„Das Haus in dem Gudelia stirbt“ von Thomas Knüwer hat als Debüt den Deutschen Krimipreis gewonnen. Das hat meine Erwartungen an das Buch ganz hoch gesteckt.
In diesem Roman begegnen wir Gudelia, einer Frau die auf den ersten Blick hart und berechnend scheint aber hinter dieser Fassade steckt ein tief verletzter Mensch, der mit Schuld und Trauer ringt. Sie lebt seit Jahrzehnten in ihrem kleinen Haus in einem von einer Sturmflut bedrohten Dorf. Obwohl die Gefahr draußen wächst, alle Nachbarn sind schon weg und sogar tote Schweine und Leichen an ihrem Fenster vorbeischwimmen, weigert sie sich, ihr Zuhause zu verlassen. Dieses Haus birgt ein Geheimnis, von dem niemand jemals erfahren darf.
Was mir besonders gefallen hat, ist der Aufbau des Buches. Drei Zeitebenen verweben sich, 1984, 1998 und 2024, und erzählen Stück für Stück die tragische Geschichte von Gudelia und ihrer Familie. Im Zentrum steht der Mord an ihrem Sohn Nico, der ihr Leben überschattet dies und der Alkoholismus ihres Mannes Heinz haben mich immer wieder kurz innehalten lassen und mir Gudelias Situation vor Augen geführt. Es blieb die Frage: Wie würde ich mich an ihrer Stelle verhalten? Das Familiendrama hat mich tief bewegt und blieb dabei angenehm unaufdringlich.
Der Roman ist meiner Meinung nach mehr als ein Krimi. Die Spannung entsteht weniger aus der klassischen Suche nach dem Täter, sondern vielmehr aus dem tiefen Einblick in Gudelias zerbrochenes Leben. Die Mischung aus berührender Tragik, schwarzem Humor und dichter Atmosphäre zeigt, dass dieses Buch den Preis zu Recht gewonnen hat.
Thomas Knüwer beweist, dass es möglich ist, Spannung mit literarischem Anspruch zu vereinen.

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