Mittwoch, 17. März 2021

Jonathan Strange & Mr. Norell von Susanna Clarke

 


Wir schreiben das Jahr 1806. Seit Jahrhunderten gibt es keine Zauberei mehr in England. Doch während auf dem Festland der Krieg gegen Napoleon tobt, entdecken die Zaubereihistoriker, dass es noch einen praktizierenden Magier gibt: Mr. Norrell, ein Einzelgänger, der zurückgezogen in Hurtfew Abbey in Yorkshire lebt. Noch ehe sich Regierung und High Society von dieser Überraschung erholt haben, taucht ein zweiter Zauberer auf: der junge, charismatische Jonathan Strange. Die beiden Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, schließen sich im Dienste der Krone zusammen, um in den Krieg einzugreifen. Doch Strange wird von der dunklen, mysteriösen Magie des Rabenkönigs angezogen, des größten Zauberers aller Zeiten. Um mehr über ihn zu erfahren, riskiert er sogar die Freundschaft zu seinem Mentor. Doch Mr. Norrell hat ebenfalls ein magisches Geheimnis, das ihn und alles, was er sich aufgebaut hat, zerstören könnte, wenn es jemals ans Licht käme.

Worauf habe ich mich da nur eingelassen.

Das war mein erster Gedanke als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt.

1000 Seiten sind eine Herausforderung, auch für Vielleser für mich, ein Buch mit weniger Seiten zu beenden, wenn es einem nicht zu 100 % zusagt, ist eine Sache, sich durch einen Wälzer dieses Ausmaßes zu ackern, eine ganz andere.

Was für ein Glück, das ich auf jeden Fall von der ersten Seite an den Schreibstil der Autorin sehr mochte, hier gebührt gleich zu Beginn ein großes Lob der Übersetzerinnen Rebekka Göpfert und Anette Gruber. Es braucht eine ganze Weile bis das Buch Fahrt aufnimmt, hier half mir dann wirklich nur die grandiose Sprache am Buch zu bleiben, denn erschwert wird das Lesen auch noch durch zahllose Fußnoten, die teilweise die Hälfte einer Seite einnahmen und die man wirklich nicht ignorieren sollte (und ich mag keine Fußnoten).
Hat man sich auf dieses Buch eingelassen, lässt es den Leser nicht wieder los. 
Die Geschichte ist vor dem historischen Hintergrund des Krieges zwischen England und Frankreich angesiedelt und hält sich an bekannte Fakten, die manchmal der Story geschuldet, etwas abgewandelt sind.

Die Story an sich ist recht schnell erzählt:
Es gibt Zauberei in England, auch wenn sie schon lange nicht mehr praktiziert wird, aber die Gentlemen der englischen Gesellschaft beschäftigen sich intensiv damit, sie lesen Zauberbücher und Bücher über Zauberei und sie diskutieren in Zirkeln darüber.
Die Gilde der Zauberer von York trifft auf Mr. Norell von dem eines ihrer Mitglieder Mr. Segundus, behauptet er hätte die größte Sammlung an Zauberbüchern in England, wenn nicht der Welt und er würde Zauberei praktizieren. Das dies den Tatsachen entspricht, muss die Gilde bald nach den ersten Kontaktaufnahmen feststellen. 
Der zweite Titelgebende Protagonist Jonathan Strange betritt  erst spät die Bühne der Geschichte  und bis dahin tauchen die Leser tief in die Zeit des Englands des 19. Jahrhunderts ein, am Ende hatte ich das Gefühl das Zauberei nicht nur in der Fantasie, sondern dort wirklich existiert, wer weiß das schon so genau.

Ich vergebe für dieses Meisterwerk der Fantasy eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Heyne Verlag; Neuausgabe Edition (14. Dezember 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 1056 Seiten
  • ISBN-10 : 3453424743
  • ISBN-13 : 978-3453424746
  • Originaltitel : Jonathan Strange & Mr. Norrell

Freund?Feind? Es gibt keine Garantie von Josef Anneken

 


Sein Chef hat ihm einen Auftrag wie einen Erholungsurlaub versprochen. Was Hauptkommissar Christian Ording vom BKA dann aber erlebt, ist genau das Gegenteil. Vor allem: Wem kann er bei seinen Ermittlungen trauen, wenn selbst Verbündete nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Vom beschaulichen Schwarzwald, über das unkontrollierbare New York bis in die tristen Einöden der USA führen seine Ermittlung. Die Hintermänner räumen dabei gnadenlos alles ab, was ihnen gefährlich werden kann, denn sie haben eine Menge zu verbergen. Das bringt auch sein Leben in höchste Gefahr.


