Sonntag, 22. November 2020

Herzlich Willkommen zu unserem Leserstammtisch.




Heute wollen wir - Kerstin Dorer, Manuela Hahn und Patricia Nossol mit 
Euch über einen außergewöhnlichen Psychothriller mit dem Titel „Seelen unter dem Eis“ sprechen. Er stammt aus der Feder von Astrid Korten und worum es in dem Buch geht und wie sie auf die Buchidee gekommen ist, erzählt Euch die Autorin in diesem Video:



Stellt Euch vor, Ihr würdet in der Todeszelle sitzen und Euch bliebe nur noch eine Woche. Könnt Ihr Euch in ein solches Szenario hineindenken? Was meint Ihr, was ihr in einem solchen Moment fühlen würdet? Hättet ihr noch Hoffnung?

Patricia:
 Ich glaube, ich hätte eine Scheißangst vor diesem inszenierten Ende mit Zuschauern. Vermutlich würde ich meine letzten Tage lesend und schreibend verbringen. Es muss schrecklich sein, dem eigenen Lebensende entgegenzublicken. Ob man da überhaupt noch etwas denken und fühlen kann?

Manuela: 
Selber in einer Todeszelle sitzen, ist ein Szenario, über das ich noch nie nachgedacht habe, warum auch, ich habe nicht vor jemals etwas zu tun das in irgendeinem Land dazu führen könnte und ich habe nicht vor in ein Land mit Todesstrafe zu reisen so, das mir das nicht einmal *Aus Versehen* passieren könnte. ;o) Man kann ja nicht vorsichtig genug sein.

Kerstin: 
Tatsächlich sind mir beim Lesen dieses Thrillers die Gedanken gekommen wie es für mich wäre in einer Todeszelle zu sitzen. Ganz ehrlich hat mich nackte Angst gepackt. Tage die nicht enden wollen und keinerlei Abwechslung bringen, dazu immer die Angst vor der Hinrichtung im Nacken, ich glaube ich wäre wie gelähmt. 





Kerstins und Patricias Beiträge findet ihr auf ihren Blogs, ebenso, wie ihre Rezensionen. 

Kerstin sagt: Im dunklen Sog der Anziehungskraft – Ein ausdrucksstarker, packender Psychothriller

und Patricia meint:„Seelen unter dem Eis“ hat das Zeug zum Bestseller. Ein herausragender Thriller, der mir nahe geht - intensiv, klug und mitreißend.

Samstag, 21. November 2020

Zwielicht Horrormagazin


Zwielicht 14 bietet die gewohnte Mischung aus Kurzgeschichten, Übersetzungen und Artikeln.Zwielicht - das deutsche Horrormagazin. Dämmriges Licht, verschwommene Konturen. Die Realität hat einen Riss. Aus ihr heraus treten die unterschiedlichsten Geschichten: Zum Nachdenken anregend, beängstigend, erschreckend.

Das Titelbild ist von Björn Ian Craig.

Soweit der Klappentext. In Zwielicht finden wir unterschiedliche Geschichten sie reichen von realem Horror bis zum Übernatürlichen.

Es ist schwierig Kurzgeschichten zu rezensieren, ohne zu viel zu verraten. Also beschränke ich mich auf kurze Sätze zu jeder einzelnen Story und versuche euch meinen Gesamteindruck zu vermitteln. Für mich ist es wichtig, das mich schon die erste Geschichte einer Anthologie überzeugt und mit Escape Room von Ina Elbracht haben die Herausgeber Achim Hildebrand und Michael Schmidt genau das erreicht, was ich mir von Horrorgeschichten erwarte. Gänsehaut, dieses leichte Gruseln bei der Vorstellung der beschriebenen Szenarien. Neben offensichtlichen Gänsehautgeschichten kommen aber auch solche mit eher subtilem Horror nicht zu kurz Lover´s Limb ist eine davon, Geschichten, die zum Nachdenken zwingen haben für mich einen besonderen Reiz, ich verstehe sie nicht immer mag sie aber trotzdem. Seitenhiebe auf das, was um uns herum geschieht und was wir zulassen kommen, auch nicht zu kurz, Vincent Voss *Die dicksten Kartoffeln* ist näher an der Realität als sie auf den ersten Blick scheint.





Escape Room von Ina Elbracht.
Judy und Zorro bekommen den Auftrag einen Escape Room in einem Lost Place zu testen, die beiden ahnen nicht das es die Vergangenheit ist, die sie einholt.

 Gänsehauteffekt schon bei der ersten Geschichte, so müssen Anthologien beginnen.


Julia Annina Jorges - Puppenspiele
Bei dieser Geschichte war ich mir nie sicher was Wahn und was Wirklichkeit ist.

Michael Siefener - Die Fabrik
Zoltans Suche nach der blauen Blume nimmt ein anderes Ende als erwartet.

Karin Reddemann - Weh Mutterherz
Ein Muttersöhnchen namens Bengt-Jörn, verliebt sich und nun muss Mutter weg, das ist aber leichter gedacht als getan.

Christian Weis - Dante Infernalis
Das Musikerleben ist hartes Brot und manchmal muss man für die Karriere Opfer bringen.

Holger Vos - Skull City
Diese Geschichte ist etwas verwirrend, enthüllt aber am Ende alles, was ich zum Verständnis brauchte.

Thomas Kodnar - Lover´s Limb
Eine Geschichte die zum Nachdenken zwingt und über die ich mich gern mit dem Autor unterhalten würde, ich bin mir nämlich nicht sicher ob ich sie verstanden habe. Gefallen hat sie mir trotzdem.

Harald A. Weissen - Wolf…wer?
Geheimbünde hüten Geheimnisse, von denen sie mit allen Mitteln verhindern, wollen das sie ans Licht kommen.

Algernon Blackwood - Skeleton Lake (1906)
Eine Geschichte der man ihre über 100 Jahre nicht anmerkt, guter Grusel ist zeitlos.

Vincent Voss - Die dicksten Kartoffeln
Jeder kennt das Sprichwort. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln. In Vincent Voss Geschichte offenbart sich das gesamte Ausmaß menschlicher Dummheit. 

Michael Tillmann - Dark Tourism - Endstufe
Beth ist auf der Suche nach dem besonderen Urlaubserlebnis.

Sascha Dinse - Mel
Musiker scheinen sehr empfänglich für das Übernatürliche zu sein.

Harry Harrison Kroll - Altweibersommer/Fairy Gossamer (1924)
Und wieder ein 100 Jahre alte Geschichte die mich vollständig überzeugt hat. Nur soviel: Ich hasse Spinnen.

