulassen. Denn nur Tage später ist eine weitere Frau tot – und auch in ihrer Wohnung finden sich Hinweise auf eine Maske. Ein eiskalter Serienmörder hinterlässt eine blutige Spur auf der Insel und muss gestoppt werden. Doch mit Schrecken erkennt Eir, dass nicht nur das nächste Opfer vor dem Killer retten muss – auch Sanna birgt ein dunkles Geheimnis und droht, vom Strudel ihrer Vergangenheit in den Abgrund gerissen zu werden


Zunächst sieht alles nach Selbstmord aus und Kriminalkommissar Bernhard Hellkvist, hätte nichts dagegen, wenn sich sein erster Eindruck bestätigen würde, damit wären die Ermittlungen abgeschlossen und er könnte nach Hause gehen, der Kommissar, kann seine Pensionierung kaum noch erwarten.

Anders seine Kollegin Sanna, sie schaut genauer hin und glaubt nicht daran, dass sich das Mädchen das Leben genommen hat, gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin Eir, die als Ersatz für Bernhard auf die Insel kommt, nimmt sie die Ermittlungen auf.
Dann geschieht ein Mord und die Ermittlerinnen erkennen, dass die Fälle zusammenhängen und dass sie ein Geheimnis aus der Vergangenheit lüften müssen, um weitere Morde zu verhindern.

Sanna und Eir sind Ermittlerinnen mit Ecken und Kanten, manchmal zu eckig und kantig für meinen Geschmack, beide haben eine Last zu tragen, die sie, wären sie schwächere Charaktere, wären sie sicherlich schon zerbrochen.
Ich mag das nicht sonderlich, aber die Autorin schafft eine Gratwanderung zwischen nervenden Ermittlern, deren private Probleme weit im Vordergrund stehen und deren professionelle Arbeit. Schon allein dafür gebührt ihr Respekt.
Und dann sind da ja auch noch die Toten, deren Schicksal es aufzuklären gilt. 
Maria Grund legt viele falsche Fährten, denen ich jedes Mal bereitwillig folgte, um festzustellen, dass sie mich wieder in die Irre geführt hat. Das ist pures Lesevergnügen. Nach und nach kommen die Zusammenhänge ans Licht und je mehr Detail ich erfuhr, desto mehr zog mich die Story in ihren Bann. Schuld, Bestrafung und Rache, mit diesen drei Worten beschreibt man den Grundgedanken der Story schon ganz gut.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (24. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328107053
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328107057
  • Originaltitel ‏ : ‎ Dödssynden


Freitag, 25. Februar 2022

Der Fluch des Ritters Anastasius präsentiert von Lucian Caligo (eine Anthologie)

 


Nach einem verlorenen Zweikampf erwacht Anastasius in seinem Sarg. Schnell wird ihm klar, dass er tot ist. Anders als die Ghule in den Sagen besitzt er jedoch seinen Verstand. Aber wie ist er in diesen Zustand geraten?

Fünfzig Jahre lang durchstreift Anastasius die Lande, beseelt von dieser einen Frage. Dabei muss er sich Hexen, Geistern und anderen Gefahren stellen. Immer verfolgt von Menschen, die in ihm nicht mehr als ein Ungeheuer sehen. Bis er an einen Magier gerät, der ihm eine Möglichkeit eröffnet, Erlösung zu finden. Gelingt es Anastasius, sich von seinem Fluch zu befreien, bevor sein vermoderter Körper den Dienst versagt?

Ghule kannte ich bisher nur aus den John Sinclair Groschenromanen und hatte ein ganz anderes Bild vor Augen, wie sie aussehen und wie sie sich verhalten, bis ich Anastasius kennenlernte. Anastasius Schicksal ist, abgesehen von der Unsterblichkeit, ein anderes als das seiner Namensvetter, während diese dumpf, schleimig und menschenfressend Friedhöfen auf ihre Opfer warten, hat Anastasius nach seinem Tod seine Menschlichkeit bewahrt, sein Verstand funktioniert einwandfrei und auch Gefühle sind ihm nach wie vor nicht fremd, einzig die fortschreitende Verwesung seines Körpers, der trotz oder wegen seines Todes an Stärke gewonnen hat macht ihm zu schaffen.
In fünf Geschichten lernen wir Anastasius näher kennen.

Der Fluch des Ritters Anastasius von Lucian Caligo

Die Titelgebende Geschichte erzählt davon wie es geschehen konnte das sich Anastasius vom strahlenden Ritter in glänzender Rüstung zu einem Ghule wandelte und ist damit natürlich die wichtigste Story, davon abgesehen ist sie wirklich gut geschrieben. Ich werde nicht näher auf den Inhalt der Geschichte eingehen, zu schnell wäre zu viel erzählt. Das Ende dieser Geschichte lässt viel Raum für Spekulationen und auch für die Hoffnung auf eine Fortsetzung.  Und für mich blieb die Frage: Was bleibt von Anastasius, wenn sein Körper komplett zerfallen ist?

