Werbung: Das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Dieser Sinnspruch hängt im Zuhause der jungen Perdita Menke, der Berliner Gerichtsmedizin. Hier ist sie aufgewachsen, als Tochter des Faktotums Menke, und hier hat sie beschlossen, Gerichtsmedizinerin zu werden – auch wenn ihr das als Frau Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst unmöglich gemacht wird. Stattdessen hilft sie aus und schrubbt die Seziertische. Menke, der seine Tochter allein großgezogen hat, begegnet ihr mit viel Liebe und Verständnis. Trotzdem sieht er sie lieber als Krankenschwester im Dienst der Lebenden als am Seziertisch.
Als eine junge Frau, arm, alleinlebend, Mutter eines Kindes und vermutlich alkoholkrank, in die Rechtsmedizin gebracht wird, steht das Urteil des zuständigen Arztes schnell fest: Selbstmord, keine weiteren Untersuchungen nötig. Doch Perdita sieht das anders und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.
Bei ihren Nachforschungen stößt sie immer wieder auf den Leichenbestatter Charon Czerny. Er macht aus dem Tod beinahe eine Show, wirkt charmant, gleichzeitig aber auch zwielichtig und eiskalt. Zwischen den beiden knistert es zwar, doch das steht zum Glück nicht im Mittelpunkt. Das hat mir persönlich gut gefallen. Entscheidend bleiben der Fall und die Frage, wer die junge Frau wirklich getötet hat und warum.
Die Autorin hat es geschafft, mir ihre Figuren näherzubringen. Neben Perdita sind da zum Beispiel der angehende Kriminalbeamte Dieter Schultz und seine Verlobte Isolde. Schultz unterstützt Perdita bei ihren Ermittlungen, denn er kann nur Karriere machen, wenn er einen spektakulären Fall löst. Beide bremsen Perdita allerdings manchmal etwas aus, wenn sie wieder einmal zu forsch vorprescht.
Besonders gut gefallen hat mir das Bild, das die Autorin von Berlin um 1910 zeichnet. Sternberg führt ihre Leserinnen und Leser in Sprechzimmer, Leichenkammern, Bestattungsinstitute und Hinterhöfe. Armut, Krankheit und Tod gehören dort zum Alltag. Wie der Tod einer armen Frau einfach abgetan wird, wirkt unangenehm realistisch und zeigt, welchen geringen Wert das Leben einfacher Menschen damals hatte.
Auch Perdita passt gut in diese Welt. Als Frau, die sich in einer von Männern bestimmten Welt ihren eigenen Weg sucht, ist sie eine interessante Hauptfigur. Sie möchte in der Medizin arbeiten und lässt sich davon nicht abbringen. Das macht sie sympathisch, auch wenn sie nicht immer perfekt handelt.
Dass die Geschichte auf einem realen Mordfall beruht, fand ich besonders interessant. Um welchen Fall es sich dabei genau handelt, konnte ich allerdings nicht herausfinden.
Beim Lesen brauchte ich allerdings etwas Geduld. Der bewusst altmodische Schreibstil mit seinen langen Sätzen und der gehobenen Sprache passt gut zur Zeit, in der die Handlung spielt, und schafft eine passende Atmosphäre. Gleichzeitig liest sich das Buch dadurch stellenweise etwas langsamer. Gerade am Anfang musste ich mich erst an den Erzählstil gewöhnen. Die Sprache ist sehr bewusst gewählt, was mir grundsätzlich gut gefallen hat, auch wenn ich dafür etwas mehr Aufmerksamkeit brauchte.
Auch die vielen Figuren machen das Buch stellenweise etwas anspruchsvoller. Die Autorin führt zahlreiche Charaktere ein und spielt geschickt mit den Erwartungen der Lesenden. Dadurch bleibt lange offen, wem man trauen kann und wem nicht. Das sorgt für Spannung und einige interessante Wendungen, kann aber zwischendurch etwas unübersichtlich werden.
Das Buch dürfte vor allem Leserinnen und Leser ansprechen, die historische Krimis nicht nur wegen des Falls lesen, sondern auch Interesse an der Zeit und ihren gesellschaftlichen Verhältnissen haben. Wer gern in vergangene Epochen eintaucht und Wert auf gut ausgearbeitete Schauplätze und Figuren legt, wird hier einiges entdecken. Auch Perdita ist eine Hauptfigur, die Spaß macht: Sie geht ihren eigenen Weg in einer Welt, in der Frauen viele Türen verschlossen blieben.
„Die an den Tod nicht glauben“ ist ein ruhiger, atmosphärischer Auftakt einer neuen Krimireihe. Besonders gefallen haben mir die Darstellung des Berliner Kaiserreichs, die ungewöhnliche Ermittlerin und die gesellschaftlichen Themen, die immer wieder in die Handlung einfließen. Der Roman nimmt sich Zeit für seine Geschichte und für seine Figuren. Wer historische Krimis mit viel Atmosphäre, glaubwürdigen Charakteren und einem Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit mag, findet hier einen lesenswerten Reihenauftakt. Wer dagegen ein hohes Tempo, kurze Kapitel und einen modernen, geradlinigen Schreibstil bevorzugt, könnte sich mit dem Buch etwas schwerer tun.
Schaut in den nächsten Tagen auf jeden Fall bei den anderen Bloggerinnen und Bloggern vorbei, euch erwarten großartige Beiträge.
📖 Alexandra von @lesebuch_meinebuecherundich
📖 Verena von @kapitel11
📖 Dorinne von @thenerdybookbird
📖 Carmen von @carmensbuecherkabinett
📖 Eliza und James von @elizasbuecherparadies
📖 Patricia von @patno_nichtohnebuch
📖 Sabine von @buchmomente
📖 Anni von @im_lesehimmel
📖 Tanja von @hasirasi2_nichtohnebuch
📖 Anke von @svanvitheanke
- Herausgeber : Droemer TB
- Erscheinungstermin : 3. November 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 400 Seiten
- ISBN-10 : 3426449730
- ISBN-13 : 978-3426449738