Jesse Franklin Bone - Einfuhrverbot für Horgels (1957)
Ich will einen Horgel, aber das Einfuhrverbot besteht wohl zu Recht. seufz

Artikel:Achim Hildebrand - Legenden des Kannibalismus: Die Bean-Familie
Die Realität schreibt die gruseligsten Geschichten. Hier hat es mich tatsächlich, dass eine oder andere Mal geschüttelt.

Karin Reddemann - Baby Jane, der große Böse und ein Eispickel im Schädel
Was geschah wirklich mit Baby Jane? Ich glaube den Film habe ich nie komplett gesehen, als Kind fand ich ihn  langweilig, wahrscheinlich war ich zu jung um ihn zu verstehen, mal sehen ich schätze ich werde ihm eine weitere Chance geben.
Der große Böse ist Bela Kiss ein Serienmörder, der davon kam.
Menschen mit zu ausgeprägter Fantasie sollten nicht weiterlesen, wenn es um die Psychochirurgie des Dr. Feeman geht.

Und wer sich noch für Fakten interessiert, am Ende des Buches findet ihr die Preisträger des

Vincent Preis 2019
und im Kapitel Horror 2019 sind alle relevanten Neuerscheinungen des Jahres 2019 aufgelistet.

Zwielicht 14 bekommt von mir eine Leseempfehlung und ich habe wohl ein neues Sammelgebiet.

  • Taschenbuch : 291 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8656035484
  • Abmessungen : 12.85 x 1.85 x 19.84 cm
  • Herausgeber : Independently published (26. Juni 2020)
  • Sprache: : Deutsch

Donnerstag, 19. November 2020

Trügerische Affäre von Astrid Korten

 Ich hasse dich ... Drei Worte, die das Dunkel durchdringen, die alles mit sich reißen, das Herz brechen, geflüsterte Schreie bringen und die Stille stören. Die norwegische Architektin Jonte Sandvik scheut die Öffentlichkeit und lebt lieber in der Welt des Films, statt ihrem eigentlichen Beruf nachzugehen. Tagsüber arbeitet sie im XD Cinema Norge in Drammen an der Kinotheke, abends entwirft sie Gebäude, die ihr Ehemann Jonas in architektonischen Bildbänden mit großem Erfolg der Öffentlichkeit präsentiert. Eines Tages gesteht ihr Jonas, dass er eine Affäre hat, und verlässt seine Frau. Für Jonte bricht eine bis dahin mühsam aufrechterhaltene heile Welt zusammen. Seitdem ereignen sich unheimliche Dinge in ihrem Umfeld, auf die sie sich keinen Reim machen kann. Sie ist einsam und führt Selbstgespräche. Auch droht ein schreckliches Geheimnis aus ihrer Vergangenheit sie zu überrollen. Als ein Mord geschieht, muss Jonte sich ihren Ängsten stellen – mit verheerenden Folgen, die sie in Alkoholismus und Irrsinn zu treiben drohen. Nichts ist mehr so, wie es scheint.

Als Jonas sie verlässt, bricht für Jonte eine Welt zusammen, eine Welt, in der sie tagsüber in die Welt des Films eintauchen kann und in ihrer restlichen Zeit Pläne für fantastische Gebäude entwirft die Jonas in Bildbänden verarbeitet und in der sie sich nicht ihrer Vergangenheit stellt.
Jonte flüchtet sich in den Alkohol und kann bald kaum noch zwischen Schein und Wirklichkeit unterscheiden und genauso ergeht es den Lesern dieses Psychothrillers.
In Jontes Umfeld geschehen merkwürdige Dinge, sie hat das Gefühl jemand wäre in ihrem Haus gewesen, Dinge verschwinden und Jonte weiß bald nicht mehr wem sie trauen kann. Sie flüchtet immer mehr in den Alkohol, was ihre Situation natürlich nicht besser macht. In ihrer Einsamkeit führt Jonte Selbstgespräche, etwas das den Blick des Lesers auf sie beeinflusst, ich war mir lange nicht sicher was ich von dieser komplizierten Frau halten sollte.
Das ist ein Aspekt den ich an den Büchern der Autorin so sehr liebe, sie legt falsche Fährten und spielt Spielchen mit ihren Lesern und mutet ihnen damit zu sich mit dem gelesenen auseinanderzusetzen. Zumuten ist vielleicht der falsche Ausdruck, sie traut es ihnen zu, sie setzt voraus, das ihre Leser auch den Willen haben sich mit ihren Texten auseinanderzusetzen, die immer ein bisschen mehr sind als reine Psychothriller. Sie regen zum Nachdenken an und lassen die Leser in Abgründe der menschlichen Seele blicken, die kaum vorstellbar sind. Jontes frühere Erlebnisse setzen ihr mehr zu als sie vor sich selber zugibt, das wurde mir in einer Szene bewusst, in der Jonte beschreibt wie sie sich schon immer fühlte, wenn Jonas gehässig wurde *Ich verschmolz mit dem Inventar* ab da stellte sich mir die Frage, wie tief der seelische Schaden ist, den sie erlitt.
Astrid Kortens neustes Buch ist wieder einmal ein wahrer Pageturner, den ich kaum aus der Hand legen konnte und so bekommt 
Trügerische Affäre
von mir eine absolute Leseempfehlung.

Und weitere begeisterte Stimmen findet ihr auf Lovelybooks z.B. von vronika22

  • Taschenbuch : 346 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8691413643
  • Abmessungen : 13.34 x 1.98 x 20.32 cm
  • ASIN : B08KBGJMMW
  • Herausgeber : Independently published (28. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch




Dienstag, 17. November 2020

Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele (Paracelsus-Dilogie 1) Eva-Isabel Schmid

 


Basel im Spätmittelalter auf dem Sprung zur Renaissance. Der junge Medizinstudent Paracelsus und sein Freund Caspar erhalten von der katholischen Kirche eine Sondergenehmigung zum Sezieren von Leichen. Zu nur einem Zweck: Sie sollen die Existenz der menschlichen Seele beweisen. Als der grausame neue Bischof die Macht erlangt, werden die beiden der Ketzerei beschuldigt. Ihre Forschung wird verboten. Während Caspar sein Leben nun der Medizin widmet, wendet sich der ehrgeizige Paracelsus dem Okkultismus zu. Die zwei Freunde finden sich gefangen in einem Netz aus Inquisition, politischen Intrigen und einem blutigen Bürgerkrieg.


Historische Romane lese ich eher selten, wenn dann solche die in der näheren Vergangenheit spielen, naturgemäß hat es also etwas gedauert bis ich mich hineinversetzen konnte in die Zeit und in die Lebensumstände die in früheren Zeiten herrschten. Doch das dauerte nicht allzu lang und ich hörte wie Paracelsus,  der als Theophrastus Bombast von Hohenheim geborene Arzt, das Schreien der Marktfrauen und das Lachen der Kinder und war auf den nächsten Seiten mehr als froh, dass ich keine Ahnung davon habe wie Leichen riechen, denn auch solche Szenen beschreibt die Autorin Eva-Isabel Schmid sehr anschaulich. Es macht Spaß den Weg der Freunde zu verfolgen. Ich weiß nicht, inwieweit die historischen Fakten belegt sind, die in diesem Buch beschrieben sind, viel mehr als der Name Paracelsus war mir nicht bekannt, die historischen Fakten müssen also andere beurteilen.