Die weiteren Geschichten erzählen davon, was Anastasius nach seinem Tod erlebt.

Familienbande über den Tod hinaus von Tanja Kummer

Anastasius trifft auf die Geisterfrau Rita, die ihm einen sicheren Unterschlupf anbietet und als Gegenleistung dafür seine Hilfe für ihren Sohn und dessen Familie erbittet. Anastasius erschrickt zunächst als er der Geisterfrau begegnet, ein doch recht amüsanter Gedanke denn schließlich ist er ein Untoter, wenn zu dieser Zeit auch noch nicht sehr lange. Der Ghul muss allerdings  erkennen, das Rita nicht ganz ehrlich zu ihm ist.

Der Ritter und die Dame von Heike Schrapper

Meine Lieblingsgeschichte in dieser Anthologie.
Anastasius trifft auf die junge Isabeau, die, wie sie behauptet, gerade noch so Wegelagerern entkommen konnte und nun auf dem Weg in die nächste Stadt ist. Um sie nicht zu verschrecken und ihr mit seinem Anblick Angst zu machen, erfindet Anastasius einen Fluch um sie daran zu hindern ihn anzusehen, er ahnt nicht das auch sie nicht ganz ehrlich ist.
Die beiden verstehen sich gut und die Sympathien, die sie füreinander hegen sind so natürlich beschrieben, es ist eine Freude das zu lesen. Als ich mit der Geschichte begann dachte ich zuerst: 

Jetzt kommt es: Tragische Liebesgeschichte.

*Sie verliebt sich trotz allem in ihn und nach langen Jahren des Glücks muss er zusehen wie sie stirbt*

Bin ich froh das dem nicht so war ;o)

Spoiler, es geht nicht anders.

Leider zählt immer noch der erste optische Eindruck, die beiden haben sich ja gegenseitig keine Chance gegeben sich wirklich kennenzulernen aus Angst den anderen durch seinen Anblick zu verschrecken, beide haben wohl auch recht, aber sie sind ja auch in Ausnahmesituationen.

Aber wie oft Menschen sich etwas nicht trauen etwas zu tun was sie gern möchten, nur weil ihr Aussehen nicht dem Schönheitsideal entspricht, dazu müssen sie ja nicht entstellt sein, ein paar Pfunde zu viel, eine schiefe Nase, zu große Füße...

Wie viele Freundschaften wohl nicht geschlossen wurden, weil irgendwas am Aussehen nicht passte?

Zwischen Feuer und Vollmond von Eva von Kalm

In dieser Geschichte trifft Anastasius auf eine Hexe die ihm verspricht für eine Nacht ein ganz normales Leben führen zu können, zu lachen, zu tanzen, einmal noch glücklich sein. Dafür muss er für sie Aufgaben erledigen, deren Zweck er zunächst nicht versteht, bis es fast zu spät ist.

Ich kann ihn so gut verstehen. Normalität vermissen wir erst, wenn wir sie verloren haben. Außerdem zeigt uns Anastasius was Ehre wirklich bedeutet, fernab von dem wofür der Begriff so häufig missbraucht wird.


Die Gnade des blinden Sehers von Sabine M. Schmid

Der Bettler, auf den Anastasius in dieser Geschichte trifft, vergilt ihm seine Güte mit einem Traum, aus dem der Ritter einige für ihn sehr wichtige Erkenntnisse ziehen kann und mit ihm die Leserinnen und Leser, denn diese Geschichte lässt viel Spielraum für eigene Gedanken. Ich mag sie sehr.


Fünf Geschichten, fünf Autoren, ein Thema

Jede von ihnen konnte mich auf ihre Art überzeugen und ich hätte nichts dagegen weitere Geschichten aus Anastasius Leben zu lesen und vielleicht zu erfahren, was geschieht, wenn sein Körper komplett zerfallen ist, dieser Gedanke bewegt mich ja schon seit der ersten Story.


  • ASIN ‏ : ‎ B09RH169RK
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (28. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 100 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8409255671









Blogtour "Töchter der Speicherstadt" von Anja Marschall

 


Die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert.


Das Idealbild der deutschen Frau im Bürgertum war klar definiert: Sie kümmert sich um die Familie, den Haushalt und repräsentiert an der Seite ihres Ehemanns auf den von ihr organisierten Gesellschaften und sie unterhielt die Gäste mit kultivierten Gesprächen und Hausmusik. Als Gegenleistung lebte sie meist frei von finanziellen Sorgen.





