Dienstag, 29. August 2017

Die Magie der Namen von Nicole Gozdek

Inhalt: Nummer 19 lebt in einer Welt in der Namen mehr sind als nur Schall und Rauch. Erst mit der Volljährigkeit erhält ein Kind seinen Namen und mit diesem Namen erfährt es welcher Dynastie es angehört, ob es einen angesehenen Beruf hat, evtl. sogar Magie wirken kann, die Höhe des Vermögens sogar das Aussehen ändert sich mit der Namensgebung.
Nummer 19 erhofft sich nichts mehr als ein Held zu sein, einer aus der bedeutenden Dynastie der Polliander, doch als seine Namensgebung erfolgt, geschieht: Nichts und als wäre das nicht schlimm genug, scheint niemand seinen Namensgeber Tirasan Passario zu kennen. Seine einzige Chance mehr zu erfahren ist das große Namensarchiv in der Hauptstadt Himmelstor. Gemeinsam mit Rustan Polliander und dessen Freunden macht er sich auf die gefährliche Reise.

Meine Meinung:
Ich war schon lange neugierig auf das Buch und als es mir  jetzt in die Hände fiel musste ich es auch gleich lesen und ich kann schon jetzt verraten: Es hat mir sehr gut gefallen, der Schreibstil der Autorin Nicole Gozek, ist klar und flüssig, sie verliert sich nicht in überflüssigen Schnörkeln lässt aber ihre Welt trotzdem vor den Augen der Leser auferstehen. Ihre Protagonisten sind sehr authentisch und zum Großteil auch sympathisch, aber natürlich gibt es auch die Antagonisten, die die es nicht wirklich gut meinen mit Tirasan und seinen Freunden.
Auf der gefährlichen Reise in die Hauptstadt machen Tirasan und seine Freunde eine teils erstaunliche Entwicklung durch, war Baro, ein enger Freund Rustans z.B. arrogant, gemein und unhöflich zu Tirasan, erfährt der Leser die Beweggründe für sein Verhalten und darf miterleben wie auch er sich zu einem loyalen Freund entwickelt.
Ich will euch aber gar nicht zu viel vom Inhalt des Buches verraten. Eher möchte ich auf den Grundgedanken eingehen, es geht um Freundschaft und die Bedeutung von Familie. Wie wichtig ist es in einer Familie aufzuwachsen, geliebt und umsorgt zu werden, wie wichtig ist es zu wissen wo man her kommt? Die Kinder in Mirabortas wachsen ohne Familien auf, ohne all dieses wichtige Wissen, denn solange sie noch keinen Namen haben, nicht wissen zu welcher Dynastie sie gehören sind sie bedeutungslose Nummern.
Der Verlag gibt die Altersempfehlung 12-17 Jahren an und das passt meiner Meinung nach auch sehr gut, es gibt zwar die eine oder andere Kampfszene aber die Autorin verzichtet auf überflüssige Gewalt nur um der Gewalt willen. Meiner Meinung nach ist das Buch gut dazu geeignet junge Leser, sowohl Mädchen als auch Jungen, Fantasyliteratur nahe zu bringen.
Und obwohl ich der Zielgruppe eigentlich schon lange entwachsen bin, habe ich mich wohl gefühlt mit dem Buch und bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, denn gerade das Ende hat für einige kontroverse Diskussionen unter den Fans gesorgt.

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: ivi (1. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492703879
  • ISBN-13: 978-3492703871


Sonntag, 27. August 2017

Kukolka von Lana Lux

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Inhalt:
Samira lebt in der Ukraine, in einem Land in dem die Menschen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von Freiheit und Wohlstand träumen. Auch Samira träumt, sie träumt von einem besseren Leben in bei ihrer Freundin Marina die von einem Ehepaar aus Deutschland adoptiert wurde. Als sie einen Brief von Marina erhält, den eine der Erzieherinnen des Heims in dem sie lebt, aus reiner Schikane behält, läuft Samira weg, sie will nach Deutschland zu Marina und eine berühmte Sängerin werden und landet bei Rocky und seiner *Familie*
Rocky schickt seine Familie auf Beutezüge in die Stadt, sie müssen stehlen und betteln und ihre Einnahmen bei ihm abgeben. Samira ist die bald die Beste in ihrem Job und Rocky mag sie sehr, wenn sie ihn massiert bekommt sie von ihm Schokolade, er nennt sie Kukolka das heißt Püppchen: Samira ist 7.
Und sie ist 12 als sie Dima kennenlernt, sie verliebt sich ihn, er ist schön, er ist nett, er ist reich, er legt ihr die Welt zu Füssen und sich das Kind in sein Bett. Dima nimmt sie mit nach Deutschland, dem Land ihrer Träume, in dem ihr Leidensweg erst richtig beginnt.

