Sonntag, 28. April 2019

Die Einsamkeit der Schuldigen von Nienke Jos


Inhalt: Junia sehnt sich nach einem Zuhause, einer eigenen Wohnung, Mann und Kindern. Nach einem rastlosen Leben als Coach in verschiedenen Clubs in ganz Europa heuert sie in einem Hotel in der Nähe von Kempten an.
Ann ist in einer unglücklichen Ehe gefangen, die bestimmt wird von der Gleichgültigkeit ihres Mannes, sie verschwindet nach einer Mountainbike Tour spurlos.
Thies verliebt sich in eine Patientin und fordert von seiner Frau die Scheidung.
Ruben, Thies bester Freund will ihm dabei helfen.
Elenor Moos versucht alles um mit dem renommierten Psychiater Theodor Kontakt aufzunehmen.
Ein Mann schmiedet Pläne für die Entführung und Misshandlung einer Frau.

Meine Meinung:
Viele Personen, viele Handlungsstränge, eigentlich genug um daraus zwei Thriller zu machen und doch hat es die Autorin geschafft, alles zu einer runden Geschichte zusammenzufügen, auch wenn das zwischendurch etwas lange gedauert hat. Dieser Thriller braucht Geduld.
Die wird allerdings belohnt.
Nienke Jos, lässt ihre Leser in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele blicken, fast jeder ihrer Protagonisten verbirgt ein dunkles Geheimnis, das er zu verdrängen versucht oder an das er sich, je nach Charakter gern zu erinnern scheint.
Die Autorin spart nicht an der Beschreibung sexueller Gewalt, das ist sicher nicht nach Jedermanns Geschmack. Ob da weniger mehr gewesen wäre, muss jeder für sich entscheiden.
Nienke Jos hat einen komplexen Thriller geschaffen der die Nerven ihrer Leser stark strapaziert.

Die Einsamkeit der Schuldigen-Das Verlies, bekommt von mir eine Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 508 Seiten
  • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 2019 (13. Februar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839223903
  • ISBN-13: 978-3839223901








Samstag, 27. April 2019

Entlang des Großen Krieges von Thomas Persdorf

Klappentext: Ein Leben in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Das Schicksal des hochbegabten, jungen Journalisten Quintus Schneefahl verknüpft mit Begegnungen bedeutender Persönlichkeiten und Ereignissen der Zeit. Leidenschaft und drei große Lieben in Verbindung gebracht mit Historie. Triviales und tief Empfundenes. Männergedanken und Mädchenträume ausgebreitet entlang des Großen Krieges.

Meine Meinung:
Wir begleiten den Quintus Schneefahl Journalisten auf seinem Lebensweg. während des 1. Weltkriegs, erleben seine Entwicklung von einem sehr unsicheren jungen Mann zu einem selbstbewussten Erwachsenen. Den ersten Schritt zu einem selbstbestimmten Leben, macht Quintus gleich zu Anfang des Buches als er sich entscheidet sein Medizinstudium abzubrechen, da ist er gerade 21 Jahre alt geworden, an diesem nicht nur für ihn schicksalhaften 28. Juni 1914.

Geschickt verwebt der Autor Thomas Persdorf das Leben Schneefahls mit historisch belegten Fakten, er beschreibt die Grauen des Krieges ohne zu beschönigen und ohne sie unnötig auszuschmücken, das ist auch nicht nötig, denn wir alle können uns vorstellen wie grausam jeder Krieg ist, mit seinen körperlichen und seelischen Verstümmelungen.

Quintus  wird weil leicht schief gewachsen als untauglich für den Kriegsdienst eingestuft arbeitet als Hauslehrer auf einem Brandenburger Gut und als journalistischer Beobachter, Entlang des Großen Krieges.
Ich habe die eine oder andere Begebenheit die als historischer Fakt im Buch genannt wurde an anderer Stelle nachgelesen und war teilweise entsetzt wie wenig ich vom 1. Weltkrieg wusste und bin der Meinung, das Romane die gut und sorgfältig recherchiert wie das vorliegende sehr wichtig sind und eine viel größere Beachtung finden müssten.

Ich vergebe für Entlang des Großen Krieges eine Leseempfehlung, das Buch ist nicht nur unterhaltsam sondern auch lehrreich. Es ist nicht immer leicht zu lesen, allzu große Lesepausen sollte man nicht machen, ich musste zwischendurch das Buch an die Seite legen und kam zwei Tage später nur schwer wieder in die Thematik, das lag aber wahrscheinlich eher an mir.

  • Taschenbuch: 381 Seiten
  • Verlag: Engelsdorfer Verlag; Auflage: 1 (11. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3954884712
  • ISBN-13: 978-3954884711


Freitag, 26. April 2019

Zombie Zone Germany: XOA von Lisanne Surborg

XOA ist 9 und heißt eigentlich Karlotta, als sie von dem Mann gefangen genommen und in einen Keller gesperrt wird, in dem sie zusammen mit einer Leidensgefährtin Namens Lei seitdem hausen muss. Immer wieder werden die Mädchen von dem Mann misshandelt, Prüfungen nennt er die Qualen denen sie ausgesetzt werden. Prüfungen die klären sollen ob die Mädchen Dämonen oder Engel in sich tragen.

Ich bin ein bekennender Fan der Zombie Zone Germany Reihen und so habe ich schon sehr darauf gewartet die neuste Novelle lesen zu dürfen. Und ich wurde nicht enttäuscht, auch wenn diese Geschichte nur im Umfeld der Zombie Zone spielt.
Der Leser erfährt nur was sich im Keller abspielt, die ganze Geschichte handelt von den Gedanken und Gefühlen XOAs. Niemand erfährt was sich während ihrer Gefangenschaft außerhalb des Keller abspielt.
Wer also auf blutrünstige Zombies hofft, sollte sich umstellen und das Buch trotzdem lesen, denn die Geschichte ist spannend und berührend. Lisanne Surborg hat es geschafft die beklemmende Atmosphäre im Keller und die Ängste XOAs bildhaft dazustellen,sie verzichtet nicht auf Grausamkeiten übertreibt dabei aber nicht.
Der Entführer der Mädchen, der im Laufe der Handlung immer nur der Mann genannt wird, bleibt vage, seine Beweggründe werden nie ganz klar erklärt, hat er *nur* einen normalen geistigen Schaden der ihn an Engel und Dämonen glauben lässt oder hat er schon eine Vorahnung die Apokalypse betreffend? Hier bleibt viel Raum für die eigene Fantasie, genauso wie das Ende der Novelle die Leser dazu bringen kann zu überlegen wie es nun weitergeht mit XOA.

Eine rundum gelungene, etwas andere Zombie Zone Germany Novelle.

Herausgegeben von Piper Marou
Covergestaltung: Christian Günther

  • Taschenbuch: 150 Seiten
  • Verlag: Amrun Verlag; Auflage: 1 (22. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958695647
  • ISBN-13: 978-3958695641

Donnerstag, 25. April 2019

Der Unfall von Andree Metzler

Nach einem Verkehrsunfall ist die Immobilienmaklerin Meli van Bergen Querschnittsgelähmt, als sie sich schon fast aufgeben will, lernt sie den Physiotherapeuten Tom kennen. Tom gibt ihr mit seiner fröhlichen Art neuen Lebensmut, sie verlieben sich und heiraten kurze Zeit später.
Ihr gemeinsames Leben scheint perfekt als sie von Frankfurt a.M. in ein einsames Haus nach Brandenburg ziehen. Ohne Telefon, ohne Internet und weit ab vom nächsten Nachbarn soll sich Meli in der perfekten Idylle am See erholen.

