Freitag, 30. Dezember 2022

Blüte der Zeit: Historischer Roman von Sabine Weiß



Sabine Weiß entführt uns mit ihrem neusten Roman: Die Blüte der Zeit in das 17. Jahrhundert, der 30-jährige Krieg ist lange vorbei doch die Welt kommt nicht zur Ruhe, der nächste Krieg droht und so flieht der talentierte Landschaftsgärtner Max mit seiner Mutter Debora und seinem Bruder Floris aus den Niederlanden nach Brandenburg Preußen. 

Ein Roman über einen Landschaftsgärtner, noch dazu über einen, der im 17. Jahrhundert lebte, das eigentlich viel spannendere Themen als Blumen zu bieten hatte. Den musste ich einfach lesen, denn ich lese gern auch mal über meine eigentlichen Interessengebiete hinaus, um es mal so auszudrücken, vor allem da ich bereits ein Buch der Autorin Sabine Weiß gelesen hatte, das mich voll und ganz überzeugt hatte.

Und so habe ich mich eingelassen auf die Geschichte, die natürlich über so viel mehr handelt als über Blumen und Sträucher, denn die stehen in den Vorgärten. Das, was die Landschaftsgärtner der damaligen Zeit erschufen, ist Kunst, die ihresgleichen sucht und kaum in Worte zu fassen ist, auch wenn ich sie deutlich vor Augen hatte, als ich die Zeilen der Autorin las. 
Das ist ihre Kunst, Sabine Weiß lässt Bilder im Kopf entstehen, schöne Bilder, aber auch Bilder, die die weniger schönen Seiten der Zeit aufzeigen. Die politischen Verhältnisse sind schwierig. Prinz Wilhelm III von Oranien der mit seiner Frau Maria II. 1889 den englischen Thron bestieg, ist nur eine von vielen historischen Personen in diesem Roman. Auch seine Geschichte ist ein großer Bestandteil des Buchs, auch wenn einer meiner Lieblingsprotagonisten Paulus ist, der fiktive Freund Wilhelms. 

Max Geschichte ist besonders schon auf den ersten Seiten, die von ihm handeln, spürt man seine Liebe zu seiner Familie, die nach dem Tod des Vaters in ärmlichen Verhältnissen lebt. Und seine Liebe zu den Pflanzen in den Gärten, er weiß, was sie brauchen und dieses Wissen hat sein Vater, der auf vielen Gebieten rund um den Gartenbau bewandert war, ihm vermittelt. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz in dieser Geschichte, aber auch sie ist wunderbar in die Handlung eingebaut. 

Mit Blüte der Zeit hält man ein sehr gut recherchiertes Buch in Händen, das nicht nur unterhält, sondern auch noch Geschichtswissen vermittelt und in den Leserinnen und Lesern vielleicht den Wunsch weckt, einmal einen solchen Barockgarten zu besuchen. 

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2022 Edition (23. Dezember 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 560 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 340418856X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3404188567
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 16 Jahren


Donnerstag, 29. Dezember 2022

Das Hospital von Edinburgh: Roman von T.L. Huchu


Nach dem ersten Band:Die Bibliothek von Edinburgh habe ich mich sehr auf das zweite Buch der 
»Edinburgh Nights«-Saga und damit auf ein Wiedersehen mit Ropa gefreut und ich wurde nicht enttäuscht.

Das Mädchen lebt immer noch mit ihrer Großmutter und ihrer kleinen Schwester in den Slums von Edinburgh, doch ihr Leben scheint sich zu ändern, sie hat eine Lehrstelle bei der magischen Gesellschaft in Aussicht und damit die Chance auf ein geregeltes Einkommen. Doch die Stelle entpuppt sich als unbezahltes Praktikum und Ropa muss weiterhin um ihr tägliches Auskommen kämpfen, aber auch das ist schwierig, denn ihre Reputation in der Geisterwelt ist nach den letzten Ereignissen dahin. 

Als ihre Freundin Prya sie bei einem mysteriösen Fall um Hilfe bittet, greift Ropa zu. Eine mysteriöse Krankheit, die weder mit magischen noch weltlichen Methoden hat einen Jungen befallen und die Zeit drängt.

T.L.Huchu lässt seine Leserinnen und Leser wieder einmal tief eintauchen in die magische Welt, tiefer noch als im ersten Band, denn Ropa lernt immer mehr dazu, was sie allerdings nicht daran hindert, impulsiv und manchmal sehr unüberlegt zu handeln, gut das sie da ihre Freunde um sich hat, auf Prya und Jomo kann sie sich immer verlassen und auch ihr Förder Callander steht an ihrer Seite.
Die Freunde kommen einem Geheimnis auf die Spur, das sie tief in die schottische Vergangenheit führt und zu Vorgängen die die magische Gesellschaft in Schottland bedrohen.

Ich mochte das Buch, auch wenn es wie schon beim ersten Band etwas dauerte, bis sich Ropa der Lösung des Falls auch nur ansatzweise nähert. Doch diese Zeit ist gefüllt mit Action und vielen Informationen über Ropa, ihre Großmutter, die dieses Mal eine etwas größere Rolle spielt und ihrer Schwester Izwi.

Da mir dieser Band noch etwas besser gefiel als der erste, kann ich dieses Mal eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben und ich freue mich darauf wie es weitergehen wird.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penhaligon Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (23. November 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 376453253X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764532536
  • Originaltitel ‏ : ‎ Our Lady of Mysterious Ailments (Edinburgh Nights 2)



Mittwoch, 28. Dezember 2022

Bis der Fluss taut: Tagebuch aus der Wildnis. Gabrielle Filteau-Chiba



Anouk verlässt ihre Heimatstadt Montreal, um in einer kleinen Hütte mitten in den Wäldern von Kamouraska zu ihren Wurzeln zu finden. Fernab der Zivilisation kämpft sie täglich gegen die harten Seiten der Natur. Holz hacken, Wasser holen und immer darauf zu achten, dass der Ofen in der kleinen schlecht isolierten Hütte nicht ausgeht, bestimmen ihren Lebensrhythmus. 

