Freitag, 28. August 2020

Falsch erzogen von Mona Krassu

Solveig ist in den Augen ihrer Mutter und der Lehrer ein schwieriges Kind, sie hinterfragt was sie nicht versteht und macht sich ihre eigenen Gedanken, die sie auch ausspricht, das ist in der DDR nicht erwünscht. Ihre schwierige Familiensituation, ihr Vater ist ein Trinker, ihre Mutter zieht die kleine Schwester Susanne, vor in der Hoffnung das dieses Kind mit dem Regime konform geht, tut ihr Übriges. Als Solveig die Schauspielerin Eleonore Sattler kennenlernt, mit der sie die Liebe zu der Dichterin Eva Strittmatter teilt, entdeckt auch das junge Mädchen ihre Leidenschaft für die Schauspielerei.

*Falsch erzogen* ist ein bewegender Roman, dadurch das er in der Ich-Form geschrieben ist, kommen wir Solveig recht nah, der Leser begleitet sie von der frühen Kindheit bis zum Fall der Mauer.
Durch diese Erzählform bleibt aber auch einiges auf der Strecke. Solveig deutet viel nur an, weil sie es auch nicht wissen kann, ihrem jeweiligen Alter entsprechend, woher soll ein Grundschulkind auch wissen was die Stasi ist, was sie Nachbarn oder auch Familie erzählen darf, ohne diese in Gefahr zu bringen.
Für Leser, die die Verhältnisse in der DDR noch miterleben mussten, mögen die Andeutungen auf die Konsequenzen die Fehlverhalten mit sich bringen konnte, sofort verständlich sein, ich musste mir dann doch immer wieder bewusst machen , das Drüben, wie wir hier im Westen die DDR nannten, schon ein unbedachtes Wort Folgen haben konnte.
Sie fragt z. B. in der Schule nach was denn ein *Republikfluch* sei, ein Wort das sie nur flüchtig in Papieren ihres Stiefvaters lesen konnte. Prompt werden ihre Eltern in die Schule zitiert.

Solveig leidet sehr unter der Trennung ihrer Eltern und lehnt den Stiefvater Hartmut rigoros ab, ohne ihm auch nur den Ansatz einer Chance gibt, obwohl er sich gerade zu Anfang um sie bemüht.
Von ihren Eltern wird sie wieder und wieder enttäuscht, niemand steht wirklich hinter dem Kind, die die sie verstehen könnten, müssen selber vorsichtig sein und verdächtigen Solveig alles was sie hört an ihren Stiefvater weiterzutragen, hier kommt wieder zum Tragen, das vieles nicht ausgesprochen wird, ich vermutete nur das Hartmut für die Stasi arbeitet. Ich hätte mir oft mehr klare Aussagen gewünscht. Auch der erschreckendste Aspekt des Buches wird zunächst nur angedeutet, Solveig wird auf Betreiben ihres Stiefvaters in eine Einrichtung gesperrt, in der Frauen und Mädchen gedemütigt und misshandelt werden, um sie auf Spur zu bringen, was genau dort mit ihnen geschieht, erfährt der Leser erst am Ende des Buches als sie mithilfe eines Freundes vom Theater dieses traumatische Erlebnis wenigstens teilweise aufarbeiten kann.
Ebenso hätte ich mir gewünscht, mehr über die weiteren Protagonisten zu erfahren. Warum streiten sich Solveigs Eltern andauernd, warum spielt Eleonore Sattler nicht mehr am Theater? Welche Rolle spielt Hartmut in der Stasi? Über diese Fragen konnte ich zum Großteil nur spekulieren und dadurch blieben die Personen leider etwas blass.
Nichtsdestotrotz, habe ich *Falsch erzogen* gern gelesen. Mona Krassu ermöglichte mir einen kleinen Einblick in das Leben eines einzelnen Menschen in der ehemaligen DDR.
Bei Lesern die die damaligen Zustände hautnah erlebt haben, weckt dieses Buch sicherlich sehr unangenehme Erinnerungen.

  • Broschiert : 494 Seiten
  • ISBN-10 : 3948887055
  • ISBN-13 : 978-3948887056
  • Herausgeber : Edition Outbird; 1. Auflage (15. August 2020)



Mittwoch, 26. August 2020

Schauer der Vorwelt von Tobias Bachmann

Markus K. Korb, sagt über Schauer der Vorwelt:

"Bachmanns Erzählungen gleichen dunkel-schimmernden Perlen, in deren Kern ein nebulöser Inhalt verborgen ist."

Und damit hat er die Atmosphäre, die beim Lesen unweigerlich entsteht sehr gut beschrieben, man begreift ihn nicht sofort den Kern der Geschichte, er bleibt oft im verborgenen und doch zieht jede Einzelne den Leser unweigerlich in ihren Bann. So ging es auf jeden Fall mir. Ich muss gestehen, ich habe nicht jede Geschichte auf Anhieb verstanden und musste die eine oder andere zweimal lesen, auch bin ich nicht so sehr mit H.P. Lovecraft vertraut, um mich auf Anhieb zurechtzufinden, in Bachmanns Welt, die wie er selber schreibt Besuche bei H.P.Lovecraft sind.

Die dreizehn Kurzgeschichten wurden teilweise schon in anderen Anthologien veröffentlicht, also nicht wundern, wenn euch die eine oder andere bekannt vorkommt, so ging es mir auch, auch wenn die Erinnerung daran schon etwas verblasst war.

Fast jede der Geschichten ließ kalte Schauer über meinen Rücken fließen, die Schauer der Vorwelt, als würden Tentakeln aus der Urzeit nach mir greifen.