Frauen wird der Status als autonomer Mensch verweigert, es fehle ihnen Objektivität und Urteilsvermögen, überhaupt seien Frauen naturgemäß nicht so intelligent wie Männer, sie könnten nicht mit Geld umgehen und natürlich fehlt es ihnen an körperlicher Kraft. Frauen müssen beschützt und behütet werden, ihre natürliche Rolle ist die der Mutter und Hausfrau, sie hat das Leben des Mannes im eigenen Heim so angenehm wie irgendwie möglich zu machen, in allen Belangen. Sie ist schlicht rechtlos, über alles kann ein sogenannter Geschlechtsvormund bestimmen und auch gegen körperliche Gewalt vonseiten ihres Ehemanns ist sie nicht geschützt.
Nun saßen diese Frauen nicht untätig in ihren Salons und warteten auf die Rückkehr des Hausherrn, sie hatten oft  einen großen Haushalt zu führen. Es gab Bälle und Abendessen  zu organisieren, auf denen von den Herren Geschäfte abgeschlossen wurden, dazu war es wichtig, dass die Frauen sich in den richtigen gesellschaftliche Kreisen bewegten, so manche Karriere in der Politik und der Wirtschaft wurde auf einer Teegesellschaft unter den Damen angeschoben. 

Der Großteil der Frauen kann allerdings von einem bürgerlichen Leben nur träumen, sie müssen arbeiten, um die Familie zu ernähren und schuften als Dienstmädchen, Wäscherinnen und in den neu entstehenden Fabriken, um die meist zahlreichen Kinder satt zu bekommen, doch auch sie sind der Willkür und oftmals der Gewalt ihrer Männer rechtlos ausgeliefert.





Als die Hauptprotagonistin im Buch "Die Töchter der Speicherstadt" Maria kurz nach deren Eröffnung im Jahr 1888 alles über den Kaffeehandel lernt, bzw. lernen darf, denn auch für sie wird gelten, dass sie nur mit der Erlaubnis ihres Mannes einer Arbeit nachgehen darf, arbeiten Frauen in der Speicherstadt unter menschenunwürdigen Bedingungen z.B. als Kaffeeverleserin auf den Kaffeeböden.(1889 protestierten sie für Verkürzen der Tagesarbeitszeit auf 9 Std., Mindeststundenlohn von 25 Pfennig (das war die Hälfte der niedrigsten Männerlöhne im Hafen), Verbot des Säckeschleppens (Gewicht ca. 80 kg), Eindämmen des Strafgeld-Unwesens: pro Tag sollten nicht mehr als 10 Pfg. Erhoben werden dürfen (strafbar waren z.B. lachen, singen, manchmal auch reden).



Das sind die Fakten in Kurzform, es gibt viele Bücher zur Rolle der Frauen, ihrer Rechte und Pflichten und je mehr und tiefer man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr wird klar, dass noch viel Arbeit bis zur vollständigen Gleichberechtigung vor uns liegt.

Alle weiteren Themen und Links zur Blogtour:

21.02.2022 Auf einen Kaffee bei Jasmin von Buch-leben
22.02.2022 Ein Rundgang durch die Speicherstadt bei Ullas Leseecke
23.02.2022 Figurenvorstellung bei Kunterbunte Bücherreisen
24.02.2022 Die Handlungsorte bei Angéliques Leseecke
25.02.2022 Frauen im Kaiserreich bei mir
26.02.2022 Interview mit Anja Marschall bei Heike von Frau Goethe liest.






Doch nun zum Buch:
Als die junge Brasilianerin Maria erfährt, dass ihr Vater die heimatliche Kaffeeplantage verkaufen will, bricht für sie eine Welt zusammen, sie ist auf der Plantage aufgewachsen und der Gedanke daran diese zu verlassen ist für sie unerträglich. Als sie den potenziellen Käufer Johann Behmer kennenlernt und dieser um ihre Hand anhält, stimmt sie nach kurzem Zögern nicht nur aus rationalen Beweggründen zu, sie hat sich in den viel älteren Mann verliebt, der ihr das Versprechen gibt, sie immer als gleichwertig zu sehen. Maria geht mit ihrem Mann nach Hamburg, wo ihr nicht nur die norddeutsche Kälte zu schaffen macht,  auch in der Villa der Familie herrscht ihr Gegenüber eisige Kälte. Ihre Schwägerin Gertrud führt ein strenges Regiment, ihr Leben ist davon bestimmt, die richtigen Kontakte zu knüpfen, um ihrem Mann Alfons den Weg in eine fulminante Karriere zu ebnen.

