Freitag, 28. Februar 2020

Remedium Die Erben Abaddons von Thomas Lohwasser , Vanessa Kaiser und Thomas Karg


Im Schatten zweier riesiger Türme hinter hohen Zäunen vegetieren Menschen unter erbärmlichen Umständen vor sich, sie kämpfen um tagtäglich ums Überleben.
Das ist der erste Blick den die schwangere Nele auf Neu-Babel erhält, als sie mit ihrem Mann Gazael die Türme auf deren Plattform sie in Zukunft leben wollen erreichen.
Während Nele Mitleid mit den Menschen im Schatten der Türme hat, ist Gazael davon überzeugt, dass sie sich nur nicht genug anstrengen und deshalb nicht in der Sicherheit Neu - Babels leben können.
Ich könnte jetzt in wenigen Sätzen die Geschichte nacherzählen, der zweite Band: Der Erben Abaddons umfasst gerade mal 150 Seiten, aber das wäre natürlich nicht sinnvoll.
Ich versuche jetzt mal etwas anderes.
Vor einiger Zeit habe ich Nimmerland, das erste Buch der Reihe gelesen und ich hatte mich natürlich gefreut das es mit Remdium nun weitergeht. Nur und das habe ich jetzt erst so ganz verstanden, ist Remedium keine Fortsetzung von Nimmerland, sondern eine weitere Geschichte aus der Welt Abaddons.
Die Erben Abaddons --- Die Erben des Untergangs um es mal grob zu übersetzen, ist eine Welt nach Ressourcenkrieg und globaler Pandemie, die wenigen Überlebenden schlagen sich mehr schlecht als recht durch und von diesen Überlebenden erzählen das Autorentrio Thomas Lohwasser , Vanessa Kaiser und Thomas Karg in voneinander unabhängigen Geschichten.
Und nun zurück nach Neu-Babel.
Zwei Jahre nach ihrer Ankunft ist Nele allein, sie lebt in Lumpenbabel der tägliche Kampf ums Überleben hat sie zermürbt und sie spielt mit dem Gedanken allem ein Ende zu machen, der Traum von einem besseren und sorgenfreien Leben in Neu-Babel ist schon bei ihrer Ankunft geplatzt. Sicherheit gibt es nur, für die die für sie bezahlen können, aus allen anderen wird auch noch der letzte Silberling herausgepresst.
Ganz anders das Leben in Prachtbabel, der zweiten Plattform Neu-Babels, hier haben sich alle Träume erfüllt Überfluss und Dekadenz beherrschen das Bild, doch als wir Lukures kennenlernen einen Superiat, ein Rang, der ihn als einen der höchsten in der Oberschicht auszeichnet, der alles hat was das Herz begehrt, sich an allem, was Prachtbabel zu bieten hat, ergötzen kann, erkennen wir das Geld, Sex, Drogen und Spiele die innere Leere, die ihn quält, nicht ausfüllen können.

Als Nele erkrankt und Lukures dem Schmuggler Palef einen Auftrag erteilt der ihn von seiner inneren Leere befreien soll, kreuzen sich ihre Wege.

Lumpenbabel und Prachtbabel sind ein Spiegel unserer Zeit, es wäre genug für alle da, niemand müsste Hungern oder Angst davor haben sein Zuhause zu verlieren, wenn alle bereit wären etwas abzugeben hätte niemand zu wenig.
Die Erben Abaddons Remedium ist ein gutes Beispiel dafür das auch Fantasygeschichten mehr sein können als reine Unterhaltung. Und diese Geschichten sind die Perlen, die es zu suchen gilt.

  • Taschenbuch: 156 Seiten
  • Verlag: Low, Torsten; Auflage: Erstausgabe (30. Dezember 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3966290014
  • ISBN-13: 978-3966290012

Donnerstag, 27. Februar 2020

Die Nacht als das Feuer kam von Sinclair McKay

Inhalt:In der Endphase des Zweiten Weltkrieges, im Februar 1945, bombardierten die Alliierten Dresden: Circa 25.000 Menschen fanden den Tod, die Überlebenden waren zutiefst traumatisiert, das einst prächtige Elbflorenz lag in Schutt und Asche. In »Die Nacht, als das Feuer kam« begibt sich der britische Journalist und Autor Sinclair McKay auf eine ganz besondere Spurensuche. In den Archiven der Stadt entdeckte er tief verborgene persönliche Aufzeichnungen, die es ihm ermöglichen, die Geschehnisse dieser drei verhängnisvollen Tage und Nächte aus der Perspektive der Bewohner der Stadt zu erzählen: Schülern, Mitgliedern der Hitlerjugend und des Kreuzchors, Künstlern, Musikern, aber auch des Kriegsgefangenen Kurt Vonnegut und nicht zuletzt Victor Klemperer sowie Piloten und Besatzungsmitgliedern der britischen und amerikanischen Verbände. Noch nie zuvor wurde das Ausmaß dieses Luftangriffs für die Zivilbevölkerung der Stadt so vielstimmig, emotional und zutiefst menschlich geschildert wie in diesem Meisterwerk der narrativen Geschichtsschreibung – und das noch lange, nachdem die letzte Seite umgeblättert ist, im Gedächtnis bleiben wird.

