Dienstag, 28. April 2026

Das Leuchten der Mondfische von Matthias Hübener


Matthias Hübener hat mit Das Leuchten der Mondfische einen Roman geschrieben, der mich schon nach wenigen Seiten eingefangen hat.

Der Einstieg weckte sofort meine Neugier. Der Meeresbiologe Clément gerät auf dem Rückflug von einer Konferenz in ein schweres Unwetter und strandet nach einer Notlandung auf den Marquesas-Inseln. Dort beginnt eine Kette von Ereignissen, die zunächst rätselhaft wirkt. Ein fremdes Päckchen in seinem Gepäck, das ihm wohl von einem Mitreisenden heimlich vor der Zollkontrolle untergeschoben wurde und die Begegnung mit Mareva in der Unterkunft in der er notfallmäßig unterkam geben der Handlung eine Richtung, deren Bedeutung sich erst nach und nach entfaltet.

Parallel dazu eröffnet eine zweite Zeitebene den Blick auf Cléments Verhältnis zu seinem Bruder Thierry. Dieser verfolgt ehrgeizige Ziele und möchte Cléments Forschung über Haie und Mondfische nutzen, um ein Medikament zu entwickeln, das Gesundheit, Schönheit und eine deutlich verlängerte Lebenszeit verspricht. Die im Raum stehenden 150 Jahre Leben haben mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Ich stellte mir immer die Frage, ob ein solch langes Leben tatsächlich erstrebenswert ist und welche Folgen es für eine Welt hätte, in der Ressourcen ohnehin begrenzt sind.

Besonders gelungen finde ich, wie Hübener diese großen Themen mit einer ruhigen, zugänglichen Sprache verbindet. Verlust, Sehnsucht, Verantwortung und die Frage nach dem richtigen Maß ziehen sich durch die Geschichte, ohne aufdringlich zu wirken. Dabei bleiben die verschiedenen Schauplätze, vom Südpazifik über Japan bis nach Frankreich, nicht bloß eine Kulisse, sondern tragen spürbar zur Stimmung und zur Entwicklung der Figuren bei.

Die Figuren selbst sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Clemtent hatte es nach einem Unfall in der Kindheit nicht leicht, unzählige Operationen haben ihm zwar seine Gesundheit bis auf kleinere Einschränkungen zurückgegeben aber durch den Unfall hat sich sein Bruder Thierry von ihm entfremdet, der extrem eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit reagierte, die Clement bekam. 

Für mich transportiert der Roman eine klare Botschaft: Das Leben ist gerade deshalb so wertvoll, weil es endlich ist. Und vielleicht lohnt es sich, sich genau das immer wieder bewusst zu machen, nicht die Zeit mit Belanglosem zu füllen, sondern auch die kleinen, unscheinbaren Momente wahrzunehmen und zu genießen.

Dabei lässt sich die Geschichte nicht eindeutig einem Genre zuordnen. Für mich vereint sie Elemente eines Krimis und eines Umweltkrimis mit Themen rund um den Spannungsbogen zwischen Tradition und modernen Entwicklungen. Auch eine leise Liebesgeschichte ist Teil des Ganzen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, was ich hier als sehr passend empfunden habe.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Äquatorkind Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. März 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 560 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948959102
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948959104

Freitag, 24. April 2026

Geschichten aus der Dämmerung: Elf Geschichten von Fabienne Siegmund


Ich habe mal wieder Kurzgeschichten gelesen, ganz besondere Kurzgeschichten. Geschichten die man nicht nur liest, sondern fühlt, die eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen.

Dieses Gefühl beim Lesen hatten die meisten von uns, also die die klassischen Märchen liebten, vielleicht zu letzt als Kinder, da ich nicht dazu gehöre konnte ich das nie so richtig nachvollziehen, jetzt allerdings habe ich eine Ahnung davon, allerdings sind die Geschichten die Fabienne Siegmund erzählt natürlich viel komplexer.


In manchen Geschichten trifft man bekannte Figuren aus anderen, so in

Das Zimmer der tausend Türen

 Faye, Billie und Nettie sind seit ihrer Kindheit eng miteinander verbunden, Murmelschwestern, die immer füreinander da sind. Als Faye in eine kleine Wohnung zieht, werden sie auf seltsame Vorgänge in der Wohnung gegenüber aufmerksam, an deren Wände sich unzählige Türklinken befinden . Menschen betreten sie, übergeben einem Mann in Weiß etwas und verschwinden durch eine Tür, nachdem sie sich eine der Türklinken ausgesucht haben. Billie ist bald wie besessen davon herauszufinden, was dort vor sich geht, und beginnt zu recherchieren. Als sie Faye schließlich um die Meteoritensplitter bittet, die die drei einst gefunden haben, ahnt diese nicht, was Billie vorhat und wie sehr sie sich nach einem anderen Leben sehnt.


Ein Glas voller Sterne 

knüpft an dieses Thema an. Luca ist in die Straßenmalerin Claire verliebt, die mit Kreide wunderschöne Bilder auf Wände malt, flüchtige Kunstwerke, die nur den Moment einfangen und nur für diesen einen Augenblick bestehen. Claire wirkt unstet, immer auf der Suche, immer an einem anderen Ort und sie will auf dem Mondlicht reisen. Ob sie Lucas Gefühle erwidert, bleibt zunächst offen, doch dass er ihr etwas bedeutet, wird deutlich. Eines Tages verschwindet Claire, und Luca macht sich auf die Suche nach ihr und nach Sternen, Jahre und Jahrzehnte vergehen. Dabei trifft er auf andere Sternensammler , dem Mann in Weiß, und auf Billie, die zurückgekehrt ist, sie ist alt geworden ob ihre Träume in Erfüllung gegangen sind?

Diese Texte lassen viel Raum für eigene Interpretationen. Für mich erzählen sie davon, dass Menschen unterschiedliche Träume haben, die nicht immer mit denen der Menschen übereinstimmen, die sie lieben oder denen sie sich besonders verbunden fühlen. So kommt es manchmal vor, dass Menschen sich innerlich voneinander entfernen. Nicht immer bleiben Wege gemeinsam, und manchmal muss man einen Traum loslassen, um das eigene Glück finden zu können. Und manchmal erkennt man erst viel zu spät, dass das, wonach man gesucht hat, längst da war.


Eine besondere Geschichte ist das Gemeinschaftswerk von Fabienne Siegmund mit weiteren Autorinnen: Stefanie Bender, Sameena Jehanzeb, Christina Löw, M. W. Ludwig, Christin C. Mittler, Melanie Vogltanz und Jenny Wood. 

