Samstag, 31. Oktober 2020

Post Mortem von Amalia Zeichnerin

 

Die aufstrebende Sängerin Pauline Westray stirbt bei einem Besuch im Studio des Fotografen Clarence Fox nach dem Verzehr einer Praline,

Fox und seine Frau Mabel die als Krankenschwester arbeitet, zweifeln daran das die junge Frau an einer natürlichen Todesursache gestorben ist und ermitteln auf eigene Faust und schon bald stoßen sie auf Ungereimtheiten, die sie in ihrer Meinung bestärken.

Ich kann tatsächlich nicht mehr über den Inhalt verraten, ihr kennt mich, ich würde vielleicht aus Versehen etwas verraten, das euch auf die Spur des Mörders bringt oder zumindest  auf sein Motiv, irgendeine  Kleinigkeit und damit würde ich euch des Lesevergnügens berauben und das will ich natürlich nicht.

Die Autorin Amalia Zeichnerin stellt ihre Protagonisten und die Zeit in der sie leben ausführlich vor, wir befinden uns im 19. Jahrhundert, einer Zeit des Aufbruchs sowohl in der Medizin, als auch in der Emanzipation. So hat Mabel die Gelegenheit den Gerichtsmediziner Dr. Tyner ab und zu bei seiner Arbeit zu unterstützen, zwar ist sie keine Medizinerin aber als Krankenschwester während des Krieges hat sie viel gesehen und gelernt. Dass ihr Mann Fox sie bei allem was sie tut unterstützt, ist auch keine Selbstverständlichkeit in der damaligen Zeit.

Kommen wir aber wieder zu dem Tod der aufstrebenden Sängerin, nach und nach finden Mabel und Fox Hinweise die wie ein Puzzle mit dem letzten Teilchen ein klares Bild ergeben. Der Weg dorthin ist recht spannend, wir bekommen einige Einblicke in diese für uns fremde Zeit, schon allein die Dialoge, die für unsere Ohren etwas hölzern klingen mögen, unterscheiden sich naturgemäß sehr von den heutigen. Im Nachhinein wünschte ich mir etwas der Höflichkeit zurück, sie würde uns guttun.

Post Mortem, ist ein ruhiger Krimi, der zum größten Teil von seiner Atmosphäre lebt, das Buch kommt ohne die unnötige Darstellung von Gewalt aus, das macht es auch für zartbesaitete Leserinnen und Leser zu einem Vergnügen.

Gäbe es auf meinem Blog Sternchen zu verteilen, müsste ich trotzdem einen abziehen, aber ich bin sicher das liegt einzig und allein daran das ich schon so viele Krimis gelesen habe und es oft die Kleinigkeiten sind, die mir Motiv oder Täter verraten, so war es leider auch dieses Mal und sp blieb die Spannung für mich leider etwas auf der Strecke. Aber wie gesagt, das liegt an mir nicht am Buch.

Eine weitere Rezension findet ihr bei https://fraugoetheliest.wordpress.com/2020/10/31/mord-im-fotoatelier-rezension/

  • Taschenbuch : 250 Seiten
  • ISBN-10 : 3948483213
  • ISBN-13 : 978-3948483210
  • Herausgeber : Dryas Verlag; 1. Auflage (6. Oktober 2020)

 



Montag, 26. Oktober 2020

Der Teufel vom Brocken von Eva-Maria Silber


Klappentext:Neun Tote auf dem Brocken, und alles deutet auf Mord hin. Eine Gruppe Studenten bricht am 1. Advent 1989 zur Brockenbefreiung auf. Am nächsten Tag sind alle tot. Etwas hat sie offenbar bei eisigen Temperaturen aus ihrem Zelt getrieben. Drei Verbindungsbeamte des BKA ermitteln im Grenzgebiet, ebenso Tomas Düvel, einer der fähigsten Kriminalisten der DDR. Sie finden heraus, dass das Zelt von innen zerschnitten wurde, ein Schuhabdruck nicht von den Studenten zu stammen scheint und der Pullover eines Opfers radioaktiv verstrahlt ist. Doch die grausame Wahrheit hinter all dem setzt sich nur Stück für Stück zusammen.



Tomas Düvel Oberleutnant der Kriminalpolizei und Leiter der Morduntersuchungskommission Magdeburg wird mit der Aufklärung der Todesfälle auf dem Brocken beauftragt, kein leichtes Unterfangen für den erfahrenen Beamten, die Staatsanwaltschaft der zu dem Zeitpunkt noch existierenden DDR will den Fall schnell zu den Akten legen, nach dem Fund der ersten Toten deutet auch alles auf einen schrecklichen Unfall hin, die jungen Leuten sind augenscheinlich erfroren, für alle seltsamen Umstände findet sich eine halbwegs logische Erklärung. Erst als die letzten Studenten tot aufgefunden werden deren Körper Verstümmelungen aufweisen, gehen die Ermittlungen weiter, diesmal mit der Unterstützung dreier Beamter des BKA und damit der Bundesregierung.

Cassandra von Lucadou und ihre Kollegen Desiderius Maus und Max Rabenfels sind Könner auf ihrem jeweiligen Gebiet, Cassandra und Maus sind ausgebildet, um brenzlige Situationen einzuschätzen und zu bewältigen auch mit körperlichem Einsatz während Rabenfels Stärken auf diplomatischer Ebene zu finden sind.
Die Zusammenarbeit mit Düvel ist zunächst geprägt von Vorbehalten und vor allem Vorurteilen, die allerdings weniger auf seiner fachlichen Kompetenz beruhen als auf Cassandras persönlichen Empfindungen.
Als sich Team dann doch zusammen rauft finden sie Spuren, die auf das Plateau des Brockens führen.

Ich hatte bis zu diesem Buch noch nie etwas von der Brockenbefreiung gehört, überhaupt gehört die Zeit unmittelbar vor der Wiedervereinigung nicht unbedingt zu der Zeit aus der ich viel weiß umso lieber lese ich heute darüber und wenn die äußeren Umstände so gut recherchiert sind wie von Eva-Maria Silber (alles, was ich nachschlug, passte) macht schon allein das ein Buch lesenswert. Einzig die unproblematischen Telefongespräche muss ich aus eigener Erfahrung aus dem Januar 1990 bezweifeln, aber das ist eine absolute Nebensächlichkeit, die mich eher schmunzeln ließ.
Bis zum Ende hatte ich absolut keine Idee was genau den Studenten zugestoßen sein könnte und so fieberte ich der Auflösung entgegen.
Die Autorin hat es geschafft Fakten und Fiktion zu einem spannenden Kriminalfall zu verweben, der mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugte und dessen Ende auf weitere gemeinsame Fälle Duves mit dem BKA-Team um Cassandra von Lucadou hoffen lässt.

