Donnerstag, 30. April 2020

Katharsis von Michael Reh

Max lebt und arbeitet in New York, der Fotograf führt ein ausschweifendes Leben, ein Leben das aus einem immer währenden Kreislauf aus Drogen, Partys und den unvermeidlichen Abstürzen besteht.
Wirklich nüchtern oder clean scheint der erfolgreiche Fotograf nie zu sein. Bis er einen Anruf von seiner Schwester erhält, sein Zwillingsbruder Nikolas hat seine Tante und seinen Onkel ermordet.
Max kehrt nach Hause zurück um zu erfahren was seinen autistischen Bruder dazu brachte einen Doppelmord zu begehen.
Die Reise nach Hause wird für Max eine Reise in die Vergangenheit seiner Familie und in seine eigene Kindheit.


Das klingt pathetisch, nicht wahr? Eine Reise in die Vergangenheit, man kann nicht in der Zeit zurückreisen, aber man kann versuchen sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, verschüttete Erinnerungen wieder aufleben zu lassen und Erlebnisse aufzuarbeiten, die man verdrängt hat. Landläufig spricht man von Vergessen, nur ist das menschliche Gehirn nicht darauf ausgerichtet irgendetwas zu vergessen, wir verdrängen Erinnerungen und traumatische Erlebnisse nur.

Max Familie ist eine anständige Familie.
Natürlich was auch sonst, Vater, Mutter 3 mehr oder weniger wohlgeratene Kinder, die Verwandtschaft lebt ebenfalls in der kleinen Stadt oder nicht allzu weit entfernt, man besucht sich regelmäßig und hilft einander.
Max ist schon früh  bewusst, dass mit seinem Bruder etwas nicht stimmt, nur helfen kann er ihm nicht, wie denn auch er ist selber noch ein Kind. Seine Mutter bringt das Kind das nicht spricht zu verschiedenen Therapeuten, sein Vater hält Nicolas einfach für gestört, ein Kind das nicht spricht und auf manche Situationen mit Schreianfällen reagiert, überfordert alle. Die Diagnose Autismus scheint eine gute Ausrede zu geben sich nicht mehr weiter mit den Problemen des Kindes beschäftigen zu müssen und ein guter Grund ihn in eine psychiatrische Klinik geben zu können.
Nach und nach findet Max heraus was in seiner Kindheit geschah, er findet heraus das Nicolas von seiner Tante und seinem Onkel sexuell missbraucht wurde und das dieser Missbrauch noch viel weitere Kreise zieht.
Denn auch Max wurde von seiner Tante missbraucht, anders als sein Bruder reagiert er mit Verdrängung und betäubt seinen Schmerz mit Alkohol und Drogen und Distanz zu seiner Familie in der sowieso niemand spricht.

Max und Nicolas Schicksal steht stellvertretend, für das Schicksal all der Kinder, denen tagtäglich das Gleiche widerfährt, an Orten an denen sie sich sicher und geborgen fühlen sollten, durch Menschen, die sie schützen und behüten sollten. Etwa ein Viertel aller missbrauchten Kinder werden im familiären Umfeld zum Opfer.

Wie kann Kindesmissbrauch verborgen bleiben? 
Diese Frage stellt sich jedes Mal, wenn wieder ein Fall durch die Medien geht.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Der Gedanke daran das jemand Spaß daran haben kann, Kindern etwas derartiges anzutun, ist allein schon Übelkeit erregend. 
Michael Reh hat ein aufwühlendes, erschütterndes Buch geschrieben, das ich kaum aus der Hand legen konnte.
Ein Buch, das zumindest kurzzeitig den Blick schärft für das, was in unserem Umfeld geschieht.
Katharsis bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung. 


  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Acabus Verlag; Auflage: Originalausgabe (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862827453
  • ISBN-13: 978-3862827459









Sonntag, 19. April 2020

Liber Thanatamor: Das Buch von Tod und Liebe (Edition Outbird) von Dirk-Boris Rödel

Vor einiger Zeit wurde ich auf einen mir unbekannten Verlag (Outbird)und im Zuge dessen auf einen mir ebenso unbekannten Autor ( Dirk-Boris Rödel) aufmerksam. Der erste Punkt erklärt sich aus der Tatsache das es soviel Verlage gibt und man sie wirklich nicht alle kennen kann. Der zweite:Siehe den ersten Punkt.

Nach dem Lesen des Klappentextes war meine Neugier geweckt, außerdem
Ich liebe Kurzgeschichten, ich weiß gar nicht wie oft ich das mittlerweile schon gesagt habe, ich kann einfach nicht anders, wenn mir das Thema interessant erscheint, muss ich sie lesen.

