Donnerstag, 30. Januar 2020

First to find.Mord am Bärensee von Charly Essenwanger


Siegfried lebt mit seiner Frau und seiner Tochter ein ruhiges Leben in Kaufbeuren, die Familie ist glücklich und teilt sich ein gemeinsames, Hobby Geocaching (eine Art Schnitzeljagd mit GPS).
Dieses Idyll löst sich in Luft auf, als Siegfried bei einem Cache auf seinen alten Freund Jakob trifft ihn die Vergangenheit ein. Jakob hat seinem Kumpel eine Schrottimmobilie verkauft und ihn damit fast in den Ruin getrieben.
Jakob ist ein Ekel wie er im Buches steht, arrogant und geldgierig, so hat er keine Skrupel seinem Freund eine überteuerte Wohnung zu verkaufen und danach alle Verantwortung von sich zu weisen.
Das Siegfried ihn ermordet ist für jeden nach dem Lesen des Klappentextes kein Geheimnis mehr.
Wenn der Täter klar ist, lege ich in einem Krimi wert auf die Ermittlungsarbeit der Polizei, wie gehen sie den Fall an, wie kommen sie dem Täter auf die Spur, fassen sie den Täter überhaupt?
Ist der Täter sympathisch, wie es bei Siegfried durchaus der Fall ist. Siegfried ist nicht besonders schnell im Denken, das betont der Autor immer wieder, aber nicht nur er hat sich vor einigen Jahren davon überzeugen lassen, das man mit der richtigen Art Schulden Geld verdienen kann, ich weiß aus eigener Erfahrung wie gut die Vermögensberater geschult sind und wie schwer es ist ihren Versprechungen zu widerstehen, aber es geht. Nun aber, Siegfried konnte nicht widerstehen und musste Jahrelang die Zeche dafür zahlen.
Meine Hoffnung war tatsächlich ein bisschen, das er mit dem Mord davon kommt oder die Ermittler wenigstens vor einer Herausforderung stehen, leider hat Charly Essenwanger diese Hoffnung ziemlich schnell zerstört, mit nur einem Satz und wer diesen übersehen hatte, es kommt noch einmal einer. Das hätte ein aufmerksamer Lektor vielleicht ausgemerzt.
First to find, ist das Erstlingswerk Charly Essenwangers und dafür ist es trotz meiner Kritik gut gelungen, die Charaktere sind recht gut ausgearbeitet, Siegfrieds Familie ist wie Millionen anderer Familien auch, sie streiten und sie lieben sich, sie leben einfach ihr Leben. Den Ermittlern spielt Siegfrieds mangelnde Erfahrung in Mordsachen in die Hände, anders kann ich es nicht ausdrücken, er hat verständlich viele Fehler gemacht, aber das macht dieses Buch auch authentisch.

  • Taschenbuch: 356 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 2 (7. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3743196573
  • ISBN-13: 978-3743196575

Mittwoch, 29. Januar 2020

Dämonenstadt von Frank W. Haubold


Ein Anruf von einem früheren Freund der kurz danach zu Tode kommt, seltsame Träume die ihn zu einer Unbekannten führen, das Auftauchen einer Mappe mit Zeichnungen und eine sprechende Elster verleiten den Schriftsteller Markus Blau dazu seine Heimatstadt Raunburg aufzusuchen. Raunburg ist nicht gerade heimelig, grau und trist liegt die kleine Stadt in der ehemaligen DDR und Markus hat sich nie wohlgefühlt und war seit seinem Weggang nur selten für kurze Besuche wieder in der Heimat.
Markus will herausfinden was mit seinem Freund Big Mike geschah und was in Raunburg vor sich geht, denn etwas Böses scheint sich in der Stadt eingenistet zu haben, aber er hat auch eine Verbündete, die ihn in seinen Träumen an die Stätten seiner Jugend führt und die ihn all die sexuellen Abenteuer mit seinen Jugendschwärmen erleben lässt, zu denen es in der Realität nie kam.
Im Hotel trifft er auf den ehemaligen Kommissar Walter Hombach und sieht sich plötzlich in einen Kriminalfall verwickelt der in den 80er Jahren seinen Anfang nahm.
Dann kommt es zu weiteren Toten, deren Todesumstände auf unterschiedliche Täter hinweisen.

