Sonntag, 31. Dezember 2023

Liebe meine Farben von Georg Brun


 Der Roman beginnt mit dem plötzlichen Tod Roland Kundl am Lindauer Hafen, den sein Freund Michael nicht einfach hinnehmen will. Auf der Suche nach Antworten schließt er sich mit Professor Brückner zusammen und engagiert den Ermittler Nathan Weiß, einen ehemaligen Polizeibeamten. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlichen Herzversagen um Mord handelt, und dass der Verstorbene in gefährliche Geldgeschäfte verstrickt war.

Währenddessen bringt der Finanzmakler Lorenz Faltermeier seine Freundin Sophie Nägele dazu, Gemälde berühmter Meister nachzuahmen und mit deren Signaturen zu versehen, um sie als unbekannte Werke zu verkaufen.

Die Geschichte entwickelt sich zu einem komplizierten Netz aus Lügen, in dem Nathan Weiß` kriminalistischer Spürsinn geweckt wird. Dann geschieht in der Schweiz ein weiterer Mord an einem Finanzhai, und so langsam kommen Zusammenhänge ans Licht, die ich so nicht vermutet hätte.

Trotz der fesselnden Handlung und der interessanten Charaktere muss ich anmerken, dass die ausführlichen Beschreibungen von Charakteren, Landschaften und örtlichen Gegebenheiten manchmal meinen Lesefluss beeinträchtigen. Die Darstellung der Polizeiarbeit allerdings machte dieses kleine Manko wieder wett, der Autor vermittelt einen realistischen Einblick in die Polizeiarbeit, und Nathan Weiß als cleverer Ermittler fasziniert durch seine Unbestechlichkeit und Einfühlungsvermögen in die Psyche der Täter.

»In Liebe meine Farben« ist ein Krimi, der durch seine Spannung und fesselnde Spurensuche besticht. Georg Brun hat mit Nathan Weiß einen herausragenden Ermittler geschaffen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Bookspot Verlag; 1. Edition (9. Dezember 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3956692004
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3956692000


Sonntag, 24. Dezember 2023

Waiseninsel: Thriller (Jessica Niemi, Band 4) Max Seeck (Autor), Gabriele Schrey-Vasara (Übersetzer)



Max Seeck präsentiert mit »Waiseninsel« einen weiteren fesselnden Thriller, der die Leser in die düsteren Abgründe der Vergangenheit entführt. Schon der Prolog, der im Jahr 1982 spielt, verspricht Spannung pur, und der Autor hält dieses Versprechen bis zum Schluss.

Der Thriller beginnt mit einem unangenehmen Vorfall, der die Polizistin Jessica Niemi dazu zwingt, eine unfreiwillige Auszeit zu nehmen. Sie entscheidet sich für einen Urlaub auf den abgelegenen Åland-Inseln. Dort trifft sie auf eine Gruppe älterer Menschen, die ihre Kindheit im Waisenhaus der Insel verbracht haben. Seeck schafft eine beeindruckende Atmosphäre, die von der Vergangenheit und den ungelösten Geheimnissen der Figuren durchdrungen ist.

Die Mischung aus Jessicas persönlichem Kampf mit der Vergangenheit und ihrer Ermittlungsarbeit verleiht der Handlung eine fesselnde Tiefe. Die Figur Jessica Niemi wird dabei facettenreich dargestellt, mit all ihren Stärken, Schwächen und inneren Dämonen, so kann man sich auch gut in sie hineinversetzen, auch wenn man die Vorgängerbücher nicht kennt. Die Entscheidung, die Handlung auf den Åland-Inseln spielen zu lassen, verleiht dem Buch eine einzigartige Kulisse, die durch die Beschreibung der Natur und der kleinen Gemeinschaft auf der Insel lebendig wird.

Seecks Talent, überraschende Wendungen einzubauen, zeigt sich auch in diesem Band erneut. Der Leser wird geschickt auf falsche Fährten gelockt, und die Auflösung bleibt bis zum Schluss undurchsichtig. Die Verknüpfung der Mordfälle mit der Legende um »Das Mädchen im blauen Mantel« fügt eine zusätzliche, mystische Ebene hinzu und trägt zur Sogwirkung des Thrillers bei.

Insgesamt ist »Die Waiseninsel« ein weiterer gelungener Beitrag von Max Seeck zum skandinavischen Thriller-Genre. Mit einer packenden Handlung, einer eindrucksvollen Atmosphäre und gut ausgearbeiteten Charakteren gelingt es dem Autor erneut, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Fans von skandinavischen Krimis und Thrillern werden mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2023 Edition (22. Dezember 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3785728689
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3785728680
  • Originaltitel ‏ : ‎ Loukku

Donnerstag, 21. Dezember 2023

White Zero: Die Kälte ist dein Tod von Thilo Falk


»White Zero« von Thilo Falk entführt die Leser in eine eiskalte Zukunft, in der Mitteleuropa von einer unerbittlichen Eiszeit heimgesucht wird. Die Geschichte beginnt mit einem bedrohlichen Szenario: eisige Temperaturen, zerstörte Infrastruktur, unbezahlbare Energiepreise und eine Bevölkerung, die um ihr Überleben kämpft. Das öffentliche Leben ist nahezu lahmgelegt, und die Menschen sind gezwungen, sich vor der Kälte in ihren Häusern zu verschanzen. Allen stellt sich die Frage: Handelt es sich um ein ungewöhnliches Wetterphänomen, und normalisieren sich die Temperaturen mit dem Frühling wieder, oder sind die niedrigen Temperaturen ein dauerhafter Effekt des Klimawandels?

Der Autor thematisiert in »White Zero« nicht zum ersten Mal den Klimawandel, und bereits in seinem vorherigen Werk »Dark Cloud« hat er sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt.

Das Szenario von »White Zero« ist schnell erzählt, die Intensität der Kälte und die damit verbundenen Konsequenzen werden eindringlich dargestellt. Mit Temperaturen dauerhaft weit unter dem Nullpunkt werden nicht nur Gebäude und Transportwege zerstört, sondern auch der Nahrungsmittelanbau wird unmöglich. Die Energiepreise erreichen ungeahnte Höhen, und die Gesellschaft steht vor dem Kollaps. Todesopfer sind unvermeidlich. Die Wissenschaftler setzen alles daran, die Ursachen dieser ungewöhnlichen Klimaveränderung zu erforschen.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Geophysikerin Dr. Jana Hollmer, ihr Partner Clemens Bach und der Reederei-Chef Titus van Dijk. Diese Protagonisten machen eine unglaubliche Entdeckung, die den Schlüssel zur Erklärung des Klimawandels darstellt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, und die Geschichte entwickelt sich zu einem spannenden Thriller.

Der Autor schafft es, die Brisanz des Klimawandels in einem fiktiven Setting lebendig werden zu lassen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, und die Handlung ist fast durchgehend spannend. Manche Passagen waren mir persönlich etwas zu langatmig, besonders die Einführung der vielen Personen hat sich etwas gezogen. Leider wird gleich auf der ersten Seite das Ende in Teilen vorweggenommen. Manches im Buch mag zu unrealistisch und unglaubwürdig scheinen, aber es handelt sich schließlich nicht um ein Sachbuch, sondern um einen Thriller, in dem der Autor nicht nur sehr gekonnt eine beklemmende Atmosphäre schafft, sondern auch zum Nachdenken über die realen Auswirkungen des Klimawandels anregt.

Insgesamt bietet »White Zero« jedoch eine gelungene Mischung aus Spannung, Wissenschaft und Umweltbewusstsein. Thilo Falk liefert einen interessanten Beitrag zur Diskussion über die Folgen des Klimawandels und zeigt, wie wichtig dieses Thema auch in der Literatur sein kann.


