Montag, 2. November 2026

Rezension: Andere als diese Welten von Stephen King – Das Jack-Sawyer-Finale


Seit „ES“ habe ich einen Deal mit Stephen King: Er schreibt, ich lese. Und das funktioniert bis heute sehr gut. Ich gehöre zu den Menschen, die sich einfach über jedes neue Buch von ihm freuen, und deshalb konnte ich den Erscheinungstermin von „Andere als diese Welten“ kaum erwarten. Der Roman ist der Abschluss der Reihe um Jack Sawyer, die mit „Der Talisman“ begann und mit „Das schwarze Haus“ fortgesetzt wurde. Nach dem Tod von Peter Straub hat Stephen King die Geschichte nun allein zu Ende erzählt.

Schon als ich hörte, dass er die Vorgängerbände zu einem runden Abschluss bringen will, habe ich beide Werke vorab immer mal wieder quergelesen. Diese Entscheidung sollte sich schnell als goldrichtig erweisen. Schließlich ist es schon einige Jahre her, seit diese Klassiker erschienen sind, und das Auffrischen der Erinnerungen half mir sehr. Gleichzeitig wurde mir beim Lesen schnell klar: Um die gesamte Tragweite dieses Finales wirklich zu erfassen, sollte man nicht nur die Vorgänger kennen.

Die Trilogie begann mit „Der Talisman“, in dem der 12-jährige Jack die magischen Territorien entdeckte, um seine Mutter zu retten. 30 Jahre später, in „Das schwarze Haus“, musste er als 42-Jähriger die Pläne des Scharlachroten Königs vereiteln und kehrte dauerhaft in diese Parallelwelt zurück. „Andere als diese Welten“ bringt diese Reise nun 15 Jahre später für den inzwischen 57-jährigen Jack zum großen Finale. Als wäre das nicht genug, sollte man meiner Meinung nach auch die „Dunkler-Turm“-Saga gelesen haben.

Die „Turm“-Saga ist das absolute Lebenswerk von Stephen King und der Dreh- und Angelpunkt seines gesamten Multiversums. Im Kern folgt die Reihe dem letzten Revolvermann Roland Deschain auf seiner obsessiven Suche nach dem sagenumwobenen Dunklen Turm. Erst durch diesen epischen Mythos versteht man, wie Kings Geschichten wirklich miteinander verzahnt sind.

  • Schwarz (Band 1)
  • Drei (Band 2)
  • Tot. (Band 3)
  • Glas (Band 4)
  • Wind (Band 4.5 – diese Zwischengeschichte spielt zwischen Band 4 und 5)
  • Wolfsmond (Band 5)
  • Susannah (Band 6)
  • Der Turm (Band 7)

Ohne dieses Wissen läuft man Gefahr, sich in den Weiten der Territorien zu verlieren.

Die Verbindung zum Dunklen Turm und den Territorien

Ich hatte beim Lesen jedenfalls viel Freude an den zahlreichen Verbindungen zum Dunklen Turm. Überall begegnet man vertrauten Begriffen, kleinen Anspielungen und einem Wiedersehen mit bekannten Charakteren. Es fühlt sich an, als würde man sich in einer Welt bewegen, die man schon seit Jahren kennt. Genau diese Entdeckungen haben mich auch leicht über ein paar der ruhigeren Passagen hinwegsehen lassen. King nimmt sich eben Zeit und lässt seinen Geschichten Raum, sich zu entfalten. Das gehört bei ihm einfach dazu; so kenne und liebe ich ihn.

Jack Sawyer und das Schicksal der Welten

Im Zentrum der Story steht Jack Sawyer, der inzwischen 57 Jahre alt ist und überwiegend in den Territorien lebt. Er kann zwar weiterhin zwischen den Welten wechseln, darf sich in unserer Realität aber nicht mehr lange aufhalten Und viel lieber würde er dauerhaft in Mitwelt bleiben, aber Aufträge des Gouvernours Youngblood auch der Große Zampano genannt führen ihn immer wieder auf die Amerika-Seite, er muss für ihn so wichtige Dinge besorgen wie klassische Kriminalromane und Cola. Auf einer dieser Reisen erhält er beunruhigende Nachrichten, eine mörderische Gruppe bedroht Amerika und schließlich auch in Mittwelt auftaucht. Das Schicksal beider Welten steht auf dem Spiel.