Meine Meinung:
Ich könnte euch das komplette Buch erzählen, Station für Station des Lebens eines Kindes, das mehr durchmachen musste als ein Mensch eigentlich,ertragen kann, diese Geschichte hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt wie kaum eine zuvor.
Lana Lux, lässt Samira ihre Geschichte erzählen, mit den Worten eines Kindes, mit den Gefühlen eines Kindes. Samira glaubt den Worten, der Menschen, sie glaubt das das Herz zerquetscht wird wenn man auf der linken Seite schläft, wie es die Erzieherinnen im Kinderheim Sonnenschein sagten, sie glaubt Rocky, das er sie nach Deutschland bringen wird und sie glaubt Dima, der ihr erzählt sein Leben sei in Gefahr und nur sie könne ihm helfen das Geld für seine Schulden aufzubringen. Sie ist ein Kind, das keinerlei Schulbildung hat, das einzige was sie im Heim lernte war sich an die Regeln zu halten.
Samira erzählt ihre grausame Geschichte unbefangen wie es Kinder nun einmal tun, weil sie nicht wirklich weiß das ihr großes Unrecht angetan wurde, sie genießt den Sex mit Dima,  sie weiß nicht das er sie missbraucht.
Diese Unbefangenheit mit der die Autorin ihre kleine Protagonistin erzählen lässt, macht das Buch zu etwas ganz besonderem.
Selten hatte ich so sehr den Wunsch das eine Geschichte gut ausgeht, das dieses Kind noch jemanden findet der ihr Geborgenheit und Schutz bietet, bevor es zu spät ist.
Kindesmissbrauch egal in welcher Form macht jeden normal denkenden Menschen wütend und hilflos lesen wir davon in den Zeitungen oder hören in den Nachrichten. Wir hören von Kinderbanden, die stehlen und betteln oder sich prostituieren müssen. Das ist alles ganz weit weg, eine Meldung die von anderen ebenso erschütternden Nachrichten abgelöst wird. Samiras Geschichte allerdings lässt sich nicht so einfach durch andere Nachrichten ablösen, sie bleibt in Erinnerung, gerade weil sie sie ohne erhobenen Zeigefinger erzählt, es gibt kein Heulen und Wehklagen, kein Selbstmitleid, natürlich gibt es Tränen, Samira leidet, sie weint,aber sie lacht auch, freut sich an dem luxus einer Badewanne oder guten Essens und schöner Kleider. Ich war es die zu jeder Sekunde die ich Samira "zuhörte" wütender wurde auf die Männer, auf die Freier, auf alle die dem Kind Leid zufügten.
Kukolka ist ein bemerkenswertes Debut aus der Feder Lana Lux, die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten, ich spreche für das Buch eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung aus.

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  • Gebundene Ausgabe: 375 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (18. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351036930
  • ISBN-13: 978-3351036935

Freitag, 25. August 2017

Engel der Toten. Gnadenlose Jagd von Eval Lirot

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Inhalt: Nach ihrer Flucht vor dem Wolf, zieht sich Sadie zurück, versteckt in einem kleinen Hotel beschließt sie alles in ihrer Macht stehende zu tun um dem Orden der Wölfe das Handwerk zu legen und den toten Mädchen und Frauen eine Stimme zu geben und um weitere Opfer zu verhindern.
Ihr einziger Verbündeter ist John Palmer, zu dem sie langsam Vertrauen fasst, zu dem sie aber, um ihn nicht zu gefährden Abstand hält, nicht ahnend das er schon längst ins Visier der Organisation geraten ist.

