Freitag, 29. Januar 2021

Geisterhafte Grotesken eine Anthologie (Fabienne Siegmund HrsG)

 



Sie sind aus Stein. Schmücken und zieren die Fassaden unserer Kirchen und Häuser. Leiten das Regenwasser von ihnen ab. Vertreiben den Teufel und sein Gefolge.

Wasserspeier.

Doch sind sie wirklich nur in Stein geschlagene Figuren, starr und leblos?

23 Autoren beweisen in ihren unheilvollen, düsteren, traurig-romantischen und bösen Geschichten, dass Stein oftmals lebendiger ist, als es den Anschein hat…

Mit Beiträgen von Johannes Harstick, Tabea Petersen, Wiebke Beyer, Christoph Marzi, Torsten Scheib, Chris Lind, Miriam Weeke, Tanya Carpenter, Julia Müller, Christoph Hardebusch, Lisa Wagner, Susanne Wolff, Madlen Walther, derhank (Hank), Katharina Seck, Ruth M. Fuchs, Daniela Perndl, Chris Schlicht, Melanie Brosowski, Vincent Voss, Diana Kinne, Oliver Plaschka und Fabienne Siegmund.

Ich liebe Gargoyles, sie sehen so abgrundtief böse aus und haben doch nur die Aufgabe uns vor Schaden zu bewahren und natürlich war ich deshalb mehr als gespannt auf die Anthologie, wie mögen die Autoren das Thema umgesetzt haben?

Gespannt was mich erwartet begann ich zu lesen und obwohl ich immer nur eine Geschichte lesen wollte, bevor ich mich wieder dem Buch widmete, dass ich eigentlich gerade las, wurden es dann doch meist zwei oder drei, das war nicht nur der Kürze der einzelnen Storys geschuldet, sondern auch das die meisten Geschichten wirklich gut waren.

Es ist wohl so, das es der einen oder anderen Geschichte ein wenig an Feinschliff fehlt und sie mich nicht zu 100 % überzeugte, aber was man jeder Story anmerkte, war die absolute Schreibfreude, welche die Autorinnen und Autoren gemeinsam haben und dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen bekannten Fantasyautor oder einen Hobbyautor handelt. Sie lieben, was sie tun. Jeder der Autorinnen und Autoren hat es geschafft den normalerweise starren Wasserspeichern Leben einzuhauchen, sie lieben und sie trauern, sie sind neugierig was in der Welt geschieht und sie sind rachsüchtig, ihre Entstehung geht nicht immer mit rechten Dingen zu und so manch einer wünscht sich Erlösung.

  • Herausgeber : Low, Torsten; 1., Edition (22. Mai 2010)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 360 Seiten
  • ISBN-10 : 3940036056
  • ISBN-13 : 978-3940036056







Sonntag, 24. Januar 2021

Das Verschwinden der Erde von Julia Phillips


 An einem Sommertag an der Küste Kamtschatkas verschwinden die russischen Schwestern Sofija und Aljona. Das Verbrechen erinnert an einen Vorfall nur Monate zuvor in der indigenen Bevölkerung. Wie eine düstere Wolke hängt der ungelöste Fall fortan über Kamtschatka und beeinflusst das Leben ganz unterschiedlicher Frauen in einer gespaltenen, männerdominierten Gesellschaft. Während das Netz zwischen den Einzelschicksalen dichter wird, hält die Suche nach den Mädchen die ganze Stadt in Aufruhr.

Brillant konstruiert und einfühlsam erzählt, entführt Julia Phillips uns in eine extreme und faszinierende Welt am Rande der Welt: in die graue Stadt Petropawlowsk, die spektakulären Weiten der Tundra und die Schatten schneebedeckter Vulkane.

Die Schwestern Aljona und Sofija verschwinden spurlos, die beiden kleinen Mädchen kommen von einem Ausflug an Meer nicht nach Hause zurück. Ihr verschwinden beeinflusst das Leben vieler unterschiedlicher Frauen auf der Halbinsel Kamtschatka.

