Montag, 29. Juni 2020

Mord in Sunset Hall von Leonie Swann

Morning Cottage, so heißt Agnes Haus, in dem sie ihre außergewöhnliche Seniorenresidenz gründet, bis irgendein Witzbold die Worte
Sunset Hall 
auf das Schild schreibt.
Nach einer kurzen Phase der Empörung, empfinden die älteren Herrschaften den Namen dann aber als durchaus passend, wollen sie doch alle ihren Lebensabend in dem Haus genießen, selbstbestimmt und ohne Bevormundung, friedlich und umgeben von Menschen, die sie mögen.
Das Leben könnte so schön sein, trotz aller Einschränkungen des Alters, wäre da nicht eine verschwundene Pistole, die Leiche ihrer Mitbewohnerin Lillith im Schuppen und die Tote Mildred im Nachbargarten.
Gemeinsam mit ihren Mitbewohnern und Hettie der Schildkröte, die verzweifelt einen Platz für ihren Winterschlaf sucht, macht sich Agnes auf die Suche nach dem Mörder. Als ein weiterer Mord geschieht, erkennt Agnes das auch Sie in Gefahr ist.

Vor Jahren habe ich, wie gefühlt jeder andere auch, Glennkill der Autorin gelesen und ich mochte es, auch wenn ich die Werke der Leonie Swanns nicht weiterverfolgt habe, jetzt aber fiel mir Mord in Sunset Hall, in die Hände und da ich gerade auf der Suche nach leichter und unterhaltsamer Sommerlektüre war, kam mir das Buch gerade recht.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Trotz aller Leichtigkeit, ist die Geschichte durchaus spannend. Die Protagonisten sind sehr gut beschrieben, Agnes Hüftleiden und ihre beginnende Taubheit, Edwinas Leidenschaft für Yoga und der Verlust ihres? Ja was eigentlich? Sie erschien mir immer wie ein unschuldiges Kind, das die Last des Erwachsenseins nach und nach abwirft, ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das wirklich als Verlust ansehen will, nicht in der Umgebung, in der sie leben darf, in der jeder sie nimmt wie sie nun mal ist. Bernadette die ihr Augenlicht verliert, Winston ist auf den Treppenlift angewiesen und der Marschall der mit seinen Internetfähigkeiten dazu beiträgt, das die WG nicht mehr als nötig ins Dorf muss. Die eine oder andere Anekdote, hat mich wirklich zum Lachen gebracht.

Ich lese nicht oft Krimis aus dem Bereich Cosy Crime, die die ich bisher las, lebten meist nur von ihren Protagonisten und der besonderen Atmosphäre Englands, wir alle haben ja ein Bild vor Augen von Landhäusern, wunderschönen Gärten, betulichen älteren Damen und Fünf Uhr Tee, die Spannung bleibt dabei oft auf der Strecke, das ist keineswegs abwertend gemeint, manchmal darf es auch für mich etwas ruhiger zugehen.
Leonie Swann hat es nun geschafft zusätzlich zu der Atmosphäre auch noch eine ordentliche Portion Spannung einzubauen, eine wirklich gelungene Mischung. Ich dachte zwischendurch immer mal wieder: Jetzt weiß ich was passiert ist, aber die Auflösung der Morde, war wie ein Puzzle, das nur während des Legens perfekt zu passen scheint und nach deren Fertigstellung man sieht, welche Teile noch getauscht werden müssen, um ein wirklich rundes Bild zu ergeben.
Von mir bekommt
Mord in Sunset Hall
Eine Leseempfehlung.

