Mittwoch, 29. November 2023

Reykjavik von:von Ragnar Jónasson (Autor), Katrín Jakobsdóttir (Autor), Andreas Jäger (Übersetzer)


Die Handlung von »Reykjavík« von Ragnar Jónasson und Katrín Jakobsdóttir entführt die Leser auf eine Reise in die Vergangenheit, genauer gesagt in das Jahr 1956. Das mysteriöse Verschwinden von Lára, einer fünfzehnjährigen Haushaltshilfe auf einer abgelegenen Insel südlich von Reykjavík, bildet den Ausgangspunkt für ein rätselhaftes Geschehen, das die Menschen auf Island auch nach 30 Jahren nicht loslässt. 

Ragnar Jónasson und Katrín Jakobsdóttir haben mit ihrem ruhigen Schreibstil eine Atmosphäre geschaffen, die die nordische Umgebung eindringlich einfängt. Diese kühle, einnehmende Erzählweise könnte jedoch für manch Lesenden gelegentlich als zu gemächlich erscheinen, da die Autoren sich ab und zu in etwas zu ausführlichen Beschreibungen verlieren und dies in einigen Passagen die Spannung etwas abflachen lässt.

Besonders gelungen empfand ich allerdings  die gut ausgearbeiteten Protagonisten, allen voran den damals ermittelnde Polizist Kristian und den ehrgeizigen Journalist Valur. Die gute Darstellung von Valurs Beziehung zu seiner Schwester Sunna trrug zusätzlich zur emotionalen Tiefe der Geschichte bei. Dennoch blieb ich lange nur spärlich darüber informiert, was sich vor 30 Jahren tatsächlich ereignet hatte.

Das Gemeinschaftswerk des Autorenduos präsentiert sich insgesamt als solider Krimi. Die Auflösung des Rätsels um Lára ist schlüssig und gut nachvollziehbar. Die Autoren beweisen ein Gespür für die Feinheiten eines nordischen Krimis und hielten mein Interesse trotz manchmal etwas langatmiger Szenen bis zur letzten Seite aufrecht. Ich wollte unbedingt erfahren, was mit dem jungen Mädchen geschehen war.
 Mit »Reykjavík« bieten sie nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch einen Einblick in die raue und geheimnisvolle Landschaft Islands. Fans von nordischen Krimis und ungelösten Rätseln werden von diesem Buch sicherlich begeistert sein.



  • Herausgeber ‏ : ‎ btb Verlag (1. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442762596
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442762590
  • Originaltitel ‏ : ‎ REYKJAVÍK

Dienstag, 28. November 2023

8 Fragen 8 Antworten: Carolin Gmyrek zu Besuch im Buecherhaus


Liebe Carolin herzlich willkommen im Bücherhaus, mach es dir gemütlich, wärst du wirklich hier würde ich dir erst einmal Kaffee, Tee und Kekse anbieten, so musst du dir die einfach vorstellen.

Ich freue mich sehr, dass du dich bereit erklärt hast mir ein paar Fragen zu beantworten. Magst du dich zunächst einmal in 5 Worten beschreiben?


Ich freue mich, hier sein zu dürfen, aber wer kann schon Kaffee und Keksen widerstehen? Wenn ich eins in den Jahren als Autorin gelernt habe, dann, dass sich die meisten mit der Selbstvorstellung schwertun. Ich bin da nicht anders. Lass mich kurz überlegen, während ich den Kaffee genieße.



5 Worte… ok… zuerst möchte ich erklären, dass ich gerade eine 5-minütige Diskussion mit meinem Mann hatte, ob ich mich nun in 5 einzelnen Worten beschreibe oder in einem Satz mit 5 Worten. Wir kamen überein, dass es wirklich die Worte werden:

Chaos, Verträumt, Zombie, Phantastik und geduldig Ungeduldig (sorry, das waren dann doch 6)



Ich habe mich über deine Arbeit natürlich schon etwas schlau gemacht und weiß, dass du nicht nur als Autorin, sondern auch als Lektorin und Herausgeberin arbeitest. 

Manuela: Die Lektorensache macht mir jetzt etwas Angst. Nachher bekomme ich das Interview mit lauter roter Farbe verzierten Fragen zurück, weil sie ungeschickt formuliert sind.

Carolin: Ach was, die Korrekturen mache ich einfach still und heimlich. Und ich nehme extra ein Grün für die Antworten der Fragen. Dann sieht es freundlich aus.

1. Welche dieser Tätigkeiten war denn zuerst da?

Zuerst war ich Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, was wiederum aus meiner Liebe zum Buch resultierte. Geschrieben habe ich, seit ich einen Stift halten, Geschichten erfand ich, seit ich denke kann. Damit könnte man behaupten, dass die Autorin als erstes da war. Aber wenn genau sein möchte, war ich als erstes eine Herausgeberin.

Die Geschichte ist alt und oft erzählt und doch eine meiner liebsten. Ich habe Torsten Low und seinen Verlag während meiner Ausbildung bei einer Lesung zur Buchmesse in der „la petit Absintherie“ kennengelernt. Ich hörte mir sein Programm an und war begeistert. Da ich für mein Ausbildungsprojekt über eine Anthologie nachdachte, entschied ich mich, zum WGT meine Chance zu nutzen und Torsten Low meine Idee nach der Lesung mitzuteilen.

Nun, ich war ein wenig schüchtern, traute mich nicht zurecht und trank mir mit Absinth ordentlich Mut an, weshalb mein Pitch etwas lallend ausfiel.

„Herr… Herr… Low…“

„Herr Low hieß mein Vater, ich bin Torsten.“

So fing es an.

Als Herausgeberin der „phantastischen Bibliotheken“ und als Autorin einer dieser Geschichten, also kam beides irgendwie gleichzeitig.

Neben dem Studium begann ich dann mit dem Lektorieren und es wurde zu meiner neuen Leidenschaft. Ich freue mich, ein Teil von etwas Großem zu werden, zu helfen und die Freude der AutorInnen mitzuerleben. Deshalb gründete ich 2022 das Lektorat „Wechselseitig“ und machte mich 2023 hauptberuflich selbstständig.

Und damit komme ich auch gleich zur nächsten Frage.
(schenkt Kaffee nach)


2. Wie geht es dir als Autorin damit, wenn du auf ein Manuskript wartest? Ich habe am Rande mitbekommen, dass du und Lily Rautenberger gegenseitig eure Storys für Mängelexemplare 5 lektoriert hast, wie viel Strenge traut man sich da?



Ich kenne die beiden Seiten eben aus beiden Perspektiven, als Autorin und als Lektorin.

Als Autorin ist das Lektorat immer ein Zittern. Ich glaube, die Selbstzweifel kennen alle KünstlerInnen; die Angst, irgendwo versagt zu haben oder im Text nicht verstanden zu werden.

Diese Angst treibt auch mich um. Wenn ich auf ein Manuskript warte, ist das tatsächlich weniger ein Problem. Ich warte halt. Gerade in der Kleinverlagsbranche können die Zeiten sehr lang werden, weshalb ich nach der Abgabe und danach das Manuskript auch im Kopf zur Seite lege. Anders sieht es aus, wenn es zurückkommt.

Ich gestehe, ich bin keine einfache Autorin und kann schwierig werden. Vermutlich sind all diese kleinen Dinge, eben die, die mich zu einer guten Lektorin machen. Ich weiß, wo meine Probleme und Sorgen als Autorin liegen, was mich stört und versuche es besser zu machen.

Andere LektorInnen zu lektorieren, ist tatsächlich weniger ein Problem für mich. Einen Unterschied macht es nur, wenn ich mit eben diesen befreundet bin, was bei Lily der Fall ist. Dann bin ich ein wenig nervös, überlege in den ersten Sätzen jeden Kommentar zweimal, bis der Text die Überhand gewinnt, ich die VerfasserInnen ausblende und meine Arbeit mache. Ich kann es nicht mit 100%er Wahrscheinlichkeit sagen, aber ich behaupte, dass ich auch bei FreundInnen und anderen LektorInnen ebenso streng bin, wie bei meinen anderen AutorInnen. Alles andere würde ihnen nicht helfen.

