Montag, 27. September 2021

Der Eisjunge von Max Bentow Ein Fall für Nils Trojan 9.

 




Nils Trojan ist eben zurück von seiner Auszeit auf einer Insel, da wird er schon an einen neuen Tatort gerufen. Im ersten Moment glaubt er, in einen absurden Albtraum geraten zu sein: Es sieht aus, als würde ein Tier über dem Opfer kauern, denn der Mörder hat das Fell eines Rehs über die getötete junge Frau drapiert. Wenig später ereignet sich der zweite Mord, und wieder sind Mensch und Tier auf makabre Weise ineinander verschlungen. Aber was will der Täter mit seiner grausamen Botschaft mitteilen? In einem verlassenen Haus im Umland von Berlin stößt Trojan auf eine Fährte – und erkennt zu spät, dass er in eine mörderische Falle geraten ist.


Nils Trojan beendet seine Auszeit auf einer spanischen Insel und kehrt voller Vorfreude nach Berlin zurück. Vorfreude darauf, was sich aus der sich anbahnenden Beziehung zu seiner Kollegin Stefanie entwickeln wird und er fühlt sich stark genug und voller Energie, sich den Herausforderungen seines Berufs zu stellen. Er will es langsamer angehen lassen, als bisher. Doch er schafft es nicht einmal die Koffer auszupacken, als er an einen Tatort gerufen wird. Eine Frau, teilweise eingenäht in das Fell eines Rehs, ist das erste Opfer einer grausamen und rätselhaften Mordserie, die Trojan schon bald wieder an seine Grenzen bringt. Nils Trojan muss die HInweise die der Mörder an den Tatorten hinterlässt entschlüsseln, um weitere Morde zu verhindern. Zudem muss er sich an einen neuen Kollegen im Team gewöhnen, Olaf Maas, scheint vom ersten Augenblick etwas gegen Trojan zu haben.

Der neunte Fall für Nils Trojan, ist wieder einmal außerordentlich spannend, ich mag den Schreibstil Max Bentows. Kurze Kapitel, die oft mit einem Cliffhanger enden hielten, mich oftmals lange, manchmal sogar länger als für mein Schlafbedürfnis gut war am Buch. Ich mochte die Erzählweise, bei der sich kurze Kapitel aus der Sicht des Mörders, mit der Haupthandlung abwechseln. Ich rätselte lange Zeit, ob einer der Hauptprotagonisten in diesen Kapiteln zu Wort kommt oder ob es jemand vollkommen anderer ist. Zeitweise hatte ich den Verdacht, dass es Noah sein könnte, ein 16-Jähriger, der es zu Hause nicht mehr aushält und viele Nächte auf einem unverschlossenen Dachboden im Haus der Filmstudentin Elisabeth verbringt. Noah und Elisabeth sind beide auf ihre eigene Weise psychisch angeschlagen, Noah durch die Gewalt in seinem Elternhaus, Elisabeth, weil sie sich ihrer Familie nie so recht zugehörig fühlte. Oder Elisabeth selbst, die manchmal von verstörenden Erinnerungsfetzen aus ihre Vergangenheit gequält wird? 

Die Story wirft während des Lesens viele Fragen auf, der Autor macht es seinen Lesern nicht leicht, kaum habe ich geglaubt zu wissen, wer der Täter sein könnte, führte er mich schon wieder auf eine neue Spur, aber am Ende schließt sich der Kreis und die Hinweise, die der Täter hinterlässt, ergeben einen erschreckend klaren Sinn. Fast entwickelte ich so etwas wie Mitleid mit dem Täter. 

Eins allerdings hat mich im Buch etwas gestört, das Auftauchen des neuen Kollegen, der von der ersten Sekunde an etwas gegen Trojan zu haben scheint, da es in erster Linie um Trojan geht und sein Team nur am Rande *mitspielt, scheint mir die Figur doch ziemlich überflüssig, vielleicht liegt es aber daran das ich, bis auf einen die Vorgängerbände nicht gelesen habe und so auch die Dynamik im Team nicht kenne. Maas Figur tut nichts für die Story, weder behindert er die Ermittlungen noch bringt er sie in entscheidenden Momenten voran, er ist einfach da und ist unsympathisch. 

Besser als bei Dornenkind, das einzige Buch aus der Nils Trojan Reihe, das ich bisher gelesen habe, gefällt mir allerdings, dass man Der Eisjunge komplett unabhängig lesen kann, die Andeutungen, die auf die Vorgängerbände hinweisen sind zu vernachlässigen und mindern das Lesevergnügen in keinster Weise.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (13. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 344220612X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206124



Samstag, 25. September 2021

Revolution der Träume von Andreas Izquierdo

 


BERLIN, ENDE 1918: Die drei Freunde Carl, Isi und Artur haben sich bis in die Hauptstadt durchgeschlagen und erleben die Zeit des Umbruchs alle auf ihre Weise. Der Kaiser ist gestürzt – Träume von Freiheit liegen in der Luft. Carl beobachtet das Treiben der Aufständischen mit Sympathie, aber auch mit Sorge. Eigentlich will er nur noch eins: echten Frieden. Und Kameramann sein, bei der berühmten UFA! Artur hat sich derweil in kürzester Zeit zum König der Berliner Unterwelt hochgearbeitet. Doch Erfolg lockt Neider an – und Neider bedeuten Gefahr. Isi wiederum sucht im politischen Kampf die Herausforderung und freundet sich mit Leuten aus dem linken Umfeld an. Als sie allerdings den Adelssprössling Aldo von Torstayn kennenlernt, geraten ihre Prinzipien ins Wanken ...

In ›Revolution der Träume‹ zeigt Andreas Izquierdo das Berlin vor den Goldenen Zwanzigern. Kenntnisreich und fesselnd erzählt er von drei Freunden, die versuchen, in einer Welt im Wandel zu bestehen: ein spannender historischer Roman für Herz und Kopf.