Der Klappentext, die Buchbeschreibung auf der Verlagsseite und die Bezeichnung: literarischer Krimi, die ich irgendwo gelesen hatte, brachten mich ans Buch, ich bin immer auf der Suche nach den besonderen Büchern, insbesondere nach Krimis die mich nicht nur durch eine spannende Handlung, sondern auch durch das Setting überzeugen können.
Das Verschwinden der Erde, beginnt vielversprechend, der Leser lernt die Mädchen kennen, er verfolgt ihren Weg und sieht die atemberaubende Landschaft durch ihre Augen, dann ändert sich das Genre, aus einem Krimi wird ein Gesellschaftsroman, der aus dem Leben der unterschiedlichsten Frauen erzählt. Ksjuscha, die Studentin, die nur für ihr Studium lebt und ihrem Freund Ruslan, der in ihrem Heimatdorf zurückblieb, über jede Sekunde Rechenschaft ablegen muss und das aus irgendeinem Grund auch gern tut, sogar als ihre Cousine Alisa sie überredet an einem Tanzkurs für traditionelle Tänze teilzunehmen und sie Tschander kennenlernt.
Oder Lada, die mit Freunden Silvester feiert und nach langer Zeit ihre einst beste Freundin Mascha wiedersieht, und die nach und nach die Gründe für Maschas Schweigen erkennt.

All diese Geschichten sind sprachlich wunderbar erzählt, sie machen neugierig auf das Land und die Leute, das zumindest ist der Autorin wunderbar gelungen, nur von der erwähnten Beeinflussung, die das Verschwinden der Mädchen ausgelöst haben soll, war für mein Empfinden nicht allzu viel zu spüren, man liest in jeder Geschichte etwas über die Kinder, sie beschäftigen die Protagonisten mal mehr mal weniger, aber dieser Aspekt des Buches ist für meinen Geschmack zu lose in die Geschichten gewebt und bekommt erst gegen Ende des Buches wieder eine tragende Rolle.
Die Autorin Julia Phillips erzählt in einem vorangestellten Interview von ihrer Zeit in Kamtschatka und man spürt in jeder ihrer Zeilen die Liebe zu diesem besonderen Land. Das Verschwinden der Erde ist ein wirklich beeindruckendes Debüt und auch wenn es meine Erwartungen nicht ganz erfüllte, ein literarischer Krimi, ist es meiner Meinung nach leider nicht. Und auch die Geschichten der Frauen hätten für meinen Geschmack noch ausführlicher sein dürfen. 

* Die Großeltern und der Vater lebten das ganze Jahr über mit den Herden in der Tundra, während die Mutter mit Tschegga und Ksjuscha bis zu den Schulferien in Esso blieb. Dann ging es zurück in die Wildnis. Ksjuscha hatte als kleines Mädchen alle Schulferien verpasst. Sie musste mit dem Rest ihrer Familie auf dem weiten offenen Weideland schuften, während die weißen Dorfkinder in den Straßen Fußball spielten.*

Genau davon hätte ich gern mehr gelesen, vom Leben außerhalb der Dörfer und Städte Kamtschatkas, von den Veränderungen, die der Zerfall der Sowjetunion mit sich brachte, so viele Themen hätten es verdient ausführlicher behandelt zu werden und die Autorin besitzt sicher das Talent und das Gefühl für das Land um einen Roman zu schreiben der nicht nur gut, sondern Großartig ist.

  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (22. Januar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Übersetzer: Roberto de Hollander und Pociao
  • Gebundene Ausgabe : 376 Seiten
  • ISBN-10 : 3423282584
  • ISBN-13 : 978-3423282581
  • Originaltitel : Disappearing Earth

Freitag, 22. Januar 2021

Hexenjäger von Max Seeck


Der Mörder geht nach einem perfiden Plan vor: Detailgetreu stellt er die Morde einer Bestseller-Trilogie nach. Und die sind äußerst brutal und erinnern an mittelalterliche Foltermethoden. Die Opfer - allesamt Frauen. Ist ein Fan der Trilogie durchgedreht? Kommissarin Jessica Niemi und ihr Team ermitteln unter Hochdruck, doch der Mörder ist ihnen immer einen Schritt voraus. Die Ermittler tappen im Dunkeln, bis ihnen klar wird, dass die Opfer Jessica Niemi erschreckend ähnlich sehen




Die Kunstvoll drapierte Leiche Marias, der Frau des Bestsellerautors Roger Koponen, ist nur das erste Opfer einer Mordserie, die an die Bücher des Autors erinnert. Unter Hochdruck ermitteln Jessica Niemi und ihr Team um weitere Morde zu verhindern und den Täter zu fassen, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint.
7 Opfer sind zu erwarten, die alle nach mittelalterlichen Foltermethoden zu Tode kommen, ist wirklich ein Fan durchgedreht oder steckt mehr dahinter?


