Samstag, 29. November 2025

Die Pfefferkuchenfrauen: Ein literarischer Adventskalender in 24 Geschichten von Friederike Schmöe


Fünf Freundinnen bereiten sich auf Weihnachten vor: Es wird gekocht und gebacken, dekoriert und geratscht. Die Frauen teilen Freuden, Genüsse und Sorgen: Ob betrügerische Anrufe, Pannen beim Online-Banking, die leidige Frage nach dem passenden Weihnachtsgeschenk oder die Sorge um Familie und Freunde – immer helfen sie sich gegenseitig, bis Ro einen zerstörerischen Konflikt mit Tamara vom Zaun bricht und ihre jahrzehntelange Freundschaft in Frage steht. Wissen die Freundinnen wirklich alles voneinander?

Die Pfefferkuchenfrauen, so nennt Ines Cousin Leo die Freundinnen: , Ines, Ro, Tamara und Katie, jedes Jahr am Nikolaustag treffen sie sich bei Ines um zu plaudern und um die von Ines gebackenen Pfefferkuchen zu genießen. So unterschiedlich die Frauen auch sind, ihre langjährige Freundschaft, die ihnen auch durch schwere Zeiten half, ist ein Band das scheinbar unzerreißbar scheint,doch gerade in der Vorweihnachtszeit wird diese Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Bis zu dem Tag an dem ein unangenehmer Vorfall in dem Kindergarten den Tamara leitet, Ro auf die Palme bringt, sie beschuldigt Tamara ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben und nicht genügend auf ihren Enkel aufgepasst zu haben. So findet das jährliche Treffen unter einer sehr angespannten Atmosphäre statt. Ines versucht alles, um die Freundinnen miteinander zu versöhnen, obwohl sie ihre ganz eigenen Sorgen hat, ihr Cousin Leo ist schwer krank und muss noch vor Weihnachten operiert werden. Wir sind immer an der Seite von Ines, die stets versucht jeder ihrer Freundinnen gerecht zu werden, dass sie dabei sich selbst schon mal aus den Augen verliert, das macht ihr Helen nachdrücklich klar,

Die Geschichte ist in 24 kurzen Kapiteln erzählt. Wer, so wie ich zugegebenermaßen anfangs, heitere und besinnliche kleine Weihnachtsgeschichten erwartet, wird zunächst irritiert sein. Statt Kerzenromantik und unbeschwerter Adventsstimmung rückt Friederike Schmöe die brüchigen Seiten von Nähe und Loyalität in den Vordergrund und zeigt, wie schnell Verletzungen entstehen können, es innerhalb einer Freundschaft auch mal schwierig wird.

Für meine eigene Lektüre war gerade dieser andere Blick auf die Weihnachtszeit sehr interessant. Ich habe etwas gebraucht, um mich von der Vorstellung einer leichten, gemütlichen Adventslektüre zu lösen und mich ganz auf die Konflikte der Frauen einzulassen. Im Verlauf der Kapitel hat mich dann aber interessiert, wie jede der Freundinnen mit ihren Sorgen, Kränkungen und Hoffnungen umgeht und ob es ihnen gelingt, ihren gemeinsamen Kern zu bewahren. Am Ende bleibt für mich das Bild einer Freundschaft, die nicht idealisiert wird, sondern mit all ihren Schwierigkeiten Rissen gezeigt wird, und gerade deshalb glaubwürdig wirkt. Friederike Schmöe führt behutsam durch die Höhen und Tiefen dieser besonderen Frauenfreundschaft und lädt dazu ein, die eigenen Erwartungen an Freundschaft und an „harmonische“ Feiertage zu hinterfragen und diese Erwartungen vielleicht doch der Realität anzupassen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 8. Oktober 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839208661
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839208663

Freitag, 28. November 2025

Weihnachten im Mondscheincafé: Was wir uns eigentlich wünschen von Mai Mochizuki


Ich kenne den Vorgängerband „Das Mondscheincafé“ leider nicht. Nach der Lektüre dieses Romans bedauere ich das zwar, wirklich nötig ist er aber nicht, um der aktuellen Geschichte folgen zu können.

​Die Erzählung beginnt mit einer Art Mitarbeiterversammlung im Mondscheincafé und einer leicht zugänglichen Einführung in die Astrologie, die einen Zusammenhang zwischen der Stellung der Himmelskörper und dem menschlichen Schicksal herzuleiten versucht. Die Mitarbeiter:innen sind Katzen, die sich zu den Öffnungszeiten des Cafés in Menschen verwandeln; sie tragen die Namen von Planeten und spiegeln deren Eigenschaften wider. Das Café selbst hat weder feste Öffnungszeiten noch einen festen Standort oder eine Speisekarte. Es erscheint dort, wo es gebraucht wird, und ist nur für Menschen sichtbar, die Rat und Hilfe suchen, oft, ohne es selbst zu wissen.

Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, die alle an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Satomi macht in Tokio Karriere und führt eine Fernbeziehung; ihr Freund Ryo ist dort glücklich, wo er lebt, sie in Tokio. Eine mögliche Hochzeit würde bedeuten, dass einer von beiden sein Leben grundlegend verändert, und Satomi ahnt, dass an Weihnachten ein Antrag auf sie zukommt, auf den sie innerlich noch keine Antwort hat. Ihre Kollegin Koyuki hangelt sich von einem befristeten Job zum nächsten und leidet fast noch mehr darunter, dass sie sich seit der Wiederheirat ihrer Mutter heimatlos fühlt, weil sie dem Stiefvater seine vorgebliche Zuneigung nicht ganz glauben mag. Junko wiederum hat ihre Karriere für ihr Wunschkind Ayo aufgegeben, ein kleines Mädchen, das alle Herzen im Sturm erobert,nur nicht das ihres Großvaters, zu dem Junko nach einer schwierigen Kindheit und Jugend jeden Kontakt abgebrochen hat, und nun fragt sie sich, ob sie das Recht hatte, ihrer Tochter diesen Großvater vorzuenthalten.