Nach *Schatten der Welt* dem fantastischen ersten Teil habe ich sehr auf die *Revolution der Träume* gewartet. 
Die Freunde Isi, Carl und Artur treffen in Berlin wieder aufeinander. Die Zeiten sind unruhig, der Kaiser ist gestürzt. Hunger und Chaos herrschen, kurz gesagt die Zeiten sind hart und doch haben die Freunde es noch recht gut getroffen. Artur hat sich in der Unterwelt einen Namen gemacht, Carl ist auf dem Weg seinen Traum zu verwirklichen, als Kameramann bei der UFA zu arbeiten und Isi ist, was sie immer war: Eine Kämpferin.

Andreas Izquierdo, schafft es wie auch im ersten Teil der Geschichte, Fiktion und reale Geschehnisse, brillant miteinander zu verknüpfen.
Mit viel Liebe zum Detail erzählt er vom Leben der Menschen in der damaligen Zeit, von Hunger und Armut, von Arbeits- und Obdachlosigkeit und auf der anderen Seite von ausschweifenden Festen, Drogen und Überfluss.
Ich mag die Art wie der Autor die Unterschiede beschreibt und wie er es schafft die Bilder der Zeit in meinem Kopf lebendig werden zu lassen, und zwar nicht nur die schönen Bilder, von Partys, schönen Frauen und dem Gefühl des Aufbruchs in eine neue, bessere Zeit. Nein, ich hatte während des Lesens auch die Schattenseiten der Zeit im Kopf und das war, trotz aller Unterhaltung, ein beklemmendes Gefühl. Es war äußerst spannend mal außerhalb des Geschichtsunterrichts in der Schule etwas vom Entstehen der Weimarer Republik zu erfahren. Vom Spartakusbund habe ich zugegebener Weise zum ersten Mal in diesem Buch gehört, vielleicht habe ich das jemals gehörte, auch nur wieder vergessen.

Getragen wird auch dieser Teil der Geschichte natürlich wieder von den drei Freunden: Isi, Carl und Artur.
Egal was kommt, sie stehen unverbrüchlich zueinander, sie mögen nicht immer einer Meinung sein, sie sind nicht immer mit den Taten der anderen einverstanden, doch wenn es hart auf hart kommt helfen sie einander. Ohne zu viel verraten zu wollen, Carl profitiert sogar von Arturs kriminellen Verbindungen, die dieser allerdings in diesem Fall für eine gute Sache einsetzt. 
Carl ist auch in diesem Band, der ruhige und besonnene Charakter der er schon im ersten Teil war, er verfolgt sein Ziel Kameramann bei der UFA zu werden und führt die Leser in die schillernde Welt des Films. 

Ich vergebe für Revolution der Träume eine Leseempfehlung, sprachlich ist das Buch wie man es von dem Autor gewohnt ist, ganz weit oben angesiedelt, er versteht es wie kaum ein zweiter geschichtliche Fakten so in eine Geschichte zu verweben, das diese auch im Gedächtnis bleiben und vielleicht sogar dazu anregen sich näher zu informieren. Und natürlich ist auch der fiktive Teil etwas Besonderes,  die drei Freunde sind mir so ans Herz gewachsen, das ich unbedingt wissen muss, was das Leben noch mit ihnen vorhat, ich freue mich darauf im nächsten Band der Trilogie den Weg mit ihnen weiterzugehen.

Wie es Heike vom Blog Frau Goethe liest, gefallen hat, erfahrt ihr HIER
und hier bekommt ihr was auf die Ohren, Andreas Izquierdo hat uns ein Interview gegeben.


  • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (13. August 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 512 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3832164995
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3832164997

Donnerstag, 23. September 2021

Das Vermächtnis der Vier. Wyn`d`maer Saga von Christopher Tefert


 Windemere – geheimnisvoller Berg inmitten eines glitzernden Sees und Hauptstadt eines fantastischen Reichs. Tief in seinem Inneren birgt er ein uraltes Vermächtnis: Der Ewige will leben und sucht nach Verbündeten ... Auf der Flucht vor Verrat leistet Prinzessin Patrizia einen Schwur, der das Schicksal des Königreichs für immer verändern wird. Doch bei ihrer Aufgabe braucht sie dringend Hilfe ... Der junge Schäfer Oni kommt nach Windemere, um seine kleine Schwester zu retten. Eine freundliche Geste wird ihm zum Verhängnis und er gerät in einen Strudel gefährlicher Ereignisse … Eine waghalsige Reise voller Abenteuer, Freundschaft und Hoffnung beginnt - in einem Land, in dem Magie verboten ist und die Götter auf ewig Wache halten.


In Windemere ist Magie verboten, wer der Hexerei beschuldigt wird, wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dieses Schicksal droht auch der kleinen Schwester von Oni, der sich auf den Weg in die Hauptstadt macht, um sie zu retten. Doch er selbst gerät unter den Verdacht der Hexerei und  hat es nur der Fürsprache von Zufallsbekanntschaften und dem Herzgefühl Prinzessin Patrizias zu verdanken, die als Mitglied des Herrscherhauses ihre Stimme für ihn abgibt, dass er nicht zum Tode verurteilt wird, sondern nur zu lebenslanger Haft. 
Patrizia kommt einer Intrige gegen das Königreich auf die Spur und muss fliehen, auf ihrer Flucht trifft sie in den Tiefen des Berges, auf den Ewigen, der ihr das Leben rettet und ihr dafür den Schwur abnimmt, ein Drachenei das ihm neues Leben schenkt, zu befreien.
Patrizia ist es auch, die Oni aus dem Kerker befreit und sich gemeinsam mit ihm auf den Weg macht, ihren Schwur einzulösen und das Königreich dadurch zu retten, doch hat der Ewige ihr die Wahrheit gesagt?