Dass King ein großartiger Erzähler ist, wird in dieser Geschichte wieder besonders deutlich. Und Bernhard Kleinschmidt hat als Übersetzer sehr gute Arbeit geleistet: Der Text liest sich wunderbar flüssig und transportiert die düstere, zugleich märchenhafte Stimmung der Territorien perfekt ins Deutsche.

Mein Fazit zu „Andere als diese Welten“

Am Ende bleibt festzuhalten: „Andere als diese Welten“ ist ein gelungenes  Finale. Wer King liebt, sollte dieses Buch lesen, aber eben nicht ohne die Vorgänger und die „Dunkler-Turm“-Saga. Kennt man diese Welten, ist es das perfekte Buch für alle King-Fans.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 14. Oktober 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 848 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453275810
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453275812
  • Originaltitel ‏ : ‎ Talisman 3: Other Worlds Than These

Eisglut: Thriller (Grönland-Reihe, Band 3) von Roland Muller

Ich habe mich sehr gefreut, wieder mehr von John Kaunak und seinem Team lesen zu dürfen, nachdem ich ihn bereits im Vorgängerband (Eisfalle) kennengelernt hatte. Mit Eisglut kehrt Roland Muller zurück in die eisige Welt Grönlands und schickt seinen Sonderermittler diesmal in einen Fall, der schnell weit über eine gewöhnliche Ermittlung hinausgeht.
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Darum geht es in dem Grönland-Thriller „Eisglut“
Kurz nachdem die Besatzung des Fischtrawlers Hans Henrik II unbekannte Trümmerteile aus dem Meer geborgen und gemeldet hat, verschwinden sowohl die Crew als auch die geborgenen Teile spurlos. Kaunak und sein Team werden in die Arktis geschickt, um den Hintergründen auf den Grund zu gehen. Was sie dort erwartet, ist alles andere als eine Routineuntersuchung: Die Spur führt sie ins Darknet und von Grönland bis in den Nahen Osten. Nach und nach wird deutlich, dass das Verschwinden der Crew und der Trümmerteile nur der Anfang einer Bedrohung ist, deren Ausmaß zunächst niemand erahnt.
Geopolitik und Realität: Das internationale Machtgefüge um Grönland
Besonders interessant fand ich, wie nah die Geschichte an der Realität bleibt: Grönland steht heute tatsächlich im Fokus der Interessen der USA, Chinas und Russlands. Genau diese geopolitischen Hintergründe und Spannungen machen den Roman für mich so glaubwürdig und hochaktuell.
Muller erklärt die komplexen Zusammenhänge verständlich und lässt die Informationen ganz natürlich in die Handlung einfließen, ohne dass die Spannung darunter leidet. Vielleicht bringt die Geschichte auch den einen oder anderen Leser dazu, sich etwas näher mit Grönland und seiner Bedeutung im internationalen Machtgefüge zu beschäftigen.
John Kaunak und sein Team
Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat,ist das Team. John Kaunak, Nuka, Astrid, Jacob, Silpa und Tarra die neue im Team arbeiten vertrauensvoll miteinander und wissen, dass sie sich jederzeit aufeinander verlassen können. Diese Verlässlichkeit macht die Figuren für mich außerordentlich sympathisch.
Mein Fazit zu „Eisglut“
Die Handlung entwickelt sich schnell, wechselt geschickt zwischen den Perspektiven und hält die Spannung bis zum Ende aufrecht. Eisglut ist ein  faktennaher Thriller für alle, die Arktis-Settings, politische Spannung, und Ermittlungen mit internationalem Ausmaß mögen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Aufbau Taschenbuch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 6. Oktober 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 367 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746642671
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746642673


Sonntag, 1. November 2026

KÜSTENJAGD: Ostseekrimi - Inselkrimi (Die Kommissarin auf der Insel 18) von Eva Lirot