  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (28. Dezember 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423218959
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423218955

Mittwoch, 20. Dezember 2023

Die Schuld, die man trägt: Ein Fall für Sebastian Bergman von Michael Hjorth (Autor), Hans Rosenfeldt (Autor), Ursel Allenstein (Übersetzer)

 



Der Fund einer weiblichen Leiche in einem Schweinemastbetrieb und die mit roter Farbe an die Wand geschrieben Worte

»Löse den Fall, Sebastian!«

zwingen Bergman und die Reichsmordkommission dazu wieder zusammenzuarbeiten, das wird von den meisten Mitgliedern der Kommission nicht allzu gern gesehen, sein egoistisches und rücksichtsloses Verhalten haben ihm in der Vergangenheit keine Freunde gemacht. Zusätzlich hat die Reichsmordkommission damit zu kämpfen, dass ihre direkte Vorgesetzte einen Sündenbock für die Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit sucht, in der ein Polizist sich als Serienmörder entpuppte (Band 7. Die Früchte, die man erntet) diesen findet sie in Torkel dem bisherigen Leiter der Kommission, seine Stelle muss Vanja übernehmen und diese setzt alles daran, nicht nur den Fall zu lösen, sondern auch die Reichsmordkommission vor der Auflösung zu bewahren.
Der Mörder belässt es nicht bei diesem einen Mord, weitere Tote und mit ihnen weitere Hinweise tauchen auf, bald schon wird klar, dass alle Morde etwas mit Sebastians Vergangenheit zu tun haben. Dazu kommt noch, dass auch andere Begebenheiten aus Sebastians Vergangenheit, die eine wichtige Rolle spielen. Da ist Ellinor, die ihn trotz Kontaktverbots stalkt oder Cathy, die Tochter eines Freundes, der ebenso wie Bergman während des Tsunamis in Thailand ein verloren hat.

Dies ist nun schon der 8. Fall für Sebastian Bergman und die Reichsmordkommission, ich hatte die Reihe irgendwann aus den Augen verloren. Da war ich natürlich nicht nur auf den Fall gespannt, sondern auch darauf, ob es Freude macht, das Buch ohne die direkten Vorgänger zu kennen. Ich habe das Buch innerhalb von vier Abenden durchgelesen, also die Frage nach der Freude beantwortet sich damit ja schon. Der Fall an sich ist spannend und gut durchdacht, etwas anderes hatte ich bei dem Autorenteam auch nicht erwartet, es gibt die eine oder andere Wendung, mit der ich nicht gerechnet habe. Ebenso macht Sebastian in diesem Band eine Wandlung durch, es gibt diese kleinen Momente in denen er sein Verhalten tatsächlich zu reflektieren scheint.

Ich hatte fast nie das Gefühl, dass mir wesentliche Informationen aus den Vorgängerbänden fehlten, die Autoren verraten immer genug, um die Zusammenhänge zu erkennen. Das mag für den einen oder anderen Kenner der kompletten Reihe von Nachteil sein, mir hat es sehr geholfen auch Sebastians manchmal irritierenden Reaktionen zu verstehen.

Die Story endet mit einem fiesen Cliffhanger, der einen Ausblick auf Band 9 gibt und wieder viel Spannung verspricht.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Wunderlich; 1. Edition (28. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3805200943
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3805200943
  • Originaltitel ‏ : ‎ Skulden man bär



Sonntag, 17. Dezember 2023

8 Fragen 8 Antworten 1 Interview mit Vincent Voss



Heute habe ich einen der erfolgreichsten Horrorautoren des Landes zu Besuch im Bücherhaus, ich freue mich sehr, dass er den weiten Weg aus Wakendorf II in die tiefste schwäbische Provinz gefunden hat. (Der Ort heißt wirklich so, ich habe ihn auf der Landkarte gefunden, früher dachte ich der Ortsnamen wäre erfunden, weil sich das so schön Postapokalyptisch klingt).

Herzlich willkommen im Bücherhaus, lieber Vincent, ich freue mich sehr dich heute zu Gast zu haben, Kaffee, Tee und Plätzchen stehen bereit, bedien dich bitte. Bevor wir anfangen, kommt natürlich das obligatorische:

Beschreibe dich bitte in 5 Worten.

Liebe, Horror, Hoffnung, Angst, Neugier 


Und nun kommen wir auch schon zu den Fragen.

1.Deine Kurzgeschichten haben bereits mehrmals den Weg in die Horroranthologien "Mängelexemplare" des Amrûn Verlags gefunden. Wie fühlt es sich an, an dieser fantastischen Reihe teilzuhaben? 
 
Ich freue mich vor allem über den langen Atem einer jeden Anthologie- oder Magazinreihe im Horror. Da gibt es ja viele, aber die meisten sind dann irgendwann eingestellt worden. Constantin, der Herausgeber, Jürgen, der Verleger, beweisen einfach, dass es auch anders geht. Dass ich dabei sein darf, und das vom ersten band, macht natürlich schon auch etwas stolz.

2. In "Mängelexemplare" begegnet man deinen Geschichten, die stets eine düstere und fesselnde Atmosphäre schaffen. Welche Inspirationen und Einflüsse treiben deine schaurigen Erzählungen an, und wie gehst du bei der Entwicklung deiner Charaktere vor, um sie so authentisch und beängstigend wie möglich zu gestalten? (Ich habe bei deiner Story Till und Aria, ja fast geheult, na gut ich habe geheult) 

 Ich muss meine Figuren spüren und gewissermaßen lieben. Was man liebt, will man gerne schützen. Wenn ich dann als Autor jemanden zu Tode kommen lasse, fällt es mir besonders schwer. Vor allem, wenn ich richtig an ihnen dran bin. Bei Till und aria wurde ich von dem Kopierraum bei mir auf der Arbeit inspiriert. Die Vorstellung die Tür fällt da hinter einem zu und irgendwie bist du dann eingeschlossen … Dreck! Habe ich eigentlich erzählt, dass ich auf der Metropolcon im Fahrstuhl stecken geblieben bin? Nein? Okay. Das beschäftigt mich offenbar immer noch …

3.Der Amrûn Verlag steht für qualitativ hochwertige Horrorliteratur. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Verlag, und inwiefern unterstützt er dich bei der Realisierung deiner kreativen Visionen? 

Mit Jürgen habe ich eigentlich nur auf Messen einen netten kontakt. Er ist dann aber meistens so eingebunden, dass wir nur wenige Worte wechseln können. Ansonsten ist er ja so mutig, Horroranthologien zu veröffentlichen. 😉 Und bei der Zombie-Zone Germany geht es mit einem tollen Team weiter. Je länger ich darüber nachdenke, stelle ich fest, dass es Jürgen gelingt, nette, kreative Menschen um sich zu sammeln. Weiter so!

4.Deine Kurzgeschichten zeichnen sich oft durch unerwartete Wendungen aus, die den Leser in ihren Bann ziehen. Wie schaffst du es, diese Elemente in deine Geschichten einzuflechten, ohne dabei vorhersehbar zu werden, und welchen Stellenwert haben für dich Überraschungsmomente in der Horrorliteratur? 

Puh, ich weiß nicht, ob mir das immer gelingt. Das ist natürlich toll, wenn es klappt. In der Kurzgeschichte macht das m.E. ja auch diese Gattung aus. Ein Ende mit Wende. Diese Kurzgeschichten bleiben bei mir am nachhaltigsten in Erinnerung. Oder aber eine wahnsinnige Abseitigkeit. Wahrscheinlich ist es ein Mix. Etwas Talent, gute Lehrmeister*innen, weil ich immer noch viel lese und einen durch Pen and Paper antrainierten Kreativspeicher.

