Montag, 29. Juli 2019

Das Kriminal Dinner 28.07.2019



Oh So eine Veranstaltung möchte ich auch gern einmal besuchen*
Das war immer mein Gedanke wenn ich einen Flyer sah oder jemand davon erzählte, aber wie das so ist, einfach mal machen ist nicht so mein Ding.
Bis meine Tochter mich an meinem Geburtstag  mit den Karten überraschte.

Gestern war es dann soweit, zwar war die Veranstaltung als Open Air geplant, aber da sich das Wetter nicht an die Vorgaben hielt, wurde sie in einen Saal des Gasthofes Adler in Horb am Neckar verlegt.

Mord em Flegga

Auszug von der Seite regioactive.de 

Der Handwerksmeister Ludwig wohnt schon seit vielen Jahren in einem kleinen Dorf, in dessen Dorfgemeinschaft er gut integriert wurde. Doch ihm fehlt etwas in seinem Leben und er möchte etwas Neues und Spannendes erleben. Aus diesem Grund sucht er sich 6 Mitstreiter, die mit ihm losziehen sollen um Abenteuer zu erleben und dabei berühmt zu werden.
Zwei Mitstreiterinnen findet er auf Anhieb. Zum einen die gewitzte und vorlaute Waschfrau Elsbeth und zum anderen die burschikose und handfeste Bäuerin Anna. Die weiteren Mitstreiter lassen sich unter den Gästen des Gasthofes finden. Sobald alle 7 Abenteurer gefunden wurden, kann der Nervenkitzel beginnen, denn in der Gegend treibt sich schon seit längerer Zeit ein Ungeheuer herum, das geschnappt werden muss. 
Mutig ziehen alle gemeinsam los, um als Helden ins Dorf zurück zu kehren. Doch das Vorhaben scheitert und sie können nur mit Mühe dem eigenen Tod entkommen. Dabei geschieht ein Verbrechen und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Nun ist es an der Zeit den Schuldigen zu identifizieren und die Tat aufzuklären. Was ist genau passiert? Und wie geht es für die 7 vermeintlichen Helden weiter?

Das Stück hätte ich mir selber nicht ausgesucht, ein wenig hatte ich schon Angst, das ich den Dialekt nicht gut genug verstehe um dem Stück zu folgen, für nicht Eingeweihte: Es gibt nicht den schwäbischen Dialekt jedes Dorf hat seine sprachlichen Eigenheiten. Aber am Ende gab es keine Probleme. Auch weil die schwierigsten Worte vorab mit einem kleinen Quiz erklärt wurden.

Von Anfang an wurde das Publikum in die Handlung mit einbezogen, bei einer Ensemble stärke von 3 Schauspielern und mindesten 7 handelnden Personen war das auch gar nicht anders möglich.


Während der Handlung wurde viel improvisiert, auf von den Gästen vorgegebenen Worten mussten die Schauspieler reagieren, was für viele Lacher sorgte.

Schnell gab es allerdings die erste Leiche: Der wertvolle Zuchthase des Grafen wurde tot aufgefunden


Alle Wiederbelebungsversuche blieben leider erfolglos.


Kurz danach wurde auch noch der Graf tot aufgefunden, der Anblick seiner blutüberströmten Leiche wurde uns Gott sei Dank erspart. So das wir uns entspannt dem Hauptgang widmen konnten. Schließlich waren wir beim Kriminal Dinner, das Essen durfte nicht zu kurz kommen. Nach Schweinelendchen ( warum gab es eigentlich keinen Hasen?) mit Rosmarinkartoffeln und Ofengemüse, wurden die Zeugen befragt, wer wohl ein Motiv und die Gelegenheit hätte den Grafen zu ermorden. 
Die Wäscherin Elsbeth vielleicht, die vom Grafen abserviert wurde, Fritz der die Hühner des Dorfes, klaut wenn er Hunger auf Nudelsuppe hat oder Ludwig den der Graf entlassen hatte?
Anhand von Hinweisen aus dem Publikum stellten die Schauspieler den Mord nach, so wie er evtl. geschehen sein könnte , wieder unter Mitwirkung einiger Gäste und da diese auch hingebungsvoll mitspielten, war dieser Part mit der lustigste des ganzen Stücks.

Am Ende waren wieder die Gäste gefragt, in Vierteams rätselten wir, wer den Grafen denn nun wirklich ermordete und warum, für die richtige Antwort gab es einen Preis ;o)


Und wie ihr seht, das lesen von Krimis zahlt sich aus. 

Ich kann euch den Besuch eines Kriminal Dinners nur empfehlen um einen entspannten Abend mit netten Menschen, leckerem Essen und einem amüsanten Kriminalfall nur empfehlen. 


Sonntag, 28. Juli 2019

Schwarzer See von Riley Sager

Fünfzehn Jahre ist es her seit Emma einen unbeschwerten Sommer im Camp Nightingale am Lake Midnight verbringen wollte. Zufällig teilte sich Emma die Hütte mit drei älteren Mädchen Vivian, Natalie und Alison von denen Vivian die Anführerin zu sein scheint, ihr folgen alle, was sie sagt ist Gesetz aber Vivian ist zudem auch noch nett und hilfsbereit Emma gegenüber, nachdem diese ihr gleich zu Beginn die Stirn bietet.Seit dem Verschwinden der drei Mädchen plagt Emma das schlechte Gewissen.

Emma verarbeitet diese Zeit mit dem Malen düsterer Bilder und steht kurz vor ihrem Durchbruch als Künstlerin. Als sie eine Einladung der Besitzerin des Camps Franny Harris bekommt, diese will das Camp wieder eröffnen und Emma soll als Kunstlehrerin dort arbeiten.

Nach kurzem Zögern nimmt Emma das Angebot an, fest entschlossen herauszufinden was in jener Nacht geschah. Im Camp trifft sie auf einige Personen die schon damals dort waren, die Familie Harris mit den Söhnen Chet und Theo, Lehrer, Betreuer, Hausmeister, es gibt viele Verdächtige.

Als sich die Ereignisse wiederholen und wieder 3 Mädchen verschwinden setzt sie alles daran die Kinder zu retten.

Das Verschwinden von Kindern, deren Verbleib niemals geklärt werden konnte, ist in der Literatur nicht neu um so schwieriger ist es für Autoren, das Thema so zu verarbeiten das es spannend und mitreißend ist, das ist Riley Sager hier durchaus gelungen.

Fast Kapitelweise wechselt die Geschichte von der Gegenwart in die Vergangenheit und mit jedem Wechsel kommen mehr Informationen zutage. Schicht für Schicht legt er die Wahrheit frei.

Dank der ruhigen Erzählweise, ist die unterschwellige düstere Atmosphäre die für Emma über dem Sommercamp liegt kontinuierlich spürbar. Emma misstraut Francis und ihrer Familie, als Teenager beschuldigte sie den älteren Sohn etwas mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun zu haben und als sie ein Tagebuch findet, das Vivian, eines der verschwunden Mädchen geschrieben hat, scheint sich ihr Verdacht, zu bestätigen.

Ich habe mich immer wieder gefragt, was Francis damit bezweckt Emma im Camp anzustellen, ist sie so nett und freundlich wie sie tut, liegt ihr das Wohlergehen der Mädchen und auch das Emmas so sehr am Herzen oder will sie Rache dafür das Emma ihren Sohn beschuldigte?

