Dienstag, 30. April 2024

Die Abenteuer von Pina Parasol von Tino Falke

 

Jeder Verlust kann ein Gewinn sein! Pina Parasol ist Expertin im Verschwindenlassen. In ihrem ungewöhnlichen Beruf wird sie beauftragt, Dinge für ihre Kunden verschwinden zu lassen. Ihre Aufträge führen sie an verschiedene Orte: von Paris in die sengende Hitze der ägyptischen Wüste, zu den eisigen Weiten der Antarktis und in die geheimnisvollen Tiefen der Ozeane. Doch das ist erst der Anfang. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es noch viele unentdeckte Orte, und Pina ist bereit, sie alle zu erkunden.

In vierzehn spannenden Kurzgeschichten erzählt ein unbekannter Erzähler am Lagerfeuer die Abenteuer von Pina Parasol und die Herausforderungen, denen sie sich stellen muss, während ein nahendes Übel seine Schatten vorauswirft. Die Geschichten nehmen uns mit auf die Reisen von Pina und ihrer fliegenden Lokomotive.

Pina Parasol wuchs in einem Waisenhaus auf und verlor ihre Eltern, bevor sie sie richtig vermissen konnte. Sie verlor ihre linke Hand, bevor sie sie jemandem zum Geleit reichen konnte. Trotz dieser Schicksalsschläge hat Pina ihren eigenen Weg gefunden. Sie ist nun Kapitänin ihrer eigenen fliegenden Lokomotive und hat Freunde, die ihr immer zur Seite stehen: der Erfinder MassiMo, der Schriftsteller Cédille und die Plakatiererin Sabine. Gemeinsam erleben sie die Höhen und Tiefen des Abenteuers und zeigen uns, dass jeder Verlust auch eine Chance für einen Neuanfang sein kann.

Die vierzehn Geschichten bieten eine Vielzahl von spannenden Handlungen und lebendigen Charakteren. Eine der Geschichten, die besonders beeindruckend ist, erzählt, wie Pina zu ihrer Lokomotive kam. Hier erfahren wir, wie sie den berühmten Archäologen Lazarus Dorado auf der Suche nach dem verschollenen Königreich Punt begleitet. L.Dorado reist mit einer Lokomotive, die an Ballons aufgehängt ist, und ist seinem Ziel ganz nah, als Pina von den »Kindern von Punt« den Auftrag erhält, den Weg dorthin zu verlieren, um das Land vor Schatzräubern zu schützen.

Natürlich verrate ich nicht, wie genau sie zu ihrer Lokomotive kam, dann müsstet ihr die Geschichte ja nicht mehr lesen.

In einer anderen Geschichte, »Pina und der Baba-Yaga-Ring«, trifft sie auf Magie, an die sie eigentlich nicht glaubt. In dieser Erzählung reist sie nach Russland, um etwas in den Sümpfen zu verlieren, und trifft dort auf die alte Mergen, die sie dazu bringt, ein Monster aus dem Sumpf zu fangen.

Selbst in ihrer Heimatstadt erlebt Pina Abenteuer.

In »Pina und die Sesampatrouille« wollte sie eigentlich mit ihren Freunden ein Rennen zwischen zwei konkurrierenden Kurierdiensten verfolgen, als eine Giftwolke auf die Stadt zutreibt. Der Pestdoktor Dante scheint die Stadt heimzusuchen.

Die Geschichten von Pina Parasol sind eine faszinierende Mischung aus Abenteuer, Fantasy und Entdeckungsreisen. Mit Pina tauchen wir ein in die spannende Welt des Steampunks. Mich haben die Storys sehr gut unterhalten und ich vergebe eine Leseempfehlung. Tino Falke schafft es, ohne große Worte, eine fesselnde Welt zu schaffen, auch für diejenigen, die mit der Welt des Steampunks nicht vertraut sind. Ebenso erfahren wir, was für ein Mensch Pina Parasol ist: schlagfertig, wagemutig, loyal und prinzipientreu.

Jeder Story wird eine Triggerwarnung vorangestellt und Tino Falke bedient sich unaufdringlich einer gendergerechten Sprache


  • Herausgeber ‏ : ‎ OHNEOHREN; 1. Edition 
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 390 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3903296740
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3903296749

Freitag, 26. April 2024

INTOXIKATION. Chemie der Illusionen von Matthias A. K. Zimmermann (Autor), Kristina Schippling (Autorin)

Kara ist eine Ausnahmekünstlerin, ihre Bilder, die sie auf sehr ungewöhnliche unter zu Hilfenahme von giftigen Chemikalien erschafft, verkaufen sich gut. Doch Kara ist nicht glücklich, das wird schon auf den ersten Seiten mehr als deutlich. Kara begibt sich auf einen bewusstseinserweiternden Drogentrip, dieser wird von den Autoren Kristina Schippling und Matthias A. K. Zimmermann, sehr bildgewaltig beschrieben.

Im nachlassenden Drogenrausch, tötet sie ihren Ex-Freund, den sie für einen Einbrecher hält. Da sie eine gewalttätige Vergangenheit mit ihm hat, versucht sie die Leiche loszuwerden, statt die Polizei zu rufen. Was folgt, ist eine sehr ungewöhnliche Story, eine Mischung aus Thriller, Krimi und den Berichten über verstörenden Drogentrips. Als ein Video auftaucht, das sie schwer belastet, gerät Karas Leben mehr und mehr außer Kontrolle, um so mehr als auch noch die verführerische Malina auftaucht.

Dieses Buch liest man nicht gerade mal so zwischendurch, immer wieder verwischen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, ich weiß nicht welches andere Wort ich für die Beschreibungen der Drogentrips nennen soll, da ich persönlich diesen Zustand und auch den Wunsch der Realität auf diese Weise zu entfliehen in keinster Weise nachvollziehen kann.

