Sonntag, 22. Dezember 2019

Horror-Show von Peter Scheerer


Inhalt: Danny “Angel„ Engels ehemaliger Sänger der Rockband Heavenly Creatures, Inhaber einer Sicherheitsfirma und spiritueller Problemlöser, ist mit seinem Leben und sich selbst im Reinen, mit seiner Fähigkeit andere Menschen zu lesen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und sie auch aufzuspüren hat er sich abgefunden. Um nicht als abgehalfterter Rockstar mit esoterischem Spleen zu gelten, hat er nur wenigen Menschen von seiner Gabe erzählt. Unter diesen wenigen Menschen ist auch sein ehemaliger Bandkollege und jetziger Pornoproduzent Raoul Cortese Stikk, der ihn an den Agenten Mrro Manning  vermittelt, dessen Freundin und Klientin Hope DeVine die unter mysteriösen Misshandlungen leidet. Angel zögert zunächst, er vermutet das Hopes Wunden psychischer Natur sind, weil sie das Pornobusiness verlassen will, bis er herausfindet das er eine ganz besondere Beziehung zu der jungen Frau hat.

Meine Meinung:
Ich hatte ein klein wenig Angst das Buch zu beginnen: Horror, Porno, Heimsuchung, Mord.. Da schlug meine Fantasie erstmal Purzelbäume.
Mir wurde aber schnell klar, dass sich Peter Scheerer nicht dazu herablässt den Horror mit Gräueltaten im Pornomilieu zu schildern.
Er geht viel subtiler vor, Scheerer lässt seine Leser teilhaben an den seelischen Qualen unter denen Hope zu leiden hat und die sind viel schlimmer als die körperlichen Wunden, die ihr im Schlaf zugefügt werden.
Auf der Suche nach Antworten muss Angel mehr über Hopes Vergangengheit erfahren und stößt dabei auf eine Gruppe, die unter dem Schutz eines uralten Dämons die grauenhaftesten Dinge taten. Diesen Dämon kann Angel nur auf einer anderen Ebene bekämpfen. Wie diese Ebene aussieht, das müsst ihr selber lesen, ich kann hier wirklich nicht näher darauf eingehen, nicht nur das ich euch damit die Spannung nehme, mir fehlt auch das Talent die komplexen Zusammenhänge in Worte zu fassen. Horror-Show ist tatsächlich ein Buch, das man nicht nur lesen, sondern fühlen muss.

Ich mag die Protagonisten, Angel ist trotz seines früheren Erfolgs auf dem Boden geblieben, er trauert den vergangenen Zeiten nicht nach, das führt ja meist zu irgendwelchen schwerwiegenden Problem die beim Leser ebenso wie beim Protagonisten zu Depressionen führen können, das hat der Autor uns erspart, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Als Stikk das erste Mal auftauchte und sein Beruf erwähnte, dachte ich gleich in Klischees: Pornoproduzent = schleimig, kalt, geldgierig, da hat der Autor mich doch glatt getäuscht, denn Stikk ist genau das Gegenteil, solche Enttäuschungen mag ich sehr.
Peter Scheerer hat mich mit seinem Buch absolut überzeugt, es ist spannend und es fordert seine Leser, ohne sie zu überfordern, weil am Ende alles ein stimmiges Bild ergibt.

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  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Independently published (23. April 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1095593757
  • ISBN-13: 978-1095593752

Freitag, 20. Dezember 2019

Wintertöchter: Die Frauen von Mignon Kleinbek


Ich habe zig Versuche geschrieben und wieder verworfen, um eine Rezension zu verfassen, die euch nicht spoilert. Aber allein die Tatsache das es sich bei Die Frauen um den 3. Band der Forstau Saga handelt, ließ das zu einem unmöglichen Unterfangen werden.
Deshalb gibt es eine Spoilerwarnung.

Inhalt:
Im November 2004 liest Barbara die Tagebücher ihrer Nichte Anna und trifft eine Entscheidung, die die Leben aller Beteiligten von Grund auf ändern wird, sie schickt die Bücher nach Deutschland zu Helena, die in Heidelberg an einem wissenschaftlichen Institut arbeitet.
Mit Ende 40 lebt diese allein in einer kleinen Mietwohnung im Haus ihrer mütterlichen Freundin Rosa, den Kontakt zu ihrer Familie hat sie auf ein Mindestmaß eingeschränkt, von ihrer Zwillingsschwester Christina hat sie nicht einmal mehr eine aktuelle Adresse und sieht sie nur zu besonderen Gelegenheiten.
Helenas Kindheit war schwierig, da sie immer wieder unter unerklärlichen Anfällen litt, sahen ihre Eltern keine andere Möglichkeit als das Kind in die Obhut der Ärzte zu geben. In Helenas Erinnerung wurde nur Christina, der Sonnenschein der Familie, von den Eltern bedingungslos geliebt.
Die Tagebücher Annas bringen Helena und Christina zusammen und gemeinsam fahren sie nach Österreich.

Die beiden erwachsenen Frauen, kamen mir über weite Strecken des Romans wie Teenager vor unreif, zickig und aufeinander eifersüchtig, ihre Beziehung untereinander war geprägt von ihrer Kindheit. Während sich Helena zurecht von ihren Eltern unverstanden und zurückgewiesen fühlte und dabei zusehen musste wie sich alles im Haus um die fröhliche Christina drehte, fürchtete diese immer aufzufallen und ebenfalls den Unmut ihrer Eltern auf sich zu ziehen.
Beide waren zu jung um die unerträgliche Situation der anderen zu erkennen und gingen unbewusst auf Abstand zueinander.
In der Forstau treffen die Frauen auf Barbara und während Helena der alten Frau offen entgegenkommt ist Christina gewohnt zickig, aber daran ist Barbara nicht ganz unschuldig, sie ist verbittert geworden im Laufe der Zeit und trägt schwer an der Vergangenheit.

Je mehr die Geschichte aufgeklärt wird, je mehr die Zwillinge über sich und ihre Familie erfahren, desto mehr lösen sich die Fesseln der Vergangenheit und desto mehr Verständnis und Liebe entwickeln die einzelnen Personen zueinander.

Der dritte Band der Forstau Saga dreht sich natürlich auch um die Gabe, der Fantasyanteil kommt sicher nicht zu kurz, auch wenn ich hier kaum darauf eingehe. Wichtiger für mich war aber das was ich aus dem Buch herauslas.
Jede Entscheidung, die wir treffen, hat Einfluss auf unsere Zukunft und auf die Zukunft anderer, die meisten sind unbedeutend und nicht relevant, andere verändern unser Leben und das der andern, manchmal zum Guten manchmal zum Bösen. Egal wie wir entscheiden wir müssen damit leben, es gibt keinen Weg zurück.  Wir können immer nur versuchen unser Leben so zu leben, das wir am Ende sagen können, ich habe mein Bestes versucht und wir müssen miteinander Reden, reden mit denen die uns wichtig sind.
Von mir bekommt auch dieser Band eine absolute Leseempfehlung.
Und damit natürlich auch die komplette Reihe,
Wir verlassen mir Die Frauen, die Forstau und ich warte gespannt auf weitere spannende und emotionale Romane aus der Feder Mignon Kleinbeks.