Meine Meinung:
Ich stehe jetzt vor der schwierigen Aufgabe, meine Meinung niederzuschreiben ohne zu viel der Handlung zu verraten, die Protagonisten  Sadie und John hatte ich euch schon in meiner Rezension zum ersten Teil vorgestellt, ihre Beweggründe und Charaktereigenschaften, haben sich selbstverständlich in der kurzen Zeit nicht geändert. Der Leser erfährt allerdings etwas mehr über die Organisation der Wölfe, die gut vernetzt und organisiert über das ganze Land ausbreiten und es wird detailliert beschrieben wie die Machtverhältnisse innerhalb des Ordens aussehen und wie diese Macht aufrecht erhalten wird. Für zartbesaitete Leser vielleicht etwas zu detailliert, Eva Lirot spart nicht an blutigen Einzelheiten.
Alle Fragen die sich mir zum ersten Teil des Buches stellten, werden in diesem Band beantwortet, alle Rädchen fügen sich zu einem runden Gesamtbild ineinander, häufig ist es ja so das lose Fäden innerhalb einer Reihe einfach vergessen werden, das ist hier Gott sei Dank nicht der Fall.
Ich war erschrocken, als ich nach und nach las, welch weite Kreise, die einst zum Privatvergnügen der Mitglieder gegründete Organisation, zog und vor allem wer alles involviert ist. Sadie hatte Recht daran getan niemandem zu vertrauen.

Zwei Dinge noch.

Erstens: Meiner Meinung nach muss man zwingend den ersten Teil der Reihe gelesen haben, es ist mit dem Vorwissen aus dem vorigen Teil um ein vielfaches leichter die Handlungen und Beweggründe der Protagonisten zu verstehen. Allerdings ist auch schon der erste Band pure Spannung, es gibt also keinen Grund sich selber einen Teil des Lesevergnügens vorzuenthalten.

Zweitens: Für den Engel der Toten, braucht man starke Nerven, alles was Eva Lirot in ihren Beschreibungen der Grausamkeiten auslässt, spielt sich unweigerlich in euren Köpfen ab, man kommt als Leser nicht umhin die eigene Fantasie schweifen zu lassen. Die Bilder die die Autorin in eure Köpfe projizieren wird, lassen sich nicht so einfach wieder ausblenden.

Meine Rezension zu Band 1 findet ihr HIER
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  • Taschenbuch: 236 Seiten
  • Verlag: Independently published (7. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1522009809
  • ISBN-13: 978-1522009801

Sonntag, 20. August 2017

UNORTHODOX von Deborah Feldman

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Inhalt:
Die Autorin Deborah Feldman, erzählt in ihrem Buch von ihrer Kindheit und ersten Erwachsenenjahren als orthodoxe Jüdin in Williamsburg/New York. Einem Leben zwischen Tradition und dem Drang nach Freiheit. Als Chassidische Jüdin in der Satmar Gemeinde, ist sie den Regeln einer der strengsten Gemeinden innerhalb des Judentums unterworfen, jede Verfehlung wird bestraft, Bildung für Mädchen erfolgt nur insoweit das den Mindesanforderungen der staatlichen Schulbehörde Genüge getan wird. Das einzige Ziel im Leben eines Mädchens ist es zu heiraten und ihrem Mann zu dienen.
Deborah Feldman, beschritt einen harten Weg um dem Leben das ihr vorbestimmt war zu entfliehen.

Meine Meinung:
Das letzte Mal als ich mich mit Religion, gleich welcher Art beschäftigt habe, war zu Schulzeiten, uns wurden die unterschiedlichen Glaubensrichtungen aufgezeigt, da war die  Einteilung allerdings recht einfach: Christen,Juden, Moslem,Buddhisten. Fertig. Das sich diese Glaubensrichtungen allerdings immer weiter verzweigen und verästeln und dabei für mich unverständliche Blüten treiben können, lernte ich erst nach meiner Schulzeit, durch Bücher und was man so aufschnappt.
Durch das Buch Unorthodox, habe ich eine dieser Blüten kennengelernt. Mitten in der Millionenstadt New York, lebt eine große Gruppe Menschen, abgeschottet vom Rest der Stadt, nach ihren eigenen Gesetzen und Regeln, immer in der Angst etwas zu tun das nicht Gottgefällig ist, wobei es durchaus legitim ist, Verbrechen vor dem Gesetz zu vertuschen um das Ansehen einer Familie nicht zu beschmutzen. Und immer kann es sein, das der Rabbiner eine neue Regel aufstellt, die alle zu befolgen haben.
Deborah wächst in dieser Umgebung bei ihren Großeltern auf, ihr Vater scheint gesundheitlich nicht in der Lage sich um die Tochter zu kümmern und ihre Mutter hat die Familie und die Gemeinde verlassen. Das Mädchen fühlt sich allein und ungeliebt, obwohl ich persönlich nicht einmal glaube das dies von ihrer Familie auch so gesehen wurde, sie wurde mit allem versorgt, musste nie Hunger leiden, aber sie war auch das Kind, dessen Eltern, die Erwartungen nicht erfüllten, das Kind das aneckte und sich nur widerwillig den Regeln beugte. Deborah liest verbotene Bücher zu denen Anne of Green Gables , Stolz und Vorurteil oder Mathilda gehören, Bücher aus denen sie im Endeffekt ihre Kraft zieht.
Als sie mit 17 Jahren mit Eri verheiratet wird, erhofft sie sich ein besseres Leben. Nach sehr schwierigen Startbedingungen in die Ehe ( die jungen Leute haben keinerlei Ahnung was in der Hochzeitsnacht auf sie zukommt) scheint sich diese Hoffnung nach einem Umzug zu erfüllen, Deborah macht den Führerschein und sie beginnt ein Studium. Und je mehr sie lernt und je mehr sie das Leben kennenlernt, desto mehr hinterfragt sie, bis sie die Kraft findet sich von ihrem Mann zu trennen und ein neues Leben zu beginnen.

