Montag, 19. Oktober 2026

Rezension: Die Geburt des Raben von Uwe Zander

 

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Der Inquisitor Corvus wird nach Gengenbach geschickt, um den mysteriösen Tod eines Weihbischofs aufzuklären. Die Magd Annegred Mälzer findet den Geistlichen tot in seinem Bett, doch der liegt dort nicht allein. Neben ihm schläft ein Junge. Ein Anblick, der zunächst mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.
Sowohl die Magd als auch der Junge werden in Gewahrsam genommen. Gleichzeitig sitzen mehrere Frauen in Haft, die der Hexerei beschuldigt werden. Corvus muss herausfinden, was in jener Nacht wirklich geschehen ist. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht: Es geht nicht nur darum, einen Mord aufzuklären, sondern möglicherweise auch darum, unschuldige Frauen vor dem Scheiterhaufen zu bewahren. Dabei steht der Ermittler unter massivem Druck, denn auch der Bürgermeister von Gengenbach drängt auf schnelle Ergebnisse.

Ein Ermittler, der überrascht: Balthasar Corvus

Balthasar Corvus hat mir als Hauptfigur besonders gut gefallen. Er ist ein aufgeklärter Mann, der sich nicht mit vorschnellen Antworten zufriedengibt. Er beobachtet genau, denkt nach und hört den Menschen zu, die er verhört. Gerade das fand ich bemerkenswert, denn bei einem Inquisitor stellt man sich wohl zunächst einen ganz anderen Charakter vor.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Verhör des kleinen Peter, der neben dem toten Weihbischof gefunden wurde. Corvus begegnet dem Jungen mit einer Ruhe und Besonnenheit, die ich so nicht unbedingt erwartet hätte. Er setzt ihn nicht unter Druck, sondern versucht, ihn ehrlich zu verstehen. In diesen Momenten wurde mir der Inquisitor besonders sympathisch. Ich war überrascht, wie unvoreingenommen er an die Sache herangeht. Er hört sich an, was die Menschen zu sagen haben, und versucht, sich selbst ein Bild zu machen, anstatt einfach andere zu verurteilen. Dabei bleibt er offen für Erkenntnisse, die vielleicht nicht zu dem passen, was andere glauben oder erwarten.
Beim Lesen habe ich mich oft gefragt: Wie muss es gewesen sein, damals zu leben, als die Menschen so sehr an Hexen glaubten und ein solcher Vorwurf über Leben und Tod entscheiden konnte? 
Wie viel Wahrheit lässt sich überhaupt finden, wenn das Umfeld glaubt, die Antwort schon zu kennen?

Schreibstil: Liebe zum historischen Detail

Der Einstieg in das Buch ist mir allerdings nicht ganz leicht gefallen. Uwe Zander beschreibt die Schauplätze und Begebenheiten für meinen Geschmack stellenweise etwas zu ausführlich. Da wird beispielsweise sehr genau geschildert, wie oft ein Schlüssel im Schloss knackt, wenn er gedreht wird, oder wie das Rathaus von Gengenbach aufgebaut ist. Solche Details waren mir manchmal einfach ein bisschen zu viel, und ich hätte mir an der einen oder anderen Stelle gewünscht, dass die Handlung schneller vorankommt. Das ist allerdings mein persönlicher Lesegeschmack. Andere Leserinnen und Leser mögen gerade diese Ausführlichkeit schätzen.
Ganz anders ging es mir mit den Beschreibungen des damaligen Alltagslebens. Hier haben mir die vielen Details richtig gut gefallen, weil sie mir geholfen haben, mir die Zeit und die Menschen besser vorzustellen. Ich hatte dadurch ein klares Bild vor Augen und konnte mich immer mehr in die Welt der Geschichte hineinfinden. Nachdem ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, fiel es mir zunehmend leichter, mich auf die Handlung einzulassen. Und je mehr ich in den Fall eintauchte, desto interessanter wurde es für mich. Besonders die Frage, was hinter den Anschuldigungen steckt und wie weit die Menschen bereit sind zu gehen, wenn Angst und Aberglaube ihr Denken bestimmen, hat mich tief beschäftigt.

