Freitag, 14. August 2026

Die an den Tod nicht glauben: Ein Fall für die Totenleserin | Ein historischer Kriminalroman beruhend auf wahren Begebenheiten (Gerichtsmedizinerin Perdita Menke ermittelt, Band 1)

Die nominierten Romane für den HOMER 2026
Ich stelle euch 
Die an den Tod nicht glauben 
von 
Cleo Sternberg 
vor.



Werbung: Das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

"Wir sind die, denen sich der Tod auf den Tisch legt."

Dieser Sinnspruch hängt im Zuhause der jungen Perdita Menke, der Berliner Gerichtsmedizin. Hier ist sie aufgewachsen, als Tochter des Faktotums Menke, und hier hat sie beschlossen, Gerichtsmedizinerin zu werden – auch wenn ihr das als Frau Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst unmöglich gemacht wird. Stattdessen hilft sie aus und schrubbt die Seziertische. Menke, der seine Tochter allein großgezogen hat, begegnet ihr mit viel Liebe und Verständnis. Trotzdem sieht er sie lieber als Krankenschwester im Dienst der Lebenden als am Seziertisch.

Als eine junge Frau, arm, alleinlebend, Mutter eines Kindes und vermutlich alkoholkrank, in die Rechtsmedizin gebracht wird, steht das Urteil des zuständigen Arztes schnell fest: Selbstmord, keine weiteren Untersuchungen nötig. Doch Perdita sieht das anders und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.

Bei ihren Nachforschungen stößt sie immer wieder auf den Leichenbestatter Charon Czerny. Er macht aus dem Tod beinahe eine Show, wirkt charmant, gleichzeitig aber auch zwielichtig und eiskalt. Zwischen den beiden knistert es zwar, doch das steht zum Glück nicht im Mittelpunkt. Das hat mir persönlich gut gefallen. Entscheidend bleiben der Fall und die Frage, wer die junge Frau wirklich getötet hat und warum.

Die Autorin hat es geschafft, mir ihre Figuren näherzubringen. Neben Perdita sind da zum Beispiel der angehende Kriminalbeamte Dieter Schultz und seine Verlobte Isolde. Schultz unterstützt Perdita bei ihren Ermittlungen, denn er kann nur Karriere machen, wenn er einen spektakulären Fall löst. Beide bremsen Perdita allerdings manchmal etwas aus, wenn sie wieder einmal zu forsch vorprescht.

Besonders gut gefallen hat mir das Bild, das die Autorin von Berlin um 1910 zeichnet. Sternberg führt ihre Leserinnen und Leser in Sprechzimmer, Leichenkammern, Bestattungsinstitute und Hinterhöfe. Armut, Krankheit und Tod gehören dort zum Alltag. Wie der Tod einer armen Frau einfach abgetan wird, wirkt unangenehm realistisch und zeigt, welchen geringen Wert das Leben einfacher Menschen damals hatte.

Auch Perdita passt gut in diese Welt. Als Frau, die sich in einer von Männern bestimmten Welt ihren eigenen Weg sucht, ist sie eine interessante Hauptfigur. Sie möchte in der Medizin arbeiten und lässt sich davon nicht abbringen. Das macht sie sympathisch, auch wenn sie nicht immer perfekt handelt.

Dass die Geschichte auf einem realen Mordfall beruht, fand ich besonders interessant. Um welchen Fall es sich dabei genau handelt, konnte ich allerdings nicht herausfinden.

Beim Lesen brauchte ich allerdings etwas Geduld. Der bewusst altmodische Schreibstil mit seinen langen Sätzen und der gehobenen Sprache passt gut zur Zeit, in der die Handlung spielt, und schafft eine passende Atmosphäre. Gleichzeitig liest sich das Buch dadurch stellenweise etwas langsamer. Gerade am Anfang musste ich mich erst an den Erzählstil gewöhnen. Die Sprache ist sehr bewusst gewählt, was mir grundsätzlich gut gefallen hat, auch wenn ich dafür etwas mehr Aufmerksamkeit brauchte.