Der Schriftsteller Ferdinand Backhaus wird von seiner Haushälterin und engen Vertrauten Vera Bergmann, tot in seinem Haus aufgefunden.
Augenscheinlich ist er an einem Herzinfarkt verstorben. Vera informiert seinen amerikanischen Verleger Bernhard Gromann, der sofort eine umfangreiche Werbekampagne startet, um die Buchverkäufe seines Starautoren nochmals anzukurbeln. Die Kampagne bewirkt u.a. das die Behörden eine genauere Obduktion veranlassen. Gleichzeitig macht er sich auf den Weg nach Deutschland, um Hinweise auf den Verbleib eines Entschlüsselungscode zu finden, dessen Veröffentlichung Backhaus angekündigt hatte und der die Klarnamen zu seinem letzten Roman enthalten soll.
Der BKA-Beamte Christian Ording, bekommt den Auftrag den Mord an Backhaus aufzuklären und sticht in ein Wespennest.

Josef Anneken , hat einen wirklich spannenden Krimi geschrieben, der nicht nur Einblicke in die Machenschaften der verschiedenen staatlichen Behörden gewährt, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen der Verlagswirtschaft. Das erste kann ich nicht beurteilen, da muss ich mich als Leser vollkommen auf die Recherchearbeit des Autors verlassen, allerdings klingt alles soweit authentisch.
Die Grundstory ist wirklich interessant, allerdings wird das Lesevergnügen durch die Liebesgeschichten die sich durch das komplette Buch ziehen, für meinen Geschmack sehr gestört, innerhalb kürzester Zeit verlieben sich erwachsene Menschen ineinander und werden so etwas wie Seelenverwandte, oder geben erstmal nur ihren Trieben nach, auch das ist im passenden Rahmen OK, nur hier passte es meiner Meinung nach nicht. Ich kann es schlecht erklären, da es sich um meine persönlichen Befindlichkeiten handelt, aber diese Liebesgeschichten, wie sie vonstattengehen, verleihen dem Roman streckenweise eine etwas angestaubte Atmosphäre, aber auch wirklich nur dann, sobald es wieder nur um den Fall geht, ist Freund? Feind? ein wahrer Pageturner, rasant und intelligent geschrieben.

  • Herausgeber : VERRAI-VERLAG; 1. Edition (21. Oktober 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 326 Seiten
  • ISBN-10 : 3948342210
  • ISBN-13 : 978-3948342210

Samstag, 13. März 2021

Die Erfindung von Mittelerde von John Garth


Auf Tolkiens Spuren: eindrucksvolle Entdeckungsreise durch eine fantastische Welt

John Garths umfassende Recherchen laden in 11 Kapiteln dazu ein, Tolkiens beispiellosem Einfallsreichtum zu folgen, und zeigen, auf welch vielfältige Weise der Kult-Autor die Realität für seine kreativen Zwecke umwandelte. Die Erfindung von Mittelerde - Was Tolkien zu Mordor, Bruchtal und Hobbingen inspirierte macht Lust darauf, noch unbekanntes in Mittelerde zu entdecken und weite Reisen in die Welt von Tolkiens Fantasie zu unternehmen!


Das Erste, was ich aus diesem Buch gelernt habe: Der Name *Mittelerde* basiert auf der angelsächsischen Bezeichnung für die uns bekannte Welt.

Und so ging es dann Kapitel um Kapitel weiter, bisher kannte ich nur die Bücher, der legendäre grüne Schuber steht wohl in jedem Haushalt in dem Fantasy gelesen wird. Natürlich war auch ich skeptisch als 2001 die Verfilmung des ersten Teils in die Kinos kam, aber dann war ich begeistert von der Bildgewalt.

Nur über die Hintergründe zur Entstehungsgeschichte oder über das Leben des Autors wusste ich bisher so gut wie nichts.

Zeit das zu ändern.

Der in Südafrika geborene Schriftsteller, geht im Jahr 1892 für einen längeren Urlaub nach England und verliebt sich in das Land und das Wesen der Landbevölkerung.

Mittelerde ist eine Mischung aus seinen Erinnerungen an Bloemfontain in der afrikanischen Steppe und den Orten an denen er in England lebte.


