Mittwoch, 30. Oktober 2024

Voll Verwünscht eine Anthologie (Rezension Teil 3)



Friederike Stein - Hatschi!Wenn ich hier zu viel erzähle, ist schnell zu viel erzählt; die Story ist sehr kurz. Die Protagonistin findet am Strand eine alte Flasche. Als sie sie öffnet, erscheint ihr ein erkälteter Flaschengeist, der ihr einen einzigen Wunsch gewährt.

"Die besten Wünsche sind uneigennützig" Ich habe gut reden, mir ist das ja nicht passiert.


Jörg Fuchs Alameda - Fridtjof und die Wish Spell AcademyDie Kumpel Jesus und Fridtjof, der Sohn Satans, wollen sich auf der Wish Spell Academy einschreiben. Als Aufnahmeprüfung müssen sie jemanden glücklich machen und seinen geheimsten Wunsch erfüllen – gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Und dann hat die Direktorin der Wish Spell Academy noch eine Rechnung mit Fridjofs Vater offen.

Ich liebe den bildhaften Schreibstil, des Autoren, er kann mich zum weinen oder Lachen bringen, diese mal zum Lachen. GsD.


Jessie Weber - Vom Wünschen und WürzenLou begleitet ihre Tante Romy und ihren Onkel Finn zur Besichtigung ihres neuen Hauses, das sich als Bruchbude entpuppt. Im Kinderzimmer haben frühere Bewohner die Größe ihrer Kinder verewigt, aber keine Markierung geht über 110 cm hinaus. Vor einer Wichteltür im Kinderzimmer äußert Onkel Finn einen fatalen Wunsch.

Hier bewahrheitet sich mal wieder die alte Weisheit, meiner Omma: Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen. Gut, wenn man dann Salz und Pfeffer dabei hat. 

Tanja Kummer - Verwünscht?Krag, den wir aus früheren Geschichten der Autorin kennen, hat in dieser Geschichte etwas geleistet, das sogar seinen Freund Tod schockt. Krag hat einen Wunsch in die Wunscherfüllungslotterie Gottes geworfen; dabei darf er das doch gar nicht als Angestellter.

Ach Krag, du machst mich fertig. Sehr witzig geschrieben, wie von der Autorin gewohnt.


Helmi - Rumors – alles nur GerüchteWas tut man, um in einer gefährlichen Gegend in Ruhe gelassen zu werden? Natürlich lässt man das Gerücht verbreiten, zur italienischen Mafia zu gehören. Vittorio Mafioso Compagnoli, der eigentlich Leo Crapowsky heißt, verdient seinen Lebensunterhalt als Taschendieb. Als er von einer Fremden entführt wird, die ihm verspricht, fünf seiner Wünsche zu erfüllen – in jeder Woche einen –, muss er dazu auch ein klein wenig Glück mitbringen. Gewinnt er beim Würfeln oder Kartenspiel, gewährt ihm Lovis einen Wunsch. Und nichts darf er sich doppelt wünschen. Leo lässt sich darauf ein.

So eine schöne Geschichte, mit einer tollen Entwicklung des Protagonisten.


Dennis Puplicks - Es wächst ein Groll in meinem BauchIn dieser Geschichte zeigt sich, wie wichtig es ist, auf die Rechtschreibung zu achten; das lernt die Hexe Bramburga, die sich für eine geniale Schriftstellerin hält. Sie erfährt das, als sie sich von einem Waldschrat im Tausch gegen das köstliche Unkraut auf ihren Wiesen eine Schreibmaschine wünscht, die ihre Worte lebendig werden lässt.

Rechtschreibung so wichtig. Ich habe so sehr Lachen müssen, eine meiner Lieblingsstorys.


Andreas Zwengel - Der Mann in RotDer Hauptprotagonist in dieser Geschichte ist kein Wunscherfüller im eigentlichen Sinne; er ist Agent X-Mas 07, der Problemlöser des Weihnachtsmanns. Jetzt hat er es mit dem Diebstahl unzähliger Weihnachtswunschzettel durch einen Jünger des Grinchs zu tun und muss einen kleinen Jungen davon überzeugen, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt.