5. Die folgende Frage habe ich auch Constantin Dupien gestellt.Jetzt bin ich gespannt auf deine Antwort, nicht spinksen bitte 😀 Du hast gemeinsam mit ihm den Horroroman "Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit" geschrieben. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie die Idee für diesen Roman entstanden ist und wie ihr die Charaktere und die Handlung gemeinsam entwickelt habt? Sind da auch mal die Fetzen geflogen? 

Ganz genau erinnere ich mich nicht mehr, wie wir auf das Thema gekommen sind. Mit Constantin kann man toll zusammen Ideen austüfteln. Wir haben dann die Geschichte aus zwei Perspektiven geschrieben und uns in regelmäßigen Abständen die Kapitel zugeschickt. Fetzen sind bei uns noch nicht geflogen. Ich glaube, wir bringen beide eine gute Kompromissbereitschaft mit. (Horrorautoren sind wohl wirklich immer lieb zueinander)

6. In deinen Romanen "Im Eis" und "Der Fliegenmann" ist die Hauptfigur die Ethnologin Amelie Fischer. Wie gehst du beim Schreiben von Romanen im Vergleich zu Kurzgeschichten mit der Entwicklung von komplexen Charakteren um, und welchen Stellenwert hat für dich die emotionale Bindung der Leser an deine Figuren? 

Hier dasselbe, was man liebt, will man beschützen. Figuren auf lange Strecke zu quälen ist manchmal echt schwer. Das ging mir vor allem beim Fliegenmann so. Oder bei Im Eis in einer Szene. Ich träume, wenn ich richtig in Schreibphasen drin bin, von meinen Figuren. Und diese Bindung schleppe ich dann auch in meinem alltag herum. So entwickeln sich Figuren. Richtig spannend wird es, wenn Figuren während des Schreibens sagen: „Nein, das machst du jetzt nicht, du machst das jetzt so!“ Tja, und oft mache ich es dann eben so. (Das erinnert mich jetzt an Kinder, die machen auch oft das, was sie wollen)

7.Nach "Im Eis" und "Der Fliegenmann" bin ich gespannt auf deine zukünftigen Projekte. Gibt es bereits Pläne für weitere Romane, in denen Amelie Fischer eine Rolle spielt, oder hast du vielleicht andere düstere Welten, die du erkunden möchtest? 

Aktuell schreibe ich an einem weiteren Roman mit Amelie Fischer. Es wird maritim, so viel kann ich verraten. Dazu schreibe ich für die Zwielicht eine Kurzgeschichte durch die Angst vor der KI inspiriert. Und eine Geschichte, die zur Aufgabe hatte, dass ältere Musik eine rolle spielt. Bei mir ist es „Child in time“ von Deep Purple. Man sollte aufpassen, wenn man mich das Lied in Zukunft summen hört.

8. Ich hatte dich auf einer Lesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse kennengelernt und war sehr erfreut, wie nahbar du und auch deine anwesenden Kollegen gewesen sind. Wie wichtig ist dir der Kontakt zu deinen Leserinnen und Lesern? 

Sagen wir mal so, am meisten möchte ich auf Messen Spaß haben und den hat man doch am ehesten mit lieben Menschen, oder? Und auf Messen sind viele tolle Fantasten, deshalb bin ich für diese Momente auch so dankbar! Da weiß ich dann doch, dass soziale Medien eben nicht alle abbilden, wie es mir manchmal vorkommt, sondern, dass es auch viele nachdenkliche Menschen gibt, die ähnlich ticken. Mein problem ist, dass die Messen manchmal zu weit zeitlich auseinanderliegen und ich manchmal dann Schwierigkeiten habe, den richtigen Namen zur der vor mir stehenden Person griffbereit zu haben. Richtig peinlich habe ich mal ein Buch signiert und war mir sicher, dass der Mann Peter hieß. Hieß er aber nicht. Peinlich, wenn es dann schon im Buch steht. (😂 ich habe gerade mehr gelacht als ich sollte, Entschuldigung. Da bist du ja ganz schön in ein Fettnäpfchen getreten, aber falls es dich tröstet, die meisten sind immer für mich reserviert)


Und damit sind wir auch schon am Ende angekommen, ich danke dir für deinen Besuch, halt stopp, eine Frage die mich in letzter Zeit immer wieder umtreibt, habe ich noch:

8 1/2. Glaubst du, dass KI die Art und Weise, wie Bücher geschrieben, veröffentlicht und konsumiert werden, verändern wird? 

Ja, das glaube ich. Wenn sie genug Rechenkapazität hat, immer weiter lernt, dann wird sie Bücher schreiben können. Gute Bücher. Aber ich habe Zweifel, ob sie richtig Empathie rüberbringen kann. Und das beruhigt dann doch auch etwas.

Jetzt aber vielen Dank für deinen Besuch, ich hoffe bald wieder etwas lesen zu dürfen.
Und für euch habe ich noch eine sicher nicht ganz vollständige Liste von dem, was Vincent Voss bisher geschrieben hat. Einiges habe ich auch schon gelesen, einiges fehlt mir noch, aber was nicht ist kann ja noch werden.

  • 172,3, Luzifer Verlag 2012
  • Faulfleisch, Verlag Torsten Low 2012 
  • Töte John Bender!, Luzifer Verlag 2013 
  • Ich bin böse!, Bastei-Lübbe 2014 
  • Tödlicher Gruß, Bastei-Lübbe 2014 
  • Wasser, Verlag Torsten Low 2015
  • Du darfst mich nicht finden, Bastei-Lübbe 2015
  • Tag 78, Amrûn Verlag 2015
  • Ruf der Dunkelheit mit Constantin Dupien, Selfpublishing 2015
  • Frischfleisch – Nullpersonen, Verlag Torsten Low 2016
  • Alles zum Schein, Feder & Schwert 2018
  • Infiltriert, Verlag Torsten Low 2019
  • Im Eis, Verlag Torsten Low 2021
  • Der Fliegenmann, Verlag Torsten Low 2023
  • Mängelexemplare, Amrûn Verlag 2023

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Die Erste Tochter / Frevlersbrut von Katharina Maier

 

In »Die erste Tochter (Frevlersbrut)«, dem zweiten Band einer siebenteiligen Reihe, entführt uns die Autorin Katharina Maier erneut in die faszinierende Welt von Singis. Dieser Teil nimmt seinen Anfang mit dem gewaltsamen Tod von Myns Mutter Lys.

Die Anschuldigungen gegen Myns Mutter als Widernatürliche werfen auch einen Schatten auf die Familie, dies wird Myn am eigenen Leib erfahren müssen. Die Atmosphäre im Hause Neoly wird immer angespannter, nur im Kreis ihrer Freunde und ihrer Brüder erfährt das Mädchen noch so etwas wie Leichtigkeit, ihr Vater begegnet ihr mit Ablehnung und Gleichgültigkeit, sie ist die Nembdr-Brut. Eine Entscheidung ihres Vaters verändert Myns Leben von Grund auf und führt dazu, dass er sich mit seinem angenommen Sohn Vairryn endgültig überwirft.
Wir folgen aber nicht nur Myn auf ihrem Weg zur Erwachsenen. Wir begleiten auch Vai, der, nachdem er von seinem Vater aus dem Haus geworfen wird, seinen Platz in der Welt sucht und wie es scheint, auch findet. Dort, wo seine Wurzeln liegen, findet er mehr und mehr zu sich selbst.