Viel mehr möchte ich euch nicht erzählen, das Buch umfasst gerade mal 230 Seiten, da habe ich euch viel zu schnell die Geschichte nacherzählt und ihr müsstet nicht mehr selber lesen und da würde euch etwas entgehen.
Andree Metzler erzählt auf verschiedenen Zeitebenen, das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig aber da über jedem Kapitel eine Datumsangabe steht, kommt man beim Lesen nicht durcheinander. Die  Spannung baut sich immer mehr auf je näher die Passagen aus der Vergangenheit an die Gegenwart kommen, z.B. erfährt man  auch etwas von den Ermittlungsarbeiten zum Unfall geschehen, die durch die bevorstehende Pensionierung des ermittelnden Beamten ins Stocken gerieten und erst nach Monaten von seiner Nachfolgerin Kerstin Neuheuser wieder aufgenommen werden.
Der Autor schaffte es die Figuren in seinem Buch zum Leben zu erwecken, Meli die völlig verzweifelt als sie erfährt das sie den Rest ihres Lebens im Rollstuhl verbringen wird und Tom, der ihr mit seiner fröhlichen und unbeschwerten Art zeigt, das das Leben eben nicht vorbei ist sondern nur anders als früher, ich sah sie vor meinem geistigen Auge, ebenso wie ich das Haus am See vor mir sah.
Jetzt muss ich euch nur noch erzählen das es einen Punkt gab, der mir nicht so gut gefiel, der aber nicht am Buch lag oder am Schreibstil, sondern daran das ich schon viele, sehr viele Thriller und Krimis gelesen habe. Ich sag es einfach, mir war schon ziemlich schnell klar worauf die Story zusteuerte. Das ändert aber nichts daran das ich das Buch bis zu letzten Seite genossen habe, denn 100% sicher konnte ich mir ja nicht sein.
Der Unfall bekommt eine Leseempfehlung von mir.

  • Broschiert: 236 Seiten
  • Verlag: Acabus Verlag; Auflage: Originalausgabe (1. Februar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862826538
  • ISBN-13: 978-3862826537


Mittwoch, 24. April 2019

Hexenherz von Monika Loerchner

Seit 550 Jahren regieren Frauen einen großen Teil der Welt, seit sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts herausstellte, das alle Frauen Magie beherrschen und sie damit naturgemäß über den Männern stehen. Eine dieser Frauen ist Helena, die junge Gardistin dient der goldenen Frau, der ranghöchsten Hexe mit Leib und Seele. Bis zu dem Tag als ihr Bruder ihr offenbart, dass er sich den Rebellen anschließen will und sie dieses Gespräch nicht meldet.

Helena wird verhaftet und soll mit einem weiteren Gefangenen, einem kleinen Jungen, in die Hauptstadt gebracht werden. Auf dem Weg dorthin gelingt ihr zwar die Flucht, wird aber kurz darauf von Rebellen aufgriffen, denen sie ihre wahre Identität verschweigt.

Ja endlich, Frauen an die Macht und alles wird gut.

So einfach hat sich die Autorin Monika Loerchner das allerdings nicht gemacht.

Die Autorin hat die Vorzeichen umgekehrt, Männer stehen naturgemäß unter den Frauen, ihnen fehlen die Voraussetzungen für die Gleichberechtigung, da sie nicht Magiebegabt sind. Sie bedürfen des besonderen Schutzes der Frauen, das sie im Zuge dessen auch weniger Rechte haben ist halt so.

Nur ist auch in der Welt der Frauen nicht alles eitel Sonnenschein, ohne Magie sind auch Frauen weniger wert, so haben Großmütter nur eine halbe Stimme bei Wahlen, denn sie haben ihre Magie nach den Wechseljahren verloren. Mädchen wachsen in der festen Überzeugung auf, das ihre Magie sie zu dem machen wird was sie einmal sein werden und so fühlen sie sich ohne diese weniger wert.
Nicht anders als in unserer Realität, in der sich Männer denen man die Männlichkeit nimmt die Kraft und Stärke, oftmals wertlos fühlen. Und auch Frauen nutzen ihre Macht und ihre vermeintliche Überlegenheit aus.

Helena wird auf ihrer Flucht von einer Rebellengruppe aufgegriffen, die nicht nur von einem Mann angeführt wird, es haben sich ihr auch Frauen angeschlossen und sie stellt fest, das sie gleichberechtigt sind, ein Schock für die junge Frau, die sich deswegen aus so manch einer brenzligen Situation herausreden muss.

Die Autorin hat einen Roman geschaffen, der nicht nur spannende Unterhaltung bietet, sondern die Leser auch einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft werfen lässt, sie zeigt auf, dass Freundschaft, Liebe und Respekt nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

Ein besonderes Augenmerk möchte ich noch auf die Geschichtstafeln in inneren des Buches richten, dort wird die Geschichte der Welt ab dem 15. Jahrhundert aufgezeigt. Und wir lernen die wichtigsten Gesetze des Goldenen Reichs.

Ich vergebe für Hexenherz eine Leseempfehlung und freue mich schon auf den 2. Band der Reihe.

  • Taschenbuch: 440 Seiten
  • Verlag: Acabus Verlag; Auflage: Originalausgabe (13. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 386282456X
  • ISBN-13: 978-3862824564

Sonntag, 21. April 2019

ICH Im Dunkel der Angst von Astrid Korten

ICH weiß, wie die Hölle aussieht.ICH bin eine Überlebende.ICH habe beschlossen, dir und anderen dieselbe Erfahrung zukommen zu lassen …Willkommen im Dunkel der Angst. Ein Jahr nachdem die zwölfjährige Schülerin Greta bei einem Suizid ums Leben kam, wollen Hannah, Ehefrau und Mutter, und ihre Schwester Pia, ehemalige Lehrerin, in einem Villenviertel in Warnberg neu anfangen.Hannah, die nach einem Unfall eine schwere Schuld auf ihren Schultern trägt und Pia, die mit allen Mitteln versucht, endlich schwanger zu werden, finden jedoch keine Ruhe. Die Vergangenheit holt sie unerbittlich ein.Eines Tages erhalten sie eine Nachricht: Willkommen im Dunkel der Angst.Bald kehren nicht nur Winterstürme, Nebel und Misstrauen ins idyllische Warnberg ein, sondern auch das Grauen, das die Geschwister immer stärker bedroht, bis sie um ihr Leben fürchten müssen.DREI SCHICKSALE.ANGST.WAHN.RACHE.

Das ihr bei diesem Buch, den Klappentext von mir bekommt, hat seinen Grund.
Mir fehlen einfach die Worte um kurz zusammenzufassen, worum es in dem neusten Roman von Astrid Korten geht ohne euch zu viel zu verraten.

In kurzen Kapiteln erzählen mal Pia, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, ihre Schwester Hannah, die den Tod eines kleinen Mädchens zu verarbeiten hat und ICH. 

Hannah und Pia sind Schwestern, die gemeinsam mit ihren Ehemännern in das beschauliche Warnberg gezogen sind, sie hoffen auf einen Neuanfang, doch alles kommt anders, sie werden von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der Alptraum beginnt mit einer Nachricht

Willkommen im Dunkel der Angst.

Und mit diesen Worten beginnt für den Leser eine Verwirrspiel aus Verdächtigungen und Spekulationen und vielen vielen falschen Fährten. Nach dem ruhigen Beginn der Story, währenddessen man die Protagonisten kennenlernt, baut sich die Spannung immer mehr auf und wird manchmal fast unerträglich, gerade ICH hat soviel Wut, Hass und Leid in sich, das ein fühlender Mensch gar nicht anders kann als Mitgefühl mit ihr zu empfinden.

Der unverwechselbare Schreibstil der Autorin macht auch dieses Werk von ihr wieder zu einem besonderen Lesevergnügen, aber diesmal ist es emotionaler, da Kinder involviert sind,  für viele Leser bestimmt ein schwieriges Thema.
Von mir bekommt 
ICH Im Dunkel der Angst 
eine absolute Leseempfehlung, das Buch behandelt ein Thema das immer mehr an Brisanz gewinnt und vielleicht Aufmerksamkeit bei Menschen weckt, die nicht davon betroffen sind.

