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| Werbung-Rezensionsexemplar |
Worum es geht, verrät natürlich der
Klappentext:
Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir unterstützt die Bauern in den Westfjorden beim alljährlichen Schafabtrieb in den Bergen. Dabei stoßen sie in einem einsamen Tal auf eine tote Frau. Es handelt sich um eine Deutsche, die für eine Hotelkette aus Reykjavík arbeitete. Was zunächst nach einem Wanderunfall aussieht, entpuppt sich als Mord.
Tante Tinna fällt eine Parallele zu Hildurs allererstem Mordfall vor 25 Jahren auf. Hat derselbe Täter nun erneut zugeschlagen? Während Hildur versucht, die Spuren aus der Vergangenheit mit denen aus der Gegenwart zu verbinden, sucht auch Tinna nach Antworten. Sie will herausfinden,warum ihre Schwester Hulda Anfang der Siebzigerjahre ohne ein Wort aus Island verschwand.
Was mir gefallen hat
Die Handlung ist klar strukturiert und trotzdem immer wieder überraschend. Satu Rämö verknüpft den aktuellen Mordfall geschickt mit einem alten Cold Case und Tinnas ganz persönlicher Suche nach ihrer verschwundenen Schwester. Dadurch entsteht eine Geschichte, die nicht nur den Kriminalfall vorantreibt, sondern auch Hildurs Biografie und die Geschichte ihrer Familie weiter ausleuchtet.
Wir erfahren einiges über Tinnas Vergangenheit und ihren großen Wunsch, endlich herauszufinden, warum ihre Schwester Hulda damals Island verlassen hat, ohne sich von ihrer Familie oder ihren Freunden zu verabschieden. Auch dieser Erzählstrang hat mir sehr gut gefallen und ist für die Handlung keineswegs nur eine Nebenlinie.
Außerdem wird deutlich, warum Hildur sich so schwer damit tut, eine neue Beziehung einzugehen. Ein Vertrauensbruch durch einen Geliebten zu Beginn ihrer Polizeikarriere wirkt bis heute nach und beeinflusst ihren Umgang mit Nähe und Vertrauen.
Hildur ist auch in diesem Band eine glaubwürdige und sehr menschliche Ermittlerin. Sie arbeitet ruhig und konzentriert, hinterfragt Spuren und lässt sich nicht von ersten Eindrücken leiten. Seit dem Fund der Leiche leidet sie an Tinnitus, der sie im Alltag und während der Ermittlungen erheblich belastet. Diese körperliche Reaktion auf den Fall macht ihre Verletzlichkeit spürbar, ohne sie schwach wirken zu lassen.
Besonders intensiv wird ihre Belastung, als ihr früherer Geliebter James wieder in Island auftaucht. Hildur muss nicht nur mit ihren alten Gefühlen umgehen, sondern erkennt auch, dass bei ihrem ersten gemeinsamen Fall Fehler gemacht wurden. Diese Erkenntnis stellt ihre bisherige Sicht auf die damaligen Ereignisse infrage und zwingt sie dazu, ihre eigene Rolle in der Vergangenheit neu zu bewerten.
Trotz ihres Tinnitus und der emotionalen Verstrickungen behält Hildur einen klaren Kopf und ermittelt weiterhin sorgfältig. Gerade das macht sie für mich als Leserin noch authentischer. Im Laufe der Handlung stellt sich außerdem heraus, dass beide Frauen schwanger waren und mehrere Beteiligte verstörende Glückwunschkarten erhalten haben. Diese Details sorgen für zusätzliche Spannung und werfen immer neue Fragen auf.
Für Leserinnen und Leser, die die Reihe von Anfang an verfolgen, ist es besonders interessant zu sehen, wie sich Hildurs Rolle im Team und ihr Umgang mit ihrer eigenen Vergangenheit im Laufe der Jahre verändert haben. Die Fälle sind für sie längst nicht mehr nur externe Rätsel, sondern fordern sie auch persönlich und lassen sie daran wachsen.
Was mich überrascht hat
Besonders gelungen finde ich die Verknüpfung der drei Erzählstränge. Der aktuelle Mordfall, der alte Fall aus Hildurs Berufsanfängen und Tinnas Suche nach ihrer verschwundenen Schwester greifen ineinander, ohne dass die Handlung unübersichtlich wird.
Die Auflösung ist logisch nachvollziehbar und trotzdem nicht vorhersehbar. Zugegeben, zwischendurch hatte ich kurz den Eindruck, dass sich Satu Rämö mit den vielen offenen Fragen vielleicht etwas verzettelt. Am Ende fügt sich jedoch alles zu einem klaren und schlüssigen Bild zusammen.
Auch die Nebenfiguren sind gut gezeichnet. Die Bauern in den Westfjorden, Hildurs Kolleginnen und Kollegen sowie Tinna mit ihrer ganz eigenen Agenda wirken wie echte Menschen mit individuellen Motiven und nicht nur wie Figuren, die ausschließlich für den Fortgang der Handlung gebraucht werden.
Für wen sich das Buch eignet
Wer die Hildur-Reihe bereits kennt, bekommt mit „Das Tal der Schuld“ einen weiteren starken Band, der die Hauptfigur und ihre Welt konsequent weiterentwickelt. Neueinsteiger können zwar grundsätzlich auch mit diesem Buch beginnen, werden aber vermutlich einen Teil der emotionalen Tiefe verpassen. Einige Bezüge zu früheren Fällen und zu Hildurs Vergangenheit wurden bereits in den vorherigen Bänden aufgebaut.
Fans von atmosphärischem Nordic Noir mit einem klaren Fokus auf Ermittlungsarbeit, Vergangenheitsschuld und familiären Geheimnissen werden hier auf ihre Kosten kommen. Wer schnelle Action und zahlreiche Verfolgungsjagden sucht, sollte wissen, dass es sich eher um einen ruhigeren und stellenweise kopflastigeren Krimi handelt.
Fazit
„Hildur – Das Tal der Schuld“ ist für mich ein gelungener fünfter Band der Reihe. Die Handlung ist wendungsreich, die Figuren sind glaubwürdig und die isländische Landschaft wird erneut zu einem eigenen Charakter im Roman.
Besonders gefallen haben mir die verschiedenen Erzählstränge, die sich nach und nach miteinander verbinden, sowie die persönliche Weiterentwicklung von Hildur und Tinna.
- Herausgeber : Heyne Verlag
- Erscheinungstermin : 16. September 2026
- Auflage : Deutsche Erstausgabe
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 432 Seiten
- ISBN-10 : 3453444124
- ISBN-13 : 978-3453444126
- Originaltitel : Tinna
- Übersetzerin: Gabriele Schrey-Vasara
