Freitag, 27. März 2020

Kalte Nacht von Anne Nordby


Im idyllischen Hultsjö verlieren der deutsche Tourist Jochen Novak und seine 15-jährige Tochter Lola ihr Leben, die zweite Tochter  Ronja überlebt schwer verletzt.
Ein normaler tragischer Verkehrsunfall, so scheint es zunächst, doch dann stellt sich heraus:
Lola war schon vor dem Unfall tot und Tina, die Mutter ist verschwunden. Im Dorf will niemand etwas über die Familie wissen, die ein heruntergekommenes Haus gekauft haben, um dort in Zukunft ihre Urlaube zu verbringen.
Die schwedische Polizei bittet die Grenzübergreifende Sondereinheit Skanpol um Hilfe, mehr über die Familie herauszufinden, das ruft Tom Skagen auf den Plan, der mit der Polizistin Maja Lövgren, die den Fall bearbeitet aufgewachsen ist.

Der zweite Fall für Tom Skagen führt ihn nach Schweden in die perfekte Idylle, weite Wälder, rote Häuser, ein See. Der Traum für jeden Schweden Urlauber, doch der Schein trügt.
Touristen sind nicht von allen erwünscht in Hultsjö und Gerüchte über Missbrauch und häusliche Gewalt machen die Runde.

Selten habe ich einen Psychothriller gelesen, in dem ich ein ganzes Dorf unter Generalverdacht stellte, jeder oder alle zusammen hätten am Tod Jochens und Lolas schuld sein können und nicht nur die Dorfbewohner, auch innerhalb der Familie stand nichts wirklich zum Besten.

Die Ermittlungen der Polizei gestalten sich schwierig, da die Dorfgemeinschaft den Ermittlern fast schon feindselig gegenübersteht. Ich hoffe, das das Verhalten des einen oder anderen Protagonisten wirklich überzogen dargestellt wurde, so viel Unverschämtheit muss man erst mal bringen.

Skagen ermittelt auf eigene Faust, spontan fährt er nach Schweden, nicht nur um bei den Ermittlungen zu helfen, sondern auch, um ein persönliches Trauma zu bewältigen, das im Laufe des Buches immer wieder angesprochen wird, komplett aufgeklärt wird es nicht, aber ich vermute das sich das auch durch die nächsten Bücher mit Tom Skagen ziehen wird und irgendwann komplett aufgeklärt werden wird.

Die Autorin erlaubt ihren Lesern einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele.
Sie lässt uns hinter die Fassade einer glücklichen Familie blicken und was wir dort zu sehen bekommen ist sehr erschreckend. Mehr mag ich nicht verraten, es ist sowieso schwierig dieses Buch zu beschreiben, es passiert sehr viel und alles scheint miteinander verbunden.

Ich vergebe für Kalte Nacht eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 2020 (11. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839226422
  • ISBN-13: 978-3839226421



Montag, 23. März 2020

Blutige Welten Hrsg. Günther Kienle


»Macht es blutig! Dreht die Genres Fantasy, Science-Fiction und Horror durch den Fleischwolf. Schafft ungewöhnliche Cross-over-Geschichten, bringt die Leserinnen und Leser zum Kopfschütteln, zum Schmunzeln und lasst ihnen die Haare zu Berge stehen.«


Dieser Auszug aus dem Klappentext macht neugierig, also mich auf jeden Fall und so zogen die Blutigen Welten bei mir ein und wurden trotz aller Warnungen, nicht nur in kleinen Dosen, sondern am Stück von mir gelesen. Aber erst, nachdem ich das Buch von allen Seiten ausgiebig bewundert hatte, die Aufmachung ist einfach toll, die Umschlaggestaltung von Holger Much und die Gestaltung der Seiten ist wirklich gut gelungen und sticht aus der Masse der Bücher hervor.
Aber man soll Bücher nicht nach ihrem Einband beurteilen, es geht um die Geschichten.
Es geht um Halblinge, Drachen, Raumstationen, die Weiten des Weltraums und Zombies, ich liebe Zombies.
Ich könnte euch jetzt zu jeder Geschichte eine kurze Zusammenfassung geben und schreiben was ich von ihr halte, ob sie mir gefällt, wie ich den Schreibstil beurteile usw. usw. aber das würde am Ende soviel Text ergeben, das liest kein Mensch und es macht auch nicht wirklich Spaß, ich könnte den einzelnen Geschichten nicht gerecht werden.
Ich lege euch das Buch also als Gesamtwerk ans Herz.
Der Herausgeber hat die verschiedensten Autoren zusammengetrommelt, viele sind durch ihre Werke schon einem breiteren Publikum bekannt, andere sind noch Geheimtipps, von wieder anderen habe ich persönlich noch nie etwas gehört. Und gerade das macht die Sache so spannend, ich ahnte das eine oder andere mal was mich erwarten würde, auch wenn ich da auch hin und wieder überrascht wurde, bei anderen betrat ich literarisches Neuland.
Blutige Welten, sind Horrorstorys, gar keine Frage, sie sind manchmal verstörend und manchmal überraschend witzig, was sie nie sind: Splatter, keine Aneinanderreihung immer blutigerer und ekliger Details, so das auch Freunde gemäßigteren Horrors auf ihre Kosten kommen.

Ein weiteres Detail, des Buches, dem man seine Aufmerksamkeit schenken sollte, vor jeder Story steht eine Kleinigkeit über die jeweiligen Autoren, wer von ihnen hat wohl einen Seifenkistenunfall überlebt oder wer von ihnen versuchte sich eine Zugfahrt schön zu trinken? 

Fehlende Kommas in den Texten könnt ihr euch aus der letzten Seite schneiden, der Verleger hat an alles gedacht.

Mein Fazit: Kaufen, lesen, lieben.

  • Broschiert: 390 Seiten
  • Verlag: Leseratten Verlag (10. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945230454
  • ISBN-13: 978-3945230459

von Günther Kienle  (Herausgeber, Autor), Markus Heitkamp (Autor), Sarah König  (Autor), Stefan Cernohuby (Autor), Wolfgang Schroeder  (Autor), Torsten Scheib (Autor), T.S. Orgel (Autor), Marina Heidrich (Autor), Thomas Williams  (Autor), Nele Sickel  (Autor), Jörg Fuchs Alameda  (Autor), Ju Honisch (Autor), Vincent Voss (Autor), Holger Much (Illustrator)

Samstag, 14. März 2020

Asklepios von Charlotte Charonne

Endlich bietet sich für Paul und Sophie die seltene Gelegenheit, ein kinderfreies Wochenende zu genießen, ihre kleine Tochter Emma ist bei Oma Marie bestens aufgehoben. Bis ein Anruf ihr Leben in Trümmer legt:
Emma ist verschwunden, Marie ließ sie nur für kurze Zeit allein im heimischen Garten, um das Essen vorzubereiten.
Zwei Wochen später findet eine Spaziergängerin die Leiche der Kleinen, das Kind wurde missbraucht und misshandelt.
Dass der Täter schon bald darauf gefasst und zu 15 Jahren Haft verurteilt wird, ist für niemanden ein wirklicher Trost.
Die Familie zerbricht, Sophie erkrankt an einer Depression, Maria beginnt zu trinken, nur Paul schafft es sich ein neues Leben aufzubauen.