Ausnahmsweise bekommt ihr den Klappentext, der sehr gut beschreibt was den Leser mit diesem Buch erwartet.
Was er nicht beschreiben kann, sind die starken Gefühle, die dieses Sachbuch auslöst, das Grauen und Entsetzen, das der Feuersturm über Dresden brachte, erwachen mit diesem Buch wieder zum Leben.
Ich lese eigentlich keine Sachbücher, die Informationen, die ich brauche, hole ich mir entweder aus Lexika oder aus möglichst seriösen Quellen aus dem Internet.
Warum also dieses?
Zunächst einmal der Jahrestag der Bombardierung jährte sich zum 75. Mal und alle Medien waren voll davon und ich hatte mich zufällig mit Unterhaltungsliteratur beschäftigt, die in Dresden spielte. Meine Neugier war geweckt, was wusste ich schon über diese Bombennacht, außer das sie fast völlig zerstört wurde, tausende von Menschen ihr Leben verloren und das nach der Wiedervereinigung die Dresdner Frauenkirche wieder in alter Pracht aufgebaut wurde?
Nichts.
Jetzt nachdem ich das Buch beendet habe, weiß ich natürlich viel mehr, ich habe vom Schicksal vieler Menschen erfahren, deren Leben nach der Bombennacht nie wieder so war wie vorher, die nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihre liebsten Menschen verloren hatten und die nie wieder unbeschwert leben konnten, nach solchen Erlebnissen.
McKay hat sich nicht darauf beschränkt Fakten zu schildern, auch wenn diese natürlich einen großen Raum einnehmen, es ist beklemmend zu lesen wie akribisch es geplant war, die Stadt vollständig zu zerstören, die Menschen in der Stadt hatten keine Chance.
Die Nacht als das Feuer kam, ist wie alle anderen Bücher zu diesem Thema und zu allen Themen, die die Geschehnisse rund um den 2. Weltkrieg behandeln, ein wichtiges Buch, ein Buch gegen das Vergessen.
Es ruft allen Menschen in Erinnerung das wir nie wieder zulassen dürfen das so etwas geschieht und das wir uns den Weg dorthin in Erinnerung rufen müssen.
Ich habe lange gebraucht dieses Buch zu lesen, es ist eben nicht meine gewohnte Literatur, aber auch kein Sachbuch wie ich sie von früher kenne, trocken und eher langweilig.
Sinclair McKay hat ein interessantes und auch spannendes Buch geschrieben, das so weit ich es beurteilen kann, hervorragend recherchiert ist.

  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (13. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442315492
  • ISBN-13: 978-3442315499
  • Originaltitel: Dresden: The Fire and the Darkness




Dienstag, 25. Februar 2020

Dear Oxbridge Liebesbrief an England von Nele Pollatschek

Nele Pollatschek, will nach Oxbridge, sie will an einer der beiden berühmten Universitäten Groß Britanniens studieren.
Doch im ersten Anlauf scheitert sie kläglich, die Bewerbungskriterien für die Universitäten unterscheiden sich  grundlegend, von denen in Deutschland.
Dennoch schafft sie es mit viel Arbeit einen der begehrten Studienplätze zu bekommen so das sie uns von ihren Erfahrungen berichten kann.
Die sind teils sehr amüsant geschildert , sie schreibt von Problemen mit den Toiletten, zugigen Zimmern am College, fantastischem Essen, das aufgrund seiner Exklusivität schon mal langweilig wird, der Punkt muss sich aber wirklich auf die Küche der Unis beschränken, denn für ihr gutes Essen sind die Engländer ja wirklich nicht bekannt. Sie schreibt von Partys und von der ganz anderen Art des Studiums.
Und irgendwann wurde mir klar: Das ist kein Liebesbrief an England, wie der Untertitel suggeriert diese Liebeserklärung ist fast ausschließlich an Oxbridge gerichtet. Kaum ein Wort davon wie das Leben  außerhalb der geschützten Umgebung der Unis ist.
Man darf sich das Leben in Oxbridge nicht so vorstellen wie man es aus Deutschland kennt, sind die Studenten an deutschen Unis zum Großteil auf sich allein gestellt, werden sie in GB an die Hand genommen, Zimmerservice inklusive.
Das soll jetzt nicht heißen, dass das Studium einfacher ist, im Gegenteil das Pensum ist mörderisch.

Im Kapitel On Kindness: Dss eigentliche Oxbridge, fragt sich die Autorin wie sie den Begriff KINDNESS übersetzen soll, um seine wahre Bedeutung richtig zu erklären, vielleicht ist sie da etwas zu verkopft, vielleicht sollte man diesen Begriff einfach so übersetzen wie es in der Schule gelehrt wird:
Freundlichkeit
und dieser Freundlichkeit begegnet man nicht nur an den Universitäten, meine Begegnungen mit Briten in und außerhalb GB decken sich mit denen der Autorin zu 100%, diese spürbar echte und tief gehende Freundlichkeit hat mich sehr beeindruckt.
Zu Beginn des Buches war ich vom Schreibstil der Autorin etwas irritiert, ich hatte den Eindruck hier erzählt ein Mann.
Bis ich zum Kapitel They: Gendern auf Englisch kam, danach ergab dann alles einen Sinn und ich fühlte mich in ein klein wenig bestärkt in dem Gedanken, das Lehrer, Ärzte und Bäcker usw. in erster Linie Menschen sind die lehren, heilen und backen und erst in zweiter Linie Männer, Frauen oder Divers, mit diesen Begrifflichkeiten machen wir uns das Leben unnötig schwer. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.
 Sprache entwickelt sich, nicht immer zum Guten, manchmal zum schlechten, vielleicht entwickelt sich die Deutsche Sprache irgendwann dahin, dass ich den Satz:
Zu Beginn des Buches war ich vom Schreibstil der Autorin etwas irritiert, ich hatte den Eindruck hier erzählt ein Mann.
mit einem anderen Ausdruck als "die Autorin" schreiben kann.
Zitat:
Der englische Gedanke ist schlicht und ergreifend dieser: Der Weg zur Gleichheit ist Gleichheit. Wenn wir wollen, dass Männer und Frauen gleich sind, dann müssen wir sie gleich behandeln, auch in der Sprache. Jede Sichtbarmachung von Geschlecht hebt das Geschlecht hervor, weist auf Unterschiede hin, betont das eben dieses Geschlecht so wichtig ist, dass es in jeder Lebenslage erwähnt werden muss und zementiert damit die Ungleichheit.

Ich mochte das Buch, der Liebesbrief an Oxbridge ist Nele Pollatschek durchaus gelungen, ich spürte während des Lesens die tiefe Verbundenheit der Autorin mit ihren Universitäten.
Und vielleicht schreibt sie ja mal eine Liebeserklärung an den Rest des wunderbaren Landes und seine wunderbaren Menschen.