Auch die Rollen der anderen sind eher undurchsichtig, mit geschickt platzierten Worten rückt der Autor mal diesen mal jenen in den Focus meiner Verdächtigungen.

Die Story lebt von ihrer Atmosphäre, eher ruhig führt der Autor durchs Buch, er baut die Spannung langsam auf, er weckt die Neugier des Lesers auf das was geschah und auf das was in der Gegenwart geschieht.

Ich vergebe eine volle Leseempfehlung.

   

Übersetzung:Susanne Goga-Klinkenberg
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (19. Juli 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423218061
ISBN-13: 978-3423218061






Mittwoch, 24. Juli 2019

Hannah und ihre Brüder von Ronald H. Balson

Auf einer Gala bedroht Ben Solomon einen der Honoratioren Chicagos mit einer alten Militärwaffe aus dem 2. Weltkrieg. Der Unternehmer Elliot Rosenzweig ist ein Gönner der Stadt, einflussreich und wohltätig. Der Rentner Ben Solomon behauptet das Rosenzweig in Wahrheit der Nazi Otto Piontek zu sein, der während des Naziregimes Bens Familie verriet und bestahl.Ben und Otto waren einst wie Brüder, Bens Eltern nahmen den Jungen wie einen Sohn auf, als dessen Vater sich nicht um ihn kümmern konnte, von allen geliebt macht Otto trotzdem eine fatale Entwicklung durch die ihn am Ende zum Schlächter von Zamość werden ließ. Doch zunächst half Otto der Familie soweit es ihm möglich war,am Ende ist er ein Verräter, an allen Werten die seine Pflegefamilie ihm mitgegeben hat.

Rosenzweig streitet ab besagter Piontek zu sein, im Gegenteil, er hätte als Jude unter dem Regime gelitten und nur knapp in Auschwitz überlebt.

Der Privatdedektiv Liam Taggart überredet die Anwältin Catherine Lockhardt sich Bens Geschichte anzuhören. Sehr zögerlich und erst nach vielen Stunden in denen Catherine von Bens Schicksal erfährt übernimmt sie seinen Fall. Sie verklagen Elliot Rosenzweig auf Schadenersatz.

Hannah und ihre Brüder ist eine weitere Geschichte gegen das Vergessen. Ich bin ein großer Freund solcher Romane, die vielleicht den einen oder anderen dazu anregen sich mit der Geschichte Europas zu dieser düsteren Zeit zu beschäftigen.

Zu Beginn des Buches war ich hin und her gerissen, was wenn Ben sich irrt, wenn Rosenzweig wirklich der ist der er behauptet zu sein und Ben den Ruf eines Unschuldigen zerstört?

Catherine kündigt ihre Stelle bei einer renommierten Anwaltskanzlei, eine Pro Bono Vertretung Bens wäre dort nicht möglich gewesen und sucht gemeinsam mit Liam nach Beweisen für Rosenzweigs Schuld, was sich nach so langer Zeit als schwieriges Unterfangen herausstellt und sie steht unter Zeitdruck, soweit ich das verstanden hatte, kann die gegnerische Seite mit Genehmigung des vorsitzenden Richters einen kaum zu bewältigenden Zeitplan aufstellen, der ohne ein Team von Anwälten kaum zu bewältigen ist.

Ich war, wie eigentlich immer bei Romanen, die die Judenverfolgung zum Thema haben, zutiefst erschüttert und kann immer noch nicht fassen zu welchen Grausamkeiten der Mensch fähig ist. Die Geschichte Bens und seiner Familie, ihre Hoffnung darauf das sich alles noch zum Guten wenden wird und die Erkenntnis das es keine Hoffnung mehr gibt, hat der Autor eindrucksvoll beschrieben.

Der Teil, der im Jahr 2004 spielt, hat mir leider nicht so gut gefallen, zu oft wurde die Erzählung durch Nebensächlichkeiten unterbrochen, da ging es auffallend oft ums Essen. Während ich noch darauf hinfieberte, das Ben Gerechtigkeit Wiederfahren wird, zog der Autor eine Lösung aus dem Hut, die zwar realistisch ist, aber viel zu abrupt kam.

Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Hannah und ihre Brüder ist ein emotionaler Roman, der zum Nachdenken anregt und lange nachhallt.

Ich gebe gern eine Leseempfehlung


Taschenbuch: 498 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (17. Mai 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746635098
ISBN-13: 978-3746635095

Dienstag, 23. Juli 2019

Zu Staub von Jane Harper

Die beeindruckendsten Bücher, sind oft die, deren Geschichte sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen lässt.

Zu Staub

gehört auf jeden Fall in diese Kategorie.

*Zwei Brüder treffen sich am Zaun, der ihre Farmen voneinander trennt. Tief im Outback sind sie einander die einzigen Nachbarn. Ihre Häuser liegen vier Stunden Autofahrt voneinander entfernt.*

Dieser Satz aus dem Klappentext vermittelt einen guten Eindruck der Ausdehnungen des australischen Outbacks. Wer sich hier verirrt oder schlecht ausgerüstet unterwegs ist, ist schon verloren. Das wusste natürlich auch Cam, der mittlere Bruder Bub und Nathans und doch starb Cam qualvoll am Stockman Grab.
Der herbeigerufene Polizeibeamte und der Sanitäter Steve können keinerlei Gewalteinwirkung feststellen, sie vermuten Selbstmord, auch wenn der allseits beliebte Cam keinen Grund dazu hatte, er ist glücklich verheiratet, hat zwei Töchter und auf der Farm steht alles zum Besten.

Zu Staub, ist kein Krimi, diese Genre Einordnung gefiel mir schon nicht bei The Dry, dem ersten Buch das ich von Jane Harper las, aber jetzt ich wusste ja das ich keinen klassischen Krimi erwarten konnte.
Zu Staub ist ein Roman, er erzählt die Geschichte der Brüder. Ihrer Kindheit und Jugend auf der elterlichen Farm. Zeiten die geprägt waren von ihrem gewalttätigen Vater.
Hauptsächlich wird die Geschichte Nathans erzählt, den man durchaus als Hauptprotagonist bezeichnen kann. Nathan wird von den Einheimischen, wegen eines schwerwiegenden Fehlers den er während seiner Scheidung machte, geächtet. Kontakt hat er fast nur noch zu seiner Familie und auch den nur noch sporadisch. Nach und nach offenbart sich die Wahrheit, die Wahrheit über die Vergangenheit und die Gegenwart und die Wahrheit darüber warum Cam starb. Zu diesem Punkt legt die Autorin immer wieder neue Spuren, immer wieder rätselte ich, was geschehen war und was die Person, die gerade im Focus der Erzählung stand damit zu tun haben könnte.
Ich habe dieses Buch in einer Nacht durchgelesen, dieses Vergnügen hatte ich schon lange nicht mehr. Dazu mussten natürlich mindestens zwei Faktoren zusammen kommen. Der erste: Niemand da den meine Leselampe stört. Und zweitens ein Buch das ich einfach nicht aus der Hand legen konnte.
Jane Harper hat mich mitgenommen ins Outback, ich spürte die gnadenlose Hitze, den roten Staub der sich auf alles legt und die Einsamkeit.
Ich bin immer noch fasziniert von der Erzählkunst der Autorin, ihre Beschreibungen machen die handeln Personen lebendig ich konnte jeden Schritt, den sie taten, nachvollziehen und verstehen.