Das Buch beginnt,  mit heiteren Bildern einer fröhlichen und glücklichen Familie, die Liebe die sie füreinander und im Besonderen für die kleine Emma empfinden ist mit jeder Zeile spürbar ebenso wie das unerschütterliche Vertrauen darin, das das Leben immer so weiter geht.

Womit wir schon beim ersten Höhepunkt des Buches sind, der Schreibstil. Die Autorin hat es wie kaum jemand zuvor geschafft mich in die diese:
Das Leben ist perfekt und nichts kann daran etwas ändern.
Stimmung zu versetzen und das, obwohl mir natürlich zu jeder Zeit bewusst war, das dieser Tag in einer Katastrophe enden wird.
Dieses Gefühl versetzte mich von Beginn an in eine besondere Stimmung, die schwierig zu beschreiben ist, mich aber völlig faszinierte, es gibt also doch noch etwas am deutschen Krimihimmel, das ich noch nicht kannte.

Der Klappentext, verrät schon das Emmas Mörder nach seiner Haftentlassung, entführt und gefoltert wird, wobei die körperliche Folter  an ihm vollkommen schmerzfrei vollzogen wird, die Auswirkungen und die psychischen Qualen allerdings um so grausamer sind.
Jetzt muss ich komplett zwischen Fiktion und Realität trennen, im Buch bin ich absolut auf der Seite des Entführers, ich wünsche ihm so sehr das er nie gefasst wird, das er sein Werk vollenden kann.
Im wahren Leben verurteile ich Selbstjustiz aller Art.

Kommen wir zu den ermittelnden Beamten.
Die Kommissare Ruby und Spike haben die undankbare Aufgabe dem Entführer von Georg Schwarz auf die Spur zu kommen. Nicht nur die Familie Emmas hätte ein Motiv, in seiner Nachbarschaft herrscht die Angst vor dem Kinderschänder und Schwarz stand im Verdacht ein weiteres Kind entführt und missbraucht zu haben. Doch alle potenziellen Täter haben ein Alibi.
Ich mochte Ruby und Spike, sie sind ein gutes, perfekt aufeinander eingespieltes dazu noch sympathisch mit interessanten Hintergrundgeschichten über die ich auch gern mehr erfahren würde.

Die Auflösung des Falls ist in sich schlüssig es bleiben keine Frage offen und das Ende ist durchaus befriedigend.

Ich vergebe für Asklepios eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 348 Seiten
  • Verlag: edition-Krimi (2. Auflage 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3748105029
  • ISBN-13: 978-3748105022



Krieg und Kröten Die Frostchroniken 1 von Susanne Pavlovic

Yuriko Mandorak Doragon Frost der Legendäre , Meister der Siegel, Freund der Kröten, Feuerbändiger, Weltreisender, Windreiter, Bezwinger der Schicksalsschlange und Eroberer von Frauenherzen. Außerdem begnadeter Lehrmeister, treuer Freund und angesehener Ehrenbürger, kehrt nach kurzer Abwesenheit in seine Heimatstadt zurück und niemand scheint sich an ihn zu erinnern.
Dabei war er doch nur 5 Jahre weg.
Seine Schülerin Galina ist sauer auf ihn, weil er ohne ein Wort verschwand und sie nun anstatt Feuerzauber zu lernen die Böden in der Arkania schrubt, seinen Platz als Siegelmeister in der Arkania hat Ksantho Malrandir Kraka eingenommen, sein Vermögen ist irgendwie verschwunden und sein Haus unbewohnbar.
Zu allem Überfluss hat sich auch noch Arkadis bei ihm eingenistet, Arkadis wird durch einen Siegelzauber daran gehindert ihre Geschichte zu erzählen und braucht dringend Yuris Hilfe, doch der hat nur einen Gedanken, er will seine große Liebe Florine endlich für sich gewinnen.
Doch Yuri hat die Rechnung ohne Galina gemacht, die streitbare junge Frau zwingt ihn zu einer weiteren abenteuerlichen Reise.

Meine Meinung:
Oh endlich ein neues Buch von Susanne Pavlovic, deren Romane um Krona ich regelrecht verschlungen habe und die zu den wenigen gehören, die einen festen Platz in meinen Regalen bekamen.
Die Messlatte lag sehr hoch.
Für Yuriko war es aber kein Problem sie zu überspringen.
Ich könnte euch jetzt von seiner abenteuerlichen Reise berichten, die ihn weit über das Meer führt, darüber zu lesen war extrem spannend und sehr unterhaltsam. Aber vielleicht erzähle ich euch lieber von der inneren Reise die Yuriko unternimmt, nicht ganz freiwillig muss er sein Weltbild ändern und erkennen, dass es mehr gibt als schwarz und weiß und das es auch im rückständigen Zentallo an der Zeit sein sollte, alle Menschen so leben zu lassen wie es sie glücklich macht, solange sie niemandem schaden.
Für die Bewohner Zentallos ist es selbstverständlich, das ein Mann eine Frau liebt und das die Frau dem Manne untertan ist, von seiner Gutwilligkeit hängt es ab, ob sie einem Beruf nachgeht oder nicht. Frauen haben sittsam und sanftmütig zu sein.
Punkt. 
Und genau das ist auch Yurikos Weltbild, natürlich ist es schade das sein bester Freund nicht so leben und lieben darf wie es ihn glücklich machen würde, natürlich würde er Florine erlauben einer Arbeit nachzugehen und wenn Galina lieber ein Schwert schwingt als den Schrubber, könnte er auch damit leben. Aber er ist nicht mit dem Herzen dabei, tief im Innern ist er mit der Lebensart die in Zentallo vorherrscht doch sehr zufrieden.
Auf seiner Reise allerdings lernt er das es schlimmeres gibt als Frauen in Hosen und das Gleichberechtigung von  Männers Gnaden, nicht viel taugt.
Diese Erkenntnis kommt schleichend, auch für die Leser, denen Susanne Pavlovic diese Botschaft nicht um die Ohren haut, sondern sie in vielen unterschiedlichen Szenen behutsam in die Herzen pflanzt, mal sind sie urkomisch manchmal tieftraurig.
Die Spannung lässt keinen Moment  nach, es sind tatsächlich 500 Seiten und sie vergingen wie im Flug, kaum hatte ich mit dem Buch begonnen, war ich auch schon wieder durch, so sehr hat mich die Geschichte Yuris gefesselt.
Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band, auf Yuriko Mandorak Doragon Frost der Legendäre , Meister der Siegel…  auf Galina, Padda und all die anderen liebgewonnenen Charaktere und auf ihre Abenteuer.