Mein Fazit zu „Die Geburt des Raben“

Ein historischer Kriminalroman, der mich vor allem mit seinem unkonventionellen Ermittler überzeugen konnte. Balthasar Corvus ist eine Figur, die mir ans Herz gewachsen ist, gerade weil er nicht einfach das tut, was man von einem Inquisitor erwarten würde. Er hinterfragt, hört zu und versucht, sich sein eigenes Urteil zu bilden.
Auch wenn mir manche Beschreibungen etwas zu ausführlich waren, bin ich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut in die Geschichte hineingekommen. Wer gerne historische Krimis liest und sich für diese Epoche interessiert, kann mit dem Buch unterhaltsame Lesestunden verbringen.
Fun Fact: Ich wollte meine Tochter eigentlich Lilith nennen, nach der ersten Frau Adams, aber das wäre in unserem katholisch geprägten Wohnort sicher nicht gut angekommen. Und was hat Lilith nun mit der Story zu tun? Lest das Buch, dann erfahrt ihr das auch.
  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 7. Januar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 298 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3695140437
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3695140435

Freitag, 16. Oktober 2026

Rezension: Der Tote unterm Tannenbaum – Gemütlicher Weihnachts-Cozy-Crime von Charlotte Candlewood


 Cozy Crime ist ja normalerweise nicht mein Genre. Da ich die Autorin aber unter ihrem anderen Namen, Charlotte Charonne, kenne, wusste ich, dass sie auf jeden Fall schreiben kann. Und tatsächlich: Der Tote unterm Tannenbaum ist ein unterhaltsamer weihnachtlicher Krimi, der genau das liefert, was der Klappentext verspricht: britischen Charme, skurrile Figuren, ein gemütliches Gästehaus und einen Fall, bei dem man gern miträtselt.

Worum geht es in "Der Tote unterm Tannenbaum"?

Lily hat kurz vor Weihnachten praktisch alles verloren: ihren Job, ihren Freund und ihre Wohnung. Auch der neue Job, auf den sie gehofft hatte, wird kurzfristig abgesagt. Umso willkommener ist das Angebot ihrer Tante Margery, in deren Gästehaus Graceheart Manor im Dorf Rosebury auszuhelfen. Doch schon bald meint Lily, dass dort etwas nicht stimmt. Nachts gibt es Geräusche, Gegenstände verschwinden, und sie hat das Gefühl, beobachtet zu werden. Während Tante Margery an Geister und übernatürliche Energien glaubt, vermutet Lily einen sehr realen Eindringling.

 Weihnachtliche Stimmung in Surrey

Rosebury selbst hat die Autorin liebevoll gezeichnet: ein kleines Dorf in Surrey, eine Stunde von London entfernt, mit Cottages, die in der Primrose Lane fast wie kleine Charaktere wirken. Dazu kommt das Graceheart Manor, das auf einer Anhöhe über dem Dorf liegt und mit seinen festlich geschmückten Fenstern zunächst genau die gemütliche Kulisse bietet, die man sich für einen weihnachtlichen England-Krimi wünscht.

Die Autorin lässt hier viel Raum zum Spekulieren. Die Gäste benehmen sich durch die Bank seltsam, und nach und nach verdichtet sich das Gefühl, dass im Graceheart Manor mehr vorgeht als festliche Weihnachtsstimmung. Als sich herausstellt, dass der örtliche Buchhändler Bernie hoch verschuldet ist und im Gästehaus einen Schatz vermutet, wird es richtig spannend. Und dann gibt es auch noch einen Todesfall: Jemand stürzt im Haus die Treppe hinunter. Die Gerichtsmedizin spricht von einem Unfall, Margery und Lily sind überzeugt, dass es Mord war.