Auch die vielen Figuren machen das Buch stellenweise etwas anspruchsvoller. Die Autorin führt zahlreiche Charaktere ein und spielt geschickt mit den Erwartungen der Lesenden. Dadurch bleibt lange offen, wem man trauen kann und wem nicht. Das sorgt für Spannung und einige interessante Wendungen, kann aber zwischendurch etwas unübersichtlich werden.

Das Buch dürfte vor allem Leserinnen und Leser ansprechen, die historische Krimis nicht nur wegen des Falls lesen, sondern auch Interesse an der Zeit und ihren gesellschaftlichen Verhältnissen haben. Wer gern in vergangene Epochen eintaucht und Wert auf gut ausgearbeitete Schauplätze und Figuren legt, wird hier einiges entdecken. Auch Perdita ist eine Hauptfigur, die Spaß macht: Sie geht ihren eigenen Weg in einer Welt, in der Frauen viele Türen verschlossen blieben.

„Die an den Tod nicht glauben“ ist ein ruhiger, atmosphärischer Auftakt einer neuen Krimireihe. Besonders gefallen haben mir die Darstellung des Berliner Kaiserreichs, die ungewöhnliche Ermittlerin und die gesellschaftlichen Themen, die immer wieder in die Handlung einfließen. Der Roman nimmt sich Zeit für seine Geschichte und für seine Figuren. Wer historische Krimis mit viel Atmosphäre, glaubwürdigen Charakteren und einem Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit mag, findet hier einen lesenswerten Reihenauftakt. Wer dagegen ein hohes Tempo, kurze Kapitel und einen modernen, geradlinigen Schreibstil bevorzugt, könnte sich mit dem Buch etwas schwerer tun.

Schaut in den nächsten Tagen auf jeden Fall bei den anderen Bloggerinnen und Bloggern vorbei, euch erwarten großartige Beiträge.



📖 Alexandra von @lesebuch_meinebuecherundich
📖 Verena von @kapitel11
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📖 Tanja von @hasirasi2_nichtohnebuch
📖 Anke von @svanvitheanke


  • Herausgeber ‏ : ‎ Droemer TB
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 3. November 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426449730
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426449738

Donnerstag, 13. August 2026

Alleinruhelage: Roman von Eva Menasse


Werbung:Rezensionsexemplar


Das Buch beginnt mit den Worten: „Haus, ich verkaufe dich.“ Und da hatte  mich die Autorin Eva Menasse eigentlich schon. Ich spreche nämlich auch mit unserem Haus. Aber ich würde ihm wahrscheinlich nicht verraten, wenn ich es verkaufen wollte.

Dann erzählt die Erzählerin von ihrem ersten Versuch, das Haus zu verkaufen. Sie kommt mit einem Makler nach längerer Abwesenheit dorthin zurück und es herrscht das vollkommene Chaos. Ausgeleerte Schubladen, übervolle Aschenbecher und alles, was eigentlich ziemlich traurig und trostlos sein sollte doch Eva Menasse schreibt darüber, als würde sie von einer freundlichen und einladenden Szenerie erzählenanders kann ich meinen ersten Eindruck nicht beschreiben. Dieser Ton hat mir von Anfang an gefallen und zieht sich durch das ganze Buch. Auch wenn es um Trennungen, Krisen oder andere schwierige Dinge geht, bleibt er erstaunlich leicht.