  • Broschiert: 600 Seiten
  • Verlag: Amrun Verlag; Auflage: 1 (18. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958691358
  • ISBN-13: 978-3958691353




Donnerstag, 12. März 2020

Felix und die Quelle des Lebens von Eric-Emmanuel Schmitt

In einer Zeit in der die Welt immer kälter wird und die Menschen mehr und mehr nur an sich selber denken, ist das kleine Cafế Das Büro von Fatou in Paris ein kleiner Zufluchtsort für unsicheren und unverstandenen, für die Menschen die am Rande der Gesellschaft stehen.
Mit ihrer freundlichen und immer fröhlichen Art schafft Fatou nicht nur für ihren zwölfjährigen Sohn Felix ein Zuhause.
Bis zu dem Tag, an dem sie mit den Ungerechtigkeiten der Behörden konfrontiert wird und damit einer Situation gegenübersteht, die sie nicht kontrollieren kann. Fatou verfällt in eine tiefe Depression und Felix muss all seine Kräfte aufbieten ihr zu helfen.

Felix und die Quelle des Lebens, war mein erstes Buch des Autors , natürlich hatte ich schon von dem Autor gehört, sein Buch Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran war vor einigen Jahren in aller Munde.
Eric-Emmanuel Schmitt erzählt vordergründig von den Bemühungen eines Kindes seiner Mutter zu helfen, mit der Hilfe der Cafegäste und dem extra aus dem Senegal angereisten Onkels Bamba, versucht er seine Mutter wieder zurück in Leben zu holen.
Diese Versuche muten schon etwas seltsam an, erklärt Bamba doch das Fatou eigentlich tot sei und  nur ein Marabout (ein islamischer Heiliger) könne sie heilen. Das grenzt nicht nur an Scharlatanerie.
Hilfreicher ist da schon der Plan von Felix Vater, der plötzlich auftaucht und Fatou und Felix mitnimmt in ihren Heimatort nach Afrika.
Dort endlich stellt sich Fatou ihrer Vergangenheit, denn ihre Streitigkeiten mit den Behörden in Frankreich waren nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Schmitt bringt seinen Lesern auf skurrile, manchmal amüsante und oft auf tieftraurige Art nah, das unser Leben nicht nur von der augenblicklichen Situation bestimmt wird. Auch unsere Vergangenheit beeinflusst uns stärker als uns bewusst ist und wenn wir sie nicht richtig aufarbeiten kann sie uns krank machen, das gilt wohl besonders für traumatische Erlebnisse.
Depressionen sind immer noch ein Tabuthema, obwohl es so viele Betroffene gibt, wird darüber geschwiegen, vielen ist ihre Krankheit peinlich auch, weil das Umfeld oft mit Unverständnis reagiert.
Eric-Emmanuel Schmitt versucht seine Leser dazu zu bringen, sich ihrer selbst bewusster zu werden, das zumindest war mein Gefühl während der Lektüre.
Im Senegal verbringt Fatou viel Zeit an dem Ort, der sie Quasi beschützte ( das müsst ihr lesen, viel mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten) und sie nimmt das Gefühl der Geborgenheit mit sich zurück nach Paris.
Und reist als Therapie in Gedanken immer wieder nach Afrika zurück.
Nun haben nicht alle von uns so einen Zugang zu Spiritualität oder Religion wie die Protagonisten Eric-Emmanuel Schmitts und nicht jeder glaubt die Geister unserer Ahnen noch irgendwie bei uns sind ( da weiß ich jetzt nicht, ob ich alles richtig verstanden habe) aber jeder von uns der sein Problem erkennt oder merkt, da stimmt was nicht mit mir, hat die Chance sich Hilfe zu suchen, genau wie er es bei einer physischen Erkrankung auch tun würde, niemand schämt sich für ein gebrochenes Bein, warum also sollten wir es bei einer seelischen Erkrankung tun.

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570104028
  • ISBN-13: 978-3570104026
  • Originaltitel: Félix et la source de l'invisible








Dienstag, 10. März 2020

Giovannis Zimmer von James Baldwin

Giovannis Zimmer, gilt als der wichtigste Roman James Baldwins, das kann ich nicht beurteilen, es war mein erster. Ich weiß nicht was mich dazu inspirierte ausgerechnet dieses Buch von ihm zu lesen, kann ich nicht einmal sagen, die Liste seiner Werke ist lang, am wahrscheinlichsten ist das sein Name mir schon länger unbewusst im Kopf herumspukte und als ich das Buch sah musste ich einfach zugreifen.
Baldwin erzählt die Geschichte eines Amerikaners in Paris in den 50er Jahren, es ist keine heitere Geschichte, kein Sommermärchen über die Liebe.
Der Ich-Erzähler David, hält sich in Paris auf um der Auseinandersetzung mit seinem Vater aus dem Weg zu gehen, sie liegen nicht im Streit, sie reden miteinander, aber nicht über die wichtigen Dingen des Lebens.
Die meiste Zeit verbringt David in der Schwulenszene Paris, in den einschlägigen Kneipen und Cafeś, immer ein bisschen am Rand, schließt er zwar Freundschaften aber, die wie es scheint nur um sich ab und zu Geld zu leihen.Er beobachtet, er lacht über Tunten und lästert über tragische Gestalten die nach der großen Liebe suchen und doch nur zahlen müssen für ein bisschen Nähe.
Bis er in seiner Stammkneipe auf den Barkeeper Giovanni trifft und sich Hals über Kopf verliebt.
Sie verbringen jede freie Minute miteinander ihre wahre Zuneigung zueinander können sie aber nur im verborgenen Leben, versteckt vor der Welt in Giovannis schäbigem Zimmer.
Als Davids Verlobte nach Paris zurückkehrt, offenbart sich seine Zerrissenheit erst völlig.
Das Buch zu beschreiben, diese besondere Atmosphäre die James Baldwin geschaffen hat und die, die Übersetzerin Miriam Mandelkow wohl einzufangen wusste, fällt mir sehr schwer, besser kann das Sasha Marianna Salzmann in ihrem Nachwort.
Giovannis Zimmer ist keine leichte Kost, das Buch regt zum Nachdenken an und stimmt wirklich traurig.