Mit Hexenjäger hat der Autor den Auftakt für eine neue Reihe um die Ermittlerin Jessica Niemi geschaffen und so stellt er seinen Lesern neben dem eigentlichen Fall auch die Hauptprotagonistin Jessica vor, die ihre ganz eigenen Probleme hat und einiges vor ihren Kollegen verbirgt, das scheint im ersten Moment für den Fall nicht relevant zu sein und hat mich auch das eine oder andere Mal etwas abgelenkt, er hat es tatsächlich geschafft mich neugierig auf Jessicas Leben zu machen, normalerweise bin ich eher genervt von den privaten Problemen der Ermittler, doch Jessicas Geschichte scheint etwas Besonderes zu sein. Neben dem spannenden Fall, der sich am Ende schlüssig und nachvollziehbar auflöst, ist es also Jessica die mich am Buch hielt und ich bin schon sehr neugierig was wir in den nächsten Büchern noch über sie erfahren.


Hexenjäger ist der erste Thriller des finnischen Autors Max Seeck und ich bin froh, dass ich ihn gefunden habe, ich bin immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Krimis, die die nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch die Sprache überzeugen, hier gilt sicherlich der Übersetzerin Gabriele Schrey-Vasara ein großer Dank.

  • Herausgeber : Lübbe; 2. Aufl. 2020 Edition (21. Dezember 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 448 Seiten
  • ISBN-10 : 3785727127
  • ISBN-13 : 978-3785727126
  • Lesealter : 16 Jahre und älter
  • Originaltitel : Uskollinen Lukija

Montag, 18. Januar 2021

Ohnmacht von Germaine Paulus

 


“Er blickte auf die Skyline, das Gesicht der Stadt, geformt durch Finanztürme. Lichter überall. Lügen darunter. Und wir legen sie frei, dachte er. Jeder auf seine Weise. Wegmann, der im Dreck wühlt. Rebecca, die nichts anderes in Körpern tut. Und du, du findest die Scheiße in ihren Seelen.” Januar 2003. Ein Autounfall, eine Leiche und der Tod eines Killers. Was mit einem Zufall beginnt, verzweigt sich zu einem Netz aus Sex, Zweifel, Macht und Mord – und einer Gefahr, die alles zu beenden droht. “Ohnmacht”, der dritte Roman der Reihe um Kriminalhauptkommissar Gerd Wegmann, fügt dem düsteren Sex and Crime des Vorgängers eine weitere bittere Note hinzu. OHNMACHT Ein Sex-and-Crime Roman.

Ein Autounfall wegen Alkohol am Steuer und daraus resultierender überhöhter Geschwindigkeit, enthüllt den brutalen Mord an einer jungen, schönen unbekannten Frau im Kofferraum eines der Unfallwagen, der mutmaßliche Täter am Steuer ist ebenfalls tot. Nach seiner Identifizierung wird aus dem mutmaßlich eine Tatsache und nun muss nur noch die Frage geklärt werden, wer die unbekannte Tote ist, die kurz vor der Tat mit mehreren Männern Geschlechtsverkehr hatte. Als eine weitere unbekannte Frau tot aufgefunden wird, die ebenfalls mit mehreren Männern Verkehr hatte, ist klar, dass es einen Zusammenhang geben muss und einen zweiten Täter.