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: BOD; Auflage: 1 (8. April 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3749450404
  • ISBN-13: 978-3749450404


Freitag, 19. April 2019

Rückwärtswalzer von Vea Kaiser

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Die Manen der Familie Prischinger

Onkel Willi hat nur einen Wunsch, er möchte in seiner Heimat Montenegro beerdigt werden, dafür hat er 10000 Euro gespart, was er nicht weiß, ist das seine Frau Hedi das Geld an die gemeinsame Tochter Nina gegeben hat, damit deren Veganer Onlinehandel nicht pleite geht, schließlich ist Onkel Willi jünger als sie und stirbt sicher noch lange nicht.
Leider spielt das Leben nicht immer nach Plan und Onkel Willi stirbt.
Aber die Schwestern Prischinger wären keine Prischingers, hätten sie nicht ganz schnell einen Plan. Gemeinsam mit ihrem Neffen Lorenz als Fahrer machen sie sich mit Willi auf den langen Weg von Wien nach Montenegro.

Ich bin auf der LBM 2019 auf das Buch aufmerksam geworden, die Autorin Vea Kaiser, las Passagen daraus vor und vor allem erzählte sie davon und hier bin ich ganz ehrlich, ohne diese Lesung wäre ich niemals auf den Gedanken gekommen, das Buch auch nur in Erwägung zu ziehen und hätte ein herzerwärmendes und humorvolles Lesevergnügen verpasst.
In Rückblenden erzählt die junge Autorin von den Geschwistern Prischinger, die im Nachkriegsösterreich aufwachsen sind. Drei Mädchen Miri, Wetti und Hedi und zwei Buben Nenerl und Sepp, zieht die Mutter auf dem von den Russen besetzten Hof allein groß. Und jedes der Kinder hat seinen eigenen Plan wie sich ihre Zukunft gestalten soll, wichtig ist vor allem eins, es muss immer genug Essen auf dem Tisch stehen. Essen ist sowieso ein großes Thema im Buch, es wird immer aufgetischt, als gäbe es ein großes Fest zu feiern. Aber es geht natürlich nicht hauptsächlich ums Essen, es geht auch nicht vorrangig darum Onkel Willi nach Montenegro zu schaffen, es geht um Träume, um die erfüllten und die unerfüllten und um die sich erfüllen aber anders als erhofft. Es geht darum sich der Realität zu stellen und das Leben so zu nehmen wie es ist, aber auch es im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu ändern. Das lässt sich am besten am Beispiel Lorenz erklären, Sepps Sohn, der ihn über alle Maßen verwöhnte und ihn mit Lob für alles und jedes überschüttete. Lorenz konnte seine Wände mit, vom Vater ausgedruckten Urkunden tapezieren, angefangen beim *Weltbesten Spaghettiesser*So ist es nicht verwunderlich, das Lorenz mit 30 Jahren noch glaubt, in allem was er tut der Beste zu sein, nur haben die anderen das eben noch nicht gemerkt und so liegt seine Schauspielkarriere brach und sein Konto ist leer.
Lorenz wird auf der Reise mit seinen Tanten und dem toten Onkel, erwachsen, soviel kann ich verraten.

Am liebsten würde ich euch das ganze Buch erzählen, von Miri der Frau Unterrevident (die Österreicher und ihre Titel) die sich bis zu einem gewissen Punkt damit arrangiert von ihrem Mann betrogen zu werden, denn er bietet ihr trotz allem das, was sie immer wollte, ein Leben in der Stadt. Von Hedi, die erfolglos versucht vor der Vergangenheit zu fliehen, indem sie ins Kloster ging, Gott sei Dank funkte ihr Willi dazwischen und von Wetti, meinem absoluten Lieblingscharakter, für schwachsinnig wurde sie in der Schulzeit erklärt, weil sie sich nicht einfügte und nicht das tat was andere Kinder tun, weil sie stundenlang Insekten auf der Wiese beobachten konnte, dabei ist sie vielleicht die klügste unter den Geschwistern und die Natur bietet ihr und allen anderen die besten Erklärungen, die sie dann vollkommen emotionslos zum Besten gibt.
Von Sepp erfahren wir wenig, er hat sich eingerichtet als Verwaltungsangestellter, weit weg vom Bauernhof der Familie und auch Nenerl wird zunächst nur am Rande erwähnt, das aber aus gutem Grund.

Sie alle haben mit den Geistern ihrer Vergangenheit zu kämpfen und davon erzählt Vea Kaiser auf eine sehr charmante Art, ich habe noch nie so traurige Geschichten gelesen die mit soviel Humor erzählt wurden. Wie traurig sie teilweise sind, wurde mir erst nach dem Buch so richtig klar.

Ich vergebe eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung.


  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer&Witsch (7. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462051423
  • ISBN-13: 978-3462051421

Mittwoch, 17. April 2019

Zwischen Ihnen von Richard Ford

Der 1944 geborene amerikanische Schriftsteller Richard Ford, der für seinen Roman Unabhängigkeitstag sowohl den Pulitzer Preis als auch den  PEN/Faulkner Award erhielt,
übrigens als einziger Schriftsteller bisher,
hat seine Erinnerungen an seine Eltern aufgeschrieben, Erinnerungen an Eltern, die sich eigentlich selbst genug waren, die sich ein Leben eingerichtet hatten in dem für ein Kind realistisch betrachtet kein Platz war. Fords Vater Parker reiste als Handlungsreisender durch Amerika seine Frau Edna begleitete ihn in den ersten Jahren. Als aus dem Paar nach 15 Jahren Ehe überraschenderweise doch noch Eltern werden, nehmen sie das Kind kurzerhand mit, bis Parker zu groß wird, das Kind muss eingeschult werden. Von dem Tag an teilt sich die Woche in zwei Abschnitte. Von Montag bis Freitag ist Parker mit seiner Mutter allein, sie ist quasi Alleinerziehend. Am Wochenende ist Parker zuhause und alle Probleme die es unter der Woche gab, werden sowohl von Parker als auch von Edna verschwiegen.
Jetzt könnte man vermuten, das der Autor sich vernachlässigt gefühlt hätte, als Außenseiter in der Kleinfamilie, in der sich Ednas Welt um Parker dreht und Parkers Welt um Edna. Aber dem ist nicht so, seine Eltern schenkten ihm alle Liebe zu der sie fähig waren und diese Liebe war groß, das spürt man mit jeder Zeile.
Richard Ford hat ein berührendes und persönliches Buch geschrieben. In seinen Erinnerungen bedauert er, das sein Vater starb als sie sich gerade annäherten.
Die Beziehung zu seiner Mutter war wohl intensiver, sie hatte er ja auch während seines Erwachsenwerdens  immer um sich, sie stand ihm immer zur Seite, auch als er mit dem Gesetz in Konflikt kam und doch war er sich auch hier bewusst, das seine glückliche Kindheit auf dem Glück seiner Eltern beruhte, untrennbar damit verknüpft.
Ich muss zugeben, ich weiß nicht genau was Richard Ford mit diesem Buch sagen will oder ob er nur einfach seine Erinnerungen aufschreiben wollte, sie für sich selber wachhalten, auch die tragischen und traurigen Momente, zum Beispiel als sie ihm von einer Unterhaltung mit einer neuen Bekannten erzählt:
Zitat:Sie erzählte mir, dass eine neue Bekannte sie einmal im Aufzug ihres Wohnhauses gefragt hatte: ‚Haben Sie Kinder, Mrs. Ford?‘ Und ohne nachzudenken, hatte sie geantwortet: ‚Nein.‘ Und dann hatte sie gedacht: Um Himmels willen, nein. Natürlich habe ich ein Kind. Richard."

Nachdem ich Zwischen Ihnen, gelesen hatte, habe ich mich auch ein wenig mit dem Autor als Person beschäftigt ich habe einiges über ihn und auch einiges über dieses Werk gelesen und doch verstehe ich seine Beweggründe nicht. Ich habe das Buch sehr gern gelesen, der Übersetzer Frank Heibert, hat hier meines Erachtens großartige Arbeit geleistet.Vielleicht kann man die Beweggründe Richard Fords besser verstehen wenn man seine Romane besser kennt als ich, es ist schon lange her, seit ich etwas von ihm las.