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Es ist Adventszeit auf der Ostseeinsel Fehmarn. Der Wind ist rau, die See unruhig, der Himmel düster, die Strände und Straßen nass. Die Inselgäste müssen im Warmen bei Laune gehalten werden. Gut, dass im größten Hotel am Platz für eine Attraktion gesorgt wurde, auf die Touristen und Insulaner gleichermaßen närrisch sind. Es wird ein köstliches Dinner serviert, währenddessen Schauspieler einen Kriminalfall inszenieren. Wer es schafft, den Täter zu ermitteln, erhält einen hohen Geldpreis. Doch dann kommt es bei einer dieser Veranstaltungen zu einem Stromausfall. Als das Licht wieder angeht, liegt dieses Mal keine Attrappe, sondern eine echte Leiche am Boden. Einer der Gäste hat Blut am Schuh. Es ist das des Toten. Für die Menschen und Medien ist der Fall schnell gelöst und die Sensation perfekt. Der Verhaftete war auf der Insel bisher hochangesehen. Verzweifelt wie nie zuvor in seinem Leben, hofft er auf die Hilfe von Inselkommissarin Frieda Lieken.
Und wieder war ich auf Fehmarn. Kurz vor Weihnachten ist es kalt und nass auf der beliebten Ferieninsel. Für Kommissarin Frieda Lieken bedeutet das nach der Rückkehr von ihrer Hochzeitsreise auf die Malediven erst einmal einen deutlichen Temperaturunterschied. Doch so richtig gefallen hat ihr die Reise ohnehin nicht, denn Nichtstun ist weder etwas für sie noch für ihren Mann Martin. Dass sie gleich nach ihrer Rückkehr allerdings ein besonderer Fall erwartet, damit hätte sie natürlich nicht gerechnet.
Mord beim Krimidinner: Der Inhalt
Bei einem Krimidinner im größten Hotel des Ortes gibt es einen echten Toten und der Mörder muss auf den ersten Blick nicht erst lange ermittelt werden, er steht direkt neben der Leiche.
Für Frieda beginnt damit ein besonders heikler Fall, denn der Hauptverdächtige ist ihr Chef Eisler. Die Beweislage sieht schlecht für ihn aus und auf der Insel verbreiten sich Klatsch und Tratsch in Windeseile. Viele verurteilen Eisler, lange bevor seine Schuld endgültig bewiesen ist. Für Frieda wäre das natürlich die Gelegenheit, ihren cholerischen Chef endlich loszuwerden. Doch das wäre nicht Frieda. Sie weiß, dass Eisler trotz seiner oft unangenehmen Art immer zur Stelle ist, wenn es wirklich darauf ankommt. Deshalb lässt sie sich nicht davon abhalten, genauer hinzusehen.
Ermittlungsverbot für die Inselkommissarin
Offiziell darf sie den Fall allerdings nicht übernehmen. Wegen ihrer persönlichen Verbindung zu Eisler könnte sie befangen sein. Die Ermittlungen liegen deshalb bei Kollegen vom Festland, und die Anweisungen der Staatsanwältin Bendixen sind dabei mehr als unmissverständlich. Bei dieser Anweisung hörte ich in Gedanken ein deutliches „Pfft“ von Frieda. Denn wer sie kennt, weiß, dass sie sich von einem Verbot nicht abschrecken lässt, wenn sie überzeugt ist, dass etwas nicht stimmt.
Schnell merkt sie, dass hinter dem Mord mehr steckt als ein spontaner Totschlag beim Krimidinner. Zwischen Inszenierung und Realität weiß man wie gewohnt nie sicher, wer nur spielt und wer wirklich etwas zu verbergen hat.
Mein Fazit: Ostseeatmosphäre trifft Hochspannung
Eva Lirot verbindet wieder die Ostseeatmosphäre mit einem spannenden und leicht lesbaren Kriminalfall. Das Krimidinner ist ein gelungener Rahmen für die Geschichte. Auch die Figuren haben mir gut gefallen, besonders Frieda, die ihrer Spur folgt, auch wenn alle anderen sich längst eine Meinung gebildet haben. Das eine oder andere Mal war ich mir auch nicht sicher, was genau denn nun vorgefallen ist.
Der Band lässt sich gut auch ohne Vorkenntnisse lesen, da der Fall in sich abgeschlossen ist. Wer spannende Ostseekrimis mit sympathischen Ermittlern mag, wird hier wieder gut unterhalten. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.


