Freitag, 18. September 2026

Rezension: „Rot ist der Schnee“ – Ein spannender Kriminalroman von Monica Piffaretti

Werbung – Rezensionsexemplar

Klappentext:Disentis, 1960. Der erste Schnee fällt, und er ist blutrot.

Schwester Maria Laura Franzetti wird brutal ermordet in der Nähe der alten Abtei aufgefunden. Ein kleinwüchsiger Clown aus dem überwinternden Zirkus gerät unter Verdacht. Niemand glaubt an seine Unschuld. Er stirbt verzweifelt im Gefängnis. Der wahre Täter aber bleibt im Dunkeln.
Fünfzig Jahre später führt die Spur des Verbrechens zurück ins Herz der Surselva. Die ehemalige Tessiner Kommissarin Delia Fischer, eigenwillig, naturverbunden und mit einer Leidenschaft für Insekten, wird auf den Fall angesetzt, als ein junger Mann aus Bellinzona verschwindet. Was sie entdeckt, reicht tief in die verborgenen Gänge einer düsteren Vergangenheit, und jemand ist bereit, erneut zu töten, um das Schweigen zu bewahren.

Worum geht es in „Rot ist der Schnee“?


Besonders berührt hat mich das Schicksal des kleinwüchsigen Bernado, der zu Unrecht des Mordes an der Ordensschwester Maria Laura verdächtigt wird. So garstig und vom Leben enttäuscht, wie die Ordensschwester beschrieben wird, müsste die Zahl der Verdächtigen eigentlich ziemlich groß sein. Trotzdem ist mit Bernado schnell ein vermeintlich passender Täter gefunden, offenbar vor allem deshalb, weil er als Außenseiter leicht in die Vorurteile der Menschen passt. Sein Schicksal zeigt eindringlich, wie schnell Vorurteile und gesellschaftliche Ausgrenzung zu einer scheinbaren Wahrheit werden können.

Ein Vermisstenfall Jahrzehnte später


Jahrzehnte später soll die ehemalige Kommissarin Delia Fischer das Verschwinden von Dylan aufklären. Dylan ist der Neffe des exzentrischen Rico Lamperti und nach dem Tod seiner Eltern bei seinem Onkel aufgewachsen. Die beiden haben jedoch sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie leben möchten, und streiten dementsprechend oft. Rico Lamperti erhält eine Postkarte, die angeblich von Dylan stammt. Doch er bemerkt einige Ungereimtheiten. Trotz seiner knurrigen Art macht er sich Sorgen um seinen Neffen.

Die Ermittlerin: Delia Fischer mit Ecken und Kanten


Auch Delia Fischer ist eine interessante und vielschichtige Figur: eigenwillig, naturverbunden und mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Sie blickt auf eine bewegte Karriere zurück, die sie schließlich zur Polizei führte. Ein Fall hat sie besonders geprägt: Ein Junge wurde von einem einflussreichen Politiker angefahren und sitzt seitdem im Rollstuhl. Weil Beweismaterial, das den Politiker belasten konnte, verschwand, wurde zugunsten des Politikers entschieden. Ein Kollege,Delias, wurde beschuldigt, schuld am Verschwinden der Beweise zu sein. Er wurde zudem so stark diskreditiert, dass er in der Psychiatrie landete. Für Delia war diese Ungerechtigkeit der Grund, ihren Dienst zu quittieren und sich als Privatdetektivin selbstständig zu machen.

Mir hat besonders gefallen, mit wie vielen Rätseln der Roman aufwartet. Immer wieder ergeben sich neue Fragen, und einige Wendungen und Überraschungen sorgen dafür, dass man seine bisherigen Vermutungen wieder infrage stellen muss. Dadurch bleibt die Handlung spannend und lädt dazu ein, aufmerksam weiterzulesen, um nach und nach die Zusammenhänge zu erkennen.

Auch Delia Fischer konnte mich überzeugen. Ihre eigene Vergangenheit und ihre Erfahrungen mit Machtmissbrauch und vertuschter Schuld machen nachvollziehbar, warum sie sich nicht mit vordergründigen Erklärungen zufriedengibt. Dadurch wirkt sie nicht wie eine unfehlbare Ermittlerin, sondern wie eine glaubwürdige Figur mit Ecken, Kanten und einer klaren Haltung zu Gerechtigkeit.