Und natürlich spielt auch wieder Kottoram Asnuor eine große Rolle, sein Hass auf Lys, die er nicht brechen kann und seine Machtgier lassen Schlimmes für die Zukunft erahnen.


Ich muss an mich halten, euch nicht die gesamte Geschichte zu erzählen, sie ist schlicht und ergreifend großartig.
Die Mischung aus Fantasy und Science-Fiction beeindruckt mich immer wieder. Ich mag beide Genre sehr und Katharina Maier verbindet sie fantastisch miteinander.

Die einzigartige Erzählweise der Autorin fesselt ihre Leserinnen und Leser geradezu an das Buch.
Wieder einmal lässt sie verschiedene Personen erzählen, und wieder sind wir ganz nah bei ihnen. Wir lachen und trauern mit ihnen, und wir erfahren nach und nach Dinge aus der Vergangenheit, die mich die Gegenwart im Buch immer mal wieder in einem etwas anderen Licht sehen ließen. Allerdings muss ich bis zur kompletten Erhellung wohl noch etwas warten. Viele Fragen bleiben noch offen, nicht alle Beweggründe der Protagonisten offenbaren sich schon in diesem Teil der Reihe. Gut, dass auch der 3. Band schon bereitliegt.


Am Ende meiner Rezension zum ersten Teil hatte ich einen Punkt zu bemängeln: die vielen komplizierten Namen für Personen und Dinge. Nun, sie sind nicht weniger kompliziert geworden, aber das Wissen aus dem ersten Band hilft schon sehr. Es ist, als lerne man eine Fremdsprache; mit jeder erlernten Vokabel wird es leichter und am Ende warten wieder die Begriffserklärungen 😇.

Euch erwartet mit »Frevlersbrut« ein weiteres fesselndes Kapitel in dieser epischen Science-Fiction-Saga, das nicht nur die individuellen Kämpfe der Figuren, sondern auch die düsteren Vorboten eines drohenden Weltenbrandes beleuchtet. 



  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli; 4. Edition (10. Juni 2020)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 420 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3752961856
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3752961850






Samstag, 9. Dezember 2023

Stories von Joy Williams

»Stories« von Joy Williams führt die Leser in eine faszinierende Welt zeitloser Erzählungen, die durch ihre Vielschichtigkeit und emotionale Tiefe beeindrucken. Die Autorin, die bereits für ihr Werk vielfach ausgezeichnet wurde, präsentiert in diesem Buch zwölf Geschichten, die das Leben in verschiedenen unterschiedlichsten Facetten beleuchten.

Einige Geschichten scheinen geradezu aus der Zeit gefallen zu sein, und beim Lesen fühlt man sich zurückversetzt in die 70er Jahre in den USA. Dies ist durch die Tatsache erklärt, dass einige der Storys aus den 70ern stammen, aber auch ihre späteren Storys haben fast etwas Nostalgisches, was ihnen einen besonderen Reiz verleiht.

Hervorzuheben sind die erste Geschichte, 'Liebe', und die letzte, 'Ausweg', die meiner Ansicht nach zu den gelungensten zählen.Der Großteil ihrer Geschichten erzählt meiner Meinung nach von der Einsamkeit, die man inmitten anderer Menschen empfinden kann. Diese Thematik zieht sich durch viele ihrer Geschichten und verleiht der Sammlung eine tiefgreifende emotionale Dimension.

Aber nicht immer hat sich mir erschlossen, was die Autorin mir mit ihren Geschichten sagen will, und es wurde mir auch nach einem zweiten Lesen nicht immer möglich, die feinen Nuancen und tiefgründigen Bedeutungen zu erfassen. Die Autorin fordert ihre Leserinnen und Leser heraus, sich intensiv mit den Geschichten auseinanderzusetzen, und belohnt dies mit reichen Erkenntnissen.

Allerdings war ich immer beeindruckt von Joy Williams' Schreibstil die Art und Weise, wie sie Gefühle hervorruft. Sie erschafft eine einzigartige Atmosphäre, in der sich die Protagonisten auf eine beinahe greifbare Weise präsentieren. Dies trägt dazu bei, dass ich manchmal eine starke emotionale Verbindung zu den Figuren entwickeln konnte.

Insgesamt ist »Stories« eine eindrucksvolle Sammlung von Erzählungen. Ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben und gebe eine Empfehlung für alle, die nach literarischer Substanz und emotionaler Tiefe suchen.


  • Herausgeber: ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 3. Edition (16. März 2023)
  • Sprache: ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe: ‎ 304 Seiten
    Übersetzt von: Brigitte Jakobeit und Melanie Walz  
  • ISBN-10: ‎ 3423283211
  • ISBN-13: ‎ 978-3423283212


Donnerstag, 7. Dezember 2023

Mängelexemplare 5: Am Ende der Zeit

 

Mängelexemplare: Am Ende der Zeit

Das sind zwölf dystopische Kurzgeschichten und ein verzweifelter Wissenschaftler, bei dem die Uhren anders ticken.

Kein neuer Anfang. Am Ende der Zeit erwartet uns kein neuer Anfang.



Die neueste Ausgabe der legendären Anthologie Reihe »Mängelexemplare« hat mit »Am Ende der Zeit« eine fesselnde Mischung aus Horror und Dystopie präsentiert. Die Autoren dieser düsteren Kurzgeschichten, darunter Carolin Gmyrek, Vincent Voss, Tobias Bachmann, Lilly Rautenberger, Andreas Zwengel, Arthur Gordon Wolf, Xander Morus, Lisanne Surborg, Sonja Rüther, Jana Oltersdorff, Thomas Backus sowie Stefan Cernohuby und Constantin Dupien, haben gemeinsam eine düstere Welt geschaffen, die den Leser in ihren Bann zieht.

Die Einführung durch Stefan Cernohuby, dessen Beiträge den roten Faden der Anthologie bilden, setzt den tonalen Rahmen. Dr. Max Groll, ein verzweifelter Wissenschaftler, der an einem Dimensionstor arbeitet, bildet das Zentrum der Geschichten. Die weiteren Beiträge Stefan Cernohubys »36 Stunden, Ein Treffen mit Routine, Die Unvermeidlichkeit von Ereignissen, Wüstenei und Repetitive Anomalie« tragen dazu bei, dass sich bei jeder Erzählung die Spannung weiter aufbaut.

Die Anthologie startet mit
 
Die Dunkelunken von Lilly Rautenberger

Ein Gedicht als Auftakt einer Anthologie hatte ich nicht erwartet, dieses hier erschloss sich mich mir erst nach mehrmaligem Lesen und dann hatte ich Bilder im Kopf, düstere Bilder.

Minzkonzentrat von Carolin Gmyrek

 Mal mehr, mal weniger schöne Träume begleiten uns durch unsere Nächte. Kore lebt in einer Zeit in der Träume käuflich sind und sie verkauft sie, denn ihre Albträume sind begehrt. 

Till und Aria von Vincent Voss

Till und Aria sind auf der Suche nach einem sicheren Ort. In Dänemark soll es noch eine sichere Enklave geben. Vincent Voss hat mich am Ende der Geschichte zum heulen gebracht. Warum? Das müsst ihr schon selber lesen.

Butterfly Flamingo Der Flug der Flamingos von Tobias Bachmann

Hier erkennt man einen direkten Bezug zu einer Story im Schwesterband »Hinter den Fenstern«. Einer der letzten Überlebenden nach der Apokalypse folgt den Flamingos, zu einem wohlbekannten Ort.