In

Wenn Wünsche sterben


greifen die einzelnen Geschichten klassische Märchenmotive auf. Die alten Märchenhexen müssen die Magie retten, nachdem eine gute Fee durch einen eigennützigen Wunsch alles in Gefahr gebracht hat, denn ein solcher Wunsch ist, wie wir alle wissen, streng verboten. Also machen sich die Hexen auf den Weg, um die Zutaten für einen Zaubertrank zu besorgen, mit dem sie verhindern wollen, dass die Fee weitere, eigennützige Wünsche ausspricht. Die einzelnen Storys haben mir dabei sehr gut gefallen, weil jede von ihnen ihren ganz eigenen Ton und ihre eigene Wirkung entfaltet. Zugleich fügen sie sich am Ende zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammen, das einen schönen gemeinsamen Rahmen bildet und dennoch jeder Autor:in Raum für die eigene Stimme lässt.



Aber natürlich habe ich auch eine Lieblingsgeschichte, diese findet sich ganz am Ende

Herzblut

Besonders gern mochte ich auch die Geschichte Herzblut, die sich ganz am Ende findet. In nüchternen Worten ließe sie sich als der Schreibprozess beschreiben, den Autorinnen und Autoren durchlaufen, bevor ihre Geschichten den Weg zu den Lesenden finden. Doch nüchtern ist dieser Weg ganz sicher nicht, denn zwischen der ersten Idee und der Veröffentlichung liegen Hoffnung, Euphorie, Zweifel und Angst. Und am Ende des beschwerlichen Weges, liegt der Anfang einer neuen Geschichte, für uns die Lesenden, eine Geschichte die uns zum Lachen bringen soll, oder zum Weinen, sie sollen uns Mut schenken und unsere Herzen zum schlagen bringen.

Fabienne Siegmund hat mich vor allem mit ihrer Sprache und der besonderen Stimmung in den Geschichten erreicht. Sie sind ruhig erzählt, und gerade daraus ziehen sie ihre Intensität. Beim Lesen hatte ich oft dieses leise Gefühl von Staunen, das auch nach der letzten Seite noch für länger als nur einen Moment bleibt.

Für mich ist Geschichten aus der Dämmerung ein Buch für alle, die literarische Fantastik, atmosphärische Erzählungen und  viel Magie zwischen den Zeilen mögen. Dies  macht den Reiz des Buches aus: Es geht um Wünsche, Verluste, Magie, und das, was sich hinter den sichtbaren Dingen verbirgt.

Am Ende des Buches finden sich kurze Interviews mit den Autorinnen und dem Autor des Gemeinschaftswerks. Ihnen allen wurde die Frage gestellt: 

"Was macht für dich eine Kurzgeschichte aus?"
Die Antwort der Autorin Sameena Jehanzeb die mit einem Zitat einer mit ihr befreundeten Übersetzerin antwortete, bringt das zum Ausdruck was ich auch immer sage.

"Wer eine Kurzgeschichte schreiben kann, kann auch einen Roman schreiben. Umgekehrt ist das nicht unbedingt der Fall"




  • Herausgeber ‏ : ‎ Low, Torsten
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 23. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Erstauflage
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 460 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3966290529
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3966290524

Mittwoch, 22. April 2026

Merlin und Princess Helfer auf vier Pfoten von Rika Mohn

Eigentlich findet der Husky-Schäferhund-Mischling Merlin sein Leben schön. Jedenfalls so lange, wie er die ungeteilte Liebe seiner Menschen spürt und seiner Leidenschaft, dem Zughunderennen, nachkommen kann. Doch plötzlich scheint beides nicht mehr sicher zu sein. Er ist nicht der Einzige, der Veränderungen spürt. Auch seine Katzenfreundin Princess wartet mit Neuigkeiten ungeplanter Art auf. Und da Princess nun mal Princess ist, gerät sie umgehend in massive Schwierigkeiten. Ihre gemeinsame Freundin, die Straßenkatze Lore, bittet Merlin um Hilfe. Schaffen die beiden es, Princess zu retten?

Der Klappentext verspricht eine bewegende Tiergeschichte und genau das habe ich auch bekommen, allerdings mit deutlich mehr Tiefe, als ich zunächst erwartet hatte.

Ich mochte das Buch sehr, zumal ich die beiden Vorgängerbände bereits kenne und schätze. In diesem Teil geraten gleich mehrere der liebgewonnenen Tiere in schwierige Situationen. Princess, die inzwischen bei Luca und seinen Eltern lebt, wartet nicht nur mit einer Überraschung auf sie gerät in große Gefahr, während die Straßenkatze Lore feststellen muss, dass ihre Stellung als Herrscherin über ihre Gasse ins Wanken gerät. Ein kräftiger schwarzer Kater beansprucht ihr Revier für sich und Lore steht vor der Entscheidung, wie sie ihre Zukunft gestalten möchte. Gleichzeitig hat Merlin mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, doch all das tritt in den Hintergrund, als Princess plötzlich verschwindet und tatsächlich um ihr Leben ringt.

Was zunächst wie ein klassischer, vielleicht sogar kitschiger Tierroman wirken könnte, entpuppt sich als vielschichtige und berührende Geschichte. Rika Mohn greift in diesem Band ein besonders wichtiges Thema auf, nämlich Lucas Behinderung. Der Junge lebt mit infantiler Zerebralparese, einer nicht fortschreitenden, aber lebenslangen Bewegungsstörung. Dennoch strahlt er dank der liebevollen Unterstützung seiner Eltern eine beeindruckende Lebensfreude aus. Besonders deutlich wird dies in den Szenen mit Lore, die bei ihm und seiner Familie eine Art Zufluchtsort findet, einen Ort, an dem sie versorgt, gefüttert und umsorgt wird, ebenso wie in den Momenten mit Princess. Und Merlin darf feststellen das er um seiner selbst willen geliebt wird, auch wenn Sophie und Marie immer weniger Zeit für ihn haben, die Mädchen werden langsam erwachsen und damit einhergehend werden andere Dinge wichtiger, Jungs z.B.

Natürlich sind viele Verhaltensweisen der Tiere vermenschlicht dargestellt. Meiner Meinung nach ist das jedoch absolut legitim, da es dazu beiträgt, die emotionale Welt der Tiere greifbar zu machen. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, dass auch Tiere Gefühle wie Liebe, Zuneigung oder Ablehnung empfinden und sehr sensibel auf die Stimmungen ihrer menschlichen Gegenüber reagieren und instinktiv abwarten, auf den Menschen oder Artgenossen zugehen oder direkt zurückweichen.

Ein spannender und emotionaler Band, der bekannte Figuren konsequent weiterentwickelt und dabei auch ernste Themen glaubwürdig einbindet. Für Fans der Reihe absolut empfehlenswert. 

 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Machandel-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. März 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 156 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3959594860
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3959594868
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    Spielverderberin von Marie Menke

     


    Der Roman beginnt an einem Sommertag im Süthland, wo sich die Jugendfreundinnen Sophie und Lotte, die sich seit Kindertagen kennen, mit Romy treffen. Mit ihr sind sie seit der Oberstufe befreundet. Romy, die aus der Großstadt ins Dorf kam, ist ganz anders als Sophie und Lotte. Sie wirkt freier und unabhängiger, vielleicht auch rebellischer. Vor allem aber langweilt sie sich, im Gegensatz zu ihren Freundinnen, die kaum etwas anderes kennen als das Leben in der Bauerschaft.