Dirk-Boris Rödel führt den Leser in siebzehn magischen Kurzgeschichten in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wo ein mordgeübter Landsknecht auf ein sterbendes kleines Mädchen trifft, zu einer Sippe von Steinzeitmenschen, die sich am Rande eines Moores von einer furchteinflößenden Hexe Beistand gegen übermächtige Angreifer erflehen, und immer wieder in tiefe Wälder, in denen der Leser auf Hexen, Geister, Einhörner und schließlich sogar auf Erlkönigs Tochter trifft.
Die Magie-durchtränkten Geschichten pendeln stets zwischen den beiden großen Polen Tod und Liebe – mal schlägt das Pendel zur einen, mal zur anderen Seite aus. Und manchmal werden Tod und Liebe eins.

Bald schon hielt ich das Buch also in Händen, ein Buch dessen Cover an lang vergessene magische Dinge erinnert, ganz in Gold und Blau gehalten könnte es in Leder gebunden in der Bibliothek eines Magiers oder Alchimisten stehen, gestaltet wurde es von Holger Much.
Aber jetzt sollte ich allmählich zum wesentlich kommen, den Geschichten.

Nach fast jeder Geschichte hatte ich den Gedanken: Das ist meine Lieblingsgeschichte oder doch die davor?
Ich kann mich nicht entscheiden, ob mir die Der Waldmann und die Vogelscheuche in der ein Geschöpf des Waldes und eine durch Zufall zum Leben erweckte Vogelscheuche über die Vergangenheit, die Gegenwart und das Leben an sich sinnieren oder ob es nicht doch das Einhorn von Magdeburg ist, in der ein Söldner, der skrupellos mordet und vergewaltigt bei der Begegnung mit einem kleinen Mädchen erkennt zu was für einem Menschen er geworden ist.
Das zweite Monster, hat mich fast zu Tränen gerührt, diese Geschichte erzählt von einem kleinen Mädchen das Nacht für Nacht von einem Monster aus seinem Bett geholt wird, um vor einem weitaus schlimmeren Monster geschützt zu werden.
Ich habe aber auch gelacht, Die Keks-Hexe, erzählt von einer modernen Hexe, die so gar nichts auf die Reihe bekommt, die mit magischem Pulver ihr Waschbecken putzt anstatt es an die Kühe und Hühner eines Bauern zu verfüttern, Kakaopulver tat es dann aber auch. 
Susi soll aus dem Hexenzirkel ausgeschlossen werden, eine Hexe die den Vollmond verpennt weil sie einen  5 Jahre alten Kalender benutzt und die mit einem Wischmop statt einem Besen durch die Gegend fliegt kann man nicht gebrauchen. Und was hat das jetzt mit Keksen zu tun? Das müsst ihr selber lesen.

Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt:

Dramen
Geschichten voller Magie, die nicht immer in längst vergangen Zeiten spielen, sondern auch in der Gegenwart und die sich auch mit den Problemen und Sorgen unserer Zeit beschäftigen, gerade diese haben mich oft nachdenklich gestimmt.

Visionen
Hier enthalte ich mich einer Interpretation und genieße auch im Nachhinein die Worte und lasse ihren Klang auf mich wirken.

Unfug
Das Wort sagt ja schon alles und ich verrate euch, das die Keks-Hexe in diesem Abschnitt zu Hause ist.

Ich vergebe für das Buch eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung.

  • Broschiert: 260 Seiten
  • Verlag: telescope (28. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3959151306
  • ISBN-13: 978-3959151306



Samstag, 18. April 2020

1965 Der erste Fall für Thomas Engel von Thomas Christos

Klappentext:
Düsseldorf, 1965: Für den jungen Kommissar Thomas Engel ist die Stadt am Rhein der verheißungsvolle Beginn eines neuen Lebens. Als er zum ersten Mal ein Konzert der Rolling Stones sieht, gibt es für ihn kein Weg zurück, die Provinz liegt weit hinter ihm. Er stürzt sich in das Leben und in seine Arbeit, die ihm gleich einen spannenden Fall beschert. Ein junges Mädchen wird in der Ruine Kaiserswerth tot aufgefunden. Engel versteht nicht, dass seine Kollegen nicht gleich die Spur verfolgen, die geradewegs in die dunklen 1930er Jahre führt. Versucht man etwas vor ihm zu verheimlichen, und warum will niemand sehen, was so offensichtlich auf der Hand liegt?



Der Klappentext klingt wirklich gut, ich mag historische Krimis und in letzter Zeit habe ich viele Krimis gelesen die in der jüngeren deutschen Vergangenheit spielen, als ich auf 1965 aufmerksam wurde lag es nahe, dass ich das Buch lesen muss.

Die Handlung hat meine Erwartungen auch vollständig erfüllt, der junge Thomas Engel kommt 1965 durch die Beziehungen seines Onkels Kommissar Strobels zur Kriminalpolizei nach Düsseldorf und gerät in einen Sumpf aus Lügen und alten Naziseilschaften.