Fazit: Viele Rätsel und unerwartete Wendungen


Insgesamt hat mir Rot ist der Schnee sehr gut gefallen. Die vielen Rätsel, Wendungen und Überraschungen haben die Spannung für mich bis zum Schluss aufrechterhalten. Auch Delia Fischer ist eine interessante Ermittlerin, deren persönliche Geschichte gut in die Handlung eingebunden ist. Ein spannender Kriminalroman mit interessanten Figuren und einigen unerwarteten Wendungen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Neptun Verlag
  • Übersetzerin : Myriam Alfano
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 14. August 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 450 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 385820417X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3858204172
  • Originaltitel ‏ : ‎ Rossa è la neve

Donnerstag, 17. September 2026

Rezension: Wir jagen Schatten. (Wir finden Mörder-Serie, Band 2) von Richard Osman


Mit „Wir jagen Schatten“ setzt Richard Osman seine „Wir finden Mörder“-Reihe fort. Nachdem ich das Ermittlerteam bereits im ersten Band kennenlernen durfte, habe ich mich sehr auf ein Wiedersehen mit Steve, Amy und Rosie gefreut.

Darum geht es in „Wir jagen Schatten“.

Einen TV-Auftritt zu ihrem neuen Buch nutzt die erfolgreiche Thrillerautorin Rosie, um Werbung für ihre Detektei „Wir finden Mörder“ zu machen. Damit ruft sie den, nicht ganz so kriminellen, Vern Blackwood auf den Plan. Vern handelt mit gefälschten Vitaminpräparaten, die zwar nicht wirken, aber immerhin niemandem schaden. Als jedoch sein Bodyguard erschossen wird und der Mörder eine eindeutige Botschaft hinterlässt, wird die Sache deutlich ernster:

„Das ist eine Warnung. Ich komme wieder und dann bist du dran. Jakob Erikson.“

Vern glaubt allerdings nicht, dass Jakob hinter dem Anschlag steckt, da dieser eigentlich sein Freund ist. Deshalb beauftragt er die Detektei „Wir finden Mörder“ mit den Ermittlungen.

Im Mittelpunkt steht erneut das ungleiche Trio aus Steve, seiner Schwiegertochter Amy und Rosie. Gemeinsam versuchen sie, den rätselhaften Mordfall aufzuklären und einem äußerst schwer zu fassenden Täter auf die Spur zu kommen. Der Fall nimmt schnell internationale Ausmaße an und führt das Team von der Toskana über Barcelona und England bis nach Palm Springs.

Meine Meinung zum neuen Fall von Richard Osman

Grundsätzlich habe ich nichts gegen internationale Schauplätze. In diesem Fall hatte ich allerdings zunehmend das Gefühl, dass die vielen Ortswechsel vor allem dazu dienen, die Geschichte kinoreifer wirken zu lassen und Rosies Reichtum zur Schau zu stellen. Dass es ständig mit dem Privatjet von einem Ort zum nächsten geht, wurde mir auf Dauer etwas zu viel.

Der Kriminalfall selbst ist abwechslungsreich aufgebaut und bietet einige Wendungen, Verdächtige sowie falsche Fährten. Richard Osman erzählt mit viel Humor, lässt aber auch ruhigere, emotionale Momente nicht zu kurz kommen. Als Felicity, die Büroleiterin der Detektei, die ihrer eigenen Meinung nach viel zu gut bezahlt wird, und Tony, Steves bester Freund, überfallen werden, möchte Tony zunächst nicht, dass Steve davon erfährt. Er will ihn nicht zusätzlich belasten. Gerade an solchen Szenen merkt man, wie tief die Figuren miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Bedrohung auch vor dem persönlichen Umfeld der Ermittler nicht Halt macht.

Die Charaktere: Steve, Amy und Rosie

 Steve und Amy ergänzen sich hervorragend und bringen jeweils unterschiedliche Stärken ein: Steve überzeugt mit seiner Erfahrung und seiner ruhigen Art, während Amy als kompetente und entschlossene Bodyguardin für Sicherheit und Tatkraft sorgt, und sie hätte nichts dagegen, wenn es manchmal etwas heftiger zur Sache geht. Gemeinsam bilden die beiden ein interessantes Duo.