Die junge Frau findet langsam zu sich selbst und erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist und natürlich kommt sie zu der Erkenntnis, dass es nicht die neusten Handtaschen oder Schuhe sind, denn diese füllen nicht die Leere, die sie in sich fühlt. Erst als sie sich einlässt auf das einfache Leben und die Schönheit, die sie umgibt, findet sie die innere Ruhe, die sie sucht. 

Einzig die Einsamkeit macht ihr zu schaffen, die nur unzureichend von einem Kater, der eines Tages bei ihr auftaucht, gebrochen wird. Besonders männliche Gesellschaft vermisst sie sehr, wie sie in ihrem Tagebuch immer wieder erwähnt und gleichzeitig ist da immer die mehr als verständliche Angst das jemand in der Hütte, auftaucht den, sie nicht eingeladen hat. Bis eines Tages tatsächlich ein ungebetener Gast auftaucht.

Der Roman, ich würde das Buch eher als Novelle bezeichnen, umfasst gerade mal ca. 100 Seiten, auf denen es die Autorin allerdings mühelos gelingt, die Atmosphäre der kanadischen Wildnis einzufangen, die wunderschöne Natur und auch ihre Gefahren, die diese Natur in sich birgt. Ihre Sprache, ein großes Lob gilt hier sicherlich auch der Übersetzerin Katrin Segerer, lässt ihre Leserinnen und Lesern teilhaben an all diesen Wundern und der Zerstörung, die diese erfährt.  

Das Buch ist mir definitiv zu kurz, ich hätte mir mehr gewünscht, mehr Hintergründe, warum Anouk Montreal verlassen hat, mehr aus ihrem früheren Leben und auch als im letzten Teil des Buches ein weiterer Protagonist auftaucht, bekommt dieser zu wenig Raum. In diesem Teil wird der Kampf der Umweltaktivisten in Kanada aufgegriffen. Und auch hier wäre für meinen Geschmack, mehr wirklich mehr gewesen.

Die Autorin verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger, wie er häufig in Büchern, die sich mit der Zerstörung der Umwelt befassen, vorkommt. Sie zeigt uns eine Welt, die es zu bewahren gilt. In der Geschichte erwähnt sie einen Zug, der auf eine besondere Weise zum Sinnbild für die »Zivilisation« für mich wurde.


  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (27. Dezember 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 112 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423290277
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423290272
  • Originaltitel ‏ : ‎ Encabanée


Dienstag, 27. Dezember 2022

Scherbensommernacht von Janne Loy

 


Ella und Imen wachsen in einem wohlbehüteten Elternhaus auf. Während Ella, die ältere Schwester, angepasst und immer darauf bedacht ist, ihren Eltern keinen Ärger zu machen, ist Imen ein rebellischer Teenager, die gern feiert und ihr junges Leben genießt. Die Al Chams sind eine ganz normale Familie, bis zu der Nacht in der Imen plötzlich verschwindet, nach einer Schulparty kommt die fünfzehnjährige nicht mehr nach Hause. Ohne Hinweise bleibt Imen verschwunden und die Familie zerbricht.

Ella kann die Ungewissheit über die Umstände des Verschwindens ihrer Schwester kaum verwinden. Doch sie versucht ihr Leben zu leben und lernt im Laufe der Zeit, mit dem Verlust einigermaßen zu leben. 

Achtung ab hier kann es Spuren von Spoilern geben.

Dienstag, 20. Dezember 2022

Der Prozess: Die Abartigen Band 2 von Sascha Raubal


 

Als Abartiger verbannt, muss Mikail in der lebensfeindlichen Wildnis um sein Überleben kämpfen. Übellaunige Keiler, riesige Bären und furchteinflößende Wölfe alleine sind schon schlimm genug; auf die monströsen Echsen, die er auf seinen Streifzügen entdeckt, könnte er wirklich gerne verzichten. Wie soll er da auch noch den kleinen Jungen beschützen, den er im Wald aufliest? Loris gibt derweil sein Bestes, um das Mikail gegebene Versprechen zu halten. Er will alles tun, die Strafe für dessen Familie so gering wie nur möglich zu halten. Zusammen mit Lia stürzt er sich in die Verteidigung und muss dabei gegen den härtesten Gegner antreten, den er sich vorstellen kann: die eigene Mutter.

Nach Mikails Verbannung aus Or, setzt sein bester Freund Loris alles daran, wenigstens Mikails Familie vor dem schlimmsten zu bewahren und ihre Strafe für das Verschweigen von Mikails »ABARTIGKEIT« so gering wie möglich zu halten. Im schlimmsten Fall müssten sie den Großteil ihres Vermögens abgeben und wären damit für immer ruiniert. Gemeinsam mit Lia bereitet sich Loris auf den Prozess vor und es scheint fast so, als könne seine Strategie Erfolg haben, bis seine Mutter, die die Anklage vertritt, seine Pläne durchkreuzt.

Währenddessen kämpft Mikail ums Überleben, trotz seiner Stärke gerät er immer wieder in brenzlige Situationen. Doch er scheint in der Wildnis nicht alleine zu sein und als er einen kleinen Jungen rettet, der ebenfalls als »Abartiger« vor den Toren der Stadt ausgesetzt wurde, trifft er kurz darauf auf weitere »Abartige«.