Ich war begeistert von den Informationen die ich aus dem ersten Kapitel: England und das Auenland, bekam. Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht aus welchen Grund Tolkien Mittelerde so und nicht anders erschuf.


Besonders beeindruckt war ich von dem Kapitel: Kriegsschauplätze, die Art wie Tolkien das Grauen das er dort erlebte in seinem Werk verarbeitete ist schlicht überwältigend, seien es die Schlachten oder die Höhlen, welche die Soldaten in die Kreidefelsen schlugen und die wohl Vorbilder für die Hobbit-Häuser waren.

An diesem Beispiel kann man das Talent Tolkiens erkennen, aus den schrecklichen Bildern die er während des Krieges sah, etwas Friedliches und Heimeliges zu erschaffen.


Ich kann John Garths Buch nur empfehlen, es birgt viele Informationen, für die die wie ich gar nichts über Tolkien wissen und sicherlich auch etwas Neues oder vielleicht eine andere Sicht auf die Dinge für die Fans die sich schon länger mit Tolkien und seinen Werken beschäftigen.


Für jemanden wie mich, der NIE Sachbücher liest (das letzte Sachbuch, das ich las, war langweilig und trocken, ich glaube damals war ich 12) ist dieses Buch eine reine Wohltat. Der Schreibstil John Garth ist leicht und verständlich und die über 100 Bilder und Illustrationen lockern alles noch weiter auf.


Zum Schmökern und Nachschlagen, so steht es im Werbetext zu dem Buch und das passt auf jeden Fall, ich werde es sicherlich noch häufiger zur Hand nehmen.


  • Herausgeber : wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG); 1. Aufl. Edition (24. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 208 Seiten
  • ISBN-10 : 3806242607
  • ISBN-13 : 978-3806242607
  • Originaltitel : The Worlds of J. R. R. Tolkien





Dienstag, 9. März 2021

Münchhausen Schock von Deborah Emrath

 


Eine Sonderschullehrerin liegt tot in ihrem Wohnmobil auf dem Campingplatz Rühle. KHK Emma Stanford glaubt nicht, dass Caroline Merker sich das Leben nahm. Zum Beispiel fehlt ein Abschiedsbrief und zwei gespülte Sektgläser sprechen auch nicht gerade dafür. Emma ermittelt und stößt auf eine Frau, die gegen so ziemlich jeden, der ihr im Weg steht, intrigiert. Dabei gräbt Emma einen Fall aus der Vergangenheit aus: Vor fünf Jahren gab es in der Lernhilfeschule eine schwere Konfrontation, bei der ein Junge ums Leben kam. Caroline Merker hatte einen schwerwiegenden Fehler begangen. Viel zu langsam wird der Polizistin klar, dass dieser Fall nichts mit Merkers Tod zu tun hat. Ihr läuft die Zeit davon. Dann hat Emma die entscheidende Idee, als sie in einem Fitnessstudio zusehen muss, wie ein Mann zusammenbricht. Jetzt ist sie dem Täter einen entscheidenden Schritt voraus. Sie kennt die tatsächliche Todesursache. Emma setzt alle Puzzleteile zusammen und kann beweisen, wer hinter dem Mord steckt. Doch zunächst muss sie ihre Freundin Barbara aus der Schusslinie des Mörders nehmen.


Emma Stanford ist wieder da, die Hamelner Kriminalkommissarin sieht sich dieses Mal mit einem Fall konfrontiert der nur Fragen aufwirft und keine Antworten dazu liefert. 
Die Sonderschullehrerin Caroline Merker wird in ihrem Wohnwagen tot aufgefunden, da auf den ersten Blick nichts auf Selbstmord oder gar Mord hinweist, ist die zum Leichenfundort gerufene Ärztin versucht den Tod Carolines, als natürlichen Tod zu diagnostizieren,  Emmas Instinkt sagt ihr etwas anderes und sie beginnt zu ermitteln.
Doch sie kommt nicht weiter, die Todesursache kann nicht abschließend geklärt werden und alle Verdächtigen, von denen es einige gibt, haben Alibis, die nicht zu widerlegen sind. Erst ein Zufall bringt sie auf die richtige Spur.
Münchhausen Schock ist der zweite Band der Reihe um Emma Stanford und wie schon der erste Münchhausen Wut, überzeugt dieser durch die recht realistische Darstellung der Polizeiarbeit, die in erster Linie aus Schreibtischarbeit und Klingel putzen besteht.
Auch in diesem Fall kommt das Privatleben der Kommissarin nicht zu kurz, ihre Beziehung zu ihrem Mann Andreas, der als Polizist in Bodenwerder arbeitet, ist nach einem dramatischen Vorfall im ersten Teil der Reihe wieder gekittet und auch mit Barbara ist sie immer noch eng befreundet. 