  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (22. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423147024
  • ISBN-13: 978-3423147026
  • Größe und/oder Gewicht: 12,4 x 1,5 x 19 cm

Montag, 15. April 2019

Der Gott am Ende der Straße von Louise Erdrich


Die vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin Louise Erdrich zeichnet das aufrüttelnde Portrait einer jungen Frau, die um ihr eigenes Leben und das ihres ungeborenen Kindes kämpft.
Die Welt, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. Auf rätselhafte Weise hat sich die Evolution verkehrt, und immer mehr Kinder, die zur Welt kommen, scheinen einer primitiven neuen Spezies anzugehören. Die junge Cedar betrifft diese apokalyptische Wende der Menschheitsgeschichte auch persönlich, sie ist schwanger. Gerüchte kommen auf: der Ausnahmezustand sei verhängt worden, die Regierung fahnde nach schwangeren Frauen und inhaftiere sie - doch niemand hat gesicherte Informationen.
Cedars Schicksal steht nun auf dem Spiel. Es ist das Schicksal aller.


Ausnahmsweise bekommt ihr die Produktinformationen von der Verlagsseite, weil ich für dieses Buch keine Inhaltsangabe schreiben kann, die nicht zu viel verrät oder euch ratlos zurück lässt.

Nur langsam erfährt der Leser, das in der Welt in der Cedar lebt, nichts mehr ist wie wir es kennen, Waren verschwinden aus den Regalen, die Veränderung ist noch nicht fest greifbar und so bleibt sie leider auch: Nicht greifbar, nicht wirklich erklärt. Zunächst dachte ich es handelt sich bei: Der Gott am Ende der Straße um die Geschichte einer Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln. Cedar Songmaker die als Mary Potts geboren wurde, wächst liebevoll behütet bei ihren Adoptiveltern auf und besucht zu Beginn der Geschichte zum ersten Mal ihre leibliche Mutter, auch dieses Buch hätte ich geliebt, einfach, weil ich weiß das Louise Erdrich keine 08/15 Bücher schreibt, sie hat immer etwas Wichtiges zu sagen. Da es aber leider etwas länger gedauert hat, bis ich zum Lesen dieses Buches kam, war mir die Produktbeschreibung nicht mehr in Erinnerung. Dennoch liebe ich auch dieses Buch, Louise Erdrich schafft eine düstere, beklemmende Atmosphäre, sie muss das was geschieht nicht immer direkt aussprechen, um klarzumachen, das etwas gründlich schiefläuft.
Wir begleiten Cedar auf ihrer Flucht, erfahren ihre Gedanken, die sich um das Leben ihres ungeborenen Kindes drehen, das wie sie bei einer Routineuntersuchung erfährt, ebenfalls einen evolutionären Rückschritt macht, in dieser Situation wurde mir die Bedrohung zum ersten Mal richtig bewusst, der behandelnde Arzt verhilft ihr zur Flucht. Leider erfährt man auch hier nicht, wo genau das Problem liegt. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt.
Das, was mir vorrangig im Gedächtnis bleiben wird, wenn ich an dieses Buch zurückdenke und das wird sicherlich in der Zukunft häufiger vorkommen, ist ihre unverwechselbare Art Probleme zu beschreiben, sie verwebt viele verschiedene Themen, wie die Frage: Wo komme ich eigentlich her? Religion und Gedanken zur Umwelt zu einem spannenden und sehr interessanten Roman, den ich jedem, der abseits vom Mainstream lesen möchte, wärmsten empfehlen kann.

  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (15. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351037562
  • ISBN-13: 978-3351037567

Sonntag, 14. April 2019

Das Lied der Wächter - Der Gesang von Thomas Erle

Das Lied der Wächter - Der Gesang, ist der zweite Teil der Wächter Trilogie und man sollte dringend mit dem 1. Band beginnen.
Felix Suche nach seinen leiblichen Eltern geht weiter, auf einem langen und beschwerlichen Weg durch den Schwarzwald kommt er seinem Ziel Stück für Stück näher, so hoffe ich es zumindest.
Felix bekommt immer wieder neue Weggefährten zur Seite gestellt, die ihn auf längeren oder kürzeren Strecken begleiten, von denen er Hilfe bekommt oder denen er auch Hilfe leisten kann, eine Tatsache die belegt, das Felix im Laufe seines Abenteuers gereift ist, er ist Erwachsener geworden, kann Situationen besser einschätzen und denkt nach bevor er handelt.
Aus dem 16.jährigen Teenager wird so langsam ein junger Mann.
Einige Fragen aus dem 1. Band werden aufgelöst, und es stellen sich neue, zum Beispiel was es mit dem bedrohlichen Gesang und der Spinne auf sich hat, deren Weg Felix immer wieder kreuzt und vor der er sich sehr in Acht nehmen muss.
Das Buch lebt von der Schreibkunst Thomas Erles, seine Personen und Ortsbeschreibungen sind sehr bildhaft, selbst Randfiguren konnte ich mir lebhaft vorstellen, von den Ortsbeschreibungen ganz zu schweigen, denn wer den Schwarzwald kennt, erkennt ihn in den Beschreibungen des Autors auf jeden Fall wieder.
Diese besondere Schreibkunst verhinderte auch, das ich so manche längere Passage nur überflog sondern konzentriert alles las, was der Autor mir schenkte.
Ich hoffe darauf das alle offenen Fragen am Ende des 3. Teils beantwortet werden, dieser erscheint im September 2019.
Trotzdem muss ich leichte Abstriche machen, was die Bewertung angeht, ein wunderbarer Schreibstil ist leider nicht alles, es fehlte mir dann doch ein bisschen Spannung.
Noch ein Wort zum Cover, das ich ausnahmsweise nicht selber fotografiert habe und zwar aus gutem Grund, wenn man sich das Cover genau ansieht, erkennt man eine Spinne die bedrohlich über allem droht.Ich bin begeistert.

  • Taschenbuch: 412 Seiten
  • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 2019 (13. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839223547
  • ISBN-13: 978-3839223543

Samstag, 13. April 2019

Die Spur des Geldes von Peter Beck

Die Spur des Geldes ist bereits der 3. Fall für Tom Winter den Sicherheitschef einer Schweitzer Bank und ich gebe zu, ich war zunächst etwas skeptisch ob ich ohne das Wissen aus den vorigen Büchern Gefallen an der Spur des Geldes finden würde.
Als die Leiche eines zu Tode gefolterten Mitarbeiters der Berliner Wasserwerke in einem Schacht in der Nähe des Tegeler Sees gefunden wird, wirft das einige Fragen auf. Die erste lautet natürlich Warum wurde Otto Hänisch ermordet und die zweite: Wieso hatte er ein Konto bei einer Schweitzer Bank? Die Summe ist für Schweitzer Verhältnisse zwar geradezu lächerlich gering, aber Tom Winter folgt seinem Instinkt und damit Der Spur des Geldes.
Unterstützt wird er dabei von Leonie, die ihn mit vielen wichtigen Informationen versorgt und Stefan Schütz einem Freund und Kollegen.
Actionreich und spannungsgeladen
so lässt sich das Buch mit nur zwei Worten beschreiben
das hätte nun in einem geistlosen Haudrauf Krimi enden können, aber Peter Beck hat es geschafft einen  Krimi zu schreiben, der mit intelligenten Wendungen überrascht.
Der Autor lässt aber auch die Personen und Ortsbeschreibungen nicht außer acht, gerade die Personenbeschreibungen fand ich besonders wichtig, ihr erinnert euch, dies ist der 3. Teil der Reihe und ich hatte nie das Gefühl, das Winter mir fremd war, das mir irgendetwas fehlte.
Meine Bedenken waren aber also unnötig, von der ersten Seite an war ich völlig gefesselt von dem Buch.
Ich kann für die Spur des Geldes eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag; Auflage: 1 (21. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3740804998
  • ISBN-13: 978-3740804992