Die Töchter der Speicherstadt, ist nicht das erste Buch der Autorin, welches ich gelesen habe, allerdings ist es das erste, mit dessen Hintergrund ich mich im Vorfeld so intensiv beschäftigte. Und so waren mir die Orte, die die Autorin Anja Marschall beschreibt, recht vertraut.
Auch die Personenbeschreibungen waren sehr realistisch, Anja Marschall lässt uns in die Salons der gehobenen Gesellschaft blicken und in die katastrophalen Lebensbedingungen in den Armenvierteln des reichen Hamburgs, dessen Senat mit der stetig wachsenden Bevölkerung vollkommen überfordert ist, dies beschreibt sie anschaulich mit der Cholera Epidemie im Jahr 1892, der in Hamburg mehr als 8000 Menschen zum Opfer fielen.

Maria fällt es nicht leicht sich in Hamburg einzugewöhnen, alles ist fremd und kalt und bis auf ihren Mann Johann heißt sie niemand willkommen. Für ihre Schwägerin, sie ist die *Wilde*, die sich in den Damensalons nicht zu benehmen weiß und die, das ist wohl das schlimmste, ihrem Mann einen Erben schenken könnte, der das Erbe der eigenen Kinder bedroht. Doch Maria beißt sich trotz aller Lügen und Intrigen durch. 

Mehr zum Inhalt mag ich euch natürlich nicht erzählen, das würde euch des Vergnügens berauben selbst einzutauchen in die Welt des Kaffeehandels und vor allem in Marias Geschichte.
Mit dem Beginn des 1. Weltkriegs endet der erste Band um die Töchter der Speicherstadt, der mit dem großen Brand in Hamburg 1842, der zwischen dem 5. und 8. Mai große Teile der Altstadt zerstörte. 
Und jetzt verrate ich euch noch, was ich an diesem Buch besonders mochte, jeder historische Fakt der erwähnt wurde, hielt meiner  eigenen Recherche stand, und damit gewann auch Marias Geschichte an Glaubwürdigkeit.

Ich vergebe sehr gern eine absolute Leseempfehlung

Autorin: Anja Marschall

Genre: Historisch
Version: eBook und Taschenbuch
erschienen: 24. Februar 2022
Seiten: 464
Altersempfehlung: Erwachsene
Herausgeber ‏ : ‎ Piper Taschenbuch








Dienstag, 22. Februar 2022

Wölfe vor der Stadt von Ulrike Serowy


 Eine halbverlassene Stadt, die nach und nach im Nebel versinkt. Helena, eine junge Künstlerin, führt darin ein zurückgezogenes Leben. Da machen Gerüchte die Runde: Die Wölfe sollen zurückgekehrt sein und um die Stadt streichen. Helena selbst wird von bösen Ahnungen geplagt und von Träumen heimgesucht, die nicht ihre eigenen sind. Sie lernt Johannes kennen, der nur wenig von sich preisgibt und ebenso verloren scheint wie sie. Immer näher kommen sich die beiden, deren Schicksal durch eine stille Kraft verwoben scheint; doch Johannes trägt ein Geheimnis in sich, das sie beide an den Rand des Daseins bringen wird. Sein zeitweises Verschwinden, seine bisweilen übermenschlichen Instinkte und scheinbaren Amnesien entspinnen in Ulrike Serowys Roman einen derartigen Sog, dass man die Zeit vergisst, vergessen will. Ihre literarische Handschrift ist zugleich sparsam und bildgewaltig. Es braucht nicht vieler Worte, um sich tief im Innenleben der Figuren wie auch dem Szenario wiederzufinden und immer weiter zu gehen, der Ahnung eines nahenden Unheils zu folgen.

Schon die erste Seite des Buches hat mich vollständig in seinen Bann gezogen, ich sah den Nebel, dessen aufkommen von der Autorin beschrieben wird, vor mir  wie ein lebendiges Wesen. 

Nach diesen ersten Seiten wird es allerdings schwierig, nicht weil die folgenden Worte weniger großartig sind als der Beginn, sondern weil die Geschichte mehr als eine Möglichkeit zur Interpretation bietet. 

Helena lebt in einer Stadt, die nach einem Krieg, dessen Umstände nicht näher erklärt werden, langsam verfällt. Viele Häuser stehen leer, es leben nur noch wenige Menschen in der Stadt, aber das Leben geht weiter und so verdient sich Helena ihren Lebensunterhalt als Servicekraft in einer Kneipe und widmet sich in ihrer freien Zeit ihrer Kunst. Johannes kommt als Gast in die Kneipe, in der sie arbeitet, nach und nach nähern sie sich an. Ihre Geheimnisse allerdings stehen zwischen ihnen und während Johannes sich nichts sehnlicher wünscht als seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und ich das beim Lesen auch immer spürte, bleibt Helena immer ein wenig distanziert, Ihre Gabe, die wohl doch eher ein Fluch ist, belastet die Frau.

Achtung, jetzt muss ich etwas spoilern.

Ich kann mir zwei Szenarien vorstellen.