3. Als Herausgeberin musst du viele Storys lesen, wie siehst du die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Zukunft der Buchbranche, insbesondere in Bezug auf die Herausgabe, Lektorat oder sogar das Schreiben von Büchern?


Ach, das KI-Thema. Ich habe die Frage mal Chat-GPT gestellt:

Künstliche Intelligenz (KI) hat definitiv das Potenzial, die Buchbranche zu revolutionieren, insbesondere in Bezug auf Herausgabe, Lektorat und sogar das Schreiben von Büchern.

Können KIs eine Meinung haben? Ist das eine? Wenn ja, dann möchte ich gerne widersprechen. Ja, KI kann unterstützend wirken. Seit ich im VFLL bin, erhalte ich ab und an Werbungen von Entwicklern von KI-gesteuerten Rechtschreibprogrammen. Vielleicht können an dieser Stelle KIs helfen. Aber – wie eigentlich öfter genannt – Übersetzungen oder Lektoraten sehe ich keinerlei Potential. Diese Tätigkeiten brauchen – jedenfalls meiner Meinung nach – etwas menschliches, eine ehrliche Kreativität, eine Emotion, die KIs bisher noch nicht haben können. Da geht es um winzige Nuancen, um Atmosphäre zu erschaffen, Spannungen zu erzeugen und die Charaktere in Bezug zu stellen. Ich probierte es einmal aus, versuchte einen Text lektorieren zu lassen. Stil und Grammatik wurde gut erkannt, doch die Motivation der Hauptfigur war für die KI irrelevant. Ich glaube, dass Lektorat Wechselseitig noch sehr lange ohne eine KI auskommen wird und hoffe ebenso, nicht so schnell ersetzt werden zu können.Für AutorInnen kann die KI ein Ideengeber sein, ein Gesprächspartner oder Inspirator. Sie kann bei der Recherche unterstützen oder Formulierungen vorschlagen. Ich möchte jedoch nicht darüber nachdenken, dass die KI ganze Texte schreibt und diese eins zu eins übernommen werden.

Und als HerausgeberIn ist die KI ein Fluch, statt ein Segen. Ich habe erst kürzlich davon gehört, dass AutorInnen dazu übergegangen sind, KI-Geschichten eins zu eins bei Ausschreibungen einzureichen. Für mich – gestehe ich – ein Horrorszenario. Das bedeutet also, dass diese Art von Geschichte – die über einfaches Ideengeben hinaus gehen – von HerausgeberInnen und Verlagen mitbedacht, kontrolliert und somit auf der langen Liste der To-dos und Zeitfresser mitgerechnet werden müssen.

4. Deine letzte Story »Die Standuhr« in der Anthologie »Hinter den Fenstern Mängelexemplare 5« aus dem Amrûn-Verlag, hat mich persönlich an Geschichten von Edgar Allan Poe erinnert. Von welchen Autoren und Autorinnen lässt du dich inspirieren? 

Ich fühle mich tatsächlich sehr geehrt, dass meine Geschichte an Poe erinnert. Lovecraft und Edgar Allan Poe haben mich bei den Anfängen lange begleitet, mehr Poe als Lovecraft. Dazu gesellten sich Kafka, Hans Christian Andersen und Hoffmann, später Kreutzwald.

Hmm… das waren doch überraschend viele. Ich wollte doch eigentlich schreiben, dass ich das nicht so genau sagen kann.

Werden wir etwas moderner: Boris Koch steht da ganz oben auf meiner Liste, gefolgt von Ju Honisch, Janika Rehak, Faye Hell, Vincent Voss und Simona Turini.

Es gibt eine Bandbreite an AutorInnen, die auf irgendeine Weise mein Schreiben inspirieren und mit ihren Werken einen bestehenden Eindruck hinterlassen. Ich möchte aber Todorov noch hervorheben, der mich mit seiner Phantastiktheorie abgeholt hat und für mich einen Grundstein der Phantastik legte, nach der ich versuche zu arbeiten.

5. Wenn du als Herausgeberin arbeitest, nach welchen Kriterien suchst du die Geschichten aus?



Das ist eine schwierige Frage. Mein Ziel ist es, mit der Anthologie ein weites Spektrum abzudecken, sodass jeder Lesende Freude am entstandenen Buch hat – selbst, wenn er nur eine Geschichte mag. Natürlich müssen auch mir die Geschichten gefallen.


Dabei kommt es mir nicht auf Namen an. Die Texte sollten eher etwas Besonderes haben, eine tolle Idee, einen interessanten Schreibstil, individuelle Charaktere oder Emotionen, eine packende Atmosphäre und spannende Themen. Es reicht nicht, wenn es nur schöne oder schockierende Bilder sind oder eine polarisierende Wendung.

6. Hast du als Autorin bestimmte Rituale oder Gewohnheiten während des Schreibens, die dir helfen, in den kreativen Fluss zu kommen?


Nein. Tatsächlich nicht. Neuerdings mache ich mir immer eine Kerze an, wenn ich arbeite. Das bezieht sich aber nicht nur auf das Schreiben, sondern auch auf das Lektorieren. Ich glaube, ich hätte gerne ein Ritual oder eine Atmosphäre, die ich mir schaffen könnte.
Ich schreibe gerne im Garten meiner Eltern. Dann sitze ich mit einem leckeren Getränk im Pavillon, genieße die Sommerluft und das Plätschern im Teich. Ich brauche eine Tasse Tee oder Kaffee, zählt das?

Ich finde schon 





7. »Wie unterstützt du als Lektorin Autoren dabei, ihre kreativen Visionen zu bewahren, während du gleichzeitig den Text verbesserst und straffst?«


Gerade als Lektorin, die auch selbst schreibt, ist es wichtig, dass man beim Stil der KundInnen bleibt. Es sind zwei paar Schuhe, es ist nicht mein Text und so soll es auch bleiben. Meine Aufgabe ist es nicht, dass der Text mit gefallen soll oder sich meinem Schreiben anpasst, sondern das Beste aus ihm herauszuholen. Es soll ein Erlebnis für die AutorInnen, aber auch für die Lesenden werden, Spaß bringen. Es ist ein kreativer Schaffensprozess, etwas Unglaubliches, was wir schaffen.

Wie du schon sagst: Meine Aufgabe ist eine unterstützende. Ich gebe Vor- und Ratschläge, merke Problemstellen an und Helfe, wo ich kann, ob bei der Ideenfindung, wie auch bei der Formulierung.

Das geht zum einen an der Arbeit direkt am Text, als auch in Gesprächen und Chats.
Oft gebe ich noch Links oder Literaturtipps zum Nachlesen, wenn es am Handwerk etwas hapert.

Wenn ich einen Text fertig habe, erhalten die AutorInnen über zwei Wege Feedback: Zum einen durch die Kommentare und Änderungen im Text, zum anderen durch eine ausführliche Zusammenfassung.
Während der Bearbeitungsphase stehe ich jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Dennoch, auch Lektorate sind sehr individuell.Und zu guter Letzt eine Frage an alle drei von euch ;o)


8.Und zu guter Letzt eine Frage an alle drei von euch ;o) Wie hat sich die Verlagsbranche deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert, und wie beeinflusst dies die Vielfalt der Buchbranche?



Über dieses Thema kann man Bücher füllen und wurden auch schon. Es gibt so viel, was diesbezüglich angesprochen werden müsste und jeder sieht es ein Stück weit anders. Die Kreativbranche – nicht nur allein die Buchbranche – ist etwas sehr Individuelles, jeder geht es ein Stück anders an. Ich glaube, es würde den Rahmen sprengen, wenn ich ausholen würde, wenn ich über all die Punkte sprechen würde, die mir auf dem Herzen liegen. (Manuela: Da werde ich Carolin einfach noch mal ausfragen müssen, das interessiert mich doch sehr)

Ich liebe die Phantstikszene, ich liebe die Kleinverlage, die sich so viel trauen, so viel Hoffnung und Mut zeigen. Und es tut mir weh, wenn der nächste aufgeben muss oder die Zeit runterschraubt, weil er sich einen Brotjob suchen muss, der seine mentalen Löffel auffrisst.
Ich möchte eigentlich nur eins: Das wir kreativen Menschen – egal welcher Kunst wir nachgehen, egal ob Selfpublishing oder Verlag – uns selbst und gegenseitig lernen wertzuschätzen. Kunst darf kosten! Und nur, wenn wir das selbst verstehen, können es auch andere.