Freitag, 12. April 2019

Sau am Brett von Oliver Kern

Eigentlich wollte Eberhard Fellinger in Ruhe ein Bier genießen, als neben ihm ein Tourist beim Schweinsbraten essen verstirbt, schnell ist dem Lebensmittelkontrolleur und Hobbydetektiv klar das der Mann keines natürlichen Todes gestorben ist. Als er dann auch noch verdächtigt wird, Geld von Wirt angenommen zu haben, dabei hat der nur seine Spielschulden bezahlt, bleibt ihm nicht viel anderes übrig als selber zu ermitteln.
Der Fellinger, ich mochte ihn schon im ersten Buch, er ist so wie ich mir früher einen Bayern vorgestellt habe, grantelig,unfreundlich, ein bisschen stoffelig und mit einem guten Herzen.
Das er genauso ist beweist er wieder in diesem Buch, hartnäckig versucht er herauszufinden warum der Tourist, der eigentlich keiner war, er entpuppt sich als Geschäftsmann aus Hamburg oder auch nicht. Fellinger weiß bald nicht mehr wem er noch trauen kann. Immer tiefer verstrickt er sich in die Ermittlungen und gerät schnell in bedrohliche Situationen.
Sau am Brett, lebt von der Situationskomik, wodurch der eigentlich Fall für mich ab und zu ins Hintertreffen geriet, ich habe immer auf den nächsten Lacher gewartet. Das ist jetzt aber keineswegs negativ gemeint, ich mochte das Buch unter anderem auch deshalb sehr weil es ein Abwechslung zu den sonst von mir bevorzugten, eher blutigen Krimis bietet.

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (11. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453438701
  • ISBN-13: 978-3453438705

Ganymed erwacht von Joshua Tree

Vier Megakonzerne beherrschen nicht nur die Wirtschaft, sie haben auch die Politik fest in der Hand.
Die Erde ist weitgehend ausgebeutet, Rohstoffe kommen vom Mond, die Erde hängt am Tropf, dies ist aber kein Grund irgendetwas an den Umständen zu ändern solange es noch Geld zu verdienen gibt. Zwei dieser Megakonzerne liefern sich nach der Entdeckung eines Planeten im Schatten Neptuns ein erbarmungsloses Rennen um die Vorherrschaft im All. Und um einen unbekannten Rohstoff der sämtliche Wissenschaftler vor ein Rätsel stellt.
Es gibt zwei sich kreuzende Handlungsstränge. Beginnen möchte ich mit Rachel Ferreira, die Astronautin und Wissenschaftlerin verliert ihr Team als eine Sonde mit Bodenproben auf die Ganymed Station stürzt, was zunächst wie ein beherrschbarer Unfall aussieht, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zur Katastrophe. Sehr detailliert beschreibt der Autor, Rachels einsame Flucht zurück zur Erde.
Desweiteren lernen wie Theodore kennen, der Söldner leitet ein Merc Team, eine Gruppe von Söldnern, die Aufträge von jedem annehmen der gut zahlt.
Theodors Team besteht aus Ludwig, der mehr Cyborg als Mensch ist, Jack eine Kämpferin mit Herz und Muffin, ein degenerierter, er kann keine künstlichen Gliedmaßen empfangen genauso wenig wie Spenderorgane und Theodore selbst, der als ehemaliger Soldat geschworen hat niemals Unbeteiligte zu töten und auch Kollateralschäden soweit wie möglich zu vermeiden. Theodore hat ein Geheimnis, das erst im Laufe der Handlung ans Licht kommt.
Rachels und Theodors Wege kreuzen sich, als Theodore einen Auftrag von Rhein Ruhr Industries annimmt, er soll ein Paket extrahieren, das sich im Besitz des Hyun-Hakkamoto-Syndikats befindet.
Das Paket, entpuppt sich schnell als Rachel.
Genug zum Inhalt, ich glaube ich muss eine Spoilerwarnung an den Anfang setzen.
Mir war nach klassischer Science Fiction als ich mich für dieses Buch entschied. Mein letzter echter SF Roman ist schon eine Weile her.Joshua Tree, war mir nur vom Namen her bekannt, ich habe mich bewusst für diesen für mich unbekannten Autor entschieden um ohne Vorbehalte oder Erwartungen lesen zu können.
Ich wurde nicht enttäuscht.
Ganymed erwacht bietet für jeden SF Leser etwas. Der Handlungsstrang um Theodore und sein Merc-Team, ist Actiongeladen, die bildreiche Sprache des Autors feuerte meine Fantasy an, ich kann mir eine Verfilmung sehr gut vorstellen, Popcorn Kino mit viel Krach Bumm und trotzdem einer nachvollziehbaren Handlung.
Total gegensätzlich dazu ist der Teil des Buches in dem es um Rachel geht. Joshua Tree kann auch die leiseren Töne,er schafft es z.B. die Beklemmung und die Angst die Rachel während der langen Reise zurück von Ganymed zur Erde auf eindrucksvolle Art und Weise zu vermitteln.
Dieses Buch ist aber nicht nur spannende Unterhaltung mit viel Action sondern beinhaltet auch eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik. Ohne Geld und mit eingeschränkter Gesundheit, hat man in der von Tree beschriebener Welt schon verloren, niemanden kümmern die Schicksale der Menschen in den zerstörten Städten, die aus welchen Gründen auch immer nicht für sich selber sorgen können.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen, einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber, am Ende bleiben viel zu viele Fragen offen, aber Band 2 ist schon erschienen und darin wird die eine oder andere Frage sicherlich beantwortet.

  • Taschenbuch: 382 Seiten
  • Verlag: Independently published (1. Mai 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1981047603
  • ISBN-13: 978-1981047604





Dienstag, 9. April 2019

Todeslieder von Nina Rudt


Nach dem 3. Weltkrieg leben die Menschen in Städtebünden, streng aufgeteilt in verschiedenen Klassen, aus denen sie sich kaum befreien können. Durch Genveränderungen haben einige von ihnen die Fähigkeit entwickelt mithilfe von Musik andere so sehr zu beeinflussen und zu manipulieren, dass sie sterben. Die sogenannten Todesweber werden gefürchtet und verfolgt.

Ivy führt mit ihrer Familie ein Leben im Überfluss, als Tochter des Präsidenten eines Städtebundes in den ehemaligen USA, wächst sie über behütet und geschützt durch einen Bodyguard auf. Am 11. Geburtstag ihrer über alles geliebten Schwester überschlagen sich die Ereignisse. Ihr Vater führt Verhandlungen mit Nicholas Chevalier einem europäischen Gesandten, statt den Tag mit der kleinen Tochter zu verbringen. Um dem Vater die Leviten zu lesen, besucht sie ihn seinem Büro und lernt nicht nur den Gesandten kennen, sondern kurz darauf auch den Feuerkünstler Jared, der eine verbotene Zirkusvorstellung in einem verrufenen Stadtteil ankündigt. Getrieben von Trotz gegenüber dem unverschämten Jared, der sie wegen ihrer höheren Stellung verachtet, besucht sie heimlich die Vorstellung und bringt sich damit das erste Mal in Gefahr.

Als sie die Nachricht erhält, das ihre kleine Schwester verschwunden ist, nimmt sie trotz aller Abneigung, Jareds Angebot an, ihr bei der Suche nach dem Kind zu helfen.

Ein Jugendbuch, im Bücherhaus, das kommt ja eher selten vor und auch dieses Mal war das nicht wirklich beabsichtigt, ich habe mich auf Anhieb in das Cover verliebt, der in Flammen stehende Notenschlüssel machte mich neugierig und der Gedanke, das Musik gefährlich, sogar tödlich sein kann, ist soweit von allem, was man allgemein über Musik hält entfernt, das ich unbedingt wissen musste, was es damit auf sich hat.