Und was sagen andere Leser? Schauen wir doch mal bei Heike vorbei
https://fraugoetheliest.wordpress.com/2020/06/10/schlaue-koepfe-und-der-brexit-rezension/

  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: Galiani-Berlin; Auflage: 1. (21. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3869712031
  • ISBN-13: 978-3869712031

Montag, 24. Februar 2020

Das Echo deines Todes Sophie Kendrick

Es sollte ein letzter fröhlicher Inselurlaub werden bevor sich die Wege der Freundinnen Lara, Michelle, Becca und Eileen trennen.
Das ganze Leben liegt vor den jungen Frauen, ihnen steht nach dem Abitur die Welt offen. Doch der Urlaub endet in einer Katastrophe.
Becca verschwindet am Abend vor ihrer Abreise nach einer Party mit den Zufallsbekanntschaften Vincent und Leon spurlos, zurückbleibt nur ein leeres Boot, der einzigen Verbindung zwischen der Schäreninsel und dem Festland.

Sechzehn Jahre nach ihrem Verschwinden, erhalten die Frauen die Einladung erneut einen Urlaub auf der Insel zu verbringen, mit der mysteriösen Botschaft:

Die Wahrheit liegt auf der Insel.

Das Echo deines Todes ist mein erstes Buch der Autorin gewesen, sie scheint allerdings ein Faible für Protagonisten mit Besonderheiten

In:

Das Gesicht meines Mörders verliert Clara ihr Gedächtnis.
Jennifer in
Mein Tod in deinen Augen 
ist blind.
Und Lara, die Hauptprotagonistin des aktuellen Buchs, hat die Diagnose Asperger Syndrom kurz vor dem Abitur erhalten.
Lara hat gelernt mit ihren Eigenheiten umzugehen in Situationen, die sie überfordern, rezitiert sie Gedichte. Viel mehr mag ich aber über ihr Krankheitsbild nicht schreiben, ich kenne mich nämlich überhaupt nicht damit aus und weiß deshalb nicht inwieweit das, was die Autorin schreibt, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Ich weiß nur das Asperger viele Facetten hat, also kann alles, was Sophie Kendrick schreibt durchaus so sein.

Die Krimihandlung an sich ist nicht neu. Ein lange zurückliegendes Verbrechen, die Beteiligten treffen sich an einem einsamen Ort an dem seltsame und verstörende Dinge geschehen.
So ist es auch hier und genau an dem Punkt kommt das Talent der jeweiligen Autoren zum Tragen, ob sie in der Lage sind aus der Grundstory einen Pageturner zu machen oder ein eher maues Lesevergnügen.
Sophie Kendrick hat aus der Idee ein spannendes Lesevergnügen gemacht, ihre Protagonisten sind durchweg sympathisch bis sie etwas tun oder sagen, das mich an ihrer Unschuld zweifeln lässt.
Genau das mag ich an Krimis, die unvorhergesehen Wendungen, der Zweifel an der Schuld oder Unschuld eines Menschen der nur durch eine beiläufige Bemerkung ausgelöst wird und dann ist doch wieder alles ganz anders.
Das Echo deine Todes ist ein spannender Psychothriller, besonders für Leser die gern mit den Protagonisten mitleiden.


  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (18. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499000849
  • ISBN-13: 978-3499000843




Sonntag, 23. Februar 2020

Das Gerücht von Lesley Kara

Johanna zieht mit ihrem kleinen Sohn in eine englische Kleinstadt, da sie hofft, dass der kleine Junge in der Kleinstadt ein besseres Leben hat, fernab vom Mobbing dem er in London ausgesetzt war. Doch ihre Hoffnung erfüllt sich nicht, auch an der neuen Schule hat Alfie einen schweren Start.
Um in näheren Kontakt mit den Müttern seiner Mitschüler zu kommen, lässt sie sich zu einer unbedarften Äußerung hinreißen.
Sie ahnt nicht was sie damit anrichtet.

Wir alle kennen das, kaum ein Gespräch das nicht irgendwann einmal ein Gerücht beinhaltet:
Weißt du schon, ich habe gehört die X ist schwanger.
Ich habe gehört der Y ist arbeitslos.
Das Kind von Z bleibt sitzen.
Gerüchte, Klatsch und Tratsch scheinen zu unserem Leben dazuzugehören, meist lösen sie sich in Luft auf, manchmal können sie Leben zerstören.
Johanna erfährt von ihrem Freund das eine verurteilte Kindermörderin  in ihrer Stadt leben soll.
Sally McGowan hat als 10-jährige einen kleinen Jungen erstochen und wurde mit einer neuen Identität ausgestattet.
Bald beginnt eine Hexenjagd, jede Frau im passenden Alter scheint verdächtig.
Ich mochte das Buch, der Schreibstil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen, leider verliert sie sich ab und an in Wiederholungen, das mag ich gar nicht.
Trotzdem ist das Buch spannend und es hält uns einen Spiegel vor und vielleicht überlegen wir uns beim nächsten Mal, ob wir Informationen die wir bekommen ungeprüft weitergeben.

  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (21. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423262427
  • ISBN-13: 978-3423262422
  • Originaltitel: The Rumour





Freitag, 21. Februar 2020

Münchhausenwut von Deborah Emrath



Lügenbaron

War die letzte Textnachricht die der Gynäkologe und Laiendarsteller Ralf Ebelski erhielt, bevor er ermordet am Münchhausen Brunnen in Bodenwerder aufgefunden wurde.
Diese Nachricht rückt Mario Bergstedt in den Focus der Ermittlungen.
Ebelski hat entgegen aller Versprechungen an der Hauptrolle dem Baron von Münchhausen festgehalten, die er eigentlich an Mario, der bisher die Zweitbesetzung war, abgeben wollte.
Für Ebelskis Frau und seine Schauspielkollegen steht, Mario als Täter fest.
Diese Vorverurteilung macht die Ermittlungen für die Kriminalkommissarin Emma Stanford nicht gerade einfacher.

Münchhausenwut ist der Debütroman der in Bodenwerder lebenden Autorin Deborah Emrath, der mich schon allein wegen der Nähe zu meiner Heimat neugierig werden ließ.