Wir haben es mit einer Art Märchen zu tun. Johannes wurde vor vielen, vielen Jahren von einem Werwolf angegriffen und dessen Fluch ging auf ihn über, seither streift er durch das Land, verzweifelt versucht er seine Mordlust zu unterdrücken, was ihm allerdings nicht immer gelingt. Als er Helena kennenlernt, wächst in ihm der Wunsch nach einem normalen Leben und er ist davon überzeugt, dass sie sich gegenseitig retten können, um gemeinsam ein ganz normales Leben zu beginnen. 
Die Autorin schafft es, wie ich schon zu Beginn schrieb, Worte zu Bildern zu formen, ich war zu jeder Zeit ganz nah bei Helena und Johannes und sie zeigt auch die tief in den Menschen verankerte Angst vor Wölfen, die sich in ihrer Geschichte der Stadt nähern. 
Werwölfe waren schon immer Teil der Sagen und Legenden, meist wurden sie als böse, unberechenbar und mordlustig dargestellt, sobald sie sich  in einen Wolf verwandelten und der Mensch in ihnen war dieser Verwandlung hilflos ausgeliefert. Doch Johannes gelingt es diesen Drang wenigstens teilweise zu unterdrücken und Helenas Liebe hilft ihm dabei. 

Dies ist das Offensichtliche. 

Ich kann aber nicht aus meiner Haut und habe immer noch die Worte meiner früheren Deutschlehrer in den Ohren "Was will die Autorin oder der Autor uns mit seiner Geschichte sagen" Früher habe ich das gehasst und ich glaube auch das in den Schulen niemand mehr dazu gezwungen wird, etwas in Geschichten hineinzuinterpretieren, obwohl ihm einfach nur eine schöne Geschichte erzählt wird.

Helena liest in der Bahn die Schlagzeile
*WÖLFE VOR DER STADT* 
Wenn dort jetzt aber stand
*Konflikte im Grenzgebiet*
?
Dann bekommt alles, was ich gelesen habe, eine ganz andere Bedeutung.
Das Land ist gebeutelt vom Krieg, die Nachwirkungen sind noch immer sehr präsent. Die Künstlerin Helena verdient ihren Lebensunterhalt in einer Kneipe. Die Vergangenheit mit all seinen Schrecken und Gerüchen verfolgen sie bis in ihre Träume, aus denen sie sich beim Aufwachen nur schwer befreien kann. Johannes ist Soldat, der ebenfalls von seiner Vergangenheit gefangen gehalten wird und immer wieder ins Grenzgebiet zurückkehren muss. Als Johannes und Helena sich kennenlernen und sich vorsichtig einander öffnen, scheint ihrer beider Leben eine positive Wendung zu nehmen und in Johannes reift der Wunsch, mit Helena fortzugehen, um einen Neuanfang zu wagen. Doch Helena kann ihm nicht verzeihen, für sie steht er für alles, was sie an schrecklichem erleben musste.

Ich habe dieses Buch innerhalb weniger Tage ausgelesen, ich liebe die Sprachgewalt, der Autorin, ich kann mich nur wiederholen, ich spürte die Atmosphäre in der Stadt, ihre Traurigkeit und die Hoffnungslosigkeit, die wie der Nebel, der auf der ersten Seite in die Stadt kriecht, über dem Ort liegt.  

Eine absolute Leseempfehlung. 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition Outbird; 1. Edition (10. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 186 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948887233
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948887230


Montag, 21. Februar 2022

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar: Kriminalroman (Mord ist Potts' Hobby, Band 1) von Robert Thorogood


 Als die leicht exzentrische Judith Potts mitbekommt, dass ihr Nachbar ermordet wird und die Polizei ihr das nicht glaubt, nimmt sie die Sache resolut selbst in die Hand. 

Die siebenundsiebzigjährige Judith Potts lebt allein in einem verfallenen Herrenhaus im idyllischen Marlow und arbeitet als Kreuzworträtsel-Autorin für eine Zeitung. Sie genießt ihren beschaulichen, selbstbestimmten Alltag mit gelegentlichem Nacktschwimmen in der Themse und dem ein oder anderen Whisky. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als sie Zeugin eines Mordes auf dem Nachbargrundstück wird. Weil es weit und breit von der Leiche keine Spur gibt und die ansässige Polizei den Fall nicht ernst nimmt, beginnt Judith, auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei lernt sie die Hundesitterin Suzie und die neurotische Pfarrersfrau Becks kennen, die ihr fortan als »Marlow Murder Club« bei den Ermittlungen helfen. Als es zu einem weiteren Mord kommt, erscheint der Fall immer rätselhafter 


Als die 77jährige Judith Potts bei einem ihrer Hobby, dem Nacktschwimmen in der Themse, hört wie bei ihrem Nachbarn geschossen wird und die Polizei benachrichtigt, schenkt ihr zunächst niemand Glauben, da muss die alte Dame selbst auf dem Grundstück nachsehen und findet prompt die Leiche des Galeristen Stefan Dunwoody. Die Polizei geht zunächst von Selbstmord aus. Doch natürlich glauben weder Judith noch die Leser an Selbstmord oder einen Unfall und Judith beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Bei diesen Ermittlungen trifft sie auf die Hundesitterin Suzie und die Pfarrersfrau Becks, gemeinsam werden sie zum Mordclub. 