Meine Meinung: Britischer Charme trifft auf Dorfgeheimnisse

Besonders gut hat mir gefallen, wie eng hier Weihnachtsstimmung und Dorfleben verbunden sind. Es gibt Mince Pies, Tee, Mistelzweige und diese typisch britische Mischung aus Herzlichkeit, Neugier und kleinen Eigenheiten. Rosebury wirkt dadurch nicht nur als Schauplatz, sondern fast wie eine weitere Figur: malerisch auf den ersten Blick, aber mit erstaunlich vielen Geheimnissen hinter den hübschen Fassaden.

Gelungene Charaktere mit Ecken und Kanten

Mir hat besonders die Dynamik zwischen Lily und ihrer Tante gefallen. Beide haben ihre Eigenheiten. Margery glaubt felsenfest an Geister, legt Tarotkarteb, trinkt natürlich Tee und ist ebenso überzeugt, dass Lily den Fall aufklären kann, schließlich macht die ja Yoga. Margery hat Yoga nicht wirklich verstanden und will das wohl auch nicht.😊 Lily ist dagegen bodenständiger, neugierig und trotz aller Rückschläge nicht bereit, einfach aufzugeben. Dazu gesellt sich Ben, ein Journalist mit einem guten Gespür für verborgene Geschichten. Er ist kein typischer Ermittlungspartner, sondern erst einmal jemand, dem Lily nicht sofort vertraut, auch weil sie das Prickeln das sie verspürt wenn er in der Nähe ist, gar nicht erst zulassen. Gerade diese Zurückhaltung macht die Entwicklung zwischen beiden angenehm unaufgeregt. Dass sie mein Lieblingsparfum nicht mag, nehme ich ihr zwar ein bisschen krumm, aber ihre Liebe zu Sandelholz macht das wieder wett.

Natürlich darf in einem Cozy Crime, der an Weihnachten spielt, die Romantik nicht fehlen. Wir sind ja in England, und dort gehört der Kuss unter dem Mistelzweig angeblich zur Tradition. Wer sich küsst, wer sich vielleicht mehr als einmal küsst und ob es bei einem Paar bleibt, verrate ich genauso wenig wie den Täter.

Fazit: Das perfekte Buch für gemütliche Winterabende

Der Tote unterm Tannenbaum ist ein atmosphärischer Weihnachts-Cosy-Krimi mit Slow-Burn-Romance, viel weihnachtlicher Stimmung und einem Dorf, in dem offensichtlich niemand ganz ohne Geheimnis ist. Zwischen Mince Pies, Mistelzweigen, Tee und festlich geschmückten Cottages entfaltet die Autorin ein England, das man beim Lesen fast sehen kann: gemütlich, etwas verschroben und dennoch voller Spannung. Wer gemütliche Winterabende auf dem Sofa, britische Dorfgeschichten und einen Krimi ohne zu viel Härte mag, wird hier gut bedient. Für mich war es ein gelungener Ausflug in ein Genre, das ich sonst eher selten lese.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Dryas Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Erstauflage
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 300 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986721126
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986721121


Donnerstag, 15. Oktober 2026

„Malta im Oktober: Zwischen Flugchaos doofem Hotel, Pastizzi, Cocktails und einem Meer voller Sonne“