Nein, ich habe keine Ahnung, ob ich den Titel richtig interpretiere, sind die Schauer die Überreste der Vorwelt, die sich gehalten haben in verschiedenen Bereichen der Erde? In Arkham, in Gronn, im Hotel De Profundis in Sagunth?

Haben sich die Wesen in den Gemäuern und Menschen manifestiert und sind sie auf der Suche nach neuem Futter um aufs Neue zu erstarken und sich auf der Welt auszubreiten und erneut zu bevölkern?

Ich weiß es nicht und ich habe vor allem keine Ahnung, ob meine Spekulationen auch nur eine dünne Grundlage haben.
Aber wenn ich ehrlich bin, das ist mir auch egal, für mich passt meine Erklärung und ich fühle mich wohl dabei.
Bestärkt in meiner Vermutung hat mich die Geschichte:

De Profundis, in der der Protagonist Biederstedt sich mit einem Autor treffen will und während er auf den Termin wartet in einem Hotel lebt, das ihn im wahrsten Sinne des Wortes während seiner Träume in seinen Bann zieht.Aber sind es nur Träume die ihn heimsuchen?

Oder

Ohne Ende, in der ein Sturm Wesen freisetzt, die direkt aus der Hölle entsprungen scheinen.

Schauer der Vorwelt ist ein Buch, dass mich noch lange beschäftigen wird.

Tobias Bachmann macht es seinen Lesern nicht leicht, er fordert sie und das ist gut so, wenn man wie ich auch gern mal anspruchsvolleres lesen möchte, das trotzdem gut unterhält ist diese Anthologie genau richtig.






Über den Autor:
Autor

Tobias Bachmann wurde 1977 in Erlangen geboren und lebt seit 2009 mit seiner Familie in einer kleinen Ortschaft im Fränkischen Seenland. Seit 1998 veröffentlichte er weit über fünfzig Erzählungen und zehn Romane, darunter "Dagons Erben", der als bester deutschsprachiger Horrorroman 2009 mit dem Vincent Preis ausgezeichnet wurde. Seine Erzählung "Die letzte Telefonzelle" wurde 2011 für den Deutschen SF-Preis nominiert, sein Buch "Liebesgrüße aus Arkham" erhielt 2017 den Vincent Preis als beste Storysammlung.

Schauer der Vorwelt ist als Privatdruck im KOVD-Verlag erschienen, dort könnt ihr das Buch direkt bestellen, das E-Book kann auch bei bei anderen Anbietern heruntergeladen werden.

Autor:Tobias Bachmann
Genre:Horror
Seitenanzahl:368
Umschlag:HardcoverFormat:13,5 x 21,5cm
Artwork:Erik R. Andara
Innenillustrationen:Sascha Lubenow
ISBN:Privatdruck!





Samstag, 22. August 2020

Jägerin und Sammlerin von Lana Lux

Lana Lux erzählt vom Schmerz der Kinder, vom Schmerz der Mütter, vom Schmerz, die Heimat zu verlieren – so leicht, so tief, so aufregend, dass es einen glücklich macht. Ihre Literatur ist das, was Deutschland jetzt so dringend braucht.« Anna Prizkau

Alisa ist zwei Jahre alt, als sie mit ihren Eltern die Ukraine verlässt, um nach Deutschland zu ziehen. Aber das Glück lässt auch im neuen Land auf sich warten: Alisas schöne Mutter ist weiter unzufrieden, möchte mehr, als der viel ältere Vater ihr bieten kann. Die Tochter, die sich so sehr um ihre Liebe bemüht, bleibt ihr fremd. 15 Jahre später ist Alisa eine einsame junge Frau, die mit Bulimie und Binge-Eating kämpft. Mia, wie sie ihre Krankheit nennt, ist immer bei ihr und dominiert sie zunehmend …
Lana Lux erzählt hellwach und mit großer Intensität von Mutter und Tochter, die – so unterschiedlich sie sind – gefangen sind im Alptraum einer gemeinsamen Geschichte.

Triggerwarnung.
Wer kennt ihn nicht: 
Diesen kritischen Blick in den Spiegel.
Bin ich zu fett?
Und seltsamerweise beantwortet fast jede Frau diese Frage mit
Ja
Und aus den verschiedensten Gründen kann diese Antwort dazu führen, dass die betroffene Person in eine Essstörung rutscht, aus der sie ohne Hilfe nicht wieder herausfindet.



Lana Lux erzählt in ihrem neuen Buch, die Geschichte Alisas, deren Eltern vor 15 Jahren mit der damals zweijährigen die Ukraine verließen, um in Deutschland ihren Traum von einem glücklicheren Leben zu erfüllen. 
Alisa ist eine sehr gute Schülerin und steht kurz vor dem Abitur, sie hat mehrere Jobs und Alisa hat Bulimie: Ihr Leben dreht sich um Essen und um ihren Körper, den sie immer für zu fett hält.
Wäre sie erst einmal dünn, ihre Mutter würde sie sicher lieben, diesem Trugschluss erliegt die junge Frau und kann so der Spirale aus Fressattacken und Erbrechen nicht entkommen.
In einer Klinik wird ihr als Therapieansatz geraten ihre Geschichte aufzuschreiben und so erfahren wir von dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter und haben schon bald eine Schuldige gefunden. Tanya ihre Mutter.
 Die Autorin hat, wie schon in ihrem ersten Roman Kukolka, ein Thema aufgegriffen, das berührt und entsetzt, das seine Leser gefangen nimmt und nicht wieder loslässt.Es liegt aber nicht nur am Thema Bulimie, der Schreibstil der Autorin macht auch dieses Buch wieder zu etwas besonderem, sie schreibt mit leichter Hand über ein Thema das erschüttert, als Leser bekommt man hautnah mit wie Alisa in die Bulimie abrutscht.Alisa ist so unendlich traurig und unglücklich, das es fast körperlich beim Lesen schmerzt, man will ihr die Hand reichen und trösten. Doch leider kann man nur hilflos zusehen.
Weder das Buch zu lesen noch darüber zu schreiben ist einfach und das sogar, wenn man nicht betroffen ist, wie schmerzhaft muss es dann erst für Menschen sein, die betroffen sind, die genau nachvollziehen können was mit Alisa und ihre Mutter Tanya geschehen ist um diese Entwicklung heraufzubeschwören?
Jägerin und Sammlerin wirkt noch lange nach.