Ein Blick hinter die Kulissen der Arbeit des Weihnachtsmanns, nicht unbedingt zum Lachen, aber allemal ein Schmunzeln wert und sehr Lesenswert.


Christoph Steinert - Die WunschmaschineSagen wir mal so: Wunschmaschinen sind unberechenbar; da muss der Erfinder wohl noch mal ran und ein paar Fehlerchen ausmerzen.

Die Story ist durchaus lesenswert und am Ende konnte ich mit einem Teppich mitfühlen, das hatte ich auch noch nie. g


In diesen Geschichten findet sich oftmals ein gerütteltes Maß an Gesellschaftskritik. Das macht diese Geschichten noch ein Stück weit interessanter, aber auch der Humor kommt nie zu kurz.


Mir haben die Geschichten im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Die Anthologie bietet eine abwechslungsreiche Sammlung von Erzählungen, die sowohl humorvolle als auch nachdenkliche Momente enthalten. Natürlich konnte nicht jede Geschichte zu 100 % überzeugen, aber die kreative Vielfalt und die fantasievollen Ansätze der Autoren machen das Lesen zu einem unterhaltsamen Erlebnis.Die Themen rund um Wunscherfüllung werden auf unterschiedliche Weise behandelt, was zu einer interessanten Dynamik führt. Einige Geschichten regen zum Schmunzeln an, während andere tiefere Emotionen ansprechen. Insgesamt gesehen ist die Anthologie sehr lesenswert und bietet für jeden Geschmack etwas.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Leseratten Verlag; 1. Edition (18. Oktober 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3945230756
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3945230756

Dienstag, 29. Oktober 2024

Voll Verwünscht eine Anthologie aus dem Leseratten Verlag (Rezension Teil 2)



 Thomas Heidemann - Flibo und der mächtige Wumms

Flibo will endlich ein eigenes Raumschiff, kommandieren liegt eben in ihrer Natur, außerdem ist sie schon 2, da wird das doch langsam Zeit. Gut dass sie das Informatorium aus dem Raumschiff der Mimianer geklaut hat, der Raubbesitz ist in der Lage ihr diesen Wunsch zu erfüllen, wenn sie ihn konkret formuliert. Konkret kann Flibo, auch wenn es etwas dauert. 

Einmal im Leben das Selbstbewusstsein einer 2. jährigen haben. Diese Geschichte macht richtig Spaß.

Melanie Petri - Der Lillet-Fee

Da sitzt man ahnungslos am Rhein und dann taucht wie aus dem Nichts Arnie auf, im rosa Tütü und mit rheinischem Dialekt, der sich gewaschen hat und erklärt "Du hast einen Wunsch frei bla bla bla. Also Schätzelein, watt darf et denn sein"  weil Arnie ist ein Fee. Doof nur das Arnie versucht die Protagonistin jeden Wunsch wieder auszuquatschen.

Schaut man hinter den Witz, erkennt man den, worauf es wirklich ankommt.

Nicola Hölderle - Dein Wunsch ist mir Befehl

Ringoletta hat sich wieder einmal Ärger mit dem Wunscherfüllungskomitee eingehandelt, wohl nicht zum ersten Mal, aber mal ehrlich, der Tritt zwischen die Beine des Kunden "Bück, dich Fee! Wunsch ist Wunsch!" ist dann doch mehr als übergriffig. Ihre Sachbearbeiterin Frau Kampschulte gibt ihr deshalb auch nur noch eine Chance, bevor sie zu den Kobolden versetzt wird. 

Nur niemals einschüchtern lassen. Ich liebe diese Geschichte.