Das Vermächtnis der Vier ist, eindeutig ein Jugendbuch, also normalerweise nicht mein bevorzugtes Genre, aber irgendetwas zog mich zu dem Buch und ich konnte mich nicht dagegen wehren es zu lesen, vielleicht war es Magie? 

Chrisopher Teferts Geschichte enthält alles was eine gute Fantasygeschichte braucht, Magie und wundersame Wesen, Intrigen und Freundschaft und auch eine kleine Portion Liebe.

 Mit der Liebe in Geschichten habe ich ja normalerweise so meine Schwierigkeiten, ist es doch meist so, dass die Liebenden sich aus irgendeinem nichtigen Grund oder wegen eines Missverständnisses entzweien und damit sich und andere in Schwierigkeiten bringen, um sich am Ende dann doch wiederzukriegen, das mag für viele Leser spannend und interessant sein, für mich nicht. Den Vieren sei Dank, erspart Teferts seinen Lesern das zur Gänze. Patrizia und Oni verbindet zunächst einmal die Freundschaft zueinander und nur langsam wird daraus Liebe, aber das ist sehr natürlich und mit einer Selbstverständlichkeit in die Story eingebunden das die Liebesbeziehung nur zur Abrundung der Geschichte dient. 
Sie sind auf den ersten Blick ein ungleiches Paar, der Schäferjunge und die Prinzessin ergänzen sich aber perfekt, beide sind bedingungslos loyal zueinander und zu ihren Freunden, sie würden ihr Leben füreinander geben. Zwar hat Patrizia Oni nicht ganz die Wahrheit gesagt was seine Schwester angeht, aber das sei ihr verziehen, der Schwur, den sie dem Ewigen leistete, zwingt sie dazu, alles dafür zu tun ihn zu erfüllen und dafür braucht sie Onis bedingungslose Unterstützung. 

Ein weiterer wichtiger Punkt, ist natürlich die Magie, sie geschieht ohne Hokuspokus, Zaubertränke oder Sprüche, sie ist in denen die sie wirken können, einfach vorhanden und sie müssen lernen sie zu beherrschen und zu kontrollieren, das mag ich sehr, mir war schon immer unverständlich warum man Zeit mit dem Anmischen von Tränken, Pülverchen oder dem Aufsagen von komplizierten Sprüchen verschwenden muss, wenn man doch Magie wirken kann. 

In diesem Roman passt einfach alles für mich, der Schreibstil der mich von der ersten Seite an überzeugte, die Story, die Hauptcharaktere, die alle sympathisch und glaubwürdig sind. Die gesponnenen Intrigen, die der Auslöser für alles, was in der Geschichte geschieht, sind, werden nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt, das was ich damit meine ist schwierig zu erklären, das müsst ihr zu eurem Glück, selber lesen. 


253 Seiten umfasst das Taschenbuch und das ist mir eigentlich zu kurz gewesen, ich war so tief in die Geschichte eingetaucht und hätte mir an der einen oder anderen Stellen gern etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht, einfach nur um Windemere nicht so bald verlassen zu müssen. 



  • Herausgeber ‏ : ‎ Pinguletta Verlag; 1. Edition (20. August 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 253 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948063184
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948063184
  • Lesealter ‏ : ‎ 12 Jahre und älter

Sonntag, 19. September 2021

SCHWEIG von Judith Merchant

 


Was würdest du tun, um deine Schwester zu retten? Und was, um sie loszuwerden?


Am Tag vor Heiligabend fährt Esther in den Wald zum Haus ihrer Schwester, um ihr ein Geschenk und eine Flasche Wein zu bringen. Ein Schneesturm setzt ein. Das Geschenk wird nicht geöffnet. Der Wein schon. Dinge werden gesagt, die besser ungesagt blieben. Und Taten werden begangen, die nie mehr rückgängig gemacht werden können.

Eigentlich muss Esther ihr Weihnachtsfest mit Ehemann und Kindern in der Stadt vorbereiten: einkaufen, Tanne besorgen – es wäre genug zu tun. Doch ihre Schwester Sue, die seit ihrer Scheidung völlig allein in einem riesigen Haus tief im Wald lebt, geht ihr nicht aus dem Kopf. Und so setzt sie sich ins Auto und fährt los. Aber nur um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist und ob Sue zumindest ihre Tabletten nimmt. In die Stadt einladen kann sie sie nicht. Denn was, wenn sie wieder durchdreht – wie letztes Jahr? Am Haus im Wald angekommen, stellt Esther fest, dass Sue sie loswerden will. Was hat sie zu verbergen? Ein Schneesturm setzt ein. Zum ersten Mal seit ihrer Kindheit kommen die Schwestern ins Gespräch, und kein Stein bleibt auf dem anderen – bis eine der beiden zum Messer greift. Während der Schnee alles verdeckt und jedes Geräusch erstickt ...

Judith Merchant lässt in ihrem neuen psychologischen Spannungsroman zwei unzuverlässige Erzählerinnen gegeneinander antreten – in einem unheimlich intensiven Kammerspiel um eine toxische Beziehung, in der nichts so ist, wie es scheint.

Esthers Leben ist perfekt, sie lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in einer Wohnung in der Stadt, keine weiten Wege zur Arbeit oder zu den Schulen der Kinder, sodass ihr genug Zeit für ein inniges Familienleben bleibt, besonders ihre Ehe ist Zweisamkeit pur, das Sinnbild einer liebevollen Beziehung. Natürlich bedeutet das perfekte Familienleben auch harte Arbeit und gerade vor Weihnachten kommt es, wie in fast jeder Familie, schon mal zu kleinen Zwistigkeiten, doch Esther weiß: Das ist normal, das darf man nicht zu sehr dramatisieren. Einzig ihre Schwester Sue macht ihr Sorgen, diese lebt nach ihrer Scheidung allein in einem abgelegenen Haus mitten im Wald. Wenigstens ein kleines Geschenk will Esther ihrer kleinen Schwester bringen und so fährt sie am Tag vor Heiligabend zu ihr.