Thomas ist ein Landei, zu der Zeit mit 21 gerade einmal volljährig, sieht er zunächst nicht was in seiner Umgebung alles falsch läuft, Spuren an Tatorten werden verfälscht oder ganz beseitigt und die Arbeit eines Kollegen der die Nazivergangenheit der Angehörigen der Polizei aufdecken soll torpediert. Als Thomas durch Zufall ein kleines vergewaltigtes und ermordetes Mädchen findet und die Mordermittler das Verbrechen vertuschen und als Unfall darstellen, ermittelt er auf eigene Faust.

Die Story ist gut, sie erzählt von den Verbrechen der Nazis und deren Mitläufern, von Massenmorden an Juden, Homosexuellen und politisch anders denkender und der schwierigen Gratwanderung der Kriminalpolizei während der Nazidiktatur, die sich zum Großteil nicht der Gestapo unterordnen wollte, die recht schaffend Kriminalfälle aufklären wollte, was aber zum Großteil nicht gelang, es sei denn die Beamten wollten sich selbst in Gefahr bringen.

Und wir erfahren etwas vom Leben nach dem Krieg, vom Kuppelparagraphen der Thomas noch in Schwierigkeiten bringt, von der Willkür der Polizei und den immer noch an hohen Positionen sitzenden Nazi. Zu Beginn schrieb ich Thomas sei ein Landei, aber das trifft es nicht ganz. Thomas ist ein Kind seiner Zeit, er gehört zu der Generation, die zu Recht sagen durfte. Das habe ich nicht gewusst. Denn man weiß nur was man auch erzählt oder gezeigt bekommt und so gut wie niemand hat seinen Kindern von der Zeit der Nazis erzählt, Thomas erste richtige Begegnung mit dieser Zeit hat er im Kino in der Wochenschau.

Thomas Christos hat viele Themen in seinen ersten Roman gepackt: Naziverbrechen, Kindesmissbrauch und auch die Anfänge der Jugendproteste in Deutschland, leider hat er dabei zu wenig auf die Beschreibungen seiner Protagonisten geachtet, sie bleiben fast alle Klischees, die nette Prostituierte, der freundliche, fröhliche, schwule Kneipenwirt, Thomas als unbedarfter Polizeianfänger, Kommissare mit zwielichtiger Vergangenheit, eine skrupellose Reporterin, es sind alle Charaktere da die einen guten Krimi ausmachen und doch würde man niemanden wirklich vermissen, außer Thomas natürlich, sie sind austauschbar. Für ein früheres Buch, das mir diesen Eindruck vermittelte, habe ich einen Ausdruck gefunden, der ziemlich genau trifft, was ich meine: Show don't tell.

Auf anderen Seiten für Rezensionen muss ich Sterne vergeben, in diesem Fall wären es 3, für die Grundidee die Geschichte auf zwei Zeitebenen spielen zu lassen, für das Verbrechen an sich und für den Versuch dem Leser die Zeiten nahezubringen. Für den Schreibstil kann ich leider so gar keine Sternchen geben, er hat mir nicht gefallen.
Würde ich trotzdem noch mal ein Buch rund um Thomas Engel lesen?
In der Hoffnung das der Autor an seinem Schreibstil feilt. Ja, denn ich bin wirklich neugierig was Thomas noch so alles erlebt.


  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag; Auflage: Originalausgabe (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3764507195
  • ISBN-13: 978-3764507190





Freitag, 17. April 2020

Klugscheißer Royale von Thorsten Steffens

28, ist das Alter in dem die meisten das eine oder andere Lebensziel erreicht haben, sei es privat oder beruflich. Nicht so Timo Leibig, Timo ist ein Versager um es mal drastisch auszudrücken, irgendwo zwischen Abitur und abgebrochenem Studium hat er seinen Weg verloren. Einen kleinen Teil seines Lebensunterhalts finanziert er sich mit einem Job in der Reklamationsabteilung eines Call-Centers, den größeren Teil finanziert seine gut verdienende Freundin Cleo.
Läuft also bei Timo, bis zu dem Tag an dem er wegen seiner recht unverschämten Art den Kunden gegenüber seinen Job verliert und Cleo aus der gemeinsamen Wohnung auszieht.
Timo muss lernen Verantwortung zu übernehmen und merkt schnell, das der Arbeitsmarkt nicht gerade auf ihn gewartet hat und das das Geld, das er vom Staat erhält, gerade so zum Leben reicht.
Durch die Fürsprache einer Freundin und einer gehörigen Portion Glück bekommt er einen Aushilfsjob als Quereinsteiger an einer Abendschule, für den er sich nur durch die Tatsache qualifiziert, dass er zweisprachig aufgewachsen ist.

Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar angeboten und ich war zugegebenermaßen zunächst sehr skeptisch, weder das Cover noch der Titel konnten mich auf den ersten Blick überzeugen, das Buch schien so gar nicht zu mir zu passen und dann las ich die ersten Sätze der Leseprobe:


»Jo, es geht sich da um einen Brief, wo ich heute erhalten habe«, quäkt mir eine weibliche Stimme ins Ohr.
»Es geht um einen Brief, den Sie heute erhalten haben?«, verbessere ich die Kundin, ohne auch nur eine Sekunde zu glauben, sie verstehe mein korrektives Feedback. Es ist traurig, wie fahrlässig die Hälfte aller Deutschen mit unserer Sprache umgeht. Es sollte hierfür Strafzettel geben. Wie fürs Falsch parken. Falsches Relativpronomen: Zack! Fünf Euro Strafe! Unangebrachtes Reflexivpronomen: Schwupp! Zehn Euro!


Ich persönlich versuche korrektes Hochdeutsch zu sprechen, das gelingt natürlich nicht immer, aber bei manchen Sätzen, die ich so höre, rollen sich mir die Zehennägel auf. Im Gegensatz zu Timo verbessere ich meine Gesprächspartner allerdings nicht, dazu mache ich selbst zu viele Fehler und wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen und ich weiß, dass jeder die Sprache spricht, mit der er aufgewachsen ist und das sich je nach Region die eine oder andere sprachliche Eigenheit entwickelt hat.
Aber kommen wir wieder zurück zum Buch und zu Timo, der sich als Lehrer versucht. Von seinen Kolleginnen wird mehr oder weniger freundlich aufgenommen und ins kalte Wasser geworfen steht er ziemlich unvorbereitet vor seinen Schülern, die teilweise nicht viel jünger sind als er und die mehr oder weniger motiviert auf einen Schulabschluss hinarbeiten.
Timo muss lernen, das lehren mehr als das Vermitteln von Schulstoff bedeutet, er muss auf seine Schüler eingehen, sie ernst nehmen und er erkennt, dass hinter dem Schulversagen seiner Schüler meist mehr steckt als Faulheit oder Desinteresse und das er nun dafür verantwortlich ist, sie dazu zu bringen ihr Bestes zu geben und ihr persönliches Schicksal zu überwinden.
Timos persönliche Entwicklung ist beeindruckend, war er zu Beginn der Geschichte eine arroganter, besserwisserischer Egoist, ist er am Ende immer noch besserwisserisch, ein Klugscheißer eben, aber ein Klugscheißer und Besserwisser der andere an seinem Wissen teilhaben lassen will, ohne Arroganz.
Timo hat seinen Weg gefunden und der Autor hat diesen Weg auf humorvolle Art und Weise beschrieben und ganz nebenbei vermittelt er seinen Lesern noch die Botschaft, das jeder von uns immer die Chance bekommen sollte das Beste aus seinem Leben zu machen.

Es ist sicher nicht einfach ein Buch durchgehend *Lustig* zu schreiben und so gab es auch für den einen oder anderen Aspekt, der mir nicht zu 100 % gefiel, aber das betrifft ausnahmslos die Kapitelüberschriften, die nochmals untertitelt sind mit (formerly knwon as chapter ...) und die Begriffserklärungen die wie in einem Wörterbuch in den Text eingestreut wurden. Beides, sowohl die Untertitel der Überschriften und auch die Begriffserklärungen haben mir weniger gut gefallen.

Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, das Buch überrascht mit Tiefgang und einem angenehmen flüssigen Schreibstil.
Ich habe mich bei dieser Rezension auf das wesentlichste konzentriert, genauso viel könnte ich noch über den Wert von Freundschaft und  über Beziehungen schreiben, denn auch das sind zentrale Themen im Buch. Ihr merkt vielleicht das ich selber ganz erstaunt bin, was meine Bewertung des Buches betrifft.
Ich vergebe eine Leseempfehlung.


  • Taschenbuch: 232 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 66. (1. August 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492501656
  • ISBN-13: 978-3492501651

Donnerstag, 16. April 2020

Wenn die Alpen trauer tragen von Isabella Archan

Die Mörder Mitzi ermittelt wieder, dieses Mal hat es sie in die idyllische Wachau nach Melk verschlagen. Eigentlich wollte sie nur Hilda Valbilda gratulieren, die alte Dame hat erfolgreich einen Betrüger entlarvt.
Maria *Mitzi* Schlager kennt Hilda nicht persönlich, sie hat es sich als Selbsttherapie erkoren Alltagshelden aufzusuchen und zu gratulieren
Hilda erzählt ihr von dem Tod ihrer Schwester, die bei einem Hausbrand ums Leben kam und von einer weißen Frau, der Hex, die irgendwie damit zu tun haben soll.
Als auch Hilda stirbt, wird Mitzis Verbrecherradar aktiviert und sie bittet ihre Freundin die Inspektorin Agnes Kirschnagel um Hilfe.

