An dieser Stelle möchte ich euch etwas mehr über das „Bücherhaus“ erzählen, das meinem Blog seinen Namen gab. Als ich damals nach einem passenden Namen für meinen Blog suchte und mich im Haus so umsah, wurde mir die Antwort eigentlich auf dem Silbertablett serviert: Überall, in wirklich allen Zimmern außer der Küche, dem Bad und den Kellerräumen, stehen und liegen Bücher. Es ist eine liebevolle Flut aus Geschichten und Seiten, die dieses Gebäude ausmachen. Ein echtes Bücherhaus eben.
Als wir uns Ende der 90er-Jahre dazu entschlossen, ein Haus zu kaufen, weil man von dem, was wir an Miete zahlten, auch locker einen Kredit abzahlen konnte, war uns eigentlich schon bei der ersten Besichtigung klar: Das ist es. Wir fühlten uns in dem alten, ziemlich heruntergekommenen Haus von der ersten Minute an wohl. Dass uns jede Menge Arbeit erwartete, war klar. Und so steckten wir jede Mark, die wir erübrigen konnten, in unsere geliebte Dauerbaustelle.
Wir dämmten das Dach und schmissen die alten, falsch verkabelten Nachtspeicherheizungen raus. Der Dachboden wurde wieder zu dem, was er wohl schon mal war (so die Erzählungen): zu gemütlichen Zimmern mit neuen Dachfenstern. Das Geschoss darüber wurde zu Regalräumen für Bücher und Kram-Sachen-Zeugs. Ein Wasserschaden verhalf mir später sogar zu meiner eigenen kleinen Bibliothek, weil wir einen kastenartigen Aufbau im Treppenhaus sowieso rausreißen mussten.
Dann war eine Weile Schluss mit Renovieren. Bis wir ein Großprojekt nach dem anderen starten konnten: Die Böden im ersten Stock, also den Wohnräumen, wurden auf eine Höhe gebracht. Die 60 Jahre alten Fenster wurden ersetzt (da jemanden zu finden, der das Gesicht der Fassade respektiert, war auch nicht ganz so einfach!). Die Heizung wurde nochmals ausgetauscht. Und zum bisherigen Schluss konnte ich mir den Traum von einem neuen Bad erfüllen. Auf dieses Design werde ich bis an mein Lebensende sehr stolz sein, allen Handwerkern zum Trotz, die meinten, das wäre kein Standard, das mache man so nicht. Ein lautes pfft! 😆 Ich habe bekommen, was ich wollte, und es ist GROẞARTIG.
Vom Bauernhaus zum Schulhaus: Die historischen Fakten
Hinter unserer Wohlfühloase steckt aber auch eine lange, spannende Historie. Unser Zuhause steht im historischen Ortskern von Bad Imnau, einem Stadtteil von Haigerloch, und seine Geschichte reicht weit zurück.
- Ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert: Der Ursprung des zweigeschossigen Gebäudes wird wohl im 18. Jahrhundert vermutet. Das Erdgeschoss ist massiv ausgeführt und verputzt, während das Obergeschoss und der Giebel von sichtbarem Fachwerk geprägt sind. Zusammen mit dem Krüppelwalmdach bildet das Fachwerk ein wunderschönes, harmonisches Gesamtbild.
- Die geheimnisvolle Jahreszahl 1857: Über dem Eingang befindet sich im Keilstein die Jahreszahl 1857. Sie ist bis heute sichtbar und weist auf eine bauliche Veränderung oder einen großen Umbau hin. Damals erhielt das Haus vermutlich wesentliche Teile seines heutigen, charakteristischen Erscheinungsbildes.
- Früheres Schulhaus: Was mich besonders fasziniert: Vor 1833 diente das Gebäude als Schulhaus! Damit gehört es zu den Häusern in Bad Imnau, die von der ganz alten Ortsgeschichte erzählen. In einer Zeit, in der der Unterricht häufig in einfachen, ländlichen Gebäuden stattfand, wurden hier vermutlich die Kinder aus dem Ort unterrichtet. Wie lange genau der Schulbetrieb bestand, wie viele Kinder dort zur Schule gingen und ob sich im Gebäude auch eine Lehrerwohnung befand, ist heute nicht mehr vollständig überliefert. Fest steht jedoch: Vor 1833 wurde hier fleißig gelernt.
Wo Geschichte weiterlebt
Heute ist das ehemalige Schulhaus wieder ein privates Wohnhaus, nämlich unser Zuhause. Für mich ist es nicht nur ein Gebäude mit einer besonderen Fassade, sondern ein Stück lebendige Ortsgeschichte im Alltag. Hinter den Mauern, durch die heute mein Zuhause geschützt wird und in denen meine Bücher stehen, wurden früher Kinder unterrichtet. Und noch länger davor prägten landwirtschaftliche Nutzung und ländliches Leben den Alltag.
Gerade diese Verbindung aus bäuerlicher Vergangenheit, früherer Schulgeschichte und heutiger Wohnnutzung macht den besonderen Charakter des Hauses aus. Es steht beispielhaft für den Wandel: Aus einem Bauernhaus wurde ein Schulhaus, später wieder ein privates Wohngebäude und heute unsere geliebte Dauerbaustelle. Unser Haus ist somit weit mehr als ein altes Gebäude, es ist ein sichtbares Zeugnis der Geschichte Bad Imnaus und ein lebendiger Teil unseres heutigen Lebens.

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