Sue lebt ein einfaches Leben, trotz ihres luxuriösen Hauses mitten im Wald, ist ihr Leben eher bescheiden, sie umgibt sich nicht mit unnützen Dingen und auch ein Handy hat sie nicht. Den Kontakt zu ihrer Familie hat sie auf ein Minimum beschränkt. Es geht ihr gut, umgeben von der Natur findet sie Erholung und Freude an den einfachen Dingen. Dass ihre Schwester am 23. Dezember plötzlich und unangemeldet vor ihrer Tür steht, gefällt ihr gar nicht und sie versucht alles diese wieder loszuwerden.

Die Autorin Judith Merchant lässt ihre Protagonisten Esther, Sue und später auch Martin, Esthers Ehemann, abwechselnd  erzählen und allein schon die Erzählungen der Schwestern vermitteln dem Leser ein ziemlich genaues Bild der Beziehung der so unterschiedlichen Frauen und diese Beziehung ist nicht gesund, das begann schon in der Kindheit der Beiden, ein traumatisches Erlebnis, verursacht einen tiefen psychischen Schaden bei einer der Schwestern, der sich durch ihr ganzes Leben zieht und alle in ihrem Umfeld beeinträchtigt.
Judith Merchant lässt ihre Leser lange im unklaren darüber, wer die *Böse* in diesem perfiden Spiel aus Manipulation und Machtausübung ist, immer wieder habe ich eine Wendung erwartet, die meine Einstellung zu den Protagonistinnen verändert, das wäre das gewesen was in vielen 08/15 Thrillern passieren würde, langweilig und vorhersehbar, aber das erspart Judith Merchant ihren Lesern, dafür verlangt sie ihnen etwas Geduld ab. Sie lässt die Fassaden der Schwestern nur langsam bröckeln und das, was man dahinter erblickt ist, ein tiefer dunkler Abgrund der menschlichen Psyche. 
Manchmal wollte ich das Buch zur Seite legen, soviel Übergriffigkeit wäre für mich persönlich nicht zu ertragen und auch wenn sie nur aus Sorge erfolgen sollte, schon davon zu lesen machte mich unfassbar wütend. 
Unaufhaltsam steuert die Handlung auf ein grausames und für mich vollkommen überraschendes Finale zu, damit habe ich nicht gerechnet. Und ich bin hin und weg. 
Allein das Finale macht dieses Buch zu meinem bisherigen Thrillerhighlight des Jahres.
So müssen Geschichten sein, sie müssen, unabhängig vom Genre, Emotionen erzeugen und das gelingt der Autorin hier mühelos.

  • Herausgeber ‏ : ‎ KiWi-Paperback; 1. Edition (9. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462001337
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462001334


Die Gesichter des Ethan Shaw von Fabrice Humbert


 Er war sein Retter gewesen, damals, als Adam Vollmann mit seiner Mutter von Washington, D.C. nach Colorado gezogen ist. Ethan Shaw war das Idol jedes Jungen und der Schwarm aller Mädchen auf der Highschool in Drysden und der Einzige, dem sich der jugendliche Adam freundschaftlich zugetan fühlte. Und dieser Ethan Shaw soll zu dem Mann geworden sein, der Adam nun von den Bildschirmen des New Yorker Times Square entgegenstarrt? Zu einem landesweit gesuchten Verbrecher? Adam will es nicht glauben und fährt zurück nach Drysden, um die Wahrheit herauszufinden. Aber was ist die Wahrheit in einer Welt, in der jede/r jederzeit alles sagen kann, in der es um Aufmerksamkeit um jeden Preis geht, um Quoten und Auflagen? Wie ist es möglich, zu der einen wahren Geschichte hinter all den Geschichten vorzudringen? Und wer schützt einen davor, auf der Suche nach der Wahrheit nicht selbst den Bezug zu ihr zu verlieren?


Adam Vollman kehrt als Journalist in die Stadt zurück, in der er als Jugendlicher gelebt hat. Sein Jugendfreund Ethan wird des Mordes an Clara Montes verdächtigt, einer Minderjährigen, die Ethan vergewaltigt und brutal ermordet haben soll. Schon bald gerät Ethan in ein seltsames Konstrukt aus Lüge und Wahrheit, aus Fiktion und Realität.
Adams Beziehung zu Ethan war geprägt von Hingabe und Zuneigung, der von allen bewunderte Ethan erleichterte Adam den Start an einer neuen Schule und Adam schien Ethan zu komplettieren, aber das wird erst dem erwachsenen Adam bewusst, er drückt es mit dem Vergleich eines Puzzles aus bei dem bis zu seinem erscheinen immer ein Teil fehlt.
Adam will Ethan helfen, denn er glaubt nicht an dessen Schuld und recherchiert auf eigene Faust, als er mehr über das Opfer Clara Montes zu erfahren versucht, kommt ihm ein ungeheuerlicher Verdacht.

Die Gesichter des Ethan Shaw ist ganz anders als erwartet, Fabrice Humbert lässt Adam seine Vergangheit und seine Gegenwart aufarbeiten, es ist sehr interessant zu lesen, wie sich sein eigenes Bild im Laufe der Handlung ändert.
Ich mochte den ruhigen Schreibstil Humberts, auch wenn er von seinen Lesern etwas Geduld verlangt.

Zitat:
*Wer die Zauberformel des Erzählens sucht, zum Glück vergeblich, sucht in Wirklichkeit die Formel der Überzeugungskunst: Wie fesselt man ein Publikum durch Storytelling ?*

Humbert gelingt das Fesseln seines Publikums, zumindest bei mir hat es wunderbar funktioniert.
Das perfekt Buch für anspruchsvolle Leser die sich gern auf etwas Neues einlassen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Hardcover; 1. Edition (30. August 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550201346
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550201349
  • Originaltitel ‏ : ‎ Le monde n'existe pas



Dienstag, 14. September 2021

Millirahmstrudel Mord von Kate Delore

 


Auf dem Wellnesshof Feixl sorgt ein abgetrennter Kopf für einigen Wirbel bei der Bauernfamilie. Der Tote ist Olaf Bauchdrexler, ein ehemaliger Wellnessgast, und selbst Kriminalhauptkommissar Nick Hallinger staunt nicht schlecht, als eine Tigermücke aus dem Mund des Toten fliegt.