Doch weder die drei Damen noch die Polizei finden irgendwelche Hinweise, die wirklich auf die Spur des Täters führen. Dann geschehen weitere Morde.


Mrs. Potts kann nicht ganz mit Miss Marple mithalten, aber diese Messlatte liegt auch fast unüberwindbar hoch, doch eine gewisse Ähnlichkeit kann nicht geleugnet werden. 

Der Autor muss sich naturgemäß etwas Zeit lassen, um die Protagonistinnen vorzustellen und das gelingt ihm recht gut, ich hatte von allen drei Damen  ein recht klares Bild vor Augen und auch wenn ihre Charakterzüge teilweise etwas übertrieben schienen, waren sie mir doch recht sympathisch. Und doch konnte mich Mrs. Potts Mordclub nicht zu 100% überzeugen, die Dialoge waren teilweise etwas sehr gewollt "lustig" Die Polizei scheint durch die Bank unfähig und die leitende Ermittlerin Dectective Sergeant Tanika Malik muss so weit gehen den Mordclub offiziell, als Berater anzuheuern, das war mir alles etwas zu weit hergeholt.

Nichtsdestotrotz bin ich gespannt, wie sich die Reihe entwickelt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ KiWi-Taschenbuch; 1. Edition (10. Februar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462001981
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462001983
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Marlow Murder Club



Freitag, 18. Februar 2022

Wenn du mir gehörst von Michael Robotham

 


Der jungen Londoner Polizistin Phil McCarthy steht eine große Karriere bevor. Bis sie zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen wird. Denn der Täter ist ein hochdekorierter Detective, der seine Geliebte Tempe schwer misshandelt hat. Als Phil diese zu schützen versucht, wird sie suspendiert. Zumindest Tempe zeigt sich dankbar: Die beiden Frauen werden enge Freundinnen, sind bald unzertrennlich. Doch allmählich wird Phil misstrauisch: Etwas an der Geschichte der jungen Frau scheint nicht zu stimmen. Ist Tempe wirklich ein unschuldiges Opfer? Spätestens, als eine erste Leiche in Phils Umfeld auftaucht, weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann.


Ich habe mich sehr gefreut als ich den neuen Robotham entdeckte, steht der Autor für mich doch als Garant für spannende und manchmal überraschende Kriminalfälle und so war natürlich auch klar das ich auch dieses Buch unbedingt lesen musste.

Das Phil Polizistin geworden ist, ist eher nicht zu erwarten gewesen, ist ihr Vater doch ein bekannter Krimineller , doch die junge Frau ist fest entschlossen ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, den Kontakt zu ihrem Vater hat sie schon lange abgebrochen und nun steht sie kurz vor einer vielversprechenden Karriere bei der Metropolitan Police in London. Als sie zu einem Fall von häuslicher Gewalt gerufen wird, der Täter ist ein hochrangiger Polizist der seine Position nutzt um alles zu vertuschen. Phil freundet sich mit dem Opfer der jungen Tempe an, die immer mehr Raum in ihrem Leben einnimmt. 

Dann geschieht ein Mord und Phil wird wegen ihres eigenmächtigen Verhaltens vom Dienst suspendiert. Bald scheint ihr nur noch ihr Vater helfen zu können. Phils Helfersyndrom wird ihr fast zum Verhängnis, sie erkennt nicht in welch ein Netz aus Lügen sie sich verstrickt und welche Rolle Tempe dabei spielt.


Für dieses Buch braucht es etwas Geduld, zu Beginn scheint sich Robotham gleich etwas zu verzetteln, er schweift immer mal wieder ab, doch wenn man durchhält und das sollte man bekommt man eine spannende Mischung aus Kriminalrom und Psychothriller, der das immer hochaktuelle Thema häuslicher Gewalt behandelt. 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Goldmann Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (20. Dezember 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 512 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442316146
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442316144
  • Originaltitel ‏ : ‎ When you are mine



Donnerstag, 17. Februar 2022

Das Zeichen von Elias Haller



Mit vom Schädel geschnittenen Gesicht wird das Mordopfer vom Täter zurückgelassen , ein schrecklicher Anblick für den Kryptologen Arne Stiller und die Kollegen. Ein an die Wand gemaltes Symbol erregt Stillers Aufmerksamkeit.