  • Gebundene Ausgabe : 304 Seiten
  • ISBN-10 : 3351037988
  • ISBN-13 : 978-3351037987
  • Größe und/oder Gewicht : 12.5 x 3 x 21.5 cm
  • Herausgeber : Aufbau Verlag; 1. Auflage (10. März 2020)
  • Sprache: : Deutsch


Donnerstag, 20. August 2020

Bluthölle von Chris Carter


Angela Wood verdient ihren Lebensunterhalt als Taschendiebin, als sie nach einem Raubzug in einer Bar ihre Beute zählt, wird sie Zeugin wie Unbekannter einen anderen unhöflich behandelt, spontan beschließt sie dem Unbekannten eine Lektion zu erteilen und stiehlt ihm eine Tasche, die nur ein Tagebuch enthält.

Dr. Susan Slater Mitarbeiterin des Kriminallabors bekommt dieses Tagebuch zugespielt, in dem ausführlich die Morde an 16 Menschen beschrieben werden zu jeder Beschreibung gibt es ein Foto und GPS Koordinaten der Orte an denen die Leichen zu finden sind.

Durch dieses Tagebuch kommen Garcia und Hunter einem Serienkiller auf die Spur, der bisher vollkommen im Verborgenen agierte und der ihnen immer einen Schritt voraus ist. Das Ermittlerduo muss in ihrem elften Fall nicht nur einen Serienkiller stoppen, sie müssen Angela vor ihm schützen, denn der Killer verkündet, jeden töten zu wollen der von dem Tagebuch weiß.

Bluthölle ist der mittlerweile elfte Band der Thrillerreihe um Robert Hunter und Carlos Garcia und obwohl man denken könnte, das kaum noch eine Steigerung möglich ist, nicht umsonst heißt es:
Hart,Härter, Carter
Doch weit gefehlt, in Bluthölle treffen Hunter und Garcia auf einen Gegner der ihnen auf absoluter Augenhöhe begegnet. Intelligent und planvoll macht er scheinbar keine Fehler.
Außerdem ist da noch Angela, die nicht nur Sympathien bei den Lesern weckt, auch Hunter scheint eine besondere Beziehung zu ihr zu entwickeln.
Zum Schreibstil des Autors muss ich nichts weiter sagen, jeder der Carter kennt, weiß das er es wie kein zweiter schafft den Spannungsbogen bis zum Schluss fast kontinuierlich hochzuhalten, die ausführliche Beschreibung der Tötungsarten ist wie immer nichts für schwache Nerven.
Und doch ist Bluthölle etwas anders als die Vorgängerbände, ich kann nicht genau benennen woran es lag, vielleicht an Angela, die eine große Rolle in der Story spielt und wie ein exotisches Gewürz in der Suppe, eine etwas andere Note in die Geschichte bringt.
Aber natürlich liegt das Hauptaugenmerk wieder auf dem psychopathischen Killer, der noch einmal zeigt wie tief und schwarz die Abgründe der menschlichen Seele sein können.
Und wieder einmal ist ein Chris Carter der Garant für schlaflose Nächte und vielleicht für den einen oder anderen unruhige Träume.

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch; Auflage: 1. (3. August 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548291929
  • ISBN-13: 978-3548291925
  • Originaltitel: Written in Blood
  • Übersetzer: Sybille Uplegger 

Dienstag, 18. August 2020

Schattenkind von Eva Lirot


Klappentext:
An der Nordküste Cornwalls spukt es, wenn man den Küstenbewohnern glaubt. Menschen sind verschwunden, geholt vom fahlen Seemann, der dazu verdammt ist über die Meere zu fahren, bis ihn jemand aus seiner Einsamkeit erlöst. Luna Walker, eine junge Frau aus London, hält nichts von dieser Sagengestalt. Sie hat das Häuschen ihrer Tante geerbt und möchte an der Küste Fuß fassen, sich aus der versnobten Londoner Gesellschaft lösen.
Robert Byrne, der aus der Gegend stammt, aber längst nicht mehr dort lebt, belächelt den Aberglauben der Küstenbewohner ebenfalls. Er ist nur zurück, um endlich sein Elternhaus zu verkaufen. Zu viele schlechte Erinnerungen lasten auf dem schlossähnlichen Gebäude oben auf den Klippen. Erinnerungen an die Familie, die Byrne dort verlor. Er und Luna begegnen sich im Pub. Die junge Frau macht Eindruck auf Byrne. Doch dann geschieht etwas, was niemals geschehen dürfte ...