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (21. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423282177
  • ISBN-13: 978-3423282178
  • Originaltitel: Giovanni's Room



Montag, 9. März 2020

Besuch im Bücherhaus: 8 Fragen an Michael Marrak



Lieber Michael, herzlich willkommen im Bücherhaus. Vielen Dank das du dir die Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten. Beschreibe dich doch bitte für meine Leser mit 5 Worten.

Ich bin ein lichtscheues Extremophil. 


Ich habe Extremophil erst mal googeln müssen 😏 Und so Lichtscheu siehst du auf dem Bild gar nicht aus.

Ein bisschen mehr darfst du schon erzählen. Machen wir aus den 5 Worten „in eigenen Worten“.

Geboren wurde ich im November 1965, am Tag zwischen dem Start einer Kosmos-2-Rakete mit dem Satelliten Kosmos 95 vom Raketentestgelände Kapustin Jar, und dem Start der ersten Delta-E-Rakete mit dem Satelliten Explorer XXIX vom Cape Canaveral Space Center. Nach einer wahrhaft fürchterlichen Ausbildung zum Großhandelskaufmann studierte ich Grafik-Design, Desktop-Publishing und Multimedia in Stuttgart und versuchte mich zwischen 1989 und 1996 als Autor, Illustrator, Herausgeber und Anthologist. Nach einigen Jahren als freier Illustrator widme ich mich seit der Jahrtausendwende vornehmlich dem Schreiben, kann aber auch das Illustrieren nicht lassen. Die für mich schönste und gelungenste Symbiose beider Talente vereinen mein 2017 im Amrun Verlag erschienener Roman DER KANON MECHANISCHER SEELEN und seine 2018 erschienene Fortsetzungsnovelle DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ZEIT. Ich lebe und arbeite in Schöningen am Elm, der selbsternannten Stadt der Speere.



Und das war es auch schon fast mit allgemeinen Fragen. Ich habe mir deine Vita etwas genauer angeschaut und die ist ja sehr beeindruckend. Allein Der Kanon mechanischer Seelen (ich kann gar nicht oft genug betonen wie sehr ich allein den Titel feiere, vom Buch mal ganz abgesehen) wurde als bestes Buch“ mit dem Phantastik-Literaturpreis Seraph und dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet. Und das waren ja nicht die einzigen Auszeichnungen die deine Bücher und Grafiken erhalten haben.

Da gab es im Laufe der Jahre noch ein paarmal den Deutschen Science Fiction Preis und den Deutschen Phantastik Preis. Zu der Zeit, als ich sie bekam, leider allesamt undotiert. ;)

1) Wie hoch ist nach solchen Erfolgen der Druck, den du dir selber machst?

Ich schreibe wirklich nicht, um Preise zu gewinnen. Letztere sind, augenzwinkernd betrachtet, so eine Art „positiver Kollateralschaden“. Allerdings habe ich natürlich einen gewissen Anspruch an meine eigenen Texte, der jedoch unabhängig ist von irgendwelchen Honorierungen und den Gedanken daran. Er ist das Resultat einer kontinuierlichen Entwicklung, deren oberste Prämisse für mich die Ästhetik und sprachliche Ausgewogenheit ist. Hinzu kommt – und das soll keinesfalls Selbstbeweihräucherung sein – eine teils mich selbst überraschende Fantasie, die jedoch ebenfalls schon immer da war. Im Grunde ist es diese Fantasie, die mein Schreiben geformt hat, denn ich musste und wollte lernen, sie zu kanalisieren und in die richtigen und passenden Worte zu kleiden. Da ich dieses Kopfkino nicht abschalten kann, sondern höchstens ein wenig zu dimmen vermag, musste ich meine Schreibe so entwickeln, dass ich die Fantasie nach außen transportieren kann, in Sprache und Bilder. Früher las sich das alles noch ein wenig unbeholfen. Heute bin ich weitaus zufriedener mit dem Resultat.

2) Das zweite Buch, das ich von dir gelesen habe, war Der Garten des Uroboros, in dem der Archäologe Hippolyt Krispin bei Ausgrabungen in Mexiko auf etwas stößt, das alles, was bisher über die Menschheit bekannt ist, infrage stellt. Wie bist du auf die Grundidee zu dem Buch gekommen?

Das kann ich aus heutiger Sicht gar nicht mehr so genau sagen, denn die ersten Kapitel entstanden bereits vor fast 20 Jahren. Ich glaube, die Idee wurde geboren, als ich an meinem Roman IMAGON gearbeitet hatte. Darin stößt der Protagonist in ferner Vergangenheit auf Gebäude, die in hunderten Metern Höhe an bzw. in einer Felswand angelegt wurden. Das hatte mich wohl auf die Idee gebracht, über indigene Völker zu schreiben, die ihre Häuser und Gräber ebenfalls hoch in Felswänden anlegen, bewohnen oder pflegen.


3. Der Roman spielt in Mexiko, Peru, Mali und Venezuela. Bist du persönlich schon in den Ländern gewesen?

Leider nein, aber ich hatte 2018 zumindest für rund zwei Monate Besuch von einer Freundin aus Mexiko, die mir das Land und die Leute dort sehr anschaulich beschrieben hatte. Sie schickte mir Material über die Raramuri-Indianer wie z.B. ein Wörterbuch der Tarahumara-Sprache, Texte aus Universitätsbibliotheken und dergleichen. Publikationen, über die ich von Deutschland aus nie rangekommen wäre. Alle anderen Ethnien- und Landesrecherchen stammen aus Dissertationen, Büchern und Bildbänden.


Das ist beeindruckendes Recherchematerial

4. Die Geschichten und Legenden der indigenen Völker der Handlungsorte spielen eine sehr große Rolle, ebenso wie die Traditionen die zum Teil immer noch gepflegt werden. Hattest du fachliche Unterstützung bei der Recherche? Erzähl doch mal wie so etwas abläuft, bitte.