Die einzelnen Episoden machen sehr schön deutlich, wie wichtig es ist, die eigenen Wünsche wirklich zu kennen und sich ehrlich einzugestehen, was man vom Leben möchte. Die Gäste finden ihre Wege zum Glück und zur Lösung ihrer Probleme nicht durch Belehrungen, sondern durch Gespräche, behutsame Anstöße und viel Selbstreflexion.  ​

Die warme, harmonische Atmosphäre entfaltet sich beim Lesen allmählich und wirkt zum Ende hin besonders stark. Diese Stimmung entsteht durch den ruhigen, bildhaften Erzählton und die sorgfältige Wortwahl, wofür neben der Autorin auch der Übersetzerin Yukiko Luginbühl ein ausdrückliches Lob gebührt.



  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. September 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 208 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423352671
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423352673
  • Originaltitel ‏ : ‎ Mangetsu Kohiten no Hoshiyomi, Honto no Negaigoto

Donnerstag, 27. November 2025

Tödliche Wetten: Ein Dresden-Krimi von Andreas M. Sturm


Zoe wacht eines Morgens in einer fremden Wohnung auf, neben ihr ein Toter. Zoe kann sich nicht an die vergangene Nacht  erinnern, vor allem nicht daran, ihn getötet zu haben. Zoe wendet sich an ihre Freundin Marlies, die als Gerichtsmedizinerin arbeitet. Ein erst einmal nicht näher beschriebener Vorfall hat vor einigen Jahren Zoes Karriere beendet und einen Strudel des sozialen Abstiegs in Gang gesetzt, an dessen Ende Zoes Job in einem Call-Center steht. Damals hat sie auch den Kontakt zu Marlies verloren und doch ist diese der Mensch, an den sie sich als Erstes wendet.  Auf Zoes Smartphone entdecken die beiden ein kompromittierendes Foto, das Zoe gemeinsam mit dem Opfer zeigt. Wer das Bild gemacht hat, muss der wahre Täter sein. Nachdem auch Zoes Teamleiter Marco Sörensen auf die gleiche Art ermordet wird, wie der Unbekannte, gerät Zoe ins Visier der Polizei, denn ihr Verhältnis zu Marco war bekanntermaßen sehr angespannt.

Zoe ist mir sofort sympathisch. Die Erzählungen aus Zoes Perspektive haben einen angenehmen, lockeren Ton, der die Spannung der Handlung allerdings nicht schmälert. Die Wortwahl des Autors ist sorgfältig gewählt und bleibt durchweg treffend, sodass der Stil zwar zugänglich, aber niemals flach oder oberflächlich wirkt. Schnell taucht man in eine Welt aus Glücksspielern und Erpressern ein, in der Zoe nicht nur von der Polizei unter Druck gerät, sondern auch von kriminellen Machenschaften bedroht wird. Besonders fesselnd war für mich die Frage, wie Zoes Vergangenheit mit den aktuellen Ereignissen zusammenhängt.Diese Fragen beantwortet Andreas M. Sturm mithilfe von Rückblenden den Täter allerdings hält er lange vor seinen Leserinnen und Lesern geheim, das steigert die Spannung noch und hielt mich die halbe Nacht am Buch. Ihr kennt das: Nur noch dieses Kapitel und dann ist es schon fast wieder Zeit für den Wecker. Und jetzt hoffe ich darauf, dass es einen weiteren Fall für Zoe Mohn geben wird.


  • Herausgeber ‏ : ‎ edition krimi
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. September 2025
  • Auflage ‏ : ‎ Erstausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 275 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3949961291
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3949961298


Dienstag, 25. November 2025

Das glückliche Leben: Roman | Eine Hymne auf die Neuanfänge im Leben von David Foenkinos


David Foenkinos erzählt in „Das glückliche Leben“ von Éric Kherson  der es vom Verkäufer bis zum kaufmännischen Geschäftsführer einer bekannten Firma geschafft hat. Eric ist mit seinem Leben immer unzufriedener. Einen Burn-out streitet er einer Vorgesetzten gegenüber die eine Veränderung bei ihm wahrnimmt, allerdings ab.Allerdings konnte ich beim Lesen sehr deutlich spüren, wie sich diese ersten Anzeichen in seinen Gedanken bemerkbar machen. Die ruhige und genaue Beschreibung seiner inneren Zerrissenheit machten ihn für mich als Leser sehr greifbar und nah.

Als sich seine ehemalige Schulkameradin Amélie bei ihm meldet, öffnet sich für Éric eine neue Welt. Sie ist mittlerweile Staatssekretärin im Ministerium für Außenhandel und sieht sofort, welches Potenzial in ihm steckt. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden entwickelt sich zunächst gut, nicht zuletzt, weil sie sich schon lange kennen. Doch beide haben ihre eigenen Sorgen und spüren ihre Lebenskrisen sehr deutlich.

Auf einer Geschäftsreise stößt Éric  an seine persönlichen Grenzen und nimmt an einem ungewöhnlichen Ritual teil  einer Scheinbeerdigung. Dieses skurrile Erlebnis verändert ihn tief und wird zum Wendepunkt in seinem Leben.