Joshua Friedrichs - Die Rückkehr der nicht mehr ganz so veganen Veganer:innen 

Tom, Fleischesser (was anderes braucht er nicht, Gemüse ist Futter für sein Futter) und Kotzbrocken, bekommt die Nachricht das sein Onkel verstorben ist, den hat er zwar seit Jahren nicht gesehen, aber man kann ja mal schauen, was es zu holen gibt, bevor er das Erbe ablehnt. Im Haus findet er eine Flasche auf der steht" Nicht r...en" und was Zahnstocher mit der Story zu tun haben, das müsst ihr schon selber lesen.

Auch hier gilt"Erst denken, dann wünschen", schlecht formulierte Wünsche können fatale Folgen haben. Tja Tom, selber schuld.


Christiane Richter - Rosarot mit Primellust

Carola, ist mittelalt und geschieden als es an ihrer Haustür klingelt und davor steht: Die Elfe Amarilla Salaria mit einem Einhorn oder so etwas Ähnlichem. Wird der frühere Wunsch der 7-jährigen Carola so viel später doch noch erfüllt?

Und wieder eine Story, die zeigt, dass wir nicht immer wissen was wir uns eigentlich wünschen und das das  nicht immer etwas Materielles ist.

Nele Sickel - Mehl nach Gefühl

Prüfungsangst, kennen viele von uns, man ist theoretisch super vorbereitet und dann Blackout, vielleicht hilft es da eine Münze in den Wunschbrunnen wirft und wenn man keine zur Hand hat, klaubt man halt eine aus dem Brunnen. Was soll schon passieren?

Also damit habe ich nicht gerechnet, sehr witzig und richtig gut geschrieben.

Wilhelm Hager - Wunschlos glücklich? 

Karim ist hauptberuflicher Dschinn in der Stadt Keliaraht, sein Chef Hechsoron III, großartiger und weiser Tyrann von Keliaraht. Hechsoron- herrlichster aller Herren (ist mal gut jetzt, das war das letzte Mal, das ich seinen Namen erwähne) kam als erster auf die Idee einen Dschinn anzustellen, der die Wünsche seines Volkes erfüllt, gegen eine angemessene Entlohnung natürlich und auch nicht zu ausufernde Wünsche, das Volk soll gerade so zufrieden sein. Doch was, wenn der Dschinn mal Urlaub macht?

Es ist nicht immer gut, wenn man ohne Arbeit und ohne eigene Anstrengung bekommt was man will, weil was passiert wenn der Wunscherfüller, sich mal zurückzieht?


Und auch bei diesen Geschichten haben es die Autorinnen und Autoren geschafft mich durchweg gut zu unterhalten Sie haben es geschafft  die verschiedensten Emotionen in mir zu wecken, nicht immer sind sie "lustig" aber gerade diese Geschichten bleiben vielleicht etwas mehr im Gedächtnis der Leserinnen und Leser, wenn sie sich darauf einlassen.



Montag, 28. Oktober 2024

Voll Verwünscht Broschiert – Anthologie von Nele Sickel (Herausgeber) Teil 1

 




Wir alle kennen sie, die Feen, Dschinns und Kobolde, die Wünsche erfüllen, zu ihnen gesellen sich noch der Weihnachtsmann oder auch der Teufel. Wunscherfüller gibt es wohl in jeder Kultur und natürlich gibt es auch die Geschichten, in denen davor gewarnt wird, die Wünsche, die man hat, so zu formulieren, dass man am Ende auch bekommt, was man sich gewünscht hat und vom wem, denn nicht alle Wunscherfüller sind die hellsten Kerzen auf der Torte und verärgern sollte man sie auch.

Der Leserattenverlag hat nun 21 Geschichten zusammengetragen, die uns zur Warnung dienen sollen oder vielleicht doch nur zum Lachen bringen sollen. Gesammelt hat diese Geschichten Nele Sickel. 