Ich weiß nicht, wie viel bei der Übersetzung des Buches verloren ging, vieles wurde mir nicht genau genug erklärt, ich hatte häufig das Gefühl, das nur Deborah ihr Leben hinterfragte, allen anderen schien der Weg den ihr Leben nimmt als vorgezeichnet und unabänderlich zu sein.
Etwas das ich mir nicht vorstellen kann, schließlich lebte Deborah nicht irgendwann im 18. oder 19. Jahrhundert sondern im jetzt und heute.
Auch hätte ich mir einen Blick von außen auf die Gemeinde gewünscht, wie sehen andere das Leben der Juden in Williamsburg, wie kann es sein, das schon von vornherein klar zu sein scheint, das eine Frau die ihren Mann verlässt auch automatisch das Sorgerecht für ihr Kind verliert? Deborah konnte das abwenden, aber wie genau wird leider nicht beschrieben.
Deborah Feldmans Schreibstil ist anfangs etwas Gewöhnungsbedürftig, sie schreibt als würde sie ihrem Gegenüber ihre Geschichte erzählen, so das ich ganz nah bei ihr war, viele ihrer Schilderungen gingen mir persönlich sehr nah.
Alles in Allem gebe ich für das Buch eine Leseempfehlung und werde sicherlich auch das zweite Buch der Autorin lesen.

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  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (19. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442715342
  • ISBN-13: 978-3442715343
  • Originaltitel: Unorthodox





Donnerstag, 17. August 2017

Immerstill von Roman Klementovic

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Inhalt: Seit Lisa von ihrem Heimatdorf Grundendorf nach Wien gezogen ist, hat sie den Kontakt zu ihrem Vater und ihrer kleinen Schwester Maria, fast völlig verloren, erst als sie die Nachricht erhält das Maria verschwunden ist, kehrt sie zurück und erfährt das nicht nur Maria sondern auch ihre beste Freundin Nathalie vermisst wird.  Im Dorf werden Erinnerungen wach, denn vor genau drei Jahren verschwanden schon einmal zwei Jugendliche, die nie gefunden wurden.

Meine Meinung:
Intensiv beschreibt der Autor die bedrückende Atmosphäre in Lisas Elternhaus, die Lethargie in die ihr Vater schon nach dem Tod seiner Frau verfallen war und die sich nun nach dem verschwinden der Tochter noch verstärkt, er scheint kaum interessiert daran seine Tochter zu finden. intensiviert wird diese Stimmung noch durch den Erzählstil, Lisa erzählt die Geschichte, wir können an jedem ihrer Gedankengänge teilhaben, ihre Sorgen und ihre Ängste bekommen wir hautnah mit.Dadurch wird eine Spannung aufgebaut, die zum immer weiterlesen zwingt. Im Laufe der Story, erfahren wir mehr über Lisa, über ihre Beweggründe nach Wien zu gehen und ihren Freund Patrick zu verlassen, ihr Leben als Galeristin und über ihren Freund Tom. Diese Informationen lockern die Handlung etwas auf und vielleicht erklären sie ein wenig den Umstand, das Lisa nicht beharrlicher den Kontakt zu ihrer Familie aufrecht erhalten hat.
Durch das gesamte Buch hindurch stellt sich natürlich die Frage, wer für das Verschwinden der Jugendlichen verantwortlich ist, irgendwann hatte ich jeden in Verdacht, der Autor präsentiert seine Protagonisten allerdings auch in einem sehr schlechten Licht, hinter fast jedem Dorfbewohner den er vorstellt, steckt ein dunkles Geheimnis oder sie sind so unsympathisch dargestellt, das ich ihnen alles zutraute, das war vielleicht ein bisschen viel des Guten. Es ging soweit, dass ich auch hinter den wenigen sympathischen, den oder die Täter vermutete. Auf die wahren Hintergründe, beider Entführungen war ich allerdings nicht im geringsten gefasst, die Auflösung und auch das Ende des Buches haben mich wirklich überrascht.
Ich vergebe für Immerstill eine Leseempfehlung und freue mich auf das nächste Buch des Autors.