Emma hat es nicht leicht, als alleinerziehende Mutter, relativ frisch getrennt von ihrem, ebenfalls als Polizist arbeitenden Mannes Andreas Stanford, scheint sie zunächst Schwierigkeiten damit zu haben, Mario Bergstedt nicht ebenfalls vorschnell als Täter zu behandeln, Mario hatte allen Grund dazu seinem Konkurrenten schaden zu wollen. Ebelski hat ihn behandelt wie einen blutigen Anfänger, immer wieder hat er ihm vor Augen halten wollen, wie viel er noch zu lernen hätte. Immer wieder hat er ihn vor den Kollegen gedemütigt. 
Aber Mario war nicht, der einzige dem Ebelski geschadet hat, auch in seinem Beruf als Gynäkologe verlief nicht alles so wie es hätte laufen sollen. Bald schon muss Emma in mehrere Richtungen ermitteln.

Alles in allem ist Münchhausen Wut ein  gelungenes Debüt, nicht einmal daran das Emmas Privatleben, besonders ihre Beziehung zu ihrem Noch/Ex Mann, recht viel Raum einnahm konnte ich mich stören, das passte insofern das der Leser Emma erst noch kennenlernen muss. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, das sie noch mehr Kriminalfälle in Bodenwerder lösen muss.
Einen Kritikpunkt habe ich allerdings und das hat mich wirklich gestört.
Emma freundet sich während der Ermittlungen mit Marios Mutter Barbara an, die sogar für sie kocht. Natürlich ist mir bewusst, dass ein Krimi niemals die echte Arbeit der Polizei widerspiegelt, das wäre wohl auch ziemlich langweilig, besteht diese doch zu großen Teilen aus Schreibtischarbeit, aber freundschaftlicher Kontakt, zu nahestehenden Personen eines dringend Tatverdächtigen, war mir etwas zu viel "Menschlichkeit", obwohl ich Emmas Sympathie Barbara gegenüber wirklich nachvollziehen kann, selten war mir eine Figur so sympathisch und sollte es Folgebände geben, hoffe ich auf ein Wiedersehen mit ihr.
Gut gefallen hat mir, das die Autorin immer wieder wechselnde Personen zu Wort kommen lässt, ich mag diese Erzählweise sehr, wirft sie doch immer wieder einen anderen Blick auf das Geschehen.

  • Broschiert: 250 Seiten
  • Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (20. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958132073
  • ISBN-13: 978-3958132078

Donnerstag, 20. Februar 2020

Kalle + Emrah von Jürgen Höreth

...und das rüde Leben nach dem Zombiecrash
So lautet der Untertitel, des Zombie Spaßes.
Und ein Spaß ist es auf jeden Fall.

Wir lernen die besten Freunde Kalle und Emrah kennen, die den Ausbruch der Zombieapocalypse nur mit viel Glück und eher zufällig überleben. Und was dann folgt, ist ein spaßiger, manchmal alberner oft sehr blutiger und ekliger Horrortrip, genau das was, ich zu dem Zeitpunkt haben wollte.
Ich muss zugeben, ich kannte den Autor noch nicht, Jürgen Höreth war mir vollkommen unbekannt, ebenso wie der Verlag KOVD. Ich konnte mich also absolut unvoreingenommen dem Lesevergnügen hingeben.
Ist die Story neu, hat Höreth die Zombies neu erfunden?
Nein.
Aber er hat die klassischen Zutaten für eine rasante Geschichte gut gemixt.
Es gibt die wehrlosen und die Helden, die miesen Egoisten, die fürs eigene Überleben sprichwörtlich über Leichen gehen und es gibt die Machthungrigen die ihre Stellung ausnutzen, um diese Macht auszubauen, die es genießen, das andere von ihnen abhängig sind.

Das Buch umfasst gerade mal 180 Seiten, das ist nicht viel Raum um Personen oder Handlungsorte ausführlich vorzustellen und doch ist es ihm gelungen Kalle und Emrath ein Gesicht zu geben. Die beiden verbindet sei Jahren eine unverbrüchliche Freundschaft, die weder durch alltägliche Katastrophen, wie *Kalle hat ne dämliche Freundin die Emrath nicht leiden kann* noch durch Ausnahmesituationen, wie ein Zombieangriff beeinträchtigt werden kann.
Mit manchmal etwas schnoddrigem Humor stellen sie sich jeder Herausforderung.
Ich kann mir eine Fortsetzund durchaus vorstellen.

Hab ich nichts zu meckern?
Doch, der Klappentext ist unlesbar, roter Untergrund, schwarzumrandete weiße Schrift, das flirrt und flimmert.
Das war es aber auch schon.

  • Taschenbuch: 184 Seiten
  • Verlag: KOVD Verlag (Nova MD); Auflage: Erstauflage (21. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3966985780
  • ISBN-13: 978-3966985789





Puppenspiel von Andreas Aschberg


2040 hat sich das Leben grundlegend verändert, die Menschen sind vollständig und rund um die Uhr vernetzt, vieles im alltäglichen Leben wird von Technik bestimmt, bezahlt wird bargeldlos direkt am Tisch, Computerspiele werden in einer Virtuellen Realität gespielt, Smartphones von Datenbrillen abgelöst und sogar die Polizei arbeitet mit KI.
In dieser Welt ist der Rentner und Privatdetektiv Egidius Stahl ein lebender Anachronismus, er nutzt die moderne Technik, nur soweit es unbedingt sein muss und überlässt das Verständnis dafür seinen Mitarbeitern Bülent und Lizz.
Als die Detektei den scheinbar harmlosen Auftrag bekommt nach einer Katze zu suchen, die nach einem Einbruch verschwunden ist, ahnen sie nicht wie tief das Wespennest ist, in das sie stechen, denn plötzlich ist nicht nur ihr Leben und das ihrer Auftraggeberin Marion in Gefahr, auch der deutsche Außenminister steht auf einer Abschussliste.