Jetzt wurde ich so oft gefragt, wie es auf Malta war. Dann erzähle ich es mal.
Chaos beim Abflug und perfekter Transfer
Am Flughafen hatte ich zeitweise nicht mehr damit gerechnet, dass wir Malta überhaupt erreichen. Wir waren pünktlich, genau wie gefühlt 2.000 andere Reisende, die mit derselben Fluggesellschaft fliegen wollten, wenn auch nicht alle nach Malta. Die Schlange vor den Schaltern war elendig lang, die Schalter selbst nicht besetzt. Stattdessen hieß es Self-Check-in und selbstständige Kofferabgabe, wobei die Gepäckbänder nach jedem dritten Koffer den Dienst verweigerten. Irgendwie haben wir es dann doch in den Flieger geschafft. Dieses Glück hatten nicht alle, wie uns die Flugbegleiterinnen verrieten, ein toller Start in den Urlaub. Zwei Stunden später landeten wir auf Malta, und keine halbe Stunde später waren wir im Hotel. Der Transfer lief jedenfalls perfekt.
Zimmer-Enttäuschungen und eine späte Mitbewohnerin in Marsaskala
Das Hotel in Marsaskala war es dann wieder weniger. Von außen und in der Lobby machte es einen netten Eindruck, aber das erste Zimmer, das wir bekamen, war so gar nicht das, was wir uns vorgestellt hatten: Drei Einzelbetten? Wir konnten das Zimmer zwar tauschen, was wir im Nachhinein vielleicht lieber nicht getan hätten. Als wir die Vorhänge öffneten, schauten wir auf eine Wand, ungefähr 50 Zentimeter entfernt. Das bedeutete, kein richtiges Tageslicht. Solche Zimmer dürften eigentlich nicht an Gäste vergeben werden. Immerhin funktionierte unsere Klimaanlage, anderen Gästen war dieses Glück nicht vergönnt. Gut, dass wir ohnehin nicht viel auf dem Zimmer sein wollten. 

Es gab zwar theoretisch eine Dachterrasse mit Pool, Bar und Restaurant, allerdings waren Bar und Restaurant geschlossen. Zwischendurch wurde die Terrasse morgens erst um 10 Uhr geöffnet und am Abend schon um 18 Uhr geschlossen. Das habe nicht nur ich reklamiert, woraufhin der Bereich zum Glück wieder früher und länger geöffnet war. Sonst gab es nämlich keine Möglichkeit, sich außerhalb des Zimmers aufzuhalten, da uns die Kneipe im Erdgeschoss viel zu laut war.
Ganz am Ende des Urlaubs haben wir dann doch noch eine Mitbewohnerin im Zimmer entdeckt, die wir Agathe getauft haben. Die Dame hätte sich gern etwas früher blicken lassen können, denn dann hätte ich nämlich noch einmal auf einem Zimmertausch bestanden! Das gesamte Hotelpersonal war aber sehr freundlich, und allzu hoch waren unsere Erwartungen bei einem 3-Sterne-Hotel ja sowieso nicht, nur ein kleines bisschen beim Ausblick zum Beispiel. Oder das zuverlässige Wechseln der Handtücher und der Bettwäsche.

Kulinarik, Kuriositäten und die maltesische Tierliebe
Außerhalb des Hotels war Malta deutlich überzeugender. Perfektes Wetter, wunderschöne Orte, eine faszinierende Architektur und ein Meer fast direkt vor der Tür, das einen fantastischen Anblick bietet und tatsächlich auch im Oktober noch zum Schwimmen einlädt.
Für deutsche Ordnungsliebe ist die Insel allerdings an manchen Ecken gewöhnungsbedürftig. Die Müllabfuhr zum Beispiel funktioniert über Mülltüten statt Tonnen, die einfach an der Straße gestapelt werden. Und bei so mancher Baustelle würde die deutsche Bauaufsicht vermutlich sofort Schnappatmung bekommen. Und einige Hotels wurden nicht ganz fertig gestellt, das hat aber auch seinen Charme.