Pax von Lilly Rautenberger

Die letzten Überlebenden der Menschheit leben tief unter der Erde, nur selten gehen einzelne an die Oberfläche um Nahrung und andere Dinge zu beschaffen, denn die Chance nicht von einem Paxbot, einem Hundeähnlichen Kampfroboter getötet zu werden, steht bei fast Null. Suna gehört zu den wenigen die es wagen und sie ist es auch die am Ende der Story erfährt wie die Pax in die Welt kamen.

Denk an die Kette von Andreas Zwengel

In dieser Story geht es nicht um eine Kette, die vielleicht romantische Gefühle auslösen könnte, ich bin eine Frau, bei dem Wort Kette denke ich an Gold und Silber, an eine Kostbarkeit eben. Obwohl auch diese Kette, die Blockchaine eine Kostbarkeit ist, eine die nicht unterbrochen werden darf. Energie ist kostbar, fast unbezahlbar und ohne Energie keine Blockchaine. 
In dieser Story geht es darum, wie pervertiert eine Gesellschaft ist, die einzig und allein darauf ausgerichtet ist, den Reichtum weniger zu erhalten.

Die Hexe aus Apartment 313 von Arthur Gordon Wolf

Eine Geschichte aus dem UMC Universum. Ich habe mich sehr gefreut, als ich sie in dieser Anthologie entdeckt habe, besonders als ich festgestellt hatte, dass Vorkenntnisse zur UMC nicht erforderlich sind, der Autor hat alles, was nötig ist, mit leichter Hand in der Kurzgeschichte untergebracht, ebenso wie einen Bezug zum Schwesterband. Eine Gruppe Jugendlicher ist auf dem Weg zum Haus, in dem einer von ihnen eine Mutprobe überstehen soll, um in die Gang aufgenommen zu werden. 

Rainfall von Xander Morus

Die Klimaerwärmung hat bedrohliche Ausmaße erreicht, Afrika ertrinkt in Regen und nur ein Mensch hat vielleicht eine Lösung, der Wissenschaftler Vertaux. Der Hubschrauberpilot Hazzard und die Nahkampfspezialistin Vanessa Staller haben den Auftrag, ihn aus El-Hafair abzuholen. Was sie dort erfahren, ändert vieles.

Utopia von Lisanne Surborg

Und wieder eine der traurigeren Storys in dieser Anthologie. Eine Welt, die sich auf ein Gebäude, eine Stadt beschränkt, in der die Menschen auf Ebenen leben, je blumiger der Name der Ebene, desto niedriger der soziale Status der Person. Yole hat von Geburt eine geringfügige körperliche Einschränkung, deswegen lebt sie in Paradise. Ich will euch nicht verraten, welche Konsequenzen der soziale Status auf das Leben der Menschen dort hat, dann müsstet ihr diese tolle Story nicht mehr lesen.

Alles danach von Sonja Rüther

Erik lebt im Haus, in der Zeit danach, wie ein Chronist erzählt er den jüngeren Bewohnern von der Zeit davor, einer Zeit, in der Probleme kleingeredet wurden, wo Profit vor Ethik und vor Umweltschutz ging. Erik ist alt und zäh und er wartet wie die anderen im Haus auf die, die sich Nachts auf der Suche nach Nahrung oder Überlebenden aus dem Haus wagten. Manchmal gibt es dabei keinen Unterschied.

Steve Gypsy von Jana Oltersdorff

Steve ist mit der 12jährigen Gypsy auf dem Weg zu seinem früheren Zuhause. Auf dem Weg dorthin müssen sie sich nicht nur vor anderen Menschen in Acht nehmen, da sind auch noch die Geistmonster, durch deren Berührung die Menschen krank werden und früher oder später sterben. 
Diese Story hat sogar so etwas wie ein Happyend. 

Vom Wegwerf-Modell zur Innovation von Thomas Backus

Huch, diese Story hätte fast auch in den Schwesterband gepasst ;o) Der Vater des namenlosen Protagonisten hat eine Methode erfunden, fremde Körperteile an Menschen zu reimplantieren, so wie es die Natur vorsah, zwei Beine, zwei Arme. Der Protagonist hat sie weiterentwickelt und Arbeitern vier Arme transplantiert. Warum diese wirklich sehr kurze Story auch in den Schwesterband gepasst hätte, das müsst ihr selbst herausfinden.

Sechsunddreißig Stunden am Arsch von Constantin Dupien

In der letzten Story der Anthologie erfahren wir, was die Experimente des Dr. Max Groll in anderen Welten bewirken und wie es denen ergeht, die das Dimensionstor durchqueren.

»Am Ende der Zeit« ist eine gelungene Fortsetzung der Dystopia-Anthologie, die mit ihren vielfältigen Geschichten und beeindruckenden Autoren das Genre Horror und Dystopie auf höchstem Niveau präsentiert. Die düstere Atmosphäre, gepaart mit einfallsreichen Handlungssträngen, macht diese Anthologie zu einem Muss für Fans des Genres.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Amrûn Verlag; 1. Edition (13. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 214 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958695353
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958695351

Dienstag, 5. Dezember 2023

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt von Richard Osman

 

Der vierte Band des »Donnerstagsmordclubs«, mit dem Titel »Ein Teufel stirbt immer zuletzt« von Richard Osman, entführt die Leser erneut in die charmante Welt der Clubmitglieder Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim. Ihr Weihnachtswunsch nach einem Jahr ohne Mord wird rasch zunichtegemacht, als der Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar ermordet wird. Der Verdacht liegt nahe, dass er in illegale Machenschaften verwickelt war, ein verschwundenes Kästchen voller Heroin, wirft weitere Fragen auf.

Inmitten einer teuflischen Schar von Dealern, Betrügern und Ganoven setzt der Donnerstagsmordclub alles daran, den Mörder zu entlarven. Und nebenbei versuchen die liebenswerten Clubmitglieder Mervin, einen pensionierten Schulleiter davon zu überzeugen, dass seine litauische Internet-Verlobte Tatjana nicht real ist und nur darauf aus ist, ihm sein Geld aus der Tasche zu ziehen.

Die Charaktere des Donnerstagsmordclubs sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Ihr Humor, ihre gegenseitige Unterstützung und die tiefe Zuneigung füreinander machen sie zu einer liebenswerten Truppe. Der Kriminalfall wird auf ihre gewohnt humorvolle Art gelöst, und selbst die Verbrecher wurden mir fast sympathisch.

Besonders berührend ist die Darstellung der persönlichen Herausforderungen der Clubmitglieder. Elizabeths aufopferungsvolle Pflege ihres an Alzheimer erkrankten Mannes Stephen, rückt emotionale Themen ins Zentrum. Joyce und Ibrahim erinnern sich an vergangene Lieben, während Ron, starrsinnig wie er ist, sein Liebesglück auf die Probe stellt.

Die Auflösung des Kriminalfalls, der selbst die Polizei vor Rätsel stellt, erfolgt auf erwartet humorvolle Weise. Der Donnerstagsmordclub beweist erneut seine detektivischen Fähigkeiten, indem er Hinweise und Fakten wie ein Puzzle zusammensetzt. Richard Osman schafft es, Spannung, Humor und emotionale Tiefe in diesem vierten Fall geschickt miteinander zu verweben, was das Buch zu einem unterhaltsamen Leseerlebnis macht.