Mit einem KLICK kommt ihr zu meiner Rezension von Verspielt und mit einem Klick auf das Cover gelangt ihr direkt zur Verlagsseite.

  • Taschenbuch: 309 Seiten
  • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 3., 2016 (3. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839218888
  • ISBN-13: 978-3839218884
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 18 Jahren
  • Größe und/oder Gewicht: 11,8 x 3 x 19,8 cm

Dienstag, 15. August 2017

Alternativen von Leif Tewes

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Inhalt:
Nachdem Thomas auf dem Nachhauseweg von Asylbewerbern überfallen wird, überredet ihn seine Freundin Marion, keine Anzeige zu erstatten. Die junge Frau arbeitet aktiv in der Flüchtlingshilfe und befürchtet einen Shitstorm, wenn der Vorfall Public wird. Doch in Thomas wächst die Angst und so lässt er sich von einem Arbeitskollegen überreden, die Bürgerversammlung der neuen Partei "Die besseren Deutschen" zu besuchen und lässt sich vorerst anstecken von der Vision eines sicheren Deutschlands. Schnell steigt er in der Partei zum Referenten für Berlin auf Ein Terroranschlag in Frankfurt der dem IS zugeschrieben wird, öffnet ihm die Augen,denn Thomas kennt die wahren Hintergründe.
Desweiteren lernen wir Farim kennen, einen jungen Tunesier, der von einem besseren Leben träumt und dem dafür jedes Mittel recht ist und Alex, Marions Bruder, der keine Demonstration gegen Rechts versäumt und den besseren Deutschen ein Dorn im Auge ist.