Dass es sich bei Todeslieder um ein Jugendbuch handelt, wurde mir dann aber schon auf den ersten Seiten klar. Aber da mich wie schon geschrieben, das Thema sehr interessierte las ich trotzdem weiter. Die Handlung des Buches hat mich dann auch sehr schnell gefesselt, Ivy ist ihrem Alter entsprechend Impulsiv und manchmal etwas kopflos, womit sie nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr bringt.


Neben Jared steht ihr auch der Gesandte Nicholas Chevalier zur Seite. Während der Suche nach Vicky lernt Ivy das wahre Leben kennen, sie trifft auf verfeindete Gruppierungen und gerät gemeinsam mit Nicolas in Gefangenschaft zwar können sie sich wieder befreien, werden aber genauso schnell wieder aufgespürt.

Die sich überschlagenden Ereignisse treiben den Leser durch das Buch, ich wollte unbedingt wissen, wer Freund ist und wer Feind und natürlich auch wie sich am Ende alles auflöst.

Ich habe allerdings auch einen Kritikpunkt, der Schreibstil der Autorin ist meiner Meinung nach noch nicht ganz ausgereift, ich stolperte zu oft über holprige Formulierungen, die den Lesefluss störten. Es war manchmal sehr anstrengend zwischen dem Drang unbedingt wissen zu wollen, wie es weitergeht und dem Gefühl eine Pause zu brauchen zu entscheiden.

Ich gebe für Todeslieder trotzdem eine Leseempfehlung, das Thema ist spannend, die Auflösung in sich schlüssig und für ein Debüt auch gut geschrieben, wenn auch ausbaufähig.

Ich bin trotzdem gespannt, was wir als Nächstes von Nina Rudt zu lesen bekommen.

  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: Bookspot Verlag (1. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3956691105
  • ISBN-13: 978-3956691102

Montag, 8. April 2019

Gewinner Verlagsvorstellung

Lose geschrieben, Schüssel gesucht, Lose gefaltet, 

GEWINNER GEZOGEN





Herzlichen Glückwunsch liebe Alexandra E. Bitte melde dich per Mail mit deiner Adresse bei mir.
 Für die die dieses mal nicht gewonnen haben. Bald gibt es ein neues Gewinnspiel für meine FB Follower.

Lidakis spielt falsch von Jürgen Schmidt

Mücke ist wieder da, gefühlt viel zu lange musste ich für meinen Geschmack auf einen neuen Fall mit dem sympathischen und manchmal unkonventionellen Privatdetektiv aus Bad Münstereifel warten.
In jedem Krimi rund um Andreas Mücke, erfährt man etwas neues über den Detektiv, diesmal das er sehr nachtragend ist, denn der Journalist Sawatzki, der Mücke am Telefon etwas von einer brisanten Story erzählt und sich unbedingt mit ihm treffen will, hat dem Detektiv vor mehr als 20 Jahren mal ein Mädchen ausgespannt und das hat Andreas ihm nie verziehen.
Trotzdem stimmt er einem Treffen zu und wartet vergeblich am vereinbarten Treffpunkt.
Aber Mücke hat keine Zeit sich großartige Gedanken um Sawatzky zu machen, der Fußballmanager Trenkler erteilt ihm den Auftrag herauszufinden warum die Fußballhoffnung Spyros Lidakis, seit seinem Wechsel zu den Blue Stars Bonn, nicht an seine früheren Leistungen anknüpfen kann.

Bevor sich jetzt jemand der mich kennt wundert, warum ausgerechnet ich einen Fußballkrimi gelesen habe, das Setting war mir einfach ausgedrückt: Egal. Ich kenne mich zwar nicht aus, aber wäre der Krimi im Rotlichtmilieu angesiedelt, hätte ich ihn auch gelesen obwohl ich mich damit auch nicht auskenne.
Ich wollte Mücke und ich habe Mücke bekommen, seine Eigenarten seine Art zusammenhänge zu erkennen und sein Umfeld, die Menschen die er liebt und die die ihn manchmal den letzten Nerv kosten.
Jürgen Schmidt entführt uns nicht nur in die Welt des Fußballs, seine Ermittlungen führen ihn und somit auch uns nach Korfu, die griechische Insel hat es dem Autor spürbar angetan und er schafft es seinen Lesern diese Liebe zur Insel spüren zu lassen.

Aber natürlich darf ich auch die Krimihandlung nicht vernachlässigen. Wer unblutige Krimis mag, deren Handlung zum miträtseln einladen ist bei Lidakis spielt falsch, absolut richtig. Ich hatte zwar immer mal wieder einen Verdacht, was genau nun der Grund für das miese Spiel des Profis war und was Journalist Sawatzki mit all dem zu tun hat, aber neue Wendungen und Erkenntnisse ließen mich meine schöne Theorien immer wieder über den Haufen werfen.

Von mir bekommt das Buch, genau wie schon die Vorgängerbände
Lesereise in den Tod von Jürgen Schmidt
und
Zwentibolds Rache von Jürgen Schmidt

eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 310 Seiten
  • Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (14. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958131697
  • ISBN-13: 978-3958131699


Von Stein zu Blut von Dominik A. Vockner


In Trubal`Vir sind die Aufräumarbeiten nach der Diktatur in vollem Gange als ein Erdbeben alles erneut in Schutt und Asche legt, ein Erdbeben das nicht auf natürliche Weise entstand und eine Intrige einleitet, die die freie Welt bedroht.
Zitat: 
Die Welt schien die Luft anzuhalten.
 Doch irgendetwas schabte. 
Irgendetwas kratzte.
Es knackte.
Es brach.
 Die Statuen der Elfen.
 Sie regten sich. 
Und rote Augäpfel erglommen.

Viel mehr will ich euch gar nicht verraten, das Buch umfasst gerade mal 230 Seiten, das ist für ein Buch aus dem Genre fast schon eine Kurzgeschichte.
Mit mehreren Handlungssträngen führt der Autor seine Leser in die Welt der Zwerge, Menschen und Elfen, geschickt verwebt er diese verschiedenen Stränge während des Handlungsablaufs zu einer in sich runden und stimmigen Geschichte, die dann richtig Fahrt aufnimmt und mich die Nacht durchlesen lies
Die Story lebt  auch von dem Talent des Autors  Personen und Orte zu beschreiben. Esmacht Spaß während des Lesens ein klares Bild der Orte vor Augen zu haben und sich die Protagonisten gut vorstellen zu können.
Ich hatte mich auf das Buch gefreut, eine klassische Fantasygeschichte wollte ich lesen und ich wurde nicht enttäuscht.
Dominik A. Vockner hat, zwar keine neue Welt erschaffen, aber die Geschichte die er schrieb, ist sehr spannend, der Autor spielt mit den bekannten Figuren des Genre, er lässt Zwerge und Elfen in einer eher auf Tradition beruhenden Fehde als auf echte Abneigung leben und natürlich mag niemand die Orks.
Ich hätte gern ein klein wenig mehr aus der Vergangenheit erfahren, aber wie ich schon schrieb, das Buch ist sehr kurz, vielleicht kommt da ja noch etwas im zweiten Band, auf den ich mich schon sehr freue, denn die Geschichte ist lange noch nicht zu ende erzählt.
Ich vergebe für das Debüt eine klare Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 234 Seiten
  • Verlag: A. Fritz Verlag; Auflage: 1 (15. Februar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3944771273
  • ISBN-13: 978-3944771274