Ohnmacht ist der zweite Roman aus der Feder Germaine Paulus für mich. Nachdem mich Und die Moral, fast sprachlos zurückließ, konnte ich das nächste Buch kaum erwarten. 
Die Messlatte lag hoch, sehr hoch. Da ich dieses Mal genau wusste, was mich in sprachlicher Hinsicht erwartete, fiel mir der Einstieg in das Buch allerdings leichter, voller Vorfreude las ich die ersten Seiten und wurde vollständig in die Geschichte eingesogen, schlaflose Nächte und müde Tage waren die Folge. Germaine Paulus hat die Gabe die perfekten Worte für jede Situation zu finden, die Worte, die mich schon bei Und die Moral an die Geschichte fesselten. Die Autorin lässt Bilder in den Köpfen ihrer Leser entstehen, diese Bilder sind nicht immer schön, sie verstören und verwirren um am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzufinden. 
Es gibt da diese ganz kurzen Abschnitte, wie Filmsequenzen in denen gezeigt wird, was die einzelnen Protagonisten gerade tun, oftmals geben sie Einblicke in das schwierige Privatleben der Ermittler, wer mich kennt, weiß das ich damit oft meine Schwierigkeiten habe dienen die Probleme der Protagonisten in Krimis doch oft nur dazu die Seiten zu füllen und mit Sexszenen die oftmals weibliche Leserschaft an das Buch zu binden, so ist jeden Falls meine Meinung, aber es gibt auch Ausnahmen und Germaine Paulus hier ist der Sex nicht Mittel zum Zweck, die Probleme sind authentisch sowohl die beruflichen als auch die privaten. 

Ich hatte nie auch nur die Spur einer Ahnung wer hinter den Morden steht und konnte so bis zum Ende mit ermitteln, das hat Spaß gemacht und Lust auf mehr.
Ich vergebe für Ohnmacht eine absolute Leseempfehlung.

Über die Autorin:


Nach dem Studium an der HBKsaar arbeitete Germaine Paulus (*1972) als Texterin und Kolumnistin. Sie ist Mitgründerin und Mitherausgeberin von »Deadline – das Filmmagazin«, für das sie seit Ende 2006 in der Redaktion tätig ist. Ein Jahr zuvor wurde ihre erste Kurzgeschichte veröffentlicht. Germaine Paulus hat eine Schwäche für Cushings Frankenstein, Meersalzbutter, gute Nasenlöcher und hemmungslos schlechte Witze.
Sie lebt und arbeitet in Saarbrücken.

  • Herausgeber : The Dandy is Dead; deutsche Erstauflage (9. Dezember 2020)
  • Sprache: : Deutsch
  • Taschenbuch : 544 Seiten
  • ISBN-10 : 3947652267
  • ISBN-13 : 978-3947652266

Sonntag, 17. Januar 2021

Der Zwillingscode von Margit Ruile

 


Was passiert, wenn die Dinge, die wir erschaffen, uns gar nicht mehr brauchen?


Vincent ist siebzehn und eine Doppel-C-Seele. Sein Sozialpunktestand ist so niedrig, dass an ein Studium nicht zu denken ist. Stattdessen repariert er heimlich die mechanischen Haustiere der Firma Copypet.
Eines Tages bringt eine alte Frau eine Katze zur Reparatur. Und die führt Vincent geradewegs in die Simulation – eine virtuelle Welt, in der alle unsere Gegenstände ihr digitales Leben führen. Verborgen in dieser Zwillingswelt aber liegt ein Code. Vincent muss ihn finden, denn davon hängt die Zukunft der Menschheit ab.

Vincent ist eine Doppel C Seele, mit diesem Sozialpunktestand, kann er es in seinem Leben nicht weit bringen, nicht einmal der Schulbesuch ist ihm erlaubt.
Um über die Runden zu kommen hat der 17-Jährige einen illegalen Reparaturdienst aufgezogen, Vincent hat ein unschlagbares Talent dafür mechanische Zusammenhänge zu erkennen.
So wundert er sich nicht, das eines Tages eine ältere Dame ihn bittet ihre mechanische Katze zu verändern, die verbotenerweise Krallen besitzt und diese auch einsetzt. Vincent findet bald heraus das die Katze nicht vom Monopolisten Copypet verkauft wurde, sondern aus einem kleinen Laden der gebrauchte mechanische Tiere stammt.
Als er den Laden aufsucht, um ein benötigtes Werkzeug zu bekommen, ahnt er nicht, dass sein Leben sich von Grund auf ändern wird.