Ich danke dir sehr für deinen Besuch und freue mich schon sehr, bald wieder etwas von dir lesen zu dürfen, kannst du dazu vielleicht schon etwas verraten? (Da habe ich doch geschickt noch eine Frage eingeschmuggelt)

Hehe… ist das Platz für Werbung? (Manuela:Wenn nicht hier wo dann?) Wunderbar. Ich habe frisch die Herausgeberschaft der Zombie Zone Germany übernommen. Zusammen mit der frischen Selbstständigkeit mit dem Lektorat „Wechselseitig“ nimmt das sehr viel Zeit in Anspruch und lässt mir kaum noch Platz für eigene Texte. Aber das heißt nicht, dass ich nicht kreativ bin. Wenn man neue Texte von mir lesen möchte, wird dies höchstwahrscheinliche im Zuge der ZZG oder des entsprechenden ZZG-Rollenspiels passieren. Also Zombies, Zombies und Zombies.

Die Zombie Zone Germany ist ein Herzensprojekt. Wir arbeiten am Rollenspiel schon viel zu lange, es drängt auf den Markt wie eine hungrige Horde. Zusammen mit Oliver Bayer, Christian Günther, Janika Rehak und den Amrûn Verlag schlurfen große Dinge auf euch zu.

Weitere Projekte sind in Planung, surrealistisch, phantastisch und Horror, doch noch unkonkret und zeitlich uneinordbar, dass ich noch keine großen Geheimnisse verraten mag. Ich bleib kreativ!

Ich persönlich liebe die ZZG Reihe aus dem Amrûn-Verlag und freue mich schon jetzt sehr darauf.
Ich habe euch eine kleine Übersicht der Arbeiten von Carolin Gmyrek zusammengestellt, und wenn ihr euch selbst ein Bild von ihrer Arbeit als Lektorin machen möchtet, ist hier der Link zu ihrer 


Bücher von und mit Carolin Gmyrek
 
Geheimnisvolle Bibliotheken ( Verlag Low, Torsten)

Ungeziefer (Verlag Low, Torsten)

Kaputter Nebel ( Amrûn Verlag)

Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern ( Amrûn Verlag)

Zombie Zone Germany: Die Anthologie ( Amrûn Verlag)

Zombie Zone Germany: Zirkus ( Amrûn Verlag)

Die Götter des Imperiums (Verlag Low, Torsten)




Montag, 27. November 2023

Gesichter der Furcht: Horrorkurzgeschichten von Christoph Schmuck (CreepyPastaPunch)

 


In seinem Erstlingswerk »Gesichter der Furcht« präsentiert Christoph Schmuck, bekannt unter dem Pseudonym CreepyPastaPunch, eine Sammlung von 15 bislang unveröffentlichten Kurzgeschichten, die das Genre des Horrors aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Mir persönlich war der Autor bisher vollkommen unbekannt, aber gerade das weckte meine Neugier, ich freue mich immer neue Autoren kennenzulernen.

Die Geschichten in dieser Anthologie bieten einen vielfältigen Blick auf den Horror, der uns überall begegnen kann – sei es im Schlaf, auf dem Heimweg oder im Beruf. Von Gruselliteratur bis hin zu True Crime umspannt die Palette des Buches verschiedene Genres, wobei schwarze und weiße Illustrationen im Horror-Manga-Stil von Dominik Jell die Texte ansprechend ergänzen.

Auffällig ist dabei der konsequente Erzählstil des Autors, der die Geschichten durchgängig in der Ich-Form präsentiert. Obwohl mich dieser persönliche Blickwinkel nicht immer restlos überzeugen konnte, nicht alle Geschichten funktionierten am Ende so für mich, ist das Buch dennoch gut lesbar und vermittelt den subtilen Grusel, den man von Urban Legends erwartet. Einige der Grundideen schienen mir zwar bereits bekannt, doch das mindert keineswegs den Genuss der Anthologie, denn die Geschichten werden nicht einfach recycelt, sondern auf innovative Weise neu interpretiert.

Mit dem Slogan »Nichts für schwache Nerven: 15 Horrorgeschichten für Hartgesottene« wird das Buch beworben. Diese Aussage trifft sicherlich auf Leserinnen und Leser zu, die bisher wenig oder gar keine Erfahrung mit Horrorliteratur haben. Für diese Zielgruppe entfaltet die Sammlung ihre volle Wirkung. Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten, und ich schätze die Vielseitigkeit der Geschichten, die ein breites Spektrum des Horror-Genres abdecken. 

Ich bin gespannt auf weitere Geschichten des Autors. 



  • Herausgeber ‏ : ‎ CE Community Editions; 2. Aufl. 2023 Edition (25. September 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 240 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3960963246
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3960963240
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 16 Jahren

Der Jahrestag von Stephanie Bishop ( Übersetzt von Kathrin Razum )



Selten hat mich eine Protagonistin so zwiespältig zurückgelassen, wie J.B.. Als Studentin lernt sie ihren späteren Mann Patrick kennen, der Regisseur gibt Kurse an ihrer Universität.  Auf der einen Seite beschreibt sie sich als vollkommen unsicher, sie wird rot, wenn sie spricht und wenn sie während der Vorlesungen etwas zu sagen hat, spricht sie viel zu leise. Auf der anderen Seite stolziert sie bei ihrem ersten Besuch durch Patricks Wohnung als wäre sie dort zu Hause, um sich im nächsten Moment wieder von dem viel älteren Mann bevormunden zu lassen.
Irgendwann verlieren sich beide in ihrer Arbeit, Patrick sieht seinen künstlerischen Stern sinken, während sich J.B. zu einer recht erfolgreichen Schriftstellerin entwickelt, deren neuster Roman schon vor der Veröffentlichung einen renommierten Preis bekommt.

 Um den Kopf freizubekommen, überredet J.B. ihren Mann zu einer Kreuzfahrt anlässlich ihres Hochzeitstages,  einfach mal ausspannen, keine Arbeit, keine Verpflichtungen nur J.B. und Patrick. 
Doch diese Reise endet tragisch, Patrick geht bei einem Sturm über Bord. Nach Patricks Tod sieht sich J.B. gezwungen über ihre Ehe nachzudenken und wir erfahren das nicht alles so war wie es auf den ersten Blick schien und das andere diese Ehe ganz anders wahrgenommen haben. 

Besonders beeindruckend ist das elegante Zusammenspiel von Spannung und emotionaler Tiefe in Bishops Schreibstil. Sie lässt den Leser mitfühlen, mitleiden und mitfiebern, während die Geschichte sich entfaltet und sich den Leserinnen und Leser immer neue Erkenntnisse offenbaren. Die Geschichte entwickelt eine fesselnde Sogwirkung, die mich bis zur Auflösung nicht mehr losließ. Ich musste, einfach immer weiterlesen.
 »Der Jahrestag« ist nicht nur eine spannende Geschichte, sondern wirft auch wichtige gesellschaftliche Fragen auf. Bishop thematisiert subtil die männlichen Machtstrukturen in unserer Gesellschaft und zeigt auf, wie sie jeden Lebensbereich durchdringt. Die Protagonistin muss sich nicht nur mit dem Verlust ihres Mannes auseinandersetzen, sondern auch mit der Wahrheit über die Geschehnisse von Patricks letzter Nacht.

 Es fällt mir schwer, nicht zu spoilern, nur soviel, als ich den Klappentext las, hatte ich etwas ganz anderes erwartet, mehr in die Richtung eines Liebesromans, wenn auch einem, Liebesroman der sich von der Masse dieses Genre anhebt. Was ich bekam, war das Drama einer Ehe, das erst nach und nach zutage kommt, in den Erzählungen J.B. und in dem wie andere diese Beziehung sahen, und das war sicherlich keine reine Liebesgeschichte.  Mich hat die Entwicklung tatsächlich überrascht.