In diesem, dem 2. Band der Reihe, erfahren wir ein klein wenig mehr über die Geschichte der Menschen und vor allem über ihre Beweggründe dafür, dass sie Menschen, die anders sind als der Großteil der Bevölkerung, die also nicht der Norm entsprechen, aus ihrem Leben zu verbannen und dem sicheren Tod zu überlassen. 

Freitag, 16. Dezember 2022

Die Bibliothek von Edinburgh: Roman (Edinburgh Nights, Band 1) von. T.L.Huchu


 Ropa hat die Schule abgebrochen, um Geistersprecherin zu werden - und nun spricht sie mit den Toten von Edinburgh und überbringt den Lebenden deren Botschaften. Ein scheinbar harmloser Job, um sich, ihre kleine Schwester und ihre Großmutter über Wasser zu halten. Doch Ropas Leben ändert sich schlagartig, als die Toten ihr zuflüstern, dass jemand Kinder verzaubert und sie zu leeren Hüllen macht. Auf einmal findet sich Ropa mitten in einem Spiel mit dem Tod wieder, in dem sie mit ihrem blitzgescheitem Verstand, ihrer geheimnisvollen afrikanisch-schottischen Magie und mit ihrer unnachahmlichen rotzigen Art nach Hinweisen sucht, um die verhexten Kinder zu retten. Als sie dabei auf eine okkulte Bibliothek stößt, ist sie sich plötzlich nicht mehr sicher, ob sie Jägerin oder Beute ist.


Ropa lebt mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Großmutter in einem heruntergekommenen Wohnwagenpark ärmlichen Verhältnissen. Die Zeiten in Edinburgh sind nach einem nicht näher beschriebenen Ereignis hart. Die vierzehnjährige hat die Schule abgebrochen und verdient ihr Geld mit dem Überbringen von Nachrichten aus der Geisterwelt an die Hinterbliebenen. 
Als Ropa von einer Verstorbenen um Hilfe bei der Suche nach ihrem Sohn gebeten wird,
 weigert sie sich zunächst zu helfen, denn die Hilfesuchende hat keine Mittel, um sie zu bezahlen. Schließlich muss sie in jeder freien Minute Geld verdienen, um die Standmiete für ihren Wohnwagen und den Lebensunterhalt für ihre kleine Familie zu sichern. Erst ein Gespräch mit ihrer Großmutter ändert ihre Meinung und so macht sich das Mädchen auf die Suche. Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem alten Schulfreund Jomo und ihrer neuen Freundin Priya. Jomo schmuggelt sie in die Bibliothek der Toten, dort werden sie natürlich prompt erwischt, und Ropa entgeht nur knapp den unerfreulichen Konsequenzen.

Auch wenn ich normalerweise keine Jugendbücher lese, hat mich der Klappentext zu Die Bibliothek von Edinburgh unheimlich angesprochen. Ich mag Geistergeschichten sehr, also habe ich mich auf die Geschichte rund um Ropa eingelassen und im Großen und Ganzen wurde ich nicht enttäuscht. Die Welt, die der Autor T.L.Huchu aufgebaut, ist düster und voller Magie, leider werden die Umstände, die zu den aktuellen Lebensumständen der Menschen führten, nicht genauer erklärt. Auch in welcher Zeit die Handlung angesiedelt ist, bleibt unklar, Gegenwart oder nähere Zukunft, beides ist möglich. Ebenso könnte es sich um eine Parallelwelt handeln. Das hat mich schon ein bisschen beschäftigt und ich hoffe, dass der Autor im nächsten Band die Umstände etwas näher aufklärt. 

Dass Ropa erst vierzehn Jahre alt ist, hat mich dann doch sehr erstaunt, sie scheint intellektuell und  emotional um einiges älter und abgeklärter als sie sein sollte, nur selten blitzt das Kind, das sie ja noch ist durch. Ich hatte Bedenken, dass der Schreibstil allzu schlicht sein könnte oder zu angestrengt auf Jugendlich ausgerichtet wäre, aber diese Bedenken wurden schnell zerstreut. Der Schreibstil ist zwar einfach gehalten, aber nicht zu oberflächlich, der Autor nimmt seine jugendlichen Leser durchaus ernst und auch als Erwachsene hatte ich viel Spaß an der Lektüre. 


  • Herausgeber ‏ : ‎ Penhaligon Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (28. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3764532521
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764532529
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Library of the Dead (Edinburgh Nights 1)
  • Übersetzung: Vanessa Lamatsch

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Der Tod kommt auf Zahnrädern: Steampunk-Anthologie (Hrsg. Janika Rehak)

 


 Eine Schachpartie verändert den Lauf der Geschichte. Der Blick durch die Fotolinse zeigt Dinge, die sein könnten. Ganz leise erklingt eine Melodie, die ihrer Zeit weit voraus ist. Hinsehen oder lieber wegschauen? Fünfzehn Steampunk-Storys über das Leben, den Tod und den Raum dazwischen. 

Steampunk ist faszinierend, zeitlich in der viktorianischen Zeit angesiedelt, spielen die Autoren mit der Mischung aus Technik und Ästhetik. Das Aussehen von Technik und Mode spielt in diesem Genre eine große Rolle. Und so ist es wichtig, dass die Beschreibungen der Menschen, ihre Umgebung und die der Technik ein Bild in den Köpfen der Lesenden erschaffen können, ohne sich zu oft zu wiederholen. Das ist den meisten Autorinnen und Autoren auch gelungen. 