Dämonenstadt verbindet zwei meiner Lieblingsgenres: Krimi und Horror, dementsprechend gespannt war ich, wie der Autor diese glaubwürdig miteinander zu verknüpfen.
Eins kann ich gleich vorweg verraten, es ist ihm gelungen. Schritt für Schritt erfährt der Leser von dem Fall den Hombach vor 30 Jahren unaufgeklärt abgeben musste.
Der Krimiteil, der in der Realität spielt, ist durchaus realistisch und hätte vom Thema auch für ein eigenständiges Buch genug Stoff für einen spannenden Krimi aus der Vorwendezeit geboten, dessen Auflösung erst mit dem Zusammenbruch des Regimes möglich wurde.
Hombach steht am Ende seines Lebens, eigentlich könnte er sich einen ruhigen Lebensabend machen aber das Verschwinden von 15 Menschen, deren Spuren sich in Raunburg verlieren lässt ihn nicht los und auch er wird von Träumen heimgesucht die ihn in die Stadt führen, allerdings sind seine Träume nicht annähernd so angenehm wie die von Markus.
Nach all den Jahren will immer noch jemand verhindern, das das Verschwinden der Menschen aufgeklärt wird und so schwebt auch Hombach in Gefahr.
Kommen wir zum Horrorteil. Markus Träume sind zwar für ihn verstörend und kräftezehrend aber nicht wirklich bedrohlich, er muss im Wachzustand interpretieren was sie ihm sagen wollen, ebenso wie die Leser. Hier habe ich tatsächlich ein klein wenig etwas zu meckern: Raunburg ist ein Hort des Bösen, Dämonen haben die Stadt im Griff, das wird nicht explizit erwähnt, aber man spürt es an der Atmosphäre, die in dem Städtchen herrscht.Ich hätte mir gewünscht etwas mehr zu erfahren, warum sind sie da? Was sind ihre Ziele? Falls sie welche haben. Aber das ist jammern auf hohem Niveau. Bis zum Ende des Buches habe ich nichts vermisst, die Frage stellte sich mir erst nach dem Lesen. Bis dahin bot, das Buch Spannung mit einem Hauch Gänsehaut die Gesamtauflösung war durchaus schlüssig.
Ein Lob auch für den Coverdesigner Timo Kümmel, das Cover fängt die Atmosphäre des Buches sehr gut ein und wenn man genau hinschaut, verrät es auch ein klein wenig vom Inhalt.

  • Broschiert: 352 Seiten
  • Verlag: Atlantis Verlag (15. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3864027012
  • ISBN-13: 978-3864027017

Mittwoch, 22. Januar 2020

Das Freu von Karl Olsberg


Mafalda bekommt von ihrem Vater einen Fortunator geschenkt, eine VR Brille, die die Wirklichkeit verbessert darstellt.  Alles, was man dadurch sieht, erscheint viel besser als die Wirklichkeit. Zunächst ist das Mädchen begeistert, denn sie ist einsam und unglücklich, ihr Vater ist beruflich viel unterwegs und mit ihrer Stiefmutter versteht sie sich überhaupt nicht.
Wenn sie den Fortunator trägt kann sie der Wirklichkeit entfliehen, eine virtuelle Katze animiert sie auch unangenehme Aufgaben, wie das Aufräumen ihres Zimmers oder Hausaufgaben mit Spaß und Freude anzugehen, diese Katze, die sie Kasimir nennt, erklärt ihr das sie allein sein für ihr Glück verantwortlich ist, sie muss nur wollen und immer den Fortunator tragen.
Doch so richtig will sich das Glück bei Mafalda nicht einstellen, sie entfremdet sich immer mehr von ihrer Familie und diese entfremdet sich immer mehr von ihr, weil  sich jeder nur noch mit seinem Fortunator beschäftigt und auch auf den Straßen und sogar in der Schule gehört das Gerät bald zum Alltag.
Dann stößt Mafalda in einem Nachbargarten auf ein Freu, ein magisches Wesen das Mafalda zeigt wie schön die einfachen Dinge im Leben wirklich sind.