Ein neues Buch von Eva Lirot, auf das ich mich genau wie auf die vorigen sehr gefreut hatte. Es soll anders sein, hatte ich gehört, anders als das was ich bisher von der Autorin gewohnt war. Der Klappentext deutet es ja schon an, bei Schattenkind wird es sich um eine etwas emotionalere Geschichte handeln, oder geht sie doch eher ins Mystische?

Ich muss zugeben, mit dem, was ich dann bekam, hatte ich so nicht gerechnet.

Eva Lirot führt ihre Leser an die Küste Cornwalls, sie lässt sie den Wind und die Wellen spüren und die unvergleichliche Schönheit dieser Region vor dem inneren Auge entstehen und amüsiert las ich von dem Aberglauben der Menschen, an den ich genau wie Luna die Hauptprotagonistin nicht so recht zu glauben vermochte. Ein fahler Seemann der über die Weltmeere fahren muss bis jemand ihn aus seiner Einsamkeit befreit.

Doch wenn es ihn nicht gibt, wer ist, dann der Spieler der nur Nachts seine Behausung verlässt und die Menschen meidet und der ein schreckliches Geheimnis zu haben scheint.

Ist er der fahle Seemann?

Luna zu beschreiben fällt mir etwas schwer, zunächst erschien sie mir etwas seltsam, ihre Ausdrucksweise eher kindlich trotzig, sie spricht von Windwesen und verheimlicht ihrer Familie das sie nicht auf Weltreise ist, sondern sich im Haus ihrer verstorbenen Tante Mae aufhält.

Als Robert Byrne auftauchte wurde mir ein klein wenig bange, reich, gutaussehend, ein Aussenseiter im Ort und einziger Überlebender seiner Familie. Robert kommt nur sporadisch in das herrschaftliche Familienanwesen zurück, um nach dem Rechten zu schauen, schon lange versucht er das Haus zu verkaufen um endgültig mit seiner Vergangenheit abzuschließen, bislang allerdings ohne Erfolg.

Ach ich habe ja erwähnt, das mir etwas bange wurde, als er auftaucht.

Luna und Robert, das wäre doch die perfekte 08/15 Lovestory, sie ergäben das perfekte Paar: Sie das naive Mädchen, das sich trotz aller Naturliebe auch auf dem Parkett der besseren Gesellschaft zu bewegen weiß und der reiche, geheimnisvolle gutaussehende Außenseiter.

Aber Eva Lirot wäre nicht Eva Lirot wäre es wirklich so gekommen, soviel darf ich verraten, das Geheimnis des Buches wird erst am Ende gelüftet, bis dahin hält sich auch der Spannungsbogen und ich bin wieder einmal begeistert von der Fantasie der Autorin, von ihrer Schreibfreude die man in jedem Satz lesen darf.

Von mir bekommt das Schattenkind eine Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 219 Seiten
  • Verlag: Independently published (15. Juli 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 979-8666253298

Dienstag, 11. August 2020

Wild Pub Galway von Shannon Crowley

Detective Inspector Frederick Dunn hat Urlaub, in dem er eigentlich viel Zeit mit seiner Tochter Shannon verbringen möchte, aber die Pubertät macht seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung, der Haussegen hängt gewaltig schief und Dunn würde viel lieber aufs Revier fahren und seine Vertretung Detective Constable Smith unterstützen, der es neben einem Mord an dem beliebten Allgemeinarzt Aaron Casey, noch mit dem Fall der vermissten 15-jährigen Ellen und einer Stalkerin zu tun hat. Doch trotz aller Selbstzweifel kommt Smith ganz gut allein zurecht. Und dann lernt Dunn die attraktive Georgia Hayes kennen, deren Mann Jeff des Missbrauchs verdächtigt wird.

Normalerweise mag ich es nicht, wenn das Privatleben der Ermittler zu viel Raum in der Story einnimmt, aber es gibt Ausnahmen und die Krimireihe um Frederick Dunn gehört definitiv dazu. Die Autorin Shannon Crowley schafft es ihren Lesern die Protagonisten ihre Sorgen und Freuden nahezubringen ohne das sich das Private zu sehr in den Vordergrund drängt oder gar die Ermittlungen negativ beeinflusst.

Das ist in diesem Fall auch sehr wichtig, da die Fälle nur auf den ersten Blick nichts verbindet, erst als Smith tiefer in Caseys Vergangenheit graben muss um ein Mordmotiv zu finden erkennt auch der Leser Gemeinsamkeiten.

Bis es so weit ist, darf man aber noch miträtseln, wer ein Motiv haben könnte den allseits beliebten Arzt zu ermorden und ob seine Weste wirklich so rein war, wie ein Großteil der Befragten in seinem Umfeld behauptet, denn es gibt auch Ungereimtheiten und es scheint als hätte Casey dunkle Flecken in seiner Vergangenheit.

Die Spannung, die die Autorin aufbaut, beruht auf den Wendungen und dem langsamen Enthüllen aller Fakten, ich musste immer weiter lesen, noch eine Seite und noch eine Seite.

Die Atmosphäre des Krimis ist schwer zu beschreiben, es gibt diese Krimis, die ein mulmiges Gefühl bei mir verursachen, die die Geräusche der Nacht bedrohlich erscheinen lassen, obwohl man ja weiß, dass sie vollkommen normal sind und dann gibt es Krimis wie diesen, die genauso spannend sind und die man kaum aus der Hand legen kann und die keine bedrohlichen Gefühle hervorrufen. Ich lese beide Arten gleich gern.

Und kann jedem der die zweite Variante bevorzugt *Wild Pub Galway* Wärmstens empfehlen.