  • Taschenbuch
  • Verlag: pinguletta Verlag (2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3948063052
  • ISBN-13: 978-3948063054









Flokati von Sonja Baum


Ein niedliches, handgezeichnetes Lamm ziert das Cover dieses Pixi - Buches, stopp, das sieht nur so aus wie ein Pixi - Büchlein, denn die sind für Kinder, dieses kleine Buch mit den zwei Kurzgeschichten von Sonja Baum aber ist so gar nicht für Kinder geeignet und das sollen sie natürlich auch nicht sein.
Flokati, ist die Titelgebende Geschichte, sie erzählt von einer eifersüchtigen Liebe, mit ihren tragischen Folgen. Wer da wen liebt und ob das überhaupt Liebe ist, das müsst ihr natürlich selber lesen. Ebenso wie die zweite Geschichte Paradies, die mir nicht ganz so gut gefallen hat wie die erste, da fehlten mir ein paar kleine Erklärungen zur Vorgeschichte.
Trotzdem sind beide Storys interessant und gut geschrieben, Sonja Baums Schreibstil ist flüssig und sie hat es geschafft eine runde und schlüssige Geschichte auf wenigen Seiten (10 Pixi - Seiten) zu bannen und eine, für mich fast runde auf 12.
Ich mag die Idee des Verlags, nicht eine Anthologie oder Kurzgeschichtensammlung am Stück herauszugeben, sondern in kleinen Häppchen zum kleinen Preis.


  • Taschenbuch: 32 Seiten
  • Verlag: Literatur Quickie; Auflage: 1 (28. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945453623
  • ISBN-13: 978-3945453629


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Mittwoch, 11. Dezember 2019

Wintertöchter - Die Kinder von Mignon Kleinbek


Inhalt: Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf den ersten Teil, das ist für diejenigen, die die Bücher nicht kurz nacheinander lesen konnten eine hervorragende Gelegenheit die Erinnerungen an die Geschehnisse auf dem Julianenhof aufzufrischen. Und obwohl ich den ersten Teil ja gerade erst beendet hatte, las ich den Rückblick gern.
Und was geschieht im zweiten Band?
Das Leben für Anna, Barbara und Marie wird nicht leichter.
Marie kämpft sich nach einem Schlaganfall zurück ins Leben und Anna trauert um ihre große Liebe Mathis, der nach einem Sturz vom Heuboden stirbt und sie schwanger zurücklässt. Einzig Barbara, findet ihr persönliches Glück in der Beziehung zu dem Arzt Kilian, der mit seinem kleinen Sohn Niklas Urlaub auf dem Haindlhof macht.
Doch für Trauer bleibt nicht viel Raum in jenen Zeiten und so geht Anna zurück auf den Julianenhof wo sie wieder auf Roman trifft und damit wieder in einen Kreislauf von Missbrauch und Gewaltt.

Selten hat mich ein Buch, das man durchaus im Fantasy Bereich ansiedeln kann, so traurig und wütend zurückgelassen, traurig, weil das Schicksal der Frauen so sehr zu Herzen geht und wütend, weil Roman immer irgendwie davon kommt.
Roman, der unstete Geist der Marie umgarnte bis sie einer Heirat zustimmte, nicht ahnend das er nur an ihr Geld wollte und als sich nicht alles so entwickelte wie er sich das vorstellt, sein zweites Gesicht zeigt, brutal und rücksichtslos nimmt er sich was er will und alle verschließen die Augen vor dem, was auf dem Julianenhof geschieht.
Das mag der Zeit geschuldet sein, in der die Geschichte spielt, es gab Dinge, über die nicht gesprochen wurde, sehr viel hat sich ja bis heute in dieser Hinsicht nicht geändert.

Barbara wird zu einer folgenschweren Tat gerieben, um Anna zu retten, diesen Entschluss (was genau sie tut, verrate ich euch jetzt nicht) fasst sie, als sie mithilfe ihrer Gabe Anna rettet, die durch eine Lungenentzündung dem Tode näher ist, als dem Leben. In einer Zwischenwelt trifft sie auf Juliane die Urahnin der Familie, die sie eindringlich davor warnt, Anna und nicht nur diese in Romans Nähe zu lassen.

Ganz oft habe ich beim Lesen vergessen wie alt Anna eigentlich ist, sie handelt und fühlt meist, wie eine Erwachsene und dabei ist sie noch ein Kind, das in wenigen Lebensjahren mehr erlebte und erleiden musste als so mancher Erwachsene  in seinem ganzen Leben. Sie ist allein in ihrem Leid, trotz aller Liebe die ihr von ihrer Familie entgegengebracht wird.

Wintertöchter Die Kinder, ist wie auch schon der erste Band kitschfrei und doch hochemotional, das Buch schlägt eine Brücke zwischen dem ersten Band Die Gabe und dem abschließenden Buch Die Frauen, ich weiß das, weil ich mit dem dritten Buch schon begonnen habe.

Ich kann nicht anders, ich muss auch für dieses Buch eine absolute Leseempfehlung geben.

  • Taschenbuch: 342 Seiten
  • Verlag: pinguletta Verlag (21. November 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3981767896
  • ISBN-13: 978-3981767896





Dienstag, 10. Dezember 2019

Die Hoffnung zwischen den Zeilen von Elin Olofsson



Inhalt: Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lebt die junge Ulrike Hartmann in Schweden, dort sucht sie eine Frau, die ihrem Verlobten Hans während seiner Zeit in Norwegen Briefe geschrieben hat, viel mehr als den Namen Elsa Petterson und deren Wohnort weiß Uli nicht. Trotzdem macht sie sich auf den Weg nach Krokom, in der Hoffnung von Elsa mehr über ihren Verlobten zu erfahren.

Meine Meinung:
Das wird jetzt etwas schwierig, die Protagonistinnen Ulrike und Elsa sind mehr als Gewöhnungsbedürftig.
Ulrike ist ein sehr seltsamer Mensch, ohne Skrupel stiehlt sie was sie braucht und fühlt keinerlei Reue deswegen, sie wird als aufbrausend beschrieben aber das wird nur erzählt nicht gezeigt und sie sucht körperliche Nähe zu allen Männern die ihr gefallen, vor und während des Krieges war sie sicherlich kein Kind von Traurigkeit, das mag den Umständen geschuldet sein, unter denen sie in Deutschland leben musste, nach einer lieblosen Kindheit sucht sie Liebe wo nur Verlangen ist.

Elsa will Karriere machen, sie ist klug und als Verkäuferin im örtlichen Laden eigentlich unterfordert, kurzzeitig spielt sie sogar mit dem Gedanken den Sohn des Ladenbesitzers zu einer Heirat zu bringen, um mehr Einfluss im Geschäft zu bekommen. Sie hütet ein Geheimnis, das ihr Leben durcheinander bringt und auch Ulrikes Leben verändern wird.

Mit dem aufeinander Treffen der beiden so unterschiedlichen Frauen hoffte ich darauf, das die Geschichte Fahrt aufnimmt, aber leider bleibt das aus, die Erzählweise der Autorin ist sehr ruhig. Nicht einmal als das Geheimnis Elsas gelüftet wird, kommt Spannung auf.

Ich musste trotzdem wissen wie es weitergeht, was aus Ulrike und Elsa wird.
Das Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück, ich mochte die Geschichte und ich maße mir an zu glauben, was die Autorin mit ihr bewirken wollte: Gefühle auslösen, um mit den Protagonistinnen zu fühlen, das von ihnen erlebte zu empfinden. Leider hat das bei mir nicht funktioniert. 
Nichtsdestotrotz hat mich eine gewisse Art von Dramatik an dem Buch fasziniert, mein Wissen über das was in Deutschland während und nach dem Zweiten Weltkrieg geschah, wurde ergänzt durch das, was ich durch das Buch erfuhr, dieses Wissen ist bei mir nur sehr begrenzt, aber ich das Buch hat mich neugierig gemacht.