  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Originalausgabe (25. Mai 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442315565
  • ISBN-13: 978-3442315567

Freitag, 26. Juni 2020

Goldjunge von Paula Bach (Ira Schwarz ermittelt 1 )


Die junge Kriminalhauptmeisterin Ira Schwarz arbeitet für die weibliche Kriminalpolizei, aber sie will mehr, sie will für die Mordkommission arbeiten, ein fast unmögliches Unterfangen im Jahr 1967.
Als die Leiche eines 16-Jährigen gefunden wird sie zunächst nur dazu eingesetzt sich, um die Mutter des Opfers zu kümmern. Das gehört zu den Hauptaufgaben der weiblichen Polizisten, Opferbetreuung und die Betreuung von weiblichen Verdächtigen oder minderjährigen. Für Ira, eine unbefriedigende Situation. Als die männlichen Kollegen einen Verdächtigen ermitteln, ist sie von dessen Schuld nicht überzeugt. Gemeinsam mit dem Journalisten Ben Weber ermittelt sie auf eigene Faust.
Es ist eine Zeit der Veränderungen, der 2. Weltkrieg ist noch nicht allzu lang vorbei, die politischen Strukturen sind verkrustet. Emanzipation ist ein Fremdwort genauso wie Toleranz.
Doch allmählich brechen die alten Strukturen auf, Studenten gehen auf die Straße, in den Bars herrscht eine gewisse Art von Freiheit. Theoretisch sind auch Frauen bei der Kriminalpolizei zugelassen, doch bis dahin ist noch ein langer Weg.

Ich mochte Ira, sie ist jung, zielstrebig und verantwortungsbewusst, das zeigt sich besonders auch in ihrem Privatleben, nach dem Tod ihrer Eltern kümmert sie sich um ihren minderjährigen Bruder, der zur damaligen Zeit mit knapp 18 Jahren noch lange nicht volljährig ist.
In ihrem Beruf ist sie aufmerksam und so sieht sie manchmal Hinweise die anderen verborgen bleiben. Unterstützt wird sie in ihrem Vorhaben zur Mordkommission zu wechseln von ihrer direkten Vorgesetzten Clara Wiener.
Als sie Ben kennenlernt sind die beiden zunächst wie Katz und Hund, erst nach und nach raufen sie sich zusammen und bilden ein tolles Team. Ben erfüllt das Klischee eines linken Journalisten, Jeans, lange Haare, ein unstetes Privatleben um es einmal vorsichtig auszudrücken, aber er hat auch einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.
Die Suche nach dem Täter ist spannend und sie lässt den Leser einen Einblick nehmen in die Polizeiarbeit der damaligen Zeit. Hier scheint die Autorin Paula Bach, wirklich gut recherchiert zu haben, soweit ich das beurteilen kann.
Der Kriminalfall, die Aufklärung des Mordes war sehr spannend und in sich schlüssig, die Charaktere sympathisch und ihre Handlungen durchaus nachvollziehbar.
Aber ich habe leider auch etwas zu meckern.
Im Buch werden zu viele Probleme auf einmal behandelt, ich will und kann sie nun nicht alle aufzählen, denn dann könntet ihr euch die Lösung des Falles vor dem Lesen zusammenreimen und das wäre nicht gut. Die Probleme die Paula Bach im Buch beschreibt, gehören zu der Zeit, sie sind real, damals wie heute.
Da wäre weniger mehr gewesen und das eine oder andere wäre in einem Folgeband besser aufgehoben, um diesen ersten Band etwas zu entlasten.
Nichtsdestotrotz bekommt Goldjunge eine Leseempfehlung von mir.#

Frau Goethe liest, hat auch noch eine Rezension zu dem Buch für euch:
https://fraugoetheliest.wordpress.com/2020/07/11/ein-serienmoerder-in-koeln-rezension/

  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch; Auflage: 1. (15. Juni 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354828888X
  • ISBN-13: 978-3548288888

Sonntag, 21. Juni 2020

Sumpffieber von James Lee Burke (Ein Dave-Robicheaux-Krimi, Band 10)


Die preisgekrönte Fotografin Megan Flynn kehrt Jahre nach dem brutalen Mord an ihrem Vater  nach New Iberia zurück und stellt Fragen zu seinem Tod, der nie wirklich aufgeklärt wurde. Dieser Umstand nagt auch an Dave der damals gemeinsam mit seinem Vater den Toten fand.
Auch den Mord an zwei Brüdern, die mutmaßlich eine Frau vergewaltigt haben sollen, konnte Dave bisher nicht aufklären.
Und dies bleiben nicht die einzigen Verbrechen, deren Ursprünge bis in die Zeit der Sklaverei zurückzureichen scheinen.