Ich beurteile nur die Spannung, die definitiv vorhanden war, schon allein die Arbeitsmethoden und Gedankengänge der Protagonisten riefen abwechselnd Ekel und ein Schmunzeln bei mir hervor. Es gibt eine Szene in der Paracelsus das menschliche Gehirn mit der Konsistenz eines gekochten Eis vergleicht und der Verzehr vielleicht gegen Kopfschmerzen wirkt. 

Für mich war Paracelsus ein besonderes Lesevergnügen, das Abwechslung in meine üblichen Lesevorlieben brachte.

  • Taschenbuch : 440 Seiten
  • ISBN-10 : 3492504000
  • ISBN-13 : 978-3492504003
  • Abmessungen : 12 x 3.52 x 18.7 cm
  • Herausgeber : Piper Schicksalsvoll; 1. Edition (2. November 2020)

Diskrete Zeugen von Dorothy L. Sayers

 

Eines frühen Morgens, um drei Uhr wird Captain Cathcart tot aufgefunden. Für den begeisterten Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey ist dieser Mord eine besonders heikle Angelegenheit: Nicht nur hätte Cathcart sein zukünftiger Schwager sein sollen, auch steht obendrein noch der Herzog von Denver unter Verdacht, die Tat begangen zu haben – Wimseys eigener Bruder, der zu den Vorwürfen allerdings beharrlich schweigt. Indes behauptet Wimseys Schwester, sie habe ihren Verlobten eigenhändig umgebracht. Und als wäre diese ganze merkwürdige Affäre nicht bereits nebulös genug, tragen die überaus diskreten Zeugen eher zu einer weiteren Verschleierung als zur Aufklärung des Falles bei.


Das Original erschien schon 1926 und so war ich mehr als gespannt was mich erwarten würde.

Als Lord Peter auf einer Reise vom Mord am Verlobten seiner Schwester Mary erfährt, kehrt er sofort nach England zurück, nicht nur um seiner Schwester beizustehen, sondern um den Mörder zu finden denn sein Bruder der Lord of Denver steht unter Verdacht Cathcart erschossen zu haben.
Mein erster Krimi der Autorin Dorothy L. Sayers, von der ich zugegebener Maßen vorher bewusst noch nie etwas gehört habe, bei der Fülle an herausragenden Krimiautoren ist das aber nicht verwunderlich. Umso mehr freue ich mich dieses Buch entdeckt zu haben, Sayers verzichtet komplett auf Gewaltszenen, das wäre zu ihrer Zeit auch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Sie hat einen klassischen Whodunit Krimi geschaffen. Die Ermittlungen beruhen auf Zeugenaussagen und Rekonstruktionen der Geschehnisse und das ist unspektakulär aber nichtsdestoweniger sehr spannend.
Ich spürte die besondere Atmosphäre ihrer Zeit, die Protagonisten sind liebevoll und zeitgemäß beschrieben, schaut man sich Lord Peters Butler, Bunter an, er ist genauso wie man sich einen Butler vorstellt.
Diskrete Zeugen, rauben dem Leser nicht den Schlaf, aber durch den sehr angenehmen Schreibstil, die Wortwahl ist erfrischend. Ich mag die gewählte Ausdrucksweise sehr. 

Ich vergebe eine Leseempfehlung und werde die Reihe um Lord Peter Wimsey im Auge behalten.

  • Originaltitel : Clouds of Witness
  • Gebundene Ausgabe : 368 Seiten
  • ISBN-10 : 3805200633
  • ISBN-13 : 978-3805200639
  • Übersetzer: Otto Bayer
  • Herausgeber : Wunderlich; 1. Edition (17. November 2020)


Sonntag, 15. November 2020

Waypoint Fiftynine eine Anthologie Hrsg. Günter Kienle und Jan Fuchs Alameda



Dass ich Kurzgeschichten liebe ist hinreichend bekannt, ich muss nicht mehr lang und breit erklären was meiner Meinung nach gute Kurzgeschichten ausmacht und was ich von ihnen erwarte, gute Unterhaltung und im besten Fall ist diese kombiniert mit Tiefsinn und bringt mich zum Nachdenken oder machen neugierig auf weitere Geschichten der Autoren und Autorinnen.


Und dann kommen Bücher wie dieses: Waypoint Fiftynine eine Anthologie die Im Weit hergeholten literarische Bauchlachmuskeltrainingseinheiten absurdester Grandiöslichkeit Sektor beheimatet ist?

Schon als ich die unten stehende Ankündigung in den weiten des Internets entdeckte, war mir klar: Tiefsinn und Nachdenken kann ich aller Wahrscheinlichkeit nach vergessen, aber das hat mich nicht abgehalten, nach einem tiefen Blick und vielleicht auch dem ein oder anderen Schluck aus einer Flasche mit obskurem, grünen Inhalt und gestärkt mit Keksen, begab ich mich ins Waypoint Fiftynine.


Begeben wir uns also in eine der übelsten und heruntergekommensten Kneipen des Universums, jetzt rümpft mal nicht die Nase, solche Kneipen gibt es überall auch auf der Erde, wir sind doch alle nicht gemacht für Schickimicki und Chi Chi und die eine oder andere abgeranzte Spelunke ist ein Wohlfühlort.

Nun aber begleiten wir die Herausgeber Kienle und Alameda quer durchs All, ihre Rahmenhandlung verbindet die einzelnen Geschichten auf humorvolle und schräge Weise, sie ist schon für sich lesenswert und diese Idee ist noch relativ neu, mir zumindest ist bisher erst eine Anthologie in die Hände geraten, die etwas Ähnliches bot.
Ebenso wie die eigentlichen Storys, die mich fast alle vollständig überzeugen konnten, enttäuscht hat mich  keine.


Dennis Frey – „McGintleroy trinkt“ Nehmt euch in Acht und passt auf was ihr trinkt, nicht jeder ist mit der Wirkung eines Fiftyniners so zufrieden wie McGintleroy.

Lea Baumgart – „Opferbereitschaft“ Eine feine, böse Geschichte, die mich etwas schadenfroh zurücklies.