Bernd Schneider - Die Wunsch-Versehrten

Wer kennt das nicht, wenn im Job nicht alles so klappt, wie man sich das vorstellt, hilft manchmal eine Selbsthilfegruppe. Al besucht so eine Gruppe und wir dürfen ihn begleiten, bevor er seine Geschichte erzählt, lernen wir andere Teilnehmer kennen, wie die Fee die Schwierigkeiten hatte sich der neuen Zeit anzupassen und mit Followern und Likes so gar nichts anzufangen wusste.

Wunscherrfüller haben es auch nicht leicht.

Cel Silen - Ein gutes Geschäft?

In einem Laden für Magiebedarf treffen wir auf eine Frau die eigentlich nur ein paar Dinge einkaufen wollte, doch wie das Leben so spielt wird sie magisch angezogen von einer Flasche, oder eher von dem was ihn ihr wohnt, einer Katze.Sollten Geisterwesen und ähnliches nicht sicher in ihren Behältnissen verwahrt sein und erst auf Wunsch ihrer Besitzer in Aktion treten? Das mag für alle anderen gelten, aber doch nicht für Katzen, besonders nicht für Geisterkatzen. Ob die Idee diese Katze mit nach Hause zu nehmen wirklich so gut ist? Wird schon alles gut gehen, schließlich hat sie ihr "Flaschengeisterkatzenehrenwort" gegeben.

Katzenbesitzer können das vollkommen nachvollziehen.

Jelena Moesus - Rot trägt nicht nur der Weihnachtsmann

Amira, ist 6 Jahre alt. Die Kleine lebt in einem Waisenhaus, in dem sich alle schon sehr auf Weihnachten freuen und fleißig Wunschzettel schreiben. Amira ist schon groß und schreibt ihren Wunschzettel allein, dieses Jahr muss sie aber besonders sorgfältig überlegen, wie sie ihren Wunsch formuliert, letztes Jahr bekam sie statt eines echten Autos nur ein Spielzeugrennauto. Dieses Jahr wünscht sie sich einen Hund, einen echten, lebendigen, mit dem sie im Garten spielen kann. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich wiederhole:Amira ist 6 Jahre alt und an ihrer Rechtschreibung muss sie noch arbeiten.

Eine wunderbare Geschichte, ich heule nicht, ihr heult.

Julia Freyer - GeWünschT

Frauen haben es nicht leicht in der Heldenbranche, das muss auch Maya erfahren, sie bekommt nur Pillepalle Aufträge, wie entlaufene Kühe zurückbringen. Auf der Suche nach einem Monster, das sie fangen kann um mit der Geschichte der Jagd, lukrative Aufträge an Land ziehen zu können, trifft sie auf die  Agentur: GeWünschT der Gewerkschaft Wünsche-Trolle. Hab ich erwähnt das die Agentur brandneu ist?

Einmal mit Profis arbeiten.

Mailin Weder - Auf lock wünschen

Ich glaube ich brauche ein Lexikon für Jugendsprache, das hätte dem Dschinn, der nach 40880 Tagen mal wieder aus seiner Flasche befreit wird, sicherlich auch geholfen, denn die Welt in der er landet, ist so ganz anders als die, die er kennt. Aber hey Jogging Anzüge sind verdammt bequem. 

Boah Digger, voll krass.


Insgesamt bietet die Anthologie "Voll verwünscht" ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen. Jede der fünf Geschichten bringt ihre eigene, einzigartige Perspektive auf das Thema Wunscherfüllung. Die Vielfalt der Erzählstile und Charaktere sorgt für eine spannende Lektüre, die sowohl humorvolle als auch nachdenkliche Momente bietet.Ich habe auch die anderen Geschichten bereits gelesen und freue mich darauf, euch in den nächsten Tagen mehr über die Anthologie zu erzählen.  "Voll verwünscht" ist  ein  Highlight für Funtastik-Liebhaber!