Ich brauchte mal wieder eine andere Art Geschichte als ich sie normalerweise lese und da kam mir Der Zwillingscode gerade recht.
Der Klappentext klang gut, ich mag Dystopien und der Zwillingscode versprach mir interessante Einblicke darin wie sich andere die Zukunft vorstellen. Ich muss sagen ich wurde nicht enttäuscht, die Vorstellung in einer Welt zu leben die von einer künstlichen Intelligenz geleitet wird ist sehr erschreckend, und mit KI sind keine Kaffeemaschinen gemeint die zu einem bestimmten Zeitpunkt den Kaffee bereithalten oder Autos, die selbst fahren und Hindernissen ausweichen, sondern eine KI die tatsächlich selbstständig denkt und handelt und die mit uns spielt.
Der Schreibstil der Autorin ist dem Alter der Zielgruppe angemessen, nicht überfordernd aber vor allem und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig, nicht zu seicht, sie traut ihren Lesern etwas zu und hat damit schon meine Sympathien gewonnen.
Ich könnte mir vorstellen, das es eine Fortsetzung geben kann, aber auch so ist das Ende meiner Meinung nach zufriedenstellend, es lässt noch Raum für eigene Spekulationen.

  • Herausgeber : Loewe Verlag GmbH (13. Januar 2021)
  • Sprache: : Deutsch
  • Broschiert : 320 Seiten
  • ISBN-10 : 3743203243
  • ISBN-13 : 978-3743203242
  • Lesealter : 14 - 16 Jahre

Mittwoch, 13. Januar 2021

Seelenlos Unsichtbare Gegner von Eva Lirot

 


Vor einem Einkaufszentrum in der Frankfurter Innenstadt bricht ein Mann zusammen. Er stirbt im Krankenhaus. Die Wunde gibt Rätsel auf. Wenige Tage später findet eine Frau in einem Parkhaus den gleichen Tod. Das nächste Mal erwischt es Wartende vor einer Arztpraxis. Die Opfer überleben nur vereinzelt. Womit die schweren Verwundungen verursacht wurden, lässt sich nicht klären - bis sich ein böser Verdacht erhärtet.

Was Jim Devcon und sein Team jedoch noch nicht ahnen: Sie sind auf der Suche nach einem Menschen, der gerade dabei ist, jegliche Skrupel zu verlieren. Jemand, der jederzeit an jedem Ort auftauchen und erneut zuschlagen kann. Jemand, dessen Motivation für alle im Dunkeln liegt.

Endlich ein neuer Fall für Jim Devcon und sein Team, die Reihe um den Kriminalkommissar mit amerikanischen Wurzeln ist eine der wenigen, die ich durchgehend verfolge.



Die Angst geht um in Frankfurt, ein unbekannter Täter schießt scheinbar wahllos auf Passanten und verschwindet unerkannt, es gibt kein erkennbares Motiv und sogar die Tatwaffe gibt den Ermittlern Rätsel auf.
Einen Großteil des Buches begleitet der Leser den Täter und lernt ihn kennen, wenn auch nicht immer verstehen.
Er ist ein Mann, der alles verloren hat, was ihm jemals wichtig war und der kaum Hoffnung hat das sich daran etwas ändert. Um andere vor seinem Schicksal zu bewahren, will er sie wachrütteln und er sieht nur eine Möglichkeit seine Mitmenschen wachzurütteln: Rohe Gewalt
Ich empfand zwischendurch tatsächlich Mitleid für den Täter, der hilflos vor den Trümmern seiner beruflichen Existenz und schlimmer noch vor den Trümmern seiner Familie steht, die logische Konsequenz wäre gewesen das er sich Hilfe sucht, jemanden mit dem er über seine Sorgen und Nöte spricht, doch das hat er nicht, er hat sich hineingesteigert in seinen Hass auf alles und jeden und er muss mit allen Mitteln aufgehalten werden.
Jim Devcon und sein Team arbeiten auf Hochtouren und sie scheinen tatsächlich mit dem Fall überfordert, wie findet man einen Täter der keinerlei Spuren hinterlässt? Das dieses Mal Kommissar Zufall dem Team zur Seite springt, tut der Spannung keinen Abbruch. 
Ich habe die ganze Zeit überlegt welches Motiv der Täter haben könnte, was in seinem Leben schiefgelaufen sein könnte und bis kurz vor Ende tappte ich im Dunkeln. Als sich die Auflösung anbahnte, war ich sehr erstaunt mit welcher Selbstverständlichkeit die Autorin ein sensibles und hochaktuelles Thema verarbeitet, ohne direkt Partei zu ergreifen bzw. ohne ihre Hauptprotagonisten Jim Devcon und sein Team Partei ergreifen zu lassen, das hat mir sehr gut gefallen, da kann man nur von Professionalität in jeder Hinsicht sprechen. 
Unsichtbare Gegner ist der 12. Band der Reihe, den man aber problemlos lesen kann, ohne die Vorgängerbände zu kennen. 
Von mir bekommt auch Band 12 das Prädikat* lesenswert*

  • Herausgeber : Independently published (9. Dezember 2020)
  • Sprache: : Deutsch
  • Taschenbuch : 222 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8577954031
 

Freitag, 8. Januar 2021

55 Jedes Opfer zählt von James Delargy

 


Wer ist Killer, wer ist Opfer? Eine Kleinstadt jagt einen Serienmörder.