Foenkinos erzählt ohne große Aufregung, aber mit einem feinen Gespür für all die leisen Momente dazwischen. Burn-out, Veränderungen und der Weg zu sich selbst werden ganz selbstverständlich, aber nicht oberflächlich behandelt. Für mich zeigt das Buch, dass es nie zu spät ist, Dinge zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen  und das auf eine Art, die wunderbar zur ruhigen, nachdenklichen Stimmung der Geschichte passt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. September 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462007920
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462007923
  • Originaltitel ‏ : ‎ La vie heureuse

The Deniables: Gestohlene Vergangenheit von Stefan Cernohuby


The Deniables: Gestohlene Vergangenheit von Stefan Cernohuby ist ein völlig abgedrehter Science-Fiction-Roman, der vor Anspielungen auf Filme und Musik nur so strotzt. Ich kannte die zugrunde liegende Kurzgeschichte schon und habe meinen Verstand ausgeschaltet, um mich dem wilden Treiben hinzugeben, vor allem, weil ich mich mit Physik und Technik ohnehin nicht auskenne, da kann man mir sonst was erzählen. Also habe ich einfach hingenommen, was erzählt wird, und mich einfach eingelassen auf das was mir geoten wurde.

Nimmt man das unterhaltsame Gerüst aus Sprüchen, witzigen Dialogen und den zahllosen Popkultur-Referenzen weg, entdeckt man eine überraschend tiefgründige Geschichte. Der Cyborg Terminus verliert seine gesamte Crew, als er seinen Erzfeind Victor Hannibal Vlad Thanos Gruber-Harkonnen zur Strecke bringen will. Die Deniables aber sind nicht tot kriegen, bis auf Deathstar, die ist dann eben als glitzernde Untote unterwegs. Auf ihrem Weg schließt sich noch Lisa Maria Jackson an, die immer den passenden Soundtrack am Start hat, dazu kommen Dark Shadow, ein Spurensucher und Nachfahre eines indigenen Erdenvolks, der schon mal den Dreck eines Planeten probiert um etwas über die Flora und Fauna zu erfahren, sowie Der Echsenmann mit Erdbeerallergie. Und wer beim Cyborg mit steirischem Akzent an einen bestimmten Kult-Charakter denkt, merkt natürlich bald, dass er recht hat.

Victor Hannibal Vlad Thanos Gruber-Harkonnen, der Bösewicht der, Story ändert, die Vergangenheit um Terminus auf sich aufmerksam zu machen und zu sich zu locken zum finalen Kampf. Das geht so weit, dass er anstelle Neros Rom niederbrennt, der das gar nicht gemacht hat.

Die Geschichte lebt von ihrem Humor, den überdrehten Figuren und den zahllosen Verweisen, die man teilweise sofort versteht, an anderer Stelle später entdeckt. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wer sich darauf einlässt, findet ein spaßiges und ziemlich verrücktes Leseerlebnis. Und hinter dem Spaß verbirgt sich eine Geschichte über echte Freundschaft: Die Crew erkennt, dass sie mehr als nur Mitstreiter sind, nämlich Freunde und dass sie das zugeben können, ohne sich gleich zu übergeben.

Wer also eine wissenschaftlich saubere Space Opera erwartet, wird enttäuscht sein. Wer jedoch auf abgefahrene Sci-Fi mit viel Humor, Anspielungen und einer warmherzigen Geschichte steht, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren. Für mich war es genau das richtige Buch zum Abschalten und Eintauchen – physikalische Logik habe ich bewusst ignoriert und dafür jede Menge Spaß gehabt. So kann ich die Deniables nur empfehlen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Leseratten Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 17. Oktober 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3945230853
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3945230855

Donnerstag, 20. November 2025

Die MörderMitzi und der eiskalte Tod: Kriminalroman (MörderMitzi und Agnes) von Isabella Archan


Mitzi braucht eine Auszeit und schließt sich einem Retreat im verschneiten Dachsteingebirge an, das ihr Therapeut Dr. Werner Rannacher veranstaltet. Doch wer Mitzi kennt, weiß, dass es nicht idyllisch bleibt, ihre Freundin Agnes ahnt soetwas schon und äußert ihre Bedenken während eines letzten Telefonats, bevor der Kontakt zur Außenwelt für die nächsten Tage abbricht. Ein Schneesturm schneidet die kleine Runde von acht Teilnehmern unter anderem die von Beginn an nervige Nanne, einer Influencerin oder Trixi, die sich entgegen aller Absprache schon allein zur Unterkunft begeben hat, ab. Beim Spaziergang stolpert Mitzi über eine als Schneemann getarnte Leiche. Von diesem Moment an sind Misstrauen und Angst greifbar, und die scheinbar harmlose Gruppe entpuppt sich als undurchsichtiges Geflecht alter Verstrickungen.

Der siebte Teil der MörderMitzi-Reihe von Isabella Archan hat mich wieder genau dort abgeholt, weswegen ich die Vorgängerbände liebe: eine perfekte Mischung aus schwarzem Humor, packender Spannung und einem unverkennbaren österreichischen Lokalkolorit. Die beklemmende Isolation in der winterlichen Bergwelt und die schrullige, sympathische Art von Mitzi erzeugen ein tolles Gegengewicht, das den Spannungsbogen bis zum Schluss hält.

Was mir besonders gefällt, ist der feine Grat, auf dem Archan zwischen Krimikomödie und Thriller balanciert. Die Dialoge haben Biss, und trotzdem schaffen es die skurrilen Momente immer wieder, die Atmosphäre aufzulockern. Als Fan der Serie habe ich mich gefreut, Mitzi wieder auf ihrem außergewöhnlichen Weg zu begleiten – aber ich kann mir gut vorstellen, dass Neueinsteiger auch schnell hineinfinden.