Heute sage ich ausnahmsweise gleich zu Beginn etwas über das Cover, es zeigt eine Lumpenpuppe an Fäden, vor einem Orangefarbenen Hintergrund, den Namen des Autors, den Titel und den Verlag, sonst nichts, auf den ersten Blick ist es nicht wirklich ansprechend. Schaut man genauer hin, erkennt man das die Puppe nicht nur aus Lumpen besteht, sondern die Puppe eine Art Cyborg zu sein scheint. Ich kann mich nicht wirklich zwischen: Mag ich oder mag ich nicht entscheiden. Dafür machte mich der Klappentext um so neugieriger.

Egidius ist ein Ermittler der alten Schule, er observiert und recherchiert noch auf die herkömmliche Art, die Technik überlässt er so weit es geht seinen jungen Mitarbeitern und greift selber nur ungern darauf zurück.
Diese Kombination macht das Buch spannend und sehr interessant zu lesen. So manches Mal musste ich schmunzeln, wenn Egidius zum ersten Mal in seinem Leben in die virtuelle Spielewelt abtauchen muss oder Marion versucht eine Straftat zu melden und an dem Bürgernotfallservice scheitert, entbehrt das nicht einer gewissen Komik. Wir alle kennen die Sprachautomaten am Telefon, die grundsätzlich alles falsch verstehen.
Doch egal wie sehr sich die äußeren Lebensumstände verändert haben, unabhängig von Wegwerfkleidung aus dem 3 D Drucker und Hologrammen die so echt wirken, das man den Unterschied zu echten Menschen erst auf den 2. Blick erkennt, es geht auch in naher Zukunft um Macht, Gier und Geld. Die Methoden um eigene Interessen durchzusetzen mögen andere sein als heutzutage, die Beweggründe für Verbrechen bleiben wohl immer gleich.

Ich mochte das Buch sehr, es war unterhaltsam und brachte mich ab und an sogar etwas zum Nachdenken wie weit ich der modernen Technik erlauben soll, Einfluss auf mein persönliches Leben zu nehmen.

  • Gebundene Ausgabe: 488 Seiten
  • Verlag: Storyhouse Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (20. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3944353501
  • ISBN-13: 978-3944353500

Sonntag, 16. Februar 2020

Transfusion Sie wollen dich nur heilen von Jens Lubbadeh

In einem Container werden die Leichen mehrerer kleiner Mädchen gefunden, implantierte Shunts und Kuscheltiere mit dem Logo einer bekannten Pharmafirma lassen schnell Gerüchte aufkommen, das der Pharmakonzern Astrada in Indien illegale Medikamententests an Kindern durchführt.
Die stellvertretende Forschungsleiterin der Firma, Iliana Kornblum, kann diesen Gerüchten keinen Glauben schenken. Astrada steht dafür nur das Wohl der Menschen im Sinn zu haben. Sie kennt die Firma und weiß wie sie arbeiten und sie war selber maßgeblich daran beteiligt ein Mittel gegen Alzheimer zu entwickeln, Bimini, das Millionen Menschen wieder am Leben teilnehmen lässt.
Wie sehr sie sich irrt, erfährt sie nur nach und nach.

Der Klappentext hat ziemlich hohe Erwartungen bei mir geweckt und ich muss sagen, sie wurden teilweise durchaus übertroffen.
Transfusion erzählt von der Gier nach Macht, Geld und ewigem Leben, von der Angst geliebte Menschen nach und nach zu verlieren.
Während des Lesens stellt man sich unweigerlich die Frage: Wie weit darf man gehen, um Millionen Menschen zu retten, darf man dabei über Kinderleichen gehen, wenn es sein muss?
Eins vorweg, meine Antwort dazu lautet natürlich Nein.
Nur was, wenn ich wüsste, wie das Medikament hergestellt wird, welches das Leben meiner Mutter, meines Vaters oder Mannes wieder lebenswert macht oder ihnen im Notfall das Leben rettet, würde ich dann trotzdem darauf verzichten? Aus Prinzip? Oder würde ich denken: Jetzt ist es ja schon mal da, da kann man es auch nutzen?
Ich weiß es nicht.
Ich bin nicht in der Situation, im Gegensatz zu Illiana, deren Vater auf Bimini angewiesen ist.
Illiana muss sich entscheiden.

Jens Lubbadeh hat einen spannenden Wissenschaftsthriller geschrieben, der teilweise jeden Horrorroman toppt. Denn alles, was im Buch geschieht, ist durchaus vorstellbar und das macht das Grauen aus.
Leider kommt das Ende zu abrupt, gerade so als wollte der Autor es absolut offen lassen und hat sich im letzten Moment umentschieden und noch einiges im Epilog weitererzählt. Da hätte mir persönlich der Bruch mit dem offenen Ende besser gefallen.
Nichtsdestotrotz bekommt Transfusion von mir eine Leseempfehlung für Leser mit starken Nerven.

Eine weitere ausführliche Rezension findet ihr hier: https://phantastische-fluchten.blogspot.com/2020/02/transfusion-von-jens-lubbadeh.html#more

  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (11. November 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453320085
  • ISBN-13: 978-3453320086




Freitag, 14. Februar 2020

Qube von Tom Hillenbrand

Der Journalist Doyle wird auf offener Straße angeschossen, eigentlich wäre die Verletzung tödlich, hätte sich Doyle nicht nach einer Frau umgedreht, so zerstörte die Kugel *nur* wichtige Hirnregionen, aber dafür hat der Journalist Vorkehrungen getroffen.
Kurz vor dem Vorfall ließ er einen Gehirnscan machen, so das fast all seine Erinnerungen wieder aufgespielt werden konnten.
Nur woran er zum Zeitpunkt des Anschlags gearbeitet hatte, daran kann er sich nicht erinnern und so macht sich Doyle auf die Suche, um sich selbst auf die Spur zu kommen. Seine Recherchen lassen ihn vermuten, dass es eine künstliche KI gibt und das darf auf gar keinen Fall sein. Welch verheerende Folgen so eine KI haben kann, wenn die Menschen die Kontrolle darüber verlieren, hat der Turing-Zwischenfall gezeigt.