  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (14. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570103641
  • ISBN-13: 978-3570103647

Montag, 9. Dezember 2019

FAAR Am Seelenbrunnen von Christian Günther

Inhalt: Band 3 beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung, der früheren Geschehnissen, so dass kleine Gedächtnislücken schnell wieder gefüllt sind.
Harmis ist auf dem Weg zum Seelenbrunnen um Hilfe für Gor zu finden, der im letzten Kampf alle Seelen, die in ihm wohnten, verlor.
Nicht ahnend das sich auch sein Schicksal dort entscheiden wird.
Währenddessen tobt der Kampf um FAAR, das immer mehr sowohl vom wachsenden Wald als auch von den Meermenschen bedroht wird.

Meine Meinung:
Viel mehr möchte ich euch zum Inhalt gar nicht erzählen. Ein bisschen was kommt sicher noch im Text.
Ich habe mich auf die Rückkehr nach FAAR gefreut, tatsächlich sind mir die Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen ans Herz gewachsen. Hyron z.B. der als gnadenlosen Krieger und Anführer der Brüder der Schande im Laufe der Zeit seine etwas weichere Seite entdeckt, er persönlich schiebt das auf sein Alter, ich sehe das aber etwas anders.
Wieder einmal ließ Christian Günther scheinbar mühelos Bilder in meinem Kopf entstehen, ich sah den Seelenbrunnen und den stetig wachsenden Wald vor mir und ich litt mit Alix während ihrer grausamen Visionen. Kopfkino vom Feinsten.
In schnellem Wechsel erzählt der Autor mal von Alix, Hyron oder Harmis so das ich immer das Gefühl hatte, ich bin gerade direkt dabei, mir wird nichts im Nachhinein erzählt. Ich mag diese Art eine Geschichte zu erzählen sehr.
Am Ende blieb die eine oder andere Frage noch unbeantwortet, das ist auf der einen Seite etwas frustrierend auf der anderen Seite schürt das natürlich die Hoffnung auf einen weiteren Teil, die Gerüchteküche erzählt auch schon davon.
Aber ob es nun einen weiteren Band geben wird oder nicht. FAAR AM SEELENBRUNNEN bekommt  wie schon die Vorgängerbände eine absolute Leseempfehlung von mir.

  • Broschiert: 290 Seiten
  • Verlag: Amrun Verlag; Auflage: 1 (29. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958693784
  • ISBN-13: 978-3958693784


Freitag, 6. Dezember 2019

Das offizielle Kochbuch zum Original KRIMIDINNER®: 13 mörderisch gute Menüs

Der eine oder andere von euch hat es sicher mitbekommen:
Ich liebe Krimidinner Veranstaltungen.
Die Kombination aus gutem Essen und Krimitheater ist für mich die perfekte Abendunterhaltung.
Im Ullmann Verlag ist nun ein Kochbuch erschienen, dem ich einfach nicht widerstehen konnte.
Das in schwarz-weiß gehaltene Cover mit rotem Schriftzug zog mich fast magisch an.
Das original Krimidinner Kochbuch, ist nun aber weitaus mehr als ein schnödes Kochbuch. Der Leser kann, während er darauf wartet das die Kartoffeln und der Braten gar werden, im Buch schmökern und dabei einige Tatorte kennenlernen, z.B. das Schlosshotel Hugenpoet in Essen, da war ich tatsächlich schon einmal und kann euch sagen, es ist auf jeden Fall einen Besuch wert und wem das zu weit ist, das Rezept für das Menü aus der Schlossküche ist wie 13 weitere natürlich im Buch enthalten. Auch die weiteren Tatorte werden vorgestellt nicht nur mit Text, sondern auch mit wunderschönen Bildern.

Der Leser erfährt auch einiges über die legendäre Familie Ashtonburry, in Porträts werden die einzelnen Familienmitglieder vorgestellt, die so ziemlich genau jedem Klischee entsprechen das man sich vorstellen kann, der steife in Traditionen verhaftete Lord, die dekadente und vergnügungssüchtige Lady um nur zwei zu nennen. Aber das ist genau das was ich sehen, bzw. lesen will.

In der 7-teiligen Ashtonburry Chronik werden Kriminalfälle vorgestellt und das ist auch mein einziger Kritikpunkt am Buch, die einzelnen Fälle werden kurz angerissen, das ist als Appetitthäppchen ganz nett, mir persönlich wäre aber eine durchgehende Story lieber gewesen, so erfahre ich ja nie wer der Mörder ist, da ist Frustessen angesagt.
Womit wir zu den Rezepten kommen.
                                 
                                                           

Auf den ersten Blick erscheinen sie etwas kompliziert, aber mit etwas Übung und Geduld bekommt man auch als Hobbykoch ein durchaus leckeres Menü auf den Tisch gezaubert. Hier könnte ich euch jetzt ein Bild aus meiner Küche zeigen, aber den Anblick erspare ich euch, ich bin kein Foodblogger der stundenlang immer wieder dasselbe kocht, um am Ende die perfekten Bilder zu präsentieren. Anders kann ich mir die perfekten Ergebnisse nicht vorstellen. Das überlasse ich den Profis.
Ich hatte mir am als ersten Versuch ein eigenes Menü zusammengestellt.

Es gab
Den Salat aus Menü Nr. 8
Wildkräutersalat an Himbeervinaigrette

Schwarze Linsensuppe (ohne Wachtelkeule) aus Menü Nr. 1 und ebenso aus Menü 1, 
Schweinefilet an Kräutersauce mit gebratenem Gemüse und Rosmarinkartoffeln.

Und mein Highlight, 
Creme Brûlée mit Vanille und Tonkabohne, Kompott von karamellisierter Ananas und Milchschokoladeneiscreme


In der nächsten Auflage könnte gern noch die eine oder andere vegetarische Alternative vorgestellt werden.

Ich vergebe für das Buch 5 Kochlöffel, ne Quark.
Das Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung nicht nur für Krimi Liebhaber.

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Ullmann Medien GmbH; Auflage: 1.Auflage 2019 (31. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3741524239
  • ISBN-13: 978-3741524233

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Fressen oder gefressen werden von Thomas Williams


Deutschland ist immer noch komplett von der Außenwelt abgeriegelt, auf den Straßen herrscht das Recht des Stärkeren.
Nathalie und ihre Zufallsbekanntschaft Lars folgen einem Gerücht: Es soll einen Weg nach draußen geben. Auf dem Weg zur Grenze begegnen sie den Bluthunden, die unter der Herrschaft des Imperius, einen Staat des Schreckens aufbauen wollen und sie fressen Menschen.

Auf die neueste Novelle der ZZG Reihe, habe ich schon lange gewartet, es ist immer wieder interessant zu lesen wie unterschiedlich die Autoren das Thema umsetzen.
Thomas Williams lässt seine Geschichte zu einer Zeit spielen, zu der die Lebensmittel knapp werden und der Wahnsinn bei dem einen oder anderen Überhand gewinnt.
So auch bei Imperius, der Menschenfresserkönigin, mit gnadenloser Gewalt und kaum zu überbietender Grausamkeit hält sie ihre Anhänger zusammen, die von Bielefeld aus immer weitere Kreise ziehen um “Nahrung" zu finden.
Während Lars in Bad Oeynhausen in Gefangenschaft gerät, findet sich Nathalie unter Prepern wieder, die einen waghalsigen Plan gegen Imperius schmieden.

