Donnerstag, 29. Juli 2021

Schürze, Speck und La Famiglia von Viola Eigenbrodt

 


Ihren Urlaub im Sehnsuchtsort Südtirol hat sich Rechtsanwältin Silke Baum auch anders vorgestellt: Statt bei einem Ausflug das traumhafte Panorama zu genießen, findet sie eine zerstückelte Leiche.


Die Meraner Carabinieri sind so ratlos wie die Kriminalpolizei. Wer ist das Opfer? Warum wurde der Mann nicht als vermisst gemeldet? Und wie konnte jemand an einem gut besuchten Aussichtspunkt unbemerkt Leichenteile vergraben? Eine Freundin der Carabiniera Patti Mayrhofer erkennt den Toten auf einem Foto.
Doch es bleiben Fragen: Was wurde dem Sonderling zum Verhängnis? Sein Verhalten, sein Ehrgeiz oder sein Nebenjob? Was verschweigt Fernsehmoderatorin Michaela Gruber? Und was verbergen eigentlich die Carabinieri vor ihrem Chef?

Der Fund ihres Hundes verdirbt der Rechtsanwältin Silke den wunderschönen Urlaubstag, die zerstückelte Leiche ist nicht der Anblick den sie  am Aussichtspunkt Knottnkino erwartete.

Wie schon bei den vorigen Bücher entführt uns Viola Eigenbrodt,  auch diesmal wieder in Zusammenarbeit mit Tobias Reimann, in die wunderschöne Meraner Landschaft und sie beweisen gleich zu Beginn ihr Händchen für Charakterbeschreibungen, man ahnt, als Leser gleich, mit wem man es zu tun hat und wie die Person einzuschätzen ist, wie die neue Kollegin Franco Marinis, die Carabiniera Patti Mayrhofer, die Franco erst am Tatort kennenlernt.
Franco leidet etwas unter seinem Alter in diesem Band und darunter das seine Mitarbeiter irgendetwas vor ihm verbergen, das sorgt beim Lesen für den einen oder anderen humorvollen Moment.
Die Ermittlungen beginnen schleppend, es dauert bis die Identität des Opfers geklärt ist und erste Spuren führen in die Gourmetküchen Merans. 

Schürze, Speck und La Famiglia ist ein Gemeinschaftsprojekt des Autorenduos Viola Eigenbrodt und Tobias Reimann und bereits der dritte Fall Franco Marinis und der dritte den ich bisher gelesen habe. Sie können alle eigenständig gelesen werden, allerdings macht es auch Spaß die Protagonisten nach und nach kennenzulernen.
Das Autorenduo hat es geschafft dieses immer aktuelle Thema in eine spannende und hochinteressante Krimihandlung einzubetten.

  • ASIN ‏ : ‎ B098GTZVBG
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (1. Juli 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8529805084



Montag, 26. Juli 2021

Nachttod von Johanna Mo

 


Hanna Duncker ist zurück auf Öland. Hier in ihrer Heimat kennt man sie nur als die Tochter von Lars Duncker, dem Mann, der vor sechzehn Jahren einen grausamen Mord beging. Inzwischen ist Hanna diejenige, die Verbrecher jagt. Ihr erster Fall auf Öland: Ein toter Teenager, mitten in der Nacht erstochen an einem beliebten Ausflugsziel. Und niemand kennt seine Mutter besser als Hanna. Die Ermittlungen werden für Hanna zu einer Abrechnung mit ihrer eigenen Jugend, und Nachforschungen im Fall ihres Vaters reißen alte Wunden auf. Nicht alle sind froh darüber, dass die Tochter von Lars Duncker zurückgekehrt ist.


Der erste Fall, mit dem Hanna Duncker nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat konfrontiert wird, ist besonders tragisch, das Opfer ist Joel Forslund, der Sohn ihrer ehemals besten Freundin, zu der sie den Kontakt nach ihrem Weggang vollkommen verlor. Kontakte in ihr Heimatdorf hat Hanna aber auch zu niemandem sonst aufrechterhalten, so wie es ihr jetzt auch schwerfällt mit ihren neuen Kollegen auf eine normale Art umzugehen, die Ereignisse, die zu ihrem Weggang führten, lasten zu schwer auf der jungen Frau. 
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Erik ermittelt Hanna in Joels näherem Umfeld und kommt dabei einem Geheimnis des Jungen auf die Spur, das wohl ein Motiv sein könnte, doch an Motiven mangelt es nicht und so rätseln nicht nur Hanna und Erik, auch als Leser folgt man so manch falscher Spur.

Nachttod ist der erste Teil einer neuen Reihe der Autorin Johanna Mo und so ist es verständlich, dass die Charaktere die auch in den weiteren Teilen eine große Rolle spielen werden ausführlich vorgestellt werden. Was bei Erik auch gut gelingt, der erfahrene, etwas redselige Ermittler, macht einen sehr sympathischen Eindruck, er bemüht sich sehr ein freundschaftliches Verhältnis zu Hanna aufzubauen, was der gemeinsamen Arbeit nur zugutekommen könnte.
Ganz im Gegensatz zu Hanna, die so gut wie alles abblockt, was mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, auf Fragen nach ihrer Familie reagiert sie distanziert, um nicht zu sagen, äußerst unfreundlich und stößt damit auch Menschen, die ihr wohlgesonnen sind vor den Kopf. Als die erfahrene Ermittlerin, als die sie uns vorgestellt wurde, sollte sie es besser wissen und sie sollte ihre Gefühle etwas besser im Griff haben. 
Ich musste während des Lesens ausblenden, dass ich Hanna eigentlich nicht mag, zum Glück ändert sich das noch während des Lesens, um mich komplett auf den Mord und dessen Aufklärung konzentrieren zu können. Und diese Auflösung ist wirklich gut gelungen, absolut unerwartet und schlüssig, versöhnt sie mit ein paar kleinen Längen. 