Ich kannte die Mörder Mitzi schon aus dem vorigen Band *Die Alpen sehen und sterben* und habe sie ins Herz geschlossen, die freundliche und intelligente und manchmal etwas schrullige junge Frau muss man einfach gernhaben. Zum näheren Kennenlernen der Mitzi empfiehlt es sich den Vorgängerband zu lesen, auch wenn kurze Hinweise im aktuellen Buch es erlauben dieses alleinstehend zu lesen.

Die Krimis der Autorin sind etwas Besonderes, sie zeichnen sich durch eine Prise Humor aus, der nie brachial daher kommt, er ist eher tiefsinnig und manchmal sehr schwarz, genau wie ich es mag. Bei allem Humor verliert Isabella Archan nie den Fall aus dem Blick und gemeinsam mit Mitzi und Agnes kommt man als Leser der Wahrheit auf die Spur und damit dem Geheimnis der Hex.
Man könnte die Bücher rund um Mitzi fast schon als Psychoregionalkrimi betiteln, gäbe es dieses Genre, denn dadurch das man als Leser eine besondere Verbindung zu Mitzi aufbaut, sorgt man sich mehr um sie als um die meisten anderen Protagonisten in Krimis, man will sie beschützen. So ist es nicht verwunderlich das die brenzligen Situationen, in die sich Mitzi bringt, als noch spannender erscheinen als sie ohnehin schon sind.

Ich vergebe für Wenn die Alpen trauer tragen, eine Leseempfehlung und freue mich auf weitere Falle der Mörder Mitzi.

  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (12. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 374080761X
  • ISBN-13: 978-3740807610


Mittwoch, 15. April 2020

Seele in Aufruhr: Muttertat (Jim Devcon-Serie 11) von Eva Lirot


Für den neuen Polizeipräsidenten Teuber zählt nur eins:
 Die Aufklärungsquoten.
Dabei ist es ihm egal wer die Verbrechen aufklärt, er interessiert sich nicht für die Menschen, mit denen er arbeitet, man möchte fast sagen: Zum Glück. Denn er bringt Jim Devcon dazu sich die Sache mit dem Vorruhestand, für den sich Jim zwei Wochen Urlaub genommen hatte, um alles zu planen, noch mal zu überlegen. Jims Auszeit erstreckte sich auch auf Mails und sein Handy, so bekam er erst einen Tag vor der Beisetzung mit, das sein langjähriger Chef und Weggefährte Norbert Fringe plötzlich verstorben ist.
Kaum ist Jim wieder im Büro, wird er mit einem seltsamen Fall konfrontiert.
Auf einer Bank sitzt ein Toter und neben ihm eine Frau, die kein Wort spricht.
Niemand kann die Frau, die sich widerstandslos festnehmen ließ, zu einer Aussage bewegen und hier kommt überraschend Tatjana ins Spiel, Jims Kollegin und Lebensgefährtin, die seit traumatischen Erlebnissen nicht mehr arbeitsfähig war. Tatjana beweist ein ungewöhnliches Gespür für die Art wie sie die Frau befragen muss.

Die Autorin erzählt auf zwei Ebenen, wir erfahren wieder einmal mehr über Jim Devcon und sein Team, lernen den neuen Chef kennen und verabscheuen. Jim scheut sich auch dieses Mal nicht, seinen eigenen Weg zu gehen um die ganze Wahrheit herauszufinden.
Und dann ist da, die Ich-Erzählerin, die von einem Mann erzählt, den sie immer nur den Körper nennt und der ihr schreckliches antut.
Die Fantasie schlägt beim Lesen Purzelbäume, beim Lesen bildeten sich Gedanken, die teilweise so schrecklich waren, das ich mir verbot sie weiterzudenken und das, obwohl Eva Lirot zunächst nichts ausspricht.
Erst gegen Ende offenbart sich der ganze Schrecken hinter dem Mord, nichts was ich mir ausdenken konnte kam der Wahrheit auch nur ansatzweise nahe.
Das Buch ist absolut nichts für schwache Nerven, obwohl Eva Lirot ihren Lesern allzu blutige Details erspart, ist es an Grausamkeit kaum zu überbieten. Das widerspricht sich nur solange bis man das Buch liest.

Bei Muttertat Seele in Aufruhr handelt es sich um den mittlerweile 11. Band der Reihe um den Kommissar mit amerikanischen Wurzeln, auch wenn ich normalerweise dafür bin auch die Vorgängerbände zu lesen, diesen Band kann man auch sehr gut für sich lesen oder ihr steigt bei Band 7 ein für die direkte Vorgeschichte.
Fürs pure Lesevergnügen und um einen Einblick in die Entwicklung der Autorin zu bekommen, fangt ihr aber bei Band 1 an. Es lohnt sich.