  • Taschenbuch : 320 Seiten
  • ISBN-10 : 374080923X
  • ISBN-13 : 978-3740809232
  • Herausgeber : Emons Verlag (15. Oktober 2020)










Sonntag, 25. Oktober 2020

Herbert - Wundertüte aus dem All von Axel Ulrich

 

Klappentext:
Herbert schmiert mit seinem Fluggerät über dem Bodensee ab und versenkt es auf der Stelle. Er wird verfolgt, flieht und versteckt sich in beruflicher Normalität als Programmierer. Im Job zeigt er Fähigkeiten an der Grenze zum Genie und verliebt sich in eine schöne IT-Chefin.Er will Gutes tun, legt sich mit der Mafia an, macht die meisten Waffen unbrauchbar, was die gesamte Politik gehörig durchrüttelt. Eingefahrene Kräfteverhältnisse verschieben sich nicht nur, sie werden komplett verändert. Außerirdische Touristen wollen angeblich zwecks Urlaub am Ballermann aufkreuzen, Staaten zerlegen sich, Herbert muss den Geist spielen und klaut ein altes Ufo. Dann entführen die Dreckskerle auch noch seine Geliebte..


Niemand erkennt durch den äußerlichen Anblick, das Herbert ein Außerirdischer ist und eigentlich ist er ja auch ein auf einem fremden Planeten gezüchteter Mensch und ganze sieben Jahre alt, mit dem Aussehen eines Enddreißigers,  dem Intellekt eines Genies und ausgestattet mit Fähigkeiten und Technik, die alles, was die Menschheit kennt, in den Schatten stellt. 

Herbert freundet sich mit seinem Chef Thomas und dessen Frau an und erzählt ihnen in weinseliger Runde von seiner Herkunft und seinem Auftrag Entwicklungshilfe auf der Erde zu leisten. Mit seinen Fähigkeiten als Hacker dringt er in die Computer großer Pharmafirmen ein und verteilt Antibabypillen im Wert von mehreren Millionen an Hilfsorganisationen die diese in kostenlos in Afrika verteilen.

Bald schon hat er nicht nur die Pharmafirmen, sondern auch die italienische Mafia und die CIA auf den Fersen und auch die Thomas und seine Familie geraten in Gefahr, ebenso wie die Frau die er liebt.

Die Grundidee des Buches hat mir sehr gut gefallen, was wäre wenn: Jemand zu uns käme und viele Probleme für uns löst in dem er für Geburtenkontrolle sorgt, mafiöse Strukturen zerschlägt und dafür sorgt, das moderne Kriegsführung nicht mehr möglich ist? 

Die Lösungen, die sich Axel Ulrich erdacht hat, scheinen auch absolut sinnvoll und man könnte das Buch durchaus als eine utopische Erzählung  verstehen, nur der Weg dorthin ist ein klein wenig holprig, dabei rede ich nicht von dem Schreibstil, der mir sogar recht gut gefiel, da er eher außergewöhnlich ist und von dem üblichen glattgefeilten Stil anderer Autoren abweicht, der Autor hat eben seine eigene Art zu schreiben und das ist auch gut so.
Es war eher der Humor im Buch, der nicht immer meinen Geschmack traf, aber das ist wie gesagt Geschmackssache. Dann ist da aber noch die Sache mit der Technik, die Herbert einsetzt und von der er nicht die geringste Ahnung hat wie sie funktioniert und sie "Quantenmechanik"  und mit "Das ist ebenso" erklärt. Da wäre es mir lieber gewesen Herberts Mitstreiter hätten nicht gefragt wie etwas funktioniert, dann hätte er keine "Nichterklärungen" liefern müssen, die mich als neugierigen Menschen etwas frustriert haben.
Aber vielleicht hat jemand der Quantenphysik nicht für ein vollkommen abstraktes Konstrukt hält eine ungefähre Ahnung, ich hatte keine. Lieber eine abstruse Erklärung als keine.

Nichtsdestotrotz halte ich Herbert - Wundertüte aus dem All für durchaus lesenswert, weil die Lösungen für viele Probleme unserer Welt, die Axel Ulrich bietet, eigentlich recht einfach umzusetzen wären, wenn sie nicht mit dem Verlust von Geld und Macht für einige wenige einhergehen würden.

  • Taschenbuch : 290 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8684837838
  • Größe und/oder Gewicht : 15.24 x 1.68 x 22.86 cm
  • Herausgeber : Independently published (10. September 2020)
  • ASIN : B08HTVRZYG
  • Sprache: : Deutsch




Freitag, 23. Oktober 2020

Juno und die Reise zu den Wundern von Judith Hoersch


 Eine Fabelhafte Geschichte.

so lautet der Untertitel, des Buches und fast könnte man Junos Geschichte mit einer Fabel vergleichen, auch wenn die klassischen Zutaten einer Fabel fehlen, aber sie veranschaulicht in wunderschönen Worten die unweigerlich Bilder in unseren Köpfen entstehen lassen, die Hintergründe von Junos Reise.

Juno ist ein von ihrer Mutter ungeliebtes und von ihrem Vater wenig beachtetes Kind, sie flüchtet sich in Träume, in dem sie mit dem Haus das nicht fliegen kann durch die Wolken schwebt und in die magische Welt ihrer Märchenbücher. Unverstanden und von niemandem wirklich vermisst zieht sie als junge Frau in die schielende Stadt, doch auch dort bleibt sie einsam, sie schafft es nicht sich den Menschen zu öffnen und auf sie zuzugehen, nur mit dem Trödelhändler Mr. James verbindet sie eine tiefe Freundschaft und durch ihn bringt sie den Mut auf, sich auf eine abenteuerliche Reise zu begeben, auf der sie nicht nur sich fremde Menschen und Länder kennenlernt, sondern auch ein wenig sich selbst.