Indirekte Unterstützung. Es gab E-Mail-Korrespondenz mit einem Hamburger Ethnologen und einer Wiener Kulturanthropologin, die beide zahlreiche Reisen zu den Raramuri-Indianern unternommen hatten. Ihre Publikationen waren eine wertvolle Recherchequelle für mich. Daher habe ich nach Fertigstellung des Romans mit ein wenig Sisyphusarbeit Kontakt zu beiden aufgenommen. Jedoch nicht, um mir Exklusivinformationen einzuholen, sondern um mich rechtetechnisch abzusichern und ihre Genehmigung einzuholen, bestimmte rituelle oder zeremonielle Beschreibungen oder kurze Formulierungen aus ihren teils vor Jahrzehnten veröffentlichten wissenschaftlichen Abhandlungen übernehmen oder an den Roman angepasst adaptieren zu dürfen. Sie entstammen zwar Sachbüchern, Fotoreportagen und publizierten Dissertationen und sind somit öffentlichkeitsinformatives Material, aber sicher ist sicher. Die entsprechenden Romankapitel hatte ich ihnen schließlich zum Gegenlesen und Prüfen geschickt und von beiden grünes Licht erhalten, sie so veröffentlichen zu dürfen.

Dass das trotzdem teilweise recht kurios vonstattenging, zeigt ein kleines Beispiel aus einem Mail-Dialog mit der erwähnten Kulturanthropologin und ihrer Fotoreportage über die Raramuri-Indianer, aus deren Bildlegenden ich zwei besondere Zitate übernehmen wollte.

Sie antwortete mir, wenn ich die Raramuri in meinem Buch würdevoll (von ihr in Großbuchstaben und mit drei Ausrufezeichen geschrieben) darstelle, dürfte ich die benannten Zitate benutzen. Ich schrieb ihr zurück, dass es knifflig sei, ein Volk würdevoll darzustellen, das sich, wie in ihrem Bericht beschrieben, auf seinen Maisbierfesten tagelang ununterbrochen besäuft, rauft und sich gegenseitig vollkotzt. Sie äußerte Verständnis für meine Ansicht und erklärte mir, wie das mit dem „Respekt“ gemeint war. Als ich ihr beschrieben hatte, wie meine Darstellung der Raramuri im Roman aussehen wird, waren ihre Bedenken jedoch rasch verflogen.

5) Der ursprüngliche Roman-Klappentext vermittelt, dass es einen Vorgängerroman um den Protagonisten Hippolyt Krispin gibt. Muss man diesen vor dem UROBOROS gelesen haben?

Definitiv nein. MORPHOGENESIS (der erste Krispin-Roman von 2005) und DER GARTEN DES UROBOROS sind zwei unabhängige und zudem völlig verschiedene Romane. Ich hatte einfach keine Lust, nach Poul Silis (IMAGON) und Hippolyt Krispin (MORPHOGENESIS) einen weiteren, dritten Archäologen zu etablieren. Es gibt im UROBOROS zwei, drei dezente Anspielungen auf die Geschehnisse in MORPHOGENESIS, aber das wars auch schon.

6. Nach dem Buch ist vor dem Buch. Worauf dürfen sich deine Leser freuen?

Auf den für kommenden Herbst angekündigten zweiten Band meiner im Memoranda-Verlag erscheinenden Storysammlung namens DIE PARABEL VOM ZWIELICHT, von dem viele befürchtet hatten, er würde der Golkonda-Insolvenz zum Opfer fallen.

Bis es soweit ist, gibt es drei Kurzgeschichten, zwei in Form klassischer Anthologie-Beiträge, die dritte bereits kommenden Monat in Form eines Hörbuchs, das im Rahmen einer Doppel-CD mit dem neuen Album einer deutschen Medieval-Electro-Band veröffentlicht werden wird. Mehr will ich zu diesem Projekt noch nicht verraten, solange die Band die Katze nicht selbst aus dem Sack gelassen hat.

Als voraussichtlich nächstes Buch erscheint ein kurzer SF-Roman bei Amrun mit dem Arbeitstitel INSOMNIA. Er ist eine Kombination umfangreich erweiterter Re-Works zweier älterer Kurzgeschichten mit Blade Runner Ambiente, einst inspiriert von den Bildern des vor wenigen Monaten verstorbenen Filmdesigners Syd Mead. Ich hatte auf Facebook vergangenes Jahr eine kleine Reminiszenz über die Entstehung der Ur-Geschichte geschrieben.

Danach folgt ein Horror-Roman, der bereits vor dem AION angekündigt worden war, damals unter dem Projektnamen REBECCA. Er ist – als klassisches Nebenprojekt – zuerst der Computerspielphase (2006 bis 2012) zum Opfer gefallen, und danach vom KANON und vom UROBOROS verdrängt worden. Inzwischen ist er jedoch so weit gediehen, dass ich seine Veröffentlichung für 2021 ankündigen kann. Üppig illustriert wird er von Jens Maria Weber, den die meisten Leser für seine Arbeiten zu Kai Meyers Space-Fantasy-Trilogie DIE KRONE DER STERNE kennen dürften.

© Jens Maria Weber Ich bin ganz verliebt in die Illustrationen

Vom Genre her kann man den Roman als „Lovecraftian Horror“ klassifizieren, genauer gesagt als eine Hommage an „Der Flüsterer im Dunkeln“. Da Jens und ich derzeit noch mit anderen Projekten ausgelastet sind, hier exklusiv als Illu-Appetizer und mit freundlicher Genehmigung eine kleine Collage von Jens‘ Skizzen zum ersten Romandrittel. In naher Zukunft werden wir auch die Projektseite freischalten, mit kleinen Leseproben, ersten fertigen Illus und mehr Infos zum Buch.

7. Eine Frage die mich schon länger beschäftigt. Ich lese deinen Namen häufiger im Zusammenhang mit dem Goethe-Institut Irland. Was hat es damit auf sich?

Das war eine Geschichte, die sich 2018 im Zuge des SERAPH-Gewinns für DER KANON MECHANISCHER SEELEN entwickelt hatte. Ich hatte irgendwann eine E-Mail aus Irland im Postfach, in der man mich nach Dublin eingelanden hatte, für eine Lesung im Rahmen der Neueröffnung der Bibliothek des dortigen Goethe Instituts.

Zuerst war ich überzeugt gewesen, dass mich irgendjemand verarschen wollte, denn: Wieso sollten die ausgerechnet mich einladen wollen? Wer solle mich denn in Irland kennen?

Nach ein paar Stunden Internetrecherche hatte ich einige Tage später herausgefunden, dass die Person, die mir geschrieben hatte, tatsächlich die Leiterin der Dubliner Bibliothek des GI Irland ist und die Anfrage echt und ernst gemeint war.

Bei einem ersten Telefonat hatten wir dann ein wenig Brainstorming betrieben, was man denn Exklusives zur Bibliothekseröffnung produzieren könnte. Das in der zur Verfügung stehenden Zeit lösbare Ergebnis war die Idee, eine neue KANON-Novelle zu schreiben, in der es auch um Bibliotheken geht. So entstand damals DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ZEIT.