  • Herausgeber ‏ : ‎ Leseratten Verlag; 1. Edition (18. Oktober 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3945230756
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3945230756

Donnerstag, 24. Oktober 2024

Die Mitford Schwestern: Roman von Marie Benedict

Zwischen den Weltkriegen dominieren die sechs Mitford-Schwestern die politische, literarische und gesellschaftliche Szene Englands – eine schöner, brillanter und exzentrischer als die andere. Als Diana sich von ihrem wohlhabenden Ehemann scheiden lässt, um einen faschistischen Führer zu heiraten, und ihre Schwester Unity ihr bis nach München folgt, gerät das Familiengerüst ins Wanken. Es geht das Gerücht um, dass Unity Mitford Hitlers Geliebte sei.Während die Nazis an Macht gewinnen, wird die Schriftstellerin Nancy Mitford misstrauisch gegenüber den ständigen Besuchen ihrer Schwestern in Deutschland. Als sie beunruhigende Gespräche belauscht und verräterische Dokumente entdeckt, muss Nancy eine schwere Entscheidung treffen, während Großbritannien in den Krieg gegen Deutschland zieht.

 Als ich zum ersten Mal den Titel "Die Mitford Schwestern" hörte, erinnerte ich mich an den Namen Mitford, den ich zuvor schon gehört hatte. Vor dem Lesen des Romans recherchierte ich über die Schwestern, die zu den "Bright Young Things" gehörten – einer Gruppe von Aristokratinnen und Künstlerinnen, die das gesellschaftliche Leben in London prägten. Diese Schwestern verkörperten die Exzentrik und den Glamour der 1920er Jahre und waren in zahlreiche Skandale verwickelt, was sie zu einem Medienphänomen machte.Der Roman konzentriert sich auf das Leben von drei der Schwestern: Nancy, die älteste, war nicht nur Schriftstellerin und Journalistin, sondern auch eine kritische Stimme in einer Zeit des politischen Umbruchs. Diana, das strahlende Zentrum der englischen High Society, heiratete den Brauereierben Bryan Walter Guinness, bevor sie sich Sir Oswald Mosley zuwandte, einem prominenten Faschisten. Unity hingegen war eine glühende Verehrerin Hitlers und reiste im Alter von 20 Jahren nach München, wo sie Hitler persönlich traf. Der britische Geheimdienst beschrieb sie als „mehr Nazi als die Nazis“.Die weiteren Geschwister – Jessica (Decca), Tom, Pamela und Deborah – werden leider nur am Rande erwähnt.Marie Benedict schildert das Leben der Familie Mitford zwischen den beiden Weltkriegen und in den ersten Kriegsjahren. Nancy wird vom Ehemann ihrer Cousine, Winston Churchill, gebeten, mehr über die Beziehungen ihrer Schwestern Diana und Unity zu Hitler herauszufinden. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt: Nancy als Ich-Erzählerin und die Geschichten von Diana und Unity durch einen neutralen Erzähler. Marie Benedict gelingt es meisterhaft, die Leser:innen tief in das Leben ihrer Protagonist:innen eintauchen zu lassen.Aus heutiger Sicht musste ich oft den Kopf schütteln über die Naivität, die Unity und Diana an den Tag legten, besonders angesichts ihrer Nähe zu Hitler. Es erscheint unvorstellbar, dass sie nicht über viele seiner Pläne informiert waren – ein Gedanke, der mich nachdenklich zurücklässt. Gleichzeitig lassen sich besorgniserregende Parallelen zur aktuellen politischen Entwicklung erkennen. Die unterschiedlichen politischen Interessen innerhalb der Familie – Jessica als Kommunistin, Diana und Unity als Faschistinnen sowie Nancy, die zwischen diesen Extremen steht – stellen die Familie auf eine harte Probe.Insgesamt ist "Die Mitford Schwestern" ein fesselnder Roman, der nicht nur das Leben dieser außergewöhnlichen Frauen beleuchtet, sondern auch die politischen Spannungen ihrer Zeit eindrucksvoll darstellt. Benedict gelingt es, ein komplexes Bild der Schwestern zu zeichnen und gleichzeitig die Herausforderungen zu thematisieren, mit denen sie konfrontiert waren – Herausforderungen, die auch in unserer heutigen Zeit von Bedeutung sind.