Doch es bleibt nicht bei einer Leiche …

Schnell wird klar, dass die Morde in Zusammenhang stehen müssen. Die kesse Rezeptionistin Lexi Bäumel mischt dabei kräftig bei den Nachforschungen mit. Blöd nur, dass ihr Freund Justus der Kollege von Nick Hallinger ist und sie den beiden gehörig in die Quere kommt. Aber Lexi kann es eben nicht lassen. Wer ist der unheimliche Mann im Wald? Und was hat es mit dem Richtfest auf sich? Ihre Ermittlungen führen sie in ein unterirdischen Verlies, und was sie dort entdeckt, lässt sie plötzlich selbst zur Gejagten werden.




Ich wollte mal wieder etwas anderes lesen, eher heiter und leicht sollte es sein und da bieten sich die Krimis der Autorin Kate Delore an, wie ich schon von einem vorigen Buch ( Todesfall und Topfenstrudel) von ihr kannte.

Heiter und leicht ist allerdings nur der Schreibstil der Autorin, die Morde sind es nicht und das Motiv des Serienmörders ist alles andere als heiter und es steht mit seiner Brutalität und dem perfiden Auslöser in krassem Gegensatz zu der Atmosphäre im Wellnesshotel.


Der mehr oder weniger heimliche Star der Geschichte ist Lexi, die hauptberuflich als Rezeptionistin im Wellnesshotel Feixl arbeitet und nebenberuflich eine Karriere als Journalistin anstrebt. Sie ist diejenige, die dem Serienmörder schlussendlich auf die Spur kommt. Mit ihrer unkonventionellen und manchmal etwas chaotischen Art, stolpert sie von einer brisanten Situation in die Nächste und riskiert dabei mehr als einmal ihr Leben.

Ich habe mich aber auch über einen Protagonisten sehr geärgert: Nick Hallinger, leitender Ermittler und zum Zeitpunkt des ersten Leichenfunds zufälliger Gast im Hotel, er mag ein guter Kriminalkommissar sein, menschlich ist er ein Vollversager, die Art und Weise wie er mit und über seine Frau spricht, ist nicht witzig, ich kann mir vorstellen, was die Autorin Kate Delore vermitteln wollte, aber mit ihm ist sie ein klein wenig übers Ziel hinausgeschossen, wäre ich an Stelle von Ilse Hallinger, es hätte wohl noch einen Toten mehr gegeben.


Trotz meines Kritikpunktes ist Millirahmstrudel Mord, ein unterhaltsamer Krimi für unbeschwerte Lesestunden.



Herausgeber ‏ : ‎ Luzifer-Verlag; 1. Edition (31. Juli 2021)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Taschenbuch ‏ : ‎ 250 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3958356052
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958356054

Montag, 13. September 2021

Wenn die Stille schreit von Roman Klementovic Eine Kurzgeschichte

 


Während zwei entflohene Mörder die Gegend unsicher machen, fegt ein gewaltiger Schneesturm über das Land. Der Strom ist ausgefallen, viele Straßen sind nicht mehr passierbar. Tim erreicht erst kurz vor Mitternacht das abgelegene Landhaus, in dem er mit seiner Frau Natalie wohnt. Doch von dieser fehlt jede Spur. Dabei hat sie eben noch am Telefon beteuert, wach bleiben und auf ihn warten zu wollen. In völliger Dunkelheit begibt Tim sich auf die Suche nach ihr. Und macht bald eine verstörende Entdeckung.


Klingt der Klappentext nicht großartig? Jeder Krimi und Thrillerfan, kriegt da dieses Kribbeln in den Fingern, das ihn zum Buch greifen lässt, um es in einer Nacht durchzulesen. Na gut, es ist eine Kurzgeschichte, da braucht man keine ganze Nacht, es genügt höchstens eine Stunde, aber diese Stunde hat es dann in sich.

Tim ist ein sehr sympathischer Mann, der alles daran setzt während eines üblen Schneesturms nach Hause zu seiner schwangeren Frau Nathalie zu kommen, als er es endlich geschafft hat, kann er sie nicht finden. Auf seiner Suche nach ihr, schafft er es zum Haus seiner Nichte, doch dort trifft er auf Fremde, sind das die zwei entflohenen Mörder?

Geschickt baut der Autor den Spannungsbogen auf, der sich bis zum mehr als überraschenden Ende hält. Und ich darf euch nicht mehr verraten, das ist der Nachteil an Kurzgeschichten, ruck zuck ist alles erzählt und in dieser steckt noch so viel mehr als ein Krimi, diese Geschichte erzählt wie grausam das Leben manchmal mit den Menschen umgeht. 

Wenn die Stille schreit, bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung. Lasst euch diese beeindruckende und berührende Story nicht entgehen. 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag; 2021. Edition (8. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 123 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 383920092X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839200926




Network von Ansgar Thiel

 


Berlin 2046: Die Innenstadt ist eine glitzernde Metropole, separiert von Außenbezirken, in denen die »Aus-dem-Netz-Gefallenen« ihr erbärmliches Dasein fristen. Diejenigen, die früher zur Mittelschicht gehörten, sind aufgrund fehlender Jobs zum größten Teil erwerbslos. Um soziale Unruhen zu verhindern, werden sie zur »Virtual Work« verpflichtet.

Als der visionäre Erfinder des »Virtual-Work-Gesetzes« brutal ermordet wird, übernehmen Mitglieder einer Spezialeinheit die Ermittlungen. Auf dem Weg zur Lösung des Falls durchstreifen sie das dystopische Berlin. Eine gefährliche Jagd beginnt.