Thomas Williams spart nicht mit Gewaltszenen und was er nicht explizit beschreibt, entsteht als Bild unweigerlich im Kopf seiner Leser, abgemildert wird das durch die eine oder andere humorvolle Szene, wobei ich mir nicht immer sicher war, ob Leser, die die Gegend nicht kennen auch so witzig finden, vielleicht kam da aber auch ein klein wenig Heimweh in mir auf. Wer kennt schon Bad Oeynhausen.
Dass sich einer der Hauptprotagonisten teilweise unbekleidet durch die Geschichte schlagen muss, kann man witzig finden, muss man aber nicht ;o)
Ich neige ja dazu auch in Horror Storys eine Botschaft hineinzuinterpretieren, bei dieser fällt es mir sogar sehr leicht.
Gemeinsam ist man stark, sei es nun ein Zusammenschluss zum Bösen oder in der Absicht Gutes zu tun und möglichst vielen Menschen die Gelegenheit zu geben zu überleben.

Mir hat das Lesen dieser Novelle durchaus Spaß gemacht und ich bin wieder sehr gespannt was es demnächst neues gibt, aus der Zombie Zone Germany

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Amrun Verlag; Auflage: 1 (15. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958691293
  • ISBN-13: 978-3958691292



Dienstag, 3. Dezember 2019

Hass stirbt nie von Steintór Rasmussen


In der kleinen färöischen Küstenstadt Nordvik ist das Leben noch einfach, man kennt und versteht sich, der gemeinsame Glaube verbindet die Menschen seit Generationen.
Bis ein Mord die Gemeinde erschüttert.

Meine Meinung:
Steintór Rasmussen erzählt die Geschichte des Mordes an Hallvin Tróndarson ruhig und ohne Effekthascherei, in Rückblenden lässt er die Geschehnisse, die zu dem Mord führten, wieder aufleben. So erfährt der Leser auch viel über das Leben der Färöer und das ist ein sehr interessanter Aspekt des Buches, der für meinen Geschmack gern noch tiefer hätte ausgeführt sein können.
Als Leser erfährt man nur durch kurze Passagen wie behütet die Färoer doch leben, der Aufschrei in der Gemeinde ist groß als die Zeitungen zu ausführlich über den Mord berichten. Solche Berichte würden die Frauen und Kinder verstören.
Hier hoffe ich auf die weiteren Bücher rund um den Stricknadelclub, von denen wohl schon 4 Bände erschienen sind. Rasmussen stellt die Damen des Strickclubs sehr ausführlich vor, jede kommt zu Wort, ebenso wie die Täterin, dies allerdings führt dazu, das mir schon recht bald klar war, warum sie keinen anderen Weg sah sich von ihren inneren Dämonen zu befreien.
Sie ist eine zerstörte Seele, der durch die Tat ihres späteren Opfers das  Leben genommen wurde, das sie sich als Kind und Jugendliche ausgemalt hat, wie es wohl jeder von tut. Ohne die Chance sich jemandem anzuvertrauen, fraß sich der Hass so tief in die Seele der Frau, das für nichts anderes mehr Platz blieb. Diesen Aspekt kann man sicherlich als Kritik an allzu tiefer Bibeltreue verstehen.
Manchmal erschien mir die Sprache des Autors nicht unbedingt passend zu einem Mord, in Verbindung mit meinem Wissen wer die Tat begangen hat, konnte nicht allzu viel Spannung aufkommen
Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gern gelesen und das gerade wegen der manchmal fast poetischen Wortwahl Rasmussens. Ich mag es mich in der Sprache eines Buches zu verlieren.
Am Ende gibt es ein Personenverzeichnis und das ist schon allein wegen der vielen Personen mit für deutsche Ohren schwierigen Namen sehr wichtig.

  • Taschenbuch: 344 Seiten
  • Verlag: edition krimi; Auflage: 1 (1. November 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3946734723
  • ISBN-13: 978-3946734727

Montag, 2. Dezember 2019

„Nachdem du Poppy gelesen hast, möchtest du das Mädchen nie wieder allein lassen .“Tim Robbins – Regisseur/Schauspieler. Ein Interview mit Astrid Korten



Liebe Astrid, herzlich willkommen im Bücherhaus. Ich freue mich sehr das du dich bereit erklärst hast, ein paar Fragen zu beantworten. Kaffee und frisch gebackene Torte stehen bereit.


1.) Für die Leser, die dich vielleicht noch nicht kennen, magst du dich mit 5 Worten beschreiben?

Ideenreich, humorvoll, zuverlässig, großzügig, ungeduldig.
(Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen, Astrid Korten gehört zu den nettesten und großzügigsten Menschen die ich kenne, am Ende des Interviews, werdet ihr das auch selber sehen können)

2.) Wenn du nicht schreibst, was tust dann am liebsten?
Ich male Öl auf Leinen, treibe ein bisschen Sport und bin Familienmensch.

3.) Hast du einen Lieblingsschriftsteller, wenn ja, was fasziniert dich an ihm oder ihr?

Ja, die Geschwister Brontee. Sie begleiten mich schon mein ganzes Leben. Mir gefällt es, wie sie ihr Können in der viktorianischen Zeit und unter schwierigsten Bedingungen unter Beweis stellen konnten und SchriftstellerInnen wurden. In der Kindheit haben sie ihre Geschichten auf Toilettenpapier geschrieben, weil nichts anderes da war.


4.) Bald erscheint dein zweites Buch um den Ermittler Ibsen, hast du geplant ihm eine längere Reihe zu widmen?

So ist es. Ibsen wird meine Reihe für den Piper-Verlag. Es gibt weitere spannende Fortsetzungen.

5.) Ibsen ist ein sehr spezieller Charakter, was hat dich inspiriert ihn gerade so zu erschaffen wie er ist?

Ich finde viele Ermittler so „abgenutzt“. Deshalb wollte ich einen besonderen Charakter schaffen. Ich mag ihn sehr. Er ist so abseits vom Mainstream. Das beginnt schon mit seinem Namen.


6.) Diese Fragen waren zum warm werden, jetzt kommen wir zu dem Punkt über den wir bei unserem viel zu kurzen Treffen auf der FBM19 gesprochen haben. Du hast mich ja sehr neugierig gemacht.

Du hast mir erzählt, dass du in die USA fliegst und zwar für etwas ganz besonderes. Was kannst und darfst du mir und meinen Lesern denn verraten?




Letzte Woche ist mein brandneuer Psychothriller „Poppy“ erschienen. Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit um einen Kindesmissbrauch. Ich schreibe oft zuerst ein Drehbuch und reiche es dann in USA bei meinem Agenten oder im Drehbuchwettbewerb ein. In USA wurde der Roman nominiert. Aber dann geschah noch etwas. Ich hatte vorher für Piper einen Thriller geschrieben, der in USA spielt, dort auch nominiert wurde, und der im Herbst 2020 im Piper-Verlag veröffentlicht wird.
Mit diesem Drehbuch ist Tim auf mich aufmerksam geworden. Warum …? Das darf ich leider nicht verraten. Aber wenn das Buch auf dem Markt ist, wird jeder es verstehen. So kam auch Poppy zu ihm. Jedenfalls hat mein Agent einige Tage später das Drehbuch angeboten und ich wurde eingeladen. Man darf gespannt sein, wie dieses schwierige Thema umgesetzt wird.