Insgesamt ist „Der eiskalte Tod“ für mich ein absolut gelungenes Winterbuch, das Krimifreunden mit Humor und Charakter mindestens genauso viel Freude bereitet wie mit Spannung und Atmosphäre. Wer die MörderMitzi-Reihe kennt, sollte auch dieses Abenteuer nicht verpassen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 16. Oktober 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 288 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3740823402
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740823405




  • Mittwoch, 19. November 2025

    Arsen und Butterplätzchen: Böse Weihnachtsgeschichten | 17 Kurzgeschichten und Weihnachtskrimis


    Mit „Arsen und Butterplätzchen“ legen 17 Autorinnen und Autoren eine Anthologie vor, die klassische Weihnachtsstimmung auf den Kopf stellt. Statt der üblichen Plätzchenromantik erwarten uns hier 17 Geschichten  voller schwarzem Humor, Überraschungen und einem bitterbösen Augenzwinkern.

    Was diesen Sammelband besonders macht, ist die Vielfalt der Geschichten: Von makaber bis ironisch, von hintergründig bis kurzweilig erzählt jede Autorin und jeder Autor eine ganz eigene Sicht auf das Fest der Liebe  oder besser gesagt auf seine dunkle Seite. Die Kombination aus festlichem Ambiente und giftigen Absichten macht die Geschichten zu etwas besonderem.

    Dabei ist das Buch keine Aneinanderreihung austauschbarer Geschichten, sondern ein sorgfältig ausgewältes Potpourri, das mehr als einmal zum Schmunzeln und Nachdenken einlädt. Perfekt für Leser*innen, die es gerne mal etwas bissiger und weniger zuckersüß mögen und die den Humor lieben, der sich nicht direkt zeigt.

    Ich kannte nicht alle Autor:Innen und habe mich gefreut für mich neue zu entdecken und andere wieder zu lesen. Ich versuche ganz kurz etwas über die einzelnen Storys zu erzählen ohne zuviel zu verraten und euch trotzdem neugierig zu machen.

    Kann Spuren von Humor,Gift, Einsamkeit, süßer Rache und Spoilern enthalten.

    Chris Staudter: Ein Hauch von Weihnachten

    Miri kehrt nach Jahren auf den elterlich Hof zurück, der nach dem Tod ihrer Eltern von Lore und ihrer Tochter Irma versorgt wird. Miri ist das Geld ausgegangen und sie will den Hof so schnell wie möglich verkaufen und deshalb müssen Lore und Irma den Hof verlassen. Niemand sonst weiß, dass Miri über Weihnachten ins Dorf zurückkehrt. 

    Christine Rechl: Ordnung ist das halbe Leben

    Ein Ehepaar, zwei Vorstellungen von Ordnung. Während die Ehefrau ihr Leben sprichwörtlich mit dem Lineal ausrichtet , alles muss an einem bestimmten Platz genau ausgerichtet liegen, beginnen seine Sätze meist mit "Wo ist..?" Mein Verständnis liegt zu 100% bei ihm.

    Alexander Vorländer: Adele

    Adele ist eine feine alte Dame, intelligent, kunstinteressiert, technisch begabt und leider schon mehrfach verwitwet. Das Ende der Story ließ bei mir bedauerlicherweise die Frage nach dem offen, was nach dem Warum kam.

    Stefanie Gregg: Wir sagen euch an den lieben Advent

    Robert erwacht ohne Erinnerung aus dem Koma, er hatte einen Unfall mit seinem Porsche. Seine Frau Susanne weicht nicht von seiner Seite und hilft ihm, sich wieder an alles zu erinnern. Robert erfährt durch sie, dass sie eine überaus glückliche Ehe führten., er versteht nicht warum sie weint als er ihr verspricht, nie wieder Porsche zu fahren. 

    Franziska Henze. Knallerwochenende

    Die Freunde Gustav und Felix verbringen ein Männerwochenende in einer abgelegenen Jagdhütte, sie werden von Benno überrascht, der normalerweise auch zu ihren jährlichen Treffen eingeladen wird, dieses Mal allerdings nicht und so folgt er ihnen heimlich. Doch dieses Mal, so hatten es Gustav und Felix geplant, soll alles anders ablaufen.

    Gisa Klönne: Stern

    Wanda ist auf dem Weg zu dem Hof, auf dem ihre Freundin Helene gemeinsam mit ihrem Mann Horst gelebt hat. Sie hat erfahren, dass Horst vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, in dem er nach dem Mord an seiner Frau einsaß.Wanda hat damals den Tatort gefunden und ihre Aussage war maßgeblich für Horst Verurteilung. Jetzt will sie nur einen Stern aus dem Haus holen, den sie vor Jahren gemeinsam mit Helene gestaltet hat, bevor Horst zurückkehrt und sich an ihr rächt. Sie findet nicht nur den Stern.

    Edith Anna Polkehn: Zauberhaftes Grün

    Lena wurde von ihrem Freund rausgeworfen und hat spontan das billigste Hotelzimmer im ganzen Bayrischen Wald reserviert, viel Geld hat sie nicht und sie braucht einfach Ruhe. Mit soviel davon hat sie allerdings nicht gerechnet und auch nicht damit das Frau Huber so viel über ihre Beziehung und ihr voriges Leben weiß. Ich mochte diese Geschichte besonders, ein richtiges Weihnachtsmärchen.

    Michael Kibler: Walzentod

    Felicitas wirft sich mit allen Waffen einer Frau einen angehenden Schriftsteller und Erben an den Hals und hat keinerlei Schwierigkeiten sich den jungen Mann gefügig zu machen und zu heiraten, die Arbeitsteilung der Beiden ist klar, er verdient das Geld und Felicitas gibt es aus, für sich und ihren Sohn Melvin, den sie mit in die Ehe gebracht hat, das Paar bekommt noch eine gemeinsame Tochter, die zur Freude des Mannes mehr von Nachbarn aufgezogen wird als von der eigenen Mutter, denn deren Eignung als Mutter stellt sich bald als fragwürdig heraus. Als der Vater des jungen Mannes stirbt, wird ihm klar: Sollte auch ihm etwas zustoßen, bekommt Felicitas alles. Und das gilt es zu verhindern.