Eine Kleinstadt im australischen Outback. Glühende Hitze. Wildnis. Police Sergeant Chandler ist stolz darauf, für Ruhe und Sicherheit zu sorgen. Bis ein Mann im Revier auftaucht. Außer Atem. Blutüberströmt. Er erzählt von einem Serienmörder namens Heath, dem er entkommen sei. Chandler Jenkins bringt den Fremden in Sicherheit. Doch bevor er sich auf die Suche nach dem Mörder machen kann, wird Chandler ins Revier gerufen: Ein Mann ist dort aufgetaucht, der sich Heath nennt. Außer Atem. Blutüberströmt. Er erzählt von einem Serienmörder, dem er entkommen sei.

Meine Meinung:

Police Sergeant Chandler steht vor dem schwierigsten Fall seines Lebens, zwei Männer tauchen nacheinander in der Stadt auf und beide behaupten einem Mörder entkommen zu sein und beide erzählen die gleiche Geschichte.
Wer sagt die Wahrheit, wer lügt?
Gabriel, der auf freien Stücken auf das Revier kam, vollkommen verängstigt und eingeschüchtert? Oder Heath, der bei dem Versuch ein Auto zu stehlen vom Eigentümer des Wagens überrascht und zur Wache gebracht wurde und aufbrausend und scheinbar auch zu Gewalttätigkeit neigt. 
Ich verdächtigte immer mal wieder den einen und kurz darauf wieder den anderen.
Das klingt nicht nur ungewöhnlich und spannend das ist es auch.
James Delargys Erzählstil ist allerdings eher ruhig, manchmal für meinen Geschmack etwas zu ruhig, etwas mehr Tempo hätte dem Buch gutgetan. Der Autor verwendet viel Zeit darauf den Hauptprotagonisten Chandler vorzustellen, seine Lebensumstände, die er mit der Polizeiarbeit in Einklang bringen will, was ihm allerdings nicht wirklich gelingt, wie sich schnell herausstellt.
Ich weiß nicht was ich von Chandler halten soll, als Mensch ist er außerordentlich sympathisch, er kümmert sich als alleinerziehender Vater so gut es geht um seine Kinder und unterstützt seine Eltern, seine Mitarbeiter liegen ihm sehr am Herzen.
Und hier liegt auch sein Problem, Chandler ist zu nett, als er sich endlich dazu durchringt den Fall an übergeordnete Behörden zu melden und sein Vorgesetzter Mitch mit seiner Crew das Kommando übernimmt, lässt er sich von seinem früheren Freund herumschubsen als wäre er 12. Chandler und Mitch haben eine gemeinsame Geschichte, als Kinder und Teenager waren sie unzertrennlich, sie gingen gemeinsam zur Polizei und erst als Mich Karriere machen wollte und Chandler eine Familie gründet, trennen sich nach einem Vermisstenfall, der in Rückblenden erzählt wird, ihre Wege.

Mitch ist kalt und nur auf seine Karriere bedacht, dazu kommt seine unverhohlene Abneigung Chandler gegenüber, er lässt keine Gelegenheit aus Chandler mehr oder weniger subtil zu demütigen, auch sein Verhalten seinen Mitarbeitern gegenüber unterscheidet sich vom eher familiären Umgang Chandlers mit seinen Leuten sehr. Mitch ist der Alpha im Team und das spielt er auch ohne Rücksicht aus.

Die in Rückblenden erzählte Suche nach einem Vermissten, vermittelt die besondere Atmosphäre im australischen Outback, diese Rückblenden vermitteln dem Leser zwei Dinge, die ich euch aber nicht verraten kann, nur soviel meine ersten Gedanken dazu, das sie die Handlung nicht wirklich voranbringen haben sich nicht bestätigt.