                                          


Mittlerweile ist das Buch erschienen und es gibt schon viele Stimmen dazu, allein die Rezensionen auf Amazon zeigen wie tief die Leser durch Poppys Geschichte erschüttert sind und da ich das Buch auch gelesen habe, kann ich die Emotionen, die es hervorruft absolut nachvollziehen.
Da das kleine Mädchen aus dem Buch keine Fiktion ist, interessierte mich natürlich auch ihr weiteres Schicksal, so das es doch noch eine 7. Frage gab.

7.) Wie geht es Poppy heute, wie konnte sie die Erlebnisse in ihrer Kindheit verarbeiten.

Ich habe per Zufall Poppys Akte gelesen, weil ich in den Semesterferien bei einem Psychiater gearbeitet habe. Poppy hat als Teenager eine Therapie gemacht. Ich habe sie nie darauf angesprochen, weil mir das untersagt wurde. Wir haben uns Jahre später mal zum Essen getroffen und da hat sie mir von sich aus davon erzählt. Poppy hat einen sehr netten Mann kennengelernt (da war sie 32) und vier Kids bekommen. Sie lebt heute im Norden des Landes. Ihr Mann ist früh gestorben.

Poppy ist eines von vielen Kindern auf der ganzen Welt, die täglich unter Missbrauch zu leiden haben, umso wichtiger sind Bücher wie dieses, denn vielleicht öffnet es dem einen oder anderen die Augen. Es kostet nicht mehr als ein bisschen Überwindung seltsame Vorkommnisse in der Familie oder Nachbarschaft beim Jugendamt  zu melden, lieber schauen die Mitarbeiter dort einmal zu viel nach dem Rechten als einmal zu wenig.
Auch Betroffene finden dort Hilfe.
Astrid Korten selbst unterstützt den Kinderschutzbund, terre de femme und den Verein Lebenshilfe e.v.


Ihr könnt auch etwas gewinnen, mir wurden von Astrid 3 Sets bestehend aus Buch, Kugelschreiber Taschenlampe und einer Autogramm Karte zur Verfügung gestellt, die ich unter euch verlosen darf.







Beantwortet mir hier oder auf meiner Facebookseite folgende Frage:
Unterstützt ihr gemeinnützige Vereine, die sich speziell für Menschenrechte einsetzen?

Das Kleingedruckte:
wichtig. LESEN.
Teilnahmebedingungen
-das Gewinnspiel endet am 07.12.2019 um Mitternacht.
- den Beitrag auf dem Blog und/oder auf Facebook kommentieren
- Teilen wäre lieb, ist aber kein Muss
- Teilnahme ab 16 (oder mit Erlaubnis der Eltern) und mit Wohnsitz in Deutschland
- Kein Ersatz, wenn der Postbote lieber selbst das Buch lesen möchte
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und eine Barauszahlung nicht möglich
- Die Adresse wird nur für den Versand des Buches an die Autorin weitergegeben

- Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook

Das Gewinnspiel ist beendet und die Gewinner sind ausgelost, Toldi du hast gewonnen,
Allen anderen Danke ich fürs Mitmachen.


Mittwoch, 27. November 2019

Tod in der Bibliothek von JB Lawless

Inhalt:
Der beliebte Pfarrer Father Tom Harkins liegt eines Morgens mit durchschnittener Kehle tot in der Bibliothek von Ballyglass House, dem Stammsitz der Familie Osborne.  Detektive Strafford aus Dublin soll den Fall untersuchen, möglichst diskret wie er aus höchsten Kreisen zu hören bekommt.
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, aus der Familie scheint niemand so recht als Täter infrage zu kommen und das Haus war über Nacht verschlossen. Für Strafford beginnt eine mühselige Suche nach Motiv und Täter.

    Dieser historische Krimi benötigt wieder einmal zwei Blogeinträge. Hier findet ihr die spannenden Aspekte und bei Frau Goethe liest, wird wie gewohnt das Augenmerk auf den historischen Aspekt gelegt. #zweiblogseinbuch für eine umfangreiche Betrachtung von historischen Krimis. 
    Da stellt sich natürlich die Frage. War es spannend?


Meine Meinung:

War es spannend?
Ja war es, aber anders als erwartet. Mir stellte sich schnell nicht mehr die Frage nach dem: Wer war der Täter? Oder warum wurde Father Tom Harkins ermordet. Viele hatten ein Motiv, auch wenn mir das mehr so nebenbei bewusst wurde, das muss man selber lesen glaube ich, um es zu verstehen, verraten kann ich es nicht.
Strafford arbeitet mit den Mitteln seiner Zeit und die sind eher begrenzt, außer Fingerabdrücken steht ihm nichts an forensischen Methoden zur Verfügung. Also beschränken sich seine Ermittlungen auf Gespräche, die nichts mit Verhören wie wir sie aus Krimis normalerweise kennen, zu tun haben, er lädt die Personen nicht vor, sondern besucht sie in ihrer gewohnten Umgebung und erfährt so einiges über den ermordeten Priester, allerdings lässt uns der Autor nicht an den Gedankengängen Straffords teilhaben, sodass die finale Auflösung für meinen Geschmack zu überraschen war.
Das Buch spielt in Irland zu einer Zeit als Protestanten und Katholiken noch viele Konflikte untereinander zu lösen hatten, ich bin nicht gut genug mit der Materie vertraut, um darauf näher einzugehen, ob es realistisch ist, das sich ein Kirchenoberhaupt in die Ermittlungen der Polizei einmischt und nach Möglichkeit versucht, alles was geschah zu vertuschen. Vorstellbar ist es allerdings. Strafford sperrt sich nur halbherzig gegen diese Einmischung, mit aristokratischer Zurückhaltung um es mal so auszudrücken. Etwas mehr Biss hätte ihm gutgetan, so blieb seine Person etwas blass.
Tod in der Bibliothek war also ein durchaus spannendes Lesevergnügen, zwar mehr in der Frage, ob ich mit meiner Vermutung zum Motiv recht hatte, aber auch das führte bei mir dazu, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte.




  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (10. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462052489
  • ISBN-13: 978-3462052480

Montag, 25. November 2019

Wintertöchter Die Gabe von Mignon Kleinbeck


Als bei Marie auf dem abgelegenen Julianenhof im Winter 1940, die Wehen einsetzen, begehen sie und ihr Mann einen folgenschweren Fehler. Toni soll Maries Ziehschwester, die Hebamme Barbara holen und kehrt nie zurück.
Marie bringt ihre Tochter Anna allein zur Welt und erkennt, dass die Kleine die Gabe besitzt.
Fortan lebt Marie mit ihrem Kind allein auf dem Hof, unterstützt wird sie von Barbara, die ebenfalls die Gabe besitzt und Anna darin unterweist, diese einzusetzen und sich gleichzeitig davor zu schützen.
Ihr merkt, ich rede etwas drum rum, was genau die Gabe ist, das sollt ihr natürlich selbst herausfinden.