Im Nachwort erläutert die Autorin, wie herausfordernd es für sie war, Adolf Hitler durch die Augen von Unity und Diana Mitford zu betrachten. Diese Einsicht empfinde ich persönlich als besonders bedeutsam, da sie die Darstellung eines der größten Verbrecher der Geschichte in ihrem Buch relativiert.



  • Herausgeber ‏ : ‎ KiWi-Paperback; 1. Edition (10. Oktober 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462004662
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462004663
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Mitford Affair

Ferryman: Der Tod ist nur der Anfang - Roman von Justin Cronin (Autor), Rainer Schmidt (Übersetzer)


Die Geschichte spielt auf den Inseln von Prospera, wo die Bewohner ein privilegiertes Leben führen, bis ihre Lebenszeit abläuft. Dann werden sie auf die geheimnisvolle Nachbarinsel Nursery geschickt, um dort "neu gebootet" zu werden, was ihnen ein weiteres Leben ermöglicht. Im Alter von 16 Jahren verlassen sie die Insel Nursery und werden in bestehende Familien auf Prospera integriert, wo sie aufwachsen. Wenn sie erwachsen sind, können sie sich eine Tätigkeit aussuchen, die ihren Begabungen, Fähigkeiten und Wünschen entspricht. Proctor Bennett, der Fährmann, begleitet die alt gewordenen Bewohner Prosperas zur Fähre, wenn ihre Lebenszeit "aufgebraucht" ist. Er hat seine Aufgabe nie hinterfragt, bis er eine kryptische Nachricht erhält, die seine tiefsten Ängste bestätigt und das Schicksal der Menschheit infrage stellt.
Soviel zu dem, was im Klappentext steht.


Justin Cronins Passage-Trilogie hat mich seinerzeit wirklich begeistert, und so war ich natürlich sehr gespannt darauf, was mich mit "Ferryman" erwartet.Cronin schafft es erneut, seine Leserinnen und Leser in eine faszinierende Welt zu entführen. Anfangs wirkt das Leben auf Prospera wie ein Traum – mir kam schnell Shangri-La in den Sinn, jene geheimnisvolle Welt in Tibet. Doch nach und nach bröckelt diese Illusion, und ein düsteres Bild kommt zum Vorschein. Besonders beeindruckt hat mich, wie Cronin gesellschaftspolitische Kritik in die Handlung einfließen lässt. Immer wieder stellt er Fragen, die zum Nachdenken anregen. Manchmal wünschte ich mir allerdings, er würde schneller zur Sache kommen, da man als Leser recht bald spürt, dass hinter der perfekten Fassade etwas nicht stimmt.Proctor Bennetts Träume sind ein klarer Hinweis darauf, dass nicht alles so ist, wie es scheint – Träume sind etwas Ungewöhnliches für die Bewohner von Prospera. Zudem wird deutlich, dass das Personal, das für das Wohl der Prosperaner verantwortlich ist im Annex in Armut leben. Diese Kontraste machen die Geschichte umso spannender.

Insgesamt ist "Ferryman" ein faszinierender Roman, der durch seine dichte Atmosphäre und gesellschaftspolitischen Themen beeindruckt. Cronins Erzählkunst schafft es, die Leserinnen und Leser in eine scheinbar perfekte Welt zu entführen, deren düstere Geheimnisse nach und nach enthüllt werden. Trotz kleinerer Längen bleibt die Geschichte im Großen und Ganzen spannend, sodass sie mich bis zur letzten Seite gut unterhalten hat.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Goldmann Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (30. Mai 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 720 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442315263
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442315260
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Ferryman

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Gespenster-Krimi 113: Ein höllisches Käferproblem von Thomas Williams (Autor)

 