Echte Beschäftigung ist 2046 Mangelware, darum werden die Menschen zur Virtual Work verpflichtet, diese Jobs in der virtuellen Realität , sind die Grundlage für die Auszahlung des sogenannten Bürgergelds, wer sich weigert oder aus irgendeinem anderen Grund dieser *Arbeit* nicht nachgeht, ohne sich freizukaufen, fällt aus dem System und wer aus dem System gefallen ist dem droht die Verelendung.

Eine *schöne* neue Welt die beängstigend vorstellbar ist. 

Die Kriminalkommissare Mia Babic, Hensen und DiMario, ermitteln in dem Mordfall an Arthur Mallman, dem Erfider der Virtual Work und designierter Parteivorsitzender der Erneuerungspartei für Deutschland (EPD) und das führt sie nicht nur tief in die virtuelle Welt, sondern auch in die Elendsgebiete in der realen.

Ich liebe Dystopien, es ist immer spannend zu lesen wie sich andere Menschen unsere Zukunft vorstellen und seien wir ehrlich, es ist nicht allzu schwer sich auszumalen wie die Menschheit einen Großteil ihrer Lebenszeit vor Computerbildschirmen verbringt und in der virtuellen Realität lebt, mit allem was dazu gehört:
Leben, lieben, lachen und Mord. Morde die erst im Netz und dann in der echten Welt geschehen.

Die Aufklärung der Morde, sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt, sind an sich sehr spannend, gemeinsam mit den Ermittlern herauszufinden wie sie zusammenhängen und was genau dahinter steckt, hat mich am Buch gehalten. Es gibt aber leider einen Kritikpunkt, der mir das Lesevergnügen etwas schmälerte, die teilweise allzu detaillierten Beschreibungen der Personen und Orte, wenn ich schon Bilder im Kopfe hatte wie diese wohl aussehen mögen und mehr als bereit war in der Handlung weiterzugehen, beschrieb der Autor immer noch. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Für viele mag das hilfreich sein, mich brachte es leider dazu die eine oder andere Passage querzulesen. Aber das sind natürlich ganz persönliche Befindlichkeiten.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag; 2021. Edition (4. August 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 505 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839200652
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839200650





Dienstag, 7. September 2021

Das schwarze Mal Der Puzzler von Eyal Kless

 


Eine unheimliche Tätowierung an den Fingerspitzen macht aus einem normalen Jungen den »Puzzler«. Nur er kann in einer Stadt voller tödlicher Rätsel überleben.


Die Stadt der Türme ist ein Ort voller Rätsel. Hier kämpfen Gilden, die über Magie gebieten, gegen Cyborg-Banditen, welche nach Artefakten einer untergegangenen Zivilisation suchen. Jene Schätze befinden sich im Inneren der Stadt der Türme, das von Monstern bevölkert, von Fallen gespickt und voll verschlossener Türen ist. Und genau hier kämpft ein Junge ums Überleben: Rafik ist der einzige Mensch, der die Rätsel der Stadt der Türme knacken kann. Denn er ist ein Puzzler, an dessen Fingern sich wie Schlüssel geheimnisvolle Tätowierungen befinden. Doch was Rafik im unheimlichen Herzen der Stadt der Türme findet, verändert den Jungen – und seine ganze Welt.

Ich habe ein Problem, ich weiß nicht, wo ich beginnen soll euch von dieser genialen Geschichte zu erzählen.
In der Stadt der Türme taucht eines Tages ein Schreiber der Historiker Gilde auf, der Namenlose ist schon lange auf der Suche nach Vincha, einer ehemaligen Salutistin, welche die Geschichte eines Jungen kennt, der die Welt verändern kann. Um Vincha überhaupt zu finden, muss sich der Schreiber, in die gefährlichste Gegend der Stadt der Türme begeben und dorthin wagen sich nur Lebensmüde oder Übermütige auf der Suche nach dem Kick der Gefahr ohne Leibwache. Der Schreiber heuert Galinak an, einen alternden Söldner, der gegen Bezahlung sein Leben für andere riskiert. Als sie Vincha endlich finden erfahren sie unglaubliches.

Eyal Kless hat eine faszinierende Welt geschaffen, nach der großen Katastrophe nutzen die Menschen die zurückgebliebene Technik der Tarakanier, ohne überhaupt zu wissen, wie sie funktioniert. Supertrucks mit 30 Rädern transportierten Güter auf den Tarakanieschen Highways, vollgestopft mit Technik. Knoten, eine Art Depot, die sich immer wieder von allein mit Waren auffüllen und die nur von den Puzzlern geöffnet werden können und natürlich blieben auch Waffen zurück, Waffen die sich die Söldner und Kämpfer der verschiedenen Gilden transplantieren lassen, ein schmerzhafter Prozess, der sich fast nur mit dem Konsum einer Droge namens Skint ertragen lässt. Einige Menschen werden mit Zeichen auf der Haut geboren oder diese tauchen irgendwann in ihrem Leben tauchen sie auf. Diese Menschen haben besondere Fähigkeiten.

Abseits dieser hoch technisierten Welt wächst Rafik in einem kleinen Dorf auf, dessen Bewohner als Anhänger des wiedergeborenen Propheten alle Technik, die nicht unbedingt notwendig ist, ablehnen und die vor allem alle Menschen, auf deren Körpern Tätowierungen auftauchen, gnadenlos töten. Als auf Rafiks Fingern kleine Male auftauchen, greift sein Vater zu einem drastischen Mittel, er hackt dem Jungen die Finger ab, um ihn zu schützen, doch vergebens, nach ein paar Tagen ist seine Hand wieder unversehrt. Rafiks Eltern sehen nur einen Ausweg, sie schicken ihn weg.
 Und damit beginnt die Odyssee des Jungen, er trifft auf Feinde und Freunde um am Ende seines Weges an eine Gilde verkauft zu werden, die aus seinen Fähigkeiten Kapital schlagen will, die Gilde steht kurz vor dem finanziellen Ruin, ihr letztes Geld gaben sie für den Kauf Rafiks aus, mit dem Ziel, das er die Puzzles in der Stadt im Berg löst, dort versprechen sie sich, stoßen sie auf unendlichen Reichtum.