Und es bleibt nicht bei diesem einen Mord, ein Handyvideo zeigt einen weiteren Mord.

Und wieder einmal habe ich mitten in eine Reihe gegriffen, aber das hat das Lesevergnügen nicht gestört, es hat nur neugierig gemacht auf die vorigen Bücher.

Ich mag Arne Stillers Art, er ist sehr akribisch und verfolgt manchmal sogar etwas stur zu nennend die Spuren und Hinweise, die zur Aufklärung der Morde führen. Doch bis es so weit ist erwartet den Leser ein packendes Lesevergnügen, durch die Perspektivwechsel ist man immer ganz nah am Geschehen und die  Seiten der kurzen Kapitel fliegen nur so dahin. Allerdings ist Das Zeichen, nichts für schwache Nerven, der Fall ist grausam und diese Grausamkeiten spart der Autor auch nicht aus.

Manchmal darf es das für mich auch sein.

Die Charakterbeschreibungen sind Elias Haller auch sehr gut gelungen, so das ich mir Stiller mit seiner manchmal etwas nervtötende Art und den Interims Kommissariatsleiter Nathan, der sehr von sich eingenommen aber eigentlich nicht sehr fähig ist, gut vorstellen konnte.

Spannend und fesselnd, das ist mein Fazit zu
Das Zeichen

  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition M (18. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 431 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496709684
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496709681



Mittwoch, 16. Februar 2022

Meter pro Sekunde von Stine Pilgaard

 


Ein turbulentes Jahr voller Freundschaft! Ein Buch über das Finden des eigenen Tons, über die Kraft der Sprache. Kühe, Windräder und die sonderbare Welt einer Internatsschule: Eine junge Mutter zieht mit Mann und Baby nach Westjütland, ins "Land der kurzen Sätze“. Eine einfache Unterhaltung wird für sie zum Wagnis, und das Leben selbst ist auf einmal voller Hindernisse. Mutterschaft, Ehe und Fahrprüfung: alles kaum zu schaffen. Doch als sie Kummerkasten-Redakteurin bei der lokalen Zeitung wird, ändert sich ihr Leben, und der Himmel bricht auf. 


Eine junge, für die Leserinnen und Leser namenlos bleibende Frau zieht mit ihrem Mann und ihrem Baby nach Westjütland, wo ihr Freund eine Stelle als Lehrer angenommen hat. Die junge Frau hat Schwierigkeiten sich in dem kleinen Ort zu integrieren, während sie offen und gesprächig auf die Menschen zugeht, begegnen ihr die Menschen zwar mit Freundlichkeit, aber auch  mit *kurzen Sätzen* und damit kommt die junge Frau nicht wirklich zu Recht, doch die Gemeinschaft des Ortes und besonders der Schule gibt die Versuche ihr beizubringen wie sie sich am besten einfügen kann.  Es dauert bis sie wirklich in ihrer neuen Heimat ankommt.


Die junge Frau versagt regelmäßig in der Fahrschule und verschleißt einen Fahrlehrer nach dem anderen und von denen gibt es in dem kleinen Ort so einige, diese Unsicherheit beim Autofahren steht in krassem Gegensatz zu ihrer souveränen Reaktion auf die Avancen, die eine Schülerin ihrem Mann macht.
Nebenbei arbeitet sie als Kummerkastentante für die örtliche Zeitung, die Antworten, die sie ihren Lesern gibt, sind unkonventionell, manchmal etwas frech und beim ersten flüchtigen Lesen nicht gleich hilfreich, aber schaut man genauer hin, kann man nicht umhin ihr recht zu geben. Die Leserbriefe und ihre Antworten haben mir an dem Buch am besten gefallen. 

In Dänemark war *Meter pro Sekunde* laut Klappentext der erfolgreichste Roman der letzte Jahre, mir hat das Buch zwar auch recht gut gefallen, weil ich versucht habe mich in die Situation der Protagonistin einzufühlen und mir das meiner Meinung auch einigermaßen gelungen ist, aber so ganz nachvollziehen konnte ich das nicht. Vielleicht nimmt man dieses Buch einfach so hin wie es ist, keine Geschichte mit einem roten Faden, sondern Episoden aus dem Leben einer jungen Frau, die nicht nur in ihrer neuen Heimat, sondern auch in ihrem Leben erst noch ankommen muss.
Sprachlich ist das Buch ein Vergnügen, da gab es keine Einschränkungen, thematisch ist es etwas schwierig.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin; 1. Edition (16. Februar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 253 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985680116
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985680115
  • Originaltitel ‏ : ‎ Meter i sekundet


Samstag, 12. Februar 2022

Serengeti wird sterben von Klaus Heimann



Als Danny Amtmann den Auftrag erhält, in Tansania nach korrupten Beamten zu suchen, die es ermöglichen, im Serengeti Nationalpark Elefantenjagden  zu veranstalten, glaubt er noch den Beteuerungen des Anwalts von Eberfels, dass dieser mithilfe seiner Kontakte diese Beamten aus ihren Ämtern  entfernen kann. Als Tourist getarnt nimmt Danny an einer Safari in den Nationalpark teil und erliegt der Schönheit der Natur. Dannys unruhiger Geist beruhigt sich beim Blick über den Park, auch das konnte ich nachvollziehen, so geht es mir, wenn ich auf ein Meer blicken kann. 