    Nach dem Abitur gehen die drei unterschiedliche Wege: Sophie studiert Lehramt in Köln und möchte mit Romy eine WG gründen, während Lotte im Dorf bleibt. Schon früh wird deutlich, dass es in der gemeinsamen Vergangenheit ein einschneidendes Erlebnis gegeben haben muss.

    Bei dieser Dreierkonstellation hatte ich immer das Gefühl: Drei sind eine zu viel, auch wenn Marie Menke das nicht ausdrücklich sagt. Besonders zwischen Romy und Lotte scheint es eine Nähe zu geben, die Sophie manchmal ausschließt. Das zeigt sich in kleinen Szenen, etwa wenn Romy und Lotte im Unterricht nebeneinandersitzen und Sophie hinter ihnen.

    Die Autorin erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Gegenwart und aus früheren Zeiten. Ich mag solche Erzählweisen sehr, auch wenn die Wechsel hier stellenweise recht schnell erfolgen. In der Gegenwart lebt Sophie in Köln, studiert und ist mit Milan aus Berlin zusammen. Von Romy fehlt jede Spur, nur im Internet taucht sie noch auf und berichtet von ihren Reisen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass zwischen den Freundinnen etwas zerbrochen ist. Auch Lotte wirkt verändert. Die Schrauben in ihrem Kopf zeichnen sich wie kleine Hörner unter ihrer Stirn ab.

    In den Rückblicken wird die Entwicklung der Freundschaft deutlicher. Man merkt, wie sehr sich die Beziehungen verschieben, sobald eine der drei fehlt. Lotte wirkt schon früh instabil und ist noch vor dem Abitur in einer Klinik. Eigentlich möchte sie Psychologie studieren, bleibt dann aber doch im Dorf. Sophie steht zwischen zwei Möglichkeiten: einer Ausbildung in der örtlichen Nussfabrik oder einem Studium. Das eine verspricht Sicherheit, vielleicht ein späteres Leben mit Familie und Haus im Dorf, das andere ein offeneres Leben.

    Ich mochte die Art, wie die Autorin schreibt. Schon auf den ersten Seiten hatte ich die Gerüche in der Nase, die Bilder im Kopf und das Gefühl, dass der Sommer scheinbar nie zu Ende geht. Die Geschichte führt langsam zu dem Ereignis hin, das unausgesprochen zwischen den Frauen steht.

    Trotzdem blieb ich als Leserin auf Distanz, ich konnte mich mit keiner der Frauen identifizieren, sie blieben mir fremd. Vielleicht gehöre ich einfach nicht zur Zielgruppe. 



    • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. Februar 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462008730
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462008739

    Montag, 20. April 2026

    Moosland von Katrin Zipse


    1949 kommt Elsa als eine von rund 300 so genannten „Esja‑Frauen“ nach Island. Die Frauen wurden von der isländischen Bauernpartei angeworben, um ein Jahr lang auf den Höfen zu arbeiten und im besten Fall einen Isländer zu heiraten. Für viele ist die Reise zugleich Flucht, Neuanfang und ein stiller Versuch, eine Trauer hinter sich zu lassen. Elsa trauert um ihre Freundin Sola und schweigt. Dieses Schweigen ist nicht nur Folge ihrer fehlenden Sprachkenntnisse, sondern Ausdruck einer tiefen Trauer, die sie zunächst nicht benennen kann.

    Gerda, mit der Elsa gemeinsam nach Island gereist ist, landet auf einem anderen, weit entfernten Hof. Sie versucht den Kontakt über Briefe aufrechtzuerhalten, doch Elsa beantwortet ihre Zeilen nicht. So bleibt sie zunächst allein unter Fremden, mit einer Sprache, die ihr nur bruchstückhaft zugänglich ist, in einer Landschaft, die sich fremd und unzugänglich anfühlt. Das Haus der Familie, bei der sie unterkommt, steht einsam und ist von ihrem Land umgeben. Der wortkarge Bauer ist das unumstrittene Oberhaupt der Familie,  die Frau wirkt kühl, und die beiden Söhne ringen um ihre eigene Zukunft. Eine Tochter gehört ebenfalls zur Familie, über die Tochter spricht niemand. In diesem Schweigen, in den unausgesprochenen Geschichten, liegt viel von dem, was Elsa in kleinen Schritten zu erahnen beginnt.

    Das Leben auf dem Hof ist hart. Die Arbeit im Haus, im Stall und auf den Feldern verlangt ihr viel ab. Elsa ignoriert Schmerz und Erschöpfung und bemüht sich, alles zu lernen, was es auf einem Bauernhof zu lernen gibt: Reiten, Feldarbeit, den Umgang mit Schafen, das Überwinden ihrer Angst vor Hühnern. Die Familie lässt ihr Raum und Zeit, sich in dem Land, der Sprache und in der Familie zu finden.

    Katrin Zipse führt ihre Leserinnen und Leser nicht nur in ein fernes, für viele unbekanntes Land, sondern auch in eine lange zurückliegende Zeit mit gesellschaftlichen Arrangements, von denen kaum jemand Kenntnis hat. Ich wusste nicht, dass nach dem Krieg tatsächlich deutsche Frauen – die „Esja‑Frauen“ – nach Island gingen, um auf den Höfen zu arbeiten; manche von ihnen blieben dort, lernten die Sprache und gründeten Familien. In diesem historischen Hintergrund verankert Zipse einen stillen Roman über Sprachlosigkeit, langsames Vertrauen und die Kraft leiser Annäherungen. Sie erzählt weniger durch Dialoge, sondern dadurch, wie die Menschen handeln, und schafft es, Lesern und Leserinnen einen Eindruck vom Land zu vermitteln, von der atemberaubenden Natur, die voller Gegensätze ist.

    „Moosland“ lebte für mich nicht durch große Konflikte und Drama, sondern durch seine Ruhe und Zurückhaltung. Der Roman blieb nah bei Elsa und ihrem langsamen Herantasten an Sprache, Menschen und die neue Umgebung, das beschreibt die Autorin sehr behutsam. Gerade das überzeugte mich Katrin Zipse erzählt leise, ohne Schnörkel, sie setzt auf Stimmung, Schweigen und kleine, beobachtete Gesten, die bei mir für ein besonderes Lesevergnügen sorgten.




    • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 10. März 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 2.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3755800713
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755800712

    Samstag, 18. April 2026

    Rattenkönig von Sanjina Kashikar

    Klappentext:
    Noel schlägt sich ziellos von einem Rausch zum nächsten, bis er Aliéna kennenlernt, die nach welkenden Blumen riecht und behauptet, mit sprechenden Tieren zusammenzuleben. Im herbstlichen Wald verlieren sich Noel und Aliéna ineinander, bis die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Als ein Mord Aliéna zwingt, ihre vertraute Umgebung zu verlassen, wird aus Liebe eine Obsession, die das Leben beider in Gefahr bringt. Sanjina Kashikars Romandebüt „Rattenkönig“ lädt zu einem ebenso morbiden wie von opulenter Bildsprache getragenen Trip in eine Welt psychischer Grenzgänge ein.

    Rattenkönig ist ein Roman, der mich von der ersten Seite an fasziniert hat. Sanjina Kashikar schafft es, gleich mit den ersten Sätzen Worte in Bilder zu verwandeln, eine Welt zu entwerfen, die zugleich poetisch und düster ist. Wenn ich an Aliéna dachte, sah ich immer eine zarte, fast durchscheinende junge Frau in einem lichtdurchfluteten Wald, umgeben von Waldtieren, vor mir, doch mit den allseits bekannten Märchenverfilmungen hat diese Geschichte absolut nichts zu tun.

    Im Mittelpunkt steht Aliéna, die gemeinsam mit Lea und Waldtieren, die sie als ihre Freunde bezeichnet, in einem alten Haus mitten im Wald lebt. Lea verlässt dieses Haus nie, während Aliéna nur gelegentlich hinausgeht, um im Wald zu sein oder Einkäufe zu erledigen. Besonders eindrucksvoll ist Aliénas besondere Beziehung zur Natur. Mit dem Wald fühlt sie sich verbunden, hier ist ihr wahres Zuhause. Mit dem Haus ohne Strom und warmes Wasser verbindet sie nur Lea, die sie liebt, seit sie Kinder waren, die sie vor ihren Mitschülerinnen beschützte und die von ihrer alkoholkranken Mutter bei Ulrich, dem Eigentümer des Hauses, zurückgelassen wurde. Aliéna und Lea sind untrennbar miteinander verbunden, wie ein Rattenkönig.

    Bei ihren seltenen Einkäufen begegnet Aliéna Noel, der in einem Laden für Künstlerbedarf arbeitet. Ihre Begegnung entwickelt sich zu einer intensiven, beinahe unwirklichen Beziehung. Noels Leben ist, gelinde gesagt, verpfuscht. Die Beziehung zu seiner Familie ist schwierig, seine zwei Jobs reichen kaum für die Miete, seine Wohnung gleicht einer Müllhalde, in der der ehemalige Kunststudent malt, wenn er nicht gerade seinen letzten Rausch ausschläft. Seine letzte Beziehung zu Eva ging an seiner Überforderung mit dem Leben in die Brüche, und doch vermittelt sie ihm den Kontakt zu einer Galeristin, als sie Bilder von Aliéna in seiner vermüllten Wohnung sieht. Das könnte Noels Chance sein, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

    Soweit zum Offensichtlichen.

    Was mich darüber hinaus  beeindruckt hat, ist die Art, wie Sanjina Kashikar mich immer tiefer in Aliénas Welt hineingezogen hat. Vieles bleibt angedeutet, manches erschließt sich erst nach und nach. Genau das hat mich beim Lesen nicht losgelassen. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt, sondern eher, dass ich eingeladen wurde, genauer hinzusehen.

    Rattenkönig ist ein Roman für alle, die literarische Sprache, surreale Bilder und eine Atmosphäre zwischen Traum und Verstörung schätzen. Für mich erzählt dieser Roman seine eigentliche Geschichte nicht nur in Worten, sondern in den Bildern, die die Autorin mit eben diesen Worten vor meinem inneren Auge zu erzeugen vermochte.

    Sowohl sprachlich als auch inhaltlich ist dieses Buch außergewöhnlich und faszinierend, die Geschichte entfaltet eine Atmosphäre, die lange nachwirkt. Sanjina Kashikar schafft es, eine Welt zu entwerfen, die zugleich poetisch, düster und zutiefst eigenständig ist.
    Und nicht alles ist wie es auf den ersten Blick scheint, das Offensichtliche verbirgt eine erschütternde Wahrheit.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Edition Outbird
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. März 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 282 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3912308012
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3912308013






    Donnerstag, 16. April 2026

    Gärten, Gift und kalte Rache: Giftmorde in Oberdistelbrunn von Klaudia Blasl


    „Gärten, Gift und kalte Rache“ ist mein erster Ausflug in den Cosy Crime von Klaudia Blasl. Nachdem ich vor einiger Zeit bereits „Keine Zeit, der Garten ruft“ von ihr gelesen habe, dachte ich mir, es wird Zeit für einen Krimi aus ihrer Feder. Und ich kann vorwegnehmen: Ich wurde dabei ausgesprochen gut unterhalten.
    Es handelt sich um den dritten Band der Reihe rund um Pauline und Berta, der sich jedoch problemlos ohne Vorkenntnisse lesen lässt.

    Gleich zu Beginn lernen wir Pauline Klingel kennen, die den Naturschützer Patrick Pflaume gegenüber der resoluten Emma in Schutz nimmt. Diese wehrt sich vehement dagegen, dass ihre Kirschlorbeerhecke entfernt wird. Die invasive Pflanze soll im Rahmen eines Projekts für mehr Biodiversität durch eine ökologisch wertvollere Alternative ersetzt werden, um Oberdistelbrunn, das kleine und beschauliche Heimatdorf der Hobbygärtnerinnen Berta und Pauline, touristisch attraktiver zu machen. Zusätzlich initiiert der Bürgermeister eine gemeinschaftliche Blumenpflanzaktion. Der bisher brachliegende Dorfanger soll sich in eine bunte Blumenwiese verwandeln.

    Schon hier hatte mich die Geschichte mit ihrem liebevollen Blick auf Dorfleben und Gartenthemen eingefangen, das sich Pauline momentan Sorgen um ihren Mann Fred macht, der sich nach einem Herzinfarkt erholen muss, gibt der Geschichte noch eine ganz persönliche, menschliche Note. Als während der Blumenpflanzaktion auf dem Anger ein vergrabenes Hundeskelett entdeckt wird, nimmt die Handlung zusätzlich Fahrt auf. Und es bleibt natürlich nicht bei diesem einen Fund. Bald gibt es weitere Tote, diesmal Menschen, und Berta und Pauline geraten zunehmend in die Ermittlungen hinein. Spätestens als einer der Toten direkt vor ihrem Haus gefunden wird, wird der detektivische Spürsinn der beiden Damen geweckt.

    Klaudia Blasl verbindet hier auf sehr unterhaltsame Weise klassischen Cosy Crime mit fundiertem botanischem Wissen. Gift und Heilpflanzen spielen eine wichtige Rolle, ohne dass die Geschichte jemals trocken wirkt. Gerade diese Mischung hat mir großen Spaß gemacht. Die Handlung lebt von ihrem feinen Humor, der leicht schwarz gefärbten Atmosphäre und der lebendig gezeichneten Dorfgemeinschaft. Besonders die beiden Protagonistinnen sind mir schnell ans Herz gewachsen. Mit ihrem scharfen Verstand und einer guten Portion Spürsinn sind sie der Polizei oft einen Schritt voraus.

    Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, ohne dass der Roman auf reißerische Effekte angewiesen ist. Für mich war das genau die richtige Mischung aus leichter Unterhaltung und clever aufgebautem Krimi. Wer die Reihe bereits kennt, wird auch diesen Band mit Freude lesen. Und wer neu einsteigt, bekommt einen wunderbar unterhaltsamen Einstieg in die charmant schräge Welt von Oberdistelbrunn.



    • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 19. März 2026
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 320 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3740825359
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740825355

    Mittwoch, 15. April 2026

    Stratmanns Gäste: Psychothriller von Günther Hotter


    Das Buch Stratmanns Gäste von Günther Hotter beginnt mit einer scheinbar unspektakulären Szene im Archiv des Verlagshauses Rohn-Ratter. Der Reporter Stephan Rombach vernichtet dort seine Unterlagen, bevor er sich eine Auszeit nehmen will. Doch schon dieser Einstieg zeigt eindrucksvoll, wie meisterhaft der Autor mit Sprache umgeht. Durch seine bildhafte und eindringliche Erzählweise entsteht eine Atmosphäre, die in meinem Kopf sofort Bilder hervorrief, wie man sie aus düsteren Horrorfilmen kennt. Bereits hier wird deutlich, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird.

    Auf dem Weg nach Südtirol begegnet Rombach einem Mann, der ihm zunächst nur vage vertraut erscheint. Erst ein einzelnes Wort lässt die Erinnerung zurückkehren: Es handelt sich um den berühmten Arzt Dr. Stratmann, der vor Jahren spurlos verschwunden ist. Rombachs journalistischer Instinkt ist geweckt, und er folgt dem Mann bis zu dessen abgelegenem Rückzugsort, einem einsamen, stillgelegten Hotel in den Bergen. Dort gelingt es ihm, Stratmann davon zu überzeugen, ihn aufzunehmen. Sein Ziel ist es, die Geschichte des Arztes aufzuschreiben und daraus einen Bestseller zu machen, der seinen  Ruhm als Kriegsberichterstatter noch übertreffen soll.

    Schon bald stellt Rombach jedoch fest, dass er und sein Gastgeber nicht allein sind. Weitere Gäste leben in dem Hotel, angeblich, um dort ungestört ihren Ruhestand zu verbringen. Doch es dauert nicht lange, bis Rombach auf ein schreckliches Geheimnis stößt. Er erkennt, dass der einst angesehene und menschenfreundliche Arzt dem Wahnsinn verfallen ist. Zu diesem Zeitpunkt scheint Flucht jedoch längst unmöglich geworden zu sein.

    Ich möchte an dieser Stelle nicht mehr vom Inhalt verraten.

    Günther Hotters Roman ist  weit mehr als nur eine klassische Horrorgeschichte, auch wenn dies zunächst den Anschein haben mag. Als Leser wird man mit der inneren Zerrissenheit Rombachs konfrontiert, der als zynischer Kriegsberichterstatter stärker unter seinen Erlebnissen leidet, als er sich selbst eingestehen will. Die Vergangenheit hat er verdrängt, um nicht an ihr zu zerbrechen. Er redet sich selbst ein, dass „nach der Story vor der  Story ist“ und dass das Erlebte ihn nicht mehr berührt. Auch Stratmann ist an einem tiefen Trauma gescheitert. Er hat Jeden verloren der  ihm einst etwas bedeutete und  klammert  sich verzweifelt an das Vergangene und überschreitet dabei jede Grenze von Ethik und Moral. Hotter zeigt meisterhaft, wie traumatische Erlebnisse die menschliche Psyche zerrütten können. Dieser Roman ist nichts für zartbesaitete Menschen. Wer wie ich mit Bildern im Kopf zu lesen vermag, für den mögen einzelne Szenen verstörend wirken, doch hinter dem Horror steckt viel mehr. Das Buch zeigt, wie zerbrechlich die menschliche Psyche ist.Das Ende der Geschichte hat mich sehr überrascht. Lasst auch ihr euch überraschen und folgt Stephan Rombach auf eine unvergessliche, verstörende Reise durch die Abgründe der menschlichen Seele.



    • Herausgeber ‏ : ‎ Hybrid Verlag
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 10. April 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 236 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3967413012
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3967413014
    • Lesealter ‏ : ‎ Ab 16 Jahren

    Sonntag, 12. April 2026

    Zu Gast im Bücherhaus: Tanja Kummer und Detlef Klewer

                                 



    Heute freue ich mich über ein wirklich außergewöhnliches Interview: Zum ersten Mal spreche ich gleichzeitig mit zwei Kunstschaffenden, der Texterin Tanja Kummer und dem Illustrator Detlef Klewer des Comics Goldizilla aus dem Leseratten Verlag. Gemeinsam haben sie Goldizilla zum Leben erweckt.

    Tanja und Detlef – herzlich willkommen!


    Tanja: Was hat dich ursprünglich zu „Goldizilla“ inspiriert, und was ist der Unterschied zur Arbeit an einem Roman oder einer Kurzgeschichte?

    Uff. Gute Frage. Ich habe ja schon mal mit Detlef gearbeitet und aus meinen zwei Kurzgeschichten den Comic „Nachtwächter“ gemacht. Zu wissen, wie Detlef arbeitet hat mir sehr geholfen den Text gleich mehr als Bild für den Comic zu verfassen – also was kommt auf welche Seite, was ist darauf zu sehen und wie viel Text ist nötig. Natürlich musste Detlef noch hier und da das Storyboard nachbessern und hat selbst tolle Ideen für die Umsetzung eingebracht - er hat da eben deutlich mehr Erfahrung.

    Inspiriert haben mich viele Dinge. Eine ehemalige Arbeitskollegin die Hamster liebt. Eine Fahrt durch Stuttgart die mich an das Riesenrad erinnerte. Meine DAMN Teammitglieder, die ich für die Anthologie „German Kaiju verdamnt!“ entwickelt habe und die einfach mehr Rampenlicht gebraucht haben. Und Preisverleihungen, bei der man Anwesend sein muss, obwohl man gar nicht nominiert ist … da hat man viel Zeit. :)


    Detlef: Wie hast du die monströsen Elemente von Goldizilla visuell eingefangen?


    Nun, wie meinem Vorwort zu Goldizilla zu entnehmen ist, bin ich mit Kaijus wie Godzilla und Co. im Kino aufgewachsen. Ich musste in meiner Vorstellung also nur meine monströsen Kindheitserinnerungen mit einem knuddeligen Goldhamster verschmelzen und schon sprudelten die Ideen.