Die Länder die Juno bereist, haben Namen die wohl die Menschen oder Geografie beschreiben sollen, bei manchen war sofort klar welches Land gemeint was: Das Land der dicken Menschen oder Das Reich der Mutter um nur Amerika und Afrika zu nennen. In jedem Land lernt sie Menschen kennen die eine Lektion für sie haben, sei es durch ihre Worte oder ihr handeln. 

Sei kein Richter! Das Gute und das Schlechte gehören zusammen wie Licht und Schatten.

Um nur eine davon zu nennen, diese lernt sie im Land der weinenden Herzen, in dem sie ein Prostituierte kennenlernt, die alles, was sie tut, für ihre Kinder tut, die sie über alles liebt.

Jetzt kann man sagen, die Lektionen sind Weisheiten wie sie jedem im Laufe des Lebens klar werden müssten, auch ohne sich dafür auf eine Weltreise zu begeben, aber das ist nicht jedem vergönnt, der eine oder andere braucht dafür den äußeren Anstoß, das Eintauchen in das Leben anderer Menschen. Die meisten von uns müssen sich dafür mit Büchern begnügen, da ist dieses Buch hervorragend geeignet für einen ersten Denkanstoß.

Und hier kommt meine Kritik, das Buch ist zu kurz, im Nachhinein habe ich mir gewünscht die Autorin Judith Hoersch, hätte ihrer Protagonistin Juno mehr Zeit bei den einzelnen Menschen gegönnt, es kam  mir so vor als flöge sie im Schnelldurchlauf durch ihre eigene Geschichte und würde jeden Ort verlassen, sobald sie die Lektion lernte. Aber als Anstoß sich mit sich selbst zu beschäftigen, mit dem der man ist und wer man sein will und wie man seinen Mitmenschen begegnet, ist es hervorragend geeignet. Ich mochte das Buch, der Schreibstil ist flüssig um diese Floskel einmal zu nutzen und sie kommt, anders als andere Bücher ohne erhobenen Zeigefinger aus.

Juno darf sein wie sie ist, niemand sagt ihr was sie fühlen oder denken soll, sie bekommt Hilfestellung ohne psychischen Zwang, bis sie die Juno in sich findet die sie sein will.

  • ISBN-10 : 3424351105
  • Gebundene Ausgabe : 160 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3424351101
  • Diederichs-Verlag






Wie künstlich ist Intelligenz? Eine Anthologie Hrsg. Klaus N. Frick

 

Künstliche Intelligenz, zwei Worte, die immer mehr in den normalen Sprachgebrauch übernommen werden, die Werbung verspricht künstliche Intelligenz in Autos und ich glaube sogar in Küchenmaschinen, sie soll unser Leben einfacher und sicherer machen. In der Literatur gibt es sie schon lange: KI, die im Gegensatz, zu dem, was wir in der Realität als künstliche Intelligenz kennen, ein Bewusstsein entwickeln kann, alles, was wir als KI kennen, basiert auf Deep Learning.

Aber, wenn ich ehrlich bin. Für mich muss Technik  einfach funktionieren, egal wie. 
Und in erster Linie wollte ich unterhalten werden als ich dieses Buch in die Hand nahm und das hat hervorragend funktioniert, schon die erste Story hat mich sogar zum Lachen gebracht, auch wenn das Ende, schaut man genauer hin nicht wirklich lustig ist.
Andreas Eschbach erzählt in Alles Geld der Welt von einem KI-Wettbewerb am MIT, den Alex und Rob unbedingt gewinnen wollen, doch ausgerechnet die aus reichem Haus stammende Tammy hat mit ihrem Projekt die Nase vorn.
Jetzt kribbelt es mir etwas in den Fingen euch mehr zu erzählen, aber bei Kurzgeschichten ist das nicht sinnvoll, gehen wir also weiter zu

Ausstieg von Judith C.Vogt in der Jona alles versucht, um dem Vermummungsverbot, das seit einigen Jahren herrscht, ein Schnippchen zu schlagen. Sie ahnt nicht einmal ansatzweise, dass das ihr geringstes Problem ist. Eine Was wäre Wenn Geschichte, wie ich sie liebe.

Der Reigen der Sandteufel von Klaus N.Frick spielt auf dem Mars, der vor langer Zeit von den Menschen kolonialisiert wurde und in dem die Menschen unter Kuppeln leben, außerhalb der Kuppel gibt es kein Leben, behaupten die Erwachsenen doch Jaco ist davon überzeugt, es gibt sie die Sandteufel und eines Tages wird er sie finden. Das Thema KI ist hier ein klein wenig in den Hintergrund geraten, sieht man einmal davon ab, das niemand einen Schritt tun kann, ohne das das Computersystem "Die Zentrale" diesen registriert, das Ende der Geschichte lässt viel Raum für die eigene Fantasie.

Johanna von Stefan Lammers, hat mir besonders gut gefallen, zeigt sie doch das KI wirklich lernfähig sind und das das ausgenutzt werden kann und ich habe hier wieder dieses kribbeln in den Fingern also schnell weiter zu
Chrashtestdummies von Jannis Radeleff, wie der Titel verrät es in erster Linie um Chrashtestdummies. Thomas ist einer davon allerdings anders als die die wir aus den Autotest kennen, weiß er was ihm bevorsteht, aber er weiß auch das die Firma ihn wieder zusammenflickt, wenn etwas schiefgeht und einer muss den Job ja machen. Eine Geschichte über die Zusammenarbeit und das Zusammenleben von Menschen und KIs.

Eine völlig legale Kiste von Nele Sickel, hier habe ich lange gebraucht um dahinterzukommen wo die Geschichte eigentlich hinführt, aber der Weg zur Auflösung war spannend und amüsant und das Ende kann man fast schon als romantisch bezeichnen.

Wagners Stimme von Carsten Schmitt, ist im Gegensatz zu den anderen Storys eher traurig. Jens Wagner leidet an Alzheimer und die Stimme, soll ihm helfen sein Leben weitgehend normal weiterzuführen.