  • Herausgeber ‏ : ‎ List Hardcover; 3. Edition (30. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzt von: Sabine Roth
  • Broschiert ‏ : ‎ 432 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3471360514
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3471360514
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Last Devil To Die



Sonntag, 3. Dezember 2023

8 Fragen 8 Antworten. Constantin Dupien zu Besuch im Buecherhaus



Heute darf ich Constantin Dupien im Bücherhaus begrüßen, Constantin lebt und arbeitet in Leipzig und ist als Autor und Herausgeber tätig, am Ende des Interviews findet ihr eine Liste seiner bisherigen Werke.


Herzlich willkommen im Bücherhaus, Kaffee, Tee und Plätzchen (Wir sind in der Adventszeit, da heißen Kekse Plätzchen) stehen bereit, aber, vorab das obligatorische:


Beschreibe dich bitte in 5 Worten.


Hi Manuela,

herzliche Grüße aus der wunderschönen Buchstadt Leipzig. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

Puh …

Na gut, ich versuche es. Bekomme ich bitte auch Schrift in grün, so wie zuletzt Carolin Gmyrek? (Das krieg ich hin😀)

Herzblutmensch • sanftmütig • reflektiert • Vanillekipferl-Leckermaul • Sportjunkie (geht Vanillekipferl backen)


1. Die Anthologie „Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern“ und „Mängelexemplare 5: Am Ende der Zeit“ wurden von dir herausgegeben. Welche Herausforderungen gab es dabei, eine Anthologie in zwei Teilen herauszugeben?

Die größte Herausforderung bei der fünften Ausgabe der Mängelexemplare war es, die beiden unterschiedliche thematischen Ansätze – Horror trifft Erotik und Horror trifft Dystopie – in einem Gesamtkonzept zusammenzuführen, das in sich stimmig und trotz aller Komplexität leicht zugänglich ist.
Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen. Aber durch eine beide Bände umspannende Rahmenhandlung sowie das ein oder andere verbindende Element offenbaren sich alle Geheimnisse erst, wenn man beide gelesen hat. Die Reihenfolge ist dabei übrigens unwichtig.

Dass am Ende wirklich alles so geklappt hat, wie ich es mir zweieinhalb Jahre lang vorgestellt und darauf hingearbeitet habe, ist vor allem auch ein großer Verdienst von Stefan Cernohuby.

Wir haben gemeinsam den Metaplot konzipiert. Außerdem hat er bei Mängelexemplare: Am Ende der Zeit als Co-Herausgeber ganz viele wichtige Impulse beigesteuert und mich auf Augenhöhe unterstützt.

An dieser Stelle:

Vielen Dank, lieber Stefan.



2. Warum hast du die beiden Bücher überhaupt getrennt, eine Anthologie-Dilogie ist ja eher ungewöhnlich?


Die Mängelexemplare-Reihe hebt sich über alle Ausgaben hinweg durch ihre liebevolle und experimentierfreudige Umsetzung von der Masse ab. In den Vorgängerbänden haben wir bereits einige coole Dinge eingebaut, wie zum Beispiel handgeschriebene Einleitungen der Autor*innen zu ihren Geschichten, mit Tusche gemalte Illustrationen, kontextbezogene Fotografien sowie handschriftlich verfasste Lyrik. Und hey, Mängelexemplare: Heimgesucht ist eine Novellen-Anthologie! 


Ich glaube, solche Details und Besonderheiten haben dazu beigetragen, dass die Mängelexemplare in der Phantastik-Szene trotz siebenjähriger Veröffentlichungspause noch immer ein Begriff sind.

Dass Mängelexemplare 5 am Ende eine Dilogie geworden ist – noch dazu mit einer übergreifenden Rahmenhandlung – war zu Beginn (die ersten Überlegungen gab es bereits zur Leipziger Buchmesse 2017) gar nicht geplant gewesen. Ursprünglich stand das übergeordnete Motiv Horror trifft Erotik im Fokus. Der Rest hat sich mit der Zeit entwickelt.


Und: Eine Konzept-Anthologie-Dilogie herauszugeben, finde ich einfach nur cool. Es passt zudem wunderbar zu den Mängelexemplaren, die gängigen Konventionen zu durchbrechen.


Props gehen hier an den Amrûn Verlag, der in jeder Sekunde hinter dem Projekt stand, obwohl wir uns mit der Veröffentlichung so weit weg vom Mainstream bewegen, dass die großen Verkaufszahlen wohl leider ausbleiben werden. Trotz großartiger Geschichten und einem professionellen Herangehen.



3. Wie hast du die Geschichten ausgewählt, die in den Anthologien aufgenommen wurden und was macht für dich eine herausragende Kurzgeschichte im Horrorbereich aus?


Es gab keine offene Ausschreibung. Alle Autorinnen und Autoren, die in den neuen Mängelexemplaren vertreten sind, erhielten eine persönliche Anfrage von mir (und wurden teilweise so lange belagert, bis sie endlich „Ja!“ gesagt haben).

Es sind langjährige Familienmitglieder an Bord, wie etwa Lisanne Surborg, Vincent Voss, Jana Oltersdorff und Stefanie Maucher. Alle vier waren schon in der ersten Mängelexemplare-Anthologie vertreten.
Dazu gekommen sind neue Kolleginnen und Kollegen, deren Werke ich sehr schätze, wie etwa Faye Hell und Sonja Rüther – beides unglaublich wortstarke Autorinnen und sehr liebe Menschen (darf ich das über dich sagen oder killt das dein Image, Faye?)

Außerdem ist es mir wichtig, noch nicht etablierten Schriftsteller*innen eine Bühne zu bieten.

Die Geschichte Idas Augen von Sanjina Karma ist großartiger psychologischer Body Horror mit queeren Charaktären.
Es ist kaum zu glauben, dass dies eine ihrer ersten Veröffentlichungen ist. Ich wünsche Sanjina, dass sie bald ein größeres Publikum erreicht.

Unsere Lektorin des Vertrauens, Lilly Rautenberger, steuert gleich zwei Kurzgeschichten und ein Gedicht bei. Ihre Story für Mängelexemplare: Hinter den Fenstern ist so tiefgründig emotional, düster und berührend, dass ich nach dem ersten Lesen erst einmal eine Pause benötigt habe, um die Schwere zu  verdauen. 

(Vanillekipferl spendiere, vorsicht heiß. Lillys Geschichte "Fasern" ist eine meine Lieblingsstorys in dem Buch.)


4. Als Autor hast du nicht nur Kurzgeschichten, sondern auch Romane veröffentlicht. Wie unterscheidet sich dein Herangehen beim Schreiben von kürzeren Formaten im Vergleich zu längeren Werken?

Egal ob Kurzgeschichte oder Roman – ich bin leider schrecklich unstrukturiert, sprunghaft und lasse ich vom sanftesten Windhauch ablenken. Ich überarbeite Textstellen bzw. Kapitel schon lange, bevor die Rohfassung fertig ist, und das bis zur (vermeintlichen) Perfektion.
Gerade bei langen Texten ist das tödlich und insgesamt wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb mein Veröffentlichungstempo der Bewegungskraft einer Schnecke gleicht.

Deshalb zwinge ich mich seit diesem Jahr dazu, nach festen Strukturen zu arbeiten:

Schreiben, wenn möglich, vor der Arbeit

Schreiben schlägt Social Media (haha, guter Witz …)

Erst schreiben, dann redigieren

Intensive(re)s Plotten

Pomodoro Timer zum konzentrierten Arbeiten

Tracking all meiner Autoren-Aktivitäten (daher weiß ich, dass ich zu viel auf Social Media rumschleiche)

Wenn ich diese Dinge weiter beherzige, wird noch in diesem Jahr die Rohfassung meines nächsten Romans fertig.