Sehr charmant ist dagegen die maltesische Tierliebe: Die Menschen hier lieben Katzen und füttern sie überall. Andere wiederum stellen mit Wasser gefüllte Plastikflaschen an ihre Grundstücke, denn der Tradition nach soll das angeblich Hunde und Katzen fernhalten. Und fast jedes Haus hat ein Gartentor, um die Kinder davon abzuhalten, direkt auf die Straße zu laufen und um früher die Ziegen davon abzuhalten, in die Häuser zu laufen.
Die maltesische Küche gefiel uns ebenfalls sehr, besonders die Desserts und Kuchen. Pastizzi und andere gefüllte Teigtaschen erfordern allerdings ein gewisses Maß an Standhaftigkeit, damit die Klamotten am Ende des Urlaubs noch passen. Nur das Eis war extrem teuer. Malta gilt wohl generell als recht kostspielig, aber es gibt auch Orte, an denen man erstaunlich gut und günstig essen kann. Und Cocktails, da haben wir kurz vor der Abreise ein tolles Lokal entdeckt. Gott sei Dank, denn früher wäre das nicht gut für den Alkoholspiegel gewesen.

 


Einfach mal winken: Unterwegs mit dem Bus
Was wir schnell lieben lernten, war das Bussystem. Eine Fahrt kostet 2,50 Euro, und dafür kann man zwei Stunden in jede beliebige Richtung fahren und auch umsteigen. Mehrfahrten- und Wochenkarten machen das Ganze noch günstiger. Mit der Tallinja App ist Busfahren auf Malta ein Kinderspiel: Echtzeit-Tracking zeigt, wo der Bus gerade ist und wann er kommt, der Routenplaner findet Verbindungen auf Malta und Gozo, und Tickets lassen sich direkt in der App verwalten. Es gibt sogar einen flexiblen On-Demand-Busservice (Ob der allerdings nur für Einheimische gilt, weiß ich nicht). Fun Fact: Wenn man möchte, dass der Bus hält, muss man der Fahrerin oder dem Fahrer kurz winken. 
Märkte, Boote und die drei Städte
So haben wir also die Gegend erkundet. Marsaxlokk ist ein lebhafter Küstenort mit einem sehr auf Touristen ausgerichteten Markt direkt an der Promenade. Dort kann man auch eine Bootstour entlang der Küste machen. Auf Wunsch wird man an einem Badestrand abgesetzt und kann jederzeit mit demselben Boot wieder zurückfahren. Man muss einfach an der Anlegestelle mit dem Ticket winken, denn offenbar funktioniert Winken auf Malta in mehreren Lebenslagen.




Valletta ist wunderschön, wie eigentlich alle Städte, die wir auf Malta besucht haben. Nur sehr, sehr, sehr voll. Also so richtig voller Menschen. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, da hier auch viele Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die drei Städte Vittoriosa (maltesisch: Birgu), Senglea (L-Isla) und Cospicua (Bormla) liegen direkt gegenüber von Valletta am Grand Harbour. Sie sind ebenso schön, aber nicht ganz so überlaufen und eignen sich besonders gut zum Spazierengehen.
Der Tagesausflug nach Gozo
Und dann waren wir natürlich noch auf Gozo. Dafür hatten wir einen Tagesausflug gebucht, den ich allerdings nicht noch einmal machen würde. Zu viele Programmpunkte für zu wenig Zeit. Der Ausflug begann direkt vor unserem Hotel. Wir wurden pünktlich von einer sehr netten Fahrerin abgeholt, die so lange bei uns blieb, bis unser Guide uns gefunden hatte. Nach der Fährfahrt ging es mit einer etwas längeren Verzögerung weiter, weil unser Guide ziemlich verpeilt war.
Erstes Ziel war der Inland Sea (Il-Qawra) in der Bucht von Dwejra, eine faszinierende Lagune, die durch einen schmalen Höhlentunnel mit dem offenen Meer verbunden ist. Danach gab es ein einfaches, aber gutes Mittagessen im Fischerort Xlendi, bevor es weiterging nach Victoria (Rabat) der Hauptstadt von Gozo.

