Posts mit dem Label Weihnachtskrimis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weihnachtskrimis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 16. Oktober 2026

Rezension: Der Tote unterm Tannenbaum – Gemütlicher Weihnachts-Cozy-Crime von Charlotte Candlewood


 Cozy Crime ist ja normalerweise nicht mein Genre. Da ich die Autorin aber unter ihrem anderen Namen, Charlotte Charonne, kenne, wusste ich, dass sie auf jeden Fall schreiben kann. Und tatsächlich: Der Tote unterm Tannenbaum ist ein unterhaltsamer weihnachtlicher Krimi, der genau das liefert, was der Klappentext verspricht: britischen Charme, skurrile Figuren, ein gemütliches Gästehaus und einen Fall, bei dem man gern miträtselt.

Worum geht es in "Der Tote unterm Tannenbaum"?

Lily hat kurz vor Weihnachten praktisch alles verloren: ihren Job, ihren Freund und ihre Wohnung. Auch der neue Job, auf den sie gehofft hatte, wird kurzfristig abgesagt. Umso willkommener ist das Angebot ihrer Tante Margery, in deren Gästehaus Graceheart Manor im Dorf Rosebury auszuhelfen. Doch schon bald meint Lily, dass dort etwas nicht stimmt. Nachts gibt es Geräusche, Gegenstände verschwinden, und sie hat das Gefühl, beobachtet zu werden. Während Tante Margery an Geister und übernatürliche Energien glaubt, vermutet Lily einen sehr realen Eindringling.

 Weihnachtliche Stimmung in Surrey

Rosebury selbst hat die Autorin liebevoll gezeichnet: ein kleines Dorf in Surrey, eine Stunde von London entfernt, mit Cottages, die in der Primrose Lane fast wie kleine Charaktere wirken. Dazu kommt das Graceheart Manor, das auf einer Anhöhe über dem Dorf liegt und mit seinen festlich geschmückten Fenstern zunächst genau die gemütliche Kulisse bietet, die man sich für einen weihnachtlichen England-Krimi wünscht.

Die Autorin lässt hier viel Raum zum Spekulieren. Die Gäste benehmen sich durch die Bank seltsam, und nach und nach verdichtet sich das Gefühl, dass im Graceheart Manor mehr vorgeht als festliche Weihnachtsstimmung. Als sich herausstellt, dass der örtliche Buchhändler Bernie hoch verschuldet ist und im Gästehaus einen Schatz vermutet, wird es richtig spannend. Und dann gibt es auch noch einen Todesfall: Jemand stürzt im Haus die Treppe hinunter. Die Gerichtsmedizin spricht von einem Unfall, Margery und Lily sind überzeugt, dass es Mord war.

Meine Meinung: Britischer Charme trifft auf Dorfgeheimnisse

Besonders gut hat mir gefallen, wie eng hier Weihnachtsstimmung und Dorfleben verbunden sind. Es gibt Mince Pies, Tee, Mistelzweige und diese typisch britische Mischung aus Herzlichkeit, Neugier und kleinen Eigenheiten. Rosebury wirkt dadurch nicht nur als Schauplatz, sondern fast wie eine weitere Figur: malerisch auf den ersten Blick, aber mit erstaunlich vielen Geheimnissen hinter den hübschen Fassaden.

Gelungene Charaktere mit Ecken und Kanten

Mir hat besonders die Dynamik zwischen Lily und ihrer Tante gefallen. Beide haben ihre Eigenheiten. Margery glaubt felsenfest an Geister, legt Tarotkarteb, trinkt natürlich Tee und ist ebenso überzeugt, dass Lily den Fall aufklären kann, schließlich macht die ja Yoga. Margery hat Yoga nicht wirklich verstanden und will das wohl auch nicht.😊 Lily ist dagegen bodenständiger, neugierig und trotz aller Rückschläge nicht bereit, einfach aufzugeben. Dazu gesellt sich Ben, ein Journalist mit einem guten Gespür für verborgene Geschichten. Er ist kein typischer Ermittlungspartner, sondern erst einmal jemand, dem Lily nicht sofort vertraut, auch weil sie das Prickeln das sie verspürt wenn er in der Nähe ist, gar nicht erst zulassen. Gerade diese Zurückhaltung macht die Entwicklung zwischen beiden angenehm unaufgeregt. Dass sie mein Lieblingsparfum nicht mag, nehme ich ihr zwar ein bisschen krumm, aber ihre Liebe zu Sandelholz macht das wieder wett.

Natürlich darf in einem Cozy Crime, der an Weihnachten spielt, die Romantik nicht fehlen. Wir sind ja in England, und dort gehört der Kuss unter dem Mistelzweig angeblich zur Tradition. Wer sich küsst, wer sich vielleicht mehr als einmal küsst und ob es bei einem Paar bleibt, verrate ich genauso wenig wie den Täter.

Fazit: Das perfekte Buch für gemütliche Winterabende

Der Tote unterm Tannenbaum ist ein atmosphärischer Weihnachts-Cosy-Krimi mit Slow-Burn-Romance, viel weihnachtlicher Stimmung und einem Dorf, in dem offensichtlich niemand ganz ohne Geheimnis ist. Zwischen Mince Pies, Mistelzweigen, Tee und festlich geschmückten Cottages entfaltet die Autorin ein England, das man beim Lesen fast sehen kann: gemütlich, etwas verschroben und dennoch voller Spannung. Wer gemütliche Winterabende auf dem Sofa, britische Dorfgeschichten und einen Krimi ohne zu viel Härte mag, wird hier gut bedient. Für mich war es ein gelungener Ausflug in ein Genre, das ich sonst eher selten lese.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Dryas Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Erstauflage
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 300 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986721126
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986721121