Der Schreibstil des Autorenduos ist sehr intensiv, er erzeugt eine Atmosphäre der Unruhe und des Unbehagens. Die Sprache sehr bildhaft, die Autoren verwenden viele metaphorische Elemente, die die Gefühle und Erfahrungen der Protagonisten zu beschreiben. Die Intensität ihrer Worte trägt dazu bei, eine surreale und verstörenden Welt zu schaffen, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Die Verwendung von kurzen, prägnanten Sätzen verstärkt das Gefühl von Nähe und lässt den Leser direkt in die Gedanken und Empfindungen von Kara eintauchen. Insgesamt vermittelt der Schreibstil eine intensive und verstörende Erfahrung, die den Leser in die psychologische Welt der Hauptfigur eintauchen lässt.

Um sich auf diese ungewöhnliche Story einzulassen, muss man bereit sein, die Grenzen zwischen Realität und Fantasie zu akzeptieren. Der Text enthält mehrere Elemente, die darauf hinweisen, dass die Handlung nicht immer der herkömmlichen Logik folgt: Karas Umgang mit ihren Bildern, die Verwendung von giftigen Chemikalien, ihr Drogentrip und die daraus resultierenden Ereignisse wie der Mord an ihrem Ex-Freund. Diese Elemente erfordern vom Leser eine Bereitschaft, sich auf eine nicht-lineare und manchmal verstörende Erzählweise einzulassen. Die Erzählung wird nicht nur durch die äußeren Ereignisse, sondern auch durch die inneren Konflikte und die psychologische Entwicklung der Hauptfigur vorangetrieben. Es ist wichtig, die surrealen Aspekte der Handlung zu akzeptieren, um die Tiefe der Charaktere und die vielschichtige Atmosphäre des Buches vollständig zu erfassen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Kulturverlag Kadmos; 1. Edition (18. März 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 334 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3865995632
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865995636

Zu Gast im Bücherhaus die Autorin Kristina Schippling und der Autor Matthias A. K. Zimmermann

Heute darf ich die Autorin Kristina Schippling und den Autor Matthias A. K. Zimmermann, des Psychothrillers INTOXIKATION. Chemie der Illusionen, der im März 2024 im Kuturverlag Kadmos erschienen ist, im Bücherhaus begrüßen. Herzlich willkommen im Bücherhaus, machen sie es sich bequem, Kaffee, Tee, Kekse und alkoholfreie Getränke stehen natürlich bereit.





Bevor wir beginnen, möchten sie sich den Leserinnen und Lesern, die sie noch nicht kennen, kurz vorstellen bitte?

Ich heiße Matthias, ursprünglich komme ich aus der Kunst, habe Game Design, Musik und Kunstpädagogik studiert. Aus meinen künstlerischen Arbeiten, die ich als "Modellwelten" bezeichne und die im Laufe der Jahre immer mehr Textelemente bekommen haben, entwickelte sich eine zunehmende Faszination für das Lesen und Schreiben von Romanen.

Mein Name ist Kristina. Ich bin Filmemacherin, Schriftstellerin und Philosophin. Nach meinen Studien der Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Germanistik und Darstellenden Kunst habe ich zu einem interdisziplinären Thema promoviert „Zur Vermittlung von Film im Schulbuch“. Mein Dokumentarlangfilm „The Sound of Cologne“ läuft derzeit noch in den Kinos. Gleichzeitig ist gerade der Spielfilm „Monster on a Plane“ in den Festivals gestartet, bei dem ich in mehreren Positionen beteiligt war. Dann arbeite ich derzeit an einem philosophischen Buch …



1. Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit? Und wie würden Sie Ihren individuellen Beitrag zum Schreibprozess beschreiben und wie ergänzen sich Ihre jeweiligen Stärken und Perspektiven?


Kristina hatte vor über zehn Jahren einen Artikel über meine Ausstellung im Computerspielemuseum Berlin geschrieben. Hierfür hatte sie mit mir ein Interview gemacht, und so haben wir uns kennengelernt. Es entwickelt sich ein lebhafter Austausch über künstlerische Prozesse, was schließlich zu der Idee geführt hat, gemeinsam einen Roman zu schreiben. INTOXIKATION, unser gemeinsamer Roman, ist ein psychologischer Thriller, in dem einer der Hauptfiguren Künstlerin ist. In dieser Geschichte fließen Kristinas Wissen über die Psychologie aus ihrem Studium so wie meine künstlerische Praxis zusammen.


Matthias und ich haben uns über die Medienwisssenschaft der Humboldt Universität kennengelernt. Damals habe ich zu seinem Werk einen Artikel im Retro-Magazin geschrieben, wie Matthias schon erwähnt hat. Wie ergänzen uns als Autoren wirklich gut. Matthias kann sehr gut Landschaften beschreiben, hat viel für den Roman auch recherchiert. Meine Stärke liegt vor allem in der Entwicklung der Figuren, ihrer Innenwelten und ihrer Beziehungen zueinander. Auch ist Matthias doch sehr perfektionistisch, ich bin dann eher diejenige, die pragmatisch ist, so haben wir wirklich in dem Schaffensprozess mit geballter Kraft das beste Ergebnis erzielt.

2. Welche literarischen Werke oder Autoren haben Sie besonders inspiriert oder beeinflusst und inwiefern spiegelt sich das in Ihrem eigenen Schreibstil wider?


Franz Kafka, Michael Ende, Jorge Luis Borges, Antoine de Saint-Exupéry – all diese Autoren tauchen auch in unserem Roman, INTOXIKATION, auf. Mal sind es Figuren, mal Objekte, mal die Bücher selbst. Doch eher versteckt, sodass die Lesenden sie erst einmal finden müssen.

Ich würde auch noch andere Einflüsse ergänzen: Erst einmal sind wir auch von der Wissenschaft beeinflusst, der Chemie, der Psychologie, dann aber auch von anderen Kulturkreisen und deren Perspektive, aber auch spirituelle, fernöstliche und andere Weisheitslehren sind in den Text verwoben. Und letztendlich spielen die Orte eine besondere Rolle. Sie geben der Handlung eine bestimmte Atmosphäre.


3. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Geschichte zu entwickeln, die sich so stark auf die Welt der Drogentrips und surrealen Erlebnisse konzentriert?



Kristina und ich haben noch nie Drogen genommen, wir rauchen noch nicht einmal. Gerade das war Anreiz, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Da hat Matthias recht. Ich habe nie geraucht, ich trinke keinen Alkohol, nicht einmal Kaffee. Zuerst einmal hätte Kara, unsere Hauptfigur, möglicherweise ihren Ex-Freund nicht getötet, wenn sie nicht unter Drogen gewesen wäre. Dann zerbricht die Beziehung beider Hauptfiguren an einem Drogentrip, Kunstwerke werden zerstört. Innerhalb eines Rauschs wird auch deutlich, dass in dieses Nirvana noch nicht hingehören und sich den Rauschzustand erschlichen haben und es böse Folgen haben wird. Was ich damit sagen will, ist, dass wir ein Anti-Drogenbuch verfasst haben. Die Beschreibung der Drogentrips dient aber auch dazu, ein paar sehr besonders kunstvoll gestaltete literarische Momente zu inszenieren, mit der Sprache zu spielen, in Fantasiewelten zu entführen, wie es sonst im Fließtext nicht möglich gewesen wäre. Das Verfließen von Realität und Fantasie macht natürlich einen besonderen literarischen Reiz aus.



4. Welche Recherche haben Sie für die Beschreibung der Drogentrips durchgeführt, um sicherzustellen, dass sie sowohl realistisch als auch fesselnd sind?


LSD, das ja auch in unserem Roman vorkommt, wurde in Basel entwickelt, meine nächstgrößere Stadt. So wusste ich bereits einiges über diese Substanz. Kristina hat sich durch Filmrecherche und Buchinformationen zu diesem Thema informiert.

Wir haben uns informiert, aber wir haben uns auch über dieses Wissen hinweggesetzt und etwas ganz Eigenes literarisch kreiert. Wir machen ja keinen Dokumentarfilm, sondern haben fiktive Literatur geschrieben, bei der alles erlaubt ist. Ich denke, das Ayahuasca nicht so intensiv wirkt wie im Buch beschrieben, zumindest sagen das die Quellen. Vielleicht hat der Schamane in unserer Story auch noch etwas Anderes hineingemischt? Letztendlich darf der Leser/die Leserin der Fantasie freien Lauf lassen. Wichtig ist, dass durch diese Drogentrips eine andere Möglichkeit des Erzählens entsteht, eine weitere tiefenpsychologische Ebene beschritten wird und auch eine neue literarische Erzählkunst entsteht.


5. Kara ist eine komplexe und vielschichtige Figur. Wie haben Sie Ihre Charakterentwicklung geplant und umgesetzt?

Matthias war die anfängliche treibende Kraft. Er wollte Figuren, die ins wilde, bunte, vielleicht auch kaputte Berlin passen, sozusagen postmoderne Figuren, sicherlich auch politische Figuren, wenn man an die in der Handlung versteckte Kritik denkt, die darauf abzielt, Kunstwerke nur noch auf ihre wirtschaftliche Tauglichkeit zu reduzieren. Ich habe die Figuren dann zum Leben erweckt, sie mit all ihren kleinen Fehlern, Sehnsüchten, ihrer schmerzlichen Tiefe, ihren Verdrängungsstrategien und Wünschen ausgestattet, ihnen eine Vergangenheit gegeben und Zukunftsträume. Matthias hat sozusagen das inhaltliche Grundgerüst, sozusagen die Knochen einer Figur gegeben und ich habe dann das Fleisch dazugebastelt, dass sie leben und atmen.

6. Haben Sie sich von realen Ereignissen oder Personen inspirieren lassen, um die psychologische Welt und die inneren Konflikte von Kara darzustellen?


Ich lasse mich immer von realen Ereignissen und Personen inspirieren, denn dies wirkt viel stärker, geht viel tiefer, als es mit der Imagination möglich wäre. Deshalb ist es nicht weniger Fiktion. Ich greife auch keine einzelne Person aus meinem Bekanntenkreis heraus und setze diese in ein Buch ein. Natürlich nicht. Es ist eher so, dass ich hier und dort ein eigenes Erlebnis oder etwas, dass mir erzählt wurde, aufgreife und literarisch verarbeite. Um ein guter Schriftsteller zu sein, sollte man zumindest ein paar Dinge erlebt haben oder wenigstens so gut erzählt bekommen haben, dass man sie nachfühlen kann. Man muss ein sehr guter Beobachter und Menschenkenner sein. Matthias hat wirklich auch sehr viel Arbeit in der Recherche geleistet. Ich habe mir anhand meines Wissens aus der Psychologie und anhand meiner eigenen Erfahrungen und Erfahrungen von Freunden und Bekannten eine Figur imaginiert und versucht, sie so realistisch wie möglich darzustellen.


7. Welche Herausforderungen gab es beim Schreiben von Szenen, die sich um das Thema Drogenkonsum und dessen Auswirkungen drehen?


Eine Herausforderung war es vor allem, die Auswirkungen von Drogenkonsum und ihre verheerenden Folgen geschickt in die Handlung einzuweben. Einfach nur vor Drogen zu warnen in einem literarischen Werk, schien uns sehr plump. Wir wollten mithilfe der Handlung aufzeigen, wie zerstörerisch sich Drogen auf die konsumierenden Personen, ihre Gesundheit, ihre Bindungen, ihren Werdegang etc. auswirken kann. Die besondere literarische Ausgestaltung und das Nachkonstruieren von psychologischen Zuständen während der Drogentrips hat mir vor allem Spaß gemacht, ich habe es tatsächlich nicht so sehr als Herausforderung erlebt, eher als eine spannende Möglichkeit, literarisch mal etwas ganz Neues zu versuchen.