  • ASIN ‏ : ‎ B0HJHLR89X
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 227 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8171191672
  • Abmessungen ‏ : ‎ 12.7 x 1.32 x 20.32 cm

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Rezension: Das Lächeln der Kinder von Julia Kröhn

Werbung-Rezensionsexemplar

Es gibt Dinge, die im Grauen eines Krieges fast verschwinden, Unrecht, das unglaublich groß ist und doch kaum Beachtung findet. Der systematische Raub von Kindern gehört für mich dazu.
Die Nationalsozialisten verschleppten Kinder aus den besetzten Gebieten, besonders wenn sie mit blondem Haar und blauen Augen ihrem Ideal entsprachen. Ihnen wurden ihre Familien, ihre Sprache, ihre Herkunft und  ihre Identität genommen, um sie zu „germanisieren“. Dass auch heute im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine Kinder verschleppt werden, zeigt erschreckend, wie aktuell dieses Unrecht geblieben ist. Wieder entscheiden Erwachsene über das Leben von Kindern, die sich dagegen nicht wehren können.
Genau diese Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart greift Julia Kröhn in ihrem Roman „Das Lächeln der Kinder“ auf. Sie erzählt zwei Geschichten, die Jahrzehnte auseinanderliegen und doch auf schmerzliche Weise miteinander verbunden sind.
Zwei Schicksale zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Im historischen Handlungsstrang begegnen wir Lori, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in einem von Anna Freud gegründeten Kriegskinderheim um traumatisierte Kinder kümmert. Sie erfährt dabei auch vom Schicksal jener Kinder, die von den Nationalsozialisten ihren Familien entrissen und verschleppt wurden. Mir stellte sich automatisch die Frage, was geschieht, wenn ein Kind zwischen seiner leiblichen Mutter und der Frau steht, die es großgezogen hat, denn gewachsene Bindungen und Gefühle lassen sich nicht einfach auslöschen.
Wie sehr solche Verletzungen über Generationen hinweg nachwirken können, zeigt der zweite Handlungsstrang, der uns in die Gegenwart nach Polen führt. Dort betreut Dr. Milena Kowalska ukrainische Kinder, die sich in einer ruhigen und sicheren Atmosphäre von den Traumata des Krieges etwas erholen sollen. Besonders der verschlossene Nikolay berührt sie. Der Junge wurde von den Russen entführt, seine Erlebnisse und die der anderen Kinder sind kaum in Worte zu fassen. Milena hofft, dass der Umgang mit Tieren den Kindern helfen kann, und sucht Ryta auf, die einen Gnadenhof betreibt. Mit dieser Begegnung zeichnet sich eine Verbindung zur Vergangenheit ab.
So führt Julia Kröhn beide Zeitebenen zusammen und lenkt den Blick auf diejenigen, die in den großen Erzählungen über Krieg und Geschichte leicht übersehen werden: die Kinder. Sie tragen keine Schuld, haben kaum eine Möglichkeit, sich zu wehren, und müssen doch oft ein Leben lang mit den Folgen dessen leben, was Erwachsene ihnen angetan haben.
Einblicke in die Arbeit von Anna Freud
Neben diesem Einblick in die Schicksale der Kinder hat mir besonders gefallen, dass ich durch den Roman mehr über Anna Freud, die Tochter von Sigmund Freud, erfahren habe. Ihre Erkenntnisse über die kindliche Psyche und ihre Arbeit mit traumatisierten Kriegskindern haben mich erstaunt und berührt. Sie wusste, wie wichtig es ist, die Ängste und Bedürfnisse von Kindern ernst zu nehmen und ihre seelischen Verletzungen zu verstehen.
Für mich ist „Das Lächeln der Kinder“ deshalb mehr als ein Roman über ein dunkles Kapitel unserer Geschichte. Er macht deutlich, dass Unrecht nicht einfach verschwindet, nur weil Zeit vergeht. Er bleibt in Erinnerungen, im Schweigen und in Familiengeschichten spürbar, die über Generationen von Verlust geprägt sind.
Mein Fazit zu diesem wichtigen Buch
Der NS-Kinderraub und die Verschleppung ukrainischer Kinder macht auf deutlich, wie hilflos Kinder sind, wenn Ideologien und Machtansprüche über Menschlichkeit gestellt werden. Dabei geht es nicht darum, die Verbrechen miteinander zu vergleichen, sondern das gemeinsame Unrecht zu erkennen. 
Es ist keine leichte Lektüre, aber ich finde  Bücher wie dieses so wichtig. Sie machen auf ein Leid aufmerksam, das angesichts so vieler historischer Grausamkeiten leicht übersehen wird.Gleichzeitig musste ich an die unzähligen Kinder weltweit denken, die unter Krieg, Verfolgung und Vertreibung leiden.  Auch sie dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839281458
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839281451



