
Klappentext: Der umstrittene Schriftsteller Jascha Wrobel evoziert in einer Talkshow des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einen Skandal. – Ziemlich genau neun Wochen später diskutieren der Moderator und ein Journalist namens Hagen über die Hintergründe und Auswirkungen des Vorfalls. Was ist da passiert? Welche Vorgeschichte kennt man? Die Journalistin Jasmina Lorentz hat sich in den vergangenen Jahren zur Hauptgegnerin Wrobels entwickelt, sich immer wieder über dessen disputable Aussagen zu sensiblen gesellschaftlichen und politischen Fragen empört. Dabei hat sie versucht, ihn in ein Korsett ideologischer Hetzerei und Frauenfeindlichkeit zu zwängen, und schließlich Wrobels künstlerische Verantwortung und generell seine Kompetenz in Frage gestellt. Zusätzlich hatte sie in einem aufsehenerregenden Online-Artikel eine sehr persönliche Bemerkung zu Wrobel gemacht, der türkischstämmigen Ehefrau gemacht. Wenige Wochen nach Erscheinen des Artikels eskalierte die Fehde der beiden in einer legendären, dreizehnminütigen Talkshow-Livesequenz. Dieser Roman fasst das zusammen, was wir derzeit in so vielen Teilen der Gesellschaft entdecken: Spaltung, überzogene Polarisierung, Wunden, Verletzungen, Extreme ... und Ereignisse, die niemand braucht. Kornblum hat den "Skandalautor" als Modell-Vorlage gewählt und alles in deutlichem Ton, auch bis ins wechselhafte, auch aufregende Denken des Schriftstellers Wrobel hinein, ausgeleuchtet.Im Mittelpunkt steht der umstrittene Schriftsteller Jascha Wrobel, der in einer Talkshow einen öffentlichen Eklat provoziert. Wochen später werden die Ereignisse in einer weiteren Sendung aufgearbeitet. Dabei diskutieren ein Moderator und der Journalist Hagen, der nach dem Vorfall Menschen aus Wrobels Umfeld interviewt hat, über die Hintergründe. Ergänzt wird dies durch Rückblicke, Ausschnitte aus früheren Talkshows und Passagen aus Wrobels Sicht.
Die Erzählweise fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Durch die Mischung aus Talkshow-Ausschnitten, Interviews, Rückblicken und Wrobels eigenen Gedanken musste ich mich erst einmal zurechtfinden. Nach und nach wurde aber klarer, wie die einzelnen Ereignisse und Perspektiven zusammenhängen.
Im Zentrum steht der Konflikt zwischen Wrobel und der Journalistin Jasmina Lorentz. Sie kritisiert ihn seit Jahren öffentlich und wirkt dabei auf mich nicht immer ganz fair. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass ihre Kritik längst nicht mehr nur seinen Ansichten gilt, sondern zunehmend auch ihm als Person. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Artikel von Lorentz, in dem sie Wrobel sehr persönlich angreift und der schließlich die Ereignisse ins Rollen bringt.
Spannend fand ich, dass der Roman dabei keine einfache Seite vorgibt, auf die man sich schlagen soll. Stattdessen zeigt er, wie festgefahren der Konflikt zwischen den Beteiligten geworden ist und wie beide Seiten ihre eigenen Verletzungen und Überzeugungen mit sich herumtragen.
Wrobel war mir von Anfang an unsympathisch, auch wenn er ein interessanter Charakter ist. Er ist ein Mensch, der aktuelle Themen wie Klimakatastrophe, Migration und Gleichberechtigung leugnet oder ins Lächerliche zieht. Das widerspricht meinen eigenen Ansichten so sehr, dass das Lesen darüber zeitweise fast wehtat. Genau diese Unbequemlichkeit macht den Roman aber auch ehrlich: Er zwingt dazu, sich mit Positionen auseinanderzusetzen, die man ablehnt.
Gleichzeitig blieb für mich lange unklar, wie Wrobels politische Haltung tatsächlich einzuordnen ist. Immer wieder verweist er darauf, dass seine Romane satirisch zu verstehen seien, wodurch die Grenzen zwischen Provokation, literarischer Inszenierung und persönlicher Überzeugung verschwimmen. Dennoch entstand bei mir insgesamt der Eindruck, dass seine Positionen deutlich am rechten Rand des gesellschaftlichen Meinungsspektrums verortet sind. Gerade diese Ambivalenz macht die Figur interessant, weil sie sich einer eindeutigen Einordnung entzieht und dadurch Raum für unterschiedliche Interpretationen lässt.
Für mich war „Der Eklat“ ein Roman, der volle Aufmerksamkeit verlangt. Besonders die Passagen aus Wrobels Sicht fand ich sehr interessant. Seine Rechtfertigungen, seine Wut und sein Selbstmitleid machen ihn nicht sympathisch, aber durchaus glaubwürdig. Gleichzeitig haben die anspruchsvolle, oft dichte und verschachtelte Sprache sowie die zahlreichen Fremdwörter meinen Lesefluss immer wieder gebremst, da sie sich nicht immer unmittelbar erschließen. Dennoch hatte ich auch den Eindruck, dass genau diese Sperrigkeit gewollt ist und zum Konzept des Romans gehört. (auch wenn mir persönlich das dann doch etwas zu viel war, dadurch wird der Roman weniger zugänglich, als er sein könnte) Die Sprache fordert fast dieselbe Aufmerksamkeit ein wie die gesellschaftlichen Konflikte, die der Roman verhandelt. Was die Lektüre manchmal anstrengend macht, trägt zugleich wesentlich zu ihrer Wirkung bei.
- Herausgeber : KUUUK
- Erscheinungstermin : 30. Juni 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 230 Seiten
- ISBN-10 : 3962900535
- ISBN-13 : 978-3962900533
- Lesealter : Ab 12 Jahren