 



Am zentralen Marktplatz It-Tokk machten wir eine Kaffeepause bei einem der zwei Opernhäuser, dem Teatru Astra oder dem Teatru Aurora, die mit ihren markanten Fassaden das Stadtbild prägen. Tipp: In den Opernhäusern kann man einen sehr guten Espresso trinken, und der ist günstiger als in den Cafés zehn Meter weiter. Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, uns Victoria (Rabat) näher anzusehen.
Den Abschluss bildete die prähistorische Tempelanlage Ġgantija. Der Name bedeutet auf Maltesisch „Riese“ und hat einen ziemlich kuriosen Hintergrund: Frühere Knochenfunde, bei denen es sich vermutlich um Überreste von Flusspferden handelte, hielt man fälschlicherweise für Menschenknochen. Daraus entstand die Vorstellung, die Anlage sei von Riesen gebaut worden. Tatsächlich bestehen die Tempel aus bis zu 50 Tonnen schweren Megalithsteinen und sind älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh. Als UNESCO-Weltkulturerbestätte ist Ġgantija definitiv sehenswert.

Und dann neigte sich der Urlaub auch schon wieder dem Ende zu. Unser Reiseveranstalter und die Buchungsplattform schickten uns die Buchungsnummer für den Rückflug, die beim Online-Check-in dann aber nicht funktionierte. Ich mag die Insel, aber dort bleiben wollte ich dann auch nicht. Nach einigem Hin und Her am Telefon war klar, dass wir direkt am Schalter einchecken mussten, weil der Rückflug auf zwei verschiedene Fluggesellschaften aufgeteilt war. Irgendwann ist die Technik hoffentlich so weit, dass so etwas reibungslos klappt. Ich hatte jedenfalls die große Hoffnung, dass die Schalter am Flughafen Malta besetzt sein würden, ganz anders als auf dem Hinflug.
Da ich diesen Bericht jetzt schreibe, ist der Beweis da: Es hat problemlos geklappt! Und auf dem zweiten Flug von Zürich nach Stuttgart mit Swiss gab es tatsächlich noch  Mineralwasser und Schokolade.





Mittwoch, 14. Oktober 2026

Rezension: Herbstweh’n von Günther Banzer – Ein starker Hegel-Krimi

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Eins vorweg, Ich mochte das Buch sehr. Besonders gefallen hat mir die ruhige Erzählweise, die dem Roman viel Raum gibt, ohne dass die Spannung darunter leidet. Schon auf den ersten Seiten konnte ich mir Thomas Hegel gut vorstellen. Er ist ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, trauert um eine gute Freundin und blickt auf ein Leben zurück, in dem sicher einiges zusammengekommen ist. Auf Rügen möchte er eigentlich nur in Erinnerungen schwelgen. Doch dann spricht ihn Corinna von Lichtenfels an. Sie bittet ihn, ihre schwer kranke Mutter Sylvia zu besuchen. Sylvia war einst Hegels große Jugendliebe und möchte ihn noch einmal sehen. Allein diese Begegnung mit einer längst vergangenen Liebe hat etwas Berührendes, gerade weil man ahnt, dass die gemeinsame Vergangenheit für beide noch nicht einfach abgeschlossen ist.

Die Handlung: Wenn Familiengeheimnisse auf deutsche Geschichte treffen

Mit diesem Besuch wird Hegel tief in die Geschichte der Familie von Lichtenfels hineingezogen, die bis in die schwärzste deutsche Vergangenheit reicht. Aus einer sehr persönlichen Bitte entwickelt sich eine Ermittlung, bei der Familiengeheimnisse, alte Schuld und politische Machtverhältnisse ans Licht kommen. Banzer verbindet aktuelle gesellschaftliche Themen mit einer spannenden Krimihandlung. Dabei wirkt nichts aufgesetzt, vielmehr fügt sich alles stimmig in die Geschichte ein.