  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (19. August 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958132154
  • ISBN-13: 978-3958132153

Montag, 10. August 2020

Die Dornen des Bösen von Astrid Korten

Ibsen Bach ist zurück und was soll ich sagen, er hat mich wieder absolut begeistert.

Ich empfehle den 1. Band Die Akte Rosenrote ebenfalls zu lesen, zum einen zum besseren Verständnis zum anderen weil auch der 1. Band absolut lesenswert ist.

Ibsen macht sich auf Bitten General Sorokins auf die Suche nach Leonela, in der festen Überzeugung das die junge Bloggerin, die ihm einst das Leben rettete, noch lebt aber in großer Gefahr ist trotz des Videos, das ihrem Vater zugespielt wurde und auf dem ihre grausame Hinrichtung gezeigt wird.


Gemeinsam mit Pola Kamarow macht er sich auf die Suche nach Leonela. Und diese Suche führt ihn zu einer Pharmazeutischen Firma (Pro Cell) in Berlin zurück in seine eigene Vergangenheit und in die tiefsten und schwärzesten Abgründe der menschlichen Seele.

Ibsens Visionen quälen und führen ihn dabei gleichzeitig und ich war mir nie ganz sicher ob diese Visionen echt sind oder von einem dringend zu behandelnden Tumor herrühren.

In

Die Dornen des Bösen

geht es um Genmanipulation, Umerziehung, Macht und Rache.

Unvorstellbar und doch denkbar, das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich.
Unvorstellbar weil man als denkender, fühlender Mensch nicht will, dass schlimme Dinge geschehen und weil man doch weiß, das die Grausamkeit mancher Menschen vor nichts halt macht.

Und der Leser ist dank des eindringlichen und bildhaften Schreibstils der Autorin immer ganz nah dabei, ich liebe es, wie Astrid Korten es immer wieder schafft eine ganz besondere Atmosphäre zu erschaffen, die mich beim Lesen gefangen nimmt und mich diese Atmosphäre fast körperlich spüren lässt, mittendrin statt nur dabei, trifft es eigentlich ganz gut. Auch dieses Buch der Autorin liest sich nicht locker und leicht weg, es fordert seine Leser, manchmal, ob der Handlung bis an die Grenzen und manchmal sogar über diese hinaus. Wie alle Bücher der Autorin ist also auch Die Dornen des Bösen etwas für die anspruchsvollen Leser des Genres.

Manches in dem Buch ist grausam und kaum erträglich aber die Autorin übertreibt niemals, sie weiß immer was sie ihren Lesern zumuten kann und wo sie eine Grenze ziehen muss.
Die Dornen des Bösen bekommt eine absolute Leseempfehlung von mir und ich freue und erhoffe einen weiteren Fall mit Ibsen Bach.

Samstag, 8. August 2020

Totenwelt von Michael Jensen

©Kieler Nachrichten und Ich
Wenige Tage vor Kriegsende sitzt der Polizist Jens Druwe zwischen allen Stühlen.
Auf der einen Seite die Dönitz – Regierung, die ihn beauftragt eine weitgehend unbelastete Polizei aufzustellen, nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Auf der anderen Seite beauftragt ihn das britische Militär mit der Aufklärung eines Doppelmords.
Es geht drunter und drüber in den letzten Kriegstagen, während das Volk aufgefordert wird, bis zum letzten Atemzug das Reich zu verteidigen, verlassen die Ratten, sprich Nazis, das sinkende Schiff und versuchen mit zusammengerafften Geldern und Kunstwerken das Land zu verlassen.
Und Druwe ist im Besitz einer Liste mit den Namen hochrangiger Nazibonzen und was noch wichtiger ist, diese Liste enthält auch ihre falschen Namen.
Doch wem kann er trauen? 

Nahtlos schließt Totenwelt an den Vorgängerband Totenland an und Jensen schafft es auch dieses Mal, diese besondere Atmosphäre einzufangen, nicht Euphorie und Freude über das nahende Kriegsende beherrschen die Menschen, sondern die Angst vor einer ungewissen Zukunft, Hunger und Elend. Und mittendrin steckt Druwe, der nichts weiter will, als Verbrecher zur Strecke zu bringen und dessen Sinn für Gerechtigkeit seine Karriere und sein Leben schon unter dem Hitlerregime in Gefahr brachte.
Es ist durchaus spannend, diese Zeit quasi hautnah mitzuerleben, denn soweit ich es beurteilen kann hat Michael Jensen hervorragend recherchiert, beim Lesen des ersten Bandes habe ich das eine oder anderen noch nachgeprüft, dieses Mal erlaubte ich mir mich auf die Aussagen des Autors zu verlassen. Leider nahm Michael Jensen auch häufig etwas von der Spannung aus der Geschichte, in dem er Bezug auf Geschehnisse aus dem ersten Band nahm, das sollte sicherlich Lesern, die diesen noch nicht kennen, helfen alles zu verstehen, aber ich bin mir  nicht sicher, ob diese Rückblenden die eher nur Andeutungen waren, wirklich hilfreich sind. Für mich waren sie eher ein Bruch im Lesefluss.
Ich vergebe trotzdem eine Leseempfehlung, denn ich habe auf meist unterhaltsame Weise viel über die Zeit erfahren, die ich nur aus dem Geschichtsunterricht und aus Erzählungen kenne und auch wenn schon so viele Jahre seitdem vergangen sind, erfährt man auch aus fiktionalen Erzählungen viel über diese Zeit, besonders wenn sie so gut recherchiert sind.