Die Autorin widmet einen großen Teil des Krimis, der Probleme die an deutschen Schulen bestehen, Förderschulen müssen geschlossen werden, Inklusionsschulen funktionieren nicht, da weder genug Gelder noch genügend Personal zur Verfügung stehen. Damit bringt sie zwar nicht nur Emma auf eine falsche Spur, sondern auch ihre Leser, aber auch wenn mich das bei anderen Themen stören würde, halte ich das Thema für so wichtig, dass es gar nicht oft genug auch in Unterhaltungsromanen behandelt werden, kann.

Ich vergebe für diesen spannenden Krimi eine Leseempfehlung

  • Herausgeber : edition oberkassel (18. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 250 Seiten
  • ISBN-10 : 3958132308
  • ISBN-13 : 978-3958132306





Montag, 8. März 2021

Mondteufel von Astrid Korten

 


Stellas Bruder Jordi wird im Alter von acht Jahren ermordet. Kurz nach dem Mord werden drei Jugendliche verhaftet und aufgrund eines Indizienprozessse zu zehn und acht Jahren Haft verurteilt.

Dreißig Jahre später erleidet die 42-jährige Stella eine Hirnblutung und wird in die Rehabilitationsklinik Euphoria verlegt. Wochen vergehen, an die sich Stella nach dem „Aufwachen“ nicht erinnern kann. Sie erfährt, dass ihre Mutter gestorben ist und ihr Mann sie urplötzlich verlassen hat. Auch geschehen seltsame Dinge in der Klinik.
Sie fragt sich, wem sie noch trauen kann, seitdem ihr Gedächtnis sie im Stich lässt.
Langsam beschleicht Stella das ungute Gefühl, dass nicht alle Veränderungen auf ihre Hirnblutung zurückzuführen sind.

Als Stella 30 Jahre nach dem Mord an ihrem 8-jährigen Bruder Jordi eine Hirnblutung erleidet und nach Wochen in der Rehabilitationsklinik Euphoria wieder aufwacht, ist für die 42-Jährige nichts mehr wie es war.
Nicht nur das sie sich an die vergangenen Wochen nicht mehr erinnern kann, in denen sie zwar *funktionierte* ihre Umgebung aber kaum bewusst wahrnahm, in der Zwischenzeit ist viel passiert, ihre Mutter ist plötzlich verstorben, weil sie ihre Medikamente nicht regelmäßig nahm und ihr Mann braucht plötzlich eine Auszeit. Stella verzweifelt nicht nur an ihrem Zustand, sie zweifelt auch daran wem sie noch trauen kann, denn nicht alle Veränderungen scheinen auf ihre Hirnblutung zurückzuführen sind.
 
Das Buch ist in drei Handlungsstränge unterteilt, da ist natürlich zunächst einmal Stella, die mit den Folgen ihrer Hirnblutung kämpft, der Titelgebende Mondteufel, von dem ich euch jetzt aber nichts erzähle und Rückblicke in die Zeit von dem Mord an Jordi für den 3 Jugendliche aufgrund von Indizien verurteilt wurden.

Wie immer macht es die Autorin ihren Leserinnen und Lesern nicht leicht, kaum jemand vermag es so geschickt wie sie falsche Fährten zu legen und immer wenn ich denke *jetzt habe ich es*, kommt wieder eine Wendung die all meine schönen Theorien zu Staub zerfallen lässt. 

Wieder einmal konnte Astrid Korten mich vollends von ihrem Buch überzeugen, ich lese ja schon länger alles, was sie schreibt und so hatte ich mich natürlich schon im Vorfeld auf ihr neues Buch
*Mondteufel* gefreut, wie sich herausstellte, war die Vorfreude berechtigt, Mondteufel ist ein komplexer Psychothriller mit überraschenden Wendungen und einem Ende mit dem ich so nicht gerechnet hätte.
*Mondteufel* bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Independently published (16. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 293 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8710242087






Sonntag, 7. März 2021

Dinosaurier auf anderen Planeten von Danielle McLaughlin


Klappentext: Eine junge Frau lernt ihren Mann ganz neu kennen, als sie zum ersten Mal seine Heimat an der nordirischen Küste besuchen; eine Mutter will verstehen, warum ihr kleiner Sohn so besessen ist von Tierknochen und der Apokalypse … In diesen Geschichten ist die Welt ebenso schön wie fremd. Männer und Frauen, Alt und Jung bewegen sich durchs Leben, wie ein Tourist ein fernes Land erkundet: aufmerksam, mit einer Mischung aus Staunen und Misstrauen. Sie leben in ständiger Gefahr, missverstanden, verletzt oder abgelehnt zu werden, und wollen doch nur begreifen, wer sie sind, in welcher Welt sie leben.