Über die Autorin:
Stephanie Bishop ist eine australische Autorin und Literaturwissenschaftlerin, die in ihrem Heimatland mehrfach für literarische Preise nominiert war. Bishop unterrichtet kreatives Schreiben an der renommierten University of East Anglia und lebt in UK.


  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (16. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 464 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423283467
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423283465

Sonntag, 26. November 2023

Tatort Weihnachten: Weihnachtskrimis mit Rezepten



Die Adventszeit ist bekannt für ihre festliche Stimmung und den Genuss von köstlichen Speisen. Aber was ist, wenn man noch etwas Aufregung und Spannung in sein Weihnachtsfest bringen möchte?

Die 12 Autorinnen und Autoren haben sich zusammengefunden, um ihre Leser auf eine spannungsgeladene Reise zu den schönsten Tatorten Europas mitzunehmen. Jeder Autor steuert zudem ein weihnachtliches Rezept zu seinem Krimi bei, was dem Buch eine besondere Note verleiht.

Gisa Pauly: Heilige Familie. Tatort: Sylt.

Die Protagonistin verbringt ein stressfreies Weihnachtsfest mit ihrem Mann auf Sylt, bis sie auf einer Auktion ein Bild entdeckt, das sie vor Jahren geerbt hatte. Sie versucht alles, um das wertvolle Gemälde zurückzubekommen, was zu einer fesselnden Geschichte voller unerwarteter Wendungen führt.

Fynn Jacob: Pakjesavond. Tatort: Amsterdam

Eine kleine Unachtsamkeit zerstört die Familie eines Mannes. Die Verursacherin streitet jede Schuld ab und der Mann steht als Schuldiger da. Doch er gibt nicht auf und fasst einen perfiden Plan.

Susanne Mischke: Blackout Christmas. Tatort: Hannover.

Leonie will ihrem Mann ein unvergessliches Weihnachtsfest bescheren, eines, das alle vorigen Weihnachten, die Oliver mit seiner EX-Frau Franziska verbrachte, in den Schatten stellt. Ein Stromausfall durchkreuzt ihre Pläne.

Horst Eckert: Schnee in Übersee. Tatort: Chiemgau.


Zwei Brüder versuchen auf unterschiedliche Art und Weise das Familienunternehmen zu retten, nicht ahnend, dass ihre Mutter längst andere Pläne hat.

Beate Maxian: Leise rieselt der Tod. Tatort: Salzburg

Was gibt es Schöneres als einen Weihnachtsmarkt mit traditionellen Geschenkartikeln, die mit viel Liebe selbstgemacht sind, es duftet nach selbstgebackenen Keksen, Zimt und Glühwein. Die neue Gemeinderätin Bärbel Kohlmann, will das ändern und sie beginnt mit dem Stand von Traude, die nach 20 Jahren auf dem Markt eigentlich mit einer Ehrung rechnet.

Jan Beck: Die Schönbacher Weihnachtswuchteln. Tatort: Tirol.

Weil es selten ratsam ist, den Wunsch seiner Ehefrau auszuschlagen, verbringt der Erzähler seit 40 Jahren seine Weihnachtsferien in Tirol, erst mit seiner Familie und nun allein, er hat die Tradition zu schätzen gelernt. Weitab vom hektischen Wien das Fest im beschaulichen Schönbach zu verbringen. Doch dieses Jahr ist es vorbei mit der Ruhe und Schuld daran sind die Weihnachtswuchteln, kleines Gebäck in dem Sinnsprüche stecken.

Petra Ivanov: Die Fäden ziehen. Tatort: Zürich

Durch eine missverstandene SMS landet Peter in einer psychiatrischen Klinik. Während der Therapiestunden lernt er loszulassen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, unliebsame Vorgesetzte und den Liebhaber seiner Frau loszuwerden. Ich gebe es zu, ich habe sehr schmunzeln müssen. Dies ist definitiv meine Lieblingsgeschichte.

Sabine Thiesler: Griechischer Wein. Tatort: Peleponnes.

An ihrem Urlaubsort in Griechenland erfährt Evi, dass ihr Mann Berthold sie verlassen will, die Mail- Korrespondenz, die sie auf seinem Laptop findet, ist mehr als eindeutig. Er freut sich schon darauf, gemeinsam mit seiner Freundin ein neues, sorgenfreies Leben zu beginnen. Dafür muss er nur das Haus verkaufen, doch das hat er nur auf Evis Namen eintragen lassen. Kann diese Story noch überraschend enden? Ja, auf jeden Fall.


Carine Bernard: Département Mord – Ohne die Pute wärst Du tot! Tatort: Hauts-de-France.

Die beiden kleinen Mädchen Maya und Joline hatten es nur gut gemeint, als sie die Pute, die das Weihnachtsessen sein sollte, stahlen und dem alten Mann auf dem Campingplatz brachten. Damit er an Weihnachten keinen Hunger leiden muss, dass sie ihm damit das Leben retteten, ahnten die Mädchen nicht. Doch wer trachtete Antoine Fortas nach dem Leben? Ein Fall für den Arzt Theo Prince.

Lilly Alonso: Der Weise und das Kindlein. Tatort: Mallorca
 

Bei der traditionellen Ankunft der heiligen drei Könige, waren es plötzlich nur noch zwei, der dritte verstirbt überraschend und nur eine von sechs Personen kann der Täter sein.

Marcel Häußler: Wiedersehen im Alentejo. Tatort: Alentejo, Portugal

Aus dem friedlichen Zusammensein mit seiner Familie wird es in diesem Jahr nicht für Diogo, sein ehemaliger bester Freund Fernando erbittet seine Hilfe in einem Mordfall, doch irgendetwas an Fernando kommt Diogo seltsam vor.

Luis Sellano: Portugiesische Weihnachten. Tatort: Lissabon.


Tatsächlich kenne ich den Protagonisten Henrik Falkner schon aus den Portugal Krimis des Autors und so war ich besonders gespannt auf diesen Kurzkrimi und ich wurde nicht enttäuscht. Ein Kunde verkauft Henrik ein altes Buch, das das Interesse Professors Baiaos weckt, der es ihm tatsächlich abkauft. Kurz darauf taucht ein weiterer Mann auf, der Zwillingsbruder des Verkäufers und verlangt das Buch zurück. Henrik muss das Buch noch vor Weihnachten wieder bekommen. Dieser Kurzkrimi hat einen mysteriösen Touch, der mir sehr gut gefallen hat.





Die Kombination aus spannenden Krimigeschichten und weihnachtlichen Rezepten macht dieses Buch zu einem idealen Geschenk für alle Krimi- und Weihnachtsliebhaber. Es bringt nicht nur Nervenkitzel, sondern auch kulinarische Freuden in die Adventszeit. Natürlich kann in einer Anthologie selten jede einzelne Story überzeugen, aber im Großen und Ganzen konnte sie mich überzeugen und vielleicht probiere ich auch das eine oder andere Rezept aus. 



Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Originalausgabe Edition (13. September 2023)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Taschenbuch ‏ : ‎ 352 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3453441974
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453441972



Samstag, 25. November 2023

Miez Marple und die Pfote des Todes von Fabian Navarro

 


Mein letzter Tierkrimi ist schon eine Weile her, da wird, es ja mal wieder Zeit dachte ich mir, als ich »Miez Marple und die Pfote des Todes« entdeckte. Ich hoffte auf leichte und dennoch spannende Lektüre mit einer guten Prise Humor und ich wurde nicht enttäuscht.

»Miez Marple und die Pfote des Todes« von Fabian Navarro ist ein spannender Tierkrimi, den ich innerhalb kürzester Zeit gelesen habe.  Als Tierhalterin war ich sofort begeistert von der Idee, dass die Hauptcharaktere des Buches Tiere sind. Die Katzendetektivin Miez Marple, ihr Gefährte Kater Watson und die Taube Betti bilden ein ungewöhnliches, aber sympathisches Ermittlerteam. 