Daheim von Gundel Limberg
Das Haus träumte
so beginnt diese Geschichte und ich stellte mir die Frage, ob es nicht sein kann das Häuser von vergangenen, vielleicht glücklicheren Tagen träumen? Das ist natürlich Blödsinn, aber was, wenn es so hoch technisiert ist, das es das wirklich tut und was wenn es dann seiner Bestimmung nicht nachkommen kann?

Michael Marrak bietet uns in Die Sapiens_Integrale eine klassische Science-Fiction Storie, in der eine Lebensform fasziniert ist von den Träumen der Menschen. Ich gebe zu der Name Michael Marrak war einer der Gründe, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte und ich wurde nicht enttäuscht.

Den Abschluss des Buches bildet ein Nachwort Reinhard Kargers M.A. auch dieses sehr interessant und zum Nachdenken anregend. Und wen das Vorwort des Herausgebers schon neugierig machte auf die einzelnen Geschichten, der wird nach dem Lesen des Nachworts, mehr über KI und Deep Learning* erfahren wollen.

(Der Computer wird mit möglichst vielen Daten und Situationen gefüttert, damit er aus vielen Möglichkeiten anschließend die richtigen Schlüsse ziehen kann. Die Daten sind dabei die Rohstoffe und die Entscheidungen eines Computers nur so gut, wie genau und umfassend die Daten sind, die er bekommen hat.
Im Verlauf eines Lernprozesses werden Computerprogramme mit immer komplexeren Aufgaben konfrontiert, die sie auf Basis der Erfahrung mit vorherigen, einfacheren, Aufgaben verarbeiten).*quarks.de

  • Gebundene Ausgabe : 200 Seiten
  • ISBN-10 : 3948700028
  • ISBN-13 : 978-3948700027
  • Größe und/oder Gewicht : 14.6 x 2.5 x 21.8 cm
  • Herausgeber : Plan 9 Verlag; 1. Auflage (1. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch




Montag, 12. Oktober 2020

Lotte mischt mit von Klaus Heimann


Wieder einmal plaudert Sigi Siebert, Kommissar Ade mit seinem Kumpel Ecki bei Schnaps und Bier in ihrer Lieblingskneipe über einen alten Fall.

Hauptkommissar Sigi Siebert und seine Frau Lotte machen Urlaub zum Blütenfest in Werder an der Havel. Außerdem wollen sie dort ihre Tochter Lucy treffen, die in Berlin studiert. Auf einer Fahrradtour hören Sieberts plötzlich Schüsse. Sigi dringt in eine Villa ein und entdeckt dort zwei Frauenleichen. Lotte beharrt darauf, in einer schwarz gekleideten Gestalt, die sie zufällig am Tatort beobachtet hat, eine Urlaubsbekannte aus Essen erkannt zu haben. Die Potsdamer Kripo nimmt ihre Arbeit auf. Immer mehr Spuren führen in die Heimatstadt der Sieberts. Sigi wird mit seinen Kollegen Erich und Möhrchen in die Ermittlungen hineingezogen. Sie machen sich auf die Suche nach der ominösen Frau. Doch die nimmt es bei ihren Aussagen nicht allzu genau mit der Wahrheit. Schließlich ist es wieder eine Beobachtung von Lotte, die bei der Überführung hilft. Aber Sigi muss trickreich agieren, um zu einem Geständnis zu gelangen.

Fast scheine ich ihn persönlich zu kennen den manchmal etwas grantigen Ermittler aus Essen, den ich meistens sehr mag, manchmal aber auch schütteln möchte, z. B. wenn er sich von seiner Kollegin Theresa genannt Möhrchen mal wieder Kaffee machen lässt, wobei er das auch gut selber erledigen könnte oder wenn er vor sich hingrummelt das die Eltern das Studium der Tochter bezahlen müssen, ja Sigi so ist das eben, wenn man Kinder hat, aber meist mag ich ihn und besonders wenn er von seinen alten Fällen erzählt, wie in diesem der tief in die Vergangenheit der ehemaligen DDR führt.

Es ist erschreckend wie nah mir  die Geschehnisse der Vergangenheit plötzlich gingen, weil sie so real beschrieben wurden wie von Klaus Heimann, er erzählt vom Leid einer jungen Frau, die eigentlich noch ein Kind ist und selber schon Mutter wird, doch von ihren Eltern gezwungen wird das Kind zur Adoption freizugeben und der Vater des Kindes will nichts mehr von ihr wissen. Erst lange nach der Wende erfährt sie was damals wirklich geschah und welche Rolle die Stasi dabei spielt.

Ich habe bis zum Schluss gerätselt, wie alles zusammenhängt und welche Rolle die Urlaubsbekannten von Sigi und Lotte spielen, ich war ganz lange bei Lotte, die sich sicher war, den Täter zu kennen, ob wir recht hatten verrate ich natürlich nicht.
Aber natürlich muss Sigi persönlich gemeinsam mit seinen Kollegen Erich und Möhrchen die Hauptarbeit der Ermittlungen erledigen, auch wenn es ihnen durch ihren  Vorgesetzten nicht ganz einfach gemacht wird, unsinnige Arbeitsanweisungen sind da noch das kleinste Problem. Doch Sigi wäre nicht Sigi, könnte er sich da nicht heraus lavieren. 

Auch wenn Lotte mischt mit schon der 6 Teil der Reihe um Sigi Siebert ist, kann man alle Bände gut für sich lesen, da Sigi seinem Kumpel Ecki von den Fällen erzählt und diese Gegenwart nur eine Nebenrolle spielt. Das Hauptaugenmerk liegt immer auf dem Fall, der auch dieses Mal wieder sehr lesenswert ist.

  • Taschenbuch : 250 Seiten
  • ISBN-10 : 3958132235
  • ISBN-13 : 978-3958132238



Samstag, 10. Oktober 2020

Tod des Verlegers eine Phantologie (Hrsg: Veronika Lackerbauer und Melanie Vogeltanz)

 


Die Kurzgeschichte ist tot!