Zitat: U2 Sunday,bloody,sunday

*I can't believe the news today 
Oh, I can't close my eyes 
And make it go away*


Meine Meinung:
Ich weiß nicht wirklich, wie ich meine Eindrucke beschreiben schreiben soll, kein Wort kann auch nur annähernd meine Emotionen während des Lesens beschreiben, meine Wut und meine Angst. Es wäre viel einfacher, würde es sich um eine vollkommen fiktive Geschichte handeln, wüsste ich nicht, das all das, was Leif Tewes in seinem Buch beschreibt, erschreckende Realität ist.
Eingebettet in diese Handlung ermittelt Kommissar Berg gemeinsam mit seinem Team in einem vermeintlichen Mordfall, der Spediteur Friedrich Keller, Parteimitglied der dbD, rast nach einer Bürgerversammlung frontal gegen einen Baum. Wie auch schon in Blutzucker, besticht Berg durch seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden und durch seine Menschlichkeit, die ihn durchaus auch schon mal in Schwierigkeiten bringen.
Natürlich gibt es mittlerweile unzählige Bücher zum Thema Rechtsradikalismus in Deutschland, die allerdings meist mit erhobenem Zeigefinger versuchen die Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Genau diese Art von fehlender Belehrung ist es, was Leif Tewes Buch so besonders macht. Er erzählt die Geschichte von Thomas, einem ganz normalen Mann aus der Mittelschicht, gebildet mit einem guten Job, einer netten Freundin und mit  Angst vor der Zukunft. Und diese Angst ist es, die ihn in die Arme der besseren Deutschen treibt, er lässt sich mitreißen von der Propaganda der Parteiführer, von den Versprechungen auf eine gute und sichere Zukunft, bis der Blick hinter die Kulissen ihn eines Besseren belehrt.
Jetzt könnte man sagen: ist ja klar, dass ein gebildeter Mensch irgendwann merkt, das Nationalsozialismus nicht die Lösung für die Probleme eines Landes ist, dass es nicht damit getan ist, Menschen die Hilfe benötigen an den Grenzen abzuweisen und wieder in ihre zerstörten Heimatländer zu schicken.
Nur sind es gerade die von denen man denken sollte, sie wüssten es besser, die den Hass mit geschickter Rhetorik schüren, die von oben die Fäden ziehen und mit haltlosen Versprechen diejenigen an die Wahlurnen locken, die sich zurecht vergessen fühlen von den Politikern, die zwar versprechen alles in ihrer Macht stehende zu tun, damit es Deutschland gut und besser geht, damit aber nicht den einzelnen Menschen meinen sondern doch eher nur die Wirtschaft. 
Thomas hatte meiner Meinung nach das Glück, nicht nur über einen gesunden Menschenverstand zu verfügen sondern auch seine Freundin Marion an seiner Seite zu haben, die im immer wieder vor Augen führt, dass die Menschen nach Deutschland kommen, die Hilfe brauchen, deren Leben in Gefahr ist und das davon die wenigsten Straftäter oder gar Terroristen sind.
Terroristen: Das Stichwort um von Thomas auf Farim zu kommen, dem jungen Tunesier der in Wolfsburg aufgewachsen ist, mit Religion nichts am Hut hat und sich doch radikalisieren lässt. Farim ließ sich verführen von der Aussicht auf sehr viel Geld. Er nimmt die Ausbildung zum Dschihad in Kauf, auch er ist einer derjenigen die sich Vergessen vorkommen, abgehängt von der GesellschaftEr nimmt die Ausbildung zum Dschihad in Kauf, weil auch er einer ist, der sich vergessen und von der Gesellschaft abghängt fühlt. Hier zeigt Leif Tewes die verschiedenen Beweggründe auf, die Menschen zum Islamismus bringen, ist es bei Farim die Aussicht auf Geld, so lässt sich der junge Achmed von Farim mit der Aussicht auf das Paradies zum Terrorismus verführen.
Alternativen, ließ (lässt) mich sprachlos zurück, entsetzt, schockiert und auch traurig. Vor allem ließ es mich nachdenklich zurück, es ist nicht alles schwarz oder weiß, das Leben hat viele Schattierungen und wir alle sollten versuchen uns so gut wie es uns möglich ist zu informieren. 
Und zum Schluß noch ein persönliches Anliegen von mir: Lest dieses Buch. Jetzt! Sofort!
Es wird euer Leben nicht verändern, es wird die Welt nicht ändern und sicherlich wird das Geschriebene nicht die zur Vernunft bringen, die dieses Land zu einem schlechtern Land machen wollen, aber es wird vielleicht den einen oder anderen dazu bringen, nicht aufzugeben im Kampf gegen Rechts und gegen Terror.


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Mit einem Klick auf das Cover, könnt ihr euch über den Autor und sein Werk informieren.

Weitere Stimmen zum Buch:
Cat Loves Books schreibt:
Ohne aufzubauschen, ist der Roman sehr spannend und Thomas ein Protagonist, mit dem man sich gut identifizieren kann.

Chrissi von der bunten Lesecouch meint:
Dieser Roman lebt von der Realität, die diese Geschichte an den Tag legt. 

Sebastian von stuffed-shelves sagt über das Buch :
Mit »Alternativen« präsentiert Leif Tewes den richtigen Roman zur richtigen Zeit.

Marie vom Blog Die Vielleiserin meint
Was ich wähle? Ganz einfach, eine Gesellschaft in der jeder willkommen ist.

Kerstin aus der Kartenwerkstatt hat folgende Meinung zu dem Buch
Es ist ein sozialpolitisch kritisches Buch und trifft die aktuelle Situation auf den Punkt.


  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: Größenwahn Verlag; Auflage: 1 (3. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3957711622
  • ISBN-13: 978-3957711625


Samstag, 12. August 2017

Longmire von Craig Johnson

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Inhalt: Als Walt Longmire die Meldung bekommt das eine Leiche entdeckt wurde, hält er das zunächst für einen schlechten Scherz und schickt seine Mitarbeiterin Vic, zum Fundort von was auch immer, nur leider stellt sich heraus, es gibt diese Leiche tatsächlich. Cody Pritchard wurde in der Nähe des Indianerreservats erschossen. Jagdunfall oder Mord? Cody hatte vor einigen Jahren die Cheyenne Melissa, gemeinsam mit einigen Kumpanen, brutal vergewaltigt und gefoltert.