Dorothee Stern – „Von Pest und Maden und Wollsocken“

Jasmin Aurel – „Von Maden und Halunken in Spelunken“
Diese beiden Geschichten gehören zusammen und erst, wenn man beide gelesen hat offenbart sich doch so etwas wie Tiefsinn, tatsächlich ich war selber erstaunt aber die Storys zeigen wie wichtig es ist Partner zu haben, sonst spricht man am Ende nur noch mit seiner KI oder mit dem Toaster und Maden sind eklig.

Nele Sickel – „Kleider machen Leute“Ich sag nur "Red Shirt" dann wissen eigentlich alle was den Protagonisten erwartet, oder? 

Jessie Weber – „Die himmlischen Schwestern“ Es ist nicht immer so wie es auf den ersten Blick scheint.

Jacqueline Mayerhofer – „Das Schicksal einer Diebin“Manche Geschichten erfordern etwas Geduld, aber es lohnt sich immer dran zu bleiben.

Wolfgang Schroeder – „Krankheitsvertretung“ Hier erfahren wir die Wahrheit über den Weihnachtsmann.

Sandra Florean – „Die Vergessenen“ Die freundlichen Märchenhelden aus der Nachbarschaft, echt jetzt wie schwer kann es sein einen Hamster zu fangen?

Alvar Borgan – „Kampfstern Rot Weiß“ Mausbiber, ich glaube mehr muss ich nicht sagen, oder? Doch eigentlich schon aber mehr als Nicht immer sind alte Männer so harmlos wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Veronika Lackerbauer – „Von Spookies, Spoylent Green und einer interstellaren Kreuzfahrt“ Was soll ich sagen: 5 Sterne für die Kreuzfahrt.

Nob Shepherd – „Edelgard“Ein Tipp, esst nichts im Waypoint Fiftynine, bevor ihr sicher seid das euer Essen nicht doch noch etwas zu sagen hat.

Katja Rocker – „Queerdenker“ Auch im Märchenland wird es Zeit zum umdenken.
Lukas Wesslowski – „Am Ende kommt das Ende“ Ich liebe diese Geschichte, ich verrate aber nicht weshalb, dann müsste ich spoilern.
Tanja Kummer – „Exkursion 0 8 15“ Ich will ein Faultier haben.

Renée Engel – „Alles ist relativ“ außer Mutterliebe ;o)

Isabell Hemmrich – „Die Op(era)tion“ Wenn es schiefgeht dann durchgängig

Florian Krenn – „Der Verräter“ Himbeerbrausepulver und seine Konsequenzen und Nova muss putzen.

Peter Michael Meuer – „Die Bar am Ende des Regenbogens“ Ich bin ja dafür, das es allen Firmen die sich mies verhalten so geht. 

Laurence Horn – „Schildhalla“ Der Supergau: Das Bier ist alle.





Normalerweise ist es kein Problem in einer Anthologie die eine oder andere Geschichte zu überspringen, um sie später zu lesen. Bei dieser Romanthologie ist aber nichts wie gewohnt und so muss die Reihenfolge zwingend eingehalten werden, das ist so ein Raumzeitgefüge Ding, glaube ich, oder die Intermezzi von Günther Kienle und Jörg Fuchs Almaeda verweben sich mit den Kurzgeschichten  und verbinden sich untrennbar miteinander.


Leise, psychedelische Fahrstuhlmusik


»Wenn dir mal wieder die unendlichen Weiten des Weltraumes zu viel werden und dich die Sorgen zu überwältigen drohen: Komm zu uns. Wir servieren dir mit einem Lächeln und einem offenen Ohr den Drink deiner Wahl.«
[Einblendung]
Waypoint FiftyNine
[Slogan erschallt]
»Vergiss deine Sorgen … [Panflötengesäusel] … Waypoint FiftyNine … [Engelschor erschallt] … wir halten uns an die intergalaktische Schweigepflicht und sagen nichts davon deiner Frau, Mann, KI, Versicherungsvertreter, Kopfgeldjäger, Verleger, Mechaniker, Schneider, Einhorn, Diebin, Nonne, Xenomorphen, Geheimagenten, Gevatter, Struwwelpetra, Gebrauchtschiffhändler, Weihnachtsmann, Reiseveranstalter [Alamedisches Triangelinferno] … im Waypoint FiftyNine sind wir für dich da! [Kienlisches Riff der Hölle]«

[Einblendung des Kleingedruckten]
Diese Schweigepflicht gilt nicht für die engagierten Autoren*innen des Leseratten Verlages von der Erde, aber hey, wer würde schon glauben, was diese Freaks so erzählen?

Mit einem Klick auf die Leseratte öffnet sich eine Dimensionsschleuse, schaut selbst wohin sie euch führt.


Mittwoch, 11. November 2020

Vier Tage im Juni von Jan-Christoph Nüse

 


John F. Kennedy besucht Deutschland, Millionen Menschen jubeln ihm zu. Die Polizei bildet zwar vorsorglich Mordkommissionen, aber deutsche und amerikanische Geheimdienste haben offiziell keine Hinweise auf Anschlagspläne. Als bereits am ersten Tag ein Mann auf den Präsidenten schießen will, wird deutlich: Kennedy hat in Deutschland mächtige Feinde. Sie halten den US-Präsidenten für zu nachgiebig gegenüber der Sowjetunion. Wie Bundeskanzler Adenauer wollen sie die deutsche Atombombe, um einen Überfall durch russische Panzer abwehren zu können.

John F. Kennedy ist in Deutschland auch heute noch einer der beliebtesten US-amerikanischen Präsidenten, seine Rede am  26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg in West-Berlin kennen auch die, die sich weder für Politik noch für die jüngere deutsche Vergangenheit interessieren oder die, die einfach noch zu Jung zu sind. 
Besonders der Satz:
Ich bin ein Berliner.
Ging in die Weltgeschichte ein.
Doch was geschah, vor dieser bewegenden Rede?
Jan-Christoph Nüse beleuchte die Umstände vor der Reise, in einer gelungenen Mischung aus Fiktion und Tatsachen hat er einen durchaus lesenswerten Roman geschaffen.
Ich muss zugeben, viel mehr als der legendäre Satz J.F.K. ist auch mir nicht in Erinnerung, zumal ich damals noch gar nicht geboren war und mein Wissen nur aus der Schule bzw. aus den Medien habe. Umso interessanter sind deshalb Bücher wie dieses, die nicht nur Fakten vermitteln, sondern auch Unterhaltung bieten. Vieles von dem, was Jan-Christoph Nüse schreibt, lässt sich nachlesen und das was sich der Autor erdachte ist spannend und fesselte mich an jede Seite. 
Auf deutscher Seite wird eine Sonderkommission gegründet, die die Sicherheit des Präsidenten gewährleisten soll.
Thomas Malgo muss kurzfristig den Job seines Vorgesetzten Paul Dickopf übernehmen der aus privaten Gründen nach München reist. So bleiben die Vorbereitungen der Sicherungsgruppe Bonn für den Staatsbesuch an Thomas hängen. Jede Lücke im Sicherheitskonzept kann den Tod des Präsidenten bedeuten, denn nicht jeder ist mit seiner Politik einverstanden. Die Anspannung unter der die damaligen Mitwirkungen gestanden haben müssen ist durchaus nachvollziehbar und immer spürbar und durch diese vom Autor geschaffene Atmosphäre bangt man tatsächlich teilweise um das Leben.F.Ks, auch wenn das vollkommen irrational ist, schließlich weiß jeder das er erst etwas später bei einem Attentat ums Leben kam.
Ich kann also für
Vier Tage im Juni 
eine Empfehlung abgeben.