Dinosaurier auf anderen Planeten.
Mein erster Gedanke als ich den Titel dieser Anthologie las, war:
Oh Klasse Science - Fiction.
Selten hat mich ein Buchtitel so sehr in die Irre geführt,
aber natürlich wurde mir beim Lesen des Klappentextes schnell klar, das es sich um alles andere als SF handelt.


Der Werbetext für die Anthologie lautet:

Wer sonst nur Romane liest, wird diesen Kurzgeschichten verfallen.

Ich persönlich liebe sowohl Romane als auch Kurzgeschichten, diese haben immer einen besonderen Reiz, sie bringen schnell auf den Punkt worum es dem Autor geht, wenn sie mir nicht gefallen, sind sie schnell beendet. Romane führen die Leser in eine meist fremde Umgebung, er hat Zeit sich auf die Personen einzulassen und sie kennenzulernen, er lernt ihr Umfeld kennen und kann irgendwann erahnen, wie sie reagieren.
Danielle McLaughlin hat es geschafft mir bei jeder ihrer Geschichten das Gefühl gegeben einen Roman zu lesen.
Allerdings darf man keine *normalen* Kurzgeschichten erwarten.

Die Autorin lässt ihre Leser kurze Momente im Leben ihrer Protagonisten miterleben, diese sind ganz normale Menschen in ganz normalen Lebenssituationen und während des Lesens der ersten Storys, über versuchte ich zu ergründen was genau mir Danielle McLaughlin sagen will, ich wartete auf den Höhepunkt der Geschichte, ihre Auflösung, nur das kam nicht. Ihre Geschichten leben vom Ungesagten, sie erzählen von Verlusten, von Ängsten und auch von unerfüllten Erwartungen, vom Leben und sterben, selten zeigt sie glückliche Momente.

Im Englischen nennt man das wohl:
Build Your Own Story.

Jeder Leser wird die Geschichten für sich anders interpretieren und vielleicht ist das genau das, was die Autorin will, ihre Leser zum Nachdenken zwingen.

In der Titelgebenden Story, bekommt ein Ehepaar mittleren Alters Besuch von ihrer Tochter und dem sechsjährigen Enkelsohn, die sie seit über einem Jahr nicht gesehen haben, da diese in London leben.
In diesem Jahr, ist der Ehemann fast unmerklich aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ins ehemalige Kinderzimmer gezogen, das Paar lebt nebeneinander her, es ist nie die Rede davon das es schwerwiegende Konflikte gab, die dazu führten.
Nur beiläufig erfährt der Leser, das es dem Mann nicht recht ist, aufgrund des Besuches wieder in das gemeinsame Schlafzimmer zu ziehen.
Das Verhältnis zur Tochter scheint auch schwierig zu sein, sie bringt einen neuen Mann mit, von dem sie vorher nichts erzählte und nur die Beziehung zu ihrem Enkel beschert ihnen unbeschwerte Momente.


Die Neugier ist geweckt, was ist da vorgefallen, warum haben sich die Eheleute so entfremdet, warum kommt die Tochter nur selten zu Besuch, warum erzählte sie nichts von ihrem neuen Partner und warum enthüllt sie erst sehr spät von ihren weiteren Plänen? Diese und ähnliche Fragen stellt man sich unweigerlich bei jeder Geschichte.
Keine dieser Fragen wird auch nur annähernd beantwortet, aber das macht nichts, gar nichts, die Storys sind großartig erzählt. Sie sind allerdings nicht für Leser geeignet die keine losen Enden mögen.


Von mir bekommt Dinosaurier auf anderen Planeten eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung und ich bin sehr gespannt was wir von der Autorin noch zu lesen bekommen.
Ein großes Lob gebührt sicher auch der Übersetzerin Silvia Morawetz, soweit ich das beurteilen kann, hat sie großartige Arbeit geleistet und mit viel Sensibilität und sprachlichem Geschick nicht nur den Inhalt, sondern auch das Gefühl das die Geschichten vermitteln ins Deutsche übersetzt.