Natürlich ist mir bewusst das bei einer Übersetzung auch immer die Übersetzer von großer Bedeutung sind, leider wird dieser Umstand viel zu selten erwähnt. Diesmal führt aber kein Weg daran vorbei:

Ulrike Wasel und Klaus Timmermann haben einen großartigen Job gemacht.

Ich vergeben für Zu Staub eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (23. Juli 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499000989
  • ISBN-13: 978-3499000980


Sonntag, 21. Juli 2019

R.I.P. von Yrsa Sigurdardottir

Per Snapchat sendet Stellas Mörder Fotos und Videos von den letzten Minuten im Leben des 16.jährigen Mädchens, an ihre Freunde und Familie. Während die Polizei im Dunkeln tappt warum das allseits beliebte Mädchen Opfer eines Verbrechens wurde, werden weitere verstörende Nachrichten verschickt. Die Nachrichten zeigen nicht nur die äußerst brutale Vorgehensweise des Täters, beide Jugendliche entschuldigen sich mehrmals, aber es wird nicht klar wofür und die die wissen könnten warum der Täter die Kinder zu einer Entschuldigung zwingt, schweigen.

Dies ist schon der dritte Fall für den Kommissar Huldar und die Kinderpsychologin Freya und ich hatte mich schon sehr darauf gefreut. Die Vorgängerbände DNA und SOG hatten mich absolut überzeugt, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Das Thema ist hochbrisant und aktuell, in Zeiten in denen Nachrichten innerhalb von Sekundenbruchteilen viele Empfänger erreichen können, in denen es ein leichtes ist Menschen öffentlich zu verunglimpfen und lächerlich zu machen, wahrscheinlich brisanter den je.
Yrsa Sigurdardottir hat in ihrem neusten Buch das Thema Mobbing aufgegriffen, sie beschreibt wie Mobbing funktioniert und welche Auswirkungen es auf die Opfer hat, diese Passagen sind die, die mir am meisten zugesetzt haben. Stück für Stück enthüllt die Autorin die Hintergründe der Taten. 
Huldar und Freya sind wieder einmal ein recht gutes Team, wenn es um ihr gemeinsames Ziel geht, auch wenn ihnen von Huldars Vorgesetzter Erla, das Leben mehr als schwer gemacht wird, dazu kommt das sie kaum verwertbare Spuren haben.

Immer wieder schafft es die Autorin Spannung aufzubauen, die dann aber leider durch Passagen unterbrochen wurden, die von den Zwistigkeiten zwischen Huldar und Erla erzählen. Im nachhinein ist mir bewusst geworden, das es auch hier um Mobbing geht, Erla nutzt ihre Position aus um Huldar kaltzustellen, auch wenn das den Ermittlungen schadet. Trotzdem schmälerten die andauernden Streitigkeiten das Lesevergnügen so sehr, wie sie auch den Ermittlungen schadeten. 

  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (24. Juni 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442756650
  • ISBN-13: 978-3442756650


 

Freitag, 19. Juli 2019

Das Weinen der Kinder von Arne M. Boehler


Die Kunstexpertin Anke soll nach dem Mord an ihrer Kollegin Yvonne, in der bayrischen Provinz, das Museum für moderne Kunst ihres Chefs retten, das kurz vor dem Ruin steht.
Eine Ausstellung mit Bildern des erfolgreichen Künstlers Nils Sörensen soll genügend Geld für die Rettung einbringen.

14 Bilder stehen im Mittelpunkt, sie zeigen:

Das Weinen der Kinder


Anke hat eigentlich genug Probleme, ihr Ex Mann will ihr die Kinder wegnehmen, weil sie sich seiner Meinung nach nicht ausreichend um sie kümmert, ihre ältere Tochter steckt mitten in der Pubertät und die jüngere hat Sprach und Essstörungen und wird in der neuen Schule gemobbt und zu allem kommt noch ihr ewiger Kampf gegen ihre Alkoholsucht. Und dann gerät sie auch noch unter Mordverdacht und ins Visier des Mörders.

In der Hoffnung, das ihr Leben leichter wird, nimmt sie das Angebot ihres Chefs an das neue Museum aufzubauen und trifft auf ein absolutes Chaos, aus unfertigen Räumen, offenen Rechnungen und leergeräumten Firmenkonten.

Das Weinen der Kinder ist das Erstlingswerk Arne M. Boehlers. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Was hat es mit den Gemälden auf sich, von denen nicht einmal der Künstler genau weiß, wann und warum er sie gemalt hat?

Ich wurde sehr positiv überrascht. Das kann ich euch schon mal vorweg verraten.


Der Autor hat einen sehr angenehmen Schreibstil und er schafft es mit verschiedenen Entwicklungen die Spannung bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten.

Ein Buch lebt nicht nur von der Handlung, die einzelnen Protagonisten müssen lebendig sein und das sind sie hier auf jeden Fall. Nicht nur Anke, die ich zugegebenermaßen nicht sonderlich mochte auch Kommissar Wigland und sein Team sind mit all ihren Differenzen und Unterschieden sehr menschlich und bildhaft beschrieben. Ich kann mir gut vorstellen weitere Krimis mit Wigland zu lesen, ich mochte seine unkonventionelle Art sehr und auch seine Kollegen allen voran die Paragraphenreiterin Charlie haben das Zeug zu einem guten Team, wenn sie ihre Zwistigkeiten untereinander lösen.


Ich habe allerdings auch ein wenig Kritik, Arne M. Boehler spricht verschiedene Probleme an, die meisten haben einen Bezug zu dem Mord an Yvonne oder natürlich zu Anke, auch die ermittelnden Beamten haben alle ihr Päckchen zu tragen. In der Masse waren es mir etwas zu viele, sie hätten für zwei Krimis gereicht, ich kann sie an dieser Stelle gar nicht alle aufzählen, das würde doch den Rahmen sprengen.

Trotz meines kleinen Kritikpunktes ist Das Weinen der Kinder ein wirklich spannender und gut erzählter Krimi, ich bin gespannt was wir von Arne M. Boehler noch zu lesen bekommen.


Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: epubli; Auflage: 7 (20. Juni 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3748555296
ISBN-13: 978-3748555292

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ich schenk dir die Angst von Ralf Gebhardt

Inhalt: Während der Leipziger Buchmesse vier Frauen entführt, das Hauptziel der Entführer ist die Staranalystin Mary Tomm, die beste Beziehungen zur Börse hat. Die drei anderen Frauen unter ihnen Magdalena und Verena die Freundin und die Tochter des halleschen Kriminalhauptkommissar Richard Störmer sind nur Zufallsopfer, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Mit Hilfe seiner Kollegen, ermittelt Störmer auf eigene Faust, denn da er enge persönliche Beziehungen zu den Opfern hat, darf er nicht offiziell ermitteln.