    Mareike Fröhlich:Frühlingsveilchen

    Wir begeben uns ins Mittelalter, Margarethe wird von einem Fremden beauftragt ein Schriftstück in die Manteltasche des Stadtrats Voglers zu schmuggeln, sie weiß nicht warum, sie weiß nur das sie 40 Kreutzer dafür bekommt, Geld das sie sehr gebrauchen kann. Diese Geschichte zeigt, das die Gerechtigkeit manchmal Umwege gehen muss um zum tragen zu kommen.

    Anke Küpper: Das letzte Geschenk

    Micki ist ehemaliger Taschendieb, er will sein Leben ändern, ehrlich werden und verdient sich bis es so weit ist als Kaufhausweihnachtsmann etwas dazu. Als er seinen Geldbeutel mit den letzten Bargeldreserven verliert, sieht er sich gezwungen es doch noch einmal zu tun und die Frau, die mit prallgefülltem Portemonnaie und vielen Einkaufstaschen mehrmals seinen Weg kreuzt, scheint das richtige Opfer zu sein. Doch sie hat ganz andere Pläne als sich beklauen zu lassen.

    Regina Schleheck: Wenn der Postmann zweimal klingelt

    Jetzt wird es ein klein wenig Horrormäßig. Diese Geschichte sollte man nicht lesen, wenn man  Schokolade liebt 😄, es kann sein, dass sie einem den Appetit darauf verdirbt.Der Postbote bringt der Protagonistin ein Päckchen ihres ehemaligen Arbeitgebers, da stand sie wohl noch auf der Gehaltsliste, das Geschenk für fünfjährige Betriebszugehörigkeit kurz vor Weihnachten ist eine Frechheit ebenso wie der Kommentar des Postboten. Auf der Suche nach einem neuen Job landet sie in einer Schokoladenfabrik und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.

    Cornelia Härtl: Zum Teufel mit dem Weihnachtsmann

    Ein als Weihnachtsmann getarnter Auftragskiller hat nur 3 Aufträge, 3 ganz besondere Weihnachtswünsche, doch dieses Jahr läuft nicht alles rund. Sehr kurz und doch ist alles Wesentliche enthalten.

    George M. Oswald: Große Bescherung

    Schlimmer kann Weihnachten nicht sein als bei dieser Familie. Großeltern, die einander mit Geschenken übertrumpfen wollen, irgendeiner nörgelt an allem herum, es wird zu viel getrunken und gegessen und so richtig Freude am Fest hat wohl niemand und doch wird es nächstes Jahr wieder genauso ablaufen. Eine Gesellschaftsstudie vom Feinsten, dass sie noch zu D-Mark Zeiten spielt, macht wohl keinen Unterschied zu heute. 

    Beate Ferchlaender: Warm ums Herz

    Wenn schon die Ankündigung, das Opa zu Weihnachten eingeladen wurde, allen Familienmitgliedern die Weihnachtsstimmung gründlich verdirbt, kann das nicht gut ausgehen. Das Ende hat mich aber mit dem verdorbenen Fest versöhnt 😈.

    Jordan T.A.Wegberg: Anruf bei Tante Hedwig

    Weihnachten ist nicht für alle ein Fest der Freude, viel zu viele Menschen sind über die Feiertage unfreiwillig allein und oft einsam, so auch Hedwig, die einen Anruf bekommt von jemandem, der sich als Michael und ihr suggeriert, dass sie verwandt sind. Ich sag nur soviel, wenn ich jemals so einen Michael in die Finger kriege.

    Holly Birtwell: Der Mantel des Schweigens

    Auch diese Geschichte ist wirklich traurig, Iris und ihre Mutter wurden vor Jahren vom Ehemann und Vater verlassen. Seitdem feiern sie kein Weihnachten mehr. Und dann bekommt Iris im Urlaub einen Anruf ihrer Mutter, wann sie denn käme, das Essen wäre vorbereitet und der Vater wäre wieder mal unterwegs. Den Kloß den Iris bei diesem Anruf hatte, hatte ich auch und bekam ihn während der Geschichte auch nicht mehr los.

    Jill Kaltenborn: Rosenkohl

    Ich mag Rosenkohl und hätte mich auch von der Zubereitungsart, die  Christa wählt, nicht abschrecken lassen, aber die will ja Manfred loswerden, der dabei ist, ihr die beste Freundin wegzunehmen, mit der sie seit 20 Jahren zusammenlebt und die hat eine Erdnussallergie, so das keine Gefahr besteht, das sie davon probiert. Dann aber verraten die zwei ihr ein Geheimnis das alles ändert. Böse aber nachvollziehbar. 


    Kurz: „Arsen und Butterplätzchen“ ist ein idealer literarischer Begleiter für die Vorweihnachtszeit, der auf angenehme Weise aneckt und überrascht. Ein Tipp für alle, die schwarze Weihnachtstraditionen schätzen und Abwechslung suchen – ohne dabei den Spaß aus den Augen zu verlieren.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Pattloch Geschenkbuch
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. August 2025
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 176 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3629015417
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3629015419


    Montag, 17. November 2025

    Dann ruhest auch du: Ein Schweden-Krimi | Düsterer Herbst auf Öland - der dritte Fall für Maya Topelius von Sandra Åslund


    »Dann ruhst auch du« von Sandra Åslund ist ein spannender Schwedenkrimi und der dritte Band der Maya Topelius-Reihe. Ich mochte das Buch sehr, obwohl ich die beiden Vorgänger nicht kenne, hatte ich keine Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Maya gefällt mir besonders, weil sie oft auf ihr Bauchgefühl hört, während ihr Kollege Pär eher intellektuell und rational ermittelt. Die beiden ergänzen sich gut.