Alles in allem ist Nachttod wirklich lesenswert.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (5. Juli 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 496 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453425804
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453425804
  • Originaltitel ‏ : ‎ Nattsångaren

Donnerstag, 22. Juli 2021

Herzschlag des Bösen von Matthias Soeder (Teil 1)

 


Du glaubst, die große Liebe gefunden zu haben. Du hast keine Ahnung, dass du von einem bestialischen Serienmörder gejagt wirst. Du weißt nicht, dass er etwas mit dir vorhat. Und das ist abgrundtief böse … Der hochintelligente Psychopath Igor Poljakow ist ein Meister der Tarnung. Er hört jedes deiner Worte, sieht jede Bewegung. Wie ein unsichtbarer Geist ist er immer bei dir. Im blindwütigen Hass wird die Rache zu seinem Lebensinhalt. Während der Jagd kommt er dir so nahe, wie noch keinem seiner Opfer zuvor. Erbarmungslos zeigt der Thriller einen schockierenden Blick in die dunkle Seele des Wahnsinns.

Die Journalistin Hanna gerät gemeinsam mit ihrem Fotografen Robert in die Fänge nigerianischer Rebellen, während Robert getötet wird, überlebt Hanna die Gefangenschaft nach schwersten Misshandlungen nur knapp. Nach ihrer Rückkehr nach Frankfurt lernt sie den Piloten Jens Bachmann kennen und lieben, die Beziehung hilft ihr über das erlebte hinwegzukommen.

Zeitgleich lernen wir  Igor kennen, einen Meister der Verwandlung, hochintelligent und vollkommen gestört. Seine Gewaltfantasien lebt er als Auftragskiller aus und wenn das nicht reicht, um Druck abzubauen tötet und foltert er auch zum Privatvergnügen. 
Igor leidet unter der Wahnvorstellung die Inkarnation eines kleinen gefolterten Jungen aus der Zeit der Hexenverfolgung zu sein, in seinen Träumen durchleidet er die Hölle und er hat sich zum Ziel gesetzt seinen Peiniger zu finden und Rache zu üben.

Ausnahmsweise bekommt ihr eine Triggerwarnung von mir. Der Autor Matthias Soeder spart nicht an detaillierten Gewaltbeschreibungen, manche Szenen werden für den einen oder anderen unter den Lesern  kaum zu ertragen sein.

Der Autor schafft von Beginn an eine beklemmende Atmosphäre, aus Angst und Gewalt, dabei kommt aber der Spannungsbogen nicht zu kurz, in manchen Storys verliert sich die Spannung bei zu vielen Gewaltdarstellungen, hier ist das nicht so. Dadurch das  Matthias Soeder einige Handlungsstränge nach und nach miteinander verknüpft, bekommt man als Leser eine Art Verschnaufpause, Zeit zum Durchatmen und um sich vorzubereiten, auf den nächsten Schockmoment.
Nicht nur Igor spielt ein Katz und Mausspiel mit seinen Gegenspielern, der Autor lockte mich immer wieder auf eine falsche Fährte und ich bin mir immer noch nicht sicher welche meiner Vermutungen denn nun der Wahrheit entsprechen und um das herauszufinden werde ich den 2. Teil lesen müssen, aber darauf freue ich mich schon, auch wenn der Cliffhanger am Ende des 1. Teils schon ziemlich böse war. 
Mein erster Gedanke als ich das Buch auspackte war: Das ist aber dünn. Nun weiß ich warum ;o))

  • Herausgeber ‏ : ‎ MainBook; 1. Edition (7. Juli 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 270 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948987076
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948987077





Mittwoch, 21. Juli 2021

Der Fluch der Dunkelgräfin von Simona Turini

 


Geister, Dämonen, finstere Götter – das gibt es doch alles nicht! Oder doch?

Turini erzählt von unglücklichen Menschen, Häusern, die zum Gefängnis werden, misslungenen Fluchten und schrumpfenden Herzen. Neun Geschichten aus dem Grenzgebiet zwischen Wahnsinn und Wahrheit.


Melissa - Ein Verhörprotokoll
Da war ich ja erst ein bisschen skeptisch. Geschichten die in Gesprächsform geschrieben sind, sind eigentlich nicht mein Fall, aber je mehr ich las, desto gefesselter war ich von der Story.
Nach einem Brand werden die Überreste von mindestens einem Dutzend Kleinkindern gefunden, nach und nach kristallisiert sich aus dem Gespräch zwischen dem Ermittler und einer ehemaligen Pflegehelferin heraus das es um weit mehr geht als um Grausamkeit den Opfern gegenüber, es geht auch darum wie weit *Liebe* einen Menschen treiben kann.


Siechtum
Eine Kurzgeschichte die den Namen auch verdient. 3 Seiten die alles enthalten, was eine komplette Story braucht. Ich erzähle euch nichts über den Inhalt, nur soviel, sie ist nah an der Realität, aber nicht zu nah und ein klein wenig Böse.


