Es war ein Versprecher, als die Herausgeberin Tanja Kummer in einem Anfall von Verhungerung, wie sie sonst nur Katzen kennen, anstatt Superhelden dem Verleger gegenüber von SUPPENHELDEN sprach. Und man lachte zusammen. Und man scherzte immer weiter. Dann wurde es ernst. Die Idee einer Anthologie fraß sich tief in alle Organe der Herausgeberin. Und der Verleger sagte zu langsam »NEIN«. Damit war es klar, es sollte dieses Buch geben. Suppenhelden allerleckerster Güte, die um Minestropolis kämpfen. Vergesst also alles andere. Das ist nur nachgekochte fade Brühe. 12 heldenhafte Kurzgeschichten von tollen Buchstabenverwurstler*innen auf 272 nicht immer sabberfesten Seiten als Taschenbuch. Die Anthologie des Leseratten Verlages aus dem Jahr 2022. Na dann Mahlzeit!XXX
Nach dem feigen Mord an Don Chilli Fleischklops verdächtigt dessen Sohn Fleischklops Junior den Suppenhelden Captain Gulasch, seinen Vater ermordet zu haben und sinnt auf Rache, ganz nebenbei will er auch noch die Macht in Minestropolis an sich reißen, so weit zum roten Faden, der sich durch alle 12 Geschichten zieht.
Den Beginn macht Tanja Kummers Story "Ein Fleischklops kommt selten allein" in der wir Captain Fleischklops in einer Situation kennenlernen, die wir alle kennen, da muss man schnell aus dem Haus und findet nichts zum Anziehen, das gewünschte Outfit ist entweder in der Wäsche oder so verwaschen, dass man sich damit echt nicht mehr auf die Straße trauen kann, doch wenn das Kochtopfsignal am Himmel erscheint muss das äußere Erscheinungsbild in den Hintergrund treten.
Wer nach dem Lesen des Klappentextes, noch nicht so genau wusste, was ihn erwartet, nach der Auftaktgeschichte müsste es allen klar sein, es sind Geschichten zum Abschalten und einfach mal den Alltag vergessen. Das ist zwischendurch sehr erholsam, die Suppenhelden lassen den Alltag für kurze Zeit in den Hintergrund treten, auch wenn ich zugegebenermaßen die Anthologie nicht an einem Stück lesen konnte, zu viel Suppe, egal wie schmackhaft, übersättigt und der Appetit darauf kommt erst am nächsten Tag wieder zurück.
Zum Großteil sind die Suppen mit Humor gewürzt, aber die eine oder andere hat dann noch eine Zutat, die zum Nachdenken anregt.
Nicole Höllrigls Geschichte, Verflixt und ausgekocht: Kleine Helden, ganz groß, erzählt von Karli, dessen Helikoptermama. Frau Grünschopf kann ihren Sohn nicht loslassen, sie würde ihn am liebsten zur Schule tragen und dass sie seine Referate schreibt, ist ja nun selbstverständlich, weil Karli sich auf anderes konzentrieren soll. Nur Karli gefällt das nicht, er will selbständig sein und als sich ihm die Chance bietet, gar die Suppenhelden in ihrem Kampf zu unterstützen, wirft sich das junge Gemüse in den Kampf.
Diese Geschichte zeigt deutlich, dass Kinder nicht nur Wurzeln, sondern auch Flügel brauchen, ihr dürft gespannt sein, ob das auch Frau Grünschopf lernt.
Mir gefiel diese Story mit am besten.
Eine weitere Lieblingsgeschichte ist
Alte Hasen kocht man nicht von Petra Pribitzer.
Hier vermischt sich Fantasy mit Suppen(r)heldencomics,.
Pernita Pozole ist schon lange im Suppenheldenruhestand, einst von der Unterwelt Minestropolis als Chili Hexe gefürchtet, sieht ihn ihrem Suppenkessel, dass sich in Minestropolis etwas zusammenbraut. Als die Zeichen, dass sich die Stadt in Gefahr befindet, immer deutlicher werden, erkennt sie, dass sie, Ruhestand hin oder her, eingreifen muss. Diese Geschichte ist mit der Erkenntnis gewürzt, dass die Erfahrung, die ein Mensch in seinem Leben sammelt, auch im Alter noch mehr als nützlich ist und: Einmal Suppenheld, immer Suppenheld.
Anthologien haben die Eigenheit, dass dem Leser vielleicht nicht jede Story gefällt, auch ich hatte wie weiter oben schon geschrieben meine Lieblinge, hier gab es aber keine, bei der ich mir dachte, dass ich sie nun nicht gebraucht hätte, das war auch dem roten Faden geschuldet, alle Geschichten erzählen von den Versuchen der Suppenhelden die Stadt vor dem fiesen Fleischklops Junior zu retten und in der letzten Geschichte Die ganze Wahrheit von Laurence Horn erfahren wir, wie der Titel schon sagt, die ganze Wahrheit über den Mord an Don Chili Fleischklops.
Ein großes Lob gebührt der Herausgeberin Tanja Kummer und dem Herausgeber Laurence Horn, aus vielen unterschiedlichen Geschichten die herauszufiltern, die am Ende ein stimmiges Gesamtwerk ergeben, stelle ich persönlich mir sehr schwierig vor.
Jetzt komme ich noch kurz zur Aufmachung des Buchs, das Cover wurde von Chris Schlicht gestaltet und passt gut zu den anderen Büchern des Verlags. Jeder Geschichte ist eine kurze Biografie der einzelnen Autorinnen und Autoren vorangestellt, sowohl als Text und im Rahmen ihrer Suppenheldentätigkeit als Sammelkarte.
Ab und an, ganz selten wird man als Leser noch von einem Witz überfallen, die sind so unwitzig, dass es mir beim Lesen die Zehennägel aufrollte, ich liebe diese Art von Witzen, das ist kein Widerspruch in sich, das zeigt nur, dass auch mein Humor manchmal etwas gewöhnungsbedürftig ist.
Passend zum Buch gibt es auch noch ein Kochbuch mit Suppenrezepten der besonderen Art, dieses Kochbuch ist nur über den Verlag direkt zu beziehen und nur so lange der Vorrat reicht.
Die Suppenköche:
- Herausgeber : Leseratten Verlag; 1. Edition (12. September 2022)
- Sprache : Deutsch
- Broschiert : 272 Seiten
- ISBN-10 : 3945230640
- ISBN-13 : 978-3945230640

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