Vielschichtige Charaktere: Thomas Hegel und Francesca Pollini

Thomas Hegel ist mir schnell nahegegangen. Er ist kein unfehlbarer Ermittler, sondern ein nachdenklicher, manchmal melancholischer Mann, der mit Verlust und Erinnerungen lebt und sich auch seiner eigenen Vergangenheit stellen muss. Gerade diese verletzliche Seite hat mir an ihm gefallen. Er wirkt nicht wie ein Ermittler, der für jedes Problem eine Lösung parat hat, sondern wie ein Mensch, den das Leben geprägt hat und der trotzdem neugierig geblieben ist. Auch Corinna von Lichtenfels ist mehr als eine Nebenfigur. Ihre Bitte ist eng mit der Geschichte ihrer Familie verbunden, doch was sie wirklich bewegt, bleibt lange unklar. So fragt man sich nicht nur, was damals geschehen ist, sondern auch, was die Menschen heute noch mit sich herumtragen.

Ein fesselnder Ermittlungsmix von Ligurien bis nach Rügen

Während Hegel seinen Nachforschungen nachgeht, beschäftigen sich seine frühere Vorgesetzte Veronika Staedler und Torsten Fritsch mit einem Vermisstenfall. Nach und nach laufen die beiden Ermittlungen zusammen, und immer mehr Verbindungen zwischen den zunächst getrennten Ereignissen werden sichtbar. Das ist gut aufgebaut und sorgt dafür, dass ich beim Lesen immer wieder neu überlegen konnte, wie alles zusammenhängt.

Eine besondere Rolle spielt Francesca Pollini. Die deutsch-italienische Musikkritikerin ist die Enkelin eines Verbrechers des NS-Regimes. Mit Hegel teilt sie die Liebe zur Musik, auch wenn sie eher der Klassik zugeneigt ist. Durch sie wird das Thema Schuld und Erinnerung noch einmal auf eine andere, sehr persönliche Weise beleuchtet. Francesca muss sich mit der Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen, obwohl sie selbst für dessen Taten keine Verantwortung trägt. Gerade darin liegt für mich eine interessante Frage: Was bedeutet es, mit einer solchen Familiengeschichte zu leben, und wie findet man seinen eigenen Umgang damit? Während Francesca ihren Platz zwischen Herkunft und eigener Identität finden muss, stößt Hegel bei seinen Nachforschungen auf die Verstrickungen der Familie von Lichtenfels. Diese unterschiedlichen Zugänge zur Vergangenheit ergänzen sich sehr gut.

Auch die verschiedenen Handlungsorte haben mir gefallen. Die Geschichte führt von Ligurien über Hegels Heimatstadt Mildenhofen am Inn bis nach Rügen. Dabei bleibt die NS-Zeit nicht bloß ein Kapitel der Geschichte, das längst abgeschlossen scheint. Vielmehr wird deutlich, wie weit ihre Folgen reichen und wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sein können. Auch finanzielle Verflechtungen und rechtsradikale Netzwerke spielen bei Hegels Nachforschungen eine Rolle. Das gibt dem Krimi eine zusätzliche Tiefe, ohne die eigentliche Handlung aus dem Blick zu verlieren.

Besonderes Highlight: Lesen mit der Bob-Dylan-Playlist

Eine ganz besondere Note bekommt der Roman durch die Musik. Alle Kapitel tragen Titel von Bob-Dylan-Songs, und Hegel ist ein großer Dylan-Fan. Das passt zu seiner nachdenklichen Art und hat mir als musikalischem Element der Geschichte gut gefallen. Wer mag, kann beim Lesen auch die Playlist hören, die der Autor zum Roman zusammengestellt hat. (Ich kann leider immer nur eines, entweder Musikhören oder Lesen) 😏

Fazit: Warum man „Herbstweh’n“ unbedingt lesen sollte

Herbstweh’n ist für mich kein lauter Thriller, sondern ein ruhiger, hervorragend strukturierter Krimi, der sich Zeit für seine Figuren und ihre Geschichten nimmt. Besonders die Verbindung aus Kriminalfall, Familiengeschichte, deutscher Vergangenheit und einer Liebe, die nach vielen Jahren noch einmal in den Mittelpunkt rückt, hat mich überzeugt. Mir hat gefallen, dass es nicht nur darum geht, ein Verbrechen aufzuklären. Es geht auch um Erinnerungen, um die Last der eigenen Herkunft und um das, was von früheren Begegnungen bleibt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und empfehle es allen, die neben Spannung auch vielschichtige Figuren und eine Erzählweise schätzen, die den Menschen hinter der Geschichte nicht aus dem Blick verliert.