Im Oktober 2018 folgte schließlich ein fünftägiger Aufenthalt in Dublin mit Lesungen aus der neuen Novelle im Goethe Institut und in der Trinity Library und einer kleinen Ausstellung der KANON-Illustrationen im Rahmen der Bibliotheks-Neueröffnung. Dass auch hierzulande in der Szene darüber gesprochen wurde, lag vor allem daran, dass ich damals für den KANON den Kurd Laßwitz Preis für den besten Roman 2017 bekommen sollte und die Verleihung in Leipzig just an dem Wochenende war, als ich in Dublin meine erste Lesung hatte. Ich hatte mich via Internet also leider nur aus der Ferne bedanken können und eine lustige Dankesrede an den Treuhänder geschickt. Als ich davon in Dublin erzählt hatte, waren alle ganz verwundert gewesen, dass ich für die Lesung und Bibliothekseröffnung nach Irland gekommen war, statt in Deutschland den Literaturpreis persönlich entgegenzunehmen. Das war alles irgendwie ziemlich schräg an diesem Wochenende …

8. Welchen Traum als Schriftsteller hast du noch? Was sind deine Ziele?

Über Träume möchte ich heute nichts erzählen. Die Zeiten sind zu fragil und unberechenbar dafür. Kein Traum, aber eine Hoffnung war es einst, dass ein Publikumsverlag sich nach dem Erfolg des KANONS 2018 für eine Taschenbuchausgabe des Buches interessieren könnte, aber die habe ich längst begraben. Ist wohl kommerziell nicht vermarktbar …
Zu meinen Zielen hingegen gehört, alle begonnenen Projekte zu Ende zu führen, vor allem jene, auf die die LeserInnen seit über zehn Jahren auf die Fortsetzung warten, wie etwa die Gesamtausgabe der AION-Trilogie, aber endlich auch jenen oben erwähnten Horror-Roman. Zudem ist die Fortsetzung des KANONS zu einem Drittel fertig, aber diese erscheint definitiv erst nach dem Ausflug ins Lovecraft-Universum.






Sonntag, 8. März 2020

5 Fragen 5 Antworten an und von Yuriko Mandorak Doragon Frost, Siegelmeister, Feuerbeschwörer, Freund der Kröten und Bezwinger der Schicksalsschlange



Hallo und herzlich willkommen Yuri, ich freue mich sehr, dass ich dir einige Fragen stellen darf.

Mach es dir bequem, nimm dir einen Tee und Kekse.

Magst du dich meinen Lesern kurz vorstellen bitte?


Du meinst, für den unwahrscheinlichen Fall, dass die von mir noch nicht gehört hätten? Selbstverständlich! Yuriko Mandorak Doragon Frost der Legendäre bin ich, Meister der Siegel, Freund der Kröten, Feuerbändiger, Weltreisender, Windreiter, Bezwinger der Schicksalsschlange und Eroberer von Frauenherzen. Außerdem begnadeter Lehrmeister, treuer Freund und angesehener Ehrenbürger meiner Heimatstadt. Kurz – an mir führt kein Weg vorbei.



1.) In meiner Welt gibt es etwas das sich Facebook (das ist fast wie Magie) nennt, dort kann man sich unter anderem auch Bilder anschauen. Vor kurzem habe ich dort Bilder aus deiner Heimat gefunden.

©Sarah Pilz


Das Bild ist wohl ein Jugendbildnis von dir, beschreibe dich doch mal wie du heute aussiehst, damit sich meine Leser ein Bild von dir machen können.


Das Bildnis zeigt mich in meiner ganzen alterslosen Schönheit. Könnte gestern gezeichnet worden sein. (zieht etwas bemüht den Bauch ein, dreht sich vorteilhaft ins Licht)


2) Dein Weggefährte ist eine Kröte, das ist ja etwas ungewöhnlich, wie und wann bist du auf Meister Padda getroffen?


Es war Schicksal. Wir waren füreinander bestimmt. Ich hatte schon immer eine enge Beziehung zu Wasser und zu Kröten. Was, wie ich zugebe, ein bisschen ungewöhnlich ist für einen Feuerzauberer. Aber, ich meine. Diese Augen. (hält Manuela Padda auf der flachen Hand direkt vors Gesicht.) Und wir haben den gleichen Humor. Das verbindet. Der Rest ist eine epische Geschichte um eine zehntausend Jahre alten Krötenkult, die an dieser Stelle zu weit führen würde.

3) Hättest du nicht manchmal lieber ein anderes Tier an deiner Seite, vielleicht einen Hund, der dich beschützen kann?

Der Vorteil einer Kröte im Vergleich zum Hund ist, dass sie keine Zähne hat. Nein, ehrlich, ich kann dieses Ding der Leute mit Hunden nicht verstehen. Was ist toll an einem Hund? Sie sind laut. Sie denken, das Haus gehört ihnen. Sie haben Zähne. Ich glaube ja, Menschen umgeben sich nur deshalb mit Hunden, weil sie gerne jemanden um sich haben, der dümmer ist als sie selbst.
Im Übrigen ist Padda der beste tierische Gefährte seit Erfindung der tierischen Gefährten. Er ist schlau. Er hat Humor. Er hat mich noch nie im Stich gelassen. Und im Land hinter den Mandelbäumen gelten Kröten als Glücksbringer für Geld und Gold. Da bleibt er im Augenblick noch ein bisschen hinter seinen Möglichkeiten, aber es ist eben niemand perfekt. Also, außer mir.



4) Ich habe einen Teil deiner Geschichte schon lesen dürfen, bevor deine Schöpferin Susanne Pavlovic sie für alle veröffentlicht, und mir stellten sich schon schnell ein paar Fragen:

a) Du bist einfach gegangen, hast deine Schülerin Galina, deine große Liebe und deinen besten Freund Frakis zurückgelassen, kannst du uns erklären, warum du das getan hast?

Ich wurde von den Sturmwinden des Lebens hinweggeblasen. (rückt ein bisschen unbehaglich auf seinem Stuhl herum, spielt mit dem Zuckerlöffel). Also. Na ja. Ich. Hm. Brauchte dringend eine Luftveränderung. Weißt du, ich habe einen Großteil meines Lebens damit verbracht, zu versuchen,diese Frau zu bekommen. Aber als ich jung war, hatte ich das Geld nicht, sie zu heiraten. Und als ich das Geld dann hatte, hatte sie schon einen anderen Mann. Dann habe ich eine Weile drauf gewartet, dass sie ihren Irrtum einsieht. Und dann noch eine Weile länger. Und dann hab ich plötzlich gemerkt, wie das Leben so vorbeigeht. Und – da war diese hübsche Jungfer mit dem Handkarren, der ich geholfen habe, und plötzlich waren ihre fünf wütenden Brüder hinter mir her, und plötzlich war ich auf einem Schiff, und, na ja, ist das nicht jedem von uns schon mal passiert?



b) Du hältst dich für einen der besten Zauberer aller Zeiten, du hattest tatsächlich geglaubt, dass in der Arkania alle auf dich gewartet haben, wo nimmst du dieses fast schon unverschämte Selbstvertrauen her?