Sieht man das Cover und liest die ersten Sätze des Klappentextes: Die Forstau- ein kleines, verborgenes Berdorf am Fuße der österreichischen Tauern. Drei Frauen - Barbara, die selbstbewusste Hebamme. ...
könnte man einen simplen Heimatroman erwarten, herzergreifend und kitschig, der vielleicht eine tragische Liebesgeschichte vor den Kulissen der österreichischen Berge erzählt, gewürzt mit Intrigen innerhalb einer sturen und in der Vergangenheit verhafteten Dorfgemeinschaft.
Nur dann geht der Klappentext weiter...
Ihre schwermütige Ziehschwester Marie und Anna, das Kind mit der besonderen Gabe, die sowohl Geschenk als auch Fluch bedeutet...
Und da fing meine Fantasie an zu arbeiten, wie äußert sich die Gabe? Was macht dieses Kind so besonders? Sind es übernatürliche Kräfte oder ist sie einfach nur besonders intelligent und hat einen langen, schweren Weg vor sich bevor sie entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert wird? Wir dürfen nicht vergessen das Anna in den 40er Jahren geboren wird, zu spät für Hexenglauben und zu früh für Mädchen und Frauen an eine berufliche Karriere zu denken.
Die Geschichte der Frauen wäre auch ohne Annas und Barbaras  Fähigkeiten etwas Besonderes, denn Mignon Kleinbeck verschont ihre Leser mit den klassischen Zutaten eines Kitschromans, sie erzählt von Barbara, Marie und Anna als hätten sie genau so gelebt. Ihr Schicksal mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid, ist absolut realistisch geschildert, ich hatte klare Bilder vor Augen, sei es die tief verschneite Landschaft, das Leben auf dem Julianenhof oder auch dem Leben im Dorf,
während des 2.Weltkriegs genauso wie die kleinen Glücksmomente, wenn z. B. Anna erkennt das die Freundschaft zu Mathis, einem jungen Mann aus dem Dorf, sich zu mehr entwickelt.

Oftmals hat man Lieblingsprotagonisten, die eine Person, die einem besonders ans Herz wachsen, hier konnte ich mich nicht entscheiden, mal war mir Marie am nächsten, die junge Frau kommt nicht zur Ruhe, immer wieder schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Dann wieder war es Barbara, die selbstbewusst und immer beherrscht der ruhende Pol ist, sie weiß immer was zu tun ist, zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort wäre aus ihr sicherlich eine erfolgreiche Ärztin geworden, das ist ihr auch bewusst, aber sie hadert nicht, sie liebt ihren Beruf und die Menschen um sich herum und sie ist diejenige die mit einer kleinen Aktion einen weiteren großen Schritt aus der traditionellen Frauenrolle heraus macht.
Ja und Anna? Sie ist ein Kind, wie könnte man Kinder nicht mögen.


Ich bin sehr gespannt, wie es mit den Wintertöchtern weiter geht, zu meinem Glück sind die beiden Folgebände
Die Kinder
und
Die Frauen
schon erschienen.

Wintertöchter - Die Gabe, bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch
  • Verlag: pinguletta Verlag (20. November 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3981767853
  • ISBN-13: 978-3981767858















Samstag, 23. November 2019

Waldesgrab von Lene Schwarz


Nach dem Unfalltod seiner Frau lebt Leon allein mit seiner Tochter Thea, das Mädchen scheint den Verlust der Mutter endlich halbwegs verarbeitet zu haben und bereitet sich auf ihr Abitur vor und der ehemalige Spitzenkoch fühlt sich in einem kleinen, idyllischen Gasthof Am Quellbach am richtigen Platz. Eine große Hilfe ist ihm da Marlene, die beste Freundin seiner Frau.
Bis Leon unweit seines Arbeitsplatzes eine  makaber hergerichtete Leiche findet, in der Brust der Toten wurde ein Quarzstein drapiert, der Leon an ein lang verdrängtes Geheimnis erinnert.
Nach einem weiteren Leichenfund in Leons Umfeld, gerät er nicht nur in den Focus der polizeilichen Ermittlungen er muss sich auch der Frage stellen, wer sein Geheimnis kennt.
Leon macht sich auf die Suche nach dem Mörder, denn er will unbedingt verhindern, dass der Wald sein Schweigen bricht.

Die Autorin Lene Schwarz hält sich nicht mit langem Vorgeplänkel auf, schon auf den ersten Seiten konfrontiert sie den Leser mit dem Anblick einer grausam zugerichteten Leiche, die sie sehr detailliert beschreibt.
Nach und nach gibt die Autorin das Geheimnis des Waldes preis und damit auch Leons Geheimnis, in Rückblicken wird die eine oder andere Frage beantwortet und neue aufgeworfen und sie präsentiert immer wieder neue Verdächtige, bzw. die meisten der Protagonisten sind von vornherein so, konstruiert das man ihnen allen die Taten zutraut. Ich zumindest habe so ziemlich jedem im Quellbach wenigstens eine Beteiligung an den Taten zugetraut.
Um so überraschender war dann das Ende. Aber bis dahin war ich gefangen in der düsteren Atmosphäre der Harzer Wälder.

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (19. November 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499000695
  • ISBN-13: 978-3499000690







Freitag, 22. November 2019

Zonenrandkind von Tim Boltz



Die 80er Jahre im hessischen Zonenrandgebiet. Hier lebt Frank Breuning. Als Teenager hat man es nicht einfach mitten in der Provinz, die einzige Zerstreuung besteht aus nachmittäglichen Treffen an der örtlichen Tischtennisplatte und Ausfahrten mit dem frisierten Mofa. Und am Samstag ist Kehrwoche.

Wir begleiten Frank, Franky, wie er genannt werden will durch seine Jugendjahre und das ist durchaus unterhaltsam, obwohl ich kaum einen Unterschied zu meiner Jugendzeit in den 80ern erkennen konnte. Hätte der Autor nicht hin und wieder etwas von Zonenrandförderung oder Wochenendausflügen an die nahe innerdeutsche Grenze geschrieben, es wäre mir nicht aufgefallen, dass der Wohnort und die Lebensumstände Frankys sich in irgendeiner Weise von denen Millionen anderer Teenager zu der Zeit unterscheiden.
Aber lasse ich die meiner Meinung nach nicht vorhandenen besonderen Umstände außer acht, habe ich mich  amüsiert.
Tim Boltz gewährt einen recht tiefen Einblick in das Seelenleben eines pubertierenden männlichen Jugendlichen, die haben es schon nicht leicht die armen Jungs. Hormon geplagt flüchten sie in dumme Sprüche und Dosenbier und wundern sich das die Mädchen in ihrem Alter nicht auf sie stehen. Zum erwachsen werden gehört die Erweiterung des Umfelds, ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll. Je älter man wird, desto weitere Kreise zieht man, um Erfahrungen zu sammeln. Ich finde das die Ausflüge der Jungs, die sich im Laufe der Zeit ihren Möglichkeiten entsprechend, immer mehr ausdehnen ein schönes Sinnbild dafür sind.
Bevor ich das Buch begann, hatte ich ein wenig bedenken, das der Autor die Jugendzeit Frankys verklärt oder ob er jammert, was sein Protagonist alles verpasst hat. Nicht von beidem gab es in dem Buch. Tim Boltz hat ein realistisches Bild einer Jugend auf dem Land geschildert, einer Jugend ohne Facebook, dafür mit Klatsch und Tratsch an der Tischtennisplatte und ohne Fast Food aber mit billigem Bier. Und vor allem Rituale an die man sich auf dem Dorf zu halten hat, will man nicht ausgegrenzt werden, also kaum anders als heute nur die Plattform hat sich geändert, vom Dorfplatz zu Facebook.
Ich hätte mir ein wenig mehr Zonenrandgefühl gewünscht, nichtsdestotrotz ist das Buch ein humorvoller Rückblick auf die 80er Jahre.