Meine Meinung:
Die Börse. Ein Thema von dem ich nichts aber auch rein gar nichts verstehe. Das Wetten auf steigende oder fallende Kurse, ich wäre in dem Finanzdschungel rettungslos verloren und wahrscheinlich nach 2 Transaktionen pleite. Aber es gibt Fachleute für die ist das Börsenparkett so sicher wie für mich der heimische Teppich, sie wissen welche Informationen dafür sorgen das der Dollar fällt und der Euro steigt. Eine dieser Expertinnen ist Mary Tomm und wird damit zum Ziel eines Geheimbundes von Investmentbankern, die skrupellos und äußerst brutal an ihr Wissen kommen möchten um die Finanzmärkte zu manipulieren.
Ralf Gebhardts Krimi: Ich schenk die die Angst, ist trotz des ausgefeilten Schreibstils des Autors  absolut nichts für schwache Nerven. Die Gewaltszenen die er nicht beschreibt, spielen sich im Kopf des Lesers ab und ich weiß nicht was schlimmer ist.
Kommen wir nochmal zur Börse von der ich nichts verstehe, natürlich geht es im Buch auch um fachliches, denn um zu verstehen welche Informationen die Entführer aus den Opfern herauspressen wollen, muss man verstehen wie die Kurse manipuliert werden können, und auch das erklärt Ralf Gebhardt mit Worten die auch ich verstehe, ich gehe davon aus das er über fundiertes Wissen verfügt schließlich ist er Banker.
Das eine oder andere erschien mir trotzdem etwas weit hergeholt, dies betrifft aber eher die Schauplätze als die Handlung. OK nur einen, in einem Bürogebäude wird mittels LED Projektoren eine Landschaft inklusive Gebäude suggeriert, die den höchsten Ansprüchen genüge tun. Das erscheint mit unglaubwürdig, aber wer weiß was nicht alles getan wird und möglich ist um andere zu beeindrucken. Es kann natürlich auch sein das der Autor damit ein Bild schaffen will, das zeigt das in der Finanzwelt und der Politik häufig mehr Schein als Sein, herrscht.
Das ist allerdings meine einziger Kritikpunkt.
Ich schenk dir die Angst, ist ein spannender, teilweise brutaler Krimi, mit Protagonisten, die dem Lesern von Band zu Band mehr ans Herz wachsen.

  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (18. Juli 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958131867
  • ISBN-13: 978-3958131866

Mittwoch, 17. Juli 2019

Täume von Freiheit Flammen am Meer von Silke Böschen

Zur Verlagsseite
Nach §2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diesen Beitrag als Werbung.
Als am 11. Dezember 1875 eine gewaltige Explosion am Hafen die Stadt Bremerhaven erschüttert, ändern sich die Leben zweier Frauen grundlegend. Johanne Claussen ist gerade mal 20 Jahre alt, als sie ihren Mann, Ihre Brüder, ihren Vater und ihre rechte Hand verliert. Die andere, Cecelia Thomas, wartet in Strehlen auf die Rückkehr ihres Mannes und auf die Einlösung seines Versprechens, sie von den Geldsorgen die die Familie plagen, zu befreien.

Silke Böschen hat ein reales Ereignis zu einem sehr interessanten Roman verarbeitet, in dem reale Personen, die unmittelbar betroffen waren die Hauptrolle spielen.

Cecilia Thomas, die Ehefrau William King Thomas, ist eine etwas undurchsichtige Person, sie wird in der feinen Gesellschaft gefeiert wie kaum eine zweite, wunderschön und durch die Ehe mit William zunächst sehr wohlhabend, gibt sie das Geld mit vollen Händen aus und ist durch ihre Verschwendungssucht nicht ganz unschuldig am Bankrott der Familie. Auf der anderen Seite sorgt sie sich meist rührend um ihre 4 Kinder. Ich schwankte immer zwischen Sympathie und Verachtung für die Frau.

Johanne Claussen, kämpft sich nach ihrem schweren Schicksalsschlag nur mühsam zurück ins Leben, von Schmerzen geplagt muss sie lernen ihr Leben mit der linken Hand zu meistern und als ihr das gelingt, wird ihr auch noch ein Verhältnis mit ihrem Schwiegervater angedichtet, als sie in seinem Büro mitarbeitet.

Johanne ist stark und klug, besonnen nimmt sie ihr Leben in die Hand.

Die Autorin beschreibt die Lebenswege der so unterschiedlichen Frauen, wobei ihr besonderes Augenmerk auf Cecilia liegt, die unter falschem Namen mit ihren Kindern in Amerika ein neues Leben beginnt. Ein schwerer Weg für die selbstsüchtige Frau, die sich auch in großer finanzieller Not nicht von ihrem kostbaren Schmuck trennen will. Ich schrieb ja schon das ich mir nicht klar werden konnte, was ich von Cecilia halten sollte. Wobei sich das gegen Ende des Buches immer mehr änderte, besonders als Silke Böschen auf den letzten Seiten vom weiteren Leben Cecelias berichtet.

Auch Johanne geht nach Amerika, um zu überprüfen, ob sich eine Investition in die Geschäfte eines Cousins rechnen würden. Dort trifft sie durch reinen Zufall auf Cecilia und als sie erfährt, wen sie vor sich hat, verliert die junge Frau die Nerven.

Das geschieht leider erst auf den letzten Seiten des knapp 440 Seiten starken Buches, von denen 25 ein Personenregister, den Epilog und, Quellenangaben und die Danksagung beinhalten, alles sehr interessant und unverzichtbar.

Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, das die beiden Frauen zusammentreffen und darauf zu erfahren was dann geschieht, das das weitere Schicksal auf so wenigen Seiten zusammengefasst wird, hat mich ein klein wenig verwundert. Das Leben der so unterschiedlichen Frauen hätte sicherlich noch Stoff für einen weiteren Band geboten.

Gut gefallen hat mir die sorgfältige Recherche der Autorin, was ich auf die schnelle nachprüfte, erwies sich als Tatsache.

Von mir bekommt
Träume von Freiheit Flammen am Meer eine Leseempfehlung. Geschickt hat die Autorin Fakten und Fiktion miteinander verwoben.

Erschienen ist das Buch im Gmeiner Verlag und mit einem Klick auf das Cover kommt ihr direkt zur Verlagsseite und zum Buch.

  • Taschenbuch: 439 Seiten
  • Verlag: Gmeiner-Verlag; Auflage: 2019 (10. Juli 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839224640
  • ISBN-13: 978-3839224649


Sonntag, 14. Juli 2019

Herrenhaus von Gisela Witte

Sophie hat die Nase voll, von der Familie ihrer Tochter bei der sie zurzeit lebt, zu laut, zu unordentlich, zu chaotisch ist das Familienleben mit den zwei kleinen Enkelinnen und als billige Babysitterin will sie sich auch nicht weiter ausnutzen lassen.

Da kommt ihr das Angebot in eine WG mit mehr oder weniger Gleichaltrigen zu ziehen, gerade recht. Die Villa ist genau das richtige für ihre Ansprüche und das sie sich da als Begleitung für einsame Herren zu Kulturveranstaltungen noch etwas hinzuverdienen kann, kommt ihr auch entgegen.

Doch irgendetwas stimmt nicht in dem hochherrschaftlichen Haus.

Selten war mir eine Protagonistin auf den ersten Seiten schon so unsympathisch wie Sophie und das hat sich leider auch im Rest des Buches nicht geändert. Mit 53 legt sie ein Benehmen an den Tag, als wäre sie mindestens 20 Jahre älter und auch da kenne ich Damen die mehr Lebensfreude ausstrahlen. Ich hatte immer das Bild einer viel älteren Frau vor Augen.
Aber gut, Sophie ist, wie sie ist und wie im richtigen Leben ich muss nicht jeden mögen.