  • Taschenbuch : 352 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3839227688
  • Größe und/oder Gewicht : 14.2 x 2.7 x 21.1 cm
  • Herausgeber : Gmeiner-Verlag; 2020. Edition (9. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch

Montag, 9. November 2020

Schuld von Sofie Sarenbrant


Emma Sköld, kämpft aktuell an zwei Fronten, sie muss den Mord an einem Teenager aufklären und ihr Privatleben ins Reine bringen, nach der Trennung von ihrem Freund und Kollegen Nyhlén, gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihm als schwierig, jedes Wort, das sie wechseln und auch alles worüber sie nicht sprechen steht zwischen ihnen.

Doch bevor sie sich ernsthaft um ihr Privatleben kümmern kann, gibt es einen Mord aufzuklären.
Der Nachbarsohn Robin wird erschlagen aufgefunden, ein aus dem Ruder gelaufener Einbruch oder steckt mehr hinter dem Tod des Jungen. Die Reinigungskraft, die die den Jungen fand, verstrickt sich in Widersprüche und auch ihr Benehmen der Polizei gegenüber lässt vermuten, das sie mehr weiß als sie zugibt.
Zunächst stößt man in Sofie Sarenbrants neustem Buch auf mehr Geheimnis als auf Lösungen, Tagebucheinträge, die im Raum stehen ohne den Verfasser zu benennen, ein Unfall mit einem Luxussportwagen an dem Robin die Schuld übernahm, ein Bauarbeiter der unter Verdacht gerät und dann wird auch Emma Opfer eines Einbrechers, doch stehen diese Taten alle miteinander in Verbindung?.

Schuld ist nicht der erste Krimi, den ich von der Autorin gelesen habe und ich muss zugeben zu 100% war ich von dem ersten Buch, das ich las nicht überzeugt, aber der Klappentext zu Schuld klang spannend und es wurde mal wieder Zeit für einen Krimi aus Skandinavien, da kam mir Schuld gerade recht.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Sofie Sarenbrant überzeugte mich nicht nur durch ihren Schreibstil, die Handlung ist überaus spannend, nach und nach erweitert sich der Kreis der Verdächtigen für mich als Leser, während die Ermittler etwas länger im Dunkeln tappen. Geschickt lässt die Autorin ihre Ermittler ihre Schlüsse ziehen, trennt wichtiges von belanglosem und kommt so dem Mörder auf die Spur und seinem Motiv.
Nicht einmal das sehr präsente Privatleben Emmas störte das Lesevergnügen nachhaltig, auch wenn ich mir das eine oder andere Mal dachte "redet einfach mal miteinander". 

Ich vergebe für Schuld eine absolute Leseempfehlung und freue mich auf weitere Krimis der Autorin.

  • Originaltitel : Syndabocken
  • Taschenbuch : 445 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3352009273
  • Herausgeber : Rütten & Loening; 1. Edition (13. Oktober 2020)
  • Sprache: : Deutsch

Sonntag, 8. November 2020

Outtakes : Ach herrje #obm2020

 

Outtakes  

Was ich zu Beginn meiner Arbeit noch nicht wusste Anekdoten oder Pleiten, Pech und Pannen.


Ach herrje, was soll ich da denn erzählen, die übelsten Peinlichkeiten sind sicherlich meine ersten Rezensionen.


Aber es gab auch Begegnungen, die nicht so optimal abliefen.

Da war dieses Bloggertreffen bei einem großen Verlag, man steht so rum und unterhält sich, als zwei weitere Blogger dazustoßen und das Geraune beginnt:

Das sind doch die und die von dem und dem Blog

Dass die da sind, ist ja toll.

Dass sie die Zeit gefunden haben.

usw.usw. 

Ich habe es ja nicht so mit Geraune und meine Frage:

Muss man die kennen?

war dann so laut, dass sie natürlich von ALLEN gehört wurde. Warum tut sich der Boden nicht auf, wenn man es braucht? Der Gesichtsausdruck der Beiden sprach übrigens Bände. Aber so wichtig schien es nicht zu sein, das man sie kennt, sonst hätten sie sich ja spätestens dann vorgestellt, oder?


Bloggertreffen sind sowieso so eine Sache, im besten Fall trifft man auf Freunde im schlimmsten Fall kennt man niemanden und steht dumm rum, da zeigt sich dann was #miteinanderstattgegeneinander und wir haben uns doch alle lieb wirklich wert sind. Da mag ich die kleinen feinen Treffen, bei denen man mit wenigen beieinander steht und zwangsläufig ins Gespräch kommt.


Ich mag aber gar nicht von doofen oder peinlichen Momenten sprechen, es gibt nämlich viel mehr schönes zu erzählen, von Menschen zum Beispiel, bei denen es vom ersten Moment an passte, die trotz aller räumlichen Distanz zu den Lieblingsmenschen werden.

Von denen erzähle ich euch ein andern Mal, in angemessenem Rahmen so wie sie es verdienen.









               

Ihr sollt wissen das wir noch da sind von Esther Safran Foer


Esther Safran Foer ist die Mutter des Bestsellerautors Jonathan Safran Foer, der mit seinem weltweit gefeierten Debüt »Alles ist erleuchtet« den Grundstein legte für dieses mutige Memoir. Sie begibt sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Familie, die in der schrecklichen Dunkelheit des Nationalsozialismus begraben wurde. Ein Buch gegen das Vergessen. Als Esthers Mutter beiläufig offenbart, dass ihr Mann eine frühere Frau und Tochter hatte, die beide im Holocaust ermordet wurden, beschließt Esther herauszufinden, wer sie waren und wie ihr Vater überlebt hat. Nur mit einem Schwarzweißfoto und einer handgezeichneten Karte reist sie zusammen mit ihrem Sohn in die heutige Ukraine, um das Shtetl zu finden, in dem sich ihr Vater während des Krieges versteckt hatte. Diese Reise wird ihr Leben für immer verändern und sie wird es Esther ermöglichen, endlich richtig zu trauern. Sie findet in der Ukraine tatsächlich die Nachfahren der Menschen, die ihren Vater versteckt hatten und erfährt sogar den Namen ihrer Halbschwester. Eine bewegende Geschichte von einer Frau auf der Suche nach ihrer Familie, aber auch von vier Generationen von Überlebenden, Geschichtenerzählern und Gedächtniswächtern, die entschlossen sind, nicht nur die Vergangenheit am Leben zu erhalten, sondern auch die Gegenwart mit Leben zu füllen. (Text Amazon Produktbeschreibung)

Was schreibt man über ein Buch, das aus mehr als Worten zu bestehen scheint, sondern auch aus Erinnerungen? Und das dieses Buch nicht nur Erinnerungen an einzelne Familien weckt, sondern an die von Millionen Menschen die unter einem grausamen und menschenverachtenden Regime ums Leben kamen.