Herausgeber: Luchterhand Literaturverlag; Deutsche Erstausgabe Edition (22. Februar 2021)
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe : 256 Seiten
ISBN-10 : 3630874924
ISBN-13 : 978-3630874920
Originaltitel: Dinosaurs on Other Planets














Dienstag, 2. März 2021

Die Mauern von Porto von Mario Lima


Nach einem Brand im Bairro da Se werden die skelettierten Leichen zweier Frauen gefunden. Inspektor Fonseca und sein Team, zu dem seit kurzem auch Tété gehört, die bisher in Lissabon bei der Abteilung gegen Korruption gearbeitet hat, suchen fieberhaft nach der Identität der Frauen und nach Hinweisen auf ihren Mörder.
Ihre Ermittlungen führen sie zur Fundacao Esperanca, der Stiftung Hoffnung, die sich um Drogensüchtige im Viertel kümmert. Dort arbeitet Marcia, deren Mutter vor mehr als 20 Jahren mit der jüngeren Schwester Fernanda Hals über Kopf vor dem gewalttätigen Vater nach Venezuela floh und sich nie wieder bei ihr meldete. Allein gelassen blieb der jungen Frau nur noch ihr Onkel Claudio, der ihr von der Flucht der Mutter erzählte. Das von der Polizei veröffentlichte Bild eines Kettenanhängers wecken Zweifel in Marcia und sie vertraut sich ihrem Kollegen Rico an, der ehemals abhängige Bruder eines Gangsterbosses arbeitet wie sie bei der Stiftung Hoffnung.
Währenddessen legt die Staatsanwaltschaft den Fall der zwei Toten Frauen zu den Akten, die Tat ist nach 22 Jahren verjährt, doch ein weiterer Mord verbindet beide Fälle und Fonseca und sein Team hoffen beide Taten aufklären zu können.


Ich kenne Fonseca und sein Team seit ihrem ersten Fall "Barco Negro"
und seitdem freue ich mich immer wieder darauf nach Portugal zurückkehren zu können.
Die Krimis Mario Limas überzeugen mich jedes Mal aufs Neue durch die ruhige Art des Autors zu erzählen, er kann vollständig auf blutige Gewaltszenen verzichten ohne das die Spannung verloren geht.
Die Arbeit der Polizei wird meiner Meinung nach sehr realistisch dargestellt, sie besteht Hauptsächlich aus Zeugenbefragungen und dem auswerten der Spuren und Indizien und wird nicht nur durch das Schweigen eventueller Zeugen erschwert sondern in diesem Fall auch dadurch das der Mord an den Frauen verjährt ist, kein Wunder das das Team frustriert ist, besonders Tété die als Kind nach der Nelkenrevolution mit ihrer Familie aus Angola floh und am eigenen Leib erfahren musste wie ein Leben ohne Schutz von der Seite des Staates aussieht ist zutiefst enttäuscht von der Gesetzgebung. 
Da sie nicht aufgibt für Gerechtigkeit zu sorgen, macht sie um so sympathischer und das sie ein Team gefunden hat, das ihre Werte teilt ist ein Glücksfall.

Als Außenstehender sieht man die Mauern von Porto, die pittoresken Fassaden, die verwinkelten Gassen der Stadt, die traumhaften Ausblicke über die Dächer, all dies beschreibt Mario Lima sehr bildhaft. Was man nicht sieht ist das Elend hinter diesen Mauern, den Gewalttaten, der Prostitution, der Korruption und den Drogenhandel und der ewige Kampf der Polizei dagegen, aber auch das führt der Autor seinen Lesern eindringlich vor Augen.
 Ich vergebe für 
Die Mauern von Porto 
eine absolute Leseempfehlung.

Zum Autor:
Mario Lima lebt und schreibt in Portugal. "Barco Negro" ist der Auftakt zu einer Reihe von Kriminalromanen über Inspektor Fonseca und die Mordkommission Porto. Der zweite Band, "Tod in Porto", ist 2019 bei Heyne herausgekommen. Band 3, "Die Mauern von Porto", ist soeben erschienen.

  • Herausgeber : Heyne Verlag; Originalausgabe Edition (8. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 368 Seiten
  • ISBN-10 : 3453441133
  • ISBN-13 : 978-3453441132