Sophie lebt sich in der Gemeinschaft gut ein, sie genießt ihr Leben und auch mit ihrer Aufgabe als Begleitung kommt sie nach anfänglichen Schwierigkeiten gut zurecht.

Auch, wenn nicht alles so harmonisch ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
Auszug aus dem Klappentext:

Im Laufe der Zeit fühlt sie sich immer mehr beobachtet, bis eines Tages ihr Appartement durchwühlt wird. Fast zu spät erkennt Sophie, dass sie in das Visier eines religiös-fanatischen Serienkillers geraten ist, der die Bewohnerinnen für ihren vermeintlich unzüchtigen Lebenswandel bestraft.

Leider ist schon recht schnell klar, wer der Serienkiller ist, auch wenn die Autorin zwischendurch andere Spuren legt, was das ganze dann doch noch etwas spannender machte, weil ich hoffte das mein erster Verdacht sich nicht bestätigt. Es gab schon den einen oder anderen Protagonisten der einen Grund gehabt hätte, dem Treiben im Haus ein Ende zu machen.

Richtig gut gefallen haben mir die Erzählungen des Killers, sein Motiv, seine Erfahrungen, die er im Leben gemacht hat, waren interessant und teilweise sehr erschütternd. Auch wenn das alles natürlich keine Entschuldigung dafür ist zu morden, so tat er mir doch leid.
Ebenso ist die Eigentümerin der Villa, Dorothea ein interessanter Charakter, welcher Art dieser ist, kommt nach und nach immer mehr zutage, da will ich aber nicht zu viel erzählen, nur so viel: Auch die Abschnitte über Dorothea sind sehr lesenswert.

Sprachlich habe ich an dem Buch überhaupt nichts auszusetzen. Gisela Witte beschreibt ihre Protagonisten und die Örtlichkeiten sehr anschaulich. Zwar kam beim Lesen keine atemlose Spannung aber, das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Je mehr ich darüber nachdenke, vielleicht wäre hier mehr auch mehr gewesen?

Auszug aus dem Klappentext:

 Die Arbeit mit den Kunden ist schwieriger als gedacht, ebenso das Zusammenleben in der Villa. Täglich muss sie erleben, wie ihre Mitbewohner sich mit kleinkarierten Intrigen und Gemeinheiten gegenseitig bekämpfen.

Das kam etwas zu kurz, man zickt sich vielleicht mal etwas an, der eine oder andere Kunde ist aufdringlicher als gewünscht, aber das hätte gern ausführlich sein können, die aufkommende bedrohliche Stimmung wäre so sicherlich anschaulicher gewesen und hätte der Spannung gutgetan.

Ich werde die Autorin Gisela Witte auf jeden Fall weiterhin im Auge behalten, sie ist mir schon als Autorin von Kurzgeschichten in diversen Anthologien aufgefallen.


  • Broschiert: 268 Seiten
  • Verlag: edition krimi; Auflage: 1 (15. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3946734561
  • ISBN-13: 978-3946734567






Samstag, 13. Juli 2019

Rigor Mortis von Faye Hell

Zur Autorenseite
1898 Das kleine unbedeutende Städtchen Dawson City wird zum Paris des Nordens als tausende von Glücksrittern dem Ruf des Goldes folgen, regiert wird die Stadt von Henderson, charismatisch, grausam und nicht von dieser Welt?

*Weshalb kümmert es euch, ob Blut an meinen Händen ist, wenn ich euch zum Gold führen kann?*

2005 bricht die Geschichtsstudentin Rosa mit einer sechsköpfigen Reisegruppe auf, um die Schönheit Alaskas hautnah zu erleben, doch die Idylle trügt, sie werden verfolgt und die Schatten werden mit jedem Tag bedrohlicher.

2017 hat ein Talkmaster die Zeit seines Lebens, seine zynische und menschen verachtende Show wird von den Massen geliebt. Richard Darius *Count Mortis*, suhlt sich in den Peinlichkeiten, denen er seine Gäste aussetzt.

2017, eine Geisterjägerin bekommt den Auftrag ihres Lebens.

All diese Personen und noch einige mehr lernen wir in wechselnden Kapitel kennen, wir erfahren ihr Schicksal, ihre Ängste und ihre Grausamkeiten. Zu wissen das am Ende alle Fäden zusammenkommen verhindert, das man das Buch zur Seite legen will.

Es ist schwierig die Handlung in wenigen Worten zusammenzufassen, deshalb versuche ich es gar nicht erst.

Faye Hell, ist für mich die Königin des literarischen Horrors, ihre Sprache ist geschliffen und trotzdem direkt, sie zieht die Leser in ihren Bann, am Ende des Buches ist es, als erwache man aus einem bösen Traum, fasziniert will man genau dorthin zurück, trotz allen Schreckens und der Bösartigkeit die einem dort begegnet.

In ihrem Vorwort hebt Faye Hell die Person Richard Darius besonders hervor, das habe ich erst nach der Lektüre des eigentlichen Buches gelesen, ich habe immer Angst zu viel zu erfahren.

Sie beschreibt ihn als Zerrbild unserer Gesellschaft und sie hat recht, wir alle weiden uns auf die eine oder andere Art am Leid anderer. Sei es das wir Talkshows schauen, in denen Menschen gedemütigt werden, bei Unfällen Fotos oder Videos machen oder die wohl harmloseste Variante, die uns Bücher lesen lässt, wie Rigor Mortis. Wir können uns getrost weismachen dem Ruf des Goldes nicht zu folgen, aber vielleicht sollten wir doch mal in den Spiegel schauen den Count Mortis uns vorhält.

Von mir bekommt RIGOR MORTIS schattenschwarz und totgeschwiegen, eine absolute Leseempfehlung.

Folgt Faye Hell in die wunderschönen Weiten Alaskas, aber achtet darauf, wer euch folgt.


  • Taschenbuch: 666 Seiten
  • Verlag: Papierverzierer Verlag; Auflage: 1 (14. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3959626665
  • ISBN-13: 978-3959626668



Freitag, 12. Juli 2019

Engel der Toten : Preis der Lüge von Eva Lirot (Band 4 der Sadie Thompson Reihe

Der Orden der Wölfe scheint zerschlagen, Sadie steht kurz vor ihrer Hochzeit mit John Palmer, alles scheint sich für Sadie zum Guten gewendet haben. Wenn da nicht ihr Geheimnis wäre, ein Geheimnis so schrecklich, das John voller Abscheu von ihr abwenden würde, wenn er davon erführe. Während sich Sadies Gedanken noch darum drehen, John zu verlassen um sich und ihm Schmerz zu ersparen, sollte er jemals erfahren, was sie getan hat, treibt die Königin im Dienst des Ordens, ihr Unwesen. An abgelegenen Orten lässt sie unter ihrer Regie Snuff Videos von unvorstellbarer Grausamkeit drehen.