    Tanja: Welche Momente der Zusammenarbeit mit Detlef waren für dich besonders bereichernd, z. B. bei der Figurenentwicklung?


    Wenn das Storyboard fertig ist, kann ich nichts mehr tun außer zu warten, was Detlef als fertige Seite schickt. Und ja, das Storyboard zu entwickeln ist immer bereichernd weil es ein intensiver Austausch an künstlerischen Ideen ist.

    Tatsächlich war klar, wie eine Figur aussehen muss, die sich Daniel C. Raig nennt und seinen Martini geschüttelt und nicht gerührt trinkt. Bei Mina hingegen hatte Detlef etwas mehr Spielraum.




    Detlef: Für diejenigen unter uns (also für mich) die ihn nicht wirklich kennen, erkläre mir doch bitte den Unterschied zwischen einem Comic und einer Graphic Novel?


    Das ist gar nicht so einfach, denn inzwischen sind die Grenzen fließender geworden. Ursprünglich sind Graphic Novels in sich abgeschlossene, gezeichnete Geschichten in Buchform, die oft experimenteller, komplexer und politischer waren als Comics, die ja im Heftformat als Fortsetzungsgeschichten erscheinen und eher unterhaltsamere Mainstreamstories erzählen.

    Es gibt aber inzwischen auch viele Comics, die sich eben nur noch durch Format und Erscheinungsweise unterscheiden.Und natürlich dadurch, dass Graphic Novels den Weg in unsere Buchhandlungen finden, während Comics überwiegend dem Zeitschriftenhandel vorbehalten sind.


    Tanja: Welcher Charakter ist dir besonders ans Herz gewachsen?

    *lol*
    Goldizilla natürlich. Eine tragische Figur.


    Detlef: Welche Illustration war die größte Herausforderung, und wie hast du Tanjas Textvisionen umgesetzt?


    Herausfordernd ist es immer, Figuren zu zeichnen, die bereits in den Köpfen der Autor*innen existieren. Wenn ich also einen Text lese, den ich zeichnerisch umsetzen soll, kann es durchaus passieren, das ich die handelnden Personen visuell anders wahrnehme, als ihre Erfinder*innen. Zum Glück hatte Tanja genauere Vorstellungen vom männlichen Part und hat mir bei der weiblichen Hauptrolle freie Hand gelassen. Und für die DAMN-Regulars gab es Orientierungshilfen vom German Kaiju- Initiator Markus Heitkamp.

    Tanja und ich haben außerdem ja schon einmal erfolgreich bei der Graphic Novel „Nachtwächter“ zusammengearbeitet, sodass wir ein eingespieltes Team waren. Ihr Storyboard war daher sehr visuell, sodass ich eigentlich nur noch Finetuning einsetzen musste, um ihre Visionen umzusetzen.


    Tanja: Was macht die Zusammenarbeit mit dem Leseratten Verlag für dich als Autorin so besonders?


    Kreative Ideen sind hier immer willkommen. Egal wie verrückt ober absurd sie einen erscheinen mögen.
    Und es hilft, wenn man gut Kekse backen kann mit dem man dann den Verleger besticht.


    Detlef: Wie arbeitest du grundsätzlich als Illustrator an einem Comic-Projekt wie „Goldizilla“, vom ersten Skizzenentwurf bis zum fertigen Bild?


    Das hängt ganz davon ab, mit wem und wie ich zusammenarbeite.

    Ist es eine Autorin wie Tanja, die ihr Storyboard bereits visuell schreibt, kann ich gleich mit Panelaufteilung und Zeichnungen beginnen. Das ist dann easy.

    Manche Autor*innen gehen die ganze Sache zu literarisch an. Ein Satz wie „seine Augen glitzerten trügerisch“ – um es mal ein wenig zu übertreiben – lässt sich zeichnerisch nun einmal nur schwer umsetzen. Da muss ich dann viel im Storyboard verändern oder vereinfachen, Panelfolgen umstellen oder ganz streichen, ehe ich mit den Zeichnungen beginnen kann.

    Und zuletzt Projekte, in denen ich Kurzgeschichten umsetzen soll. Da muss ich dann zu Beginn die Einteilungen selbst vornehmen, kürzen oder dramaturgisch verändern, was bei Autor*innen nicht immer gut ankommt. Daran ist auch schon einmal ein Projekt gescheitert.

    Aber geschriebene Geschichten in visuelle Medien umzusetzen erfordert immer Veränderung bzw. Anpassung. Buchverfilmungen etwa kämpfen ja mit den gleichen Problemen.

    Ansonsten geht alles seinen klassischen Weg. Skizze, Bleistiftvorzeichnung, Tusche. Anschließend Farbgebung oder Grautöne am Computer.


    Tanja: Gibt es Pläne für eine Fortsetzung von „Goldizilla“, und welche neuen Ideen hast du dafür?

    Der Verlag hat gesagt: „Schauen wir mal, wie sich Goldizilla verkauft.“
    Und danach ist German Kaiju ja ein Projekt, an dem viele Autoren:innen beteiligt sind. Vielleicht darf den nächsten Comic ja jemand anderes schreiben!?
    Falls nicht, ich habe immer Ideen.


    Also dann "KAUFT DEN COMIC, oder heißt es das Comic? Die Frage hätte ich ja noch stellen können.

    Detlef: Welche Szene in „Goldizilla“ ist dir als Illustrator am liebsten, und warum?

    Als Kind hatte ich – wie schon erwähnt – viel Spaß im Kino, wenn die Kaiju-Stuntmen in ihren Gummianzügen marodierend durch die detailreiche Modelllandschaft stapften. Natürlich sind mir jene Szenen, in denen Goldizilla Stuttgart zerlegt und die Bewohner terrorisiert, daher die liebsten. Also gefallen mir das Covermotiv und die Splashpage, in der Goldizilla im Ausrastemodus ein Auto durch die Luft wirft und die Menschen panisch davon rennen, am besten.



    Und die Abschlussfrage an euch beide: Gab es auch mal Momente, in denen ihr euch nicht einig wart und am liebsten alles hinschmeißen wolltet?


    Tanja: Nö.

    Detlef: Nö.

    Bei der Antwort habt ihr euch doch abgesprochen.😅



    Vielen Dank euch beiden, Tanja und Detlef, für dieses spannende und aufschlussreiche Gespräch über „Goldizilla“! Es war eine Freude, eure Perspektiven als Autorin und Illustrator so nah dran zu erleben. Im echten Leben gäbe es jetzt Kaffee, Bienenstich und Kekse, das muss aber leider warten bis wir uns mal treffen können.


    Tanja: Ich danke Dir – und mögen Dir die Bücher und der Bienenstich niemals ausgehen. :-)

    Detlef: Ich danke Dir – und mögen Dir die Bücher und der Kaffee niemals ausgehen. :-)

    Da bin ich sehr zuversichtlich ohne Bücher, Kaffee und Kuchen ist ein Leben zwar möglich aber nicht sinnvoll. 