Als die Autorin Esther Safran Foer, von ihrer Mutter erfährt, das ihr bereits verstorbener Vater schon einmal verheiratet war und eine Tochter hatte, beschließt sie sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Familie zu machen und reist in die Ukraine und tatsächlich findet sie noch Menschen, die ihr berichten, können von dem was einst geschah.

Natürlich geht es in dieses Buch um einen begrenzten Personenkreis, um Esthers Vater, ihre Halbschwester um die Menschen aus dem Shtel. Doch diese stehen stellvertretend für all die Menschen die ihre Heimat, ihre Familie und ihre Wurzeln verloren. Esther Safran Foer zeigt mit ihrem Buch, wie wichtig die Geschichten über all diese Menschen sind, auch wenn diese Geschichten manchmal schwer zu finden sind. Daten werden teils absichtlich, teils unbeabsichtigt falsch angegeben, so feiert die Familie Esthers Geburtstag an einem falschen Tag, was sie erst spät herausfindet, ebenso stimmt das Hochzeitsdatum ihrer Eltern nicht und so weiter und so weiter. Doch Esthers Hartnäckigkeit hilft ihr vieles zu verstehen und herauszufinden.

Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind.
Seit ich diesen Titel das erste Mal las, überlegte ich an wen er sich richtet?
An die Familienmitglieder, die noch nicht gefunden wurden, deren Schicksal vielleicht noch ungeklärt ist?
Oder an die Täter von damals, denen vor Augen gehalten wird das sie nicht gewonnen haben?


Wie bewertet man Bücher über das Schicksal anderer Menschen? Wäre das Buch eine fiktive Geschichte, wäre es einfach, ich würde über die Handlung und den Schreibstil schreiben, vielleicht noch darüber, ob es spannend war und ob ich mit den Protagonisten mitfieberte auf der Suche nach ihrer Geschichte.
Das wäre als bewerte man die Leben anderer und das steht niemandem zu.
Ich möchte es aber jedem, der sich für die Geschichte der Menschen interessiert ans Herz legen, damit diese Menschen niemals vergessen werden.


  • Originaltitel : I want you to know we´re still here
  • Gebundene Ausgabe : 288 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3462052220
  • Herausgeber : Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (5. November 2020)
  • Sprache: : Deutsch



Samstag, 7. November 2020

Anna Castronovo: Ein Interview

 Hallo zusammen und herzlich willkommen auf der OBM2020.

Wir dürfen heute die Autorin Anna Castronovo begrüßen

Liebe Anna, herzlich willkommen am OBM2020 Stand von Frau Goethe liest und dem Bücherhaus, gemeinsam betreiben wir die Facebookseite 2Blogs1Buch, und wir wollen heute ein bisschen über dein neues Buch Fluch der Saline, deinen Bezug zu Italien, Sonne, Strand und Meer plaudern.

Sowohl Heike als auch ich haben dein Buch gelesen, im Gegensatz zu Heike habe ich was zu meckern. Am Ende des Buches verrätst du das Rezept für Tante Lilys Caponata, ganz viele Leser werden das nun nachkochen und ich stehe da und denk mir: Ich mag keine Auberginen und keine Oliven und keine Kapern, ganz zu schweigen von Zwiebeln. Was ich aber mag sind Cannoli, nur dafür hast du kein Rezept verraten, würdest du das bitte nachholen? Am liebsten gleich.


Anna (lacht): Wird sofort gemacht! Ich nehme die Kritik meiner Leser immer sehr ernst.

Zum Thema Cannoli bin ich aber gleich ganz ehrlich: Die Röhrchen zu backen ist irre schwer, ich würde sie fertig im italienischen Feinkostladen kaufen. Und für die Füllung braucht man unbedingt echten sizilianischen Schafs-Ricotta. Was man bei uns im Supermarkt als Ricotta bekommt, ist zwar auch lecker, hat aber nichts mit dem Original zu tun. Also die 500 g Ricotta bitte auch im Feinkostladen besorgen. Dann 150g Zucker und 75g Schokotropfen unterrühren. Fertig.

Die Füllung spritzt Du nun in die Röhren und garnierst die Enden mit gehackten Pistazien. Am Ende stäubst Du noch Puderzucker über die Cannoli. Buon appetito!



Übrigens kannst Du Dich live auf der Onlinebuchmesse an der Wahl zum Rezept für meinen nächsten Roman beteiligen - dann kannst Du ein Gericht vorschlagen, das Dir garantiert auch schmeckt :-)


Und jetzt werden wir mal ernst.

Magst du dich unseren Standbesuchern und Lesern in drei kurzen Sätzen vorstellen?

Anna: Das schaffe ich sogar in drei Worten: italophil, schreibverrückt, katzenverliebt


1. Onlinebuchmessen sind vielleicht ein kleiner Trost für die vielen Events, die dieses Jahr ausfallen mussten, allen voran natürlich die großen Messen LBM und FBM. Wie geht es dir damit, fehlt dir was oder denkst du: Prima, endlich mehr Zeit für die Familie und zum Schreiben?

Anna (seufzt): Ich wäre dieses Jahr wahnsinnig gerne wieder nach Frankfurt gefahren. Letztes Jahr wurde mir dort der Skoutz Award verliehen, ich habe einen Exposè-Wettbewerb gewonnen, Sebastian Fitzek getroffen und viele liebgewonnene Social Media Bekanntschaften endlich in echt kennengelernt. Das sind unvergessliche Erinnerungen, und das fehlt mir sehr.

Trotzdem nutze ich die Einschränkungen natürlich zum schreiben, schreiben, schreiben und nochmals schreiben.


2. Sprechen wir über deine Bücher. Klosterkind, das 2018 erschienen ist, und Fluch der Saline spielen beide in Italien in der jüngeren Vergangenheit. Was verbindet dich mit Sizilien?