Leichenteile die in unmittelbarer Nähe ihres Hauses gefunden werden, wecken Sadies Fluchtinstinkt und bescheren John einen Einsatz, den er für den Rest seines Lebens nicht vergessen wird.
Preis der Lüge ist der Abschlussband der Sadie Thompson Reihe und man muss zwingend alle Bände gelesen haben. Die Informationen aus den Vorgängerbänden sind immens wichtig um die Handlungen der Protagonisten zu verstehen.

Eva Lirot erspart ihren Lesern nichts, ihre Bücher sind nichts für zarte Gemüter, was die Autorin nicht mit Worten beschreibt, spielt sich als Film in den Köpfen ihrer Leser ab. Aber diesmal sind es nicht nur die schrecklichen Bilder, die die Autorin zeigt. Sie lässt ihre Leser hautnah teilnehmen, an dem Gefühlsleben Sadies, an ihren Ängsten und an ihrer grenzenlosen Liebe zu John, das alles natürlich ohne auch nur ansatzweise schmalzig zu werden. Zitat * Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir die Menschen, die wir aufrichtig lieben, niemals verlieren.* Sie zeigt, dass irgendwann die Zeit der Flucht vorbei ist, vorbei sein muss, das man, im besten Fall mit einem geliebten Menschen an seiner Seite, die Vergangenheit mit all ihren Geheimnissen begraben muss.

Von mir bekommt auch dieser Band eine absolute Leseemfehlung.

  • Taschenbuch: 207 Seiten
  • Verlag: Independently published (26. Juni 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1074769686
  • ISBN-13: 978-1074769680

Ihr solltet die Bücher in folgender Reihenfolge lesen:

Engel der Toten
Gnadenlose Jagd
Saat des Bösen
Preis der Lüge

Und wenn euch Sadie gefallen hat, solltet ihr auch noch Jim kennen lernen. 

Weitere Bücher von Eva Lirot:
JIM DEVCON-Serie - Kriminalfälle, die auf wahren Begebenheiten beruhen.
Seelenfieber: Tödliche Lust (1), Seelenbruch: Mörder wider Willen (2), Seelengruft: Ein grausamer Gegner (3), Seelennot: Eine Mutter dreht durch (4), Seelensühne: Eiskalte Rache (5), Seelenfalle: Straße der Tränen (6), Seele in Fesseln: Lebendig begraben (7), Seelenrisse: Göttin der Rache (8), Seelenloch: Zum Töten geboren (9), Seelenfrost: Wenn das Herz verstummt (10)

Dienstag, 9. Juli 2019

Mörder unbekannt verzogen von Thomas Chatwin

Frances Penrose, der Hafenmeister von Fowey, findet die Leiche von  Florence Bligh, die allseits beliebte Lehrerin wurde erschossen. Bevor er seiner Frau Daphne davon berichten kann, stößt diese,während eines gemeinsamen Rundgangs mit ihrer Freundin Linda auf Glendurgan Garden auf eine weitere Leiche,den Hausarztes Dr. Finch.  Und Daphne wäre nicht Daphne würde sie nicht auf eigene Faust ermitteln beginnen.

Als mir vor einiger Zeit der erste Band der Reihe um die Postbotin der Royal Mail Daphne Penrose
Post für den Mörder
in die Hand fiel, war ich skeptisch.
Häkelkrimi oder Cosy Krimi, waren die Worte die mir zuerst einfielen als ich das Cover sah und den Klappentext las. Für mich war dieses Genre praktisch Neuland. Und doch ließ ich mich auf das Abenteuer ein und wurde nicht enttäuscht. Daphne Penroes und ihr Mann Francis, sind die liebenswertesten Protagonisten die mir seit langem begegnet sind und so war klar, ich möchte auch Mörder unbekannt verzogen
lesen.

Nach und nach deckt Daphne die Verbindungen zwischen den beiden Mordopfer auf und natürlich ist sie dabei dem ermittelnden Chief Inspector Vincent immer einen kleinen Schritt vor raus, kein Wunder hat der doch nur seinen bevorstehenden Urlaub im Kopf.
Daphne recherchiert da schon genauer, sie deckt das eine oder andere Geheimnis der Toten auf und kommt so dem Mörder immer näher, zu nah wie sich bald herausstellt, denn der Mörder schreckt nicht vor einem weiteren Mordversuch zurück um nicht gefasst zu werden.

Mörder unbekannt verzogen, ist ein spannender Wohlfühlkrimi. Der Autor entführt seine Leser in das wunderschöne Cornwall, man spürt seine Liebe zu dem englischen Landstrich, in jedem Satz den er seine Protagonistin Daphne über Fowey und Cornwall sagen lässt.
Auch die Spannung kommt nicht zu kurz, sie verschlägt dem Leser zwar nicht den Atem, aber sie ist dem Genre angemessen. Das Buch lebt von seinen Protagonisten, Daphnes und Frances offene Art anderen gegenüber und ihr liebevoller Umgang miteinander machen sie sehr sympathisch, sie ergänzen sich hervorragend.

Ich vergebe für das Buch eine Leseempfehlung.

  • Broschiert: 304 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (18. Juni 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499276879
  • ISBN-13: 978-3499276873

Sonntag, 7. Juli 2019

Der europäische Frühling von Kaspar Colling Nielsen

Inhalt: Da kriegt ihr ausnahmsweise mal wieder den Klappentext zu lesen.

Die Insel Lolland ist zum Hort der Glückseligen geworden. Hier regieren Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Menschlichkeit. Intelligente Drohnen haben viele der alltäglichen Arbeiten übernommen. Doch die Idylle hat ihren Preis, und der Eintritt ist nicht jedem gewährt. In den Städten herrscht Anarchie. Probleme werden nicht gelöst, sondern auslagert. Dänemark pachtet in Mozambique eine riesige Landfläche und baut dort für Flüchtlinge und unliebsame Asylanten eine riesige Containerstadt. Am Ende ist die Zukunft auch nur ein Geschäft.

Meine Meinung: Der Klappentext liest sich richtig gut, oder?
Und er wirft Fragen auf, für die ich auf Antworten gehofft hatte. Wie leben die Menschen, die nicht die Mittel haben sich auf Lolland anzusiedeln? Wie gehen die anderen Länder mit ihren Flüchtlingen um, wie reagieren sie auf das von Dänemark ausgelagerte Flüchtlingslager? Das wurde in einem Nebensatz abgehandelt. 

Ich wollte eine anspruchsvolle Dystopie lesen. Das Buch sollte mich zum Nachdenken anregen. Ich wollte über Drohnen lesen, über ihren Nutzen und über die Gefahren die die Technik birgt.