Mafalda ist ein kluges und freundliches Mädchen, lustig und mit Flausen im Kopf, die sie immer wieder von ihren Pflichten abhalten, das kennt wohl jeder, wir wollen eine wichtige Arbeit erledigen und dann plingt das Smartphone mit einer neuen Nachricht und bevor wir uns versehen haben wir stunden in den sozialen Medien verbracht, bei Mafalda ist es ein Schmetterling vor dem Fenster oder eine mathematische Formel, die die Form einer Eidechse hat.
Sie ist wie Kinder sein sollen, verträumt, fantasievoll, manchmal wild, chaotisch und wissbegierig. Doch wenn es nach ihrer Stiefmutter Eva ginge, sollte sie pflegeleicht, fleißig, ordentlich und vor allem ruhig sein.
Und dabei hilft der Fortunator, den sogar schon die Allerkleinsten tragen.
In unserer Realität sind es Smartphones auf denen schon Kleinkinder *kindgerechte* Spiele spielen können und damit ruhig gestellt werden.

Hier hält Karl Olsberg uns Erwachsenen einen Spiegel vor, zu oft vergessen wir, was es heißt Kind zu sein und wie wichtig die Flausen im Kopf für die gesunde Entwicklung eines Kindes sind, denn sie stehen für nichts anderes als die Fantasie.

Er verteufelt die Fortunatoren nicht, er rät zu einem sorgsamen Umgang damit und damit natürlich zu einem sorgsamen Umgang mit Smartphones und das alles tut er ohne erhobenen Zeigefinger. Ein absoluter Pluspunkt für das Buch. 

Noch dazu war das Buch sehr spannend sogar für mich als Erwachsene, seine Wortwahl ist kindgerecht und nichts in dem Buch ist wirklich beängstigend, sodass ich die Leseempfehlung für 
10 – 12-jährige Leser durchaus unterschreiben kann.

Was macht uns Glücklich?
Die neuste Technik, die uns die Wirklichkeit vergessen lässt und alles durch eine rosarote Brille sehen lässt, oder ein Schmetterling, das Lachen eines Kindes oder ein Besuch im Zoo?
Karl Oslberg beantwortet diese Frage mit seinem Buch eigentlich recht genau.

Ich empfehle, dass Eltern dieses Buch auch lesen, diese Zeit sollten wir uns nehmen. 

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: you&ivi; Auflage: 1. (2. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492705383
  • ISBN-13: 978-3492705387
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 - 12 Jahre

Montag, 20. Januar 2020

Der Garten des Uroboros von Michael Marrak

Ausnahmsweise bekommt ihr den Klappentext.

Bei Ausgrabungen in Mexiko stößt der Archäologe Hippolyt Krispin mit seinem Team auf Hunderte menschlicher Skelette. Verscharrt über einem Uroboros-Relief, weisen viele von ihnen eine Besonderheit auf: sechs Finger und sechs Zehen.
Im afrikanischen Mali begibt sich der junge Dogon Pangalé auf die Reise in die sagenumwobene Stadt der Hunde. In ihren Ruinen wird er Zeuge der Zusammenkunft zweier Wesen, die so alt sind wie die Zeit selbst – und muss feststellen, dass ihn mehr mit ihnen verbindet, als ihm lieb ist.
In Peru erhält der Astronom Miguel Perea die Aufnahme eines Observatoriums aus Ecuador. Auf ihr fehlen sämtliche Sterne, die weiter entfernt sind als 150 Lichtjahre. Und das, was sie zu verdecken scheint, nähert sich der Erde mit unvorstellbarer Geschwindigkeit.
Drei Begebenheiten, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben. Doch sie verbindet ein uralter Kreislauf aus Werden und Vergehen: die Apokatastasis panton.
Eine fesselnde Mischung aus Indiana Jones, Die Tribute von Panem, Apocalypto und Arthur Conan Doyle – ohne Dinosaurier.
Die Inhaltsangabe scheint auf den ersten Blick alles wesentliche, was man zu Der Garten des Uroboros wissen muss preiszugeben.