5. "Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit" ist ein gemeinschaftliches Projekt mit Vincent Voss. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie die Idee für diesen Roman entstanden ist und wie ihr die Charaktere und die Handlung gemeinsam entwickelt habt? Sind da auch mal die Fetzen geflogen?

Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Wir thematisieren den historisch verbrieften Weihnachtsfrieden 1914 an der Westfront des 1. Weltkrieges. In diesem Setting wird im Roman eine jahrhundertealte und urböse Macht geweckt, die durch die Schützengräben wabert und ihre langen Finger bis in die Gegenwart ausstreckt.

Wir nutzen hier übernatürlichen Horror, um zu erklären, was rational gar nicht zu fassen ist:

Der Krieg ist etwas Abscheuliches, Grausames. Und wie schlimm muss es sein, sich, nachdem man das Weihnachtsfest zusammen verbracht hat, am Tag darauf wieder mit tödlicher Gewalt begegnen zu müssen?

Wir haben die Protagonisten des Buches strikt aufgeteilt. Die Handlung ist dann ganz organisch entstanden, indem wir uns abwechselnd die Kapitel zugesendet und jeweils auf das Geschriebene des anderen reagiert haben. Anstatt uns zu streiten, haben wir uns einfach immer fiesere und bösartigere Hindernisse in den Weg gelegt, die es zu überwinden galt.

Eigentlich eine ganz witzige Herangehensweise, oder?

Und irgendwie ist daraus tatsächlich ein ganzer Roman entstanden. Das hat uns beiden so viel Freude bereitet, dass wir dieses Experiment wohl ein zweites Mal wagen werden.


(Stellt mehr Kipferl hin. Oh da freue ich mich sehr drauf, aber hoffentlich nicht wieder 8 Jahre bis zum gedruckten Buch 😀)



6. Welche Herausforderungen siehst du derzeit in der Buchbranche?

Die Buchbranche konkurriert zum einen mit den Streaming-Anbietern, die ohne Pause mit neuen aufwendig produzierten Inhalten locken und aufwandslose Abend- und Wochenendunterhaltung bieten.

Zum anderen gibt es so viele Veröffentlichungen, dass es einzelne Autorinnen und Autoren schwer haben, herauszustechen. Im Buchhandel finden in aller Regel vor allem die Großen der Großverlage statt.

Sichtbarkeit zu bekommen und damit letzten Endes auch Verkäufe, ist eine riesige Herausforderung.



Das Thema KI darf ja irgendwie nicht fehlen. ;o)

7. Glaubst du, dass KI die Art und Weise, wie Bücher geschrieben, veröffentlicht und konsumiert werden, verändern wird?

Ja, absolut.

Ich glaube, dass es bereits jetzt sehr viele Veröffentlichungen gibt, die zu großen Teilen mit einer KI erzeugt wurden.
(Furchtbar oder?) Wer gut prompten kann und eine smarte Herangehensweise hat, erzielt bereits jetzt echt gute Ergebnisse. Noch muss der Mensch Hand anlegen, aber es wird nicht mehr lange dauern …

Lektorat, Korrektorat, Übersetzungen und vor allem Illustrationen und Hörbuchproduktionen werden es schwer haben, auf lange Sicht gegen die KI Bestand zu haben.

Hier müssen wir uns als Gesellschaft die Frage stellen, ob wir das alles so wollen. Und Autorinnen und Autoren müssen für sich herausfinden, ob ihnen die Chance auf schnellen Ruhm (und/oder schnelles Geld) wichtiger ist, als sich die Sporen durch harte Arbeit und fleißiges Üben zu verdienen.

Übrigens kann ich mir in unserer schnelllebigen Zeit auch gut vorstellen, dass maßgeschneiderte KI-Zusammenfassungen von Romanen durchaus ihren Platz finden werden. Ein Buch kennen und mitreden können, ohne es gelesen haben zu müssen – ich glaube, dass genug Leute wirklich so ticken.


8) Als Autor hast du vermutlich eine Menge Zeit mit dem Lesen anderer Werke im Horrorbereich verbracht. Gibt es bestimmte Autoren oder Bücher, die einen nachhaltigen Eindruck auf dich hinterlassen haben und vielleicht auch deine eigene Schreibweise beeinflusst haben?

Ganz ehrlich: Ich lese nicht so viel Horror. Ich mag die ganze Bandbreite der Phantastik und darüber hinaus viele andere Genres.

Meine Lieblingsautoren sind Georges Simenon, Edgar Allan Poe und S. S. Van Dine. Im Horrorbereich ist es ganz klar Vincent Voss. Aktuell lese ich zudem sehr gerne Bianca Iosivoni, Anabelle Stehl und Boris Koch.

Wichtig für mein Lesevergnügen sind entweder ein super spannender Plot oder interessante Figurenkonstellationen und fein gezeichnete Charaktere.

Ich danke dir sehr für deinen Besuch und ich hoffe bald wieder etwas von dir lesen zu dürfen. Steht gerade etwas in den Startlöchern?

Ich danke für die Gelegenheit und die wirklich spannenden Fragen. Wir kennen uns nun schon viele Jahre, das erste Mal sind wir uns 2016 auf einer Lesung in der Suppenbar begegnet, oder? Danke für deinen Support über all die Jahre.
 

(2017 war es, wenn ich nicht irre, mein erster Messebesuch, aber Suppenbar stimmt, du hast gemeinsam mit Vincent Voss gelesen. Ich habe zu danken für all die tollen Geschichten von dir und deinen Autoren Kolleginnen und Kollegen)

Meine Novelle "Der Spuk auf Lakewood Manor"steht in den Startlöchern für den Handel. Eine erste kleine Auflage, die der Verlag für eine Lesung produziert hat, ist bereits ausverkauft.

Noch in diesem Jahr erscheint ein weiteres Buch im Mängelexemplare-Kosmos. Mängelexemplare: Das Familienvermächtnis bringt die besten Geschichten aus den ersten vier Bänden in komplett überarbeiteter Form zusammen, ergänzt um vier neue Erzählungen. Unter anderem ist eine Kurzgeschichte von mir dabei und erstmals alle drei Teile von Ein Schattenmärchen von Michael Marrak.
(Das muss ich ja auch wieder haben😂)

Für 2024 habe ich mindestens einen Roman und eine Novelle auf der Uhr.

(Ich fange dann schon mal Büchergeld zu sparen, aber ich weiß das es sich lohnen wird)

Hier ist die versprochene Liste mit Büchern von und mit Constantin, zu vielen davon findet ihr eine Rezension hier auf dem Blog.

Werke von Constantin Dupien:

Eigene Veröffentlichungen:
Der Spuk auf Lakewood Manor (2023, KOVD Verlag)
Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit (2023, Nectu Verlag)
In Blut und Liebe (2013, Amrûn Verlag)

Zwischen 2013 und 2017 einige Beiträge in Anthologien

Als Herausgeber:

Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern (2023, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 5: Am Ende der Zeit (2023, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 4: Heimgesucht (2016, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 3: Haunted (2015, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 2: Dystopia (2014, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare und andere makabre Geschichten (2013, Edition Lepidoptera)

Samstag, 2. Dezember 2023

Der Spuk auf Lakewood Manor von Constantin Dupien (Eine Kurzgeschichte)







Der alternde Meisterdetektiv Preston folgt gemeinsam mit seinem Freund und Schriftführer John Denton, seinem Auftraggeber Sir Arthur Denton, nach Lakewood Manor, einem auf einer einsamen Insel im Meer gelegenen Herrenhaus. Auf dem Familiensitz tragen sich seit einiger Zeit mysteriöse Ereignisse zu. Preston allerdings beeindrucken weder die flüsternden Stimmen noch die mit Blut geschriebenen Botschaften an den Wänden, er glaubt an irdische Motive für die Vorkommnisse.