    Die Geschichte beginnt, als Maya eigentlich ein paar ruhige Tage bei ihren Eltern verbringen möchte, um ihnen ihren neuen Freund Christoffer vorzustellen. Doch dann entdeckt der Sonderling Jonas in der Schlossruine von Borgholm auf Öland die Leiche der Journalistin Lovisa. Jonas hält sich illegal in der Ruine auf und bewegt sich auch in für Besucher eigentlich nicht zugängliche Bereiche, er will mit den Toten in Kontakt treten und hat ein besonderes Gespür für Menschen und deren Gefühlswelt. Die Art, wie Lovisa getötet wurde, ähnelt dem Mord an Gösta, der schon zuvor passiert ist. Die örtliche Polizei zieht die Kollegen aus Stockholm hinzu und Maya und ihr Kollege ermitteln.

    Diese Ermittlungen führen in die düsteren Bereiche des ländlichen Rechtsextremismus.

    Spannend wird es auch durch den privaten Handlungsstrang: Maya will sich mit ihrer Freundin Carla treffen, die behauptet, ihre seit Jahren vermisste gemeinsame Schulfreundin  Ingrid gesehen zu haben. Das bringt zusätzliche Spannung und zeigt mehr von Mayas persönlicher Seite, die sich also nicht nur um ein privates Problem, sondern auch um den Fall kümmern muss, bis sich herausstellt, dass beides eng miteinander verknüpft ist.

    Sandra Åslund schafft eine dichte Atmosphäre und verbindet eine fesselnde Krimihandlung mit einem aktuellen gesellschaftlichen Thema. Der Schauplatz auf der Insel Öland verleiht dem Buch eine besondere Stimmung. Insgesamt bietet der Roman einen gut erzählten und nachdenklichen Krimi, der auch Leser anspricht, die die Vorgänger nicht kennen.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. Oktober 2025
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548068235
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548068237

    Samstag, 15. November 2025

    Seemannsgräber von Vincent Voss


    Klappentext:
     Das Leben ist unfair, wieso sollte es nach dem Tod anders sein?

    Davy Jones; Fluch der Karibik 

    Auf der Insel Föhr erscheint unnatürlich dichter Nebel, Schiffsglocken läuten und es werden Gonger, die Geister ertrunkener Seeleute, gesichtet. Inselpolizist Cord Asmussen ermittelt und stellt fest, dass den Phänomenen mit herkömmlicher Polizeiarbeit nicht beizukommen ist. Er wendet sich an Amelie Fischer, eine Professorin am Hamburger Institut für Ethnologie, die sich auf übersinnliche Fälle spezialisiert hat. Nach einem Todesfall voller Merkwürdigkeiten erkennen sie mit Schrecken, dass alles mit dem 1872 geborgenen Geisterschiff Mary Celeste und dessen damaliger Besatzung zusammenhängt. Ein Spiel gegen die Zeit beginnt. 

    Schon auf den ersten Seiten hat mich Vincent Voss mit einer beklemmenden Atmosphäre eingefangen und während der gesamten Story nicht mehr losgelassen. Wir sind auf Föhr und Amrum. Immer wieder zieht dichter Nebel auf, aus dem unheimliche Klänge und Stimmen zu vernehmen sind. Auf den „sprechenden“ Grabsteinen des Inselfriedhofs erscheinen neue Inschriften (die musste ich sofort googeln, ob es diese wirklich gibt; es handelt sich hierbei um Grab- oder Gedenksteine, deren Inschriften vom Leben der Verstorbenen Zeugnis erzählen). Die Geister von Männern, die auf See geblieben sind, suchen ihre Liebsten heim. So wie Hannes, der Mann von Bente, die von den Inselbewohnern die Inselhexe genannt wird. Hannes warnt Bente eindringlich: Wenn er wiederkehrt, wird das nichts Gutes bedeuten. 

    Cord Asmussen ist ein eher rational denkender Polizist, der bislang nichts von Spukgeschichten hält, aber er muss sich bald eingestehen, dass dieser Fall sich nicht mit Logik oder Routine lösen lässt. Er kontaktiert die Ethnologin Amelie Fischer, die ich bereits aus „Im Eis“ und „Der Fliegenmann“ kenne und für ihre glaubwürdige und sympathische Darstellung sehr schätze. Ihr Wiedersehen ist ein Highlight und bringt eine ausgewogene Balance zwischen Skepsis und Offenheit ins Geschehen. 

    Die Atmosphäre im Buch wird weniger durch plötzliche Schreckmomente aufgebaut, sondern durch einen stetig wachsenden „Knoten im Bauch“. Dieses Gefühl kennt sicher jeder von uns, diese meist irrationale Angst, wenn man im Dunkeln allein irgendwo unterwegs ist. Der Nebel verbirgt, was niemand sehen möchte. Diese unterschwellige Angst trifft genau das Gefühl zwischen Gänsehaut und Faszination. Es ist jener Moment der Erkenntnis, in dem man weiß, dass man einen Ort besser meiden sollte. „Seemannsgräber“ verzichtet auf laute Effekte und wirkt dadurch noch nachhaltiger. Die bedrückende Stimmung blieb mir noch lange nach dem Lesen erhalten. Vincent Voss spielt grandios mit den Ängsten seiner Leser.Wer gute Horrorliteratur schätzt, findet hier eine Geschichte auf ganz hohem Niveau.