Der Fluch der Dunkelgräfin
Die namensgebende Geschichte, die Geschichte der Frau am Fenster, die auf dem wunderbaren Cover abgebildet ist, gehört zu meinen Lieblingsstorys. Eine junge Frau wird von einem, dem Leser unbekannten Mann, gefangengehalten. Sie lebt schon immer dort und die Erinnerungen an eine glückliche Kindheit verblassen mehr und mehr. Der Mann ist nicht die einzige Bedrohung, ein Fremder lauert im Hintergrund darauf das sich der Fluch der Dunkelgräfin erfüllt.


Ab ins Grüne
Anna Bäumer war eine empfindsame Frau.
So beginnt die vierte Kurzgeschichte und liest man ihre Beschreibung, erkennt man es auch sofort, sie hat Schwierigkeiten im Zusammenleben mit anderen Menschen, nur zwischen ihren Pflanzen fühlt sie sich wohl, bis sie einen Artikel in einer Wissenschaftszeitschrift liest.
Das, was dann geschieht, kommt davon, wenn man unreflektiert glaubt, was man liest oder vielleicht ist sie doch noch viel empfindsamer als gedacht?


Zombierkalypse
Orte an denen man Schutz suchen kann oder auch nicht.
Ich liebe Zombiegeschichten und wenn sie noch eine kleine Ratgeberfunktion haben um so besser, ich weiß jetzt also wo ich am besten die Apokalypse verbringen würde, allerdings hat jedes Versteck seine Vor- und Nachteile. Aber irgendwas ist ja immer.


Kronos
Die Entdeckung eines Planeten treibt einen Apotheker in den Wahnsinn er ist fest davon überzeugt, dass der Himmelskörper der sich auf die Erde zubewegt Kronos persönlich ist.


Emmi
Auch hier ist wieder einmal nicht ganz klar, was Wahn und was Wirklichkeit ist. Ein Dienstmädchen verehrt die Tochter seiner Herrschaft und will sie aus den Fängen eines Fremden befreien, der diese des Nachts besucht. Doch damit löst sie eine Katastrophe aus.


Trip
Ich sags ja schon immer Drogen sind gefährlich. Schlechter Trip oder eine sensiblere Wahrnehmung durch den Konsum von Bewusstseinserweiternden Substanzen? So ganz einzuordnen sind die Erlebnisse des Protagonisten nicht.


Der lange Weg nach Hause
Durch einen unglücklichen Zufall landet ein Außerirdischer auf der Erde und um wieder nach Hause zu kommen, muss er sich der Menschen bedienen und das geht für diese nicht immer gut aus.
Mit 70 Seiten ist diese Geschichte für meinen Geschmack etwas zu lang um noch als Kurzgeschichte durchzugehen, aber das ist jammern auf hohem Niveau. Sie braucht auch die Länge um ihr ganzes Potenzial zu entfalten, am Ende mochte ich sie.


Wenn die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen befinden wir uns mitten in unserer eigenen Fantasie, wir bestimmen welchen Weg sie geht. Ist der Protagonist in den Storys einfach nur verrückt oder ist die Heimsuchung real? Die Autorin Simona Turini lässt uns die Wahl.


Viel zu selten werden die Coverdesigner erwähnt, auch von mir, ich gebe es zu. Meist sind es eben hübsche oder weniger hübsche Bilder auf den Büchern. Es gibt aber auch Ausnahmen und diese Ausnahmen tragen dazu bei, das ich ein Buch in die Hand nehme. So wie die Bücher deren Cover von Mark Freier gestaltet wurden.






Der Fluch der Dunkelgräfin ist absolut lesenswert.
  • Herausgeber ‏ : ‎ Amrûn Verlag; 1. Edition (4. Mai 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 232 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958693989
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958693982









Dienstag, 20. Juli 2021

Auf Sendung von Lea Baumgart (Zombie Zone Germany)

 


2022. Sam und Nikki haben Glück gehabt. Sie leben immer noch. In einem Deutschland, das zu weiten Teilen untot ist. Aber es schleicht sich immer häufiger die Frage ein, ob die Welt sie vergessen hat. Thorsten Neuhaus macht Nachrichten. Zumindest war das sein Job, bevor die Zombies das Land übernahmen. Und er hat nicht vor, damit aufzuhören. 

In einem Grenznahen Dorf abgeschottet vom Rest der Welt leben Sam und Nikki mit weiteren Überlebenden der Zombie Apokalypse, ein relativ sicheres Leben. Die Grenze wird von Soldaten bewacht, die auf alles schießen, was sich auf die Grenze zu bewegt unabhängig davon, ob es sich um Tote oder Lebende handelt. 

Sam ist nach eigener Aussage, ein eher unsportlicher, bequemer, Feigling, der während des Studiums noch zu Hause wohnte, um ja keinem Nebenjob nachgehen zu müssen. Doch die Zeit hat ihn gelehrt, sich zu verteidigen. Kurioserweise betreibt Sam einen Blog, auf dem er berichtet, was in Deutschland vor sich geht, durch die Grenznähe hat er einen Internetzugang und seine Fotos gehen um die ganze Welt. Likes sind das, was er will, je spektakulärer das Foto, desto besser, dass wenigstens hat sich auch in der Apokalypse nicht geändert.

Der Journalist Thorsten Neuhaus hingegen, reist durch das untote Land um Nachrichten zu machen, er will den Rest der Welt darüber informieren was in Deutschland vor sich geht und das es immer noch Menschen, gibt die, auf Hilfe hoffen. 

Denn immer häufiger stellt sich die Frage: Hat die Welt uns vergessen oder ignoriert sie uns?

Viel mehr will ich euch vom Inhalt nicht verraten.