Mit diesen Worten beginnt ein Brief, den der verstorbene Verleger Benjamin Schauer, seiner Schwester Katja hinterlässt, diese Worte waren es, die sie zu ihm sagte, als er sie um Geld bat, mit dem er den kleinen Verlag retten wollte, um noch eine Anthologie veröffentlichen zu können
Doch bevor es dazu kommt, stirbt Benjamin, und Katja wird unter einem Vorwand in sein Haus gelockt, dort wird sie im Kellerraum eingesperrt, mit einer tickenden Apparatur und Kartons voller Manuskripte, irgendwo in den Geschichten soll ihre Rettung in Form eines Codes verborgen sein.
Die Abschiedsnachricht ihres Bruders lautet:

Lies oder stirb

Ich persönlich liebe Kurzgeschichten und am liebsten sind mir Anthologien in denen mehrere Autoren vertreten sind, sollte mir ein Stil nicht zusagen, bleiben mir doch immer noch viele andere Autoren mit ihren Geschichten, die mich begeistern können. 
Früher gab es Wundertüten, die mit mehr oder weniger tollem Spielzeug und Süßigkeiten gefüllt waren, damit lässt sich eine Anthologie wohl gut vergleichen.

Schauen wir mal, womit diese Wundertüte gefüllt ist.

Die Anthologie teilt sich in drei Themen, die von der Rahmenhandlung Ticktock (geschrieben von Melanie Vogeltanz) unterbrochen werden.

Märchenhaft

Wir alle lieben Märchen, am Ende gewinnt das Gute und die Prinzessin oder das arme Bauernmädchen bekommt den Prinzen, diese Art von Geschichten lassen sich natürlich auch in die Gegenwart transportieren und nicht immer enden sie wie erwartet. So wie in
Herzen und Mondschein von Renèe Engel. Im Gegensatz zu Mr. Eldrichs Garten von Thomas Heidemann, da war mir schon recht früh klar wie sich entwickeln würde und genau das liebte ich an der Story, sie war irgendwie herzerwärmend und freundlich.
Veronika Lackerbauer erzählt uns in Unter der Weltenesche davon, das man sein Schicksal annehmen muss, um glücklich zu werden.
Spiegelwelten von Erik Huyoff führt unsere Protagonistin in ein Spiegelkabinett und hinter die Spiegel. Fantasy vom Feinsten.
Ein Stück vom Kuchen, mehr will der Ghostwriter des bekannten Schriftstellers Conrad Delaney gar nicht, doch das ist leichter gesagt als getan. Nach der Geschichte stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Autor Thomas Heidemann diese Geschichte wirklich selber geschrieben hat. Sehr humorvoll nimmt der Autor sich des Themas an.
Des Schicksal Gleichgewicht von Christina Wermescher ist eine sehr traurige Geschichte, die nachdenklich stimmt.

Ticktock Katja hat das erste Drittel der Geschichte gelesen, aber noch hat sie keinen Code gefunden, doch so langsam verraucht die Wut auf ihren Bruder.

Abenteuerlich

Der zweite Teil der Phantologie beschäftigt sich mit Abenteuergeschichten, spätestens seit Indiander Jones in die Kinos kam, ist auch in der Literatur die Abenteuerlust wieder erwacht.Hier ist alles vertreten was das Herz begehrt, Abenteuer,Science-Fiction und Steam-Punk
 Veronika Lackerbauer schickt den Geheimagenten Tom Sawyer und die Agentin Lady de Jarjayes mit der Ikarus nach China. Die Kulisse Chinas bietet den perfekten Hintergrund für eine Steam-Punk-Geschichte gepaart mit Mystischen Elementen.
Architekten zukünftiger Vergangenheiten von Fabian Dombrowski, ich liebe diesen Titel. Was wäre wenn man die Vergangenheit nicht nur aus Büchern kennenlernen könnte, sondern sie sich live ansehen könnte? Als stiller ungesehener Beobachter, aber ist man wirklich ungesehen? Hier bleibt viel Raum für Spekulationen.
Schlange und Rassel von Robert Friedrich von Cube, ist eine der längeren Geschichten und sie braucht auch etwas mehr Raum um sich vollständig zu entfalten, die Zwangsprostituierte Nadja hat einen seltsamen Freier, der ihr Leben nachhaltig verändert.
Dass es auch in Kurzgeschichten oft um mehr geht als reine Unterhaltung, stellt Jaqueline Mayerhofer in Die Gegenwart der Zukunft unter Beweis.
In Schlüsselkind von Robert Friedrich von Cube begegnen wir Zombies, Yolanda geht mit ihrem Sohn und Freunden auf Beutezug und es zeigt sich, wie wichtig es ist immer den passenden Schlüssel zur Hand zur haben.


Ticktock
Noch immer keine Spur von einem Code dafür findet sie ein altes Fotoalbum, das Erinnerungen weckt.Und Kerzen, so das sie sich etwas ruhiger dem dritten Karton widmen kann.
 
Unheimlich
Grötens von de Gongers von Melanie Vogeltanz
Als Gonger bezeichnete man im Volksglauben auf den nordfriesischen Inseln Sylt und Amrum eine Art Poltergeist.Hätte Thomas Lukoff doch nur auf die Warnungen gehört.
Heimsuchung von Jacqueline Mayerhofer was, wenn alte Legenden zum Erwachen? Charles muss feststellen das man manchen Dingen nicht hinterherforschen sollte.
Betsy von Christina Wermescher künstliche Intelligenz zeichnet sich unter anderem dadurch aus, das selbst lernen kann, das ist sicherlich in manchen Dingen sinnvoll, manchmal aber auch fatal wie in diesem Fall, vor allem weil Betsy wohl noch nie vom 1. Robotergesetz gehört hat.
Die Kunst ist tot... (wieder mal) von Fabian Dombrowski erzählt von Hathor, die einem Autor als Muse dient, allerdings nicht wirklich erfolgreich. Ich bin mir nicht sicher ob ich den Sinn der Geschichte verstanden habe, nichtsdestotrotz hat sie mir sehr gut gefallen.
Die Galenrooh Affäre von Renée Engel, quiek, es geht um eine Spinne und es genügt der Gedanke daran, um mich schaudern zu lassen.
Magie des Nordwinds von Werner Graf, eine Gruppe Jugendlicher sucht in der Hütte der Großeltern Zuflucht vor einem nahenden Sturm, zum Zeitvertreib erzählen sie sich Geschichten,Geschichten die der Nordwind wahr werden lässt. 