Jetzt beginne ich mit dem positiven: Das Buch beginnt mit einem Dialog, wie sich herausstellt, dem Dialog zwischen Jack einem Hund und Wilhelm einer Elster, die Tiere wurden mittels eines Chips intelligent, sie leben ebenfalls auf Lolland und kommen im Buch immer wieder vor. Es wird erklärt wie es zu dieser Art Tierversuche kam, wie sich diese weiterentwickelten und worin diese Erfindung gipfelt. Das war durchaus interessant beschrieben und gehörte zu den angenehmen Seiten des Buchs.
Diese Tiere sind auch die einzigen Protagonisten denen meine Sympathie gehörte.
Natürlich spielen auch Menschen eine Rolle.
Stig und Elisabeth, er rutschte irgendwann in die Rolle eines Galeristen, nachdem er die Bilder eines todkranken Freundes aus der Punkszene ausstellt und feststellt, das ihm das liegt. Eigentlich wollte er nur den Freund ehren. Stig erinnerte mich an ein Chamäleon, er passt sich seiner Umgebung an und fällt dann nicht weiter auf.
Seine Frau Elisabeth, ist Wissenschaftlerin die eine Stelle im RAID angeboten bekommt, einem Forschungsinstitut das auf Lolland angesiedelt ist.
Sie blieb mir die ganze Zeit über fremd.
Emma ist die magersüchtige Tochter der Beiden, nicht mehr lange und sie hat sich zu Tode gehungert, eines Abends gerät sie in einen Aufstand, bei dem es Verletzte gibt, als sie erste Hilfe leistet wird ihr bewusst, das sie daraus Stärke zieht, es geht ihr besser wenn sie sich um Menschen kümmern kann. Gemeinsam mit ihr macht der Leser einen Abstecher nach Mozambique in das dänische Flüchtlingslager Frederikstad, in das auch Asylanten aus Dänemark abgeschoben werden, die gegen die Gesetze verstießen.Das Lager bietet alles was man zum Leben braucht, Schulen, Geschäfte, Ärzte, Cafes, sogar eine Universität, man könnte fast meinen der Autor fände die Idee gut, aber ob dem so ist, müsst ihr selber lesen, ich kann das nicht richtig einordnen, dafür ist mein Gespür für Untertöne vielleicht nicht genug ausgeprägt.
Bis hierhin, ist der Roman durchaus lesenswert, der Autor hat interessante Ideen, sein Schreibstil ist angenehm und flüssig, was sicherlich auch der Übersetzung geschuldet ist. 

Ich komme zu den Teilen des Buches, die alles kaputt gemacht haben.
Ich weiß nicht was der Autor mit diesen Abschnitten bezweckte, wollte er massive Kritik an der Kunstszene üben oder schrieb er mit dem Gedanken Sex Sells? 
Letzteres wäre ihm gründlich misslungen, ich habe nichts gegen Sex in Büchern, meistens bringt es die Story zwar nicht voran aber die Szenen stören auch nicht. Anders sieht es bei reiner Pornografie aus, wenn ich einen Porno lesen will, kaufe ich einen Porno und nicht "Das wichtigste literarische Werk für unsere Politik seit vielen, vielen Jahren" wie die Frankfurter Rundschau verkündet.
Ich habe teilweise ganze Seiten nur quergelesen. Der Künstler Christian ist ein Pädophiler,da kommt ihm Mia gerade recht, steckt da doch eine Erwachsene in einem Kinderkörper, was er allerdings nicht weiß, das allzeit gut gelaunte Mädchen steht unter der Vormundschaft ihrer Schwester. Christian schreckt nicht davor zurück, die geistig beeinträchtigte Mia von ihrer Schwester zu kaufen um weiterhin Sex mit ihr zu haben und um dem Ganzen noch einen weiteren Kick hinzuzufügen sucht er sich eine willige asiatische Haushaltshilfe. Die Szenen sind schlicht widerlich.


Ich muss mich für andere Plattformen entscheiden wie viele Sterne ich dem Buch gebe. Es werden wohl zwei werden, für den Schreibstil und den dystopischen Teil des Buch.

Eine Leseempfehlung kann ich leider nicht geben.

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 345327170X
  • ISBN-13: 978-3453271708

Samstag, 6. Juli 2019

1793 von Niklas Natt och Dag. Lesung auf dem Tübinger Bücherfest 2019


Einmal im Jahr findet in der beschaulichen Studentenstadt Tübingen das Bücherfest statt. Eine der Aussagen im ersten Satz meines Berichts stimmt nicht. Tübingen ist alles andere als beschaulich, in Tübingen pulsiert das Leben, kaum scheint die Sonne strömen die Leute ans Neckarufer um sich zu sonnen und zu feiern, die Straßen sind voller gut gelaunter Menschen und in den zahlreichen Cafes ist kaum noch ein Platz zu finden. Tübingen ist immer einen Besuch wert, allerdings sollte man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren, am Wochenende meide ich die Stadt so gut es geht.
Gestern allerdings hielt mich nichts davon ab Tübingen einen Besuch abzustatten.
Der Piper Verlag verloste 3 x 2 Tickets für die Lesung von Niklas Natt och Dagg, die von Denis Scheck moderiert wurde und ich war eine der glücklichen Gewinner.
Am späten Freitagnachmittag war vom Bücherfest in Tübingen noch nicht all zuviel zu merken, ab und zu begegnete ich jemandem mit einem Buchfestband um sein Handgelenk, diese Bänder können für 20 Euro oder für Schüler und Studenten für 10 Euro erworben werden und mindern die Eintrittspreise um jeweils 7 Euro, wenn man mehrere Lesungen besuchen möchte lohnt sich der Erwerb eines solchen Bandes auf jeden Fall.

Nun aber zum wesentlichen des Tages.

Der Lesung von 1793, dem historischen Kriminalromans des schwedischen Autors Niklas Natt och Dag.



Leider waren die Plätze im Saal des Museums Kinos nicht alle besetzt, vielleicht lag es am Wetter oder daran das es sich bei 1793 um einen Krimi eines in Deutschland noch recht unbekannten Autors handelt, oder vielleicht am Genre, auch in meinem Umfeld treffe ich immer wieder auf Menschen für die Krimis nur eine stumpfe, ewig gleich ablaufende Mörderjagd ohne Mehrwert sind. Dem widerspreche ich noch etwas später in meinem kleinen Bericht.
Vielleicht fand auch nur ich, das ruhig noch mehr Menschen sich das Vergnügen eine Lesung die von Denis Scheck moderiert wird nicht hätten entgehen lassen dürfen.
Denis Scheck war übrigens auch der Auslöser, warum ich an dem Gewinnspiel überhaupt teilnahm. wenn er ein Buch empfiehlt, hat es meist auch meinen Geschmack getroffen.
Die Veranstaltung fand zum Großteil in englischer Sprache statt, Denis Scheck hat nur wenig übersetzt, für mich kein Problem für meine Begleitung allerdings schon, so das das Vergnügen auf der Seite derer die nicht so gut die englische Sprache beherrschen vielleicht etwas getrübt war.

Niklas Natt och Dagg erzählte wie viel er für die Arbeit an seinem Roman recherchiert hat, das er an keinem Antiquariat vorbeigehen konnte ohne Literatur aus und über des 18.Jahrhunderts zu kaufen und mit den Informationen daraus sein Buch zu füllen, der erste Entwurf war wohl um 25% länger, voller historischer Fakten. Soviel zum Mehrwert eines Krimis, recherchiert der Autor sorgfältig, lernt auch der Leser noch dazu. Niklas Natt och Dag wurde von einem schwedischen Comic inspiriert 1793 zu schreiben: Arne Anka, ist eine Ente die den schwedischen Nationaldichter Carl Michael Bellmann zum Vorbild hat, der im 18. Jahrhundert lebte und zwar verarmt starb, aber in seinen Liedern unsterblich wurde.