Zunächst einmal. Man sollte den Vorgängerband Hologrammatica gelesen haben, sonst fällt der Einstieg in die Geschichte etwas schwer, oder man sollte wie ich jemanden haben der das Buch kennt und der bereit ist darüber zu erzählen, ich musste aus Zeitmangel leider auf die zweite Möglichkeit zurückgreifen.
Mit hoffentlich ausreichendem Vorwissen ausgestattet, konnte ich das Buch dann genießen, das Glossar am Ende war dann auch eine große Hilfe.
Künstliche Intelligenz ist doch eigentlich eine schöne Sache, sie bringt unsere Autos irgendwann dazu selbstständig zu fahren, sie schaltet das Licht ein und bestellt Milch nach...
Moment, das ist keine Intelligenz, das sind Algorithmen. KI echte KI wären in der Lage zu lernen und wirklich selbstständig zu handeln, um beim Autofahren zu bleiben und auf ganz niedrigem Niveau, eben so wie ich es verstehe, wenn die KI mich nicht leiden kann, dann weicht sie dem Baum nicht aus auf den mein Auto zufährt, sondern hält, darauf zu, eben weil sie es will.
Die Welt im Jahr 2091 ist vollkommen anders als die, die wir kennen. Die Menschen können ihr Bewusstsein in andere Körper übertragen, um für eine begrenzte Zeit völlig anders auszusehen, sie können ihr Erscheinungsbild durch Holographien verändern und niemand erkennt es.
Der UNO Agent Fran Bittner, dessen Spezialgebiet die KI Abwehr ist, heftet sich an Doyles Fersen, denn wie es scheint, gibt es neue KI.

Ich mochte die Mischung aus Kriminalfall und SF schon seit ich Drohnenland gelesen hatte, den ich immer gern als SF für Einsteiger bezeichne. Qube ist da schon komplexer und eher etwas für Leser die schon immer gern SF gelesen haben und die auf der Suche nach  Literatur sind, die nicht im Weltall spielt, sondern eine Zukunft zeigen die von Technik geprägt ist und die man sich mit etwas Fantasy auch durchaus vorstellen kann.

  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch; Auflage: 1. (13. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462054406
  • ISBN-13: 978-3462054408






Donnerstag, 13. Februar 2020

Sommer bei Nacht von Jan Costin Wagner


Inhalt:
Während eines Schulfestes verschwindet der 5-jährige Jannis spurlos.
Nur vage erinnern sich Zeugen an  einen Mann, der irgendwie Substanz und konturlos erscheint, auch Videoaufnahmen die den Entführer und das Kind in einer nahegelegenen Tiefgarage zeigen geben nicht viel her. Ein Teddybär der am Tatort zurückblieb, führt die Ermittler Ben Neven und Christian Sandner zu weiteren Vermisstenfällen.

Meine  Meinung:
Sommer bei Nacht, ist nach Sakari lernt durch Wände zu gehen, das zweite Buch Jan Costin Wagners, das ich gelesen habe und wieder übersteigt das Gefühl, das ich beim Lesen hatte meine Sprachgewandtheit um ein vielfaches, so das ich Probleme habe sie in Worte zu fassen.

Von der ersten Seite hatte ich das Gefühl als Beobachter dabei zu sein, ganz nah dran, getrennt durch eine Scheibe, welche die Worte und Gedanken der Protagonisten zwar klar und deutlich zu mir durchdringen ließen, sie aber gleichzeitig etwas dämpfte.

Die Handlung ist nicht neu, weder im realen Leben noch in Büchern, aber sie einfach fantastisch erzählt.
Nach und nach lernen wir die Ermittler Ben und Christian näher kennen, wobei die Leser Geheimnisse erfahren, die besser nie ans Licht kommen. Ich habe eine Stelle mindestens dreimal gelesen und war bis zu einer weiteren Erklärung trotzdem davon überzeugt mich geirrt zu haben, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Ich mag sowohl Ben als auch Christian, sie ermitteln strukturiert und sie lassen sich nicht von eigenen Gefühlen leiten, manchmal scheinen sie es an Mitleid für die Eltern des Kindes fehlen zu lassen, aber ich denke das täuscht.
Unterstützt werden sie von Landmann, einem ehemaligen Kollegen der ihnen hilft aus den wenigen Informationen zu Täter ein Profil zu erstellen, darin ist er gut, nur in seinem eigenen Umfeld versagt er kläglich, damit habe ich jetzt nicht zu viel verraten, denn das passiert in einer für den Fall eigentlich unwichtigen Nebenhandlung.
Aber es zeigt wie wichtig ein gewisser Abstand ist, um Zusammenhänge zu erkennen.
Der Entführer wird von den wenigen Zeugen als flauschig beschrieben, er scheint unauffällig und harmlos, während Ben und Christian fieberhaft nach ihm suchen, lernen wir ihn etwas besser kennen. Mütter kleinerer Kinder werden nach der Lektüre noch besser auf diese aufpassen, dass abgrundtief Böse lauert nicht im Verborgenen, manchmal steht es im Sonnenschein direkt neben uns und wir sehen es doch nicht.
Mein Fazit:
Absolut lesenswerter Auftakt einer Reihe, die ich auf jeden Fall weiterlesen werde.


  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Galiani-Berlin; Auflage: 1. (13. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3869712082
  • ISBN-13: 978-3869712086






West of Liberty: Ein Ludwig-Licht-Thriller von Thomas Engstöm

Inhalt:
Nach der Wende rutscht der ehemals sehr erfolgreiche Doppelagent Ludwig Licht immer mehr ab, nicht nur beruflich, auch privat läuft es nicht rund, Licht versinkt in Selbstmitleid und trinkt mehr als ihm guttut.
Aus Geldnot nimmt er immer wieder Aufträge der CIA an, dieses Mal soll er die Anwältin Faye Morris die als Anwältin der Whistleblower-Organisation Hydraleaks arbeitet, an deren Spitze  Lucien Gell steht, der Gründer der Organisation ist auf der Flucht in Deutschland abgetaucht.

Meine Meinung:
Ich habe schon lange keinen Spionagekrimi mehr gelesen, früher gefielen sie mir nicht, sie waren mir einfach zu politisch, das liegt natürlich in der Natur der Sache.
Als mir jetzt die Ludwig Licht Reihe auffiel, habe ich mich trotzdem dazu entschlossen, sie zu lesen, vielleicht gefallen mir Spionage Krimis mittlerweile besser, schließlich habe nicht nur ich meinen Lesegeschmack im Laufe der Jahre verändert, auch die Schriftsteller sind andere als zu den Zeiten, in denen mir diese Art Bücher nicht gefielen.