Eines kann ich euch schon vorab vergewissern, dem ist nicht so. Die größten Geheimnisse gibt das Buch erst während des Lesens preis.
Und ich stehe nun vor der schwierigen und schönen Aufgabe euch die Geschichte nahezubringen.
Der Garten des Urorboros stand schon lange auf meiner Wunschliste, schon seit ich Der Kanon mechanischer Seelen , das ebenfalls im Amrûn Verlag erschienen ist, gelesen hatte. Ich wusste also um die besonderen sprachlichen Fähigkeiten des Autors.
Hippolyt Krispin stößt bei Ausgrabungen in Mexiko auf seltsame Artefakte deren Herkunft und Sinn er sich zunächst nicht erklären kann, erst in Verbindung mit den alten Mythen und Legenden erschließt sich ihm und auch dem Leser ihre Bedeutung.

Ich mag Hippolyt, er ist in der Lage nicht nur die Fakten zu sehen, er ist auch offen für die Märchen und Legenden der alten Kulturen und er ist bereit die Wahrheit ihn ihnen zu sehen.
Während Miguel Perea im peruanischen Observatorium Arequipa mit seiner Enttäuschung über die nicht optimalen Arbeitsbedingungen zurechtkommen muss, nicht umsonst wird Arequipa Harvards vergessene Sternwarte genannt, machen seine Kollegen in Ecuador eine ungeheuerliche Entdeckung.

Ich muss gestehen, Miguels Rolle im Buch war zwar interessant aber die Abschnitte, die sich mit ihm befassen, haben mir erst im Nachhinein beim Erkennen der Zusammenhänge geholfen.
Am besten gefallen haben mir die Passagen die ganz offensichtlich im Bereich der Fantasy bzw. der Science Fiction angesiedelt sind.
Pangalé vom Stamm der Dogon, lebt in Mali und wird von einem Fremden namens Ambara auf eine abenteuerliche Reise zur sagenumwobenen Hundestadt mitgenommen. Ambara gibt sich schweigsam, er erklärt dem Jungen weder den Zweck der Reise noch dessen Rolle, geschweige denn seine eigene.

Nicht im Klappentext erwähnt wird eine weitere Geschichte, die des jungen Chebal der im Jahr 1455 einem Ritual folgt das sein Volk die Chachapoyas alle 6 Jahre als Initiierungsritus feiert.

Mit dieser Geschichte erklären sich viele Mythen und Legenden alter Völker. Viel ist nicht über das schon lange ausgestorbene Volk der Chachapoyas bekannt, so das Michael Marrak seiner Fantasie keine Grenzen setzen musste.

Die Märchen, die innerhalb des Romans erzählt werden, hingegen sind überlieferte Legenden der verschiedenen Kulturen.

Die meisten Bücher, die ich lese, lese ich einfach nur, es kommt selten vor das ich mich während und nach der Lektüre noch so sehr mit dem Inhalt beschäftige wie es beim Garten des Uroboros der Fall war. Das fing schon mit dem Begriff Apokatastis panton an.
(Apokatastasis ist eine theologische Lehre von der Wiederherstellung aller Dinge am Ende der Zeiten)
Und endet nicht mit den Nommo (Die Nommo sind Ahnengeister, die vom Volk der Dogon in Mali verehrt werden. Das Wort Nommos leitet sich von einem Dogon-Wort ab, das "um ein Getränk zuzubereiten" bedeutet. Die Nommos werden normalerweise als amphibische, zwittrige, fischähnliche Kreaturen beschrieben)

Michael Marrak lässt seine Protagonisten auf ein Ereignis zusteuern, das alles, was wir bisher von der Menschheitsgeschichte wussten, in Zweifel stellt.