8. Intoxikation ist kein leicht zu lesendes Buch, manche Szenen sind doch recht verstörend, wie gehen Sie mit Kritik und Feedback um, insbesondere bei einem so komplexen und kreativen Projekt wie diesem Roman?

Da es sich bei INTOXIKATION um einen Psychothriller handelt, nehmen wir das Feedback, dass unser Roman verstörend wirkt, als Kompliment, denn das haben Psychothriller ja so an sich, dass sie auf die Psyche der Leser stark einwirken und düster komponierte Bilder hervorrufen. Ansonsten ist unser Roman in der Tat komplex. Um alle Hinweise, Rätsel und verborgenen, geheimnisvollen Zusammenhänge zu finden, muss man ihn mindestens zweimal gelesen haben. Doch darin liegt ja gerade der besondere Reiz unseres Romans.


Ich kann mich Matthias nur anschließen. Man muss den Grusel und die psychologischen Abgründe eines Psychothrillers mögen und sich darauf einlassen wollen. Ich würde sagen, so viel Grusel und Düsternis in dem Buch steckt, so setzt sich das Buch mindestens ebenso intensiv mit Fragen der Heilung in den verschiedensten Ausformungen auseinander. Wir wollten ein besonderes Werk schaffen, keinen gewöhnlichen Thriller und er ist auf jeden Fall komplex, aber gute Literatur sollte dies auch sein. Sie sollte vielschichtig sein und im Gedächtnis bleiben und sie darf auch mal den Leser/die Leserin fordern und nicht ausschließlich unterhalten wollen. Ein Psychothriller, der nicht verschreckt und nicht in die dunklen Tiefen der Psyche abzusteigen vermag, ist im Grunde ein schlecht gemachter Psychothriller. Insofern haben wir unser Ziel erreicht.


Vielen Dank das sie sich die Zeit genommen und meine Fragen so ausführlich beantwortet haben. Ich hoffe bald wieder ein Buch aus ihrer Feder lesen zu dürfen.
Meine Rezension zu diesem wirklich interessanten und außergewöhnlichen Buch findet hier 

Mittwoch, 24. April 2024

Die Schönheit der Rosalind Bone von Alex McCarthy (Autorin), Silke Jellinghaus (Übersetzerin)



Als ich dieses Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, faszinierte mich sofort das Cover. Es zeigt das Gesicht einer wunderschönen Frau, die über ihre Schulter zurückschaut – eine passende Darstellung für den Titel "Die Schönheit der Rosalind Bone". Nach dem ich es gelesen habe, möchte ich nun meine Eindrücke mit euch teilen.

Das Buch beginnt vielversprechend, ähnlich wie eine Pfingstrose, die in ihrer geschlossenen Knospe eine prachtvolle Blüte erwarten lässt. Doch beim Aufblühen zeigt sich, dass die inneren Schichten von Fäulnis und Zerstörung befallen sind, als hätten Würmer die Schönheit verzehrt. Nur wenige Blütenblätter im Inneren sind unversehrt geblieben. Diese düstere Wendung überrascht und wirft ein ganz anderes Licht auf die Geschichte, als man es von außen erwartet hätte.

Kann man eine Geschichte lieben, die von Missbrauch, Armut, Ausbeutung und Drogenhandel handelt? Ich kann, denn die Sprache der Autorin Alex McCarthy hat mich vom ersten Satz an gefesselt. Die deutsche Übersetzung von Silke Jellinghaus trägt dazu bei, indem sie mit großem Feingefühl den Kern der Geschichte bewahrt.

Nun zum eigentlichen Inhalt des Buches. Die Handlung spielt in einem kleinen walisischen Dorf namens Cwmsygod, umgeben von Hügeln und Wäldern. Dort lebt Mary, eine alleinerziehende Mutter, die unter Agoraphobie leidet, während ihre sechzehnjährige Tochter Catrin liebevoll für sie sorgt. In Cwmsygod ist der Klatsch und Tratsch allgegenwärtig – jeder scheint sich für das Leben der Nachbarn zu interessieren. Insbesondere Rosalinds mysteriöses Verschwinden nach dem Tod ihres Vaters bei einem Grubenunglück hat zu zahlreichen Gerüchten geführt.

Auch die Familie Clements, die nach dem Selbstmord des Vaters in Armut verfiel, ist Thema vieler Geschichten. Die Mutter verfiel dem Alkohol, ein Bruder verkauft Drogen, und Daniel, Catrins Kindheitsfreund, spielt mit Feuer. Ein Brand führt dazu, dass eine Obdachlose verletzt wird, die Catrin vor einem Supermarkt trifft und den Notruf wählt.

Damit nimmt die Geschichte eine Wendung, die erschütternde Geheimnisse aus der Vergangenheit aufdeckt und viele Ereignisse, die wir als Leserinnen und Leser aus Marys Perspektive erfuhren, in ein ganz anderes Licht rückt.

Ein Pluspunkt für den Verlag, sie haben die Übersetzerin auf dem Cover erwähnt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ GOYA; 1. Edition (17. April 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3833746408
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3833746406

Klappentext:

Nachts sind alle Katzen: Neun Stories von Nina Heller

 

Nina Heller erzählt Geschichten von Frauen, die in einem ständigen inneren Kampf mit sich selbst stehen. Sie hinterfragen ihr eigenes Erscheinungsbild, ihre Gedanken und ihre Handlungen, oft auf eine Weise, die ihre Unsicherheit und Selbstzweifel offenbart. Diese Frauen machen sich klein, versuchen sich den gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen und sind gefangen in Verhaltensmustern, die ihnen von klein auf beigebracht wurden. Doch trotz dieser scheinbaren Unterwerfung zeigen sie eine tiefe innere Stärke, eine Entschlossenheit, die sie daran hindert, vollständig aufzugeben.