Freitag, 5. April 2019

Die Reinsten von Thore D. Hansen


Im Jahr 2191 leben die wenigen überlebenden Menschen in geschützten Gebieten, Krieg; Seuchen und die Klimakatastrophe haben die Menschheit fast völlig ausgelöscht.
Die KI Askit, trifft alle wichtigen Entscheidungen und belohnt oder bestraft Gedanken und Handlungen der Menschen, die sich völlig in seine "Hand" gegeben haben.
Die die Regelkonform und nur zum Wohl aller verhalten, sei es in Taten oder Gedanken werden belohnt, sie werden die Reinsten genannt. Die die nicht ins System passen, laufen Gefahr aus den geschützten Städten verbannt zu werden.
 Eve,  steht kurz vor der Abschlussprüfung zur Reinsten, dem höchsten Rang den sie erreichen kann und sie kann sich Hoffnungen darauf machen in die Agenda aufgenommen werden, eine kleine Gruppe von Menschen die mit den Gründern in direktem Kontakt stehen.
Doch Eves Hoffnung wird nicht nur enttäuscht, sie wird verbannt, gemeinsam mit ihrem Mann Thyron und ihren Freunden Adlin und Samir.
Meine Meinung: Die Idee des Buches ist hervorragend, ich war so gespannt darauf wie sich der Autor Thore D. Hansen die Zukunft nach der Katastrophe vorstellt und wie er eine eine KI alles beherrschen lässt, die eben keine Allmachtsfantasien entwickelt, sondern wirklich für die Menschen entscheidet, die dabei hilft die Folgen der Klimakatastrophe abzumildern und den Planeten wieder zu einem Lebenswerten Ort macht.
Auf den ersten Seiten war das Buch auch noch sehr interessant und ich freute mich auf den weiteren Verlauf der Geschichte.
Und dann passierte leider was wohl passieren musste. Die Reinsten entwickelte sich zu einem Mädchenbuch, alle Hoffnung ruhte plötzlich auf Eve, die unerwartet und ungewollt die Menschheit vor Askit retten muss, denn die KI steht kurz davor die endgültige Entscheidung für oder gegen die Menschen zu treffen.
Diese Rolle hätte ich eher dem skeptischen Samir zugetraut, der schon länger kritisch dem System gegenübersteht, auch wenn nicht genauer erklärt wird, warum und wieso er das tut und wie er das vor Askit verbergen konnte.
Mit dem Schreibstil des Autors kam ich auch nicht wirklich zurecht, besonders die Beschreibung der zwischenmenschlichen Beziehungen waren etwas hölzern, es schien mir als wolle der Autor unbedingt eine Liebesbeziehung einbauen, was ja auch irgendwie zu der Rolle die Eve spielt passen würde, aber die Emotionen die er vielleicht im Sinn hatte kamen bei mir nicht an, ich hätte gut darauf verzichten können und vielleicht hätte mir die Story dann besser gefallen.
Vielleicht lag es aber auch an mir, das Buch ist, soweit ich es beurteilen kann sehr gut recherchiert und das Szenario durchaus vorstellbar.
Ausnahmsweise erwähne ich das Cover, das mir ausnehmend gut gefällt und dessen Feinheiten seltsamerweise erst auf einem Foto genau zu erkennen sind, ich habe mehrere Fotos gemacht und es war jedesmal so, das die linke Hälfte des Bildes auf einem Foto klarer zu erkennen ist.
Für die Grundidee würde ich 5 von 5 Sternen vergeben, wenn ich Sterne geben würde.
Für die Umsetzung gibt es leider nur 3.

  • Gebundene Ausgabe: 424 Seiten
  • Verlag: Golkonda Verlag; Auflage: 1 (1. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 394650390X
  • ISBN-13: 978-3946503903



Donnerstag, 4. April 2019

Die Alpen sehen und sterben von Isabella Archan


 Maria Konstanze Schlager, genannt Mitzi, beobachtet in einer schlaflosen Nacht ein Mord und der Mörder sieht sie. Und damit beginnt einer der ungewöhnlichsten und skurrilsten Krimis den ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Zunächst lernen wir Karsten kennen, der nach einer Sauftour auf seinen Mörder trifft, da Karsten keinen sehr langen Auftritt hat, können wir uns schnell dem Mörder zu wenden, der sich zunächst vergewissert das richtige Opfer vor sich zu haben,nämlich Karsten, nicht das ihm wieder eine Verwechslung unterläuft, wie vor ein paar Jahren.
Und jetzt hätte ich denken müssen: Böser Mann, böser, böser Mann. Tat ich aber nicht, der Mörder macht halt einfach das wofür er bezahlt wird, so ist das in Krimis, der Leser darf seine Sympathien verteilen wie er möchte. Ob meine Sympathie erhalten blieb, verrate ich euch natürlich nicht.
Beobachtet wird die Tat von Mitzi, die kurz darauf im Büro von Inspektorin Agnes Kirchschnabel sitzt und ihr von dem Mord erzählt. Das sie dabei irgendwie nicht so richtig auf den Punkt kommt, ist für die Inspektorin spürbar anstrengend und zunächst schenkt sie Mitzi auch nicht wirklich Glauben.
Mitzi ist aber auch anstrengend, sie erzählt, sie redet, sie schweift ab, da tat mir Agnes wirklich leid und ich hatte auch ein klein wenig Bewunderung für sie, ich hätte der Mitzi schon lange nicht mehr zugehört.
Allerdings merkte ich schnell wie einsam und allein Mitzi in Wirklichkeit ist.Armes Hascherl.
Als weiterer wichtiger Protagonist betritt Heinz Baldur den Schauplatz des Verbrechens, eigentlich Heinz und Luis, denn der Kriminalkommissar a.D. leidet an einer  dissoziativen Identitätsstörung und lebt mit der fiktiven Persönlichkeit Luis zusammen.

Immer wieder treffen Mitzi und der Mörder aufeinander, sie suchen die Nähe des jeweils anderen, wohl wissend das sie sich damit in Gefahr bringen.
Ich mochte das Buch, es ist nicht nur spannend, es ist äußerst witzig ohne albern zu sein und das ist mir wichtig, ich mag Humor in Krimis, nur nicht wenn er mir aufgezwungen wird.
Hoffentlich bekommen wir noch mehr von Mitzi, Agnes und Heinz zu lesen. Ich mochte sie sehr und kann mir eine Reihe mit ihnen sehr gut vorstellen.

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (21. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3740805412
  • ISBN-13: 978-3740805418


Mittwoch, 3. April 2019

Kalte Herzen von H.A. Leuschel

In Fünf Geschichten lässt die Autorin fiktive Opfer und Narzissten erzählen und damit ihre Leser eintauchen in eine Welt von der die meisten von uns sagen würden, das ist mir vollkommen fremd, in meinem Umfeld gibt es keine Narzissten. Wirklich nicht? Vielleicht sollte man erst mal den Begriff klären:
Der Ausdruck Narzissmus steht alltagspsychologisch und umgangssprachlich im weitesten Sinne für die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen, der sich für wichtiger und wertvoller einschätzt, als urteilende Beobachter ihn einschätzen.(Quelle Wikipedia)

Das liest sich jetzt nicht sehr bedrohlich, im Gegenteil eine gesunde Portion Narzissmus, würde vielen gut bekommen, ein bisschen Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung wäre für viele die sich selber als viel zu gering einschätzen gut. Und solche Narzissten kennen wir alle und wir können im allgemeinen damit umgehen.
Aber, auf das Aber habt ihr gewartet oder? Narzissmus kann auch pathologisch sein, also krankhaft und so stark ausgeprägt, das das Umfeld geschädigt wird.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) zeichnet sich durch einen Mangel an Empathie, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und gesteigertes Verlangen nach Anerkennung aus. ... Pathologischer Narzissmus kann sich sowohl durch Prahlen und Hochstapelei äußern wie auch durch unersättliche Ansprüche und Erwartungen.(Quelle Wikipedia)

in Ihren fiktiven Geschichten erzählt die Autorin von 5 Opfern und Tätern (wobei es mir schwerfällt von Tätern zu sprechen, Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung, die wohl angeboren ist oder bei kindlichem Narzissmus anerzogen.)