Mit Rosie hatte ich dagegen leichte Schwierigkeiten. Sie ist eine exzentrische Figur, schlagfertig und selbstbewusst, kann mit ihrer Art aber auch ziemlich anstrengend sein. Obwohl ihr Benehmen stellenweise an meinen Nerven zehrte, sorgt sie natürlich für humorvolle Situationen und hebt sich deutlich von Steve und Amy ab. 

Aber das ist jammern auf ganz hohem Niveau. Ich habe „Wir jagen Schatten“ gerne gelesen. Richard Osman verbindet einen spannenden Kriminalfall mit Humor, ungewöhnlichen Charakteren und einem hohen Erzähltempo. 

Fazit:

Wer den ersten Band mochte und Steve, Amy und Rosie gerne bei einem neuen Fall begleiten will, wird auch mit dieser Fortsetzung unterhaltsame Lesestunden verbringen.

📚📚📚📚📖 4,5 Buchsternchen für „Wir jagen Schatten“


  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Hardcover
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 10. September 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 432 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550204906
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550204906

Sonntag, 13. September 2026

Rezension: „Niemals geht man so ganz“ von Andreas Izquierdo


Andreas Izquierdos zweiter Fall mit Trauerredner Mads Madsen ist ein Krimi, der sich an einem Tag lesen lässt und trotzdem mehr bietet als bloße Unterhaltung. In „Niemals geht man so ganz“ erzählt der Autor eine Geschichte, die unter der Oberfläche zunehmend düster und komplex wird.

Worum geht es in „Niemals geht man so ganz“?

In Glücksburg an der Ostsee stürzt sich Anna Schmidt in einer Sommernacht ins Meer, ein scheinbarer Freitod, den Mads Madsen nicht akzeptieren will. Zu sehr widerspricht es seinem Bild einer Mutter, die ihre neunjährige Tochter Tilly einfach aus egoistischen Gründen zurücklassen könnte. Als er Tilly kurz darauf kennenlernt, ist für Mads klar, dass er herausfinden muss, warum Anna sich umbrachte.

Was als einfühlsame Spurensuche beginnt, entwickelt sich schnell zu einem gefährlichen Spiel. Je tiefer Mads in Annas Vergangenheit eindringt, desto mehr Ungereimtheiten tun sich auf und desto klarer wird, dass Anna einer gefährlichen Wahrheit zu nahe gekommen ist. Mads gerät durch seine Nachforschungen nicht nur selbst ins Visier skrupelloser Verbrecher, auch sein Vater, sein bester Freund und vor allem Tilly schweben in Gefahr. Besonders eindrücklich ist dabei das Schweigen des Kindes, denn Tilly weiß mehr, als sie preisgeben will.

Die Charaktere

Mads Madsen ist auch im zweiten Band ein sehr sympathischer Mensch, ein Trauerredner in Vintage-Anzügen, der mit viel Empathie, Menschenkenntnis und einer Prise Eigensinn durchs Leben geht. Nur seine Nachsicht seinem exzentrischen Vater gegenüber war mir etwas unverständlich. Sein Mitgefühl für Tilly und sein Unwille, eine einfache Erklärung als Selbstmord zu akzeptieren, machen ihn glaubwürdig und sympathisch. An seiner Seite sorgt Hauptkommissarin Luisa Mills wie gewohnt für Reibung. Sie ist unberechenbar und impulsiv, und ihr Anti-Aggressions-Training scheint offenbar nicht wirklich etwas gebracht zu haben. Dass sie Mads widerwillig unterstützt, obwohl der Fall offiziell gesperrt und ihr entzogen wurde, gibt der Dynamik zwischen den beiden eine zusätzliche interessante Note. Dazu kommen Mads’ exzentrischer Vater mit einem neuen Hobby und sein bester Freund, der Bestatter Fiete, der immer noch versucht, das Geheimnis zu lüften, das den „stillen Herrn Barnady“ umgibt.