Besonders gefallen haben mir die vielfältigen Themen der einzelnen Storys, von Zeitreisen ( Angelika Brox - My Happiness) über die klassische Detektivgeschichte ( Galax Acheronian -Von Käfern, Schaben und anderem Ungeziefer) bis zur sozialkritischen Story (Thorsten Küper - Hayes Töchter und Söhne). Sogar für Horror Fans ist etwas dabei, Yvonne Tunnat - Morsche Haut, diese Geschichte ging mir sehr nah, Eltern werden das nach dem Lesen verstehen. 

Ich gehe nicht näher auf die einzelnen Geschichten ein, das ist bei Kurzgeschichten sowieso immer schwierig und ich will nicht zu viel verraten. 

Fünfzehn Kurzgeschichten, von denen mir der Großteil sehr gut gefallen hat, und ganz wichtig, es gab keine einzige, von der ich anderen abraten würde sie zu lesen, denn das, was mir daran nicht gefiel, ist für andere evtl. ein Highlight.


Mit Geschichten von Angelika Brox, Lina Tiede, Michael Schmidt, Tessa Maelle, Carolin Gmyrek, Aiki Mira, Galax Acheronian, Janika Rehak, Thorsten Küper, Uwe Post, Frederic Brake, Jol Rosenberg, Yvonne Tunnat, Oliver Bayer, Uwe Hermann Herausgegeben von Janika Rehak und Yvonne Tunnat.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Amrun Verlag; 1. Edition (15. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 320 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958695000
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958695009

Dienstag, 13. Dezember 2022

Stille Nacht, heilige Nacht. Morgen wirst du umgebracht. Weihnachtskrimis. Zusammengestellt von K. Adler




Ihr Mörderlein kommet, o kommet zuhauf
Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht der Mörder vor der Tür.

 

Die hier zusammengestellten weihnachtlichen Kurzkrimis stimmen ein auf ein mordsmäßig spannendes Weihnachtsfest. 

Ich lese ja eher selten saisonale Geschichten, aber in dieser Krimisammlung sind so einige Autorinnen und Autoren versammelt, die ich einfach sehr mag und so war ich gespannt, wie sie sich bei Kurzgeschichten machen. 

Dora Heldt
Geld oder Lebkuchen 

 erzählt von einer etwas unkonventionellen Spendensammlung zum Fest.

Anne B. Ragde 
Eine Pistole mehr oder weniger. 

Eine junge Frau will mit allen Mitteln ein besseres Leben.

Dietmar Bittrichs
 Festliche Schussfahrt

Auch wenn das Verbrechen schon verjährt ist, macht es das nicht weniger schändlich, aber ich gebe zu beim Lesen entwickelte ich schon etwas schadenfreude.

Jussi Adler-Olsen 
Kredit für den Weihnachtsmann

Brian versucht wirklich ein besserer Mensch zu werden um für seine schwangere Frau und das ungeborene Kind zu sorgen, aber was soll man tun wenn man kurz vorm Fest gefeuert wird?

Marlies Ferber
Null-null-siebzig

Ein schon etwas älteres Ermittlerpaar kommt einem Enkeltrickbetrüger auf die Schliche, oder vielleicht ist alles doch ganz anders.

Randi Fuglehaug
Wer will Weihnachten schon auf die Lofoten?

Also die namenlose Protagonistin schon mal nicht, das interessiert ihren Mann allerdings nicht und so bucht er als Hochzeitstagsüberraschung einen Wohnmobiltrip. 

Romy Hausmann
Merry Misery

Manchmal tauscht man die Vergangenheit gegen das kleinere Übel der Gegenwart.

Frank Goldammer
Der Weihnachtsmann ist tot-es lebe der Weihnachtsmann

Ein Wiedersehen mit Kommissar Max Heller, über das ich mich besonders gefreut habe. Auch wenn ich zwischendurch dachte „Ach Heller«, aber dann kam es doch anders.

Ulrich Hefner
Requiem für den Nikolaus

Das alljährliche Treffen der Familie Nikolaus endet in einer Katastrophe, doch wer hatte ein Motiv?

Rebecca Michéle
Plumpudding mit Schuss oder ein fast perfekter Mord

Ein paar ruhige Tage bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater Greg, einem berühmten Serienschauspieler, will Nadine verbringen, doch ein Sturm und ein Mord erschüttern die Idylle. 

Ursula Schröder
Perfektes Timing

Ach Herrje, Besuch von der Vermieterin Oma Edda über Weihnachten, das kann die harmonische vierer WG so gar nicht gebrauchen, aber sie versuchen gute Miene zum bösen Spiel zu machen, vergeblich, denn gegen die giftspritzende Oma kommen sie nicht an. So wundert es nicht, dass sie Mordpläne schmieden.

Dani Baker
The same procedure as every year

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit rauben Andrew und James reiche Haushalte aus, auch wenn die Planung der Raubzüge seit neustem in Andrews neuem Zu Hause stattfindet, das er mit neuer Freundin und deren Kinder teilt. Dabei lernt er auch den einen oder anderen Weihnachtsbrauch kennen.

Charlotte Charonne
Mandeln und Marzipanwölckchen
Um ihrer Freundin zu helfen, die als Hausdame in einem vermögenden Haushalt arbeitet, lässt sich Maria Sybilla, die von allen nur Maritzebill genannt wird, überreden beim traditionellen Nikolausdinner auszuhelfen. Dass es einen Toten und ein ganzes Haus voller Tatverdächtiger gibt, kann ja niemand voraussehen. Da braucht es schon den einen oder anderen Eierlikör und eine gute Auffassungsgabe um den Fall zu lösen.
Jutta Profijt
Stille Nacht
Wenn 4 Wochen vor Weihnachten zum Horror werden, dann ist guter Rat teuer. Ich war selten so bei einem Protagonisten wie in dieser Kurzgeschichte.