H.A.Leuschel lässt ihre Protagonisten erzählen und schafft damit eine beklemmende und drückende Atmosphäre, sie erzählt von Menschen die sich manchmal über Jahre von einem Narzissten manipilieren und unterdrücken ließen, bis sie alles und jeden der ihnen etwas bedeutete verloren hatten und ihre Welt sich nur noch um den Narzissten drehte. Aber sie schreibt auch, das man sich rechtzeitig aus den Fängen eines Narzissten befreien kann und diese Begegnung als wichtige Erfahrung abbuchen kann, durch die man fürs Leben lernt.
Sie weckt Verständnis für die Opfer aber auch zumindest bei mir, für die "Täter", Hilfe braucht jeder von Ihnen, das wird besonders am letzten Beispiel klar. Lisa lässt ihr Leben als Mutter Revue passieren, als ihr Sohn Lucas geboren wird,dreht sich ihr Leben nur noch um ihr perfektes Kind, nichts kann er falsch machen, nichts wird ihm verwehrt und so erzieht sie ihr Kind zu einem Narzissten der erwartet das ihm jeder Wunsch erfüllt wird einfach weil er er ist, denn so hat Mama ihn ja erzogen.

Das Buch hat mich nachdenklich gemacht, es ist nicht leicht zu lesen, was nicht nur am Schreibstil liegt sondern besonders an den bedrückenden Geschichten.

  • Taschenbuch: 323 Seiten
  • Verlag: Independently published (19. Februar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1796377430
  • ISBN-13: 978-1796377439




Dienstag, 2. April 2019

Vampirnovelle von Frank Hebben

Enthält Spuren von Spoilern.
Seit Bram Stoker haben Vampire einen festen Platz in der Literatur, sie sind der Inbegriff des Bösen, hinterhältig und manipulativ und manchmal glitzern sie auch. Sie leben meist im verborgenen und im Schutz der Dunkelheit, es ist ja allgemein bekannt, das Vampire kein Sonnenlicht vertragen.
Anders die Vampire in Frank Hebbens Vampirnovelle. Martin, Ruth und Johann sind eine eingeschworene Gemeinschaft, sie geben sich gegenseitig Halt und sind das was man Familie nennen könnte.Sie können bedingt bei Tag unterwegs sein und auch normale Nahrung zu sich nehmen, si müssen für ihren Lebensunterhalt arbeiten und so ist ihr Leben alles andere als Glamourös. Martin ist die Hauptperson in diesem Kurzroman, gerade mal 60 Jahre alt hat er das Leben das er führt eigentlich schon satt, Sex, Drogen und Partys scheinen ihn zu langweilen, er ist frustriert und hegt einen Groll gegen seinen schwer reichen Vater, arbeitet aber in seiner Immobilienfirma, wenn ich auch das Gefühl hatte das seine Arbeit hauptsächlich darin besteht die Angestellten zu schikanieren, mir kam er auf weiten Strecken im Buch vor wie ein Teenager, der seinen Weg noch nicht gefunden hatte. Das ändert sich als er eines Nachts Ava zu seinem Opfer macht und das junge Mädchen nicht tötet sondern sie zu seinesgleichen macht. Martin muss Verantwortung übernehmen, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben.
Frank Hebben, schafft es das ich als Leser nicht mit den Opfern der Vampire bangte sondern mit den Vampiren hoffte: Hoffentlich werden sie nicht erwischt, hoffentlich fallen die Morde nicht als besonders ungewöhnlich auf.Denn sie töten ja nicht zum Vergnügen sondern um zu überleben,
Natürlich gibt es auch einen Vampirjäger, eine ganze Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht Vampire zu jagen und zu vernichten, deren Anführer De Gruyter scheint eine persönliche Rechnung mit Martins Vater offen zu haben, genaueres wird leider nicht erklärt. De Gruyter setzt einen Plan um der die Welt ins Chaos stürzt und Martin zwingt gemeinsam mit seinen Freunden zu fliehen.
Frank Hebbens Vampirnovelle besticht durch seinen Schreibstil, er versetzte mich in eine bunte, hektische Welt, voller Neonlicht und lauter Musik, die im Tageslicht trüb und grau ist, nichts bleibt am Ende der Nacht als der Wille zu überleben.
Den Kurzroman muss man sorgfältig lesen, so manche Information versteckt sich in Nebensätzen und manches musste ich zweimal lesen.
Ich vergebe für die Vampirnovelle eine Leseempfehlung, der Schreibstil Frank Hebbens ist ungewöhnlich, was ich persönlich sehr mag, die Story ist interessant und sie darf gern noch etwas weitererzählt werden.

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Begedia Verlag (8. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 395777120X
  • ISBN-13: 978-3957771209


Montag, 1. April 2019

Amrûn Verlagstour.








Einer meiner Lieblingsverlage, ist wie ihr wisst der Amrûn Verlag, dessen Programm so vielfältig ist, das jeder das für sich passenden Buch findet.Anfang des Jahres kam die Idee auf, eine Verlagstour zu starten um die Lieblingsbücher der Leser vorzustellen. Im Lauf der Planung  stellte sich heraus, das die meisten Lieblingsbücher die auf dieser Tour vorgestellt werden, dem Genre Romance zuzuordnen sind, vielleicht liegt das am nahenden Frühling? Auf jeden Fall bescherte es uns ein wunderschönes Tourbild. Auch wenn ich romantischen Büchern im allgemeinen nichts abgewinnen kann, bin ich immer noch eine Romantikerin.
Nun stand ich aber vor der Entscheidung welches Buch mein Lieblingsbuch ist.
Ich hatte viele zur Auswahl.
Die Feuerjäger Reihe von Susanne Pavlovich, deren feinsinniger Humor und die spannende Handlung mich so manche Nacht durchlesen ließ.
Zombie Zone Germany, da hätte ich blind in mein Regal greifen können um euch ein Buch der erstaunlich tiefgründigen Zombie Novellen vorzustellen.
oder
Tote Göter von Faye Hell, Horror meets Poesie, damit ist eigentlich alles gesagt.



Aber ich habe mich für ein ganz anderes Buch entschieden.Bei manchen Büchern reicht schon der Titel um etwas in mir zum klingen zu bringen, das meine Fantasie auf Reisen schickt.

Der Kanon mechanischer Seelen von Michael Marrak


Ich könnte Michael Marraks Werk nun mit anderen vergleichen, mit Stanislaw Lem z.B. der im Klappentext erwähnt wird, wenn ich von dem nur etwas gelesen hätte oder ich könnte Vergleiche ziehen zu Chihiros Reise ins Zauberland, das ebenfalls erwähnt wird, aber auch das ist mir unbekannt. Und nach diesem Buch wünschte ich mir, ich könnte jedes Buch so lesen, ich könnte in eine mir völlig fremde Welt eintauchen und sie mit staunenden Augen betrachten. Ich stand neben Ninive auf den Hügeln und sah mechanische Wesen wie Dinosaurier an mir vorbeiziehen.
Michael Marrak lässt wirklich Bilder entstehen, seine Beschreibungen der Dinge sind liebevoll und detailliert und lassen trotzdem noch Raum für die eigene Fantasie.
Ich gebe zu, mit dem Prolog habe ich mich etwas schwer getan, viel zu viel Technik für meinen Geschmack, aber der ist nur kurz und nur der Auftakt zu einer abenteuerlichen Reise.
Eine meiner Lieblingsfiguren, neben Ninive, war Cutter, der klassischer Weise mit Sense und schwarzem Umhang auftritt, alles zu wissen scheint und wenig preisgibt und immer für ein Lächeln gut ist.
Der Kanon mechanischer Seelen ist nichts für Anfänger, ich habe 4 Wochen gebraucht um die 720 Seiten zu lesen und ich habe jede Seite geliebt, trotzdem werde ich das Buch wieder auf den Stapel zu lesender Bücher legen, denn ich bin mir sicher das ich noch mehr entdecken werde, wenn ich es erneut lese.
Ausnahmsweise erwähne ich auch die Covergestaltung und die Illustrationen im Inneren des Buches, sie unterstützen die Fantasie des Lesers und sind einfach wunderschön.

Ich habe euch mal alle Tourteilnehmer aufgelistet. Schaut euch die Beiträge doch mal an.