James Lee Burke, ist ein Garant für Spannung, seine Storys sind ausgefeilt und spiegeln die Lebensumstände in den Südstaaten der USA perfekt wieder. Aber spannende Krimis gibt es viele, warum also ein Buch lesen das schon vor 20 Jahren das erste Mal erschien?
Die Antwort ist einfach: James Lee Burke ist ein genialer Schriftsteller, seine Wortwahl erweckt die Menschen in seinen Büchern zum Leben und entführt die Leser in die Sümpfe rund um New Iberia. Man riecht fast die Hitze und den Schweiß und sieht auch die Schönheit der Bayous vor seinem inneren Auge. Leider konnte ich mir auch den immer noch allgegenwärtigen Rassismus in den USA nur allzu gut vorstellen. Auch bei diesem Thema kommt Burkes Wortkunst zum Tragen, was bei anderen aufgesetzt und gewollt daher kommt, klingt bei ihm absolut natürlich, als hätte er reale Gespräche aufgezeichnet und zu Papier gebracht.
 Dave Robicheuax hat in den Jahren seit seines ersten Auftritts in Neonregen nichts von seiner Faszination verloren, ich mag ihn sehr, er ist loyal und einfühlsam, auch wenn man ihm das nicht immer anmerkt, ein typischer Fall von: Harte Schale, weicher Kerl. Dave ist immer auf der Seite von Recht und Gesetz, das er immer durchsetzen versucht, ohne Rücksicht auf Herkunft oder Hautfarbe.
Um ihn genauer kennenzulernen, empfiehlt es sich den ersten Band der Reihe zu lesen, auch wenn das zum Verständnis des vorliegenen Buches nicht nötig ist.

Zitat: In Neonregen wird der Charakter Robicheaux ausführlich eingeführt, der Leser erfährt von seinem Alkoholproblem, seinen Erfahrungen in Vietnam, die ihn zu dem Mann machten, der er ist: Schwierig, impulsiv, stur und löst Probleme auch gern mal mit Gewalt, während er auf der anderen Seite, sensibel und einfühlsam ist.

Natürlich kommt auch die Spannung nicht zu kurz, auf jeder Seite geschieht etwas, das die Spannung weiter antreibt, interessante Dialoge halten die Leser am Buch und sorgen mit ihrem manchmal abrupten Abbruch dafür das man einfach weiterliest, auch wenn man schon längst schlafen sollte, denn man will wissen, wo sie hinführen. Burke überlässt nichts dem Zufall, alles, was er schreibt, ist wichtig und führt zum stimmigen Ende.
Sumpffieber, ist wie auch alle anderen Werke Burkes nicht ganz einfach zu lesen. Die Story ist wie ein Spinnennetz, alles ist irgendwie miteinander verbunden und wenn man an einer Stelle drauf tippt, zittert es an einem ganz anderen Ende.
Ich liebe es, wenn Bücher mich fordern und deshalb bekommt Sumpffieber eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • Verlag: Pendragon (10. April 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • Original Titel: Sunset Limited
  • Übersetzung: Christine Frauendorf-Mössel
  • ISBN-13: 978-3865326454

Sonntag, 14. Juni 2020

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt von C.A. Fletcher



Gleich zu Beginn richtet der Autor C.A.Fletcher das Wort an seine Leser, er schreibt:

Ein Wort zu Spoilern
Es wäre freundlich gegenüber anderen Lesern - um nicht zu sagen gegenüber dem Autor -, wenn die Entdeckungen die ihr mit Griz auf seiner Reise durch die Ruinen unserer Welt macht, unser Geheimnis bleiben...