Dienstag, 27. Oktober 2026

Kunstcartoons-Kalender des Ananas Verlags

Rezensionsexemplar, Cover von Rudi Hurzlmeier

Kalender zu rezensieren, ist nicht ganz einfach. Der Inhalt ändert sich ja nicht großartig: Der Januar steht immer an erster Stelle, Mai und Dezember tauschen ihre Plätze nicht, und auch die Wochentage folgen in derselben Reihenfolge. Einzig die Zahlen ändern sich. So ist der 27. Oktober in diesem Jahr ein Dienstag, im nächsten Jahr fällt er auf einen Mittwoch. Deshalb brauchen wir jedes Jahr einen neuen Kalender.


Das muss aber nicht sein. Es gibt schließlich auch immerwährende Kalender, bei denen man einfach die Montage weglässt, die sowieso niemand will, und die anderen Wochentage können dann auch weg. Und wenn man dann noch Cartoons verschiedener Künstler*innen dazu bekommt, wie bei diesem Kunstcartoons-Kalender des Ananas-Verlags, hat man über Jahre ein richtiges Schmuckstück in der Wohnung. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn man wie ich regelmäßig vergisst, umzublättern. Denn jeder Cartoon ist ein Kunstwerk für sich.

Der Wandkalender im DIN-A4-Format umfasst 13 Blätter und versammelt Arbeiten von Cartoonist*innen wie Bettina Bexte, Hannes Richert, HUSE, La Razzia,Markus Grolik,Matrattel,OL, Oslo Davis, Rudi Hurzlmeier Ruedi Widmer,SOBE und Stefan Kahlhammer. Im Mittelpunkt steht die Kunst selbst, ihre Eitelkeiten, ihre Rituale und ihre absurden Seiten. Ob das korrekte Verhalten am Eröffnungsbuffet, ein Abendessen mit Marina Abramović oder die Frage, wie M. C. Escher am Strand wohl aussieht: Die Motive spielen charmant mit Kunstgeschichte, Galeriebetrieb und dem eigenen Anspruch, Kunst genauer zu betrachten.
Mir gefällt besonders, dass der Kalender nicht  die Tage und Monate ordnet, wie man es von Kalendern gemeinhin kennt, sondern  zum genauen Hinschauen einlädt.
Die Cartoons funktionieren einzeln, unabhängig vom jeweiligen Monat. Man kann sie genießen, wenn der Kalender den richtigen Monat zeigt aber auch wenn ich den Blattwechsel mal wieder vergessen habe, das passiert mir nämlich andauernd. Dann hängt eben noch der April im Juni an der Wand.
Der Kunstkalender, eignet sich auch als Geschenk für Menschen, die Galerien, Cartoons oder eine etwas ironische Sicht auf die Kunstwelt mögen. Er ist kein Kalender, den man nach dem Jahreswechsel achtlos entsorgt, sondern einer, bei dem mir die Bilder auch nach dem 31. Dezember noch Freude machen.

Fazit: Ein witziger, kunstsinniger Wandkalender mit starken Cartoonist*innen und Motiven, die auch außerhalb ihres Monats funktionieren. Wer ohnehin gern vergisst, umzublättern, hat hier sogar einen guten Grund dazu.

Ihr bekommt den Kalender direkt beim Ananas-Verlag