Angewidert trinkt Ben den letzten Rest aus der Bierflasche. Seit Laura ihn verlassen hat, lässt er sich völlig gehen. Er kriegt einfach nicht mehr die Kurve, um sich zu irgendeiner sinnvollen Tätigkeit aufzuraffen. Auch jetzt sitzt er schon seit Stunden vor dem Fernseher. Es läuft die Wiederholung einer alten Sitcom mit Gelächter aus der Konserve.
Da erregt plötzlich etwas seine Aufmerksamkeit. Ein schwarzer Käfer, so groß wie seine Hand, hockt über dem Bildschirm an der Wand. Die langen Fühler bewegen sich, als suchten sie etwas, doch was Ben viel mehr interessiert, sind die Backenzangen, die aus dem Kopf ragen und viel zu groß für das Insekt wirken. Vermutlich sind sie lang genug, um sich um seine Handgelenke zu legen.
Ben sieht das Bier in seiner Hand an und überlegt kurz, ob er zu viel davon getrunken hat. Dann hört er ein seltsames Klacken von der Zimmerdecke - und er erstarrt ...

Gespenster-Krimis kenne ich noch aus meiner Kindheit und Jugend, damals haben sie mich begeistert, die dünnen Heftchen mit dem trashigen Cover waren spannend, meist gruselig und schnell gelesen, außerdem waren sie Taschengeld freundlich. Irgendwann war diese Zeit vorbei. Bis ich vor kurzem eines dieser Hefte geschenkt bekam. 

Ein höllisches Käferproblem von Thomas Williams

Ich fange mit dem Cover an.

Vor der Silhouette einer Stadt, wahrscheinlich Bielefeld) kniet eine junge gutgebaute Frau, wahrscheinlich nicht Ben aus dem Klappentext, sondern seine Freundin Lena. Sie wird von Käfern attackiert, was ihren entsetzen Gesichtsausdruck erklärt, den überdimensionalen Käfer, der sich ihr von hinten nähert, sieht sie nicht. 

Das ist schon mal so wie früher.

Jetzt komme ich zum wesentlichen, der Geschichte.

Diese umfasst, wie es sich für Groschenhefte gehört, ca. 60 Seiten und auf diesen ist ordentlich was los. 

Sie beginnt mit einem Betrunkenen auf dem Heimweg. Nur wird er dort wohl nie ankommen.

Ben kommt bei seinem besten Freund Sascha unter, lieber will er vorübergehend in dessen versifften Wohnung leben, als mit seiner Mutter und deren Freund unter einem Dach, lieber wäre er bei Lena untergekommen, aber sie haben sich gerade getrennt. In dem heruntergekommenen Hochhaus leben nicht mehr viele Menschen und die sind alle ein klein wenig verrückt, das allerdings ist das kleinere Problem. Löcher in den Wänden und Decken, durch die aggressiven Käfer krabbeln und auf die Menschen losgehen, sind das größere.

Der Autor Thomas Williams erklärt in einem weiteren Handlungsstrang, für so eine kurze Story hat er wirklich viele Handlungsstränge eingebaut, wie es überhaupt zu dem Käferproblem kam, das hat er durchaus nachvollziehbar erzählt, sodass mir auch dieser Part sehr gefallen hat.

Ich weiß nicht mehr genau, ob es in den Gespenster-Krimis jemals ein Happy End gab, einen Helden, der unter Einsatz seines eigenen Lebens die große Katastrophe am Ende abwenden kann, gibt es in dieser Story jedenfalls nicht.

Thomas Williams, hat es geschafft auf wenigen Seiten, eine sehr düstere und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, seine Geschichte kann durchaus mit denen aus meiner Jugend mithalten. Groschenhefte haben also nichts von ihrem früheren Charme verloren.

Dies wird nicht der letzte Gespenster-Krimi aus der Feder Thomas Williams bleiben. Ich freue mich schon auf weitere.




  • ASIN ‏ : ‎ B0BSQWMP47
  • Herausgeber ‏ : ‎ Bastei Lübbe; 1. Edition (7. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 63 Seiten