Ich mochte das Buch und es bekommt eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (12. Oktober 2020)
  • Sprache: : Deutsch
  • Übersetzer: Alexander Wagner
  • Taschenbuch : 416 Seiten
  • ISBN-10 : 3453272188
  • ISBN-13 : 978-3453272187
  • Originaltitel : 55

Donnerstag, 7. Januar 2021

Aufbruch in die Dunkelheit von Mark Stichler


 Die Geschichte zweier Familien in einer ebenso hoffnungsvollen wie schicksalhaften Zeit 1890: Die Möbelmanufaktur Jakob Mandelbaums blüht zur Zeit der Industrialisierung genauso auf wie die Stadt Waldbrügg im Südwesten Deutschlands. Seine Familie und er führen ein luxuriöses Leben. Umso empörter und enttäuschter ist sein Freund, der Bürgermeister und Tuchhändler Franz Escher, als Mandelbaum bei einem Geschäft einen günstigeren Konkurrenten vorzieht. Und Escher ist nicht der Einzige, der den Reichtum der Mandelbaums kritisch beäugt. Die sogenannten nationalen Clubs bekommen – angeführt von dem undurchsichtigen Michael Maarsen – zunehmend neue Anhänger, die die Juden als das Übel der Gesellschaft ausgemacht haben und nur auf eine Möglichkeit warten, sie ihrer vermeintlich gerechten Strafe zuzuführen. Als Jakobs Schwester Jella mit ihrer schönen Tochter Esther nach Waldbrügg kommt, spitzt sich die Lage zu. Selbst Michael Maarsen ist beeindruckt von der jungen Frau, ebenso wie Franz Eschers Sohn Eduard, der sich Esthers Charme nicht entziehen kann. Beim Frühlingsfest kommt es zur Eskalation, als der angetrunkene Maarsen Esther zum Tanz auffordert und die beiden widerstreitenden Lager aufeinandertreffen. Am nächsten Morgen findet man eine Leiche und die Nationalisten sehen sich bestätigt, dass die Familie Mandelbaum einen der Ihren umgebracht haben und schwören blutige Rache .



Mark Stichler stellt seine Personen behutsam vor, langsam lernen wir die Hauptprotagonisten kennen und das ist in diesem Fall auch gut so, denn man muss sich erst einmal einfühlen in eine Zeit die nicht nur zeitlich sondern auch Ideologisch so weit entfernt scheint.
1890 Deutschland steht am Beginn der weitgehend flächendeckenden Industrialisierung und Antisemitismus breitet sich aus. Nachdem 1869/71 endlich die Gleichstellung der Juden per Gesetz erfolgte, hetzen nicht nur in dem kleinen Städtchen Waldbrügg Männer wie der zwielichtige Michael Maarsen in nationalen Clubs gegen die jüdischen Bevölkerung.
Wie tief diese Vorbehalte gegen Juden in den Menschen verwurzelt sind, kann man gut am Beispiel Franz Eschers sehen, der von sich behauptet und auch glaubt mit seinem Geschäftspartner Jakob Mandelbaum befreundet zu sein und doch Vorurteile verinnerlicht hat die auch in der heutigen Gesellschaft noch viellerorts Bestand haben.
Eingebettet in die Geschichte zweier Familien und in die eher beschauliche Umgebung des Ortes Waldbrügg, schafft  der Autor eine besondere Atmosphäre und durch die behutsame Einführung konnte ich mir dir Personen und den Ort sehr gut vorstellen.
Häufig sind solche Romane in Berlin angesiedelt, in der Anonymität der Großstadt lässt sich das Verhalten der Menschen einfacher erklären als in einer kleinen Stadt wie Waldbrügg, wo jeder jeden kennt und sich eigentlich bewusst sein, das die Eigenschaften die dem *Gegner* zugesprochen werden nicht zutreffen. Und doch schafft es Michael Maarsen viele Bürger auf seine Seite zu ziehen mit Lügen und offensichtlicher Hetze und er treibt einen Keil in die Familie Franz Eschers. 
Diese Geschichte ist noch nicht auserzählt, das wird zum Ende des Buches klar, es bleiben viele Fragen offen und man darf gespannt sein, welches Schicksal Mark Stichler für die Familien Escher und Mandelbaum bereit hält. 

