Donnerstag, 8. Oktober 2026

Rezension: Henry V. Der perfekte König von Dan Jones (Übersetzt von Karin Schuler)

Buchcover-Der perfekte König

Das Buch beginnt mit dem Kampf des berühmten Arztes John Bradmore um das Leben des 16-jährigen Henry, der auf dem Schlachtfeld schwer verwundet wurde. Ich war direkt in dieser Szene drin. Nicht zuletzt, weil Jones hier schon zeigt, was ich an seinen Büchern so mag. Er erzählt Geschichte nicht einfach nur als eine Abfolge von Ereignissen, sondern schafft es, dass man das Gefühl bekommt, mitten in dieser Zeit zu sein.

Der Aufstieg von König Henry V.


Danach geht es um Henrys Jugend, seine Zeit als Kronprinz und schließlich um seine kurze Regierungszeit. Sein Vater Henry IV. hatte den Thron an sich gerissen, und England war alles andere als ein stabiles Königreich. Intrigen, Aufstände und Machtkämpfe gehörten zum Alltag. Henry wächst in dieser Welt auf und wird schließlich zu dem König, den man heute vor allem mit Agincourt und seinen Feldzügen in Frankreich verbindet.

Was mir dabei besonders gut gefallen hat, ist, dass Jones Henry nicht einfach zum großen Helden macht. Natürlich geht es um seine militärischen Erfolge und um den berühmten Sieg von Agincourt, aber gleichzeitig zeigt Jones auch die andere Seite. Henry war sehr religiös, hatte ein starkes Pflichtgefühl und war gleichzeitig ausgesprochen hart. An manchen Stellen fand ich ihn sogar ziemlich erschreckend. Gerade diese Mischung macht die Figur für mich interessant.

Historische Details und politische Entwicklungen.


Ich mochte auch die kleinen Details, durch die Henry greifbarer wird. Zum Beispiel, dass er teilweise auf Englisch diktierte und schrieb, im Gegensatz zu seinen deutschen Vorfahren. Das klingt erst einmal nach einer Kleinigkeit, aber genau solche Dinge sorgen dafür, dass eine Figur, die seit mehr als 600 Jahren tot ist, plötzlich gar nicht mehr so weit weg wirkt.

Jones nimmt sich außerdem Zeit für die politischen Entwicklungen. Er beschreibt, wie Henry versucht, England nach den unruhigen Jahren unter seinem Vater wieder zu stabilisieren, sich um Verwaltung und Finanzen kümmert und gleichzeitig seine Ansprüche in Frankreich durchsetzen will. Besonders interessant fand ich dabei, dass Jones nicht einfach bei Henrys Erfolgen stehen bleibt. Seine Eroberungen in Frankreich bringen ihm zwar Ruhm und Land, haben aber auch Folgen, die später eine Rolle bei den Rosenkriegen spielen.

Der unverkennbare Schreibstil von Dan Jones


Wer schon Bücher von Dan Jones gelesen hat, wird seinen Stil hier sofort wiedererkennen. Ich mag diese Mischung aus vielen kleinen Geschichten, historischen Zusammenhängen und einer Erzählweise, die sich erstaunlich leicht lesen lässt. Man bekommt viele Informationen, hat aber nie das Gefühl, gerade ein trockenes Geschichtsbuch vor sich zu haben.

Jones schafft es immer wieder, mich für die englische Geschichte zu interessieren. Das ist schon so, seit ich den ersten Band seiner „Essex Dogs“ gelesen habe. Ich glaube, genau das ist auch der Grund, warum ich seine Bücher so gerne lese. Eigentlich müsste mich ein mehrere hundert Jahre alter Machtkampf zwischen englischen Königen und französischen Herrschern nicht unbedingt so fesseln. Bei Jones funktioniert es aber jedes Mal wieder.

Mein Fazit zu „Der perfekte König“


„Der perfekte König“ hat mir deshalb richtig gut gefallen. Besonders mochte ich, dass Henry am Ende nicht einfach als großer und erfolgreicher König zurückbleibt, sondern als eine deutlich kompliziertere Figur, eben als Mensch. Jones erzählt von seinen Erfolgen, aber eben auch von seiner Härte und von den Folgen seiner Entscheidungen. Henry V. starb nach nur 9-jähriger Regierungszeit, nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Krankenbett.

Für mich ist das wieder ein Buch von Dan Jones, bei dem ich nach dem Lesen direkt Lust bekommen habe, mich noch weiter mit dieser Zeit zu beschäftigen. Und genau das kann für mich ein gutes Geschichtsbuch schaffen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 20. August 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406850421
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406850424

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