Watson trägt den Fall eines verschwundenen Katzenkindes an Miez Marple heran, doch sie nimmt den Fall nicht an, Katzenkinder verschwinden nun mal aus dem einen oder anderen Grund, meist kommen sie allerdings wohlbehalten wieder heim. Brösels Eltern allerdings vermuten, dass Miez Marple nicht nach ihrem Baby suchen will, weil es aus der Streunerkolonie stammt. 

Obwohl es sich um den zweiten Teil einer Reihe handelt, konnte ich das Buch problemlos lesen, ohne den ersten Band zu kennen. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und die Charaktere werden ausreichend eingeführt.

Besonders gut gefallen hat mir die Vielfalt der Tiercharaktere. Katzen, Hunde, Vögel und Reptilien bilden eine interessante Gesellschaft, in der unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinandertreffen. Dadurch wird die Geschichte sehr abwechslungsreich und unterhaltsam. Die Konflikte, mit denen sich die Tiere auseinandersetzen müssen, sind auf eine angenehme Art und Weise menschlich. Es geht um Themen wie Arm und Reich, Macht und Manipulation. Dadurch wird die Geschichte nicht nur für Tierliebhaber interessant, sondern spricht auch gesellschaftliche Probleme an.

Der Schreibstil von Fabian Navarro ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Spannung wird konstant aufrechterhalten und durch den von mir erhofften Humor immer wieder aufgelockert, doch manchmal wirkt gerade der von mir erhoffte Humor etwas zu gewollt. 

Es gibt immer wieder überraschende Wendungen, die mich schon ziemlich früh an eine bestimmte Auflösung des Falls um das verschwundene Katzenbaby Brösel denken ließen. Hier war ich ziemlich froh über mein Talent immer den falschen Fährten, die von den Autoren gelegt werden, auf den Leim zu gehen. 

Alles in allem kann ich »Miez Marple und die Pfote des Todes« allen Tierfreunden und Krimifans empfehlen. Der Roman bietet spannende Unterhaltung und interessante Charaktere.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (15. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 344220660X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206605
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.3 x 2.3 x 20.3 cm

Mittwoch, 22. November 2023

Ellen Meissner - Es kam der Traum

 


Klappentext:Nun hat Ellen Meissner ihren zweiten Lyrikband vorgelegt. Im großen Bogen der Gefühle geht es auch diesmal um Liebe, Kunst und Vielseitigkeit, wie es bei einer einstigen, ausdrucksstarken Tanz-Persönlichkeit naheliegend ist. In diesem Band dringt sie mehr und mehr in weit schweifende Themen ein und lässt den Leser teilhaben an der Gedankenwelt zwischen Bühne, Dramatik und Alltag.




Ellen Meissner präsentiert mit "Es kam der Traum" einen weiteren beeindruckenden Lyrikband, der sich erneut in einem breiten Spektrum von Gefühlen bewegt, die von Liebe über Kunst bis hin zur Vielseitigkeit reichen. Als ehemalige Tanz-Persönlichkeit liegt es nahe, dass Meissner ihre Ausdrucksstärke auch in der Welt der Worte weiterentwickelt und den Leser in einen großen Bogen der Emotionen entführt.



In diesem zweiten Band taucht die Autorin tiefer in vielschichtige Themen ein und ermöglicht dem Leser, an ihrer faszinierenden Gedankenwelt teilzuhaben, die sich zwischen Bühne, Dramatik und dem Alltag erstreckt. 

Besonders eindrucksvoll ist die Auswahl an Themen, die in Meissners Gedichten behandelt werden – von Liebe und Leben über Natur, Religion bis hin zum Weltgeschehen und Kultur. Manche lassen mich nachdenklich zurück, wie z. B. das folgende: 

"Ich möchte nichts mehr halten, 
nichts mehr fassen, 
nichts mehr lieben oder lassen. 
Möchte wissend in mir ruhen und möglichst überhaupt nichts tun." 

Ich lese selten Gedichte. In den kleinen Bändchen Meissners blättere ich aber immer wieder gern.



  • Herausgeber ‏ : ‎ VERRAI-VERLAG; 1. Edition (8. September 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 124 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948342938
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948342937

Montag, 20. November 2023

Monster von Nele Neuhaus (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 11)


»Monster« ist schon der elfte Teil der Krimireihe um Pia Sander und Oliver Bodenstein von Nele Neuhaus. Allerdings kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen, da die Fälle in sich abgeschlossen sind. 

Die Autorin entfesselt in diesem Roman den Albtraum aller Eltern: das plötzliche Verschwinden des eigenen Kindes. Larissa, alias Lissy, sollte eigentlich bei ihrer besten Freundin Sara übernachten, doch ein Streit zwischen den Mädchen treibt sie allein auf den Heimweg. Doch nach Hause kommt sie nie an, und am nächsten Tag wird die Leiche der sechzehnjährigen gefunden. Bald schon gerät ein abgelehnter Asylbewerber im Focus der Ermittlungen. Als ein weiterer Toter gefunden wird, der vor seinem Tod misshandelt wurde, stehen die Ermittler vor einem Rätsel. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen?


Nele Neuhaus greift in »Monster« hochaktuelle gesellschaftliche Themen auf, darunter Fremdenhass und Asylpolitik, und verwebt sie geschickt zu einer fesselnden und stimmigen Story. Die Autorin schafft es, die Ängste aller Eltern real werden zu lassen, während Larissas Geschichte berührt und mitfiebern lässt. 

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, und die Dynamik zwischen Pia Sander und Oliver Bodenstein trägt maßgeblich zur Vorantreibung der Handlung bei. Auch das Privatleben der Protagonisten kommt nicht zu kurz, nimmt aber nie zu viel Raum ein, sodass die Leser und Leserinnen nicht von der eigentlichen Handlung abgelenkt werden.
 
»Monster« überzeugt nicht nur mit einer spannenden Story, sondern auch mit einer kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen. Die Autorin beweist erneut ihr Gespür für zeitgemäße und fesselnde Kriminalliteratur. Monster ist ein gelungenes Werk, das nicht nur Krimifans begeistern wird. Neuhaus gelingt es, Spannung geschickt aufzubauen und den Leser bis zum Schluss in Atem zu halten.






  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Hardcover; 1. Edition (16. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 560 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550202253
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550202254




Sonntag, 19. November 2023

Das Puppenhaus (Eingefangen) von Feline Lang

 



Am Anfang war das Haus. Dann kam das Kind. Mit ihm ward Familie. Und diese Familie wünscht man niemandem. Feline Lang, Kopf und Stimme der theatralischen DarkCabaret-Band Feline & Strange, legt mit ihrer Romantrilogie ein Gesamtkunstwerk vor. Ein sehr lebendiges Puppenhaus lockt dich im ersten Band zunächst in ein schmerzvolles Familiendrama voller Sehnsucht und Schuld – aber es sind Puppen, die hier kämpfen und leiden. Oder nicht? Und wer spielt eigentlich mit diesen Puppen? Ein scheinbar unentwirrbarer Bildrausch aus löchrigen Realitäten, sarkastischen Wortgemetzeln, herumirrenden Fragezeichen und verknoteten Zeitebenen sperrt dich mit der literarischen Konvention zusammen im Keller ein. Doch was ist dieses seltsame Kind. Seit wann hat ein Puppenhaus einen Keller. In diesem Haus ist nichts, wie es scheint? 

Feline Lang entführt ihre Leser und Leserinnen mit dem ersten Band der Romantrilogie "Das Puppenhaus (Eingefangen)" in eine faszinierende Welt, in der herkömmliche literarische Regeln außer Kraft gesetzt werden. Die Geschichte offenbart sich als eine Mischung aus  erfrischender Innovation und verblüffender Verwirrung, da die Autorin geschickt ein unkonventionelles Setting gestaltet, das die Leser in seinen Bann zieht.