Die Geschichten in dieser Anthologie sind wie Spiegel, die die Erfahrungen und Kämpfe der Frauen reflektieren. Sie erzählen vom Prozess der Selbstfindung und der inneren Reise, auf der sich die Frauen befinden, um die unsichtbaren Fesseln abzulegen, die sie seit ihrer Kindheit umgeben. Die Protagonistinnen mögen manchmal zerbrochen und wütend erscheinen, aber ihre Geschichten sind letztlich von einem starken Willen geprägt, der ihnen erlaubt, den Alltag und seine Herausforderungen zu überwinden.

Insgesamt bieten Nina Hellers Geschichten eine erfrischend ehrliche und zugleich erschreckende Perspektive auf das Leben von Frauen, indem sie den Horror in der Normalität aufdeckt und die Machtstrukturen infrage stellt, die unser Leben prägen. Ihre Protagonistinnen sind unvergessliche Charaktere, die trotz ihrer Schwächen und Fehler nie aufhören, nach einem Weg zu suchen, sich von den Fesseln der Gesellschaft zu befreien.

Anfangs fiel es mir schwer, in die Geschichten hineinzufinden. Manchmal dauerte es eine Weile, bis ich verstand, was die Autorin sagen wollte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich immer alles richtig interpretiert habe. Aber das ist für mich auch nicht das Wichtigste – entscheidender sind die Gedanken und Reflexionen, die bei mir ausgelöst wurden. Die Autorin richtet den Fokus auf das Leben junger Frauen, ihre alltäglichen Erfahrungen und Perspektiven, was die Geschichten durchaus lesenswert macht.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gans Verlag; 1. Edition (1. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 232 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3946392350
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3946392354

Dienstag, 23. April 2024

Mörderjagd entlang der Ruhr von Klaus Heimann

 

Als großer Fan der Sigi Siebert-Krimis war ich gespannt, wie sich die neue Reihe entwickeln würde. Die Geschichten um Sigi Siebert, der in seiner Stammkneipe von seinen alten Fällen erzählte, hatten einen besonderen Charme. Nun übernehmen Thea, auch bekannt als Möhrchen, und ihr Mann Erich das Erbe, beide arbeiten weiterhin bei der Kriminalpolizei in Essen. Ergänzt wird das Team von ihrem jungen Kollegen Korkmaz Wolff, den alle nur Kurt nennen.

In diesem neuen Krimi wird der Student Holger Grothus ermordet, und seine Leiche wird vor dem Haus der Eltern abgelegt. Kurt findet trotz weniger Hinweise heraus, dass der Wagen, mit dem die Leiche transportiert wurde, ein Mietwagen ist, der am Flughafen abgestellt wurde. Als er und Erich dort ankommen, ist der Fahrer jedoch bereits verschwunden.

Das Ermittlerteam steht vor einem Rätsel, denn niemand scheint ein klares Motiv für den Mord zu haben. Einige Menschen in Holgers Umfeld verhalten sich jedoch seltsam. Sein Vater kehrt am Tag nach dem Fund der Leiche zur Arbeit zurück, statt sich um seine Familie zu kümmern, und seine Studienkollegin Sibel scheint mehr zu wissen, als sie zugeben will. Trotz der ruhigen Atmosphäre gibt es zahlreiche falsche Fährten und spannende Momente, die den Leser in Atem halten.

Ich war neugierig, wie ein Krimi im gleichen Umfeld und mit denselben Personen wie in den Sigi Siebert-Geschichten funktionieren würde, doch meine Sorge war vollkommen unbegründet. Möhrchen und Erich führen das Erbe Sigis würdig fort. Ihre Zusammenarbeit ist hervorragend, da sie sich perfekt ergänzen, da sie um die Stärken und Schwächen des anderen wissen. Gemeinsam mit Kurt finden sie jedes Puzzleteil, und das fertige Bild enthüllt dunkle Abgründe der menschlichen Seele.

Ich freue mich schon auf weitere Fälle mit Möhrchen, Erich und Kurt.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Ruhrkrimi-Verlag; Originalausgabe Edition (5. März 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 284 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3947848803
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3947848805
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 14 Jahren

Montag, 22. April 2024

Hildur – Das Grab im Eis: Kriminalroman (Die Hildur-Reihe, Band 2) von Satu Rämö (Autorin), Gabriele Schrey-Vasara (Übersetzerin)

Der Kommunalpolitiker Hermann Hermannsson wird tot auf einer Loipe aufgefunden, ermordet durch einen präzisen Fernschuss. Die Suche nach einem Motiv gestaltet sich schwierig, denn Hermannsson war durch und durch korrupt, und seine Methoden um seine Ziele durchzusetzen waren skrupellos. Der Kreis der Verdächtigen ist dementsprechend groß. Ein weiterer Toter gibt ihr Rätsel auf, der Arzt Gunnar, der aus Zypern zu einem Besuch zurück auf Island war, stürzte aus noch ungeklärten Gründen mit seinem Kleinflugzeug ab. Zunächst sieht niemand außer Hildur einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Mord an Hermannsson und dem Absturz von Gunnar. Hildur entdeckt jedoch bald Hinweise, die darauf hindeuten, dass beide Fälle miteinander verknüpft sind.