Meine Meinung:
Staubige Straßen, weite Landschaften, einsame Helden mit weißen Hüten und die Bösewichte in schwarz, das waren die Western meiner Kindheit und die kannte ich auch nur aus Groschenromanen in denen die Helden zumindest in meiner Erinnerung immer Heldenhaft waren.
Walt Longmire ist anders, übergewichtig und immer noch voller Trauer über den Tod seiner Frau, kehrt er Abend für Abend in das halbfertige Haus zurück, in dem er den Rest seines Lebens mit seiner Frau verbringen wollte und in dem er nun zwischen Umzugskartons lebt. Jetzt könnte man denken, wieder so ein verkorkster Ermittler, dessen Privatleben die Arbeit beeinflusst, aber dem ist nicht so, Longmire ist einer der besten und sympathischsten Sheriffs die mir in meinem Leserleben untergekommen sind, man muss ihn einfach mögen.
Der 1961 geborene Autor Craig Johnson vermochte es die Landschaft Wyomings vor meinem inneren Augen entstehen zu lassen, die Berge die sich Longmire in Vietman geschworen hatte täglich anzusehen wenn er wieder nach Hause kommt, waren zum Greifen nah.
Johnson lässt es gemächlich angehen, er stellt seine Protagonisten vor und lässt sie quasi nebenher in dem Mord ermitteln, bis er gegen Ende an Tempo zulegt. Das Buch wird allerdings trotz der eher ruhigen Erzählweise niemals langweilig, im Gegenteil, ich habe mich sehr wohl gefühlt in Absaroka County, mit seinen skurrilen Menschen, ich habe wirklich mit ihnen gefühlt. Und mir ist wirklich etwas passiert, worauf ich bei Krimis absolut keinen Wert lege, ich habe gelacht, nicht durchgehend natürlich, aber so manche Situation oder Unterhaltung war wirklich amüsant und hier muss sicherlich dem Übersetzer ein großes Lob ausgesprochen werden, er hat einen fantastischen Job gemacht.


Ich gebe für Longmire von Craig Johnson eine absolute Leseempfehlung, er hat es geschafft die Atmosphäre eines klassischen Westerns in die heutige Zeit zu transportieren, er hat gezeigt das Freundschaft  ohne viele Worten sondern von Taten lebt. Ich bin gelinde gesagt, hin und weg und freue mich auf die nächste Begegnung mit Walt Longmire.


Mit einem Klick auf das Cover kommt ihr direkt zum Festa Verlag, wenn ihr euch traut, denn Lesen kann zur Mutprobe werden.

Hier findet ihr noch mehr begeisterte Leserstimmen:

stuffed-shelves
pm-thinks


  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Festa Verlag (27. Juli 2017)
  • Originaltitel: The Cold Dish
  • Übersetzer: Patrick Baumann
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865525504
  • ISBN-13: 978-3865525505


Donnerstag, 10. August 2017

Das Mädchen das schwieg von Trude Teige

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Inhalt: Die Journalistin Kajsa lebt mit ihrem Mann Karsten und ihren 3 Kindern auf einer kleinen Insel vor der Küste Norwegens. Kajsa hat sich eine Auszeit genommen und Karsten kuriert seine Verletzungen aus, die er als Polizist während eines Einsatzes erlitten hat, diese Verletzungen sind nicht nur körperlich, Karsten hadert sehr mit seinem Schicksal und belastet damit seine Ehe bis an die Grenze des erträglichen. Als eine Frau ermordet aufgefunden wird, nimmt Kajsa den Auftrag einer Zeitung an über den Fall zu berichten. Kurz darauf verschwindet ein junges Mädchen spurlos.

Meine Meinung:
Die Autorin Trude Teige  verwebt geschickt Begebenheiten aus der Vergangenheit mit den Taten und Beweggründen ihrer Protagonisten in der Gegenwart. Sissel, die ermordete junge Frau war nicht das erste Opfer, im Jahr zuvor wurde ihr Vater der Prediger Peder tot und misshandelt aufgefunden, der Mörder wurde nie gefasst und Sissel konnte oder wollte nicht viel zur Aufklärung beitragen und da sie nur schriftlich kommunizierte, gestalteten sich die Befragungen sehr schwierig. Die vielen verschieden Themen die die Autorin aufgreift, machen es mir gerade schwer, nicht zu viel zu verraten, denn die vielen verwobenen Handlungstränge aufzulösen bedeutet gleichzeitig, Verdächtige auszuschließen, Hinweise zu geben die zwangsläufig den Täter verraten. Im nachhinein war es vielleicht etwas viel des Guten, während des Lesens allerdings machten mir die vielen Tatverdächtigen großen Spaß, immer wenn ich dachte *Der wars* kam bald ein Indiz zu Tage, das ihn wieder komplett ausschloss.