Danny gibt sich das Versprechen, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Tiere im Park zu schützen. Bei seinen Recherchen kommt er den Machenschaften des Jagdclubs Deutsch-Ostafrika auf die Spur.

Der Titel erinnert sicher nicht unbeabsichtigt an den Dokumentarfilm Serengeti darf nicht sterben von Michael Grzimek und seinem Vater Bernhard und ich hatte gleich die passenden Bilder zu  Dannys Gedanken im Kopf.

Klaus Heimanns neustes Werk ist nicht nur ein spannender Krimi, allein der Krimianteil, der immer im Vordergrund bleibt, macht dieses Buch wieder sehr lesenswert.
Das Buch ist auch ein Plädoyer für den Naturschutz, allein der Gedanke daran, dass es immer noch Menschen gibt, die es für ihr Recht halten, Tiere nur zum Spaß töten zu dürfen, macht mich wütend und traurig zugleich. Und es erzählt auch vom Leben der Massai von ihren Traditionen und ihrer Lebensweise und auch ihren Nöten. Diese Informationen sind  perfekt mit der fiktiven Handlung verbunden.
Ich mag es sehr, wenn ich nicht nur unterhalten werde, sondern ganz nebenbei auch noch etwas lerne oder mir wie in diesem Fall etwas, was ich schon fast vergessen hatte wieder in meine Erinnerung gerufen wird.

Serengeti wird sterben 
bekommt von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ edition oberkassel; Originalausgabe 2022 Edition (16. März 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 350 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958132588
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958132580





Mittwoch, 9. Februar 2022

Frost von Ragnar Jónasson

 


Ein altes Sanatorium. Ein entschlossener Ermittler. Ein ungelöstes Rätsel: Die Fortsetzung der großen HULDA-Trilogie von Ragnar Jónasson, in der der junge Kommissar Helgi Reykdal in den Fokus rückt - jener junge Mann, für den Kommissarin Hulda Hermannsdóttir in »DUNKEL« ihren Schreibtisch räumen musste. Helgi untersucht eines der größten Rätsel der isländischen Kriminalgeschichte, einen Cold Case: die Todesfälle im Tuberkulose-Sanatorium. 1983 waren dort, im eisigen Norden Islands, eine Krankenschwester und der Chefarzt umgekommen. Was ist 1983 wirklich geschehen? Und wurde die damalige Ermittlerin Hulda zum Schweigen gebracht?


Helgi Rykdal möchte für seine Abschlussarbeit in Kriminologie Zeitzeugen des Mordes  an einer Krankenschwester und den Selbstmord eines Chefarztes, interviewen. Für die Zeit nach seinem Studium wurde ihm schon die Stelle eines Mordermittlers angeboten, doch Helgi ist sich nicht ganz sicher , wo er seine Zukunft sieht, sein schwieriges Privatleben macht ihm die Entscheidung nicht einfacher. Als allerdings eine ehemalige Krankenschwester des Sanatoriums ermordet wird, setzt Helgi alles daran, den Mord aufzuklären. 

Ich  war etwas erstaunt, dass die Ermittlerin Hulda im vorliegenden Buch so gut wie gar nicht vorkommt, dem Klappentext nach hatte ich erwartet, dass sie eine tragende Rolle spielen würde. Während des Lesens erwartete ich immer, dass sie präsenter wird. Doch im Nachhinein muss ich sagen, das ich auf komplett auf Hulda als aktive Protagonistin hätte verzichten können. Die Rolle, die sie als Ermittlerin im Jahr 1983 gespielt hat, wurde gut erzählt und das hätte mir gereicht, vor allem da ich die Hulda Reihe des Autors nicht kenne.

Normalerweise mag ich Krimis und überhaupt Bücher deren Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen spielen sehr, hier kam der Wechsel allerdings immer etwas abrupt, kaum hatte ich mich eingelesen wechselt der Autor wieder zurück. 

Alles in allem war der Krimi recht unterhaltsam, nicht das ganz große Kino, aber gut für zwischendurch.

  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442759315
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442759316
  • Originaltitel ‏ : ‎ Hvítidauði