Mit diesem Buch lässt sich der Stress der Vorweihnachtszeit für einige spannende und mitunter auch amüsante Lesestunden vergessen.
Mir hat es sehr gefallen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 2. Edition (21. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 342322035X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423220354



Montag, 12. Dezember 2022

Der Fluch des Fremden: Historischer Roman von Alexander Hartung

 

"Ich verfluche euch! (…) Mein Tod wird mir die Rache ermöglichen, welche mir im Leben verwehrt war."


Das ganze Dorf Furtenblick feiert das alljährliche Dorffest, der Höhepunkt des Jahres soll es werden, mit Markttreiben, Ochsenbraten und viel Wein. Doch die ausgelassene Stimmung wird abrupt beendet, als ein Mann das Dorf verflucht und vier Menschen den Tod finden sollen. Nach dieser Ankündigung stürzt er sich in den nahen Fluss und die Dorfbewohner in Aufregung. Kurz darauf wird die erste Leiche gefunden und die Angst vor dem Fluch wächst. Einzig die Witwe Katharina Volck glaubt nicht so recht an einen Fluch und sie sucht erfolgreich nach Spuren, die auf Mord und nicht auf einen Fluch hindeuten. Doch bis auf ihren Nachbarn Jakob Kohlhepp schenkt ihr niemand Glauben und der Priester des Dorfes schürt die Angst der Menschen noch.

Gemeinsam mit Jakob sucht sie nach dem Mörder und den Hintergründen für die Taten, denn die Zeit drängt.
Ich habe schon das eine oder andere Buch des Autors gelesen und so war ich sehr gespannt, was mich bei einem historischen Krimi aus seiner Feder erwartet.

Mit Katharina betritt eine neue und sehr interessante »Ermittlerin« die Bühne der historischen Krimis, nicht mehr ganz jung steht sie mit beiden Beinen fest im Leben und ihr macht niemand so leicht etwas vor. Mit scharfem Verstand und wachem Blick findet sie Hinweise, die anderen verborgen bleiben und so findet sie Spuren, die weit in die Vergangenheit der Opfer führen. Unterstützt wird sie dabei immer von Jakob, der ebenfalls Witwer, fest an ihrer Seite steht. 

Ich habe das Buch innerhalb weniger Abende durchgelesen, ich war von der ersten Seite an gefesselt. Ich hoffe, dass Alexander Hartung seine Ermittlerin Katharina noch mehr Fälle lösen lässt. Ich würde mich über ein Wiedersehen mit Katharina und Jakob jedenfalls sehr freuen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ MAXIMUM Verlag; 1. Edition (5. Dezember 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 342 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948346631
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948346638


Sonntag, 11. Dezember 2022

Nordland 2061: Gleichheit von Gabriele Albers


 In einem Land, in dem Mädchen nichts wert und Frauen das Eigentum ihrer Männer sind, kämpft Lillith unermüdlich für Freiheit und Gleichheit. Bo, ihr wichtigster Verbündeter in diesem Kampf, sitzt nach wie vor im Gefängnis – ihretwegen. Als es Lillith endlich gelingt, ihn zu befreien, ist der Preis höher als gedacht. Viel höher. Gleichzeitig ist die Chance für einen echten Wandel im Land zum Greifen nah. Aber hat Lillith dafür die richtigen Mitstreiter an ihrer Seite?

Wir treffen Lilith wieder, die immer noch unermüdlich für die Gleichberechtigung und Freiheit der Mädchen und Frauen in ihrem Land kämpft, denn diese sind nichts wert in Nordland, wo einige wenige alles und viele nichts haben.
Als die alte Weltordnung zusammenbrach, rissen einige Familien allen Besitz an sich und teilten Nordland unter sich auf. Sie werden Birds genannt und regieren Nordland mit harter Hand, die weiterentwickelte Technologie wird dazu benutzt die Bevölkerung zu überwachen und zu verletzen. Wut und Angst ist das vorherrschende Gefühl im Volk und dies macht sich die Rebellengruppe Omega zunutze, die durchaus dazu bereit sind mit Gewalt die Umstände im Land zu ändern. 
Um einen Bürgerkrieg zu verhindern, hat sie ihren Geliebten, den Rebellenführer Bo ins Gefängnis gebracht.

Lilith hat mittlerweile als einzige Frau einen Senatssitz inne und mit der kraft ihres Amtes, will sie, Bo aus dem Gefängnis holen. Es scheint sich auch etwas zu bewegen, eine neue Verfassung wurde ausgearbeitet, die gerechter sein soll, hohe Steuern für Reiche und die Gleichberechtigung für Mädchen und Frauen. Das sind u. a. die Bedingungen, die das Nachbarland Schweden stellt, bevor sie Nordland ihre Technologie zur Entsalzung von Meerwasser zur Verfügung stellt. Doch der Weg dahin ist steinig und Lilith muss sich nicht nur im Senat beweisen, auch die Rebellen stehen ihr skeptisch gegenüber, vor allem weil sie auch Entscheidungen treffen muss, die sie in ein schlechtes Licht rücken.

Manchmal scheint Liliths Kampf aussichtslos, denn nicht nur die Männer der Oberschicht sind frauenfeindlich, auch in den Reihen der Rebellen ist nicht alles eitel Sonnenschein und nicht einmal alle Frauen stehen auf ihrer Seite, sei es aus Angst oder Bequemlichkeit. Und so muss Lilith viele Niederlagen hinnehmen und sich demütigen lassen, doch aufgeben kommt für sie nicht infrage, sie kämpft für die Freiheit, Gleichheit und ihre Liebe.