(blinzelt irritiert) … Ich verstehe die Frage nicht?

c) Gemeinsam mit Galina machst du dich auf den Weg, um das Geheimnis von Arkadis zu lüften (um zu erfahren, was es mit Arkadis auf sich hat, sollen die Leute deine Geschichte mal schön selber lesen). Während dieser Reise lernst du viel über Frauen und Männer und dass es vielleicht an der Zeit ist, endlich mit veralteten Rollenklischees aufzuräumen und einzusehen, dass jeder Mensch so leben darf, wie er es für richtig hält. Wie gehst du damit um?

©Galina bei © Sarah Pilz


Man sagt ja immer, Reisen erweitert den Horizont – aber dass so ein erweiterter Horizont ganz schön anstrengend ist, sagt einem vorher keiner. Frauen in Hosen. Frauen, die Berufen nachgehen. Mit Schwertern um sich schlagen. Gütiger Krötengeist!
Ich bin ganz knapp keine zwanzig mehr. Ich muss nicht alles verstehen, was diese neuen Zeiten mit sich bringen. Ich habe gesehen, wie glücklich es Galina macht, das Schwerthandwerk zu erlernen. Ich meine, Hauptsache, sie ist glücklich, oder? Ich glaube, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn es mehr Leute gäbe, denen es einfach wurscht ist, wie ihre Nachbarn glücklich werden.


5) In ihrer Geschichte der Frostchroniken Krieg und Kröten haben wir von Susanne Pavlovic erfahren, dass du nicht weißt, wo du herkommst. Willst du vielleicht auf einer weiteren Reise nach deinen Eltern suchen?

Ach, das ist so eine Schnapsidee, die hat Frakis ihr in den Kopf gesetzt und ich muss es ausbaden. Ich sehe das schon auf mich zukommen, obwohl ich da gar keine Lust drauf habe. Aber warte es ab – irgendjemand wird mich schon wieder entführen.

Ich hoffe dann mal das Susanne uns auch von dieser Entführung berichten wird, erzähle ihr bitte alles bis ins kleinste Detail.

Lieber Yuriko, ich danke Dir für dieses sehr amüsante Gespräch, ich habe mich sehr gefreut dich als Gast zu haben. Wer Yuriko und Galina ( die ich persönlich sehr sehr mag) näher kennenlernen möchte, seine Geschichte wird von Susanne Pavlovic erzählt und ihr könnt sie im Amrûn Verlagsshop oder überall wo es gute Bücher gibt, gegen ein paar Silberfedern käuflich erwerben.



                                           
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Geister der Vergangenheit Hrsg. Sarina Wood


Geister, gehören zum Aberglauben der Menschen dazu wie die Angst vor schwarzen Katzen oder Freitag dem 13. Sie spuken in alten Gemäuern ohne Rücksicht darauf, ob sie bewohnt werden oder nicht, oder sie treiben ihr Unwesen an Weggabelungen oder Friedhöfen.
Es gibt sie nicht, sie existieren nur in unserer Fantasie, gefüttert von unserer Angst.
Wirklich?
Was wenn all die Geschichten wahr sind, was wenn wir wirklich heimgesucht werden?
Seit jeher werden Spukgeschichten erzählt und von Generation zu Generation überliefert.
Für die Anthologie Geister der Vergangenheit hat die Herausgeberin Sarina Wood 23 Kurzgeschichten gesammelt, die auf klassischen Geistergeschichten der verschiedensten Regionen Deutschland beruhen.
Wir begegnen dänischen Soldaten die im Wakendorfer Moor ihr Unwesen treiben genau so wie dem verfluchten Jäger, der Loreley oder der schönen Lau. Einige der Geschichten kommen dem Leser sicherlich bekannt vor, das liegt daran, dass Geister sich oft gleich verhalten egal wo sie ursprünglich verstorben sind, sie haben zu Lebzeiten Schuld auf sich geladen oder sie finden einfach den Weg in die nächste Welt nicht, weil sie sich nicht damit abfinden können gestorben zu sein.

Ich muss glaube ich nicht nochmals erwähnen, dass ich Kurzgeschichten liebe und wenn die Autoren es schaffen mir einen wohligen Gruselschauer über den Rücken zu jagen, der auch nach der Lektüre anhält, feiere ich diese Geschichten regelrecht. Das gelingt nicht immer, auch nicht in dieser Anthologie, aber als Gesamtwerk gesehen, funktioniert: Geister der Vergangenheit hervorragend.
Was auch sehr gut funktioniert, allerdings nur für Smartphonebesitzer, das Bonusmaterial, das sich zu jeder Geschichte hinter einem QR-Code vor jeder Story versteckt, dort findet man Interviews mit den Autoren und diverse Links. Ebenso findet ihr die Ursprungsgeschichte, die ich besonders bei Vincent Voss sehr interessant ist, hat sie ihren Ursprung doch nicht vor hunderten von Jahren, sondern in der Schulzeit des Autors und sie ist der Beweis. Spuk Geschichten funktionieren, gut erzählt immer.

Ich kann für Geister der Vergangenheit, guten Gewissens eine Leseempfehlung abgeben.
Taucht ein in die Geschichten von:
Sarina Wood (Herausgeber) Stephanie Plass. P.C.Thomas, R.M.Holtz, Heike Schrapper, Petra Schmidt, Sarah Ziegler, Andrea Harm, Silke Pahl, Silke Alagöz, Vincent Voss,Yansa Brünnling,Nanette Jürgens, Holger Göttmann, Jutta Ehmke, André Geist, Thomas Glöckler, Nele Sickel, Thomas Karg, Janna Ruth, Erva Veger, Sandra Lode, Violetta Leiker und Chris Schlicht (Illustrator)

  • Taschenbuch: 316 Seiten
  • Verlag: Low, Torsten; Auflage: 1 (19. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3966290065
  • ISBN-13: 978-3966290067



Samstag, 7. März 2020

Kriegsgold von Jörg Rönnau

1945
Die U796 hat gerade den Hafen verlassen, als SS-Offiziere dem Kapitänleutnant Johann von Stackeldorf den Befehl erteilen den Kurs zu ändern und einen Teil der Fracht auszuladen. Von Stackeldorf flieht und ändert sein Leben von Grund auf.