In der Zombie-Zone Germany Reihe sind bisher neun Einzelnovellen und zwei Anthologien erschienen und ich habe sie alle gelesen, die Storys reichen von blutig und brutal, bis nachdenklich und  humorvoll, es spritzen also nicht in jeder Geschichte Blut und Gehirne durch die Gegend und das macht die Reihe so interessant und abwechslungsreich. 

Auf Sendung vereint Humor,  wohldosiert, Blut und Gedärm und auch nachdenklich machende Aspekte zu einer interessanten und spannenden Story, die allerdings ein offenes Ende hat, ich weiß nicht so recht, ob mir das gefällt, es gibt einige Möglichkeiten wie es weitergehen könnte.


Herausgeber ‏ : ‎ Amrun Verlag; 1. Edition (12. November 2020)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Taschenbuch ‏ : ‎ 130 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3958693962
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958693968



Montag, 19. Juli 2021

Angstrichter von Lars Schütz

 


Nürnberg wird von einem grausigen Mord erschüttert: An den Stadttoren hängen die viergeteilten Körperteile einer Leiche. Noch ehe die Identität des Opfers festgestellt werden kann, taucht im Internet ein Livestream auf: In einem Gewölbe kauert eine Person, gefesselt und mit einer schwarzen Kapuze verhüllt, hinter ihr schärft ein Scharfrichter seine Axt.

Für die Profiler Jan Grall und Rabea Wyler beginnt die Jagd nach einem Killer, der sich als Richter über seine Opfer erhebt. Und der bald auch sie im Visier hat …

Da habe ich ganz ans Ende einer Reihe gegriffen, der Angstrichter von Lars Schütz ist der 4. Band einer Reihe um die Profiler Jan Grall und Rabea Wyler. Ich kann aber gleich vorwegsagen, das ich nichts  vermisst habe. Alle relevanten Informationen sind gut in die Story eingebettet.

Jan Grall ist eigentlich vollkommen ausgelastet, als privater Fallanalytiker übernimmt, er Fälle, für die sonst niemand zuständig ist, als die Geschichtsprofessorin Ellen Grafenberg ihn aufsucht und um Hilfe bittet, der Tote in Nürnberg war einer ihrer Gaststudenten. Grall übernimmt den Fall, nicht nur, weil fasziniert ist, von der Brutalität mit der der Täter vorgeht, Ellen und er kennen sich flüchtig aus der gemeinsamen Studienzeit. Kurzerhand stellt er einen Assistenten ein, der in seiner Abwesenheit das Büro  hüten soll und Rabea, die mittlerweile in der Schweiz lebt um Unterstützung. 

Auf nur 340 Seiten bringt der Autor alles unter, was ein guter Thriller braucht, einen Killer der nicht durch seine perfiden und brutalen Morde glänzt, sondern  auch durch Intelligenz, er scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus. Das Ermittlerteam bleibt fast immer ruhig und besonnen, was nicht ausschließt, dass sie auch Fehler begehen. Ich mag das sehr, sie sind nicht die unfehlbaren Helden die auf Anhieb wissen, wie jeder tickt und auch nicht die Deppen die nur durch einen glücklichen Zufall den Mörder fangen. 

Ich mag auch den Schreibstil des Autors, er schreibt in kurzen, knappen Sätzen, schnörkellos und trotzdem lässt er nichts aus, vor allem hat er wo es darauf ankommt eine Atmosphäre erschaffen, die dazu geeignet ist Gänsehaut zu erzeugen.
Einige überraschende Wendungen hielten die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht. Angstrichter ist ein lesenswerter Thriller, den ich gern weiterempfehle.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch; 1. Edition (28. Juni 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548062008
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548062006

Sonntag, 11. Juli 2021

Gastrezension: Im Schatten der Krone - Die Grafen von Lenzburg- von Dorothe Zürcher

Heute habe ich eine Gastrezension für Euch, die von Petra Berger vom Blog Kleine Fluchten verfasst wurde.


Ich beginne die Rezension mit einem Zitat von Seite eins: » Als Witwe darf ich mich nicht mehr vermählen«, erklärte Richenza spitz. Ein Kaiser hatte die Witwenheirat verboten, das wusste sie von ihrer Mutter.
   
»Ich handelte mit Graf Arnold aus, dass du keine richtige Witwe bist«, antworte er. Da du vom Nellenburger keine Frucht getragen hast ist eure vielleicht gar nie ausgeübt worden«.

So beginnt die Geschichte der Richenza, die im Alter von 19 Jahren mit Ulrich von Lenceburg verheiratet wird. Es ist ihre zweite Zwangsheirat und nachdem die erste sehr unglücklich und brutal verlaufen ist, erhofft sie sich von der zweiten Ehe keine Besserung. Ulrich von Lenceburg sollte ursprünglich Bischoff werden, wird aber von seinem Bruder, dem Grafen von Lenceburg, aus dem Kloster geholt und verheiratet. Ulrich ist um einiges jünger als seine zukünftige Frau aber im 11. Jahrhundert galt man mit 14 Jahren schon durchaus als Mann. 
Nach einer sehr zögerlichen Annäherung kommen sich die zwei sehr unterschiedlichen Eheleute näher. Sie gehen respektvoll miteinander um und es keimt sogar Zuneigung auf. Ulrich von Lenceburg ist ein aufrechter Mann, der König Heinrich IV. treu zu Seite steht. Und obwohl Richenza keine Gräfin ist, schaltet und waltet sie auf der Lenzburg bald nach eigenem Gutdünken.
 