Ich bin immer auf der Suche nach Romanen (neben Sachbüchern zu dem Thema) die mir neben Unterhaltung auch die Ansätze einer Erklärung für das während des Nationalsozialismus geschah, bieten können. Aufbruch in die Dunkelheit gehört definitiv zu den geeigneten Büchern.

Aufbruch in die Dunkelheit bekommt von mir eine Leseempfehlung.

  • Herausgeber : MAXIMUM Verlag; 1. Edition (7. Dezember 2020)
  • Sprache: : Deutsch
  • Broschiert : 512 Seiten
  • ISBN-10 : 3948346216
  • ISBN-13 : 978-3948346218

Samstag, 2. Januar 2021

Das doppelte Gesicht von Heidi Rehn

 


München, August 1945. Der Krieg ist zu Ende, die Stadt versinkt im Chaos. Die Reporterin Billa Löwenfeld, eine aus dem Exil zurückgekehrte Jüdin, soll den Kriegsheimkehrer Viktor von Dietlitz interviewen – und findet ihn erschossen auf. Der junge und noch unerfahrene Ermittler Emil Graf soll den vermeintlichen Routinefall aufklären. Schon bald geschehen zwei weitere Morde nach demselben Muster. Und Emil findet heraus, dass ausgerechnet Billa die gesuchte Verbindung zwischen den drei Opfern sein könnte …

In einem französischen Gefangenenlager rekrutiert der amerikanische Captain Joe Simon den jungen Kriegsgefangenen Emil Graf für den Neuaufbau der deutschen Polizei und nimmt ihn mit nach München, wo in den ersten Wochen und Monaten nach Kriegende noch das absolute Chaos herrscht. Der unerfahrene Emil soll schon bald die Aufklärung des Mordes an dem Kriegsheimkehrer Viktor von Dietlitz übernehmen. Am Tatort lernt er die amerikanische Fotoreporterin Billa Löwenfeld kennen, die aus München stammende Jüdin wanderte   1938 mit ihrer Mutter, einer High Society Reporterin , nach New York aus, diese pflegte intensive Kontakte zu den Nazis. Als weitere Morde nach geschehen gerät Billa nicht zuletzt wegen der Beziehungen ihrer Mutter zu Nazigrößen in den Fokus der Ermittlungen, doch Emil zweifelt an ihrer Schuld.

Billa und Emil müssen in diesem ersten Teil der Reihe um Emil Graf ihren Platz noch finden. 

Während Billa auf der Suche nach der verlorenen Heimat nach München zurückkehrte, ist immer wieder ihre Angst spürbar, die sich in manchmal unerklärlichen Stimmungsschwankungen äußert. Ihre Ängste  musste ich mir immer wieder vor Augen halten um keine Antipathie für sie zu entwickeln, Verständnis für Billa aufzubringen fiel mir nicht immer leicht. Sympathiepunkte konnte sie aber auf jeden Fall für ihren Einsatz für den Heimatlosen Piotr sammeln,der ehemalige Zwangsarbeiter lebt in der ständigen Angst zurück nach Russland geschickt zu werden wo ihm die Deportation nach Sibirien oder schlimmer noch der Tod droht.

Emils indes hat Angst vor der Vergangenheit, er verurteilt sich selbst für sein Schweigen angesichts dessen was er im Krieg sah und erlebte, da hilft ihm auch die Unterstützung und der Zuspruch seines Mentors Joe Simons nichts. Trotz seiner Ermittlungserfolge bleibt er zunächst unsicher und sehr schüchtern.

Auf beider Entwicklung im Laufe der nächsten Bücher bin ich schon sehr gespannt. 

Heidi Rehn hat, soweit ich es beurteilen kann, hervorragend recherchiert, ich habe das eine oder andere nachgelesen und ihre Aussagen haben sich bestätigt, das ist für mich auch in der Unterhaltungsliteratur sehr wichtig.
Ich hätte mir etwas mehr Tempo im Handlungsverlauf gewünscht, vielleicht kommt das in den nächsten Bänden der Reihe, schließlich benötigt die Vorstellung der Protagonisten ihre Zeit.

Das doppelte Gesicht ist wirklich Lesenswert

  • Herausgeber : Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (8. Dezember 2020)
  • Sprache: : Deutsch
  • Taschenbuch : 352 Seiten
  • ISBN-10 : 3746637074
  • ISBN-13 : 978-3746637075