Das Haus liegt allein am Waldsee, irgendwo in der ostdeutschen Provinz bei Berlin, unweit einer Datschensiedlung aus DDR Zeiten. Gekauft wurde es in den Nachwendezeiten, als es noch ein Ost Schnäppchen für Nicht Ostler war.
In diesem Haus erlebt die Erzählerin ungefähr zwanzig Jahre ihres Lebens. Sie zieht mit ihrem Mann dort ein, Kinder kommen dazu, die Ehe geht irgendwann auseinander, es gibt neue Liebe und wieder Trennungen. Eigentlich also ziemlich viel Leben für ein einziges Haus.
Und nun soll es renoviert werden, dabei helfen Alla aus Moldawien eine Baufrau, wie sie sich selber bezeichnet und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die offenbar alles können. Dazu kommen die Nachbarn, mit denen es natürlich auch schon mal Ärger gibt. 

Es wird nicht alles groß erklärt. Das Dahinsterben der Ehe wird nicht ausgebreitet, die schwierigen Geschichten werden nicht dramatisiert. Menasse erzählt einfach weiter. Mal vorwärts, mal rückwärts und manchmal ganz woanders hin.

Vielleicht hat mir das Buch auch deshalb so gut gefallen. Es ist eigentlich ein Roman über Abschiede und schwierige Dinge, liest sich aber überhaupt nicht schwer.Denn es ist auch ein Roman über Neuanfänge.

Ob das Haus am Ende verkauft wird oder ob es sich mit wieder mit einer lila Farbexplosion der Clematis wie zu Beginn des Buches ganz fest in das Herz der namenlosen Erzählerin verankert, so das ein Verkauf nicht in Frage kommt, verrate ich euch nicht.

Ich habe das Buch von der ersten Seite an geliebt und kann es wirklich nur weiterempfehlen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. August 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462002627
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462002621

Sonntag, 9. August 2026

„Ein Schleuser kommt niemals allein“ – Maria Braig

Werbung. Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar von der Autorin erhalten. Meine Meinung ist davon unabhängig.

Hannes Kobler ist ein Polizist der alten Schule. Seine Methoden wirken manchmal etwas umständlich, doch er arbeitet akribisch und hartnäckig. Seit seiner Scheidung und dem Umzug seiner Tochter Lena-Lisa nach Dresden lebt er größtenteils allein. Sein Alltag besteht aus Arbeit, Tiefkühlpizza und Polizeiserien, bis ihn ein neuer Auftrag nach Pirna führt.
Dort soll Kobler die sächsische Polizei dabei unterstützen, Schleusernetzwerke an der Grenze zu Polen und Tschechien aufzudecken. Der Wechsel vom Einbruchsdezernat in Nürnberg kommt ihm gelegen: Er wäre seiner Tochter näher und könnte in der Sächsischen Schweiz seiner Wanderleidenschaft nachgehen.

Für sein Team wählt er Sophie aus, eine junge Kollegin, die er noch aus ihrer Praktikumszeit kennt. Kobler hält sie für leicht lenkbar, da sie während des Praktikums jede seiner Anweisungen widerspruchslos befolgte, doch Sophie ist alles andere als ein „Mäuschen“. Sie bietet ihm Paroli, hinterfragt seine Entscheidungen und setzt sich kritisch mit den moralischen Grenzen des Einsatzes auseinander.
Schon bald entwickelt sich der Fall zu einer persönlichen Herausforderung. Die Ermittlungen führen Kobler tief in die kriminellen Strukturen der Region und zugleich in eine Vergangenheit, die eng mit der innerdeutschen Fluchtgeschichte verbunden ist. Durch Asal, der Freundin von Koblers Tochter, die ebenfalls eine erschütternde Fluchtgeschichte hat, erhält Sophie einen neuen Blick auf die Unterschiede zwischen heutigen Schleusern und den einst gefeierten Fluchthelfern der DDR.


Maria Braig hat mich mit diesem Krimi vor allem deshalb erreicht, weil sie die eigentliche Ermittlungsarbeit mit den persönlichen Geschichten der Figuren verbindet. Die Schleuserkriminalität bleibt dabei nicht einfach ein Fall, den Kobler lösen muss. Immer wieder geht es auch um die Menschen, die von Flucht betroffen sind, und darum, wie unterschiedlich Fluchthilfe bewertet wird. Besonders interessant fand ich dabei Asals Geschichte und die Erfahrungen von Koblers Eltern, weil dadurch auch die Vergangenheit der innerdeutschen Grenze eine Rolle bekommt.