Das Mädchen das schwieg, ist der zweite Fall in dem die Journalistin Kajsa ermittelt und so findet man in dem Buch einige Verweise auf die früheren Geschehnisse, das gefiel mir ganz gut, so hatte ich ein etwas besseres Bild der Protagonisten Kajsa und Karsten vor Augen, ich konnte mich gut in ihre Situation hineinversetzen, in Kajsas Verzweiflung, ihren Mann, der in Selbstmitleid und Selbstaufgabe zerfließt und die damit an ihrer Ehe zweifelt und in Karsten, der durch den Fall den nötigen Antrieb wieder findet, aus der beginnenden Depression herauszufinden.

Das Mädchen das schwieg, bekommt von mir eine Leseempfehlung.
Mit einem Klick auf das Cover seid ihr wie immer direkt auf der Verlagsseite.

Trude Teige, Jahrgang 1960, war Journalistin und gehört zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen Norwegens. Im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane „Totensommer“ und „Das Mädchen, das schwieg“ lieferbar.


  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Übersetzung: Andreas Brunstermann
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (14. Juli 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746632919
  • ISBN-13: 978-3746632919
  • Originaltitel: Jenta som sluttet å snakke

Mittwoch, 2. August 2017

Heartware von Jenny-Mai Nuyen

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Inhalt:
In einem bolivianischen Bootcamp für schwererziehbare Jugendliche, lernt Adam Eli, Willenya kennen und lieben. Nach ihrer Flucht aus dem Camp werden sie bei einem Einbruch erwischt und Willenya lässt Adam im Stich. Er verbringt 2 harte Jahre in einem bolivianischen Gefängnis.
Jahre nach seiner Rückkehr, hört er das erste Mal wieder etwas von Willenya, ihm wird die Aufzeichnung einer Therapiesitzung zugespielt mit dem Versprechen mehr zu erfahren wenn er sich auf die Suche nach Will macht, die den Prototyp einer künstlichen Intelligenz gestohlen haben soll.

Meine Meinung:
ich hätte das Buch nach den ersten Seiten fast wieder an die Seite gelegt. Der erste Satz des Klappentextes lautet: Adam Eli hat seine Chance genutzt: Er ist erfolgreicher Ghostwriter, tut alles, um seine kriminelle Jugend vergessen zu machen.
Adams Arbeit in der Gegenwart besteht darin, Bacheleorarbeiten und dergleichen für andere zu schreiben, das ist nicht minder kriminell als Medikamente verticken und Einbruch.
Aber nun gut, ich wollte doch wissen wie es weiter geht. Und das Buch konnte mich definitiv überzeugen, die Autorin konnte die Spannung zwar nicht immer halten, aber dies glich sie durch die Beschreibung der Charaktere wieder aus, immer wieder erzählt sie von den einzelnen Personen, so das ich immer mehr wissen wollte und unbedingt erfahren musste wie alles zusammenhängt, ob Adam Willenya noch liebt oder ob er nur einem längst vergangenen Traum nachjagt und nur noch erfahren kann warum sie ihn im Stich ließ. Jenny-Mai Nuygen verwebt die Schicksale vieler Charaktere miteinander und man muss sehr aufpassen und konzentriert lesen um nicht den Überblick zu verlieren, ich werte das als Pluspunkt, seichte Literatur die ohne größere Anstrengung zu lesen ist gibt es genug und seicht ist das Buch nicht, es beschäftigt sich mit einem Thema, dass schon seit langem ein kleiner Menschheitstraum ist: Künstliche Intelligenzen, ein Thema, über dass man sicher endlos diskutieren kann und das diesem Buch eine von mir so nicht erwartete Tiefgründigkeit verleiht. Mit kleinen Abzügen, wegen der erwähnten Längen und dem meiner Meinung nach nicht stimmigen Klappentext, halte ich das Buch für wirklich lesenswert.

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  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (21. Juli 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499267071
  • ISBN-13: 978-3499267079