Vor dem Lesen dachte ich: Natürlich versucht man Spoiler zu vermeiden, das ist ja selbstverständlich, aber je weiter ich las, je mehr ich erfuhr, desto bewusster wurde mir, wie wichtig es ist nicht alle relevanten Informationen preiszugeben.
Ich versuche also mein Bestes.

Die Hauptperson Griz lebt mit Eltern und Geschwistern auf einer kleinen, entlegenen Insel, andere Menschen sehen sie nur selten, denn es gibt so gut wie keine anderen Menschen mehr. Nur noch einige tausend Menschen sind nach einer biologischen Katastrophe übrig geblieben, die endgültige Apokalypse kam leise. Und sie traf nicht nur die Menschen, auch Hunde sind von der Unfruchtbarkeit betroffen, so verwundert es nicht, das Hunde nicht nur Arbeitstiere sind, die Haus und Hof bewachen und bei der Jagd helfen, sondern mehr denn je zur Familie gehören.
Der Besuch eines Fremden, dessen rote Segel eines Tages am Horizont auftauchen, bringt Aufregung in das Leben der Familie, mit seinen Geschichten und den unbekannten Dingen, die er mitbringt, ist Brand so nennt sich der Fremde, ist er eine willkommene Abwechselung. Mit seiner Freundlichkeit und seinem Lächeln erschleicht er sich das Vertrauen der Familie um am nächsten Morgen, mit gestohlenen Vorräten und Griz Hund Jess zu verschwinden. Hals über Kopf und ohne viel nachzudenken, folgt Griz dem Dieb.

C.A. Fletcher lässt Griz die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen, als einer der wenigen Menschen, die noch lesen und schreiben können führt der Teenager eine Art Tagebuch, in dem er niederschreibt, wie die Welt im Danach, also nach der Apokalypse aussieht und wie sie den Legenden nach ausgesehen haben soll.
Jeder der sein Herz einmal an ein Tier gehängt hat, sollte Griz Reaktion nachvollziehen können, wenn Freunde fehlen kann ein Hund diese ersetzen.
Während Griz den Dieb verfolgt, erleben wir die Welt durch die Augen des Teenagers, wir sehen menschenleere Großstädte und erkunden mit ihm Museen, seine Reise ist lang und durch die unmittelbare Nähe, die die Ich-Perspektive schafft, ist er Leser immer ganz nah bei Griz.
Fletcher kombiniert einige bekannte Elemente der klassischen Endzeit – Literatur und das macht er recht gut, und da am Ende eine überraschende Wende auf die Leser wartet, belässt er es nicht bei einer *Junge sucht Hund, findet Hund und alles wird gut* Geschichte.
Ihr merkt schon ich habe Schwierigkeiten euch die Story nahezubringen, ich müsste nämlich tatsächlich etwas spoilern.
Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt, ist auf jeden Fall eine sehr lesenswerte Dystopie, die vielleicht etwas Zeit braucht um seine Leser zu erreichen, man braucht etwas Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich auf jeden Fall.

  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: Penhaligon Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (27. April 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3764532327
  • ISBN-13: 978-3764532321
  • Originaltitel: A Boy and his Dog at the End of the World







Samstag, 13. Juni 2020

Die Augen der Finsternis von Dean Koontz


Als Tinas 12-jähriger Sohn bei einem Pfadfinderausflug ums Leben kommt, stürzt sie sich in ihre Karriere als Produzentin von Las Vegas Shows. Die Ablenkung tut ihr gut und langsam bekommt ihr Leben wieder Normalität, bis auf die Träume die sie heimsuchen und bis auf die Tatsache, dass auf der Kreidetafel in Dannys Zimmer die Worte. 
NICHT TOT
Erscheinen, während die Temperatur um einige Grad absinkt.
Tina ist immer mehr davon überzeugt, das ihr Sohn noch lebt und macht sich mit Hilfe des ehemaligen Geheimagenten Elliot Stryker auf die gefährliche Suche nach ihrem Kind.