#zweiblogseinbuch

Bei Heike vom Blog: Frau Goethe liest, bekommt ihr einen sehr spannenden und informativen Einblick in den historischen Aspekt des Buchs.




  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 2. (12. Juli 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746634601
  • ISBN-13: 978-3746634609





Donnerstag, 6. August 2020

Lovecraft Country von Matt Ruff

Klappentext: Atticus' Verhältnis zu seinem Vater war schon immer schwierig: Von einem Tag auf den anderen ist Montrose Turner nun aber verschwunden. Zusammen mit Onkel George und Jugendfreundin Letitia macht sich Atticus wohl oder übel auf die höchst gefährliche Suche. Denn die Spuren führen nach »Lovecraft Country« in Neuengland, Mitte der 50er Jahre der Ort mit den schärfsten Rassengesetzen der ganzen USA. Als der Gesuchte schließlich gefunden wird, sehen sich die Turners urplötzlich in eine ominöse Geheimlogen- Fehde verwickelt, die durchaus den von Onkel George heißgeliebten Lovecraft-Erzählungen entstammen könnte.

Ein Brief seines Vaters Montrose lockt den 22.jährigen Korea Veteranen Atticus Turner von Florida zurück nach Chicago, dieser müsse nach Ardham, um das Vermächtnis von Atticus Vorfahren zu klären.

Auf der schwierigen Fahrt, wir befinden und in den 50er Jahren, Rassentrennung und die damit einhergehende Diskriminierung der schwarzen Amerikaner sind an der Tagesordnung, hilft ihm der *Safe Negro Travel Guide* ein Reiseführer den sein Onkel George herausgibt und der die Adressen von Tankstellen, Motels und Restaurants in denen Afroamerikaner bedient und manchmal sogar freundlich behandelt werden. Atticus weiß, dass er sich mit dieser Reise in Gefahr begibt, die nicht nur von den weißen Bürgern, sondern auch von den Sheriffs und State Troppern ausgeht, jede Verkehrskontrolle könnte seinen Tod bedeuten.

Doch das ist alles nichts im Vergleich zu dem was ihn, seinen Onkel und seine Kindheitsfreundin Letitia Dandridges in Lovecraft Country erwartet.

Als er in Chicago eintrifft, erfährt Atticus, das sein Vater schon nach Ardham aufgebrochen ist, irritierenderweise in Begleitung eines Weißen, ein weiterer Hinweis darauf das etwas nicht stimmt.

In Ardham angekommen, treffen die drei auf den

Adamitischen Orden der alten Morgenröte

einer Art Sekte die durch okkulte Rituale an die Weltherrschaft gelangen will, anegführt wird diese Sekte von Samuel Braithwhite der davon überzeugt, ist das, ausgerechnet Atticus Turner ein direkter Nachfahre des Sektengründers Titus ist, ein Umstand der dem Rassisten Braithwithe wohl fast schon körperliche Schmerzen bereiten muss. Schlimmer noch als Samuel aber ist Caleb, charmant, zuvorkommend, freundlich rettet er die Turners, denn der Teufel in Menschengestalt hat eigene Pläne.
Dieser erster Abschnitt ist der Auftakt zu weiteren unheimlichen Begegnungen die die Turners und Letitia haben, jedes der weiteren Kapitel stellt einen der Turners oder der Dandridges in den Mittelpunkt, unheimlicher Geschehnisse und in jedem spielt Caleb eine wichtige verbindende Rolle.


Trotz aller Monster und okkulter Rituale, der wahre Horror spielt sich in der realen Welt ab, einer Welt, in der es Menschen nur wegen ihrer Hautfarbe verwehrt wurde, ein Haus in einer bestimmten Gegend zu kaufen, einen Kaffee in einem Diner zu trinken oder gar auf einem Gehweg zu bleiben, wenn einem ein Weißer entgegenkam. Oder dem Alltagsrassismus dem Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe auch heute noch überall auf der Welt begegnen, sei es in der Sprache (wobei das meiner Meinung nach, meist unbeabsichtigt geschieht) oder in Handlungen.


Nun könnte man denken Lovecraft Country wäre angesichts des Themas ein düsteres Buch, voller Enttäuschung, Verbitterung und Wut, doch weit gefehlt, ich habe noch nie ein Buch zu diesem Thema gelesen, das mich so amüsiert hat, Ruff schreibt mir einer Leichtigkeit die seines Gleichen sucht, ohne das Wesentlich aus den Augen zu verlieren.

Lovecraft Country, ist das erste Buch von Matt Ruff, das ich gelesen habe. Das muss ich zu meiner Schande gestehen, aber es wird nicht das letzte sein.

Was für ein Lesevergnügen einmal angefangen konnte ich es kaum noch aus der Hand legen.

Die zwiegespaltenen Gefühle die ich gegenüber Lovecraft hege, diesem herausragenden Schriftsteller und Rassisten, versuche ich bei Geschichten, die sich an seine anlehnen und natürlich auch bei seinen eigenen an die Seite zu schieben, er wusste es nicht besser oder anders ausgedrückt: Er war genauso unaufgeklärt und dumm, wie es Rassisten auch heute noch sind.

Ein Wort noch zu den Übersetzern: Ich kann mir kaum vorstellen wie schwierig es sein muss, ein Buch zu übersetzen, das in einer Zeit spielt, in der es normal war, Menschen zu beleidigen und zu beschimpfen ohne das ein Aufschrei durch die Leserschaft geht, weil vielleicht nicht jeder bedenkt, das diese Worte nicht die Ansichten des Autors wiederspiegeln, sondern einfach nur in eben diese Zeit gehören. Ich finde sie haben einen richtig guten Job gemacht.

dtv Allgemeine BelletristikDeutsch von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube
432 Seiten, ISBN 978-3-423-21915-0

Mittwoch, 5. August 2020

Die Wunderfrauen von Stephanie Schuster

Die Wunderfrauen, das sind Luise, Marie, Helga und Annabel, vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können und die doch etwas gemeinsam haben: Sie wollen nach den Jahren der Entbehrung und des Verzichts endlich wieder Leben, Lachen und Lieben.
Der erste Band der Trilogie beginnt 1953 in Starnberg.
Luise Dahlmann träumt von einem kleinen Lebensmittelladen in dem es neben den Dingen des täglichen Bedarfs auch kleine Köstlichkeiten wie Pralinen und Luxusartikel wie Nylonstrümpfe gibt, als sie ihre Arbeit als Köchin bei den amerikanischen Streitkräften verliert und eine kleine Erbschaft macht, erfüllt sich ihr Traum.
In ihrem Laden treffen die vier Wunderfrauen immer wieder aufeinander und wir lernen sie nach und kennen.
Die rebellische Helga aus gutem Haus, die nach einem Eklat ihr Elternhaus verlässt und mangels anderer Optionen  als Lernschwester in der Frauenklinik der von Thalers arbeitet, wo sie  zunächst zu scheitern droht.
Marie Wagner aus Schlesien, sie kam nur mit einem Koffer nach Starnberg, der außer der nötigsten Kleidung ihre Zeichenutensilien enthielt. Marie hat auf der Flucht schreckliches erlebt, doch auf dem Bauernhof, der Luises Brüdern Martin und Manni gehört findet sie ein Zuhause.
Und zu guter Letzt, Annabel von Thaler, sie ist mit Konstantin von Thaler verheiratet, hat einen kleinen Sohn, lebt in einer Villa umgeben von Dienstboten, sie hat alles was das Herz begehrt und ist doch die unglücklichste von allen.
Ihr Geschichten erzählt Stephanie Schuster.
Die Autorin legt dabei das Hauptaugenmerk auf Luise, die wir dadurch auch am besten kennenlernen, so konnte ich mich auch in Luise am besten einfühlen, ihre Träume und Ängste, ihre Freude und auch ihre Enttäuschung, wenn sie Erfolge mit ihrem Laden erzielte oder auch Niederlagen einstecken musste wurden nachvollziehbar beschrieben.
Besonders gefallen haben mir auch Luises Eintragungen in ihrem Ladenkunde-Album, in dem sie ihre Ideen für den Laden über das Sortiment und den Umgang mit Kunden sowie Rezepte und Einkaufslisten niederschreibt. Das lockerte das ganze noch mehr auf.

Aber auch die Leben der anderen drei entstanden vor meinem inneren Auge. Und je mehr ich die Frauen kennenlernte, desto mehr verstand ich sie, auch wenn ich  nicht jede von ihnen unbedingt zu Freundinnen haben wollte.

Dieser erste Band, der Trilogie streift  die NS Vergangenheit , die noch nicht so lange zurückliegt und die die Menschen doch am liebsten komplett aus dem Gedächtnis streichen möchten, doch die Vergangenheit lässt sich nicht verdrängen sie erhebt sich immer wieder, auf zufällig gefundenen Bildern, in Entnazifizierungsprotokollen in den Erinnerungen und auch durch Menschen die tot geglaubt wieder auftauchen. Diese Vergangenheit wird direkten Einfluss auf das Leben der Frauen haben, da bin ich mir sicher.
Er erzählt aber auch davon, das Frauen kaum Rechte haben, für alles und jedes benötigen sie die Erlaubnis eines nahestehenden Verwandten oder des Ehemanns, da ist es auch nicht von Belang, ob sie Volljährig sind oder nicht, heute kaum vorstellbar. Einiges hat sich allerdings nicht geändert, die Angst und die Vorbehalte der Menschen gegenüber allen Fremden, zu Beispiel.

Es ist erstaunlich mit welcher Leichtigkeit Stephanie Schuster, auch bedrückende Themen aufgreift, ohne das sie das Gefühl der Lebensfreude und Aufbruchsstimmung, die dieses Buch vermittelt, nicht zerstört und ihnen doch den Raum gibt, den sie benötigen, um die Geschichte authentisch sein zu lassen.
So das dieses Buch eine leichte und lockere Sommerlektüre ist, die trotzdem dazu anregt, sich über die Zeit in der es spielt näher zu informieren.

Für den ersten Teil der Trilogie: Alles, was das Herz begehrt
Vergebe ich schon mal eine Leseempfehlung und freue mich auf die nächsten Bände.

  • Taschenbuch: 480 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 3. (29. Juli 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596700329
  • ISBN-13: 978-3596700325

Samstag, 1. August 2020

Mit dir für alle Zeit von Lisa Grunwald

Joe arbeitet als Stellwerker in der berühmten Grand Central Station in Manhatten. Tag für Tag sorgt er für den reibungslosen Ablauf des Zugverkehrs im Bahnhof, sein Leben dreht sich zu großen Teilen um seine Arbeit und um den Bahnhof mitsamt seinen Angestellten, sie alle sind eine große, recht glückliche Gemeinschaft. Bis zu dem Tag an dem er Nora das erste Mal trifft. Die junge Frau wirkt seltsam verloren in der Betriebsamkeit des Bahnhofs. Als sie von einigen Männern bedrängt wird, eilt Joe ihr zu Hilfe und beide verlieben sich ineinander. Nora und Joe verbringen wundervolle Stunden miteinander bis die junge Frau plötzlich verschwindet.
Joe findet heraus, das Nora  bei einem zwölf Jahre zurückliegenden Zugunfall ums Leben kam und doch steht sie exakt ein Jahr später wieder unter der goldenen Uhr in der Grand Central Station.
Der Beginn einer wunderschönen Liebesgeschichte garniert mit historischer Fakten und einem guten Schuss Mystik.