Der zweite Teil um die Ermittlerin Hildur Rúnarsdóttir und ich hätte nicht gedacht, dass mich der zweite Teil noch mehr fesseln könnte als der Erste »Die Spur im Fjord.« In diesem Teil kommt Hildurs verstorbene Mutter Rakel zu Wort, in Rückblenden erfahren wir von der Zeit vor dem Verschwinden Björks und Rósas, den kleinen Schwestern Hildurs. Ohne dass er es ausspricht, hat die Autorin Samu Rämö, das Grauen eines unglücklichen Lebens beschrieben. Ihr Kollege Jakob, der als Praktikant aus Finnland bei der isländischen Polizei arbeitet, ist ihr nicht nur eine mittlerweile unverzichtbare Hilfe bei den Ermittlungen, er hilft ihr auch bei der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit.

Und dann ist da noch Disa, nach einem Leben auf der Straße hat sich die junge Frau wieder gefangen und sie arbeitet als Reinigungskraft auf dem Flughafen und erfährt so einiges über die Menschen, die sie dort trifft. Disas Rolle bleibt lange unklar, aber sie wird zu einer entscheidenden Figur, als Informationen enthüllt werden,die zur Auflösung des Falls beitragen. 

Die Autorin Samu Rämö lebt in der kleinen isländischen Stadt Ísafjörður, in der sie auch die Handlung ihrer Krimis ansiedelt, sie kennt also die Atmosphäre, die in der Kleinstadt, wo jeder jeden kennt, herrscht und schafft es diese auch ihren Leserinnen und Lesern zu vermitteln.

In diesem Krimi stimmt einfach alles, die Handlung, die Atmosphäre, der Schreibstil und dass er neugierig macht auf den nächsten Teil. Ein besonderes Lob, verdient sicherlich auch die Übersetzerin Gabriele Schrey-Vasara, die es geschafft hat diese Atmosphäre und die Spannung aus dem Original zu erhalten.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (11. April 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453428188
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453428188
  • Originaltitel ‏ : ‎ Rósa & Björk



 

Freitag, 19. April 2024

Die Köchinnen von Fenley: Roman von Jennifer Ryan (Autor), Pauline Kurbasik (Übersetzerin)

Es sind harte Zeiten während des Zweiten Weltkriegs in Großbritannien. Die Lebensmittelversorgung ist mehr als schlecht, und die britischen Hausfrauen müssen improvisieren, um ihre Familien zu ernähren. Unterstützt werden sie dabei von der BBC-Radiosendung "The Kitchen Front", in der der Moderator Ambrose Hart Tipps gibt, wie sie Gerichte strecken oder Zutaten austauschen können. Um die Sendung interessanter und authentischer zu gestalten, soll eine Frau ihn unterstützen. Diese soll durch einen Kochwettbewerb ermittelt werden.


Vier Frauen wollen sich dem Wettbewerb stellen:

Die Witwe Audrey, die nach dem Tod ihres Mannes mit ihren Kindern gerade so über die Runden kommt, indem sie Pies verkauft.


Lady Gwendoline Strickland, Audreys Schwester, die sich schon immer für das ungeliebte Kind ihrer Eltern hielt und nun zwar mit einem reichen, aber lieblosen Mann verheiratet ist. Sie hofft auf mehr Anerkennung, wenn sie eine kriegswichtige Aufgabe erhält.


Die schüchterne Nell, die als Küchenmädchen auf Fenley Park arbeitet. Durch den herrschenden Personalmangel gleicht ihre Anstellung eher Knechtschaft als einer normalen Anstellung.


Und dann ist da noch die ausgebildete Köchin Zelda, die in der Fenley Pie Factory arbeitet. Sie war zuvor Restaurantchefin in London und ist schwanger. Sie kocht für die Arbeiterinnen und verzweifelt schier an deren nicht vorhandenen kulinarischen Ansprüchen.

"Die Köchinnen von Fenley" ist ein Wohlfühlroman mit ernstem Hintergrund. Nicht nur die Lebensmittelknappheit macht den Frauen zu schaffen. Jede hat ihre eigenen Probleme, mit denen sie zu Beginn der Geschichte allein dasteht. Die Autorin beschreibt die vier Frauen auf sehr authentische Art und Weise. Ich hatte die ganze Zeit ein klares Bild von jeder einzelnen von ihnen vor Augen. Jeder Entwicklungsschritt, den die Frauen machten, schien mir absolut logisch und nachvollziehbar. Von Konkurrentinnen werden sie zu Freundinnen, die einander unterstützen. Gleichzeitig vermittelt Jennifer Ryan ein eindrucksvolles Bild der Zeit. Die Angst vor Bombenangriffen, die Sorgen um die Familien und die Angst vor einer ungewissen Zukunft nehmen gerade genug Raum ein, um die Geschichte nicht in Kitsch abdriften zu lassen.

Ein sehr interessanter Aspekt des  Buches, sind die Rezepte die nach jedem Kapitel abgedruckt sind, ob ich davon eines nachkoche? Da bin ich mir noch unschlüssig. Das Buch aber kann ich durchaus empfehlen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ KiWi-Taschenbuch; 1. Edition (11. April 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 512 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462006622
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462006629
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Kitchen Front










  • Donnerstag, 18. April 2024

    Dead Man's Hand – Die unorthodoxen Fälle des Grimshaw Griswald Grimsby - James J. Butcher (Thomas Salter Übersetzer)


    Als die mächtigste Hexe Bostons brutal ermordet wird, gerät ausgerechnet der Loser Grimshaw Griswald Grimsby, ein Hexer ohne Abschlussprüfung, unter Verdacht. Dabei war sie seine Mentorin und er muss alles daran setzen, um seine Unschuld zu beweisen.

    Was folgt, ist eine rasante Mischung aus Fantasy und Thriller, die einfach Spaß macht.