Heute
Angespülte Leichenteile halten die Kieler Kriminalkommissare in Atem, wer ist der Tote und wie starb er wirklich, war es Mord oder ein tragischer Unfall. Kurz nachdem die Leiche identifiziert wurde, taucht ein weiterer Toter auf, der Sohn des aus dem Meer geborgen Kapitänleutnants Stromberg.
Während Kommissar  Hinnerk Matthiesen und seine Kollegen nach einem Motiv für die Morde suchen, macht sie ein pensionierter auf die Verbindung zu einem vor Jahren ums Leben gekommenen Mann und dem Selbstmord eines Landwirts aufmerksam.

Alle Toten scheinen mit einem angeblichen Goldschatz der Nazis in Verbindung zu stehen, der in den Wirren der letzten Kriegstage spurlos verschwunden sein soll.

Kriegsgold ist mein zweiter Krimi aus der Feder Jörg Rönnaus und auch dieses Mal konnte er mich mit seinem flüssigen Schreibstil und der spannenden Story überzeugen. Geschickt verwebt er Geschehnisse aus der Vergangenheit mit denen in der Gegenwart. Er erzählt von der Gier nach Gold, die auch nach Jahrzehnten noch Menschen zu brutalen Mitteln greifen lässt um in dessen Besitz zu gelangen.
Bei aller Spannung kommt aber auch der Humor nicht zu kurz, die eine oder andere Szene mit einem ganz besonderen Protagonisten namens Monsieur Tourette brachte mich zum Schmunzeln, die Reaktionen in seinem Umfeld, könnten auf Dauer etwas ermüdend sein, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.  Ich hoffe bald noch mehr von Jörg Rönnau lesen zu können, gern auch von seinem Kommissar Hinnerk Matthiesen, dessen Art mir sehr gut gefiel.

  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: MAXIMUM Verlag; Auflage: 1 (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3948346127
  • ISBN-13: 978-3948346126

Freitag, 6. März 2020

South oh Hell von Thomas Engström (Ludwig Licht 2)

Ein Sechzehnjähriger nimmt sich das Leben, angeblich, weil sein Liebhaber die Affäre beendet hat, so zumindest schreibt es der Jugendliche kurz vor seinem Selbstmord auf seiner Facebookseite. Besonders bristant: sein Liebhaber soll der demokratische Politiker Ron Harriman sein. 
Entspricht die Enthüllung der Wahrheit oder soll der Politiker nur in Misskredit gebracht werden.
Harriman, der früher als US-Botschafter in Berlin gearbeitet hat, sieht nur einen Ausweg, gemeinsam mit Clive Berner engagiert er Ludwig Licht, dieser soll die Wahrheit ans Licht bringen.

Schon bald erfährt Licht, das es um mehr geht als um den Selbstmord eines Jugendlichen und damit zusammenhängend den guten Ruf eines Politikers. Licht stößt auf eine Terrorgruppe die sich zum Ziel gesetzt hat, das ganze Land zu zerstören.

Wie schon im 1. Band ist Licht zunächst am Boden, er trinkt mehr als ihm gut tut, meine Hoffnung das sich das ändert erfüllte sich also erst einmal nicht, bis er in den USA ermittelt, hier ist der EX-Agent vollkommen in seinem Element. 
South of Hell ist manchmal etwas langatmig erzählt und irgendwann gerät der eigentliche Grund, weshalb Licht in die USA geholt wurde komplett in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz ist das Gesamtwerk, um es mal so zu nennen, am Ende durchaus spannend und mit Abstrichen ein solides Lesevergnügen.

  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (9. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570103021
  • ISBN-13: 978-3570103029
  • Originaltitel: Söder om Helvetet


Dienstag, 3. März 2020

Totsee von Arne. M. Boehler


Nora wird von ihrem ehemaligen Arbeitgeber Henryk, mehr gezwungen als überredet, die Reisebegleitung für die junge Kim zu übernehmen, die Erbin eines Pharmaunternehmens leidet unter psychischen Problemen die sich nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters manifestierten.
An einem ruhigen und abgeschiedenen Ort soll sie ein Auge auf die junge Frau haben und merkt schnell, dass es bei diesem Job um alles andere als Routine handelt. Kim schwebt in höchster Gefahr.

Karsten von Hallstein, Mitglied der Dreißig einem elitären Club, der in Deutschland alles zum *Besseren* wenden will, geht über Leichen um innerhalb dieses Clubs aufzusteigen.
Seine Motivation liegt, wie so oft, tief in der deutschen Vergangenheit, aber auch dieses Thema ist vom Autor gut durchdacht eingesetzt.

Währenddessen versucht Kommissar Aslan Özkan ein guter Freund Noras wer hinter Messeselbstmordattentaten steckt, die die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken versetzen.


Ich mochte Nora, sie ist ein vielschichtiger Charakter, nach außen Tough hat sie mit den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen, diese Geister machen sie verletzlich und erpressbar und doch gibt sie alles, um Kim zu schützen und um die Wahrheit herauszufinden. Was sie im Laufe ihrer Ermittlungen erfährt, ist eigentlich unfassbar, grausam und doch so erschreckend vorstellbar. Im Laufe des Buches dachte ich mehr als einmal, nun hätte ich alle Zusammenhänge begriffen, schloss den einen Verdächtigen aus um meinen Focus auf einen anderen zu richten und dann war doch wieder alles ganz anders.
Arne M.Boehler ließ mich die Frage stellen: Was treibt Menschen zu ihren Handlungen? Ist es immer der ureigenste Wille oder sind wir mit den richtigen Mitteln so stark zu manipulieren, dass wir Dinge tun die unserer Natur vollkommen widersprechen?
Diese Frage lasse ich mal im Raum stehen, denn ich kann sie nicht beantworten.

Ich mochte schon: Das Weinen der Kinder, von Arne M.Boehler umso gespannter war ich auf sein zweites Buch und meine Erwartungen waren ziemlich hoch.
Und sie wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil Totsee ist noch eine Spur spannender und stilistisch  eine Spur ausgereifter als: Das Weinen der Kinder,  ohne  glattgebügelt zu wirken, die Handschrift Boehlers ist Gott sein Dank immer noch klar erkennbar, damit hebt er sich wohltuend vom manchmal doch sehr einheitlichen Konzepts des einen oder anderen Bestsellerautors ab.

  • Taschenbuch: 392 Seiten
  • Verlag: epubli; Auflage: 5 (7. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3750279721
  • ISBN-13: 978-3750279728