    Herausgeber ‏ : ‎ Low, Torsten
    Erscheinungstermin ‏ : ‎ 6. Oktober 2025
    Auflage ‏ : ‎ Erstausgabe
    Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 410 Seiten
    ISBN-10 ‏ : ‎ 3966290510
    ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3966290517

    Dienstag, 11. November 2025

    Ausbruch: Batgenes Trilogie - Band 2 der Batgenes Reihe von Walther Stonet


    Auch „Ausbruch“, der zweite Band der Batgenes-Trilogie von Walther Stonet, hat mich wie schon „Selektion“ von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Ich war natürlich gespannt, ob der Autor das hohe Niveau des ersten Bandes halten kann, er kann, und ich wurde bestens unterhalten. Dieses Mal wird die Geschichte aus Beths Sicht erzählt, sie ist mittlerweile die neue Marschallin der Energie. Energie ist die globale Organisation für saubere Solarstromerzeugung, ein zentraler Hoffnungsträger in diesem dystopischen Zukunftsszenario.

     Die Rettung der entführten Marschallin aus den Fängen der AN (Arien Nation) ist dramatisch, und  auch danach bleibt kaum Zeit zum Durchatmen, denn die Welt steht vor großen Herausforderungen. Natürlich treffen wir auch wieder auf Lou, er kämpft gemeinsam mit den Generälen darum, die Sonnensatelliten vor dem Absturz zu bewahren und somit das Überleben der Menschheit zu sichern. Parallel dazu könnte ein gigantischer Asteroideneinschlag, ein weiterer Pandemieausbruch und gesellschaftliche Umbrüche alles vernichten. Besonders spannend wird es durch die Fledermausgene, die titelgebend für die Reihe sind und für die Protagonisten eine große Rolle spielen: Mit dieser speziellen genetischen Ausstattung sind einige Menschen nicht nur gedanklich miteinander verbunden, sondern auch immun gegen das Coronavirus.

    Was mich besonders beeindruckt hat, ist die gelungene Verbindung aktueller Themen: erneuerbare Energien, Gentechnik, der Umgang mit Rassismus sowie der Gegensatz zwischen demokratischen und totalitären Systemen und das alles ohne erhobenen Zeigefinger und vor allem ohne die Handlung zu überladen, Walther Stonet bringt diese Vielseitigkeit in einer spannenden Mischung aus Fantasy, Science-Fiction und Dystopie unter, die sich leicht und lebendig liest.

     Die Story bleibt abwechslungsreich, überraschend und sie regt zum Nachdenken an. Für alle, die komplexe dystopische Romane mögen und gesellschaftliche Themen schätzen, ist „Ausbruch“ ein echtes Highlight. Ich freue mich schon sehr auf den Abschluss der Trilogie.


    • ASIN ‏ : ‎ B0D26FQDLC
    • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 8. April 2024
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 428 Seiten
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8321930205


    Sonntag, 9. November 2025

    Sündflut 1784 von Marco Hasenkopf

     

    Anna-Maria, die Apothekerwitwe, verliert durch die Eisflut 1784 ihr Zuhause und begibt sich mit Niklas auf den Weg nach Düsseldorf, um ihr Grundstück zu verkaufen, doch dort angekommen behauptet ein Fremder, das Grundstück gehöre ihm. Daraufhin will Anna-Maria nach Cöln, wo der Advocat Bellforst die Eigentumsurkunde ihres verstorbenen Mannes aufbewahrt, doch sie findet Bellforst nur noch tot vor und wird verhaftet. Der Richter Gerold von Broeker sieht in ihr den perfekten Sündenbock.
    Anna-Maria, die Apothekerwitwe, die mir schon im 1. Band der Reihe sehr ans Herz gewachsen ist, wird inmitten der religiösen Hysterie nach der verheerenden Flutkatastrophe in Cöln zum Sündenbock gemacht und als vermeintliche Hexe beschuldigt. Die Beschreibung ihres Prozesses hinterlässt beim Lesen ein beklemmendes Gefühl und vermittelt eindrücklich, welches Leid Menschen erdulden mussten, die der Hexerei bezichtigt wurden.



    Amtmann Henrik van Venray setzt alles daran, ihre Unschuld zu beweisen, ein schwieriges Unterfangen angesichts der vielen Intrigen und Verstrickungen, die sich auftun. Henrik setzt sogar seine eigene berufliche Laufbahn aufs Spiel, um die Apothekerwitwe zu retten und die Zeit hat gezeigt, dass Cölner Hexenprozesse wohl nie mit einem Freispruch endeten.

    Die Sprache Marcos Hasenkopfs und seine Beschreibungen der politischen und gesellschaftlichen Umstände zu jener Zeit haben mich wirklich beeindruckt, der Autor hat, soweit ich es beurteilen kann, hervorragend recherchiert. Er bringt einem die Stadt mit all ihrem Elend nahe, den Hunger, die Krankheit und die Zerstörung, die überall spürbar sind. Inmitten dieser Not suchen die Menschen verzweifelt nach einem Schuldigen, denn jemand muss ja für die Katastrophe verantwortlich gemacht werden. Dadurch wird das historische Umfeld für mich greifbar und vor allem so authentisch dargestellt, dass eine fast schon beklemmende Atmosphäre entsteht, die mich richtig in den Bann gezogen hat.

    „Sündflut 1784“ ist für mich ein spannender, tiefgründiger historischer Krimi, den ich allen Fans des Genres nur wärmstens empfehlen kann. Er hat mich genauso beeindruckt wie schon der Vorgängerband, der mit dem Goldenen Homer ausgezeichnet wurde.



    • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 16. Oktober 2025
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3740824344
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740824341

    Manche Schuld vergeht nie: Kriminalroman von Elly Griffith


    Es ist schon etwas länger her, dass ich ein Buch von Elly Griffiths gelesen habe, aber der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht. Zeitreisen, Morde im viktorianischen London und eine Ermittlerin, die zwischen den Zeiten ermittelt, das klang nach genau nach einer Mischung, die ich gern lese. Kriminalbeamtin Ali Dawson arbeitet für eine streng geheime Einheit, die ungelöste Mordfälle untersucht, sogenannte Cold Cases. Was selbst ihr Sohn Finn nicht weiß: Alis Arbeit führt sie mithilfe modernster Technik in die Vergangenheit. Ihr neuer Auftrag führt sie ins Jahr 1850, mitten ins viktorianische Zeitalter. Dort soll sie klären, ob der Vorfahr des ehrgeizigen Abgeordneten Isaac Templeton tatsächlich ein Mörder war. Doch etwas geht schief, und Ali strandet in der Vergangenheit, während in der Gegenwart ein weiterer Mord geschieht und ihr Sohn unter Verdacht gerät. 