Es beginnt mit der Einführung des »HAUSES«, das als Verwalter aller Geschichten dient. Der Erzähler, der behauptet, das Haus zu sein, erklärt: »Das Haus bin ich. Und die anderen, das sind meine Puppen.« Die Geschichte entwickelt sich, indem nach und nach die Bewohner des Hauses vorgestellt werden, angefangen bei Theodore und Irene. Jede Figur nimmt eine einzigartige Rolle im Haus ein, und ihre Interaktionen bilden das Gewebe einer komplexen Erzählung.

Draußen herrscht Krieg, das Haus stellt sich als einzig sicherer Ort da, was zu einer tiefen Verwobenheit von Realität und Fantasie führt. Die Geschichte entfaltet sich in einer Weise, die den Leser dazu verleitet, selbst nach Bedeutungen und Interpretationen zu suchen.

Meine persönlichen Interpretationen führten mich zu der Idee, dass ein Kind in einer lieblosen Familie aufwächst und seine traumatischen Erfahrungen durch ein komplexes Spiel im Puppenhaus verarbeitet. Die Figuren, wie die lieblose Mutter Irene und der auf Irene fixierte Vater Theodore, werden zu Marionetten in diesem Spiel, das vom Kind gesteuert wird  – ein verzweifelter Versuch, Liebe und Aufmerksamkeit zu erlangen.
Die weiteren Familienmitglieder, die im Laufe der Geschichte ins Puppenhaus einziehen, scheinen nur dazu da zu sein, um das Haus mit Geschichten zu füllen.


Mit knapp 400 Seiten, einschließlich einiger Illustrationen, stellt das Buch "Das Puppenhaus (Eingefangen)" von Feline Lang eine intellektuelle Herausforderung dar. Ich musste immer wieder Pausen einlegen, um die komplexen Knoten in meinem eigenen Verständnis zu entwirren, was die Leseerfahrung zu einer intensiven, aber auch lohnenden Reise machte. Inmitten dieser fesselnden Erzählung fand ich mich jedoch selbst am Ende der Geschichte in einem Zustand der Unsicherheit wieder. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob meine eigene Interpretation auch nur annähernd das einfängt, was die Autorin ihren Lesern und Leserinnen vermitteln wollte. Trotz dieser Unsicherheit genoss ich das Buch sehr und ich bin gespannt auf die Fortsetzungen, die vielleicht den Schleier des Verständnisses etwas mehr lüften. "Das Puppenhaus (Eingefangen)" bietet mehr als nur eine Geschichte – es ist eine Einladung zur Reflexion und zur Entdeckung der tiefen Schichten menschlicher Emotionen und Beziehungen.

Illustriert wurde dieses Buch von den Künstlern: 
 von Holger Much, benSwerk, Franca Bartholomäi, Maria Salouvardou und Merlin J. Noack, 



  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition Outbird; 1. Edition (3. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 398 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948887500
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948887506

Freitag, 17. November 2023

Steine, Gold und Murmeltiere: Ein Krimi aus Südtirol von Viola Eigenbrodt

 




Klappentext: Auf dem Heimweg von der Premierenfeier stolpert der Meraner Schauspieler Otto Huber fast über einen Toten: Goldschmied Zeno Mittermaier, der bis spätabends gearbeitet hat, liegt erschossen vor seinem Laden.

Die Waffe ist ebenso ungewöhnlich wie die Tatumstände. Ein Raubüberfall, Vergeltung oder Mordlust? Liegt das Motiv womöglich im persönlichen Bereich?
Die undurchsichtigen Familienverhältnisse des Opfers und die überraschende Verbindung zu einer bizarren Glaubensgemeinschaft geben der Polizei Rätsel auf. Die Kripo-Beamten und die Carabinieri sind aber auch nicht ganz bei der Sache: Die einen haben privat viel um die Ohren und die anderen ein Murmeltier im Büro. Werden sie diesen ungewöhnlichen Fall trotz allem lösen? 

Dies ist tatsächlich schon der 6. Band der in Südtirol spielenden Krimireihe, ich bin also sehr vertraut mit dem außergewöhnlichen Schreibstil und der besonderen bildhaften Sprache und ich verfolge demnach auch schon seit dem ersten Band die Entwicklung der Autorin.  Hatte ich beim ersten Band noch Schwierigkeiten in die Story hineinzufinden, war ich nun einige Bücher später von der ersten Seite an gefesselt. Das mag daran liegen, dass die Autorin es geschafft hat, die Leidenschaft, die Zeno Mittermaier für seinen Beruf empfindet, in Worte umzusetzen. Ich musste einfach wissen, wer Zeno ermordete und natürlich auch warum. 
 Die ungewöhnliche Tatwaffe und undurchsichtige Familienverhältnisse des Opfers führen die Ermittler der Kripo und Carabinieri auf eine verzwickte Spurensuche, bei der persönliche Motive und eine bizarre Glaubensgemeinschaft eine Rolle spielen.

Die ermittelnden Beamten haben es wieder einmal nicht leicht, nicht nur der Personalmangel macht ihnen zu schaffen, Maresciallo Franco Marini muss noch seine Hochzeit planen, da stellt sich manchmal die Frage, was schwieriger ist, das oder die Aufklärung eines Mordes. Ich mag sehr, wie die Autorin es versteht, humorvolle Passagen in die Story einzuflechten ohne den Blick auf das wesentlich, die Aufklärung des Mordes aus den Augen zu verlieren.

Die Protagonisten, allen voran Maresciallo Franco Marini, treten nicht nur als Ermittler auf, sondern gewähren auch Einblicke in ihr privates Leben, das mitunter chaotisch und humorvoll ist. Die verschiedenen Handlungsstränge verweben sich geschickt miteinander.

Ich bin auch immer wieder fasziniert von der Detail reichen Beschreibung der Schauplätze, den historischen Hintergründen und dem Lokalkolorit, das dem Krimi eine besondere Atmosphäre verleiht.
Dass die Autorin mit einer Selbstverständlichkeit Themen aufgreift, die aktuell viele Menschen auf der Welt beschäftigt, Stichwort LGBTQ+ ist ein weiterer Aspekt der mir sehr gefällt, noch erfordert das wohl etwas Mut von Seiten der Schreibenden. 

Insgesamt hat »Steine, Gold und Murmeltiere« mich gut unterhalten. Der Krimi ist abwechslungsreich und bietet eine gelungene Mischung aus Spannung, Humor und Emotionen. 
Viola Eigenbrodt versteht es vermeintlich zusammenhanglose Fäden der Handlung und Beziehungsgeflechte zu verknüpfen und so eine fesselnde Geschichte zu schreiben, die das Lesen zu einem Vergnügen macht.






  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (21. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8865035558



Montag, 13. November 2023

Aphrodite von Charlotte Charonne (Der 3. Fall für Ruby und Spike)



Charlotte Charonnes Thriller »Aphrodite« entführt die Leser in ein Netz aus Intrigen und düsteren Geheimnissen, das sich mit jeder Seite weiter entfaltet. Der Einstieg in die Geschichte erfolgt mit Andi, der sich in einem Luxushotel nach einem für ihn enttäuschenden Klassentreffen aufhält. Was als scheinbar alltägliche Handlung beginnt, entwickelt sich rasch zu einem fesselnden und beunruhigenden Szenario.

Die Autorin setzt von Anfang an auf eine geschickte Inszenierung der Handlung, indem sie subtile Veränderungen in Andis Umgebung beschreibt, die ein unheilvolles Misstrauen wecken. Die bedrohliche Atmosphäre wird geschickt aufgebaut, und Andis plötzlicher Angriff durch eine unbekannte Person mit der Aufforderung »Zeit für ein Spielchen« setzt den Ton für eine Geschichte voller Spannung und Nervenkitzel.

Kurz darauf werden Rubina Hiller und Simon Peick zu einem delikaten Fall hinzugezogen, der Bauunternehmer Konstantin von Campenburg wurde kurze Zeit später im selben Luxushotel vergewaltigt. Es stellt sich heraus, dass die beiden Opfer mit Simon in einer Klasse waren. Die Verbindung zu einem früheren Klassenkameraden, der wegen Mordes verurteilt wurde, wirft zusätzliche Fragen auf, insbesondere da die Leiche der damals verschwundenen Mitschülerin nie gefunden wurde.