  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. Juli 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 264 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3565553278
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3565553273
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 18 Jahren

Rezension: Molka von Monika Kim

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Produktinformationen und Triggerwarnung.

In diesem Spiel gibt es keine Zeugen – nur Täter und eine Frau, die nichts mehr zu verlieren hat.



Ein Klick hat ihr Leben zerstört. Ein Video hat sie zur Geächteten gemacht. Junyoung liebt es, zuzusehen, wie Frauen durch seine illegalen Kameras ihre Privatsphäre verlieren. Er wähnt sich sicher in seinem perversen Doppelleben, bis er Dahye ins Visier nimmt. Er erwartet Tränen, doch er bekommt Blut. Dahye verwandelt Scham in blinde Wut und startet einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen ein System, das Voyeure schützt und Opfer vernichtet.



  • Feminist Horror
  • Female Empowerment 
  • Good for her 
  • Molka = mole camera/versteckte Kamera


Worum geht es in dem Buch?

Der IT-Mitarbeiter Junyoung installiert Minikameras auf Toiletten und in anderen Räumen des Bürogebäudes, in dem er arbeitet. Damit spioniert er die Mitarbeiterinnen skrupellos und vollkommen ohne schlechtes Gewissen aus. Fast zeitgleich lernen wir Dahye kennen. Die junge Frau hat vor einigen Jahren ihre Schwester Eunhye verloren. Sie und ihre Eltern leiden immer noch sehr unter dem Verlust, und ihre Mutter vermittelt ihr das Gefühl, dass die falsche Schwester verstorben ist. Dahye trifft sich mit dem wohlhabenden Hyukjoon und tut alles, um ihm zu gefallen. Doch bald gerät sie selbst in den Fokus von Junyoung. Er verfolgt sie obsessiv, bis Dahye nicht länger Opfer sein will und einen Rachefeldzug startet.

Meine Meinung zu „Molka“

Das Buch macht mich wütend und traurig. Es zeigt, wie selbstverständlich manche Männer glauben, über die Körper von Frauen und über ihre Entscheidungen bestimmen zu dürfen. Und wenn sich eine Frau schließlich erdreistet, sich zu wehren, heißt es schnell: selber schuld.

Monika Kims Roman spielt in Südkorea, doch das Thema ist weltweit ein Problem. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung wird es sich vermutlich sogar noch verschärfen. „Molka“ ist keine einfache Lektüre. Die Gewalt ist konkret, die Bloßstellung grausam und die Gedankenwelt des Täters zutiefst unangenehm. Da ich Monika Kims Roman „Das Beste sind die Augen“ bereits kannte, wusste ich allerdings, worauf ich mich einlasse. Auch dieser Roman ist kompromisslos und lässt mich nicht unberührt zurück.

Der Schreibstil der Autorin ist nüchtern, dabei aber schonungslos. Sie erspart ihren Leserinnen und Lesern nichts. Mir hat das Buch gefallen, gerade weil es die Wut nicht kleinredet. Vielleicht ist die Zeit der leisen Töne gegen männliche Gewalt gegen Frauen, egal in welcher Form, endlich vorbei.

Dass mich dieses Buch, besser gesagt der Inhalt, wütend gemacht hat, soll dieser Roman meiner Meinung nach auch bewirken.


  • Herausgeber ‏ : ‎ kiwi space
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 3. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462055208
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462055207
  • Originaltitel ‏ : ‎ Molka
  • Übersetzte von: Dejla Jassim