Und es hat mich absolut begeistert, gerade weil der Autor es seinen Lesern nicht immer leicht macht, das Buch ist eine Herausforderung, der ich mich sehr gern stellte.

Das vorliegende Buch beruht auf der Kurzgeschichte Das Königreich der Tränen die 2012 in der Apocalypse-Anthologie 2012 T minus Null (Hrsg. Uwe Post) im Begedia-Verlag erschienen ist und kann natürlich vollkommen unabhänig von seinem Vorgänger Morphogenesis gelesen werden.



Gebundene Ausgabe: 508 Seiten
Verlag: Amrun Verlag; Auflage: 2 (21. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 395869392X
ISBN-13: 978-3958693920



Freitag, 17. Januar 2020

Juni 53 von Frank Goldammer


Inhalt: Im Juni 1953 protestieren die Menschen in der DDR gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Land. Die SED – Führung ist mit den weitgehend friedlichen Protesten im Land vollkommen überfordert und die sowjetische Besatzungsmacht reagiert mit dem Einsatz von Militär und Volkspolizei. Am 17. Juni wird der Aufstand gewaltsam niedergeschlagen. 50 Menschen kamen dabei ums Leben, 15000 wurden festgenommen und es kam zu ca. 1500 Verurteilungen.
Soweit ein kurzer Einblick in die Fakten.

Auch die Arbeiter der VEB Rohrisolation in Dresden  protestieren gegen Lohnkürzungen und  die Heraufsetzung der Arbeitszeit. Am Ende des Aufstands wird der Leiter der Fabrik Martin Baumgart, tot aufgefunden und der Funktionär der Betriebsparteiorganisation Gerd Kruppa gilt als vermisst.
Max Heller, der sich bisher erfolgreich gegen einen Beitritt in die Partei gewehrt hat, bekommt den Genossen Bech vom Ministerium für Staatssicherheit zur Seite gestellt, der den Mord an Baumgart für politisch motiviert hält und alles daran setzt einen Täter im Umfeld der Aufstände zu entlarven und mit ihm weitere Staatsfeinde, dabei scheint ihm Schuld oder Unschuld vollkommen egal.
Währenddessen verfolgt Heller gemeinsam mit Oldenbusch einen anderen Ansatz, er stößt auf Motive, die tief in der Vergangenheit liegen.

Meine Meinung:
Dieses Buch verdient wie kaum ein anderes, wieder einmal zwei Rezensionen. Ich werde also wenig auf den historischen Aspekt der Handlung eingehen, davon wird euch Heike, vom Blog Frau Goethe liest mehr erzählen.
Heller beeindruckte mich wieder einmal mit seiner Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen die anderen verborgen bleiben, er lässt sich nicht vom Offensichtlichen und vor allem nicht von dem was er sehen soll beeinflussen.
Es ist spannend zu verfolgen wie Heller und Oldenbusch mit ihren immer noch beschränkten Mitteln allen Spuren nachgehen und sich nicht von den unterschwelligen Drohungen seitens Bech beeinflussen lassen.
Es sind schwierige Zeiten für Heller, nicht nur beruflich auch privat gibt es einige Schwierigkeiten. Frau Marquardt leidet unter zunehmender Demenz und bedarf  intensiver Pflege und Betreuung mit der Karin hoffnungslos überfordert ist, die Suche nach einem Platz in einem Feierabendheim ist aussichtslos. Hellers Sohn Klaus macht Karriere beim MfS und entfremdet sich immer mehr von seinen Eltern, so verwundert es nicht, das Karin darauf drängt in den Westen zu fliehen.
Heller ist zerrissen, er will seine Heimat nicht im Stich lassen und fühlt gleichzeitig, dass der Staat in dem er jetzt lebt, nicht viel Heimatliches zu bieten hat, dieser Staat unterdrückt seine Bürger, um eine Gesellschaftsform zu bilden, die nicht funktionieren kann. Auch seine berufliche Situation wird immer schwieriger, die Stasi beobachtet ihn und aus der Bevölkerung schlägt ihm Angst entgegen, da kann er noch so oft erklären nur seine Arbeit zu machen. Auf der anderen Seite ist er Karin und seiner Adoptivtochter verpflichtet, seine Liebe zu den Beiden drängt ihn dazu ihre Lebenssituation zu ändern und das kann er nicht, wenn er bleibt. Wie er sich entscheidet, müsst ihr natürlich selber lesen.
Frank Goldammer hat es geschafft nicht nur einen spannenden Kriminalfall zu konstruieren, sondern seinen Lesern auch einen guten Einblick in die Anfangsjahre der DDR zu bieten.