    Grimshaw Griswald Grimsby, arbeitet als Clownzauberer für ein Burgerbude mit dem klangvollen Namen "Donalds Mächtiges Magisches Königreich des Essens” und hier zeigt sich, dass Grimshaw nun wirklich nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht, allein das rosa Tutu, spricht schon Bände. Die Story ist geprägt von vielen Action- und Kampfszenen, manchmal vielleicht etwas viel des Guten, aber darüber konnte ich im Laufe der Geschichte gut hinwegsehen. Grimshaw Griswald Grimsby, ist einfach zu liebenswert, trotz seiner Einschränkungen, er hat halt keine abgeschlossene Ausbildung, kann er mit dem, was er kann, durchaus ab und an punkten.


    Ich mag ungewöhnliche Bücher die mich einfach in eine andere Welt entführen die nichts mit der Realität zu tun haben, und das trifft hier sowohl auf den Hauptcharakter als auch auf die Orte, die Ideen des Autors und die magischen Elemente zu. Der Autor James J.Butcher war mir bisher unbekannt, auch wenn der Name Butcher auch an mir nicht vorübergegangen ist: (Die Fälle des Harry Dresden von Jim Butcher, dem Vater von James J.Butcher)

    Die Story lebt vom Schreibstil des Autors, der mit viel Witz und originellen Ideen punktet. Ich hätte zwar ein klein wenig mehr über die magische Welt in der Grimshaw Griswald Grimsby, lebt erfahren, aber da vertraue ich einfach auf die Folgebände, die hoffentlich bald erscheinen.

    Von mir gibt es eine Leseempfehlung, für alle die Sarkasmus und Magie mögen.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (11. April 2024)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Taschenbuch ‏ : ‎ 480 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453322886
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453322882
    • Originaltitel ‏ : ‎ Dead Man's Hand – The Unorthodox Chronicles

    Tanz, Tanz, Revolution: Roman von Lisa Weeda (Birgit Erdmann (Übersetzerin)

     

    Das fiktive Land Belusia wird von seinem nördlichen Nachbarn überfallen, seitdem herrscht Krieg, mit ihm einhergehen Angst und Verzweiflung in dem kleinen Land. Menschen von überall auf der Welt drücken den Belusianern ihr Mitgefühl aus, schicken Durchhalteparolen oder schalten Nachrichten über das Kriegsgeschehen einfach weg. 

    Der Krieg ist weit weg und man kann schnell wieder zum normalen Alltag zurückgehen.

    Doch was, wenn der Krieg plötzlich ganz nah ist, wenn die Leichen der Kriegsopfer unvermittelt in der eigenen Küche auftauchen oder im eigenen Wohnzimmer? Diese kann man nicht einfach wegwischen wie Bilder auf dem Smartphone. Man muss handeln und man kann handeln. Um diese Toten wieder »loszuwerden« kann man sie von einem »Body-Drop-Off« Center abholen lassen oder einem Aufruf aus dem Internet folgen und mit einem Tanz die viel zu früh gestorbenen Menschen wieder zum Leben erwecken und diesen Krieg zu beenden. Baba Yara, eine weise Frau aus Belusia zeigt den Svada-Samoverzjena, mithilfe ihrer Enkelin im Internet. 

    In ihrem Roman »Tanz, Tanz, Revolution« zeigt die Autorin Lisa Weeda auf, wie unterschiedlich die Menschen auf die Bitte zu helfen, reagieren. Wir lesen von Wut, Angst, lähmender Hilflosigkeit oder dem unbändigen Willen zu helfen. Durch die plötzliche Nähe des Kriegsgeschehens wird die Notwendigkeit zu handeln unvermeidlich.

    Ich kam nicht umhin, Parallelen zum aktuellen Krieg in der Ukraine zu ziehen, die sicherlich auch so gewollt sind, die Autorin bittet uns hinzuschauen, die Bilder nicht wegzuwischen, sondern zu helfen, wo und wie auch immer wir können. Nicht nur gegen den Krieg in der Ukraine zu demonstrieren und unsere Stimmen zu erheben, sondern gegen alle Kriege dieser Welt.

    Mich hat dieses Buch und die Botschaft, die Lisa Weedas uns vermitteln will, sehr beeindruckt und vergebe für "Tanz,Tanz,Revolution" eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung. 



    • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin; 1. Edition (20. März 2024)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 176 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985681082
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985681082
    • Originaltitel ‏ : ‎ Dans, dans, revolutie

    Klappentext:

    Mittwoch, 17. April 2024

    The Sacred Mother 2 - Mud Lake von M.H. Steinmetz

     

    Nahtlos knüpft The Sacred Mother 2 an den ersten Band an und deshalb gleich vorweg von mir der Tipp, lest erst diesen und vielleicht auch noch Mud Lake, einfach um des Vergnügens willen.

    Denn trotz aller Gewalt und Brutalität mit denen M.H.Steinmetz auch im vorliegenden nicht spart, war es mir ein Vergnügen, die Bücher der Reihe zu lesen.

    Kurz zum Inhalt. Lydia, die Tochter Terry Tex Gardeners, der es durch ein Bündnis mit dem Bösen bis zum Sheriff des kleinen verschlafenen Ortes Minor gebracht hat, soll sie sein "Die heilige Mutter" die einer Legende nach ein besonderes Kind zur Welt bringen soll, das alles verändern wird.
    Silvia, eine Anhängerin Charles Manson tötet ihre Mutter und entführt das junge, behütet aufgewachsene Mädchen um sie ihrer Bestimmung zuzuführen. Sie werden nicht nur von Gardener gejagt, auch Hope ist auf der Suche nach ihnen und eine Gruppe Hillbillys, die ihre eigenen Ziele verfolgen. Der Weg aller führt zurück nach Purgatory, dorthin, wo alles begann und alles endet?