    Elly Griffiths verbindet das Zeitreisemotiv mit zwei spannenden Kriminalfällen, einmal in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Sie schafft es, auf den ersten Seiten eine recht dichte, Atmosphäre aufzubauen. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart gefiel mir besonders gut, so erfahren wir, wie Ali sich im London des 19. Jahrhunderts schlägt, dabei muss sie auch ganz profane Probleme lösen, wie die Beschaffung frischer Unterwäsche und natürlich auch, wie sie sich angemessen verhält, wobei ihr das meiner Meinung nach hervorragend gelingt und sie sich trotzdem nicht verrät. Ali bleibt Ali. 

    In der Gegenwart erfahren wir, wie es Finn ergeht, als er erfährt, was wirklich Alis Aufgabe in der Behörde ist und wie es dazu kam, dass er unter Mordverdacht gerät. Für meinen Geschmack haben wir allerdings zu wenig darüber erfahren, was die Kollegen zu Alis Rettung planen.

    Diese Perspektivwechsel sorgen dafür, dass die Lesenden immer ziemlich genau wissen, was in der jeweiligen Epoche gerade geschieht, besonders gefallen hat mir der flüssige, gut lesbare Stil der Autorin, der Spannung und Emotionen mühelos trägt. Die Cliffhanger an den Kapitelenden und die Bedrohung für Ali und ihren Sohn sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legt. Die Autorin beschreibt das viktorianische London authentisch und detailreich, sie verwebt Themen wie soziale Unterschiede, Klassendenken und das Frauenbild unaufdringlich. Und sie lässt uns einen Blick auf die heutige britische Klassengesellschaft werfen, die Briten machen wohl immer noch große Unterschiede zwischen dem Adel und den »niederen« Gesellschaftsschichten.

    Ali Dawson ist angenehm unkonventionell. Weder die toughe Ermittlerin noch das gebrochene Klischee, sondern eine Frau mit Ecken, Brüchen und Lebenserfahrung, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Ihre Biografie alleinerziehende Mutter, Putzkraft, später Akademikerin macht sie greifbar und sympathisch. Auch die Nebenfiguren wirken lebendig und glaubhaft. Leider blieben am Ende der Story noch für meinen Geschmack zu viele Fragen offen, die meiner Meinung nach unbedingt hätten beantwortet werden müssen, da heißt es nun also auf die Fortsetzung warten.

    • Herausgeber ‏ : ‎ Tropen
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 18. Oktober 2025
    • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2025
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3608502955
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3608502954
    • Originaltitel ‏ : ‎ The Frozen People

    Samstag, 8. November 2025

    Die Gotteskinder: Der Krieg von Bruno Meier


    Ich habe mittlerweile auch den 2. Band der Reihe um Ashron und Kyra gelesen.In

     „Die Gotteskinder: Der Krieg“ 

    führt Bruno Meier, die Geschichte des Sklaven Ashron fort und vertieft den zentralen Konflikt zwischen Himmel und Hölle. Nach seinem Tod wacht  Ashron im Himmel auf, dort kann er sich an jede Einzelheit seines Lebens erinnern, auch an Kyras Tod, die sich vor seinen Augen in den Tod stürzte. Er wird zum Engel ausgebildet, der mit dem Schwert im Kampf zwischen Gut und Böse eine wichtige Rolle einnimmt. Dabei muss er sich intensiv mit seiner neuen Aufgabe auseinandersetzen. Gleichzeitig befindet sich Kyra, die im ersten Band Selbstmord beging, in der Hölle wieder und kämpft den Kampf zwischen Gut und Böse gemeinsam mit den Dämonen.

    Die Geschichte zeichnet sich durch ausführliche und eindrückliche Beschreibungen der unterschiedlichen Welten aus, ebenso wie durch die Darstellung der inneren Konflikte der Charaktere.

    Der Schreibstil ist klar und direkt gehalten, was besonders für junge Leser ab 12 Jahren gut geeignet ist. Aus meiner Perspektive als erwachsene Leserin wirkt die Sprache auch in diesem Band etwas einfach, aber gerade das macht das Buch für die jüngere Zielgruppe zugänglich. Die Geschichte verbindet mythologische Elemente mit christlich-religiösen Motiven und erzählt zudem eine gefühlvolle Liebesgeschichte. Die Grundidee hat mir auch dieses Mal wieder sehr gefallen, diese überzeugt durch eine gelungene Mischung aus historischen Bezügen und Fantasy-Elementen, die den klassischen Kampf zwischen Gut und Böse nachvollziehbar beschreibt. Besonders gefallen haben mir die unterschiedlichen Wege von Ashron und Kyra, die sicher auch jüngere Leser ansprechen.

    Insgesamt ist „Die Gotteskinder: Der Krieg“ eine durchaus empfehlenswertes Fantasy-Abenteuer für Jugendliche und junge Erwachsene, die Interesse an Geschichten mit religiös-mythologischem Hintergrund und klaren moralischen Fragestellungen haben. Für ältere oder literarisch anspruchsvollere Leser könnte der Stil zu schlicht wirken, doch die lebendige Handlung und die emotionalen Themen sorgen für eine gut lesbare Lektüre.



    • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 31. Mai 2023
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 276 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3743168189
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3743168183
    • Lesealter ‏ : ‎ Ab 12 Jahren