  • Taschenbuch: 225 Seiten
  • Verlag: Independently published (3. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 979-8619839562
  • ASIN: B085DRVTRR


Donnerstag, 9. April 2020

North of Paradise: Ein Ludwig-Licht-Thriller (Die Thriller-Serie um Ex-Agent Ludwig Licht 3)

Der mittlerweile 3 Teil der um den EX -Agenten Ludwig Licht führt uns nach Miami, wo zwei führende Köpfe der Exilkubaner ermordet werden.
Lichts früherer CIA-Kollege Clive Berner bittet den mittlerweile in Miami lebenden Licht um Hilfe.

Eins vorweg, man muss die Bücher in der Reihenfolge lesen, in der sie erschienen sind, sonst fehlt zu viel Hintergrundwissen und das jetzt hier alles zusammen zufassen würde den Rahmen sprengen.
Also bekommt ihr nur eine Kurzbeschreibung Lichts:
Licht ist ein abgehalfterter Ex-Stasi und Ex-CIA Agent, schon zu Zeiten des kalten Krieges arbeitete er als Doppelagent, als seine Dienste nicht mehr gebraucht werden, stürzt er ab.
Im Laufe der Zeit wurde mir klar, Licht braucht entweder Alkohol oder seine Arbeit, so treffen wir ihn auch dieses Mal betrunken an, es hat sich außer seinem Wohnort seit meiner ersten Begegnung mit ihm also nicht viel geändert, doch kaum erhält er den Auftrag den Mord an den Exilkubanern aufzuklären, stellt er seinen Alkoholmissbrauch ein und ist klar und fokussiert.
Und das ist, was mich bei den Büchern um Licht bei der Stange hält, die spannenden Fälle in diesem Fall kommen noch die, soweit ich es beurteilen kann, gut recherchierten Hintergründe zur Kuba Krise hinzu und Ludwig Lichts Art zu arbeiten, wenn er nüchtern ist.
Immer wieder lässt der Autor auch Personen aus den früheren Bänden auftauchen so das nicht nur Licht und seine Vergangenheit der Faden ist, der sich durch alle Storys zieht, ich weiß gerade nicht wie ich das anders ausdrücken soll, ich hoffe ihr versteht mich auch so.

  • Broschiert: 304 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (27. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 357010303X
  • ISBN-13: 978-3570103036
  • Originaltitel: Norr om Paradiset


Mittwoch, 8. April 2020

Richtung Nirgendwo: Melodys Song von Michael Dissieux

Ein Mann, allein und namenlos.
So beginnen viele Bücher und Filme und so beginnt auch  Michael Dissieuxs Dystopie Richtung Nirgendwo: Melodys Song, zwischen dem Beginn und dem Ende der meisten Bücher dieser Art liegen meist viele Seiten voller Gewalt, Angst, Blut, Tränen und auch Liebe, das ist meist kurzweilig und sorgt für mehr oder weniger flüchtiges Lesevergnügen.
Und das ist auch vollkommen OK, zu fast 100% lese ich, um unterhalten zu werden und dann ist da diese kleine Stimme in mir, die mir zuflüstert:
Lies mal anders.
Und wenn ich dann über das neue Buch eines Autors stolpere dessen Klappentext wie folgt lautet:

Drei Jahre war ich unterwegs gewesen, immer auf der Suche nach dem letzten Überlebenden. Ich kam durch Dörfer, die keine Namen mehr trugen, und Städte, die so still wie ein Friedhof waren. Ich begann zu trinken, um die Dämonen zu vertreiben, schrie, um eine menschliche Stimme zu hören und weinte, wenn meine tote Tochter in den Nächten zu mir kam. Drei Jahre blieb ich alleine.
Dann sah ich den Rauch am Horizont ...

Dann höre ich auf diese Stimme.

Der namenlose Ich-Erzähler nimmt uns mit auf eine Reise durch eine verlassene Welt. Als er am Morgen nach einer durchzechten Nacht aufwacht, ist nichts mehr wie es wahr, die Straßen sind leer, alles ist still, er ist allein und er bleibt es auch für lange Zeit und diese Einsamkeit vermittelt uns der Autor mit einer Leichtigkeit die seines gleichen sucht. Ich sah beim Lesen die leeren Straßen, die verlassenen Häuser und roch zu einem späteren Zeitpunkt den Moder und Schimmel in den leeren Häusern und ich spürte eine beklemmende Einsamkeit. Ich begleitete den Protagonisten durch die ersten Tage und stellte mir genau wie er die Frage was geschehen war,und warum gerade er überlebte und Tag für Tag um dieses Leben kämpft, um irgendwann festzustellen: Es ist egal, Antworten auf diese Frage zu bekommen würde nichts ändern. 
Aber unser Protagonist ist nicht allein, er spricht mit seinem schon lange verstorbenen Vater, sieht seine Frau und seine Tochter, riecht ihren Duft und sieht ihr Lächeln und wieder stellen sich beim Lesen Fragen: Ist er wahnsinnig geworden, sind diese Momente verständliche Reaktionen auf die Einsamkeit oder steckt mehr dahinter?
Und auch als er auf Bone, einen ehemaligen Pfarrer trifft, der mit der kleinen Melody auf dem Weg nach Jacksonville ist, stellen sich nur noch mehr Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Und auch hier ist es wieder egal, denn auch hier würden Antworten nichts ändern.
Skin, wie sich der namenlose Protagonist nun nennen lässt, begleitet das ungleiche Paar. Zunächst herrscht Misstrauen auf beiden Seiten, das aber weicht nach und nach einer Art Freundschaft, die tiefer wird, je mehr Skin und Bone miteinander sprechen und sich ihre Geschichten erzählen und dabei kristallisiert sich tatsächlich die eine oder andere Antwort heraus.
Michael Dissieux ist ein Meister der leisen Töne, seine Geschichte trifft einen Punkt in der Seele, den man normalerweise lieber auch für sich im verborgenen lassen würde, den Punkt der uns dazu zwingt über unser eigenes Leben nachzudenken.
Meine Worte werden dem Buch nicht im mindesten gerecht, so geht es mir oft, wenn mich ein Buch besonders beeindruckt hat und ich darf euch ja nicht erzählen welche Szenen mich besonders beeindruckt haben, ihr sollt das Buch ja noch lesen.

