Dienstag, 4. November 2025

Die Welt im Schatten so grau von Constantin Dupien


Die Geschichte beginnt mitten im Chaos: Maik, Anna-Maria, Torben, Sebastian und weitere Gefährten kämpfen in Leipzig gegen die Schatten. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Sie kämpfen einen aussichtslosen Kampf gegen eine Macht, die vom Himmel kam und die Erde in Zerstörung gestürzt hat. Obwohl der äußere Feind nicht mehr direkt angreift, ist seine Präsenz überall zu spüren. Misstrauen und Angst bestimmen das Leben der Überlebenden. Die Schatten verbieten ein menschliches Miteinander, soziale Kontakte werden bestraft. Lebensmittel sind wie auch alles andere, was man zu Leben braucht knapp.

Nach und nach erfahren wir mehr über Maiks und Anna-Marias Leben vor der Invasion. Das Paar war glücklich, und auch nach dem Angriff der Schatten hält es aneinander fest. Selbst ein traumatisches Erlebnis kann ihre Verbundenheit nicht zerstören. Diese Rückblicke verleihen der düsteren Handlung Menschlichkeit und zeigen, dass Nähe und Vertrauen selbst in einer zerstörten Welt noch Bedeutung haben.

Später lernen wir die Transzilianer kennen, eine fremde Macht, deren Ziel klar und unerbittlich wirkt. Ihre Vorgehensweise entfaltet eine beklemmende Wirkung und legt offen, dass die eigentliche Gefahr tiefer reicht als der sichtbare Konflikt. Der Roman zeigt damit eindrucksvoll, wie dünn die Grenze zwischen äußerer Kontrolle und innerem Widerstand ist.

Besonders gelungen ist die Darstellung des zerstörten Leipzigs. Ich kenne leider nicht alle Orte, die Constantin Dupien beschreibt, aber das Völkerschlachtdenkmal habe ich natürlich schon besucht, so konnte ich mir die Szenen, die dort spielen, noch besser vor Augen führen. Die Sprache des Autors ist klar, manchmal fast nüchtern, was die trostlose Stimmung umso eindringlicher wirken lässt.

Die Figuren sind keine klassischen Helden, sondern Menschen, die unter Ängsten und Zweifeln leiden, die persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten haben und auch mal den Mut verlieren, und die doch nie aufgeben in ihrem Kampf gegen die Bedrohung. Das macht sie glaubhaft und lässt sie den Leserinnen und Lesern ganz nah kommen.

In einer Zeit, in der viele dystopische Romane auf schnelle Action oder Romantik setzen, obwohl beides nicht zu kurz kommt auf die eine oder andere Weise, wählt Constantin Dupien einen ruhigeren, nachdenklichen Ansatz. Sein Roman ‚Die Welt im Schatten so grau‘ zeigt, was bleibt, wenn eine bekannte Welt zerfällt und Vertrauen kaum mehr möglich ist. Kein Buch für zwischendurch, sondern eine eindrucksvolle Endzeitgeschichte, die lange im Gedächtnis bleibt. Constantin Dupien gelingt es, eine beklemmende, aber zugleich menschliche Erzählung zu schaffen, die zeigt, dass selbst in der Dunkelheit noch ein Rest von Licht bleiben kann. Und jetzt bin ich gespannt, ob es vielleicht noch eine Fortsetzung geben wird, der Epilog lässt darauf hoffen.

Fazit: Eine dichte, atmosphärisch starke Dystopie, die ohne Klischees auskommt und ihre Figuren ernst nimmt. 5 von 5 Sternen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. Oktober 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 468 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8265944108


  • Keine Kommentare:

    Kommentar veröffentlichen

    Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!