Eyal Kless Dystopie ist ein wahrer Pageturner, er hat es geschafft das meine Neugier immer auf einem hohen Level gehalten wurde, vielleicht kennt ihr das in manchen Büchern kommt, man zuweilen an die Stelle an der man denkt. Komm endlich zum Punkt, es wird langweilig.
Diesen Punkt gabe es hier zu keiner Zeit, im Gegenteil, je näher ich dem Ende kam, desto langsamer habe ich gelesen um die unweigerlich nahende letzte Seite so lange wie möglich hinauszuzögern.
Ich bin froh das es noch einen zweiten Band gibt, den ich sobald wie möglich lesen werde.

Das schwarze Mal
bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penhaligon Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (30. September 2019)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 672 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3764532084
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764532086
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Lost Puzzler (The Tarakan Chronicles 1)

Montag, 6. September 2021

Corthang Welt der Verdammnis von Caine Thusarion


 Lif ist es gewohnt, alleine zu sein und sich durch das Leben zu kämpfen, denn so war es bisher immer gewesen.

Lif will in Göteborg ein neues Leben beginnen, sie hofft das sich in Schweden für sie alles zum besseren wendet, doch schon bald zerschlagen sich all ihre Träume und Hoffnungen und sie findet sich in einer der schäbigsten Gegenden Göteborgs wieder und muss um ihr Überleben kämpfen. 
Als ihr durch einen Zufall an ein Medaillon gerät, gewinnt sie auf unerklärliche Weise an Selbstbewusstsein, doch das ist nicht alles, sie wird von Visionen heimgesucht, und findet sich nach blutigen Ritualen plötzlich in einer fremden Welt wieder.

Corthang

Eine Welt voller Magie, die von dem Tyrannen Kaldur beherrscht wird, als Liv bewusst wird welche Aufgabe sie in Corthang zu erfüllen hat, wird sie von Monstern verfolgt, vor denen es kaum ein entrinnen, zu geben scheint.

Corthang: Welt der Verdammnis ist der Auftakt einer Dark Fantasy Reihe des Science-Fiction Autors Caine Thusarions und das erste Buch aus seiner Feder, das ich bisher gelesen habe.
Er lässt seinen Lesern Zeit Liv kennenzulernen, ich konnte mich gut in sie hineinfühlen, sie ist ein  starker  Charakter, aufgrund ihres bisherigen Lebens, ihrem Hang zum Okkultismus und ihrem Glauben an Magie und übernatürlichem, findet sie sich erstaunlich schnell in der fremden Welt zurecht. Ich hatte von Anfang an das Gefühl das sie eher nach Corthang gehört als in ihre ureigene Welt.

Ich habe leider auch einen kleinen Kritikpunkt, gerade zu Beginn im Prolog hatte ich meine persönlichen Schwierigkeiten mit dem sehr individuellen Schreibstils des Autors, und der nahtlose Übergang von einer Person zur anderen war zu Beginn etwas verwirrend. 

Corthang Welt der Verdammnis ist ein düsterer und unterhaltsamer Fantasy Roman, mit nur kleinen Schwächen, der Lust auf mehr macht.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (6. Oktober 2020)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 308 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8694241649





Sonntag, 5. September 2021

Mohnblumentod von von Lina Bengtsdotter (Die Charlie-Lager-Serie 3)


In Karlstad wird ein neun Monate altes Baby entführt. Das reiche Elternpaar steht unter Schock, die Medien berichten sensationsheischend über die vergebliche Suche. Eine Lösegeldforderung bleibt aus, vielversprechende Spuren verlaufen im Sand – doch dann erhält die brillante Stockholmer Kommissarin Charlie Lager einen Hinweis, der alles verändert: Der Fall scheint mit ihrer eigenen Familie und ihrer Vergangenheit verknüpft, die sie für immer begraben wollte. Mit jeder Stunde, die verstreicht, werden die Chancen geringer, das junge Leben zu retten. Charlie ist gezwungen, sich nicht nur um Beatrice‘ willen bis an ihre Grenzen zu treiben – sondern auch aus Angst um sich selbst.


Mohnblumentod, ist der dritte Teil der Reihe um die Ermittlerin Charlie Lager, den ersten Löwenzahnkinder habe ich gelesen, sehr gern gelesen, der zweite Band Hagenbuttenblut, ist in der Flut der Neuerscheinungen, leider an mir vorbeigegangen.  Ich kann aber sagen, das trotz einiger Andeutungen auf die früheren Bände, Mohnblumentod auch alleinstehend gelesen werden kann.

Charlie hat ihre Probleme immer noch nicht überwunden und noch immer versucht sie die Probleme im Alkohol zu ertränken und ihre Einsamkeit mit wechselnden Männerbekanntschaften zu betäuben, das das nicht die Lösung sein kann, scheint sie noch nicht ganz zu realisieren. Trotz all ihrer Probleme konzetriert sie sich vollständig auf den neusten Fall der sie zurück in ihre Heimatregion rund um Gullspång In Karlsbad einer Kleinstadt in der Nähe verschwindet die 9 Monate alte Beatrice von der Terasse ihrer Eltern, es gibt keinerlei Hinweise auf ein mögliches Motive und auch Lösegeldforderungen bleiben aus.
 Nach und nach decken Charlie und ihr neuer Kollege Greger Risse in Beatrice scheinbar so perfekten Familie auf, doch liefern diese die Erklärung für das Verschwinden des Kindes?