Die Story erinnert auf den ersten Blick an die Whistleblower von denen man in den letzten Jahren so viele hörte und da ich etwas von der Materie kannte, fiel mir der Einstieg in das Buch nicht schwer. Der Schreibstil Engströms ist flüssig und die Beschreibungen seiner Protagonisten und der Handlungsorte ist sehr bildhaft.
Dadurch das die Auftraggeber nicht alle wichtigen Informationen an Licht weitergeben, wird dessen Auftrag Gell aufzuspüren nicht gerade einfacher, überhaupt erfüllt die CIA auch in diesem Buch das Klischee der nicht ganz koscheren Organisation, die nur das preisgibt, was unbedingt nötig ist.
Ludwig Licht, erfüllt leider auch sämtliche Klischee eines Mannes am Tiefpunkt seines Lebens, er ist ungepflegt und trinkt, hoch verschuldet muss er einen Kredithai fürchten.
Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, diese Unart der Protagonisten aus Büchern zu streichen, man hat sie schon zu oft gelesen.
Nichtsdestotrotz ist West of Liberty, ein ordentliches Debüt, das bis auf kleine Schwächen durchaus gelungen ist. Ich bin gespannt wie es mit Licht weitergeht.

  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (4. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570103013
  • ISBN-13: 978-3570103012
  • Originaltitel: Väster om Friheten


Mittwoch, 12. Februar 2020

Das aussergewöhnliche Leben des Sam Hell von Robert Dugoni

Samuel James Hill kommt mit roten Augen zur Welt, der Wille Gottes sagt seine Mutter, als Teufelsjunge beschimpfen ihn andere.
Sam ist einsam.
Daran kann auch die bedingungslose Liebe seiner Mutter nichts ändern, die auf die Frage: Warum sind seine Augen rot?
Mit einem
Das ist mir egal
antwortete.
Und die nach Sams Aussage keine Zeit verschwendete und sofort begann ihren Sohn bedingungslos zu lieben.

Doch manchmal reicht es nicht von seinen Eltern geliebt zu werden, Kinder brauchen Freunde um glücklich zu sein und bis Sam diese Freunde findet, dauert es seine Zeit.
In der katholischen Grundschule wird er nicht nur von einem Mitschüler drangsaliert, auch die Schulleitung verhält sich dem außergewöhnlichen Jungen gegenüber nicht besonders christlich. Bis Ernie auftaucht, der einzige farbige Junge an der Schule und bis die wilde Mickie in sein Leben tritt, bekommt der intelligent und sehr liebenswerte Junge das Gefühl dazuzugehören.

Robert Dugoni erzählt Sams Geschichte beginnend im Jahr 1989 und von dort aus geht er immer wieder zurück in die Vergangenheit, die Sam verarbeiten muss, um sich vollends mit seinem Schicksal zu versöhnen.
Der Autor hat geschafft was nur wenigen gelingt, er hat mit seiner Geschichte mein Herz berührt. Ich bin normalerweise kein Freund von allzu emotionalen Geschichten, sie sind zumeist kitschig und drücken mit wohl gewählten Worten gezielt auf die Tränendrüsen der Leser. Dugoni schafft die Emotionalität eher beiläufig, so als stünde keine Absicht dahinter und das hat mich wirklich begeistert.
Robert Dugoni hat mich mitgenommen in das bewegte Leben Sams und ich war tatsächlich ein wenig traurig als ich ihn am Ende des Buches verlassen musste.
Von mir bekommt der Roman eine absolute Leseempfehlung.

Dienstag, 11. Februar 2020

1794 Niklas Natt och Dag


Als die Mutter einer in der Hochzeitsnacht getöteten Braut Jean Michael Cardell kontaktiert, um ihn  zu bitten den Täter zu finden, trifft sie ihn an einem Tiefpunkt seines Lebens an, nach dem letzten Fall und besonders nach dem Tod seines Freundes Cecil Winges im vergangenen Jahr, fiel der geniale Ermittler in ein tiefes seelisches Loch.
Für die Ermittler steht der Mörder fest, der Ehemann wurde als Täter identifiziert und in ein Irrenhaus eingeliefert.
Mit 1794 hat Niklas Natt och Dag, nicht nur einen extrem spannenden und teilweise sehr verstörenden Krimi geschaffen, sondern seinen Lesern auch einen tiefen Einblick in die Lebensumstände in Schweden im 18. Jahrhundert geschaffen. Hunger und Elend bestimmen das Straßenbild.
Ich liebe die Mischung aus gut recherchiertem historischen Roman und knallhartem Thriller.
Und knallhart trifft es hier wie die Faust aufs Auge. Der Autor spart nicht mit expliziten Gewaltbeschreibungen und dem Elend der damaligen Zeit.
Nach und nach offenbart sich Cardell und damit dem Leser die Wahrheit.
Die Protagonisten sind allen voran Cardell auch in diesem Band wieder mit sehr viel Liebe zum Detail beschrieben. Hier möchte ich kurz besonders auf Emil Winge eingehen, der nach dessen Tod den Platz an Cardells Seite einnimmt und diesen bei den Ermittlungen unterstützt. Winge scheint von seinen eigenen Dämonen verfolgt zu werden. Er ist nicht gemacht für den Sumpf, in den er gerät und lässt sich doch nicht unterkriegen, seine Art sorgt für einige überraschende Wendungen, die dem Buch sehr guttun.
Ich vergebe für 1794 eine absolute Leseempfehlung, für Leser mit starken Nerven.