    Wie ich schon schrieb, auch dieses Buch ist nichts für zartbesaitete Leserinnen und Leser, Steinmetz erspart seinen Leserinnen und Lesern absolut nichts. Der Autor ist ein Meister darin, Bilder in die Köpfe der Lesenden zu projizieren und nicht nur das, man riecht förmlich den Schweiß, das Blut, die Tränen seiner Protagonisten und den Schweinemist des Mud Lake.


    • ASIN ‏ : ‎ B0CW5RJTQR
    • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (21. Februar 2024)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Taschenbuch ‏ : ‎ 265 Seiten
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8880394425
    • Lesealter ‏ : ‎ 18 Jahre 




    Montag, 15. April 2024

    Huldrychs Ende von T.M.Claw

     

    Nach einer großen Feier zur Eröffnung des 250. Buchhandlung des Librorius Imperium wird der Verleger und Buchhändler tot aufgefunden. Gemeinsam mit seiner Kollegin Kommissarin Jana Vecera muss Hauptkommissar Louis Lukaschonsky den mysteriösen Todesfall lösen. Und es bleibt nicht bei einem Toten.

    Der Autor Thomas Michael Glaw führt seine Leserinnen und Leser tief in die Münchner Literaturwelt, in der, wie wohl überall, der schöne Schein trügt. Er zeigt das recht eng verwobene Netz aus Seilschaften auf: Hat man sich einmal einen Namen in der Münchner Schickeria gemacht, stehen einem alle Türen offen. Es gibt schon mal Freikarten für Kulturveranstaltungen, wenn man zum Beispiel den Finanzminister kennt, so wie Gundula Hexenstaller, die Inhaberin einer Esoterikbuchhandlung. Das Zusammenspiel von Beziehungen und Einfluss kann die Wahrnehmung der Realität trüben und hinter die Kulissen einer vermeintlich glamourösen Welt blicken lassen.

    In diesem Filz erfolgreiche Ermittlungen durchzuführen ist sicherlich nicht einfach, erst recht nicht, wenn man wie Jana die gewitztere Beamtin ist, aber leider auch die mit dem niedrigeren Rang. Denn auch wenn der Trenchcoat Lukaschonskys sehr an den genialen Inspektor Colombo erinnert, kann er ihm nicht das Wasser reichen. Sein wirkliches Interesse scheint oft nur seinem Dackel Waldemar zu gelten. Die Dynamik zwischen Jana und Lukaschonsky, ihre unterschiedlichen Herangehensweisen und die Spannung, die daraus entsteht, tragen wesentlich zur Faszination dieses Krimis bei.

    Doch natürlich wird der Fall am Ende gelöst, und die Leserinnen und Leser haben bis dahin das Vergnügen, einen mit einer guten Dosis schwarzem Humor gespickten Krimi lesen zu dürfen.



    • Herausgeber ‏ : ‎ Mediathoughts; Erstausgabe Edition (19. März 2024)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Taschenbuch ‏ : ‎ 160 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3947724446
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3947724444

    Sonntag, 14. April 2024

    Die Schattenmacherin: Roman von Lilly Gollackner

     


    Die Welt im Jahr 2068, wird von Frauen regiert, die nach einem alles vernichtenden Krieg als Folge der Klimakatastrophe in großen Teilen unbewohnbar geworden ist. Wasser muss rationiert werden, der Aufenthalt in der Sonne ist ohne Schutzkleidung tödlich. Eine Seuche hat alle Männer getötet und die Frauen, welche die Welt regieren, tun ihr Möglichstes, um deren frühere Fehler nicht zu wiederholen. An ihrer Spitze steht Ruth, die gegen ihren Willen ihr Amt als Präsidentin an die junge Ania abgeben muss. In den nächsten 100 Tagen soll Ania alles lernen, was sie als Präsidentin braucht. Doch Ania stellt Fragen.

    Nicht einmal 200 Seiten umfasst dieses Buch und doch hat die Autorin Lilly Gollackner es geschafft eine Welt zu erschaffen, die ich mir als Leserin sehr gut vorstellen konnte, vielleicht weil es mir heute nicht so abwegig erscheint, das unsere Welt in der Zukunft so aussehen könnte wie die Autorin sie beschreibt? Die Erinnerung an Männer verblasst immer mehr in der Gesellschaft, viele Frauen kennen die Welt nur wie sie jetzt ist und die Regierung tut alles, damit sie vollkommen vergessen werden. Ob es allerdings wirklich so sein könnte, dass in einer von Frauen regierten Welt, die Ressourcen gerecht verteilt werden? Dass es keine Gewalt gegen andere Menschen mehr gibt und alle gleich sind und jede die gleichen Chancen hat? Nur, weil es keine Männer mehr gibt? Ich wage es zu bezweifeln, denn auch Ruth nutzt ihre Stellung aus, das erläutere ich an dieser Stelle natürlich nicht näher. Die Fragen, die Ania stellt, bringen sie in Gefahr, doch sie bekommt Unterstützung von einer Person, die sich selbst als »unsichtbar« betitelt und sie kommt einem Geheimnis auf die Spur, das sich für die aufmerksamen Leserinnen und Leser schon relativ früh abzeichnet.

    Lilly Gollackner zeichnet in ihrem Werk eine überzeugende Vision einer von Frauen regierten Welt im Jahr 2068. Die Geschichte regt zum Nachdenken über Machtstrukturen, Gerechtigkeit und die Folgen von Umweltzerstörung an. Durch die plastische Darstellung der Welt und der Charaktere gelingt es der Autorin, die Leser:innen in ihren Bann zu ziehen, auch wenn der kühlere Schreibstil anfangs gewöhnungsbedürftig sein kann. Insgesamt ist das Buch eine lohnenswerte Lektüre für Fans des dystopischen Genres und für alle, die sich für gesellschaftskritische Themen interessieren.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Kremayr & Scheriau; 1. Edition (6. März 2024)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3218014247
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3218014243