Kommentar: 
Dies ist ein Buch, das nicht in mein übliches Genre passt. Aber ich habe von Dorothe Zürcher mittlerweile vier Bücher aus sehr unterschiedlichen Genre gelesen und ihre Art eine Geschichte zu erzählen fasziniert mich immer wieder. 
Das 11. Jahrhundert ist eine Zeit des Umbruchs. Während Kirche und Papst immer mehr an Einfluss gewinnen, spielt auch der Aberglaube noch eine große Rolle. (Seite 228 …dunkle Wälder, Hort von Kobolden und Geistern...)    
Die Autorin hat wunderbar recherchiert und sich zwei Personen als Charaktere ausgesucht, die für ihre Zeit sicher außergewöhnlich waren. 
Persönliche Belange und Wünsche spielen in dieser Zeit keine Rolle. Kinder sind politische Werkzeuge, die gewinnbringend verschachert werden. Egal ob Junge oder Mädchen. Jeder muss seinen Beitrag leisten, um das Haus zu stärken und der Familie Gewinn  zu bringen. 
Als Richenza auf der Lenceburg ankommt, empfindet sie sofort eine heftige Abneigung gegen den Grafen Arnold,  Ulrichs Bruder. Dieser hat nie geheiratet und er überlässt seiner Schwägerin nach und nach den Haushalt. Die Burg blüht auf, denn Richenza regiert zwar mit harter Hand aber auch gerecht. Ulrich versteht die Abneigung zwischen seinem Bruder und seiner Frau nicht. Bis zum Tode von Arnold bleibt er ahnungslos. Erst als sein Erstgeborener, ebenfalls Arnold mit Namen, die gleichen Anzeichen wie sein Onkel zeigt, klärt Richenza ihren Gatten auf. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass, trotz aller religiösen und politischen Belange, Eltern sehr viel Liebe für ihre Kinder empfinden können und sich um ihr Wohl sorgen. 
Mir hat es besonders gefallen, wie die Autorin auf die kleinen Alltäglichkeiten eingeht, die man im Schulunterricht nicht erfährt. Solche Dinge wie, dass man in der Fastenzeit Biber essen darf, weil er im Wasser lebt und somit zu den Wassertieren wie Fisch gezählt wird. 
Auch die Diskrepanz zwischen Aberglaube und Glaube ist erstaunlich. Richenza geht zum Kaplan der Burg um ihn zu bitten, den Burgbewohnern die Beichte abzunehmen und Absolution zu erteilen und während des Gesprächs denkt sie schon darüber nach, dass sie zur Zauberin gehen muss um Schutzamulette gegen den bösen Blick zu bestellen. 
Die Geschichte umfasst über 30 Jahre und spiegelt sowohl das gesellschaftliche als auch das politische Bild der damaligen Zeit wieder. König Heinrich IV. ist uns hauptsächlich durch den »Gang nach Canossa« bekannt. Während er beim Papst weilt und Abbitte leistet, wird in der Heimat ein Gegenkönig ernannt und Ulrich muss sich entscheiden, für welche Seite er sich entscheidet. Niemand weiß, ob Heinrich Absolution gewährt wird, jede Entscheidung kann die falsche sein. Doch Ulrich ist ehrlich und treu, er zweifelt keine Sekunde an seiner Entscheidung, auch wenn er weiß, dass Richenza diese kaum akzeptieren kann. 
Dorothe Zürcher erzählt die Lebensgeschichte der beiden Charaktere sehr eindringlich und intensiv, ihre Art Sprache vermittelt ein genaues Bild der damaligen Zeit, man ist als Leser mittendrin. Die Eheleute haben vier gemeinsame Kinder und Ulrich zeugt noch einen Bastard, der auf der Burg lebt. Eheliche Treu galt damals bei den Männern wenig, wenn aber eine Ehefrau der Untreue verdächtigte wurde, konnte man sie verstoßen. 
Am Ende des Buches hat die Autorin noch eine Zeittafel und ein Verzeichnis der Orte und Personen hinzugefügt, das ichzum Schluß des Romans ebenfalls gelesen habe. Die Geschichte spielt teilweise hier in meinem Umland und einige Städte waren mir durchaus ein Begriff. Viele der Burgen und Klöster sind heute noch erhalten und zu besichtigen, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ich habe einige der erwähnten Orte nachgeschlagen, weil ich durch die bildhaften Beschreibungen sehr neugierig wurde, was aus den genannten Burgen und Klöstern wurde. Also durchaus auch ein lehrreiches Buch.
 
Fazit: 
Ein faszinierender, sehr gut recherchierter Roman, der zu fesseln weiß. Ich hätte gerne ein paar Seiten mehr gelesen, weil zum Ende hin doch einiges zu schnell abgehandelt wurde. Gerade weil das Buch sehr intensiv und langsam begann, viel mir das als Leserin zum Ende hin etwas auf. Aber es spricht ja für die Autorin, wenn man noch mehr von ihr lesen möchte. 
Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar und freue mich auf weitere Bücher von Dorothe Zürcher.
 
Titel: Im Schatten der Krone – die Grafen von Lenzburg 
Autorin: Dorothe Zürcher 
Verlag: ILV , TB, 345 Seiten 

ISBN: 9783907237342 

Sonntag, 4. Juli 2021

Tiefer Fjord von Ruth Lillegraven

 


Ein kleiner Junge wird bewusstlos in eine Klinik in Oslo eingeliefert, er stirbt kurz darauf an den Folgen seiner Verletzungen. Der diensthabende Arzt Haavard ist überzeugt, dass der Junge misshandelt wurde. Bevor die Polizei die Eltern, pakistanische Einwanderer, vernehmen kann, wird der Vater des Jungen erschossen aufgefunden. Im Gebetsraum der Klinik. Ein Mord aus Fremdenhass?