  • Broschiert: 560 Seiten
  • Verlag: Piper Paperback; Auflage: 2. (3. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349206194X
  • ISBN-13: 978-3492061940
  • Originaltitel: 1794
  • Leena Flegler (Übersetzer)

Samstag, 8. Februar 2020

Doggerland Tiefer Fall von Maria Adolfson



Maria Adolfson entführt uns zum zweiten Mal nach Doggerland, der fiktiven Inselgruppe in der Nordsee. Auf der nördlichsten Insel Noorö wird der ehemalige Lehrer Frederick Stuubs tot aufgefunden. Unfall oder Mord?
Für Kommissarin Karen Eiken Hornby die Gelegenheit dem Weihnachtstrubel und dem langweiligen Krankenstand zu entgehen nicht ahnend, das auch Teile ihre Familie, die noch auf Noorö lebt, in den Fall verwickelt zu sein scheint.
Dieser Verdacht erhärtet sich noch als ein zweiter Mord geschieht.

Ich habe mich sehr auf den 2. Band der Reihe um Karen Eiken Hornby und damit auf eine Rückkehr nach Doggerland gefreut.


 Die Kommissarin ist mir schon im 1. Band ans mit ihrer etwas spröden Art ans Herz gewachsen, ich habe das nicht oft, meist stören mich allzu ausführliche Beschreibungen der privaten Situation der Ermittler mehr als sie mich unterhalten, hier ist das anders. Die Autorin schafft es mühelos dienstliches, als auch privates absolut flüssig zu erzählen, es gibt keinen störenden Bruch in der Erzählung, alles fließt, anders kann ich es nicht beschreiben.
Maria Adolfson legt immer wieder falsche Fährten, ich hatte immer wieder einen anderen Verdacht, der sich in schöner Regelmäßigkeit in Luft auflöste. Und Karen und ihren Kollegen ging es wohl nicht anders.
Neben den zermürbenden Ermittlungen auf Noorö wird Karen zu Hause auf Heimo ebenso dringend gebraucht, ihr Freundin Aylin schwebt in ihrer Ehe in höchster Gefahr und Karen muss zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, um sie zu schützen.
Karen entwickelt sich positiv im Laufe des Buches, sie kann sich immer mehr ihrem Schicksal stellen, sie muss vor sich selber und auch vor Freunden und Kollegen eingestehen, dass sie ihren Sohn und ihren Mann unwiederbringlich verloren hat.

*Und durch dieses Gefühlschaos dringt diese Stimme zu ihr, die ihr zuflüstert, dass sie diese Grenze nicht überschreiten darf. Erinnert sie an den unsichtbaren Stacheldraht, der ihre Existenz abzäunt. Im Inneren sind John und Mathis immer noch lebendig. Außerhalb des Zauns ist nichts.*

Erst wenn sie diese selbst gezogene Grenze überschreitet, ist in ihrem Leben wieder genügend Raum für ihre Freunde und vielleicht sogar wieder für die Liebe.
Das liest sich bei mir jetzt viel kitschiger als im Buch. 

Doggerland Tiefer Fall bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: List Hardcover; Auflage: 1. (31. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3471351833
  • ISBN-13: 978-3471351833
  • Originaltitel: Stormvarning



Dienstag, 4. Februar 2020

Das Grand Hotel: Die nach den Sternen greifen von Caren Benedikt


1924 Das Grand Hotel auf Rügen, ein Ort der Entspannung und des Sommervergnügens für die Reichen und Schönen aus dem ganzen Land. Hier darf nichts die Sommerfrische stören. Dafür sorgt Bernadette von Plesow, die nach dem Tod ihres Mannes das Haus und das Personal und sogar ihre Kinder, mit strenger aber gerechter Hand führt.


Historische Romane, lese ich eher selten, wenn dann handelt es sich meist um historische Krimis, aber manchmal muss man über den Tellerrand hinaus schauen, in diesem Fall lesen.
Verführt hat mich aber nichtsdestotrotz der Klappentext, der mir Downton Abbey an der Ostsee versprach. Ich habe die Serie zwar nie komplett gesehen aber das bisschen gefiel mir.
Hat der Klappentext gehalten was er versprach?
Ein ganz klares Nein, das Buch gefiel mir noch besser, denn es enthält auch die von mir so geliebten Krimi Elemente.
Während Bernadette auf Rügen alles daran setzt den guten Ruf ihres Hotels weiter auszubauen und auch mal zu moralisch nicht ganz einwandfreien Mitteln greift, führt ihr Sohn Constantin in Berlin ebenfalls ein Hotel. Die Passagen, die in Berlin spielen, lesen sich fast wie ein Roman im Roman und beide Teile greifen in perfekter Harmonie ineinander über. Hier verrate ich aber natürlich nicht mehr, aber wir erinnern uns an die ausschweifenden Goldenen Zwanziger in Berlin.
Ich mag Bernadette sehr, denn ich kann ihre Handlungen in großen Teilen nachvollziehen. Sie tut alles für ihr Lebenswerk, sogar ihre Kinder müssen hinter dem Hotel zurückstehen, ihr Sohn Alexander ist zwar offiziell Geschäftsführer aber wirkliche Entscheidungsfreiheit hat er nicht, im Gegensatz zu Constantin, der vielleicht zu viele Freiheiten hat. Josephine das Nesthäkchen der Familie hat künstlerische Ambitionen, sie träumt von einer Karriere als Malerin und von der Unabhängigkeit von ihrer Mutter und dem Familienerbe, ohne genau zu wissen, wie sie sich ihre Zukunft gestalten will.
Der erste Band der Familiensaga stellt die handelnden Personen vor, alte Geheimnisse werden enthüllt und neue verborgen, vieles was beim Lesen Fragen aufwirft, wird sicherlich in den Folgebänden beantwortet, allerdings hatte ich nach dem Beenden des Buches keineswegs das Gefühl, das mir etwas fehlt, das lag wahrscheinlich daran das ich ja weiß: Da kommt noch mehr.
Caren Benedikts Auftakt der Familiensaga ist spannend und was für mich besonders wichtig ist, erzählt ihre Geschichte kitschfrei es wird nichts verklärt, alles, was die Autorin beschreibt, ist durchaus vorstellbar.
Ich vergebe für das Grand Hotel eine absolute Leseempfehlung.

  • Broschiert: 528 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag; Auflage: Originalausgabe (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3764507071
  • ISBN-13: 978-3764507077