Ticktock
Katja hat alle Geschichten gelesen und noch immer keinen Code gefunden, dafür aber die Erkenntnis, das ihr Bruder nicht vor seinen Ängsten davon gelaufen ist, in dem er sich in die Welt der Geschichten flüchtete, sondern sich ihnen stellte, indem er sich mit dem vor dem er Angst hatte beschäftigte. Doch vielleicht kommt diese Erkenntnis zu spät, Katja ist immer noch in dem Keller eingesperrt und die letzte Kerze verlischt...
Ticktock

Märchen haben meist ein gutes Ende, in Abenteuergeschichten gibt es einen strahlenden Helden, denken wir nur an Quartermain oder Indianer Jones, Gruselgeschichten beruhen oft auf alten Legenden und wir müssen nicht auf ein gutes Ende hoffen, aber was erwartet Euch  hier? Wird Katja gerettet, kann sie sich selber retten, kommt ein strahlender Held und befreit sie oder nimmt sie ein tragisches Ende? 

Veronika Lackerbauer und Melanie Vogeltanz haben fantastische Geschichten zusammengetragen und ich habe jede einzelne sehr gern gelesen.
Tod des Verlegers bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.


  • Taschenbuch : 379 Seiten
  • ISBN-10 : 3958691404
  • ISBN-13 : 978-3958691407
  • Größe und/oder Gewicht : 12.6 x 2.9 x 18.7 cm
  • Herausgeber : Amrun Verlag; 1. Auflage

Freitag, 9. Oktober 2020

Stiller Hof von Timo Leibig


Der nackte Mann der den Freundinnen Irmgard und Elise vor das Auto fällt, hat wohl eindeutig Selbstmord begangen und so beschließen die Mittfünfzigerinnen ihn erst einmal mitzunehmen und in Ruhe zu entscheiden was sie später tun, schließlich haben sie schon Flüge nach Mallorca gebucht.
Die Privatdetektivin und ehemalige Kriminalbeamtin Leonore Goldmann erhält einen Anruf ihrer früheren Klassenkameradin Carola Fechner, deren Ehemann Eddi mitten in der Nacht den Hof verließ und nicht wieder nach Hause kam.
Leonore beginnt zu ermitteln und stößt bald schon auf einige verwirrende Spuren und auch Carola gerät unter Verdacht, sie soll das Opfer häuslicher Gewalt gewesen sein, doch Carola bestreitet das vehement, ihr Mann hätte sie und den Sohn geliebt und er wäre niemals einfach gegangen. 
Bei ihren Ermittlungen findet  Leonore heraus, das Eddi vor Jahren einen Psychologen aufgesucht hatte, ausgerechnet den äußerst manipulativen Bernhard Richter,  muss sie um Hilfe bitten um den Fall zu lösen.

Stiller Hof ist der dritte Fall für Leonore Goldmann, die mit viel Herzblut und allem, was sie an Fähigkeiten  aufbieten kann ermittelt, um die wahren Hintergründe aufzudecken, dabei stößt sie auf ein Geheimnis das den Verdacht gegen Carola erhärtet.

Timo Leibig zeigt, das es auch in einem Krimi um mehr gehen kann als um Tat und Auflösung, er zeigt das das, was vorher war, unmittelbar zum Ergebnis führen kann, ohne das es einen direkten Zusammenhang gibt. Das klingt jetzt komplizierter als es ist und wenn ihr das Buch lest, wird euch schnell klar was ich meine.
Die Spannung die Timo Leibig aufbaut, wird immer wieder durch Szenen mit Irmgard und Elise aufgelockert, gerade soviel das es unterhaltsam ist ohne ins Lächerliche abzudriften.

Am Ende des Buches erfahren Neueinsteiger in die Reihe davon was bisher geschah, das ist sehr informativ und hilfreich.

Ich vergebe für Stiller Hof eine Leseempfehlung.

  • Taschenbuch : 246 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8688372816
  • Größe und/oder Gewicht : 12.7 x 1.57 x 20.32 cm
  • Herausgeber : Independently published (20. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch


Montag, 5. Oktober 2020

Und die Moral von Germaine Paulus


 Nach vier unzureichenden Stunden Schlaf saß Kriminalhauptkommissar Gerd Wegmann im Flieger und kämpfte mit einer aufkommenden Übelkeit, die ihn kurzzeitig die Geschehnisse der vergangenen Nacht vergessen ließ.

785 Meter weiter unten liefen Tränen über die Wangen eines anderen Mannes, als
er mit ansehen musste, wie all das, was ihm kurz zuvor gute Dienste geleistet hatte,
für immer vom Rest seines Körpers getrennt wurde. Er hätte geschrien, wenn er
noch eine Zunge gehabt hätte. So aber blieb sein Krächzen ungehört. Ein zurückgestutztes,
stummes Gurgeln, während er an seinem eigenen Blut erstickte.“

Was sich beim Lesen des Klappentextes anfühlt, wie ein verstörender und sehr brutaler Thriller entwickelt sich schon bald zu einem sprachlich und inhaltlichen grandiosen Werk. Grandios ist ein Wort, das ich im Zusammenhang mit Büchern eher selten bis gar nicht benutze, es weckt einiges an Erwartungen und Bücher sind ja doch Geschmackssache.
Und doch war dieses Wort, das erste, welches mir einfiel, nach dem ich die letzte Seite gelesen hatte.

Ein äußerst brutaler Mörder zieht seine Kreise, die Spurenlage ist dünn und zwischen den Opfern scheint es keine Verbindung zu geben und ausgerechnet jetzt geht Kriminalhauptkommissar Gerd Wegmann in Urlaub, ein Urlaub der eher einer Flucht gleicht, sein Kollege und Freund Tim Taubring fühlt sich von Wegmann etwas im Stich gelassen, ihm fehlt die Zusammenarbeit, sie sind ein eingespieltes Team und so fehlt ihm Wegann nicht nur als Freund, sondern auch als Partner für die Ermittlungen. Doch Taubring arrangiert sich  mit dem jungen Kollegen Robert Madroch und Wegmanns Vertretung dem Hauptkommissar Richard Jacobsen, dessen Anweisung er gern ignoriert und seinem Bauchgefühl folgend den Psychologen Leon Steinkamp zurate zieht.
Als Wegmann zurückkehrt, ist die Erleichterung groß, denn nun ist jemand da der das Heft in die Hand nimmt, mit dem Taubring spekulieren kann, um so auf neue Ermittlungsansätze zu stoßen, einer dieser Ansätze führt das Team in die SM-Szene und zu einem Fall der weit in der Vergangenheit liegt.
Ein weiteres wichtiges Mitglied des Teams ist die Pathologin Rebecca Blumberg, mit der Wegmann eine schwierige neue Beziehung pflegt.
Schwierige Beziehungen, sind ein wichtiger Bestandteil des Buches, normalerweise mag ich es gar nicht, wenn das Privatleben der Ermittler eine zu große Rolle spielt, hier ist es wichtig, ohne wäre Und die Moral, nur ein weiterer spannender Krimi, der nach der Lösung des Falles keine weiteren Fragen aufwirft, so aber habe ich mir schon früh Gedanken gemacht, was ist Moral eigentlich, für mich und für andere, dürfen Mitglieder der Polizei im Privatleben scheinbar unmoralisch handeln und im Berufsleben andere vorverurteilen? Ob dem im Buch so ist und wen es evtl. betrifft verrate ich jetzt nicht, das würde zu viel verraten. Nur das so manche Reaktion der Protagonisten auf die Handlungen ihrer Partner ein Kopfschütteln bei mir hervorriefen und ich ihnen zu gern gesagt hätte: Redet doch erst mal miteinander. 

Die Autorin hat einen sehr fesselnden Schreibstil, sie schaffte es mich über die Gesamtlänge des Buches bei der Stange zu halten, auch wenn ich manchmal nur 20 oder 30 Seiten am Stück gelesen hatte, freute ich mich jedes Mal aufs Neue darauf das Buch wieder in die Hand nehmen zu dürfen, irgendwann wollte ich nicht mehr das es zu Ende geht und doch fieberte ich darauf hin, ich musste natürlich wissen, wer für die Morde verantwortlich zeichnete und auch die Auflösung ist der Autorin sehr gut gelungen, das Motiv des Mörders ist nachvollziehbar, wenn auch nicht verständlich, aber welcher Mord ist das schon.

Ich vergebe für
Und die Moral 
eine absolute Leseempfehlung.

  • aschenbuch : 640 Seiten
  • ISBN-10 : 3947652097
  • ISBN-13 : 978-3947652099
  • Leseniveau : 16 und Nach oben
  • Herausgeber : The Dandy is Dead

Sonntag, 4. Oktober 2020

Seelen unter dem Eis von Astrid Korten


 »Wer von euch noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein« (Joh. 8, 7)

»Die Menschen um dich herum sind nun die reale Welt. Sie bestimmen, was die Wahrheit ist.«
Nach dem Tod seiner Mutter spürt der erfolgreiche Werbe-Macher Tom eine Leere in sich, die er durch einen Lehrauftrag an der Universität zu füllen versucht. Dabei kommt es zur Konfrontation mit der Studentin Amal, die weder talentiert noch schön ist. Gegen seinen Willen verfällt Tom der seltsamen jungen Frau mehr und mehr und gibt zum ersten Mal die Zügel aus der Hand. Obwohl Amal oft irrationales Verhalten an den Tag legt, vermag sich Tom ihrem erotischen Sog nicht mehr zu entziehen und verstrickt sich immer mehr in diese außereheliche Affäre – bis sein Doppelleben zu einer Katastrophe führt ...

Toms Affäre mit Amal endet für ihn im Todestrakt.
Vor seiner Hinrichtung beginnt Tom sein Leben aufzuschreiben, er berichtet von seiner ersten Begegnung mit Amal, die eine seiner Studentinnen ist und die ihn auf seltsame, verwirrende Art anzieht. Davon das sein Vater ihm immer wieder sagte *sich niemals zufriedenzugeben* und so fühlt er eine Leere in sich, die nichts von dem, was er erreicht ausfüllen kann, nicht der Porsche, nicht die eigene Werbeagentur und auch nicht seine Ehe.
Nach und nach enthüllt uns Astrid Korten das wahre Ausmaß der Geschichte, sie ist kein normaler Krimi, sondern lässt uns einmal mehr in die Abgründe der menschlichen Seele blicken und sie lässt uns erkennen was einen Menschen dazu treiben kann Verbrechen zu begehen.
Tom zu charakterisieren fällt mir schwer, ich schwankte zwischen Verachtung und  Mitleid, immer mehr Informationen kommen im Laufe des Buches an Licht, die mich teilweise sehr erschütterten.
Die Autorin schafft es den Spannungsbogen von der ersten bis zu letzten Seiten aufrechtzuerhalten.

Ich kenne und schätze fast alle Bücher der Autorin und doch überrascht sie mich immer wieder, schon seit ihrem letzten Buch Poppy, ist klar das sie sich mit Themen, auseinandersetzt die, wehtun beim Lesen direkt und auf jeden Fall im Nachklang, sie zwingen den Leser über das gelesene nachzudenken. Und auch über Seelen unter dem Eis gibt es sicher kontroverse Einstellungen, auch wenn wir in Europa die Todesstrafe nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen, ist sie in den USA in manchen Bundesstaaten noch ein gängiges Strafmaß. Astrid Korten hat bei ihren Recherchen zu dem Buch u. a. das Staatsgefängnis in Huntsville besucht, sodass ihre Beschreibungen der Umstände im Roman sehr realistisch wirken.
Aber nicht nur das Thema hielt mich am Buch, auch die ausgefeilte Erzählweise der Autorin hielt mich beim Buch. Ich hätte zwar nicht gedacht das eine Steigerung noch möglich wäre, aber da habe ich mich geirrt.

Ich vergebe für
Seelen unter dem Eis 
eine absolute Leseempfehlung.

  • Seitenzahl der Print-Ausgabe : 210 Seiten
  • Herausgeber : Piper Spannungsvoll; 1. Auflage (5. Oktober 2020)
  • Sprache: : Deutsch

Samstag, 3. Oktober 2020

Schilksee 1990 von Arne Ulbricht


Nach zahlreichen Rückschlägen hat es Fabian Herzog geschafft und zwei sehr erfolgreiche Bücher veröffentlicht, eines davon *Die aufgesaugte Generation* resultierte aus dem vermeintlich unmöglichen Verhalten seiner Tochter Flora und anderen Teenagern, die wie er meint, viel zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringen und sich nicht wirklich für das interessieren, was um sie herum geschieht. Die Fridays für Future Demonstrationen hält er für Schuleschwänzen, schließlich haben er und seine Freunde sich auch für die Politik und Umwelt interessiert, aber in ihrer Freizeit.