    Den Comic könnt ihr direkt beim Leseratten Verlag erwerben oder im Buchhandel eures Vertrauens. 



    Löwenherzen: Roman von Dan Jones (Autor), Heike Schlatterer (Übersetzerin), Wolfram Ströle (Übersetzer)


    Lange habe ich auf den Abschluss der Essex-Dogs-Trilogie von Dan Jones gewartet, denn am Ende des zweiten Bandes blieben viele Fragen offen. Irgendwie sind mir diese rauen Gesellen längst ans Herz gewachsen, gerade weil sie keine strahlenden Helden sind, sondern vom Leben gezeichnete Männer, die sich immer wieder durch eine feindliche Welt kämpfen müssen.

    1348 vor der Küste Frankreichs
    Die Geschichte beginnt auf der "Katherine" einem Schiff unter englischer Flagge, vor der französischen Stadt Bordeaux, auf dem Schiff befindet sich die Aussteuer der Lieblingstochter Edwards III, die einen Kastilier heiraten soll, um den Frieden zu sichern. Millstone , Thorb und dessen Neffe Rigby sind an Bord, ein paar Wochen auf eine Prinzessin aufzupassen, ist zur Abwechslung einmal ein leichter Job. Doch das Meer vor Bordeaux ist voller Leichen, die Pest wütet in der Stadt und auch Joan ist ihr schon zum Opfer gefallen und damit auch der Frieden.


    1350 Winchelsea England
    "Loveday" FitzTalbot ist der stolze Besitzer des "Grünen Löwen" einer heruntergekommenen Kneipe in dem kleinen Ort Winchelsea, hier hat er sich gemeinsam mit Gilda und deren kleinem Sohn ein neues Leben aufgebaut, er ist alt geworden und hat genug vom Kämpfen, der Kampf um seine Existenz ist schwer genug, das Geld ist knapp, die Kneipe marode und kurz vor dem Zusammenbrechen. Als ein Dachdecker ihn mitten in der Arbeit im Stich lässt macht sich Loveday auf der Suche nach Handwerkern auf zum Hafen und trifft auf Richard Large einen Sergeant-at-Arms im Dienste des Königs, dieser verspricht ihm Hilfe doch der Preis dafür ist hoch, wie Loveday noch feststellen wird.

    Auch Romford hat sich inzwischen weiterentwickelt. Nach all den Problemen und Rückschlägen hat er endlich das erreicht, wonach er sich lange gesehnt hat. Er steht im Dienst eines Ritters. Zwar finanziert er mit seinem eigenen Geld, dessen aufwendigen Lebensstil, doch für Romford ist das ein Preis, den er gern zahlt, denn er lebt endlich seinen Traum. Trotzdem bleibt auch sein Weg alles andere als geradlinig, und schnell wird deutlich, dass er nur ein kleines Rädchen in einem viel größeren und gefährlicheren Spiel ist.

    Während Loveday versucht, in Winchelsea Wurzeln zu schlagen, bleibt die Welt um ihn herum von Schmuggel, Unsicherheit und dunklen Geschäften geprägt. Gerade in den Hafenstädten blüht das Illegale, denn wo Not herrscht, entstehen schnell neue Abhängigkeiten und Versuchungen. Gleichzeitig wächst die Bedrohung durch die Kastilier. Dan Jones zeigt sehr eindrücklich, wie schnell diplomatische Abmachungen in Gewalt umschlagen können und wie dünn die Schicht aus Ordnung und Sicherheit in dieser Zeit tatsächlich ist.

    Besonders eindrucksvoll ist dabei der Kontrast zum Hof Edwards III. Dort herrschen Prunk, Machtspiele und eine fast schon erschreckende Dekadenz, während draußen die Menschen mit Hunger, Krankheit und Unsicherheit kämpfen. Diese Gegenüberstellung macht den Roman so lebendig und zugleich so bitter. Jones gelingt es hervorragend, das gesellschaftliche Gefälle dieser Epoche sichtbar zu machen und den Leser mitten in eine Welt zu ziehen, in der Glanz und Elend erschreckend dicht beieinanderliegen.

    Im Verlauf der Handlung beginnen sich die einzelnen Wege der Figuren wieder zu berühren. Was zunächst nach voneinander getrennten Schicksalen aussieht, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer neuen gemeinsamen Bedrohung, die die alten Gefährten wieder zusammenführt. Dabei geschieht das nicht aus romantischer Heldenerzählung heraus, sondern aus Notwendigkeit. Denn wenn die Welt um sie herum weiter ins Chaos kippt, bleibt am Ende nur das, was sie schon früher zusammengehalten hat: Erfahrung, Misstrauen, gegenseitige Abhängigkeit und doch auch eine tiefe, stille Loyalität.

    Gerade darin liegt für mich die besondere Stärke dieses Romans: Dass die Essex Dogs nicht einfach als glorreiche Truppe zurückkehren, sondern als Männer, die vom Leben gezeichnet sind und trotzdem nicht ganz voneinander lassen können. In dieser rohen, ungeschönten Menschlichkeit liegt der eigentliche Kern der Geschichte, und genau deshalb berührt sie so sehr. Und natürlich habe ich auch wieder etwas gelernt, denn das ist eine besondere Stärke des Autors, er macht neugierig auf die wahre Geschichte, jenseits dessen was man vielleicht ansatzweise im Geschichtsunterricht lernt. Dan Jones ist ein Meister darin Fiktion und Realität miteinander zu verbinden und eine kleine Szene am Ende des Buchs macht Hoffnung darauf, das es sich vielleicht doch nicht um das letzte Abenteuer der Essex Dogs handelt. 
     
     
     
    • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 20. Februar 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 381 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 340684197X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406841972
    • Originaltitel ‏ : ‎ Lionhearts
     





    Freitag, 10. April 2026

    YOGAMINO: Im Zickzack der Zeit und Ruckzuck der Räume von Matthias A,K, Zimmermann

    Klappentext:
    Alexandra und Zarina denken, mit Yoga bereits den Gipfel der Erleuchtung erreicht zu haben - bis ein mysteriöses Ereignis sie in die wildeste Achterbahnfahrt ihres Lebens katapultiert. Zeitzauberschleifen und Raumverwirbelungen bringen alles durcheinander. Und als wäre das nicht schon genug, tauchen fabelhafte Kreaturen und futuristische Technologien auf - als hätten die beiden sich in eine Geschichte verirrt, in der Wissenschaft und Magie um den krassesten Twist konkurrieren. Tja, das Leben wird richtig knifflig, wenn man herausfinden muss, ob die sprechende Katze von nebenan real ist oder ob man gerade mitten in einem Film steckt. Mit jedem weiteren Moment wird klar: Hier ist mehr im Spiel als nur ein paar verdrehte Dimensionen! Während die Welt um sie herum immer surrealer wird, bleibt den beiden nichts anderes übrig, als nach dem tieferen Sinn hinter all dem Durcheinander zu suchen. Zarina und Alexandra begeben sich auf eine spirituelle Entdeckungsreise durch das Mysterium der Zeit - vom flüchtigen Augenblick bis hin zur Unendlichkeit.