Die Handlung von »Aphrodite« entfaltet sich in atemberaubendem Tempo, das dem Leser kaum Zeit zum Atmen lässt. Charlotte Charonne greift das brisante Thema des Mobbings auf und webt geschickt die psychologischen Aspekte in die Handlung ein. Ruby und Simon stehen vor der Herausforderung, Opfer zu überzeugen, mit ihnen zusammenzuarbeiten, während weitere ehemalige Klassenkameraden zu Opfern werden.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, und die Verflechtung der verschiedenen Handlungsstränge trägt zur Komplexität und Tiefe der Geschichte bei. Ruby und Simon kommen in den Ermittlungen nicht weiter, erst der Tipp von Rubys Mutter Hildegard, den Fall wie ein verknotetes Wollknäuel zu behandeln, in der Mitte zu teilen und unterschiedliche Fäden aufzunehmen, verleiht der Ermittlung einen neuen Impuls.

Die Autorin scheut sich nicht, die Brutalität des Mobbings in all ihren Facetten zu zeigen. Sowohl die ekelerregenden Szenen als auch die emotional berührenden Momente, besonders wenn ein Opfer zu Wort kommt, sind meisterhaft beschrieben. »Aphrodite« ist definitiv nichts für Menschen mit einem schwachen Magen, aber es bietet eine packende Handlung, die den Leser von Anfang bis Ende in ihren Bann zieht. Besonders gut gefallen hat mir allerdings auch, dass das Privatleben Rubys und Spikes zwar thematisiert wird, es aber nie so weit in den Vordergrund rückt, dass es den Focus von ihren Ermittlungen ablenkt.

Ich vergebe für Aphrodite eine absolute Leseempfehlung und lege euch gleichzeitig die beiden Vorgängerbände »Asklepios« und »Artemis« ans Herz, die man unabhängig voneinander lesen kann.




  • Herausgeber ‏ : ‎ edition krimi; 1. Edition (13. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3949961097
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3949961090

Sonntag, 12. November 2023

Betrug von Zadie Smith und Tanja Handels (Übersetzerin)


»Betrug« von Zadie Smith entführt die Leser in das London des Jahres 1873, wo die schottische Haushälterin Eliza Touchet dem einst erfolgreichen Schriftsteller William Ainsworth den Haushalt führt. Eliza zweifelt an seinem Talent und fürchtet, dass England nicht das idyllische Land ist, das es zu sein scheint. Ich mochte Eliza sehr, sie ist klug und hinterfragt kritisch die Fassaden Englands, dem Land in dem nach ihrer Meinung nach, nichts ist wie es scheint.

Eliza besucht zusammen mit ihrer Schwägerin die Gerichtsverhandlungen des Tichborne-Falls, dieser Prozess spaltet das Land. Ist Sir Robert Tichborne, wie der Mann sich nennt, ein Betrüger namens Arthur Orton, oder wirklich der verschollene Sohn der reichen Familie Tichborne? Der ehemalige Sklave Andrew Bogle, einer der Hauptzeugen, wird von Zadie Smith in den Fokus gerückt, und Eliza findet sich in Gesprächen mit ihm über die Wahrheit wieder. Doch die Frage bleibt: Welche Wahrheit zählt?

Zadie Smiths Schreibstil zog mich von Anfang an in den Bann, wofür die Übersetzerin Tanja Handels ein großes Lob und Dankeschön verdient. Mit offensichtlicher Liebe und Herzblut überträgt sie den der in London geborenen Schriftstellerin ins Deutsche. Die Geschichte, basiert auf historischen Begebenheiten, der Fall Tichborne ist wirklich spannend.

Obwohl die Handlung etwas Zeit benötigt, um Fahrt aufzunehmen, kann man sich in der Zwischenzeit dem Vergnügen der wunderbaren Erzählweise hingeben. Zadie Smiths Schreibstil ist witzig und originell, und als Leserin fühlte ich mich in die Vergangenheit zurückversetzt. Der Roman wirft nicht nur Licht auf eine historische Episode, sondern auch auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen Unterschiede und Meinungen, die die Menschen zu dieser Zeit prägten. »Betrug« ist ein fesselnder Roman, der nicht nur unterhält, sondern, auch wenn man sich darauf einlässt, die Sinne anregt und jedem Leser wieder vor Augen hält, wie schön Sprache sein kann.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (2. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 528 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462005448
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462005448
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Fraud


Donnerstag, 9. November 2023

Schaurige Nächte: Unheimliche Geschichten für den Winter


Ein gemütlicher Sessel vor einem knisternden Kaminfeuer, dazu eine Tasse Tee sind die passenden Accessoires für einen Leseabend mit den »Schaurigen Geschichten« aus dem Dumont Verlag.


Die Autorinnen und Autoren Bridget Collins, Imogen Hermes Gowar, Kiran Millwood Hargrave, Andrew Michael Hurley, Jess Kidd, Elizabeth Macneal, Natasha Pulley, Laura Purcell waren mir bisher nicht bekannt, ein Punkt, den ich sehr bedauere und bald ändern will. Am Ende des Buches findet man eine kurze Biografie der einzelnen Autorinnen und Autoren.

Ab hier könnte es sein, dass ich etwas spoilern muss.  


Eine Studie in schwarzweiß von Bridget Collins

Auf einem Fahrradausflug entdeckt Morton ein verlassenes Herrenhaus, das in einem Garten steht, dessen Büsche einem Schachspiel nachempfunden sind, das Haus zieht ihn auf seltsame Weise in seinen Bann, als Morton erfährt, dass das Haus zu vermieten ist, zieht er sofort ein. So verlassen das Haus auch scheint, Morton hat den Eindruck nicht allein zu sein.


Thwaites Mieter von Imogen Hermes Gowar

Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann wird Lucinda gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn in ein abgelegenes Haus der Familie gebracht, doch dies soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg zurück zu ihrem Mann sein, denn egal was ihr Mann ihr antut, sie ist sein Besitz und hat alles recht dazu, so ihr Vater.
Nachts hört die junge Frau Schritte, die sich ihrem Zimmer nähern, ein Mann rennt wütend durchs Haus und am nächsten Tag sind ihre Kleider verschwunden. Die Geschichte umfasst wenige Tage in denen sich Lucinda von einem nörgelnden, verwöhnten Mädchen (was sie trotz ihrer furchtbaren Ehe ist) in eine starke junge Frau entwickelt, die selbstbewusst ihr Leben und das ihres Kindes in die eigenen Hände nehmen will. Ihr steht eine lang verstorbene Verwandte zur Seite.


Die Aal-Sänger von Natasha Pulley

Die Geschichte beginnt mit dem Satz:
"Keita Mori konnte sich an die Zukunft erinnern und wenn er ehrlich war, was nicht oft vorkam, gefiel ihm das nicht."
Um diesem Umstand zu entgehen, verbringen er, sein Freund Thaniel und ihre Pflegetochter Six einige Tage in den Fens, dort im Marschland gibt es einen der wenigen Orte, an dem er nicht von Erinnerungen gequält wird. Sie werden von den dort lebenden Fischern freundlich aufgenommen, doch irgendetwas scheint seltsam.


Lily Wilt von Jess Kidd

Post-mortem-Fotografie, war ein beliebtes Mittel, um die Erinnerung an geliebte Verstorbene wachzuhalten, was uns heute als makaber erscheint, erfreute sich in früheren Tagen großer Beliebtheit. Ein Meister seines Fachs ist Walter Pemple er erhält den Auftrag, die junge Lily Wilt nach ihrem Ableben zu fotografieren. Es kommt wie es kommen muss, Lilys Schönheit, die auch mit ihrem Tod nicht zu vergehen scheint, stürzt Walter in den Wahnsinn, er will sie um jeden Preis wieder zum Leben erwecken.