Dean Koontz gehörte in meiner Jugend zu den Autoren, die ich lesen musste, ich mochte seine spannenden und mysteriösen Geschichten. Irgendwann aber geriet er in Vergessenheit, andere Autoren nahmen seinen Platz ein. Als Die Augen der Finsternis, als Vorhersage des Covid-19 Virus in alle Munde geriet, war meine Neugier geweckt. Zwar stehen noch einige ungelesene Bücher des Autors in meinem Regal aber leider nicht Die Augen der Dunkelheit von 1988, so musste ich mich mit der Neuauflage begnügen.
Ich muss sagen Koontz hat nichts von seiner Faszination eingebüßt, ich konnte mich gleich von den ersten Seiten an, in seine Protagonistin hineinversetzen, der Autor spielt geschickt mit den Ängsten seiner Leserinnen, jede Frau kann sich nur allzu lebhaft vorstellen, wie es wäre, wenn ihr Kind in Gefahr ist oder sie es auch nur in Gefahr wähnt. Tina lässt sich von nichts und niemandem davon abbringen nach ihrem Kind zu suchen.
Ich mag die Art wie Koontz seine Hauptprotagonistin beschreibt, sie ist unabhängig. Sie weiß, wann sie Hilfe annehmen muss und wann sie alleine klarkommt. Ich hatte beim Lesen manchmal das Gefühl, sie ist unabhängiger als so manche Protagonistin in modernen Büchern.
Und dann ist da noch Elliot, der Anwalt und ehemalige Geheimagent, verliebt sich auf den ersten Blick in Tina und lässt sich schnell davon überzeugen das bei dem Unfall der Pfadfindergruppe nicht alles mit rechten Dingen zu ging.
Seine Fähigkeiten und seine Erfahrung beim Geheimdienst sind von unschätzbarem Wert im Kampf gegen einen übermächtigen Gegner.

Ich habe natürlich immer auf den Bezug zur gegenwärtigen Situation gewartet, um ehrlich zu sein bis zur Hälfte des Buches, als bis dahin allerdings nicht einmal das Wort Virus erwähnt wurde, gab ich das auf und nahm das Buch, als das was es ist: Ein spannender, sehr gut lesbarer Mystery Thriller, der die Themen Telekinese und Telapathie behandelt und der aufzeigt wie weit Menschen gehen, um ihre Ziele zu erreichen, im Guten wie im Bösen.
Von mir bekommt Die Augen der Finsternis eine Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch; Auflage: 3. (15. Mai 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548064140
  • ISBN-13: 978-3548064147
  • Originaltitel: The Eyes of Darkness
  • Neuauflage von
    Die Augen der Dunkelheit




Sonntag, 7. Juni 2020

Der Nebel von Stephen King

Novelle aus Stephen Kings Erzählband »Blut – Skeleton Crew«
Neuauflage Mai 2020

Die Novelle kannte ich natürlich schon, aber es ist schon lange Jahre her das ich sie las und nach dem ich vor einiger Zeit die Serie gesehen habe, wollte ich meine Erinnerung wieder auffrischen. Ich wusste also was mich erwartet und so stellte sich mir die Frage.
Erfüllt 
"Der Nebel"
Meine Erwartungen? Funktioniert die Geschichte auch 35 Jahre nachdem ich sie das erste Mal las?"