Fazit: Ein kurzweiliger Ostsee-Krimi mit Tiefgang

Der Roman ist sehr kurzweilig geschrieben, ohne dabei flach zu wirken. Izquierdo schafft es, trotz des leichten Tons ernste Themen wie Verlust, Verantwortung und die Schutzbedürftigkeit von Kindern ernst zu nehmen, ohne in Pathos abzurutschen. „Niemals geht man so ganz“ ist ein gelungener zweiter Band der Reihe „Ein Trauerredner ermittelt“, temporeich, einfühlsam und mit Figuren, die man gern begleitet. Wer den ersten Fall „Über die Toten nur Gutes“ mochte, wird Mads Madsen auch hier wieder mögen und wer neu einsteigt, findet einen in sich geschlossenen Krimi mit Tiefgang.


  • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 15. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3755800128
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755800125
  • Abmessungen ‏ : ‎ 14.1 x 2.8 x 21.2 cm
  • Buch 2 von 2 ‏ : ‎ Ein Trauerredner ermittelt



Samstag, 12. September 2026

Rezension: Hashtag Glückskinder: II. Hochmut von Lupo Lito (Autor)



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 Nachdem mich der erste Band #Glückskinder schon überzeugt hat, war ich natürlich sehr gespannt, was mich im zweiten Teil #Hochmut erwartet: Was würde ich noch über die Welt erfahren, in der der namenlose Protagonist lebt?

Die Handlung: Nahtloser Anschluss und tiefere Einblicke

Der dystopische Roman „#Hochmut“ schließt nahtlos an den ersten Teil #Glückskinder an. Der Namenlose, so werde ich ihn jetzt immer nennen, denn ohne Namen ist es schwierig für mich, über einen Menschen zu sprechen, will immer noch verhindern, dass seine Kollegin Aurora weiter in der Firma beschäftigt wird. Nach und nach erfahren wir aus seiner Gedankenwelt, warum er so handelt. Hier verrate ich nur, dass es sich um etwas sehr Persönliches handelt: um eine Liebe zu einer Frau, die er Kid‑Kad nennt. Kid‑Kad ist eine Figur aus einem Kinderbuch, deren echten Namen er zunächst nicht einmal kennt. Dass er diesen Namen auf eine reale Person überträgt, zeigt schon, wie sehr er sich an dieser Figur festhält und welche Bedeutung sie für ihn hat.

Doch bevor es zum entscheidenden Gespräch mit „Captain“, seiner Vorgesetzten, kommt, sucht er Sonja auf, eine frühere Bekannte, die auf einem abgelegenen Hof unter ständiger Bewachung lebt und mit der er nach einem zunächst nicht erzählten Grund keinen Kontakt mehr hatte. Wir erfahren endlich so einiges über den „Umbruch“, der gleichzusetzen ist mit dem Ende der Demokratie, wie wir sie kennen, und über die Auswirkungen, die dieser Umbruch auf das Leben der Menschen hatte. 

Gesellschaftskritik: Wenn die Demokratie fällt

Eine Schlüsselszene, die die willkürliche Gewalt aufzeigt, ist die, in der der Namenlose mitbekommt, wie eine Mutter und ihr Kind von Polizisten behandelt und grundlos festgenommen werden, weil den Beamten das Verhalten des Kindes nicht gefällt. Und wir erfahren, was unter anderem dazu geführt hat, dass der Namenlose unter Ängsten leidet und nicht einmal darüber nachdenken möchte, was um ihn herum geschieht, was ihm allerdings nicht wirklich gelingt.

Im Angesicht der heutigen politischen Lage ist die Glückskinder-Reihe erschreckend aktuell, denn im Buch wird die Demokratie mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

Mein Fazit zur Dystopie-Fortsetzung

Diese Lektüre brachte mich ganz nah an den Namenlosen heran. Das ist der Erzählweise geschuldet. Der Autor lässt seine Leserinnen und Leser immer an seinen Gedanken teilhaben. Manchmal war mir das zugegeben etwas zu viel, am Ende aber wohl notwendig. Es bleiben auch hier Fragen offen. Die Rolle, die „Captain“ spielt, bleibt in meinen Augen noch undurchsichtig, besonders was die Kuppel betrifft, die auch in diesem Teil natürlich noch Thema ist. So bleibt es spannend, und ich freue mich auf den nächsten Teil der Reihe.