Kann Spuren von Spoilern enthalten.

Vom Mann, der mit zwei Flaschen Whiskey den Untergang der Titanic überlebte: In kuriosen Anekdoten durch die Weltgeschichte von Giles Morton

 

Der britische Historiker Giles Milton nimmt uns mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Geschichte, in der skurrile Anekdoten und unerwartete Wendungen an der Tagesordnung sind. Im Vorwort erzählt Giles Milton von seiner Arbeit in diversen Archiven, bei der er sich durch Briefe und Dokumente wühlt, um eben diese Geschichten zu finden.

Einige dieser Anekdoten kannte ich schon, wie die von dem nächtlichen Besucher der Queen, der 1982 sogar zweimal in den Buckingham-Palast einbrach und es einmal sogar bis ans Bett der Queen schaffte. Aber es gibt auch kleine Randnotizen der Geschichte, die es nicht bis in die Weltpresse geschafft haben.

Der Eiffelturm in Paris zog den Neid des englischen Patrioten Edward Watkins auf sich, der es sich zum Ziel setzte, einen noch höheren Turm zu bauen.Watkins rief einen Wettbewerb ins Leben. Der beste Entwurf sollte mit 500 Goldmünzen prämiert werden. Die Entwürfe allerdings waren alle nicht umsetzbar. Am Ende setzte sich ein Entwurf durch, der fast eine exakte Kopie des Eiffelturms war. Allerdings wurden die Arbeiten nie beendet und die Bauruine, die im Volksmund »Watkin’s Folly« genannt wurde, wurde 1907 gesprengt.

Natürlich erzählt Giles Milton auch von den schlimmsten Verbrechern. Wer wusste schon, dass Adolf Hitler wohl neben Eva Braun noch ein Verhältnis mit der Engländerin Unity Mitford hatte? Gerüchteweise hat sie ein uneheliches Kind Hitlers zur Welt gebracht. Dass Hitler allerdings vermutlich durch seine Drogensucht impotent war, lässt nur zwei Schlüsse zu, das Gerücht ist nur ein Gerücht oder eines der Mittel, die ihm von seinem Leibarzt Dr., Theodor Morell, verabreicht wurden, hat funktioniert. Welches das war, erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest.

Durch seine intensiven Archivrecherchen stieß der Autor immer wieder auf Geschichten, die nicht nur spannend und erheiternd sind, sondern manchmal auch ein tiefes Gefühl des Befremdens hinterlassen. Ich wusste oft nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, die eine oder andere Anekdote hat mich wirklich traurig gestimmt, aber meist habe ich mich wirklich amüsiert. 
Ich kann für dieses Buch eine Leseempfehlung abgeben, für alle die sich für Geschichte interessieren, aber auch für jene die Geschichte bisher langweilig fanden, denn es sind die kleinen Randnotizen die ihr Leben einhauchen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Benevento; 2. Edition (23. Dezember 2020)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzt von: Katja Bendels
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 292 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3710900778
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710900778
  • Originaltitel ‏ : ‎ Fascinating Footnotes from History

 




Freitag, 1. Dezember 2023

Adelsspross (Die Erste Tochter)von Katharina Maier


»Die erste Tochter (Adelsspross)« von Katharina Maier entführt ihre Leser in eine Welt, die fernab unserer Vorstellungskraft liegt. Auf einem fremden Planeten, geprägt von beeindruckender Hochtechnologie und durchzogen von patriarchalen Machtstrukturen, erleben wir die fesselnde Geschichte von Mynrichwy Neoly.



Mynrichwy die ich im folgenden Myn nennen werde, wächst in einer liebevollen und für die Verhältnisse auf ihrem Heimatplaneten sehr liberalen Familie auf. Ihr Vater Eftnek Neoly, der Erbe einer angesehenen Adelsfamilie, ist ein gefeierter Künstler, der sich mehr von seiner Frau Lys beeinflussen lässt, als es sich in der patriarchalen Gesellschaft geziemt. Ihren Brüdern Mudmal und besonders dem älteren Vairryn, der sie heimlich unterrichtet, ist sie voller Liebe verbunden. Myns Leben ist unbeschwert, bis Asnuor zum Oberpriester gewählt wird, er bestreitet die Lehre, dass die Göttin Lchnadra gemeinsam mit dem Vater – Gott Wy, die göttliche Einheit erschaffen hat. Ebenso will er die Rechte der Frauen noch weiter beschneiden und den Einfluss derer, die an die göttliche Einheit glauben. Myn währenddessen beobachtet still die Veränderungen, die auf Singis und in ihrer eigenen Familie vorgehen.

Das ist jetzt nur ein kurzer Abriss von dem, was in dem etwas mehr als 300 Seiten starken Buch geschieht.

Der Erzählstil der Autorin ist sehr interessant, mal lässt sie die »Dame Tod« erzählen, die wir im Prolog kennenlernten, dann wieder Myn und manchmal ist es mir tatsächlich nicht ganz klar geworden, wer mir die Geschichte erzählt. Es kam aber nie dazu, dass ich den roten Faden verlor.

Die Welt, welche die Autorin sich erdacht hat, scheint nur auf den ersten Blick absolut fremdartig, ich sehe viele Parallelen zu unserem Leben. Wenn Religionsgemeinschaften zu viel Macht bekommen, schadet das meist in erster Linie den Frauen. So wie es Katharina Maier in ihrer Geschichte auch beschreibt, dann ist es nur ein kleiner Schritt von »Frauen sollen nicht allein auf die Straße gehen« zu dem, was am Ende dieser Geschichte angedeutet wird. 
Neugierig geworden? Ja ich auch. 
Wenn die Autorin die Städte und Landschaften beschreibt, hatte ich immer Bilder von antiken orientalischen Städte im Kopf, das mag daran liegen, dass ich kurz zuvor Bilder aus der usbekischen Stadt Samarkand gesehen hatte. Im krassen Gegensatz dazu stehen die technologischen Errungenschaften. Reisen zu anderen Planeten und Holografische Bildübertragung um nur zwei zu nennen.

Katharina Maier hat es geschafft, das ihre Protagonisten in meinem Kopf lebendig wurden, sei es nun Myn, das Mädchen konnte ich tatsächlich in mein Herz schließen oder auch Asnuor, der machtgierige Oberste Priester und seinen Gehilfen Sna, der die Bezeichnung Nchorr (kleiner Wurm) verdient wie kein zweiter. 


Diese Geschichte zu lesen ist nicht ganz einfach, das allerdings liegt einzig und allein an den wirklich komplizierten Namen und Bezeichnungen. Am Ende des Buches gibt es noch ein WER ist WER, in dem die Verwandtschaftsverhältnisse und die Beziehungen der handelnden Personen erklärt werden, obwohl das für mich gar nicht so kompliziert war. Uein WAS ist WAS, das war für mich schon hilfreicher, die Bezeichnungen sind so kompliziert, dass ich mir gar nicht alles merken konnte und gern auf dieses Verzeichnis zurückgriff.


Insgesamt ist »Die erste Tochter (Adelsspross)« von Katharina Maier eine anspruchsvolle, und lohnenswerte Lektüre, die die Lesenden in eine faszinierende Welt entführt und zum Nachdenken über gesellschaftliche Strukturen anregt. Ich bin also schon sehr gespannt darauf wie es weiter geht mit Myn darum ist es gut das auch der zweite Teil der Reihe schon bereit liegt.



  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli; 3. Edition (10. September 2019)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3750202095
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3750202092