Die Idylle eines kleinen Ferienortes wird durch einen ungewöhnlich, heftigen Sommersturm gestört, um die Vorräte aufzufüllen, fährt David mit seinem kleinen Sohn Billy und einem Nachbarn in den nahegelegenen Supermarkt, seine Frau Stephanie bleibt zurück.
Der seltsame Nebel der aufzieht beunruhigt David, doch bevor er nach Hause zurückkehren kann, wird er gemeinsam mit anderen vom Nebel im Supermarkt eingeschlossen und muss schon bald erkennen, dass eine Flucht nicht so ohne weiteres möglich ist, denn im Nebel lauern tödliche Gefahren. Bald schon brechen Konflikte innerhalb der Gruppe auf, verschiedene Strömungen versuchen ihre Meinung durchzusetzen, die Leugner, die die akzeptieren das nichts mehr ist wie noch vor wenigen Stunden und eine kleine Gruppe die in religiösem Wahn verfällt. 
Stephen King schafft es auf wenigen Seiten eine sehr beklemmende Atmosphäre zu schaffen, man muss die Erfahrung eingesperrt zu sein nicht einmal selber gemacht haben um die Situation nachempfinden zu können. Als Leser spekulieren wir gemeinsam mit David über den Auslöser und auch wenn es nicht bestätigt wird, scheint ein misslungenes Experiment des Militärs für die Situation verantwortlich zu sein. Mitte der 80er Jahre spricht man noch vom kalten Krieg und die Militärs sind sicherlich noch auf der Suche nach überlegenen Waffen, die Angst davor scheint King in dieser Novelle verarbeitet zu haben.
Seine Protagonisten offenbaren ihren Charakter schnell, sie benötigen nicht viel Zeit, die sie ja auch nicht haben auf gerade mal 220 Taschenbuchseiten und doch sind sie dem Leser schnell vertraut. Man muss sie nicht mögen, gerade David trifft die eine oder andere Entscheidung, die ich nicht gutheiße, aber darauf legt King es auch nicht an. Seine Charaktere sind ganz normale Menschen, die ganz normale Entscheidungen treffen. Tatsächlich also Menschen wie du und ich.
Ich hadere oft mit der Art wie der Autor seine Geschichten enden lässt und so war es auch als ich: 
Der Nebel
Das erste Mal las, mittlerweile sehe ich das anders, aber das Ende verrate ich euch natürlich nicht.
Zu Anfang habe ich mir selber die Frage gestellt ob die Novelle auch nach so langer Zeit noch funktioniert. Nach der Lektüre kann ich nur sagen: Ja auch jeden Fall.
Wie fast alle Bücher von Stephen King bekommt auch Der Nebel immer noch eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Neuveröffentlichung (11. Mai 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453441168
  • ISBN-13: 978-3453441163
  • Originaltitel: The Mist

Freitag, 5. Juni 2020

Despina Jones und die Fälle der okkulten Bibliothek von Tobias Bachmann

Gemeinsam mit ihrer Familie löst Despina Jones okkulte Fälle, die junge Frau ist Nekromantin, sie kann mit den Toten reden  und diese helfen ihr bei der Lösung ihrer Fälle. Von der antiquarischen Bibliothek ihres Onkels Barbarossa Norths aus, klären sie die kniffeligsten Fälle auf und unterstützen sogar sie Londoner Polizei mit Despinas Fähigkeiten.

Als sie einen Anruf von Pater Viktor dem Pfarrer der Kirche All Hallows by the Tower erhalten, der sie zu einem Gekreuzigten in der Krypta der Kirche ruft, stehen sie zunächst vor einem Rätsel. Wer ist der unbekannte Tote, der Despina gegenüber behauptet Jesus Christus zu sein und in welchem Zusammenhang steht er mit den anderen Toten, die in der letzten Zeit an einem Kreuz gestorben sind? Ist ein Sammler wertvoller Bücher, der sich selbst der Priester nennt und um jeden Preis die Cruciforma, ein Buch, das sich in Barbarossas Besitz befindet, erwerben will, das Bindeglied?

Tobias Bachmanns Roman erinnert zunächst an eine Geschichte, die im ausgehenden 19. Jahrhundert spielt, das ist dem charmanten Cover geschuldet und den Namen die an längst vergangene Zeiten erinnern, auch Despinas Art erinnerte mich an eine junge Dame im London der Vergangenheit. Den Gegensatz dazu bildet die moderne Technik die Despinas Schwester Tori nutzt, um das Team zu unterstützen. Dieses Gefühl begleitete mich durch das ganze Buch, was das Lesen zu einem besonderen Vergnügen machte.
Der Autor lässt sich viel Zeit, um die Protagonisten vorzustellen, wir erfahren einiges über Despinas Kindheit und darüber wie sie in die Obhut ihres Onkels kam. Tobias Bachmanns Schreibstil ist eher leise, ich weiß nicht wie ich es anderes ausdrücken soll, er braucht keine Knalleffekte um seine Leser am Buch zu halten, es ist auch so sehr spannend und schon allein die Vorstellung davon wie jemand am Kreuz stirbt, jagte mir Schauer über den Rücken. Und trotzdem gehört dieses Buch zu den Wohlfühlbüchern und das ist der liebevollen Atmosphäre innerhalb des engsten Kreises um Despina geschuldet.
Ich hoffe sehr auf weitere Fälle, die Despina Jones mithilfe der Toten und ihrer Familie löst.

