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Sonntag, 13. September 2026

Rezension: „Niemals geht man so ganz“ von Andreas Izquierdo


Andreas Izquierdos zweiter Fall mit Trauerredner Mads Madsen ist ein Krimi, der sich an einem Tag lesen lässt und trotzdem mehr bietet als bloße Unterhaltung. In „Niemals geht man so ganz“ erzählt der Autor eine Geschichte, die unter der Oberfläche zunehmend düster und komplex wird.

Worum geht es in „Niemals geht man so ganz“?

In Glücksburg an der Ostsee stürzt sich Anna Schmidt in einer Sommernacht ins Meer, ein scheinbarer Freitod, den Mads Madsen nicht akzeptieren will. Zu sehr widerspricht es seinem Bild einer Mutter, die ihre neunjährige Tochter Tilly einfach aus egoistischen Gründen zurücklassen könnte. Als er Tilly kurz darauf kennenlernt, ist für Mads klar, dass er herausfinden muss, warum Anna sich umbrachte.

Was als einfühlsame Spurensuche beginnt, entwickelt sich schnell zu einem gefährlichen Spiel. Je tiefer Mads in Annas Vergangenheit eindringt, desto mehr Ungereimtheiten tun sich auf und desto klarer wird, dass Anna einer gefährlichen Wahrheit zu nahe gekommen ist. Mads gerät durch seine Nachforschungen nicht nur selbst ins Visier skrupelloser Verbrecher, auch sein Vater, sein bester Freund und vor allem Tilly schweben in Gefahr. Besonders eindrücklich ist dabei das Schweigen des Kindes, denn Tilly weiß mehr, als sie preisgeben will.

Die Charaktere

Mads Madsen ist auch im zweiten Band ein sehr sympathischer Mensch, ein Trauerredner in Vintage-Anzügen, der mit viel Empathie, Menschenkenntnis und einer Prise Eigensinn durchs Leben geht. Nur seine Nachsicht seinem exzentrischen Vater gegenüber war mir etwas unverständlich. Sein Mitgefühl für Tilly und sein Unwille, eine einfache Erklärung als Selbstmord zu akzeptieren, machen ihn glaubwürdig und sympathisch. An seiner Seite sorgt Hauptkommissarin Luisa Mills wie gewohnt für Reibung. Sie ist unberechenbar und impulsiv, und ihr Anti-Aggressions-Training scheint offenbar nicht wirklich etwas gebracht zu haben. Dass sie Mads widerwillig unterstützt, obwohl der Fall offiziell gesperrt und ihr entzogen wurde, gibt der Dynamik zwischen den beiden eine zusätzliche interessante Note. Dazu kommen Mads’ exzentrischer Vater mit einem neuen Hobby und sein bester Freund, der Bestatter Fiete, der immer noch versucht, das Geheimnis zu lüften, das den „stillen Herrn Barnady“ umgibt.

Fazit: Ein kurzweiliger Ostsee-Krimi mit Tiefgang

Der Roman ist sehr kurzweilig geschrieben, ohne dabei flach zu wirken. Izquierdo schafft es, trotz des leichten Tons ernste Themen wie Verlust, Verantwortung und die Schutzbedürftigkeit von Kindern ernst zu nehmen, ohne in Pathos abzurutschen. „Niemals geht man so ganz“ ist ein gelungener zweiter Band der Reihe „Ein Trauerredner ermittelt“, temporeich, einfühlsam und mit Figuren, die man gern begleitet. Wer den ersten Fall „Über die Toten nur Gutes“ mochte, wird Mads Madsen auch hier wieder mögen und wer neu einsteigt, findet einen in sich geschlossenen Krimi mit Tiefgang.


  • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 15. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3755800128
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755800125
  • Abmessungen ‏ : ‎ 14.1 x 2.8 x 21.2 cm
  • Buch 2 von 2 ‏ : ‎ Ein Trauerredner ermittelt