Die Autorin Gabriele Albers zeichnet ein düsteres Zukunftsbild, der Klimawandel hat Nordland in ein großes Dürregebiet verwandelt, einige wenige haben alles, Frauen haben keinerlei Rechte und Technologie wird zur Unterdrückung eingesetzt, Widerstand wird gnadenlos bestraft.

Ich wünschte, ich könnte ein kluges Fazit schreiben, kann ich aber nicht, weil mir die richtigen Worte fehlen, ich habe in diesem Buch so viele Parallelen zu unserer Zeit gefunden, dass ich beim Lesen oftmals einen Knoten im Hals hatte. Liliths Kampf und der ihrer Mitstreiter, scheint oft so aussichtslos wie der Kampf derjenigen, die heute für eine bessere und lebenswerte Zukunft für alle kämpfen. Wenn fiktive Charaktere ein Vorbild sein können, trotz all ihrer Schwächen und Fehler, die sie nur menschlich machen, dann ist es Lilith.

Sollte man Nordland 2059 Freiheit gelesen haben?
Meiner Meinung nach ja, zwar werden die wichtigsten Ereignisse auch im vorliegenden Band angesprochen, trotzdem, glaube ich mir persönlich hätte etwas gefehlt. Die Feinheiten, die man nur fühlt, wenn man direkt beim Geschehen ist, wie eben beim »selber lesen.«  Ihr versteht sicher, was ich meine. 

Ich vergebe für Nordland 2061 eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Plan 9 Verlag; 1. Edition (31. August 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 624 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948700559
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948700553








Samstag, 10. Dezember 2022

Wer ist der Mörder?: Spannende Kriminalfälle selbst lösen Modesto Garcia


Von einem verdächtigen Selbstmord bis zur Familienfehde um eine Millionenerbschaft, einem Verbrechen aus Leidenschaft, versteckten Identitäten und tödlichen Geheimnissen muss der Leser zwölf verschiedene Fälle mit seinem Verstand und seiner Beobachtungsgabe lösen.
Wer ist der Mörder? besticht durch seinen Erfindungsreichtum und seine Originalität. Spannende Detektivgeschichten werden hier nicht linear erzählt, sondern der Leser muss sein deduktives Geschick unter Beweis stellen, um die Rätsel zu lösen.

Nachdem ich nun so viele Krimis gelesen habe, habe ich mir gedacht, dass ich die Kriminalfälle nun auch selber lösen kann. Bevor ich mich jedoch aber als Hobbydetektivin auf echte Fälle stürze, habe ich es bei einem Buch belassen.

Wer ist der Mörder? Kam mir da gerade recht.

Das Buch beginnt mit einer Anleitung, wie man am besten vorgeht und welche Hilfsmittel benötigt werden.
Handy (es geht aber auch ohne) Spiegel, Notizblock und ein Stift.
Dann kann man auch schon loslegen und die verschiedensten Fälle lösen, vom vermeintlichen Selbstmord über Familienstreitigkeiten bis zu einem mysteriösen Todesfall in Ägypten. 
12 Fälle kann man in diesem  illustrierten Buch lösen. Die Illustrationen sind ein immens wichtiger Bestandteil, sie beinhalten Hinweise z. B. den die Nachrichten auf einem Handy zu lesen, mit einer Seitenzahl wo im Buch diese zu finden sind. Folgt man allen Hinweisen und trifft die richtigen Schlussfolgerungen, hat man am Ende den Fall gelöst. Manchmal dauert es etwas länger, weil der Fall knifflig ist, ist man da zu ungeduldig, kann man sich Hinweise geben lassen, die aber eigentlich nicht gebraucht werden. 
Ich hätte mir ein klein wenig mehr Text zu Beginn eines jeden Falls gewünscht, vielleicht in Form einer „kürzest Geschichte“ rund um den Fall oder mit versteckten Hinweisen in der Geschichte. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau und beruht auf dem, was ich mir vorgestellt hatte, als ich das erste Mal von dem Buch hörte. Am Ende ergibt sich immer ein schlüssiges Bild. 
 
Man kann die Fälle allein lösen oder auch zu zweit, der Austausch mit einem zweiten Detektiv oder einer Detektivin erhöht den Rätselspaß noch. 
Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass das Buch am Ende noch intakt ist, man kann es nach dem eigenen Spielspaß weiter geben und jemand anderer kann sich als Sherlock oder Miss Marple versuchen.

Das Buch eignet sich gut als Geschenk für Krimifans ab 16 Jahren.





  • Herausgeber ‏ : ‎ Yes Publishing (18. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3969051681
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3969051689

Dienstag, 6. Dezember 2022

Das Geflecht: An der Grenze von Jol Rosenberg




Eine Jägerin.
Ein Pfeil irrt ab.
Eine Reise auf neuen Pfaden beginnt.
Danyla schießt und trifft. Ein verwundeter Fremder liegt auf dem Waldboden Rusals. Der Staub einer toten Wüste erhebt sich, als das Geflecht allen Lebens auf dem Planeten erbebt. Und das Feuer alter Konflikte droht ganz Rusal zu versengen.
Was hält eine verflochtene Welt zusammen?
Wohin geht die Jägerin auf der Suche nach Frieden?
Ein einziger Schuss verändert alle Leben.


Fremde Welten und Roboter, Raumschiffe, Androiden, Weltraumschlachten.
Das sind die Bilder, die ich immer noch als Erstes im Kopf habe, wenn ich an Science Fiction denke und oft sind sie mir zu technisch. Um so mehr freue ich mich, wenn ich auf einen SF-Roman stoße, der anders zu sein verspricht.