  • Verlag: Acabus Verlag; Auflage: Originalausgabe (3. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862827798
  • ISBN-13: 978-3862827794







Montag, 1. Juni 2020

Patient Null von Daniel Kalla

Sehr viel näher am aktuellen Geschehen kann eine Story kaum sein.

Der Ausbruch der Pest, die sich mit rasanter Geschwindigkeit in Genua ausbreitet, stellt die Expertin für Infektionskrankheiten bei der Nato Dr. Alana Vaughn und ihren Kollegen Byron Menke von der WHO vor die schwierige Suche nach Patient Null. Alana vermutet das sich die tödliche Krankheit von einer Baustelle auf dem Gelände eines abgerissenen Klosters ausbreitete. Da es sich andererseits um einen unbekannten Erregerstamm handelt, schließt die Spezialistin Bioterrorismus ebenfalls nicht aus.

Alana fällt ein Tagebuch in die Hände, in dem der Baader Rafael Pasqua, vom Ausbruch der Pest in Genua im Mittelalter berichtet, er erzählt von Leichenbergen und dem fast aussichtslosen Kampf gegen die Krankheit, er erzählt auch davon das der Mensch einen Sündenbock braucht, waren es im Mittelalter die Juden die bezichtigt wurden an der verheerenden Krankheit schuldig zu sein, sie gar absichtlich verursacht zu haben, beginnen die Menschen in der Gegenwart den Moslems die Schuld am Ausbruch der Pest zu geben. Alana und Byron müssen also nicht nur verhindern das sich die Krankheit weiter ausbreitet, sie müssen auch eine Panik verhindern.

Als die Seuche Rom und Neapel erreicht, müssen sie erkennen, dass sich die Krankheit nicht nur auf natürlichem Weg ausbreitet, jemand hilft nach.

Und wieder gibt es Hinweise zu den Geschehnissen im Mittelalter.




Ich mag Bücher die auf zwei Zeitebenen spielen, wenn mir die Vergangenheit Hinweise auf das aktuelle Geschehen gibt, natürlich ohne zu viel zu verraten und wenn sich die Fäden beider Handlungsstränge am Ende perfekt aneinander Knüpfen und das ist dem Autor im vorliegenden Buch mehr als gelungen. Glaubhaft schildert er die mühselige Arbeit der Experten, den aussichtslos scheinenden Kampf gegen eine Krankheit, die gegen alle Medikament resistent zu sein scheint, er erzählt von den kleinen Schritten, die zum Erfolg führen. Seine Protagonisten sind keine strahlenden Helden in Schutzanzügen die irgendwann ein Heilmittel aus dem Hut zaubern, sie sind Wissenschaftler die Ratten obduzieren, Arztberichte lesen, Videos sichten und Menschen befragen, um so möglichen Infektionsquellen auf die Spur zu kommen.

Daniel Kalla arbeitet im Gesundheitswesen, das kommt dem Buch sicherlich zugute, wie immer wenn jemand über etwas schreibt mit dem er sich auskennt, da ich auch seinen Schreibstil als sehr angenehm empfand und die Story sehr spannend ist, vergebe ich für

Patient Null

eine absolute Leseempfehlung.
  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch; Auflage: 1. (15. Mai 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548064132
  • ISBN-13: 978-3548064130
  • Originaltitel: We all fall down