Haavards Frau Clara ist geschockt, als sie von den Ereignissen erfährt. Schon lange kämpft die Politikerin für ein neues Gesetz, das misshandelten Kindern früher helfen soll. Bisher war ihr Kampf vergebens.
Kurz darauf wird eine iranischstämmige Frau ermordet und ausgerechnet Haavard gerät ins Visier der Ermittler. Clara muss ihn entlasten, um politisch weiter tragbar zu sein. Dabei weiß sie überhaupt nicht, wo ihr Mann zu den Tatzeiten war. Doch Haavard ahnt nichts von Claras dunkler Vergangenheit ...


Der kleine Faisal, wird bewusstlos von seinem Vater in die Notaufnahme gebracht, er sei vom Baum gefallen behauptet dieser, doch seine Verletzungen sprechen eine andere Sprache, sie erzählen von schweren körperlicher Misshandlungen. Noch bevor der behandelnde Arzt Haavard die Behörden informieren kann, wird Faisals Vater im Gebetsraum der Klinik erschossen.
Haarvards Frau Clara ist entsetzt als sie von dem Vorfall hört, sie kämpft schon lange für ein Gesetz, das es den Behörden erlaubt, bei Kindesmisshandlungen früher einzugreifen.

Über lange Strecken ist Tiefer Fjord ein ganz normaler, skandinavischer Krimi, spannend aber eben normal.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so erfahren wir das Haavard seine Frau für Gefühlskalt und Karriere süchtig hält, während er sich, so mein Eindruck, für einen unverstanden und dabei doch so verständnisvollen Mann hält, dessen berufliches Ziel nicht eine beeindruckende Karriere ist, Haarvard hält sich für einen Arzt der nur das Ziel, hat den, hilflosen beizustehen und sich aufopferungsvoll um seine Kinder kümmert. Da es in seiner Ehe an Liebe und Zuneigung mangelt, beginnt er ein Verhältnis. Als ein weiterer Mord an einer Frau mit Migrationshintergrund begangen wird, bei dem Haarvard sich ebenfalls in der Nähe aufhält, gerät er unter Verdacht.

Claras Geschichte ist vielschichtiger, aufgewachsen mit einer psychisch kranken Mutter und einem überforderten Vater, übernimmt sie schon früh Verantwortung für ihren kleinen Bruder Lars. Bis dieser in der Obhut des Stiefvaters und der kranken Mutter stirbt. Ein Unfall so heißt es. Clara will unbedingt etwas für die misshandelten Kinder tun doch sie scheitert mit ihrer Gesetzesvorlage.
Clara sagt von sich selbst, dass sie ihre Kinder liebt und das tut sie augenscheinlich auch, aber sie kann nicht all zu viel Nähe zulassen, weder zu ihrem Mann noch zu den Kindern.
Die Gründe dafür liegen wie so oft weit in der Vergangenheit, nach und nach beginnt man sie zu verstehen.

Ich dachte schon früh den Mörder zu kennen, ich war mir ganz sicher, es schien mir nur noch eine Frage der Zeit, wann er oder sie entlarvt wird und mir stellte sich die Frage, was kommt denn da jetzt noch, wie will die Autorin ihre Leser beim Buch halten, wie sie davon abhalten die letzten Seiten zu lesen, um eine Bestätigung zu bekommen? Als routinierte Krimi Leserin zähle ich ja schließlich eins und eins zusammen, dumm nur das bei meiner Rechnung diesmal 3 rauskam. 😉  Es gibt sie also noch, die Krimis die überraschen können. 

Ruth Lillegraven veröffentlichte bisher Gedichtbände und Kinderbücher und dankenswerterweise hat sie die Feinheit der Sprache eines Gedichts auch in ihr Krimidebüt übernommen, sie verzichtet fast komplett auf Schimpfworte, wenn sie sie einsetzt, dann um wirklich die Situation zu unterstreichen oder den Charakter eines Protagonisten.

Ich vergebe für Tiefer Fjord eine Leseempfehlung, man muss allerdings bedenken, das es sich hier um den Auftakt einer Trilogie handelt und die Autorin noch nicht alle Geheimnisse preisgibt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ List Hardcover; 1. Edition (28. Juni 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3471360417
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3471360415
  • Originaltitel ‏ : ‎ Alt er mitt




Samstag, 3. Juli 2021

Saint X von Alexis Schaitkin

 


Claire ist die kleine blasse Schwester, die ihre zehn Jahre ältere Schwester abgöttisch bewundert. Während eines Karibikurlaubs der Familie verschwindet ihre Schwester. Der dramatische Vorfall bestimmt Claires Leben. Auch als Erwachsene hört sie nie auf, nach der Wahrheit zu suchen. Da begegnet ihr ein Mann, der damals mit ihnen auf der Insel Saint X war.