Danyla lebt mit ihrem Volk, den Surai, vollkommen im Einklang mit der Natur, verbunden durch ein unsichtbares Band fühlen sie einander und auch die Pflanzen in ihrer Welt. Auf der Jagd schießt sie aus Versehen auf einen Fremden und verletzt ihn schwer. Sie nimmt ihn mit in ihr Dorf und wird dazu verpflichtet, sich um ihn zu kümmern.  

Pako verdient sein Geld als Kurierfahrer, der Ingenieur hat nach einem Zwischenfall seinen Job verloren und muss nehmen, was er kriegen kann.  Der Planet, auf dem er lebt, ist unwirtlich, eine trockene Wüste, staubig und trocken. Als er erneut entlassen wird und einige Zeit am Existenzminimum leben muss, greift er zu, als ihm ein neuer Job angeboten wird, obwohl in seinem Arbeitsvertrag von *Chirurgischen Anpassungen.* die Rede ist, die ihm vor der Unterschrift niemand erklären will.

Auf dem Flug zu einer Probenstation stürzt sein Gleiter ab und Pako wird angeschossen.

In Jol Rosenbergs Roman treffen zwei vollkommen unterschiedliche Kulturen aufeinander. 
Bei den Surai ist Technik, nach einem verheerenden Krieg, der sie fast auslöschte, verboten. Die Menschen beuten, wie könnte es anders sein, den Planeten aus. Konflikte sind da natürlich vorprogrammiert.

Im Vorwort erfahren wir durch, wie viele Hände das Buch gegangen ist, bevor die endgültige Fassung vorlag, nicht nur Korrektorat oder Lektorat, auch durch ein sensitive Reading musste es das Buch schaffen, da musste ich mich erst einmal schlaumachen. ( Sensitivity Reader prüfen Texte auf verletzende oder missverständliche Darstellungen und Ausdrucksweisen. Quelle: sensitive-reading.de). 
Jol Rosenberg und der Verlag haben sich also viel Mühe gegeben, um allen Lesenden gerecht zu werden. Der einzige Punkt, der mir im Vorwort nicht gefiel, ist der Hinweis auf den Charakter eines der Protagonisten. Ich gehe lieber unbeeinflusst an ein Buch und bilde mir selber ein Urteil.

Die Handlung ist nicht ganz neu, einzelne Elemente aus bekannten Werken finden sich in Das Geflecht an der Grenze, immer mal wieder. Mich persönlich störte das allerdings nicht allzu sehr. Ich mochte die Art wie Jol Rosenberg seine Geschichte erzählt, sprachgewaltig ist hier wohl das richtige Wort. Er ließ Bilder vor meinem geistigen Auge enstehen und so sah ich, wie in den dichten Wäldern Danyla allein durch die Kraft ihres Bandsinns die Pflanzen dazu brachte, ihr einen Weg frei machen. Oder wie Pako fluchend vor seinem Frachter steht, um ihn zum wiederholten Male zum Laufen zu bringen und er sich freut als er den Frachter in seinem neuen Job für die unwirtlichen Bedingungen umrüsten soll. Das sind nur kleine unbedeutende Szenen, aber an diesen merkt man, welche Liebe und Hingabe Jol Rosenberg in das Buch gesteckt hat.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ OHNEOHREN; 1. Edition (17. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 500 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3903296430
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3903296435







Sonntag, 4. Dezember 2022

Prosaische Passionen: Die weibliche Moderne in 101 Short Stories - Übersetzungen aus 25 Weltsprachen


Auszug aus der Produktbeschreibung:

Diese erste globale Prosasammlung weiblichen Schreibens um und nach 1900 zeigt: Die literarische Moderne war ganz wesentlich weiblich! Nicht nur in Europa, überall auf der Welt veränderte sich das künstlerische Selbstverständnis von Frauen von Grund auf. Sie eroberten sich kreative Freiräume, machten weibliches Denken und Fühlen literaturfähig, vor allem aber schufen sie große Erzählkunst und behaupteten sich so auf dem Feld der Hochliteratur, die bis dahin als exklusive Männerdomäne galt. Ab 1900 ist Weltliteratur nicht mehr bloß ein Gruppenbild mit Dame.

Eine eigene Inhaltsangabe zu dieser fantastischen Kurzgeschichtensammlung fällt mir dann doch etwas schwer. Die Herausgeberin Sandra Kegel hat eine wunderbare Auswahl an Kurzgeschichten zusammen getragen, die von mal mehr, mal weniger bekannten Autorinnen geschrieben wurden. Mir waren tatsächlich nicht alle bekannt, da waren die Autorinnenviten am Ende des Buches mehr als hilfreich, immer wieder habe ich nach dem Lesen der einzelnen Storys nachgelesen, um wen genau es sich eigentlich handelt.Da waren die Lebensläufe der Autorinnen teilweise genauso interessant wie ihre Geschichten und manchmal sogar sehr viel spannender. 

Stellvertretend dafür nenne ich hier die Autorin Halide Edip Adivar, die 1884 in Konstantinopel geboren wurde. Sie ergriff den Beruf der Lehrerin und heiratete mit siebzehn Jahren.   Als ihr erster Mann eine zweite Frau heiratete, bestand sie auf der Scheidung. Später wurde sie die Symbolfigur für alle im Türkischen Befreiungskrieg kämpfenden Frauen. 

Ihre Geschichte um das Mädchen Rabia machte mich traurig, ein kleines Mädchen, das sich selbst verleugnet. Aus Angst vor der Hölle, die ihr der Großvater ihr bildhaft beschreibt, ist sie folgsam und nachgiebig, sie gibt niemandem Anlass zur Klage. Ihre Erfüllung findet das Kind, als sich herausstellt, dass sie ein besonderes Talent dafür hat, den Koran auf besondere Art und Weise zu rezitieren. Ich muss zugeben, dass ich nicht genau weiß, was die Autorin mir mit ihrer Geschichte sagen will. Es blieb nur dieses Gefühl von Traurigkeit in mir zurück.

Anders die zweite Geschichte der Sammlung. Die Geschichte einer Stunde von Kate Chopin.

Der herzkranken Mrs. Malland wird schonend beigebracht, dass ihr geliebter Mann Opfer eines Unglücks geworden sei, nach einem kurzen Zusammenbruch zieht sie sich in ihr Zimmer zurück, um dort langsam zu begreifen, was sein Tod für ihr Leben bedeutet: Freiheit. Denn trotz aller Liebe war sie immer dem unterworfen, was ihr Mann für richtig hielt. Leider nimmt diese Geschichte ein eher tragisches Ende. Die Autorin hat es geschafft, die ganze Palette an Gefühlen auf nicht einmal vier Buchseiten unterzubringen. Die ganz hohe Kunst der Kurzgeschichte, die nur einen Ausschnitt im Leben der Protagonistin zeigt. Und doch kann man sich vorstellen, was vorher war und wie es im besten Falle weitergegangen wäre.

Teilweise sind die Themen auch in der heutigen Zeit noch aktuell, sie handeln von Gleichberechtigung, Mutterschaft und der Unterdrückung der Frau und ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit. 

Natürlich gibt es unter den 101 Short Stories die eine oder andere, die mich nicht ganz überzeugen konnte, aber der Gesamteindruck war durchweg positiv. Ich werde das Buch sicherlich noch häufiger in die Hand nehmen, um die eine oder andere Geschichte nochmals zu lesen und vielleicht erreichen mich dann auch die wenigen unter ihnen, die mich beim ersten Lesen nicht ganz überzeugten. Bei denen, die ich liebte und das ist der Großteil, freue ich mich jetzt schon auf einen erneuten Lesegenuss.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Manesse Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (5. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 928 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3717525468
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3717525462

Tod am Everest von Odd Harald Hauge

 


Eine ungleiche Seilschaft, die den Mount Everest auf der schwierigen Nordroute bezwingen will. Gefährliche Geheimnisse, die allen zum Verhängnis werden können. Und ein Achttausender, der keine Fehler verzeiht ...


Je näher die Bergsteigergruppe der Todeszone kommt, desto mehr gerät das soziale Gefüge ins Wanken. Zwischen Fels, Eis und gähnender Leere beginnt für die Frauen und Männer ein erbitterter Kampf ums Überleben.

Martin Moltzau plant eine Expedition rund um den Äquator, vier Jahre soll diese Abenteuerreise dauern, doch für seine Sponsoren wäre er mit diesem Abenteuer zu lange aus dem Sichtfeld der Kunden verschwunden, das wäre nicht Geschäfts fördernd. 
»Äquator, Äquator« seufzte Mendler. „Im Pazifik verkaufen wir keine Autos. Eis, Schnee und Kälte sind die Parameter...«
Martins unüberlegte Antwort darauf
»Ich kann ja kurz am Mount Everest vorbeischauen.«
Löst einen Begeisterungssturm aus und so sieht sich der Abenteurer unvermittelt in einer Gruppe von erfahrenen Bergsteigern wieder, mit denen er den Achttausender bezwingen will.

Auf dem Berg entwickelt sich schon bald ein Psycho Krieg und ein Überlebenskampf, den nicht jeder der Teilnehmer überleben wird.

Dieser Psycho Krieg wird auch für die Leserinnen und Leser deutlich spürbar, der Autor hat es geschafft, die Atmosphäre zwischen den Expeditionsteilnehmer an seine Leserschaft zu bringen, ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken könnte. Man spürt die Anstrengungen und auch die Ängste und Zweifel, die sie begleiten. Nach und nach kommen die wahren Beweggründe für die Tour bei den einzelnen Teilnehmern zutage und diese schüren die unterschwelligen Rivalitäten untereinander. Das gemeinsam mit den glaubwürdigen Beschreibungen der örtlichen Begebenheiten am Mount Everest, machen dieses Buch, obwohl es kein Krimi ist, wie man nach dem Klappentext vermuten könnte, besonders spannend. Der Zusatz Thriller, trifft es da schon viel besser, ich litt mit Martin, spürte die Kälte und den Sauerstoffmangel. 
Odd Harald Hauge, weiß, wovon er schreibt, der Extremsportler bestieg 2007 den Mount Everest und kennt den Berg und seine Gefahren, die sicherlich von vielen Bergsteigern unterschätzt werden. Schaut man sich Bilder von den Camps an, könnte man meinen, der Aufstieg sei ein Spaziergang, es reiht sich Zelt an Zelt. Doch seit der Erstbesteigung kamen über 300 Menschen ums Leben. 
Ich habe mich bisher nie für Extremsport interessiert und Berge sind mir schon immer zu hoch gewesen. Der Autor allerdings hat mich in die raue und unwirtliche Gegend geführt und er hat mich dazu gebracht mich ein klein wenig mehr mit den Bedingungen am Berg zu befassen. Schon allein dafür hat das Buch eine Leseempfehlung verdient, dazu kommt noch die sehr spannende Handlung. Mein Fazit lautet also:
Lasst euch entführen in eine rundum gelungene Story.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Benevento; 1. Edition (17. November 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3710901529
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710901522
  • Originaltitel ‏ : ‎ Everest
  • Übersetzer: Justus Carl