    Alexandra lebt ein Leben voller äußerer Zwänge. Sie arbeitet in einem Kaufhausjob, den sie nicht mag, einzig ihr Hobby als Filmexpertin macht ihr Spaß, ihr Wissen teilt sie auf Social Media mit ihren Followern. Die junge Frau hat einen anspruchsvollen Lebensstil der ihr einen hohen Schuldenberg beschert. Als sie den ungeliebten Job verliert, wächst die Angst vor dem Besuch des Gerichtsvollziehers. Dann geht auch noch ihr Handy kaputt und sie muss es zur Reparatur geben, doch der Entzug von Social Media wird für sie unerträglich, sie kann es nicht ertragen nicht jederzeit auf ihre Social Media Seiten zugreifen zu können, heimlich nutzt sie einen fremden Laptop in der Serviceabteilung des Kaufhauses. Darauf  entdeckt sie eine rätselhafte Zahlenreihe, mit der sie Lotto spielt und das unwahrscheinliche tritt ein, sie knackt den Jackpot, endlich scheint eine sorgenfreie Zukunft auf sie zu warten. Doch das Los verschwindet spurlos. Verzweifelt sucht Alexandra die Eigentümerin des Laptops um zu erfahren, was es mit der Zahlenreihe auf sich hat und findet Zarina. Alexandra ist sofort fasziniert von ihr, denn Zarina hat eine besondere Beziehung zu Zahlen. Zwischen den beiden jungen Frauen entsteht eine starke Anziehung die Zarina dazu bringt sich auf weitere Treffen einzulassen, obwohl Alexandra zunächst nur von der nächsten Gewinnzahl besessen ist und das Wesentliche übersieht. 

    Alexandra war mir zunächst unsympathisch. Sie sieht nicht, was wirklich zählt. Egoistisch und blind jagt sie ihren Vorteil. Doch gerade diese Eigenschaft macht sie glaubwürdig. 

    Dann geschieht etwas Unerwartetes, als sie glauben durch Yoga die Erleuchtung erreicht zu haben, geraten Zeit und Raum durcheinander, futuristische Technologien mischen sich mit Magie. Und die Frauen können sich bald nicht mehr sicher sein, ob sie in der Realität oder weit Jenseits davon. Die Welt wird surreal. Alexandra und Zarina begeben sich auf eine Reise durch das Mysterium der Zeit. Vom flüchtigen Moment bis zur Unendlichkeit suchen sie den tieferen Sinn im Leben und ein wenig auch sich selbst. Das wisst ihr schon aus dem Klappentext, aber mir fehlen die richtigen Worte, um die Essenz des Buches zu beschreiben.
     
     
    Das Buch ist ungewohnt, anspruchsvoll und dabei faszinierend, genau die Art von Lektüre, die ich mag. 
    Die Themen Spiritualität und Yoga sind mir vollkommen fremd  Dennoch hat Matthias A. K. Zimmermann es wieder einmal geschafft. Er entführte mich in eine Welt, die mich fasziniert hat. Sie regt zum Nachdenken an, öffnet neue Perspektiven und bleibt lange im Kopf. Für mich enthält das Buch die Botschaft, das echtes Glück oder auch nur Zufriedenheit erst entsteht, wenn man die Illusionen von äußeren Erfolgen durchschaut.


    Der Roman mit seinen sechshundert Seiten verbindet Alltag,Spiritualität und Fantasy zu einem originellen Ganzen.  Für Leser, die ungewöhnliche Bücher schätzen, ist dieses Buch eine Empfehlung. 



    • ASIN ‏ : ‎ B0GQVLJP2S
    • Herausgeber ‏ : ‎ BoD - Books on Demand
    • Barrierefreiheit ‏ : ‎ Erfahre mehr
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 2. März 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch








    Donnerstag, 9. April 2026

    Das Schicksal der Herzogin von Johanna von Wild


    Mit Das Schicksal der Herzogin hat Johanna von Wild für mich einen eindrucksvollen historischen Roman geschaffen, der das Leben der Sibylla von Anhalt im 16. Jahrhundert lebendig und emotional erzählt. Beim Lesen hatte ich schnell das Gefühl, in die Welt der Renaissance einzutauchen und Sibylla auf ihrem Lebensweg zu begleiten.

    Der Roman beginnt mit der Geburt Sibyllas. Sie kommt als vierte Tochter von Agnes von Barby und Joachim Ernst von Anhalt zur Welt. Sibylla wächst in einer liebevollen Umgebung auf, ganz im Gegensatz zu Friedrich von Mömpelgard, dessen Mutter Barbara von Hessen als strenge und beinahe grausame Frau dargestellt wird. Die beiden lernen sich als Kinder auf der zweiten Hochzeit von Sibyllas Vater kennen, der sich ein Jahr nach dem frühen Tod von Agnes mit Eleonore von Württemberg vermählt.

    Sibylla und Friedrich verlieben sich ineinander und heiraten, was für die damalige Zeit ungewöhnlich ist. Ehen wurden normalerweise nicht aus Liebe geschlossen, sondern aus Vernunft und politischen Überlegungen. Deshalb wirkt ihre Beziehung am Anfang besonders ehrlich und berührend, und ich konnte sehr gut verstehen  warum Sibylla später so sehr unter Friedrichs Verhalten leidet.

    Besonders interessant fand ich Sibyllas Entwicklung. Vom unbeschwerten Leben auf Schloss Dessau bis hin zu den Herausforderungen als Herzogin von Württemberg wird ihr Schicksal sehr nachvollziehbar dargestellt. Ihre Leidenschaft für Heilkräuter und Medizin, die Spannungen in ihrer Ehe mit Friedrich von Mömpelgard und ihre heimliche Zuneigung zu einem Arzt machen die Geschichte für mich sehr menschlich und berührend. Ich konnte gut mit ihr mitfühlen und ihre widersprüchlichen Gefühle und Gedanken deutlich nachvollziehen.

    Auch der historische Hintergrund hat mir gut gefallen. Die Autorin beschreibt das höfische Leben, die politischen Konflikte und das medizinische Wissen der Zeit sehr anschaulich, ohne dass es trocken wirkt. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sodass ich schnell in die Handlung hineingefunden habe, ich habe allerdings auch mit nichts anderem gerechnet da ich schon einige Bücher der Autorin gelesen habe.

    Insgesamt habe ich Das Schicksal der Herzogin als einen bewegenden und gut recherchierten historischen Roman empfunden. Für mich ist es eine klare Empfehlung für alle, die sich für Geschichte, starke Frauenfiguren und emotionale Lebensgeschichten interessieren.



    • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. März 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2026
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 432 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839280540
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839280546