Sommer, Sonne, Strand, blauer Himmel, Inselfeeling, einfach die  Zeit genießen und den Alltag hinter sich lassen, dafür steht die Karibikinsel Saint X.Auf dieser Insel macht auch Claire mit ihrer älteren Schwester Alison und den Eltern Urlaub. Alles scheint perfekt zu sein, die Autorin schafft es diese Urlaubsatmosphäre in Worte zu fassen, diese Leichtigkeit der Tage, die oberflächlich betrachtet durch nichts getrübt werden kann, schaut man allerdings genauer hin, sind da diese kleinen, dunklen Flecken, die das Idyll trüben.
Alexis Schaitkin macht gleich auf den ersten Seiten unmissverständlich, aber auf subtile Weise klar, das es Licht ohne Schatten nicht gibt.
Und dann geschieht das unvorstellbare, die 17-jährige Alison wird Tod in einer Lagune auf einer Nachbarinsel aufgefunden.
Während die Eltern am Boden zerstört sind, kann die kleine Claire, das unbegreifliche nicht wirklich verstehen. Die örtlichen Behörden legen den Fall bald zu den Akten und für Claire und ihre Eltern muss das Leben irgendwie weitergehen. Sie ziehen von New York nach Pasadena, um die Vergangenheit so weit wie möglich hinter sich zu lassen. Doch den drängenden Fragen nach dem Warum und nach dem Wie, lassen Claire, die sich 10 Jahre nach Saint X Emily nennt, nicht los.
Als sie in einem Taxifahrer einen ehemaligen Angestellten ihres damaligen Urlaubsressorts erkennt, mit dem Alison den letzten Tag ihres Lebens verbrachte, beginnt sie sich in sein Leben zu drängen und sie recherchiert das Leben ihrer Schwester.

Saint X ist kein klassischer Krimi, schaut man genauer hin, geht es auch um Familienstrukturen in der jeder seine Rolle hat und die auf tönernen Füßen stehen, die zerbrechen, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht. Um die Bilder, die wir uns von den Menschen, die wir zu kennen glauben und von denen wir doch nur einen kleinen Teil kennen, die Autorin zeigt das auf eindrucksvolle Weise als sie andere Menschen zu Wort kommen lässt, andere Urlauber, Alisons Lehrer und Mitschüler und Freunde.
Durch die vielen Perspektiven ist Saint X nicht immer leicht zu lesen, manchmal muss man innehalten, um das gelesene Revue passieren zu lassen und am Ende stellt sich die Frage

Was geschah wirklich auf Saint X. 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Hardcover; 1. Edition (31. Mai 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550201036
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550201035
  • Originaltitel ‏ : ‎ Saint X



Freitag, 2. Juli 2021

Ein anderes Land von James Baldwin

 


Warum hat Rufus Scott – ein begnadeter schwarzer Jazzer aus Harlem – sich das Leben genommen? Wegen seiner Amour fou mit der weißen Leona, einer Liebe, die nicht sein durfte? Verzweifelt sucht Rufus' Schwester Ida nach einer Erklärung. Aber sie findet nur Wahrheiten, die neue Wunden schlagen, – auch über sich selbst. Wie ihr Bruder war Ida lange bereit, sich selbst zu verleugnen, um ihren Traum zu verwirklichen, den Traum, Sängerin zu werden. Wie ihr Bruder hat sie ihre Wut auf die Weißen, die sie diskriminieren. Bis jetzt. Baldwin verwickelt uns in ein gefährliches Spiel von Liebe und Hass – vor der Kulisse eines Amerikas, das sich selbst in Trümmer legt.

Der Jazzer Rufus Scott ist am Ende, pleite, arbeits- und wohnungslos irrt er durch sein Leben und durch Harlem, als er Vivaldo einen weißen Freund trifft, nimmt dieser ihn mit nach Hause und in einen Club, es scheint zunächst so, als könne diese Begegnung das Ruder noch einmal herumreißen, doch natürlich ändert sich nichts am Geschehen. Am Ende der Nacht ist Rufus Tod: Der Musiker hat Selbstmord begangen.


James Baldwin ist unzweifelhaft ein begnadeter Schriftsteller gewesen und die Übersetzerin Miriam Mandelkow, hat es geschafft bei mir niemals das Gefühl aufkommen zu lassen eine Übersetzung zu lesen. Gerade bei anspruchsvollerer Lektüre ist es mir wichtig ein Gefühl für den Stil des Autors zu bekommen, die Seele der Geschichte darf nicht verloren gehen und das ist Miriam Mandelkow, soweit ich das als Laie beurteilen kann, sehr gut gelungen.
Baldwins spielt in einer Zeit, die für mich so weit entfernt scheint, wie der Mond, sie ist geprägt von Rassismus und Ausgrenzung, die ich persönlich natürlich nie erlebt habe. Umso schwerer fiel es mir zu verstehen, warum Rufus in manchen Äußerungen seiner weißen Freundin Leona Rassismus herauszuhören, das geht so weit, dass er sie misshandelt. Rufus wird gequält von Selbstzweifeln, er kann seine Liebe zu Leona und ihre Liebe zu ihm nicht mit der vorherrschenden Meinung in Einklang bringen, das diese Liebe von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Leona zerbricht an Rufus, zu schwer wiegen seine seelischen und körperlichen Misshandlungen.
Baldwins Buch handelt aber nicht allein von Rassismus, in seinem Buch geht es auch um Liebe, die Lieben zwischen Männern und Frauen, zwischen Männern und zwischen Schwarzen und Weißen (Und ich steh jetzt vor dem Dilemma, drücke ich mich politisch korrekt aus oder nicht?) 
Vor allem geht es um Menschlichkeit, darum das man sich gegenseitig so nehmen sollte wie man ist. Worte und Blicke können verletzen, dafür braucht es keine physische Gewalt.
Ein anderes Land ist eine Geschichte die genauso gut in der heutigen Zeit spielen könnte und das ist das was mich am meisten erschreckte, es hat sich in all den Jahren wenig geändert, immer noch werden Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Sexualität angegriffen. Baldwin hält in seinen Büchern ein flammendes Plädoyer für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung, allerdings ist dieses Plädoyer geprägt von leisen Tönen, er schreit nicht, er flüstert und man muss ihm genau zuhören. 