Lisa Grunwald hat einen, aus meiner Sicht recht ungewöhnlichen Liebesroman geschrieben, der mir neben einer schönen Geschichte auch Spannung versprach, nicht in dem Sinne wie Krimis oder Thriller spannend sind, sondern eine Spannung die sich aus der Auflösung des Mysteriums um Noras Existenz ergibt. Dieses Mysterium, war auch der Grund, warum ich  *Mit dir für alle Zeit* lesen wollte. 

Und ich wurde nicht enttäuscht, mehr und mehr erfuhr ich über die Hintergründe für Noras regelmäßiges Erscheinen und ich habe tatsächlich bei jeder Trennung der Beiden ein wenig mitgelitten. Ich erzähle euch jetzt nicht welches Phänomen eine große Rolle, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle dabei spielt, denn dafür hat die Autorin Lisa Grunwald die viel besseren Worte gefunden.

Ebenso spannend wie Liebesgeschichte sind aber auch die Passagen die von Joe erzählen, seiner Arbeit als Stellwerker, die höchste Konzentration und Geschick verlangt, von seiner Familie und von den Ereignissen die sich zwischen 1937 und 1947 in den USA und der Welt abspielen. Geschickt verwebt Lisa Grunwald diese Begebenheiten mit seiner und Noras Geschichte.
 Noras Geschichte hingegen ist in meinen Augen weniger spannend, sie war ein Kind ihrer Zeit ein Flapper Girl, ein Mädchen aus gutem Haus das gegen die Konventionen rebellierte, vielleicht wäre ein ausführlicher Rückblick interessanter gewesen, mir persönlich fehlte etwas, das ich nicht einmal genau benennen kann.

Zu den historischen Fakten, erzählt euch Heike vom Blog Frau Goethe liest, im Rahmen unserer Aktion
#zwei BlogseinBuch, mehr.

Insgesamt hat mir *Mit dir für alle Zeit* gut gefallen, das Buch ist wirklich lesenswert, die Kombination aus Liebesgeschichte, Mystery und historischem Roman ist wirklich gelungen.


  • Broschiert: 512 Seiten
  • Verlag: HarperCollins; Auflage: 1 (25. Juni 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3959674023
  • ISBN-13: 978-3959674027
  • Originaltitel: Time after Time

Bilder, Tod und Volksmusik von Viola Eigenbrodt

Das Verschwinden des Kunstmalers Tschurtschenthaler, nimmt zunächst niemand ernst, schließlich hat  seine Frau, die blinde Volksmusiksängerin Magdalena Ganthaler, tagelang gewartet bis sie sich bei der Polizei meldete, um die Vermisstenanzeige aufzugeben und Erwin ist ein erwachsener Mann, der sich vielleicht nur eine Auszeit nehmen will. Als auch noch neue Bilder des Künstlers auftauchen verstärkt das natürlich noch diesen Eindruck.

Viola Eigenbrodt entführt ihre Leser nach Südtirol und nach ihrem Krimi:
Marmor, Wein und Bienengift,
 habe ich mich sehr auf eine Rückkehr zu dieser besonderen Landschaft und ihrer Bewohner gefreut, denn die Autorin hat ein gutes Händchen für bildhafte Landschafts und Personenbeschreibungen, das wird gleich auf den ersten Seiten klar, als sie eine Szene in der Polizeistation beschreibt, die ich  vor Augen hatte und die mich das erste Mal schmunzeln ließ.
Aber nicht nur die Landschaft lässt die Autorin vor dem inneren Auge ihrer Leser auferstehen, sie beschreibt auch eindringlich die Kunstszene und deckt Verstrickungen auf die niederzuschreiben hier den Rahmen sprengen würde und vor allem müsstet ihr das Buch nicht mehr selber lesen und das wäre ja wirklich schade.
Natürlich kommt auch die Spannung nicht zu kurz, kein Krimi lebt von Humor und tollen Beschreibungen, diese sind nur wie das Salz in der Suppe und  Viola Eigenbrodt hat genau die richtige Mischung gefunden.
Die Ermittler Matthias Ohnewein und Franco Marini, habe ich ja schon im vorigen Band der Reihe kennenlernen dürfen, so das auch diese Begegnung eine Begegnung mit alten Bekannten war, ohne das man den ersten Teil gelesen  haben müsste. Ein Umstand den ich sehr zu schätzen weiß, denn ich habe recht oft ein Talent dafür mitten in eine Reihe zu greifen.
Zwei Protagonisten möchte ich aber noch besonders hervorheben: Walter Gasser, ein guter Freund Erwins, kann und will nicht glauben, dass der Maler einfach verschwindet, ohne Lebenszeichen von sich zu geben, denn jede bisherige Auszeit des Künstlers war bisher begleitet von Fotos, die entweder tolle Gebäude, Landschaften oder Frauen zeigten und die er per Handy verschickte.Ich mochte seine Hartnäckigkeit.
Und natürlich Pan, den mochte ich von der ersten Erwähnung an, wer Pan ist? Lest selber ;o)

  • Taschenbuch: 332 Seiten
  • Verlag: Independently published (3. Juli 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 979-8663322881