Anna: Mein Mann ist Sizilianer. Dadurch habe ich in eine waschechte und turbulente sizilianische Großfamilie eingeheiratet, die mir jede Menge Vorlagen für meine Romanfiguren bietet (lacht). Wir verbringen seit über 15 Jahren unsere Ferien auf der Insel und ich stoße immer wieder auf spannende Geschichten und berührende Schicksale, aus denen dann die Ideen zu meinen Romanen entstehen.

3.Was bedeutet für dich Familie à la Sicilia? Bevorzugst du es, wenn alle unter einem Dach leben, oder suchst du manchmal auch die Distanz?

Anna: Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und habe in der Zeit, als ich meinen Mann kennengelernt habe, freiwillig allein in einer Studentenbude gewohnt und das auch sehr genossen. Der erste Urlaub in der Großfamilie war dann ein entsprechender Kultur- und Sozialschock für mich. Mittlerweile habe ich es zu schätzen gelernt, dass in Sizilien keiner allein ist und die Familie immer füreinander einsteht und sich gegenseitig hilft – viel mehr, als ich es aus Deutschland kenne, wo sich alle immer individuell verwirklichen wollen und ihre eigenen Wege gehen, oft ohne Rücksicht auf Verluste. Das finde ich an der Familie à la Sicilia sehr schön. Trotzdem brauche ich manchmal meine deutsche Ruhe ;-)

4.Welche signifikanten Unterschiede hast du als Deutsche in der Mentalität feststellen können? Gibt es Anekdoten?

Anna: Jede Menge! Das würde hier zu weit führen, aber eine Anekdote kann ich erzählen: In meinem ersten Urlaub bin ich krank geworden und wollte, typisch deutsch, in meiner kleinen Kammer alleine vor mich hinleiden und einfach in Ruhe schlafen. Aber die gesammelte Familie hat mich zu einem medizinischen Notdienst in irgendeiner Garage an der Piazza geschleppt, Gegenwehr zwecklos. Dort wurde dann von jemandem, der mir dreimal auf den Bauch gedrückt hat, "Vergiftung" diagnostiziert und eine Spritze mit einem mysteriösem Medikament verschrieben. Spritzen werden in Sizilien nicht vom Arzt verabreicht, sondern die Nachbarin kam rüber (eine Friseurin), und hat mir im Badezimmer die Spritze in den Allerwertesten gejagt, worauf ich kurz ohnmächtig geworden bin. Dann wurde ich auf das Sofa mitten im Wohnzimmer drapiert, wo der Fernseher auf voller Lautstärke lief, alle wild durcheinander geredet haben und im Laufe des Tages die ganze Nachbarschaft vorbei kam, um nach mir zu sehen. Eine sizilianische Familie würde NIEMALS ein krankes Familienmitglied alleine lassen. Meine einzige Rettung war: Möglichst schnell gesund werden ;-))) In meinen neuen Roman werden einige solcher Anekdoten einfließen.

5.Toto steht vor der Berufswahl. Was schätzt du, wie viele junge Männer in seiner Situation in einen Beruf gedrängt wurden, ohne auf seine Talente Rücksicht zu nehmen?

Anna: Sehr viele, und das gilt auch noch heute. In Sizilien herrscht eine extrem hohe Arbeitslosigkeit, viele Familien sind arm. Dazu kommt, dass die Universitäten Geld kosten. Da können es sich die jungen Leute meistens nicht aussuchen, was sie mal werden wollen. Mein Mann wollte zum Beispiel Architektur studieren, aber er musste nach Deutschland gehen, um in der Gastronomie Geld zu verdienen, um seine Familie zu unterstützen. Für mich war es ein Glück ;-) Aber für viele junge Menschen ist es frustrierend, dass Sizilien so perspektivlos ist. Was das angeht, leben wir in Deutschland im puren Luxus.

6. Du bist in München geboren, zu einer Zeit, als Emanzipation in Deutschland schon auf dem Weg war, du hast also die Umstände, in denen besonders die Frauen im Buch lebten, eher nicht selbst erlebt. Wie hast du es geschafft, ihre Lebenssituation trotzdem so glaubhaft und authentisch dazustellen?

Anna: Tolle Frage! Als ich vor gut 15 Jahren zum ersten Mal in Sizilien war, war ich ehrlich gesagt geschockt darüber, wie wenig emanzipiert die dortige Gesellschaft Anfang der 2000er-Jahre noch war. Es hat mich interessiert, warum das so ist, und ich habe mir viel darüber erzählen lassen. Vor allem meine Schwiegermutter, die in den 60ern großgeworden ist, und meine Schwägerin, die in den 80ern aufgewachsen ist, sind meine Quelle Nummer 1 für die Situation der Frauen.

7. Nach dem Buch ist vor dem Buch. Woran arbeitest du gerade, magst du schon etwas verraten?

Anna: Jaaaa :-) Ich wollte immer schon darüber schreiben, wie eine Deutsche, die in die sizilianische Gesellschaft katapultiert wird, diese mit all ihren Höhen und Tiefen erlebt. Bisher waren meine Protagonisten Sizilianer. Diesmal geht es jedoch um eine Frau, die zwar in Sizilien geboren wurde, aber in Deutschland aufgewachsen ist. Ihre Zwillingsschwester ist angeblich bei der Geburt gestorben, das hat sie allerdings nie geglaubt. Deshalb reist sie zusammen mit ihrer fünfjährigen Tochter nach Sizilien, um mehr über ihre Vergangenheit herauszubekommen. Dadurch kann ich Sizilien diesmal von außen beschreiben. Es wird witzig, berührend, spannend und natürlich wieder so richtig sizilianisch ;-) Ich bin mit der ersten Version schon fertig, die Veröffentlichung ist für das Frühjahr geplant.

8.Du durftest als Gewinnerin des Skoutz-Awards die diesjährige Auswahl der historischen Romane aussuchen. Wie sieht dein heimisches Bücherregal aus?

Anna: Jetzt muss ich etwas gestehen: Ich lese selbst kaum historische Bücher, oft sind sie mir zu dick, zu trocken und zu kompliziert. Ich mag kurzweilige Geschichten, die mich mitreißen und die spannend sind. Natürlich lese ich gerne Bücher, die in Italien und Sizilien spielen. Ich liebe zum Beispiel die "Tante Poldi"-Reihe von Mario Giordano, die ist sooo witzig! Oder die Bücher von Daniel Speck ("Bella Germania", "Piccola Sicilia"). Klar: Auch der Klassiker "Maria ihm schmeckt´s nicht" von Jan Weiler steht bei mir im Regal, genauso wie "Arminuta" von Donatella Di Pietrantonio und "Der Duft von Erde und Zitronen" von Marherita Oggero. Die kann ich alle heiß empfehlen ;-)

9. Und da wir schon bei der Arbeit sind, brauchst du absolute Ruhe beim Schreiben oder hörst du Musik, setzt du dich lieber in ein Café in der Großstadt oder ans Meer um zu Schreiben? (ich musste jetzt doch noch das Meer ins Gespräch bringen.)