Und das ist eine weitere Stimme zum Buch:

https://laberladen.com/zonenrandkind-von-tim-boltz/


  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Tinte & Feder (17. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 2919805746
  • ISBN-13: 978-2919805747


Donnerstag, 21. November 2019

Schwarzer Leopard, roter Wolf von Marlon James


Der Klappentext verspricht mit Schwarzer Leopard, roter Wolf eine Trilogie über das märchenhafte Afrika, das unvermeidlich an Tolkien, George R.R.Martin und Black Panther erinnert.
Und so hatte ich mich auf ein Fantasy Epos gefreut, auf ein Buch das mich mit nimmt in ein mir vollkommen unbekanntes Land, womit ich nicht  die Geografie des Landes meine, sondern  seine Literatur. Ganz kurz hatte ich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit in die Leseprobe geschaut und war beeindruckt vom Schreibstil des Autors, hier ist sicherlich auch der Übersetzter zu erwähnen, Stephan Kleiner hat wohl einen guten Job gemacht.
Die Sprache in dem Buch ist beeindruckend, fast schon poetisch, die Erzählfreude des Autors war es dann auch, die mich am Buch hielt. In diesem Punkt stimme ich dem Klappentext zu, der James Marlon mit George R.R. Martin vergleicht, der ebenso gern erzählt.

Ich habe lange gebraucht um auch nur Ansatzweise in die Geschichte zu kommen, zu oft ließ mich James Marlon etwas verwirrt zurück, der eine oder andere Handlungssprung ist ja absolut OK, aber hier war es mir auf jeden Fall zu viel.
Mit wenigen Worten den Inhalt zu beschreiben ist für dieses Buch absolut unmöglich, dazu müsste ich viel tiefer in die Mystik und Legenden Afrikas eingehen als ich selbst verstanden habe.
Ganz kurz angerissen: Der Erzähler bekommt den Auftrag einen Jungen zu aufzuspüren, der vor 3 Jahren verschwand. Wegen seiner besonderen Fähigkeiten wird der Erzähler der Sucher genannt. Wir begleiten ihn auf einer langen Reise und begegnen dabei Gestaltwandlern, Vampiren und Hexen.

Ich habe lange gebraucht, bevor ich mich dazu bewegen konnte eine Rezension zu schreiben und ich weiß immer noch nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Es ist teilweise brutal und abstoßend, der Autor scheut nicht vor genauen Beschreibungen von Gewalt auch von sexueller Art zurück, an manchen Stellen wollte ich das Buch abbrechen und nie wieder aufschlagen und ich bin wirklich nicht zart besaitet. Auf der anderen Seite war ich fast verliebt in die Sprache Marlon James, die mich auch durch die langatmigen Seiten führte, die auf 800 Seiten nicht ausblieben.


Mittwoch, 20. November 2019

Schonungslos offen von Irene Matt


Inhalt: Alexandra Rau und ihr Kollege Isidor ermitteln in einem besonders schwer Fall, ein Serienmörder treibt sein Unwesen, ohne Spuren zu hinterlassen, mordet er wahllos, seine Opfer haben nur eine Gemeinsamkeit, sie sind jung und schön.

Meine Meinung:
Nach "Nichts drin" und "Der Augenblick“ ist "Schonungslos offen" ein weiterer Fall für Alexandra Rau und Isidor Rogg und dieser Fall scheint fast unlösbar.
Der Täter wählt seine Opfer scheinbar wahllos sie haben nur eine Gemeinsamkeit, sie sind jung und schön.
Alexandra und Isidor rennt die Zeit davon, denn schon kurz nach dem Fund ersten Opfern verschwinden die nächsten jungen Leute.
Als Leser ist man sehr nah bei den ermittelnden Beamten, wir erleben ihre Enttäuschung, wenn es in dem Fall nicht weitergeht und freuen uns über jeden noch so kleinen Ermittlungserfolg.
Alexandra tritt auf der Stelle, erst als sie in ihrem eigenen Umfeld auf Ungereimtheiten stößt scheint der Täter zum Greifen nah.
Ich mag Alexandra, die meist besonnen und vernünftig ihrer Arbeit nachgeht und die sich durchaus bewusst ist, das es nichts bringt sich vollkommen aufzureiben und sich deshalb auch Pausen gönnt, aus denen sie sich gestärkt und mit frischem Blick erneut in die Ermittlungsarbeiten vergräbt. Das echte Leben ist kein Fernsehkrimi, wie sie so treffend wie realistisch meint.

Wir erfahren aber nicht nur wie die Ermittlungsarbeiten laufen, auch der Täter kommt zu Wort. In Einschüben erzählt er uns von seiner Selbsttherapie. In Sitzungen wie bei einem Psychiater berichtet er von seiner Kindheit und seinem heutigen Leben. "Schonungslos offen" wie er in sein Tagebuch schreibt, beschreibt er seine Taten, ob er alles offenlegt, was ihn antrieb Menschen zu töten , ich glaube es fast nicht. Zu brutal und sexuell motiviert sind seine Taten.

Ich vergebe für das Buch eine klare Leseempfehlung. Wer die Vorgängerbände kennt, wird eine positive Entwicklung bezüglich des Schreibstils der Autorin feststellen, der mir vorher schon gefallen hat. Schonungslos offen lässt sich noch etwas flüssiger lesen.

  • Gebundene Ausgabe: 282 Seiten
  • Verlag: Verlag am Eschbach; Auflage: 1 (1. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3869178019
  • ISBN-13: 978-3869178011



Montag, 18. November 2019

Backnang Stories 2019 Lesung in Backnang


Backnang Stories: Was ist das eigentlich? Irgendwelche Geschichten über eine mittelgroße Stadt in Baden-Württemberg, die bisher ich nur vom Hörensagen kannte. Am Sonntag nun ergab sich die Gelegenheit mich mal näher zu informieren. Die einzige Lesung zu den Backnang Stories fand am 17.11.2019 in der Musikbar: Das Wohnzimmer statt, die von außen eher nüchtern wirkende Location ist von innen erstaunlich gemütlich. Da wir nur ganz knapp pünktlich waren, bekamen wir nur noch Plätze am Rand, die Frage, ob wir da überhaupt etwas verstehen beantwortete sich schnell, denn die erste Autorin begann schon mit ihrer Lesung.



Sarah Stiegler - Die Stiege
Sabine Baumert - Maubacher Gartenzwerg-Marsch
Annika Vetter - Aus dem Leben einer 15-jährigen
Hanna Höhle - Der Gänsezauber
Felix Rosenfeldt - Der Schatten
Tanja Kummer - Die Templerin



Teils lasen die Autoren und Autorinnen ihre Geschichten komplett vor, teils nur in Auszügen, weil die Geschichte doch länger geworden ist als geplant. Das kann laut dem Verleger Marc Hamacher schon mal vorkommen und wenn sie dann zu gut sind um nicht gedruckt zu werden, lässt man sich schon mal etwas einfallen.


Beim Blick auf die Autoren fällt auf, bis auf Tanja Kummer die sich mit ihrer Tybay Saga und dem in sich abgeschlossenen Fantasyroman: Sturm der Verbannten, schon einen Namen in der Fantasyliteratur gemacht hat, kennt man noch niemanden so richtig, von den Erwachsenen Autoren und Autorinnen klingelt vielleicht etwas, wenn man den Namen liest aber noch ist das Klingeln eher leise.. Vielleicht sind die einen oder anderen Gesichter in Backnang treffen bekannt, viele der Autoren kann man morgens auf dem Schulweg treffen.


Das verwundert nicht, kennt man den Hintergrund zu den Anthologien.

Der Leseratten Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, Nachwuchsautoren jeden Alters aus Backnang und der Region eine Plattform zu bieten. Seit 2014 gibt es den Schreibwettbewerb, an dem sich jeder beteiligen kann, eine unabhängige Jury wählt die Gewinner aus.

Ich bin von dieser Idee und der Ausführung begeistert, gerade die Tatsache das auch Jugendliche und Kinder darin bestärkt werden Geschichten zu schreiben ohne dafür viel mehr als ein Grundthema, sie müssen in Backnang oder der Region spielen, vorgegeben zu bekommen. Die Autoren, egal ob jung oder schön etwas älter dürfen und sollen sogar ihre Fantasie voll ausleben.
Geschichten zu schreiben die auch lesbar sind, ist schwierig, das wissen wir alle noch aus Schulzeiten, eine gute Idee ist noch nicht alles. Das am Ende eine runde Geschichte in der Anthologie steht, ist dem äußerst strengen Lektorat Tanja Kummers zu verdanken, wie mir der Verleger verraten hat.
Tanja Kummer, Marc Hamacher

Der Abend in der Musikbar Das Wohnzimmer, war rundum gelungen und trotz unserer nicht ganz optimalen Plätze, war alles gut zu verstehen, gute Technik machte es möglich.









Donnerstag, 14. November 2019

Die Putzhilfe von Regina Nössler


Inhalt: Franziska ist Mitte 30, als sie Hals über Kopf aus der Provinz nach Berlin zieht, sie lässt alles zurück. Ihren Mann, ihren Job, ihre Eltern und ihren Namen.
Fortan nennt sie sich Marie Weber, mit viel Glück, kommt sie in einer heruntergekommen Wohnung unter. Sie ist stets darauf bedacht, mit wenigen Menschen zu sprechen, um nicht zu verraten, wer sie wirklich ist. Ihre Zeit verbringt sie in den Museen der Stadt. Dort lernt sie Henny kennen, die gerade auf der Suche nach einer neuen Putzhilfe ist. Zögernd nimmt Marie das Angebot an, ohne ihre wahre Identität zu offenbaren hat sie allerdings auch keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen. Paralell lernen wir noch Sina kennen, die 15-jährige beobachtet Marie, die sie zufällig immer wieder trifft. Sina ist eine Göre, wie sie im Buche steht, eine freche, faule Schulschwänzerin, aus üblen Verhältnissen.

Meine Meinung: Wenn eine Geschichte den Zusatz: Nichts ist, wie es scheint, verdient, dann diese.
Aus diesem Grund fällt es mir auch so schwer zu erzählen, worum es im Buch im einzelnen geht. Sobald ich auf eine der Protagonistinnen näher eingehen würde, liefe ich Gefahr etwas zu verraten was das komplette Buch spoilert, das will ich natürlich nicht.
Der Leser begleitet Marie durch das Buch, er erfährt einiges aus ihrem Leben vor ihrer Flucht aus einer unglücklichen Ehe, der nicht nur räumlichen Enge ihres Zuhauses. Einzig ihr Beruf erfüllte sie, dort machte sie Karriere, die Doktorarbeit war ein Klacks für die begabte Akademikerin und ihre Habilitation nur noch eine Frage der Zeit. Mit diesem Wissen schlug meine Fantasie Purzelbäume. Wie furchtbar muss ein Leben sein, das eine einfache Trennung nicht reicht?
Die Autorin hat es geschafft das ich für die Protagonistinnen eigene Legenden hinter den erzählten Tatsachen ersann, das ist so spannend wie, im Nachhinein auch amüsant.
Marie als Charakter stürzte mich in ein Wechselbad der Gefühle, mal mochte ich sie sehr und mein Mitleid mit ihr wuchs ins unermessliche, dann wieder tat oder sagte sie etwas das mich mit einem Unbehagen erfüllte, das nicht ganz greifbar aber unterschwellig immer da war und immer stärker werdend in meinem Hinterkopf lauerte. 
Thomas Wörthe schreibt über die Autorin:
... sie korrespondiert mit unser aller Erfahrung, vermutlich deswegen erkennen wir uns so oft in ihren Konstellationen und Konflikten.
dem kann ich nur zustimmen und möchte hinzufügen
vermutlich deswegen vermag sie uns so sehr zu überraschen.

Ich vergebe für Die Putzhilfe, eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 402 Seiten
  • Verlag: konkursbuch (25. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 388769595X
  • ISBN-13: 978-3887695958







Mittwoch, 13. November 2019

Wisting und der Tag der Vermissten von Jorn Lier Horst


Inhalt: Jedes Jahr am 10.Oktober besucht Kommissar Wisting den Ehemann  der vor 24 Jahren an diesem Tag verschwundenen Katharina Haugen. Der Fall ist mysteriös, nichts deutete vor ihrem Verschwinden darauf hin, das sie freiwillig  gehen wollte und es gibt keine Hinweise auf ein Verbrechen. Die einzige Spur ist ein Zettel auf dem Küchentisch mit Zahlen und Zeichen, ein Code den niemand entschlüsseln kann, ein Strauß vertrockneter Rosen und ein gepackter Koffer.
Der letzte Jahrestag verläuft allerdings anders als die bisherigen, aus Oslo reist ein Ermittler der Adrian Stiller an, er ermittelt in dem Fall der ebenfalls vermissten Nadja Krogh und in ihrem Fall sind Fingerabdrücke Martin Haugens aufgetaucht, der zum ersten Mal die Verabredung mit Wisting verpasst.

Meine Meinung:
Der Name Jorn Lier Horst, sagte mir gar nicht, bis ich mich im Rahmen der FBM 19 etwas näher mit norwegischer Kriminalliteratur zu beschäftigte. Meine Wahl fiel also auf Wisting und der Tag der Vermissten.
Ermittler die sich mit sogenannten Cold Cases beschäftigen, stehen nicht mehr unter Zeitdruck, sie können jeden Aspekt eines Falles immer wieder beleuchten und analysieren. Da aber sich an Tatorten und im Umfeld der Opfer naturgemäß alle Spuren und Hinweise im Laufe der Zeit in Luft auflösen, findet die Ermittlungsarbeit hauptsächlich am Schreibtisch statt. Wisting vertieft sich regelmäßig in die alten Akten immer in der Hoffnung auf den entscheidenden Hinweis.

Wisting und der Tag der Vermissten, ist ein ruhiger Krimi, langsam fast bedächtig begleitet der Leser die Ermittlungsarbeit und gerade das zeichnet das Buch aus, ohne an Spannung zu verlieren, verzichtet der Autor auf Gewaltdarstellungen oder gar allzu überraschende Wendungen.

Von mir bekommt das Buch eine Leseempfehlung und ich bin gespannt welchen Cold Case, Wisting als nächstes auf den Schreibtisch bekommt.

  • Verlag: Piper Paperback; Auflage: 2. (1. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492061419
  • ISBN-13: 978-3492061414
  • Originaltitel: Katharina-koden