Gelesen wurde natürlich auch. Ich muss mich tausendmal entschuldigen das ich den Namen des jungen Mannes der aus 1793 las, nicht verstanden habe, es ist der links auf den oberen Bildern. Aber er hat seine Sache gut gemacht, klar und deutlich ohne zu übertreiben konnte er die Stimmung im Buch und die Personen zum Leben erwecken.
Eine Leseprobe findet ihr u.a. hier.

https://tinyurl.com/y4u2a7nd

Ich bin sehr gespannt auf das Buch, leider konnte man die nötige Lesezeit nicht erwerben, dafür entschädigt aber die interessante Signatur.





Und noch ein Autogramm habe ich mir geholt, schließlich ist er dafür verantwortlich warum ich das Buch lesen will. Ganz schlechtes Foto, aber da steht: Druckfrisch empfohlen. Denis Scheck.

Freitag, 5. Juli 2019

Tod in Porto von Mario Lima

Zur Autorenseite
Inhalt: Endlich Urlaub. Chefinspektor Fonseca und sein Team haben den letzten Fall erfolgreich abgeschlossen und feiern bei einem guten Essen. Entspannt erzählen sie sich von ihren Urlaubsplänen: Rui Pinto hat Karten für ein wichtiges Fußballspiel, Ana Christina will an die Algarve und Fonseca plant sich, um seine Weinreben zu kümmern. Einzig Inspektor Dinis unkt: Sie hätten noch bis zum nächsten Morgen Bereitschaft. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss. In einem Industriegebiet fallen Schüsse und ein Mann wird tot aufgefunden. Es handelt sich um Nilton de Souza Wanderley, einem brasilianischen Immobilienmakler. Auf einem seiner Handys findet die Polizei ein Video, das eine Verbindung zu einer brasilianischen Verbrecherorganisation herstellt. Und es bleibt nicht bei einem Toten.


Meine Meinung: Fast drei Jahre ist es her seit ich Barco Negro, den ersten Band rund um Chefinspektor Fonseca und seinem Team, gelesen habe. Drei Jahre, in denen ich immer mal wieder geschaut habe, ob es Neuigkeiten aus Porto gibt, als es dann jetzt endlich soweit war, habe ich mich sehr gefreut, gleichzeitig war ich aber auch etwas ängstlich ob Mario Lima meine Erwartungen erfüllen kann, die Messlatte lag nach Barco Negra schon recht hoch.

Eins darf ich euch gleich verraten: Ich hätte die Latte noch höher legen können. Der Autor hat meine Erwartungen noch übertroffen, in meinen Augen hat er alles richtig gemacht.

Tod in Porto kann man auch ohne Vorwissen des 1. Buches lesen, sein Schreibstil ist noch flüssiger und ausgefeilter gefeilter geworden, die Protagonisten, allen voran Ana Christina haben eine positive Entwicklung durchgemacht, die Hauptsache aber ist der Fall, dessen Lösung das Team fast an seine Grenzen bringt und die mich wirklich überrascht hat.

Während des Lesens hat es mich manchmal gereut, das Buch während meiner Internetpause zu lesen, vieles von dem Mario Lima erzählt hat mich neugierig gemacht und so habe ich bei der ersten Gelegenheit recherchiert um genaueres über die Polícia Militar do Estado de São Paulo und über die im Buch eine wichtige Rolle spielende kriminelle Vereinigung, Primeiro Comando da Capital (PCC) portugiesisch – „Erstes Kommando der Hauptstadt“, zu erfahren. Aber auch wer nicht so neugierig ist wie ich, bekommt genügend Informationen.

Zum Ende des Buches fügt sich alles zu einem runden und stimmigen Bild zusammen.

Tod in Porto bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Hinterhaus von Lioba Werrelmann


Inhalt: Die Journalistin Carolin, lebt mir ihrem Freund Jens in einer luxuriösen Wohnung in Berlin am Prenzlauer Berg, bzw sie lebte, denn als sie eines Tages vom Yoga kommt ist die Wohnung leer und ihre persönlichen Sachen stehen in 7 Kartons verpackt im Flur. Für Carolin bricht eine Welt zusammen. Da sie nicht weiß wohin, wird sie von Mandy aufgenommen, die im Hinterhaus lebt. Und als wäre das nicht genug findet Carolin in einem Kabuff die Überreste eines seit 20 Jahren vermissten Jungen.

Meine Meinung: Wieder einmal ließ ich mich vom Klappentext und vom Cover überzeugen das Buch zu lesen. Beides gefiel mir ausnehmend gut. Nur leider konnte mich der Inhalt nicht ganz überzeugen. Thematisch wäre die Story genau das richtige für mich gewesen, ein Verbrechen das tief in der Vergangenheit verwurzelt ist, ein Haus in dem die Bewohner ihre Geheimnisse zu bewahren wissen und eine Protagonistin die diesem Geheimnis auf die Spur kommen will.
Aber es passte doch nicht. Carolin, die Hauptprotagonistin hat sich ihr Leben lang um nichts kümmern müssen, zuerst hielt ihr Vater alles negative von ihr fern und dann verliebte sie sich in den Orthopäden Jens und auch Jens trägt sie auf Händen, bis zu dem Tag an dem er sie fallen lässt und sie ohne Vorwarnung selber laufen muss, nur das kann sie nicht.

Die Autorin hat viele Themen aufgegriffen, die der Leser erst einmal sortieren muss.
Carolin Mutter scheint Alkoholproblem gehabt zu haben, das wird allerdings nie ausgesprochen nur durch Andeutungen erfährt der Leser von dem Problem und da sich Carolins Vater rührend um die Tochter kümmerte scheint sie auch nicht sehr darunter zu leiden. Anders als Mandy in deren Wohnung sie unterschlüpft. Mandy Eltern betrieben zu DDR Zeiten eine Kneipe und waren wohl auch ihre besten Gäste, Mandy verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit in einem sogenannten Wochenheim, wie es scheint eine eher lieblose Kindheit. Im Gegensatz dazu wurde ihr Bruder von den Eltern vergöttert, der als musikalisches Talent galt und auf ein Internat gehen sollte.

Ebenfalls im Haus leben Henriette genannt Henry und ihr Mann Gunther. Henry betreibt ein kleines Cafe und ist so etwas wie Carolins beste Freundin, ihr Mann Gunther ist ein übrig gebliebener Guru unsympathisch und angsteinflößend, hat er eine Vorliebe für junge Mädchen, eine Vorliebe von der Henry weiß und noch ein Thema das die Autorin so nebenbei abhandelt.

Das alles hätte so spannend sein können, ich hätte sogar mit der Naivität Carolins leben können, es gibt eben Menschen die immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen und irgendwann schmerzhaft lernen müssen, das das Leben auch Schattenseiten hat. Aber da sind dann auch noch die immer wiederkehrenden Beschreibungen der Menschen am Prenzlauer Berg, die alle einem Satiremagazin entsprungen zu sein scheinen, ohne das die Autorin es schafft, dem Biss dieser Magazine nahe zukommen. Die Wortwahl Lioba Werrelmanns glich leider so manches Mal einem Griff ins Klo, ich weiß nicht was sie mit der Schilderung von Carolins Verdauungsvorgängen in drastischen Worten bezwecken wollte.

Leider ist Hinterhaus von Lioba Werrelmann kein Buch das ich uneingeschränkt  weiterempfehlen kann.

  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: 1. Aufl. 2019 (31. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3404178270
  • ISBN-13: 978-3404178278