  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. Mai 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3819264051
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3819264054

Freitag, 11. September 2026

Rezension: „Voll im falschen Film“ von Wiebke Lorenz

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Werbung Rezensionsexemplar 
Heute darf ich euch meine Rezension zu dem neuen, unglaublich intensiven Roman „Voll im falschen Film“ von Wiebke Lorenz zeigen.
Voll im falschen Film – Darum geht es in dem Buch 
Nora ist seit drei Jahren trockene Alkoholikerin, als sie niedergeschlagen und entführt wird. Sie erwacht in einem Partykeller, der sie an den Keller ihres Elternhauses erinnert, inklusive der Poster an den Wänden. Für Essen ist gesorgt: Ein üppiges Buffet mit Käseigeln und Frikadellen steht bereit. Nur bei den Getränken wurde nicht an ihr Wohl gedacht: Es gibt ausschließlich Alkohol.
Als Nora nach vier Tagen in einem Park wieder zu sich kommt, weiß sie sofort, was passiert ist: Sie hat einen erzwungen Rückfall. Nun muss sie schnell wieder trocken werden. Ihr Exmann will das alleinige Sorgerecht für die Zwillinge beantragen und hätte gute Chancen das auch zu bekommen außerdem stehen, wichtige Dreharbeiten  an und Nora darf dort auf keinen Fall betrunken erscheinen, in ihrem Vertrag hat sie zugesichert nüchtern zu bleiben. Gleichzeitig möchte sie herausfinden, wer sie entführt und warum man sie gezielt zum Trinken gebracht hat.
Meine Meinung: Lohnt sich das neue Buch von Wiebke Lorenz?
Nora weiß, dass sie krank ist und Hilfe braucht. Trotzdem hat sie nach ihrem ersten Entzug die Anonymen Alkoholiker nicht mehr besucht. In einer Talkshow sagte sie damals, dass sie keine „Kalendersprüche“ brauche, um gesund zu werden.
Nora ist schlagfertig, selbstbewusst und doch verletzlich. Sie kann arrogant und anstrengend sein, trifft fragwürdige Entscheidungen und ist nicht immer sympathisch. Gerade dadurch wirkte sie auf mich aber sehr menschlich und authentisch. Man schüttelt beim Lesen zwar oft den Kopf über sie, aber genau das macht sie menschlich.
Besonders gut hat mir gefallen, wie eindringlich Wiebke Lorenz die Alkoholsucht beschreibt. Der Rückfall wird nicht als persönliche Schwäche dargestellt, sondern als der Kampf einer kranken Frau, die genau weiß, was mit ihr geschieht, es aber trotzdem nicht einfach verhindern kann. Suchtdruck, Scham und Verzweiflung wirken glaubwürdig, ohne dass der Roman belehrend wird. Die Geschichte hat mich an mehreren Stellen wirklich schlucken lassen.
Ein zentraler Bestandteil des Buches ist auch der Humor. Die Autorin schafft den Spagat zwischen dem ernsten Thema und einer gehörigen Portion schwarzem Humor, ohne dass es albern wirkt. Nora erzählt ihre Geschichte mit einer gewissen Selbstironie, sodass sich das Buch trotz der schweren Thematik flüssig liest.Auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Gemeinsam mit Nora fragt man sich, wer hinter der Entführung steckt und warum ihre Alkoholsucht gezielt gegen sie eingesetzt wurde. Die Mischung aus Entführungsgeschichte, schwarzem Humor und dem ernsten Thema Alkoholsucht hätte leicht schiefgehen können, hat für mich aber ausgesprochen gut funktioniert. Am Ende konnte ich die Beweggründe der Täter tatsächlich ein wenig nachvollziehen, auch wenn die Art und Weise wie sie handelten auf gar keinen Fall gutzuheißen ist.
Mein Fazit:
Wiebke Lorenz verzichtet auf den moralischen Zeigefinger. Sie erzählt eine ehrliche und bewegende Geschichte über eine Suchterkrankung, die durch die unperfekte Hauptfigur und den humorvollen Ton lange im Kopf bleibt. Wer Bücher mit psychologischem Tiefgang und unkonventionellen Charakteren mag, für den ist dieser Roman absolut lesenswert.


  • Herausgeber : Pendragon Verlag
  • Erscheinungstermin : 7. September 2026
  • Auflage : 1.
  • Sprache : Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe : 360 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3949840593