Gut gefallen hat mir außerdem, dass die Figuren nicht einfach in gut und böse eingeteilt werden. Gerade Kobler macht im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durch. Anfangs war er mir mit seiner sturen und teilweise ziemlich altmodischen Art eher unsympathisch. Durch Sophie bekommt er aber immer wieder einen Spiegel vorgehalten und man merkt, dass er durchaus bereit ist, über sich selbst nachzudenken.

Der Schreibstil ist angenehm klar und lässt sich flüssig lesen. Die Ermittlungen nehmen einen großen Raum ein, trotzdem bleiben die Menschen dahinter präsent. Für mich war es vor allem die Mischung aus Kriminalfall, den interessanten Figuren und dem Blick auf die unterschiedlichen Bewertungen von Schleusern und Fluchthelfern, die den Roman lesenswert machen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 26. Juni 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 14.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 258 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 356552863X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3565528639
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 18 Jahren


Mittwoch, 5. August 2026

„Andere Welten: Phantastische Geschichten, Ausgabe 3“ (Herausgeber Tobias Radloff)


Es gibt Bücher, die man zuklappt und am liebsten sofort weiterlesen würde. Genau so ging es mir mit der dritten Ausgabe von Andere Welten: Phantastische Geschichten. Nach der letzten Seite blieb vor allem ein Gedanke: Davon hätte ich gerne noch mehr.

Hinter der Anthologie steckt die Lesereihe Potsdams andere Welten, die seit 2022 im Urania-Planetarium Potsdam stattfindet. Dort lesen Autorinnen und Autoren aus Fantasy, Science Fiction und Horror ihre Texte, häufig noch unveröffentlichte Geschichten oder Auszüge aus aktuellen Projekten. Herausgeber Tobias Radloff bringt die spannendsten Beiträge in dieser Reihe zusammen und gibt dabei auch neuen Stimmen eine Bühne.

Besonders gut gefallen hat mir die Mischung aus klassischen Kurzgeschichten und Romanauszügen. Die Kurzgeschichten sind in sich abgeschlossen, atmosphärisch und oft mit einer gelungenen Pointe oder einer interessanten Idee versehen. Die Romanauszüge funktionieren dagegen eher als Appetithappen. Spannende Figuren und faszinierende Welten machen neugierig  darauf wie es weitergeht.

Wer gerne Kurzgeschichten liest und neue Autorinnen und Autoren für sich entdecken möchte, wird hier sicher fündig. Wer ausschließlich abgeschlossene Geschichten bevorzugt, könnte sich an den Romanauszügen stören. Für mich ist Andere Welten: Phantastische Geschichten, eine abwechslungsreiche Sammlung,  Einige Geschichten enden genau dann, wenn es am spannendsten wird, aber gerade das zeigt, wie gut sie funktionieren. Am Ende bleibt vor allem die Lust, mehr von diesen Autorinnen und Autoren zu lesen.




Mit Geschichten von:

Andrea Völkner
Anja Stürzer
Anna Hellmich
Chtistian Handel
Christian Stobbe
Heidi Ramlow
Jonas Müller
Josefine Lyda
Julius Hilker
Kathrin Tordasi
Nia L. Avenel
Philipp C. Niklas
Tobias Radloff


Montag, 3. August 2026

Du kriegst mich nicht von Chris Carter

Mit „Du kriegst mich nicht“ beweist Chris Carter, dass er auch abseits seiner bekannten Hunter-und-Garcia-Reihe schreiben kann. Auch wenn dieser Roman einen völlig anderen Weg einschlägt, konnte er mich überzeugen. Statt eines grausamen Serienmörders und aufwendiger Ermittlungen steht hier eine Frau im Mittelpunkt, die nach jahrelanger Gewalt versucht, unter einer neuen Identität ein sicheres Leben zu beginnen.