Anna: Ja, das Meer (seufzt). Am liebsten schreibe ich auf unserer sizilianischen Terrasse mit Meeresrauschen. Ansonsten brauche ich Ruhe, damit ich ganz in meine Geschichten abtauchen kann, am besten ein paar Stunden am Stück, was aber bei einer turbulenten Familie manchmal schwierig ist ;-) Wenn Ihr mal sehen wollt, wo meine Bücher entstehen, könnt Ihr auf meinem YouTube-Kanal vorbeischauen. Diesen Sommer habe ich mit Hilfe meiner Tochter Videolesungen vor Originalkulisse mit Wind- und Wellen-Sound gedreht. (https://www.youtube.com/channel/UCXPhuyFvPtMRJE8K_-J9oXw)

Anna hat einen Arbeitsplatz der jeden anderen vor Neid erblassen lässt. 




10.Lass uns hypothetisch werden. Wenn du keine Schriftstellerin geworden wärst, welchen Beruf würdest du mit eben soviel Herzblut und Leidenschaft ausüben?

Anna: Ganz klar: Ponyhof-Besitzerin.


Liebe Anna, vielen Dank für deinen Besuch an unserem Stand, wir wünschen dir noch viel Spaß und Erfolg auf der Messe.


Anna: Vielen Dank für das nette Interview! Euch auch noch viel Spaß auf der Messe.

Fluch der Saline von Anna Castronova

 

Der vierzehnjährige Toto lebt mit seinem Vater Peppe, seiner Großmutter und der Stiefmutter Rosalia in bitterer Armut. Das Schicksal meint es nicht gut mit der Familie, seit Peppe eine durch Überschwemmung fast zerstörte Saline kauft, er verschuldet sich dafür bei Don Luigi, dem mächtigsten Mann im Dorf. Peppe träumt von Reichtum und Ehre und sieht dabei nicht, das die Saline nichts als Unglück über die Familie bringt, als er sich noch mehr bei Don Luigi verschuldet, verstirbt überraschend seine 1. Frau doch auch dieser Schicksalsschlag öffnet Peppe nicht die Augen, verbissen kämpft er um den Erhalt der Saline, als eine Seherin behauptet die Saline sei verflucht, steht für Peppe schnell ein Schuldiger fest: Don Luigi.

Mit Sizilien verbinden wir Sonne, Strand, Meer  und unbeschwerte Ferien, doch das Leben für die Sizilianer ist hart, hohe Arbeitslosigkeit zwang schon früh viele Menschen ihre Heimat zu verlassen, um im Ausland nach Arbeit zu suchen um ihre Familien ernähren zu können.

Anna Castronova entführt uns in eine Zeit, in der sich nicht nur in Sizilien die Menschen noch an traditionellen Wertvorstellungen festhielten, die sich auch darin äußerten, dass der Mann das Familienoberhaupt ist, sein Wort ist Gesetz. Und so setzt auch Peppe alle seine Pläne durch ohne Rücksicht auf die Meinung seiner Frau oder seines Sohnes Toto, dieser würde viel lieber zur Schule gehen und später studieren, um Lehrer zu werden, stattdessen schuftet er schon als 14-jähriger in der Saline seines Vaters. Seine Situation ist aus heutiger Sicht für uns schwer vorstellbar umso bemerkenswerter ist es, wie die Autorin es geschafft hat diese Zeit einzufangen und die vorherrschende Atmosphäre an ihre Leser zu vermitteln und das auf gerade mal 212 Taschenbuchseiten.

Und auch die Spannung kommt in diesem historischen Roman nicht zu kurz, Toto deckt ein Familiengeheimnis auf, das sein gesamtes Leben auf den Kopf stellt und ihn in Lebensgefahr bringt, aber dieses Geheimnis enthüllt auch Peppes Beweggründe.

Von mir bekommt

Fluch der Saline eine Leseempfehlung.

  • Taschenbuch : 252 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3751938235
  • Größe und/oder Gewicht : 12.7 x 1.47 x 20.29 cm
  • Herausgeber : BoD – Books on Demand; 2. Edition (26. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch

 


Buchvorstellung: Fluch der Saline von Anna Castronovo #obm2020


Anna Castronovo liebt Italien seit ihrer Kindheit - jede Osterferien verbrachte sie im Ferienhaus ihrer Oma in Terracina. Nach der Schule wurde ihr großer Traum wahr: Sie zog ganz in ihr Lieblingsland und studierte in Perugia Italienisch. Kaum war sie wieder zurück in München (hier besuchte sie erst das Sprachen- und Dolmetscherinstitut und schob noch eine Ausbildung zur Redakteurin sowie eine sechsjährige Festanstellung beim DLV nach), lernte sie ihren Mann kennen - einen Sizilianer. Seit gut fünfzehn Jahren verbringt sie mit ihm und ihren beiden Töchtern jedes Jahr mehrere Wochen auf der Insel. Dabei stößt sie immer wieder auf spannende Geschichten und bewegende Schicksale abseits der Touristenpfade, die sie in ihren Romanen verarbeitet.Seit 2015 hat sie fünf Bücher veröffentlicht, schreibt als freie Journalistin für verschiedene Zeitschriften und arbeitet als Übersetzerin.
Für ihren ersten Sizilienroman "Klosterkind" gewann sie 2019 den Skoutz Award in der Kategorie "History".
Jetzt ist ihr neustes Buch 
Fluch der Saline erschienen

Würdest du deinen eigenen Vater verraten, um frei zu sein?
Sizilien 1968: Totò ist erst vierzehn Jahre alt und muss schon hart arbeiten. Sein Vater hat eine Saline gekauft, die nur schmutziges Salz erzeugt, und die Familie lebt in Armut. Als ausgerechnet Don Luigi, der mächtigste Mann im Dorf, die Saline kaufen will, wittert Totò seine Chance, dem Elend zu entfliehen. Doch sein Vater hält verbissen am Familienbesitz fest.
Eine Seherin behauptet, dass ein Fluch auf dem alten Gemäuer liegt – und der Vater glaubt auch schon zu wissen, wer dahintersteckt. Als er mit seinem Gewehr loszieht, muss Totò sich entscheiden, auf wessen Seite er steht. Dabei stößt er auf ein dunkles Familiengeheimnis.



Rezensionen zum Buch findet ihr bei mir  und natürlich bei Frau Goethe liest.
Neugierig geworden? 
Dann schaut mal auf der FB Seite 2Blogs1Buch vorbei, die ist für jeden offen , dort startet heute um 18 Uhr ein Gewinnspiel.

  • Taschenbuch : 252 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3751938235
  • Herausgeber : BoD – Books on Demand; 2. Edition (26. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch