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| Werbung-Rezension |
Als ich „Miss Verständnis“ zu lesen begonnen habe, habe ich vor allem einen humorvollen Krimi erwartet. Einen unterhaltsamen Fall, ein bisschen Wiener Schmäh und nette Figuren zum Miträtseln. Dass hinter der Geschichte dann doch so viel mehr steckt, hat mich ehrlich gesagt etwas überrascht.Denn je weiter ich gelesen habe, desto mehr wurde mir klar, dass es Martina Parker nicht nur um die Suche nach einem Mörder geht. Es geht auch um das Älterwerden, um Schönheitsideale und um den ziemlich verrückten Druck, dem Frauen ausgesetzt sind, wenn sie nicht nur älter werden, sondern dabei bitte auch noch möglichst jung aussehen sollen.
Und genau diese Mischung hat mir an dem Buch besonders gut gefallen.
Worum geht es in „Miss Verständnis“?
Miss Brooks, die austro-britische Ermittlerin, arbeitet diesmal als Make-up-Artistin bei einer TV-Casting-Show auf einem Donau-Kreuzfahrtschiff. Die Show heißt „Fabelhafte Frauen Fünfzig Plus“ und schon der Name sagt eigentlich ziemlich viel aus. Frauen über 50 sollen ins Licht der Öffentlichkeit ,aber nur, wenn sie wie 25 aussehen.
Diese Ausgangssituation war für mich sehr gelungen, denn sie ist gar nicht so weit entfernt von dem, was man aus Fernsehen, Werbung und sozialen Medien kennt.
Und dann gibt es natürlich auch noch eine Leiche.
Die Hairstylistin Kim wird nach dem ersten großen Umstyling tot in ihrer Kabine gefunden. Und was zunächst nach einer heiteren Fernsehproduktion aussieht, bekommt plötzlich eine ganz andere Richtung. Während die Verantwortlichen offenbar vor allem daran interessiert sind, dass die Show weiterlaufen kann und möglichst kein schlechtes Licht auf die Produktion fällt, sieht Miss Brooks genauer hin.
Mehr als nur ein Mordfall: Kritik am Schönheitswahn
Mir hat dabei besonders gefallen, dass der Kriminalfall nicht einfach nur dazu dient, möglichst viele Verdächtige durch die Geschichte zu schicken. Hinter der glitzernden Oberfläche kommt einiges zum Vorschein: Eifersucht, Konkurrenz, alte Geschichten und Menschen, die mehr zu verbergen haben, als man zunächst denkt.
Trotzdem war für mich das Thema rund um das Älterwerden fast interessanter als die eigentliche Suche nach dem Mörder.
Denn mal ehrlich: Warum wird bei uns Frauen so viel Wert darauf gelegt, dass wir möglichst jung aussehen? Falten müssen weg, graue Haare werden gefärbt, hier ein bisschen straffen, da ein bisschen korrigieren. Und wenn eine Frau zu ihrem Alter steht, wird sie schief angesehen. Dabei sollte es doch eigentlich völlig normal sein, ungeschminkt und in Alltagsklamotten aus dem Haus zu gehen, und das in allen Altersgruppen.
Was ich an dem Buch mochte: Martina Parker macht daraus keine schwere Abhandlung über Altersdiskriminierung und Schönheitsdruck. Sie verpackt das Ganze in einen Cosy-Krimi. Das macht das Thema leichter zugänglich, ohne dass es dadurch weniger ernst wird.
Miss Brooks und die Frage nach der Selbstbestimmung
Dass Miss Brooks selbst als Hairstylistin und Visagistin ihr Geld verdient, gibt dem Ganzen den perfekten Dreh. Hier wird Schönheitspflege nicht verteufelt. Kritisch wird es erst, wenn der Griff zum Make-up nicht mehr aus Lust am Stylen passiert, sondern aus der nackten Angst heraus, ohne den ganzen Beauty-Zauber gar nicht mehr als „richtig“ wahrgenommen zu werden. Und das zieht sich ja durch alle Altersstufen. Ihr geht es gerade nicht besonders gut, sie ist verliebt und wird zurückgeliebt. Ihre Angst vor einer weiteren Zurückweisung nach dem Eheaus mit Hamish, der sie für eine jüngere Frau verlassen hat, sitzt tief und hindert sie daran, sich auf diese Liebe einzulassen.
Trotz der Ernsthaftigkeit des Krimis – Mord und Schönheitswahn sind wirklich nicht lustig – kam auch der Humor nicht zu kurz. Der Wiener Schmäh sorgt immer wieder dafür, dass die Geschichte nicht zu belastend wird. Die wichtigsten Begriffe werden mit Fußnoten übersetzt, davor muss also niemand Angst haben.
Die Auflösung des Falls möchte ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es bleibt nicht bei einer Leiche, und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr merkt man, dass hinter der schönen Fassade einiges im Argen liegt.
Für mich ist „Miss Verständnis“ deshalb ein Buch, das zwei Dinge gut miteinander verbindet: einen unterhaltsamen Cosy Crime und ein Thema, über das man ruhig öfter sprechen könnte.
Mein Fazit zu „Miss Verständnis“ von Martina Parker
„Wer kurzweilige Cosy-Crime-Unterhaltung mit Wiener Flair und starken Charakteren sucht, wird hier fündig. An „Miss Verständnis“ hat mir besonders die Mischung gefallen: Auf der einen Seite steht ein cleverer Mordfall zum Mitfiebern, auf der anderen eine erstaunlich tiefgründige Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Druck, dem Frauen beim Thema Aussehen ausgesetzt sind.
- Herausgeber : Gmeiner-Verlag
- Erscheinungstermin : 12. Oktober 2026
- Auflage : 1. Auflage 2026
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 320 Seiten
- ISBN-10 : 3839209196
- ISBN-13 : 978-3839209196