Samantha hat ihren gewalttätigen Ehemann Nelson angezeigt. Nach seiner Verurteilung zu 13 Jahren Haft scheint die Gefahr zunächst gebannt. Doch noch im Gerichtssaal schwört er, sie eines Tages zu finden. Auf Anraten des Staatsanwalts verschwindet Samantha daraufhin vollständig aus ihrem bisherigen Leben. Als Mary Smith fängt sie noch mal ganz von vorne an. Mehrfach zieht sie um, passt sich immer wieder neu an, versucht, so unauffällig wie möglich zu bleiben. Aber die Angst sitzt ihr im Nacken: Jedes Geräusch, jeder fremde Blick könnte bedeuten, dass er sie gefunden hat. Was erst wie ein Neuanfang wirkt, wird schnell zum psychologischen Kräftemessen zwischen der Hoffnung, endlich frei zu sein, und der ständigen Frage: Reicht es diesmal?

Am Anfang begleiteten wir Mary durch das Gerichtsverfahren und sahen, wie sie jedes Detail plante, um nicht aufzufallen. Man merkt richtig, wie sie versucht, unsichtbar zu werden. Doch je weiter die Story voranschreitet, desto mehr kippt die Stimmung. Aus dem vorsichtigen Aufbau wird ein Psychothriller, der mich so richtig mitfiebern lässt. Schicht für Schicht wird Marys neues Leben offengelegt, während Chris Carter die Handlung mehrfach in Richtungen lenkt, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Gerade wenn ich glaubte, den weiteren Verlauf durchschaut zu haben, überraschte er mich mit einer neuen Wendung.

Besonders gelungen finde ich, dass Carter diesmal weitgehend auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet. Die Spannung entsteht nicht durch blutige Szenen, sondern durch die allgegenwärtige Unsicherheit und die Entscheidungen, die Mary treffen muss, um zu überleben. Diese unterschwellige Bedrohung sorgt dafür, dass die Anspannung während der gesamten Lektüre erhalten bleibt.

Auch die Figuren haben mir gut gefallen. Mary ist keine klassische Opferfigur, sondern entwickelt sich glaubwürdig weiter. Sie lernt, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und schwierige Entscheidungen zu treffen, selbst dann, wenn jede davon neue Risiken birgt. Dadurch wirkt sie authentisch und macht es leicht, mit ihr mitzufiebern.

Das Erzähltempo empfand ich gerade zu Beginn als etwas zu langsam, doch im Rückblick sehe ich das nicht unbedingt als Mangel. Die Handlung entfaltet sich bedächtig. Jeder Ortswechsel, jede neue Begegnung fühlt sich an wie ein weiterer Schachzug in einem größeren Spiel. Genau diese sorgfältige Aufbauarbeit macht die späteren Überraschungen so wirkungsvoll und verwandelt das Buch schließlich in einen echten Pageturner. Denn sobald die Wendungen einsetzen, will man nicht nur wissen, wie die Geschichte endet, sondern vor allem verstehen, warum sich alles genau so entwickeln musste.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich dennoch. Einige Nebenfiguren hätten durchaus etwas mehr Tiefe vertragen. Gerade die Menschen, denen Mary auf ihrem Weg begegnet, bleiben teilweise etwas blass. Der Spannung schadet das allerdings kaum. Es ist eher der Wunsch, noch stärker in diese Welt eintauchen zu können.

Fazit: „Du kriegst mich nicht“ gehört für mich zu den überraschendsten Romanen von Chris Carter. Wer psychologische Thriller mit intelligent aufgebauter Spannung schätzt und auch ohne blutige Schockmomente bestens unterhalten werden möchte, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Ich habe es sehr gerne gelesen.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. Juli 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 464 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548074901
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548074900
  • Originaltitel ‏ : ‎ Hide and Seek