Ein anderes Land 
selten hat ein Titel so sehr zu einer Geschichte gepasst wie dieses Mal. Menschen leben gemeinsam in einem Land und machen doch vollkommen unterschiedliche Erfahrungen nur, weil sich ihre Hautfarbe unterscheidet oder ihre Sexualität nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht. Und wer jetzt sagt: Ja in Amerika ist das vielleicht noch so, hat vielleicht noch nicht versucht mit einem afrikanischen Namen in Deutschland eine Wohnung zu bekommen. Das nennt man dann Alltagsrassismus, der offiziell verboten ist, aber kann man Gesinnung durch Gesetze ändern? 
Mir fehlen die richtigen Worte um auch nur annähernd meine Gefühle beschreiben zu können, die ich beim Lesen hatte. Was leibt nach der Lektüre? Vielleicht die Gewissheit, dass wir alle egal wie sehr wir uns Toleranz auf die Fahnen schreiben immer noch an unserer Menschlichkeit und Achtsamkeit arbeiten müssen. Worte verletzen. Wir werden nie in einer Welt leben dürfen in der Äußerlichkeiten egal sind, aber vielleicht unsere Kindeskinder. Diese Hoffnung werde ich nie aufgeben und ich bin davon überzeugt, dass Bücher wie 
Ein anderes Land 
ihren Teil dazu beitragen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft (21. Mai 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 576 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423282681
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423282680
  • Originaltitel ‏ : ‎ Another Country

Donnerstag, 1. Juli 2021

Du böser böser Junge von Astrid Korten

 


Till und Ida Faber sind ein vorzeige Ehepaar mit vorzeige Kindern. Ida arbeitet als Investigative Journalistin gerade an einer Enthüllungsgeschichte über unerwünschte Nebenwirkungen eines Impfstoffes gegen Gebärmutterhalskrebs. Till ist Mitinhaber einer kleineren Anwaltskanzlei. Die Zwillinge, sind aufgeweckte und intelligente Mädchen, die namenlos bleiben. Neugierig wie Kinder sind, stöbern sie auf dem Facebookprofil ihres Vaters und erfahren so von der schwangeren Geliebten Tills, seither ist Till für sie nur noch der Loser.

Ida hat den Trip minutiös geplant, sie gilt als die perfekte Urlaubsplanerin und so hat sie alle Orte, die Till jemals besuchen wollte, eingeplant doch der beschäftigt sich mehr mit seinem Handy, als das er den Urlaub mit seiner Familie genießen kann und so richtig gelungen scheint die Urlaubsplanung dieses Mal auch nicht geklappt zu haben, die Zimmer vielleicht originell aber manchmal etwas abgeranzt, die Pools häufiger schmutzig. Einmal erzählen die Mädchen das der Pool, in dem sie sich am Abend aufhielten, bei Tageslicht eher eklig war. Dieses Bild ist ein gutes Synonym für die Familiensituation, die bei Licht betrachtet mehr als nur feine Risse aufweist.
Und immer ist da FIF, er drängelt, er nörgelt, er bettelt und die Mädchen erwägen immer mehr seinem Drängen nachzugeben. Was genau FIF will, verrate ich euch natürlich nicht.

Astrid Korten hat einen spannenden Psychothriller geschaffen, die  Geschichte lässt sie mal von Ida, mal von Till und auch von den Zwillingen mal mit mal ohne FIF erzählen, die so wechselnden Sichtweisen lassen einen tiefen Einblick in die Gesamtsituation zu und sorgten dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, ich wollte immer wissen wie es gerade mit den anderen weitergeht, was sie fühlen und welche Entscheidungen sie treffen.

Ich habe schon viele Bücher der Autorin gelesen und sie lässt jedes Mal meinen Kopf rauchen, sie schreibt keine *Lesen und vergessen* Bücher, sie zwingt mich dazu, weiter nachzudenken, zu recherchieren und tatsächlich mir auch was wäre geschehen, wenn Szenarien auszudenken. Wie soll man denn da genug Schlaf bekommen. ;O) dieses Mal hat sie sich wieder einmal selbst übertroffen.

Eins vorweg, ich finde dieses Buch einfach großartig, auch wenn ich mich lange nicht entscheiden konnte unter welchem Aspekt ich es lesen sollte, denn es bietet tatsächlich mehrere Möglichkeiten.

Möglichkeit 1: Ich glaube daran, das sich FIF tatsächlich in den Köpfen der Mädchen aufhält, das er tatsächlich mit ihnen spricht und sie dazu verleiten will, Dinge zu tun, die sie nicht tun möchten und die definitiv nicht gut für sie sind, damit hätten wir subtilen Horror vom Feinsten.

Möglichkeit 2: Die Zwillinge leiden so sehr unter der angespannten Situation zwischen ihren Eltern, dass sie sich in eine Fantasiewelt flüchten, in der es Möglich ist, das ihr ungeborener Bruder einen Körper bekommen kann und sie zu dritt, quasi vollständig weiterleben.

Möglichkeit 3. Die Mädchen haben nicht einfach nur eine ausgeprägte Fantasie, sondern eine gefährliche psychische Störung, das aber wird von ihren Eltern nicht erkannt, denn die sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Du böser böser Junge bekommt natürlich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.


  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand; 2. Edition (24. Juni 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 260 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3754307185
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3754307182