Fabian kommt nicht wirklich damit klar das seine Tochter sich abnabelt und er erkennt nicht, das ein Großteil ihres Verhaltens durch ihn direkt verursacht wird, seine spitzen Bemerkungen über ihre Handyaktivitäten sind nicht hilfreich um ihr Verhältnis zueinander zu verbessern. Fabian war mir nicht sonderlich sympathisch, ich hatte schon ziemlich schnell ein recht genaues Bild von ihm, als erfolgloser Schriftsteller stand er immer im Schatten seiner erfolgreichen Frau, die für den Unterhalt der Familie sorgt und berufsbedingt selten zu Hause ist, er kümmerte sich seit ihrer Geburt um die gemeinsame Tochter und  diese Rolle, als Bezugsperson Nummer 1 ist es, die ihm die Anerkennung und Bestätigung bringt, die ihm beruflich zunächst versagt bleibt. Als das Mädchen langsam in die Pubertät kommt und zu seinem Verdruss von ihrer Mutter ein Handy geschenkt bekommt, schließt sie sich enger an die Mutter, die mehr Verständnis für das pubertierendes Mädchen aufbringt. Nur Fabian fühlt sich unbewusst seiner Lebensaufgabe wohl beraubt.

Die zweite Hauptperson ist Flora, sie schafft es, wie es nur Teenager schaffen ihren Vater immer und immer wieder auf die Palme zu bringen, das gehört zum Erwachsen werden wohl dazu und ich werde nie verstehen was sich die Evolution dabei gedacht hat, diese Zeit für alle Beteiligten so schwierig zu gestalten. Aber so ist es nun mal und als Erwachsene sollte man dem gelassen gegenüberstehen. *Sollte* ist hier das Zauberwort, denn das funktioniert nicht, eine Aktion Floras ließ mich das Kind gedanklich in den Keller sperren und erst wieder herauslassen, wenn sie wirklich erwachsen ist. ;o)

Fabians Reise nach Schilksee ins Jahr 1990 ist ein sehr interessanter Einblick in seine Jugend, dadurch das er sich an die alten Zeiten erinnert, an seine Freunde die er nach dem Abitur aus den Augen verlor und an seine erste große Liebe Juli, bringt er mehr Verständnis für seine Tochter auf, er erkennt, dass sich ihre Ziele und Wünsche gar nicht so sehr voneinander unterscheiden, nur ihre Mittel und ihre Kommunikationsmöglichkeiten sind anders.  Sie waren und sind Kinder ihrer Zeit.


Schilksee 1990  hat mir gut gefallen, Arne Ulbricht schreibt authentisch und er weiß, wovon er spricht.

  • ISBN-10 : 3948887039
  • ISBN-13 : 978-3948887032
  • Herausgeber : Edition Outbird (31. August 2020)
  • Sprache: : Deutsch

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Zwei fremde Leben von Frank Goldammer

 


Ein verschwundenes Kind und die lebenslange Suche nach der Wahrheit



Ricarda bringt in einer Dresdner Klinik ihr Kind zur Welt, doch etwas geht vollkommen und schief und sie sieht sich mit der Auskunft konfrontiert ihr Kind sei Tot. Die junge Mutter glaubt nicht an den Tod ihres Babys und auch der zufällig anwesende Polizist Thomas Rust, hegt Zweifel an der Geschichte.


Jede Mutter kann nachempfinden was Ricarda empfand, der Verlust eines Kindes muss überwältigend sein, geschieht dieser Verlust dann auch noch ohne Abschied nehmen zu können, bleibt immer ein gewaltiger Schmerz. Ich weiß nicht ob es in den 70ern überall üblich war, das sich Eltern von ihren todgeborenen Kindern verabschieden durften, heute 50 Jahre später gehört es zum Trauerprozess dazu.

Für Ricarda kommt noch hinzu das sie nicht daran glaubt, das ihr Kind gestorben ist, sie verdächtigt ihren Vater, gemeinsame Sache mit der Stasi gemacht zu haben und glaubt das ihr Kind an eine Linientreue Familie zur Adoption gegeben wurde. Ricarda versucht alles, um die Wahrheit zu erfahren und auch Thomas Rust ermittelt auf eigene Faust.


Jahre später versucht die 16-jährige Claudia mehr zum Spaß von Tschechien aus nach Österreich zu gelangen, sie wird erwischt und nach Hause gebracht, wo sie erfährt, dass sie adoptiert ist und mir schien, sie erkannte, warum sie sich in ihrer Familie immer wie ein Fremdkörper fühlte.


Frank Goldammer hat in seinem neusten Buch ein berührendes Thema aufgegriffen, Mutter Kind Beziehungen sind naturgemäß etwas ganz besonderes, sie verbindet ein besonderes Band, das nicht zerstört werden kann. Von Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR hat wohl jeder schon gehört, Kinder aus nicht Linientreuen Familien kamen teilweise als Belohnung zu Paaren, die sich dem Regime bedingungslos zugehörig fühlten.


Ich hatte mich sehr auf Zwei Fremde Leben gefreut, ich war neugierig wie der mir als Krimiautor bekannte Frank Goldammer, dieses sehr sensible Thema aufgreift und ich war mehr als begeistert, er schafft es Spannung zu erzeugen, ohne Gefühle zu verletzen, sicherlich reißt er bei dem einen oder anderen Leser alte Wunden wieder auf, Erinnerungen an Unrecht das geschehen ist und das niemals wieder gut gemacht werden kann, aber er tut das nicht um die Effekthascherei willens, er erzählt wie es gewesen sein könnte, wenn jemand versuchte sich gegen das Regime zu wehren.



Von mir bekommt Zwei fremde Leben eine volle Leseempfehlung



  • Broschiert : 400 Seiten
  • ISBN-10 : 3423262559
  • ISBN-13 : 978-3423262552
  • Größe und/oder Gewicht : 13.7 x 4 x 21.1 cm
  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (24. Juli 2020)