Richtung Nirgendwo: Melodys Song bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung, einen ersten Eindruck von der Stimmung, die dieses Buch auslöst, bekommt man bei einem genaueren Blick auf das wunderbar passende Cover wirft, das von Kathi Roestel gestaltet wurde.

Erwerben könnt ihr das Buch überall wo es gute Bücher gibt und direkt beim Verlag.


  • Taschenbuch: 388 Seiten
  • Verlag: KOVD Verlag (Nova MD); Auflage: Erstauflage (6. April 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3966986078
  • ISBN-13: 978-3966986076

 



Montag, 6. April 2020

Die Frau ohne Namen von Sarah Pekkanen und Greer Hendricks

Die 28-jährige Jess schleicht sich mit einer Lüge in eine Studie Dr. Shields über Ethik und Moral ein, von der die als mobile Kosmetikerin bei einer ihrer Kundinnen erfährt.
Als Testperson 52 ist die junge Frau mit wenigen sozialen Kontakten die ideale Kandidatin.
Die ersten Fragen sind einfach und handeln sich um Themen die harmlos scheinen.

Können sie lügen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?
Würden Sie jemals die Textnachrichten ihres Ehemanns/Partners lesen?

Doch nach und nach werden die Fragen persönlicher und Dr. Shields fordert absolut ehrliche und tiefgründige Antworten.
Jess wird dazu gezwungen, sich ihren eigenen Ethik und Moralvorstellungen zu stellen und sie versucht mehr über Dr, Shields und die Studie herauszufinden, dabei erlebt sie mehr als eine Überraschung. Jess erfährt, dass es vor ihr eine Testperson Nr. 5 gab als sie versucht mehr über Nr.5 herauszufinden, wird sie gewarnt: Eine Studie kann eine Waffe sein.

Die Frau ohne Namen ist kein einfaches Buch, die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die Hintergründe bleiben lange im Dunkeln. Und vielleicht gerade deswegen hat sie eine Sogwirkung und diesem Sog kann man sich kaum entziehen, gemeinsam mit Jess wollte ich herausfinden was hinter allem steckt.
Je tiefer man in das Buch eindringt, desto mehr wird man dazu gezwungen auch über das eigene Verhalten nachzudenken.
Wann lügen wir und warum, welche Folgen haben unsere Lügen? Ist es wirklich so schlimm zu sagen
Das Kleid steht dir gut.
Damit das Gegenüber sich besser fühlt.
Oder beginnt die Katastrophe erst bei Lügen die andere verletzen, oder durch die wir uns bereichern?
Eine Erkenntnis bleibt nach der Lektüre:
Wir lügen alle.
Mal mehr mal weniger.
Wer etwas anderes behauptet
Lügt.

Ich vergebe für Die Frau ohne Namen eine Leseempfehlung. Spannend und tiefgründig hält es uns einen Spiegel vor.

  • Broschiert: 464 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (24. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499001446
  • ISBN-13: 978-3499001444
  • Originaltitel: An Anonymous Girl

Sonntag, 5. April 2020

Blutrausch: Ein Dresden-Krimi mit Wolf & König von Andreas M.Sturm

Der äußerst brutale Mord an dem Anwalt Weise bringt die erfahren Kriminalkommissarinnen Karin Wolf und Sandra König auf den Plan. Schnell finden sie heraus das sich der Anwalt mit seiner Arbeit viele Feinde gemacht und sein außergewöhnliches Hobby ebenfalls ein Motiv bieten könnte.
Doch dann geschieht ein weiterer Mord, nach demselben Muster und Karins Instinkt sagt ihr das ein Serienmörder am Werk ist, auch wenn die Opfer augenscheinlich keine Gemeinsamkeiten haben.

