Klappentext:
Zwei reisende Goldmacher treffen auf einer Landstraße zufällig aufeinander und ziehen schließlich in die von Fürstin Clothilde regierte Stadt Jüterbog, in der die Untertanen durch Massage bei Laune gehalten werden. Heimlich beobachtet werden die beiden von einem Hund und einer Katze, die sich fragen, was die Ankunft der Männer bedeuten könnte. Bevor die beiden Goldmacher in der Lage sind, Unheil anzurichten, kommen weitere Figuren ins Spiel: ein armes, schwer krankes Mädchen und dessen unerzogener Bruder, ein Wachmann mit sprechender Warze sowie die Fürstin selbst, die so gelangweilt ist, dass sie sogar den Tod eines Untergebenen für etwas Abwechslung in Kauf nimmt.
Der Klappentext klingt ja schon mal gut, dachte ich mir als ich das Buch entdeckte und warum nicht mal wieder etwas ganz anderes lesen. Gedacht, getan.
Mit diesem Buch habe ich ein Lesevergnügen der besonderen Art erfahren, Schreibstil und Wortwahl sind ungewöhnlich und mehr als skurril. Der Autor hat eine Welt erschaffen, die sehr nah an der unseren ist und doch vollkommen anders. In seiner Welt scheint alles lebendig und mehr oder weniger beseelt, ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll. Fenster, die sich nicht gleich öffnen lassen, tun das vielleicht nicht, weil sie alt und verzogen sind, sondern weil sie das einfach nicht wollen. Brotteig, der von einem verzogenen Kind aus dem Fenster geworfen wurde, ist im wahrsten Sinne des Wortes beleidigt und bedarf einiger Streicheleinheiten und viel gutem Zureden, um nicht mehr störrisch zu sein. Keine Seite auf der es nicht zu amüsanten Szenen kommt,
aber
das Buch hat auch ernste Seiten, da ist die verarmte Mutter, die mit ihrem verzogenen Sohn nicht klarkommt und der in der Schule geraten wird diesen zu verkaufen, was genau er da angestellt hat darf ihr aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht verraten werden, als sie Hilfe bei der Kirche sucht, sieht deren Lösung noch viel krasser aus, man könne das Kind töten, es gäbe auch ein Sonderangebot für die Beerdigung.
Ich kann nicht anders, ich interpretiere automatisch etwas in die Geschichten, die ich lese, ob das was ich hinter den Worten, die geschrieben stehen zu erkennen glaube vom Autor auch so gemeint ist, ist mir in dem Fall ja egal.
Für mich ist Zum rosa Hahn, ein sozialkritisches Buch, mit Seitenhieben auf die Politik, die Steuern verschwendet und auf ein Sozialsystem in dem Armut eine Schande ist.
Die Geschichte hatte eine seltsame Sogwirkung auf mich, manchmal habe ich es an die Seite gelegt, weil es für den Moment etwas zu viel des Guten war, aber kaum waren ein paar Stunden vergangen musste ich weiterlesen. Ich brauchte einfach mehr.
Vielleicht ist dieses Buch nicht für jeden etwas, aber wer sich auf eine vollkommen fremde Welt, die nur ein kleines Stück von der unsrigen entfernt ist, einlassen möchte und schöne Worte und Metaphern liebt, wird auch diese Geschichte lieben.
Eine besondere Erwähnung gebührt hier sicher auch wieder der Übersetzerin Ina Kronenberger, ich hatte nie das Gefühl eine Übersetzung zu lesen.
- Herausgeber : Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (9. Juni 2022)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 496 Seiten
- ISBN-10 : 3462000624
- ISBN-13 : 978-3462000627
- Originaltitel : LANGS LANDEVEIEN MELLOM COTTBUS OG BERLIN
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