Chillinghams Rollstuhl von Laura Purell

Kurz vor der Hochzeit ihrer Schwester, mit Viktor Chillingham, stürzt Elisabeth vom Pferd und bricht sich ein Bein. Ans Bett gefesselt auf Chillingham Grange beginnt Elisabeth an den Gerüchten über Viktor zu zweifeln, die sie selbst davon abhielten, Viktors Antrag anzunehmen. Viktor ist zuvorkommend und großzügig, ein durch und durch freundlicher Mann, der ihr den Rollstuhl seines verstorbenen Vaters zur Verfügung stellt, damit sie etwas Bewegungsfreiheit hat, doch der Stuhl entwickelt ein bedrohliches Eigenleben.


Das Hängen des Grüns von Andrew Michael Hurley

Weihnachten schmücken die Menschen traditionell ihre Häuser mit Stechpalmen und Tannengrün, so auch in Eds Nachbarschaft, nur Ed selber verzichtet darauf. Der Grund dafür liegt Jahre zurück, als Ed einen Gesprächskreis in der Kirche gründete und von Joe Gull aufgesucht wurde, der ihn darum bat für ihn bei einem Farmerehepaar um Vergebung zu bitte. Was Ed dort erlebt, könnte verstörender nicht sein.


Gefangen von Kiran Millwood Hargrave

Diese Geschichte beruht wohl auf einer wahren Begebenheit, das macht sie um so erschreckender. Eine junge Frau wird nach der Geburt ihres Kindes in einem dunklen Zimmer weggesperrt und mit Laudanum ruhigstellt, nicht aus Bosheit oder um sie zu quälen, das gehörte zu den üblichen Methoden ihres Arztes, um ihr die benötigte Erholung zu sichern. Doch die junge Frau wird von einer Hexe heimgesucht, die als Kindsmörderin gehängt wurde und nun ihr Kind will. Sie steigert sich immer mehr in ihre Angst und wird schlussendlich weggesperrt. Die Anmerkung der Autorin am Ende der Story wirft noch einmal ein besonders schreckliches Licht auf die Geschichte und das immer noch häufige Unverständnis, für das seelische Gleichgewicht junger Mütter.


Ungeheuer von Elisabeth Macneal

Gemeinsam mit seiner Frau Mabel verbringt der Archäologe Victor einige Zeit in Lyme Regis, er will den ganz großen Fund seines Lebens machen, den Fund, der ihn berühmt macht. Und er will ihn nach seiner Frau benennen, so hat er es ihr versprochen. Viktors Suche hat den Tod eines kleinen Jungen zur Folge, der bei einem Erdrutsch ums Leben kommt, dieser Erdrutsch legt auch das Skelett einer Kreatur frei. Viktor reagiert vollkommen gefühllos auf den Tod des Kindes, für ihn zählt nur der Fund.




Ich habe besondere Ansprüche an klassische Schauergeschichten, sie müssen besondere Merkmale aufweisen.
Sie müssen sich durch ihren einzigartigen Stil und charakteristische Merkmale auszeichnen. Dazu gehören eine unheimliche Atmosphäre, die durch düstere Beschreibungen und eine geheimnisvolle Umgebung erzeugt wird. Häufig spielen sie an abgelegenen Orten wie alten Herrenhäusern, verlassenen Klöstern oder düsteren Wäldern. Übernatürliche Elemente wie Geister, Dämonen und unerklärliche Phänomene müssen zur Spannung beitragen. Die Erzähler sind oft unzuverlässig und die Spannung wird langsam aufgebaut. Am Ende darf Raum bleiben für das Unerklärliche, und die Geschichten können moralische oder psychologische Themen behandeln, wie Schuld, Rache, Wahnsinn und die dunklen Seiten der menschlichen Natur.
Jetzt stellt sich die Frage, ob die Autorinnen und Autoren dem Stil längst vergangener Zeiten gerecht werden konnten. Wenn man mich fragt: Ja, auf jeden Fall. Ich liebe diesen Stil, der mit subtilem Horror Gänsehaut Momente erzeugt und die Fantasie anregt. Ein besonderes Augenmerk muss man auch auf den Übersetzer richten, Werner Löcher-Lawrence hat es geschafft, diese typisch englischen Texte so zu übersetzen, dass sie nichts von ihrer besonderen Atmosphäre verloren haben.




  • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (19. September 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 288 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3832182101
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3832182106
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Haunting Season. Ghostly Tales for Long Winter Nights
  • Übersetzt von: Werner Löcher-Lawrence


Dienstag, 7. November 2023

OVERKILL - Der Puppenspieler (OVERKILL - Die Fälle von Hauptkommissarin Mo Celta 4) von Astrid Korten


Klappentext:
Hauptkommissarin Mo Celta kehrt traumatisiert aus der Ukraine zurück und lässt sich für einige Monate vom Dienst beurlauben. Doch als eine junge Frau ermordet im Münchener Auwald aufgefunden wird, erinnert der Fall Mo an die Opfer des „Puppenspielers“. Und an Viktoria Wittensee, die Frau des Münchener Anwalts Alexander Wittensee, die seit drei Jahren verschwunden ist und dem Opfer ähnlich sieht.
Gemeinsam mit Thomas Berger, ihrem Kollegen von der Vermisstenstelle ‚Letzte Spur‘, ermittelt Mo auf eigene Faust und kommt einem ungeheuerlichen Verbrechen auf die Spur. Geprägt von den Horrorszenarien ist sie fest entschlossen, den Täter zu fassen - notfalls mit Gewalt.


Nach ihrer Rückkehr aus der Ukraine kehrte Mo Celta zunächst in den Dienst zurück und ermittelte in einer Mordserie. Mo meint den Täter, der der Puppenspieler genannt wird, zu kennen, doch ihre Beweise reichten nicht aus und der Verdächtige schien für jede Tat ein Alibi zu haben. Nachdem Mo versuchte ein Geständnis aus dem Puppenspieler herauszuprügeln, lässt sie sich vom Polizeidienst beurlauben, um alles, was in der jüngeren Vergangenheit geschehen war, zu verarbeiten und hinter sich zu lassen. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln. Eine weitere Frauenleiche taucht auf, augenscheinlich ermordet vom Puppenspieler, doch Mos Verdächtiger sitzt im Gefängnis. Handelt es sich um einen Nachahmungstäter? Mo ist davon überzeugt und ermittelt auf eigene Faust, unterstützt wird sie dabei von einem Kollegen der Vermisstenstelle, Thomas Berger, denn die tote Frau hat eine frappierende Ähnlichkeit mit der seit drei Jahren vermissten Viktoria Wittensee, deren Ehemann Alexander, ein brillanter Anwalt, hat kurz nach ihrem Verschwinden durch einen Unfall sein Gedächtnis verloren und stand kurzzeitig unter dem Verdacht, seine Frau ermordet zu haben.

Was für eine Story, die Autorin Astrid Korten hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Immer wenn ich dachte, sie könne das bisher Geschriebene nicht mehr übertreffen, überrascht sie mich schon auf der nächsten Seite wieder mit überraschenden Wendungen. Wir lernen Mo immer näher kennen und sehen die inneren Dämonen aus ihrer Vergangenheit, mit denen sie zu kämpfen hat und die noch immer Einfluss auf ihr Handeln nehmen. Bis zum Schluss tappte ich im Dunklen, die Autorin nahm mich mit auf eine Achterbahnfahrt voller Täuschungen und Irrungen.

Und was bedeuten die Textauszüge aus der Geschichte »Alice im Wunderland«? Auch das wird am Ende klar, aber ich verrate es euch natürlich nicht.  Es ist nicht immer ersichtlich, wer ein falsches Spiel spielt, das allerdings macht diese Story besonders interessant. Ich war nie sicher, wem ich trauen kann und hatte schon bald einen Verdächtigen. Ich muss nicht extra betonen, dass ich natürlich auf der falschen Spur war, oder? Astrid Korten ist eben immer für eine Überraschung gut. Ihre Thriller stehen für atemlose Spannung und sind nichts für Leser, die in der Dunkelheit ein Nachtlicht brauchen, oder wenn dann nur um immer weiterzulesen, denn dieses Buch kann man kaum aus der Hand legen. Ich vergebe eine absolute Leseempfehlung.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (24. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8865212492