Ich kenne die Reihe um Karin und Sandra seit dem ersten Band, das Ermittler Duo löst in Blutrausch mittlerweile seinen 6. Fall und ich mochte jedes Buch, je näher ich sie kennenlernte, desto mehr wuchsen sie mir ans Herz und nicht nur sie auch ihre Kollegen Heidelinde, Jan und Rolf wurden zu guten alten Bekannten. Ein tolles gut aufeinander eingespieltes Team, das sich in jeder Lage aufeinander verlassen kann, auch wenn es mit dem ein oder anderen Kollegen noch leichte Kommunikationsprobleme gibt.

Buchreihen bergen oft die Gefahr, die die Autoren zwanghaft versuchen ihre Protagonisten interessant und unverwechselbar zu machen, um die Leser bei der Stange zu halten, das endet dann meist in Alkoholmissbrauch und Partnerschaftsproblemen, der Fall an sich wird dann häufig zur Nebensache.
Die Angst muss man bei dieser Reihe nicht haben, hier steht trotz aller Menschlichkeit der Charaktere der Fall im Mittelpunkt.
Durch die wechselnden Perspektiven ist man als Leser immer ganz nah am Geschehen, immer nah am Täter und genauso nah an den Ermittlern.
Die Hintergründe des Tatmotivs sind so einfach wie erschreckend, wenn ich darüber nachdenke, bin ich immer noch schockiert darüber, wie schnell Situationen eskalieren können und was die dunkelsten Seiten in einem Menschen zum Vorschein bringen kann.

Blutrausch, kann durchaus gelesen werden, ohne die Vorgängerbände zu kennen, aber dann würde man sich um ein Lesevergnügen der besonderen Art bringen und warum sollte man das freiwillig tun? Es sind nicht nur die spannenden Fälle, die die Bücher Andreas M. Sturms so interessant machen, auch seine Entwicklung als Schriftsteller ist bemerkenswert.
Ich halte Blutrausch für das stärkste Buch der Reihe.

  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: edition krimi; Auflage: 1 (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3946734596
  • ISBN-13: 978-3946734598



Mittwoch, 1. April 2020

Heißes Pflaster: Ein Fall für Hanna Seiler und Milo Novic (Ein Fall für Seiler und Novic, Band 2)


Als der Leiter des Leipziger Liegenschaftsamtes Guido Ehrlich tot aufgefunden wird, scheint zunächst alles nach einem tragischen natürlichen Tod auszusehen. Und auch als Beweise auftauchen, die doch auf ein Verbrechen hindeuten werden, die Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic ausgebremst.
Schnell stellt sich die Frage wer ein Interesse daran haben konnte, den Politiker der gegen den Ausverkauf Leipziger Immobilien war und diesen weitgehend verhinderte, aus dem Weg zu räumen.
Bald stoßen Hanna und Milo auf den Immobilienmogul Wenger und dessen Beziehungen in das Leipziger Rathaus und zur rechten Szene.

Heisses Pflaster spielt in einer meiner Lieblingsstädte, Leipzig habe ich bei meinen viel zu seltenen Besuchen als freundlich und weltoffen erleben dürfen, wie das aber so ist als Besucher, man sieht die gute Stube, die vernachlässigten Orte sieht man nicht, die an denen sich das wahre Leben abspielt, an denen die Menschen darum bangen wie sie sich ihr Umfeld verändert und ob sie sich in Zukunft die Miete in ihrer Nachbarschaft noch leisten können.
Dieses Thema greift Alex Pohl auf, er hat mit Guido Ehrlich einen Charakter erschaffen, der sich für ein buntes Leipzig einsetzt und sich zum Ziel setzte alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen.
Pohl lässt seine Leser einen kurzen oberflächlichen Blick auf die Linke Szene werfen und streift ebenso oberflächlich den rechten Rand. Er lässt seinen Lesern viel Raum für eigene Spekulationen und das gefällt mir eigentlich recht gut. Zwischendurch hatte ich viele Verdächtige, die immer wieder in meinen Focus schoben und fast genauso schnell wieder daraus verschwanden. Bis sich gegen Ende ein klares Bild ergab.
Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber trotz aller Spannung, Pohl hat viele Protagonisten eingeführt, den Immobilienhai Wenger und seinen Sohn Marc und dessen Freundin Annie zum Beispiel spielen wichtige Rollen in der Geschichte, sie werden aber für meinen Geschmack nicht ausführlich genug vorgestellt.
Nichtsdestotrotz ist
Heisses Pflaster sehr spannend und aktuell.
Ich freue mich schon sehr auf weiter Fälle mit Hanna und Milo, vor allem da auch einiges aus der Vergangenheit Hannas ans Tageslicht drängt, das so einige lieber im Dunkeln liessen.

  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag; Auflage: Originalausgabe (9. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3328103244
  • ISBN-13: 978-3328103240