In einem weiteren Erzählstrang lernen wir Sara kennen, die von ihrer Tante nach dem Tod ihres alkoholkranken Vaters in Rödminnet, einem Heim für schwierige Teenager Mädchen untergebracht wird. Lange bleibt unklar welche Rolle Sara und ihre neugewonnene Freundin Lo und auch Rödminnet, in dem früher eine Irrenanstalt untergebracht war, in Charlies Leben spielen und welcher Zusammenhang  mit dem Verschwinden des Babys besteht.
Erst nach und kommen Charlie und Greger den Geheimnissen der Vergangenheit auf die Spur, was ihnen allerdings ohne die Hilfe Saras, die Charlie von früher kennt, nicht gelungen wäre. Ein ungewöhnlicher Ansatz, aber sehr spannend und auch zwingend notwendig um alle Fäden aufzunehmen und zu verknüpfen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (14. Juni 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 332810397X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328103974
  • Originaltitel ‏ : ‎ Beatrice



Mittwoch, 1. September 2021

Der Nachtwächter von Louise Erdrich


 Kann ein Einzelner den Lauf der Geschichte verändern? Kann eine Minderheit etwas gegen einen übermächtigen Gegner, den Staat, ausrichten? »Der Nachtwächter«, der neue Roman der mit dem National Book Award ausgezeichneten Autorin Louise Erdrich, basiert auf dem außergewöhnlichen Leben von Erdrichs Großvater, der den Protest gegen die Enteignung der amerikanischen UreinwohnerInnen vom ländlichen North Dakota bis nach Washington trug. Elegant, humorvoll und emotional mitreißend führt Louise Erdrich vor, warum sie zu den bedeutendsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart gezählt wird - und zeigt, dass wir alle für unsere Überzeugungen kämpfen sollten und dabei manchmal sogar etwas zu verändern vermögen.


Thomas Wazhawk, arbeitet als Nachtwächter in einer Lagersteinfabrik in Turtle Mountain und kämpft als Vorsitzender des Stammesrats gegen die Terminationspolitik, die sein Volk die  Chippewa zur sofortigen Terminierung vorsieht. Das Leben im Reservat ist nicht einfach, vom Land, das die Weißen ihnen ließen, können sie kaum leben und andere Arbeit ist knapp, es gibt eine Lagersteinfabrik in der viele Frauen aus dem Reservat arbeiten unter ihnen auch die 17-jährige Pixie, die nach ihrem Schulabschluss  vergebens  darum bittet Patrice genannt zu werden.

Thomas und Patrice, sind die Hauptpersonen des Romans, während Thomas Charakter auf einer realen Persönlichkeit beruht, ist Patrice frei erfunden, sie ist eine Verschmelzung vieler starker Frauen, die die Autorin aus den Erzählungen ihrer Quellen zum Leben erweckte.

Patrice macht sich auf die Suche nach ihrer älteren Schwester Vera, die mit einem Mann nach Minneapolis ging, um dort Arbeit zu finden. Damit schlägt die Autorin ein weiteres düsteres Kapitel im Leben der Indianer auf, sie wurden zur Umsiedlung in die Städte überredet, wo sie nur teilweise Arbeit fanden und entweder in die Reservate zurückkehrte oder verelendeten (anders kann ich meinen Eindruck von der Lebenssituation nicht ausdrücken). Ohne es direkt in Worte zu fassen, erzählt Louise Erdrich davon, wie knapp Patrice, aus dem Strudel von Drogen und Prostitution entgeht, in dem sich ihre Schwester wohl verlor. Patrice kehrt mit dem festen Willen aus Minneapolis zurück, etwas aus ihrem Leben zu machen.

Währenddessen setzt Thomas alles daran, die Bewohner Turtle Mountains auf den Widerstand gegen das Emanzipationsgesetz einzuschwören, ich mochte ihn sehr, seine ruhige und besonnene Art machten ihn sehr sympathisch, ebenso wie seine Hartnäckigkeit mit der er für die Gerechtigkeit für sein Volk und damit für alle indigenen Völker kämpft.

Die Autorin führt uns in eine Zeit in der die systematische Ausrottung der Indianer per Gesetz vorangetrieben wurde, 1953 wird der Versuch unternommen, das *Emanzipationsgesetz* durch den Kongress der Vereinigten Staaten zu bringen und damit den Native Americans wichtige Lebensgrundlagen zu nehmen, denn es beinhaltete die Termination, das hört sich genauso schlimm an wie es im Endeffekt sein sollte. Die Native Americans sollten allen Bürgern der USA gleichgestellt werden, das klingt zunächst einmal positiv, hatte aber zur Folge das alle Vereinbarungen und Verträge die bis dahin zwischen den Indianervölkern und den USA geschlossen wurden hinfällig wurden. Ohne Unterstützung durch den Staat sind die Menschen nicht lebensfähig, sie sind schlicht zu arm um Schulen, das Gesundheitswesens oder Straßen selbst zu finanzieren und müssten über kurz oder lang ihr Land verlassen.

Zu behaupten, dass ich mir ein gutes Bild von den Lebensumständen der Indianer machen konnte, wäre  übertrieben, dafür hätte Louise Erdrich ein umfangreicheres Buch schreiben müssen, aber das Bild war klar genug um für mich zu entscheiden auf welcher Seite meine Sympathien liegen. Louise Erdrich erlaubt ihren Lesern einen kleinen Blick in die Traditionen der Chippewa, da hätte ich mir etwas mehr gewünscht, einfach nur um meine Neugier während des Lesens zu befriedigen. Die Autorin spricht nicht alles aus, sie erspart ihren Lesern allzu erschütternde Details, aber das ist auch nicht nötig, die meisten ihrer Andeutungen reichen aus um die Leser wissen zu lassen was genau geschah. Vielleicht ist es das, was ihre Geschichten so besonders macht?

Der Nachtwächter ist ein Highlight am Bücherhimmel und bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Aufbau Verlag; 1. Edition (12. Juli 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 496 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3351038577
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3351038571
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Night Watchman