  • Broschiert: 368 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (23. Dezember 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342326232X
  • ISBN-13: 978-3423262323



Montag, 13. Januar 2020

Schweige Still von Michael Robotham



Der Psychologe Cyrus Haven wird von einem Freund gebeten die junge Evie Cormac zu begutachten, die junge Frau lebt in einem Heim unter der Obhut des Staates. Evie wurde 6 Jahre zuvor aus den Händen eines Entführers gerettet, ihr richtiger Name ihre Herkunft und ihr Alter sind unbekannt und Evie schweigt beharrlich dazu, doch nun will sie für Volljährig erklärt werden, um auf eigenen Füßen zu stehen.
Zeitgleich unterstützt der Psychologe die Polizei bei der Aufklärung eines Mordes an einer 15-jährigen.

Ich mochte die Krimis Michael Robothams schon immer, allerdings habe ich irgendwann den Anschluss verloren, wenn Reihen zu lang werden verliere ich zugegebener Maßen auch schon mal die Lust. Dann wurde mit Schweige Still eine neue Reihe um den Psychologen Cyrus Haven angekündigt und der Klappentext weckte meine Neugier.

Es gibt zwei Handlungsstränge, einmal das Schicksal Evies, die als Mündel des Staates in einem Heim lebt, die junge Frau ist zwar hochintelligent aber ohne Schulabschluss oder Ausbildung hat sie allein kaum eine Chance auf ein geregeltes Leben, dennoch will sie unabhängig leben. Ihre Herkunft und die Umstände, unter denen sie in die Fänge des Entführers geriet, sind ungeklärt und Evie gibt nichts preis.
Als Leser ahnt man ein kleines bisschen mehr, als die Menschen um Evie, nach und nach enthüllt sich eine klein wenig ihres Geheimnisses, ohne das es am Ende vollständig gelüftet wird.
Ihr zusammentreffen und der Umgang zwischen ihr und Cyrus, ist das, was das Buch so richtig interessant macht, es deutet sich an das die Beiden sich gegenseitig stützen und gleichzeitig aneinander reiben werden und sicherlich auch aufreiben werden.

Auch Cyrus hat unter einem Trauma zu leiden, da war ich zugegeben etwas skeptisch, haben traumatisierte Ermittler in früheren Büchern doch oft noch so sehr unter ihren Problemen zu leiden, welche die laufenden Ermittlungen massiv beeindruckten. Robotham erspart seinen Lesern das bisher, der Leser weiß was geschehen ist und sicher wird das Trauma noch eine größere Rolle spielen aber Robotham haut einem das nicht wie mit einem dicken Knüppel um die Ohren.

Dann gibt es ja auch noch den aktuellen Mord an der 15-jährigen Jodie und auch hier fehlt es nicht an Spannung, der Kreis der Verdächtigen und die Anzahl der Motive vergrößert sich im Laufe der Ermittlungen immer mehr. Jedes Mal, wenn ich dachte: Jetzt haben sie ihn, gab es neue Informationen die meine schöne Theorie in Schutt und Asche legten.

Ich kann für Schweige still nichts anderes, als eine absolute Leseempfehlung auszusprechen.

  • Broschiert: 512 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (27. Dezember 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442315050
  • ISBN-13: 978-3442315055
  • Originaltitel: Good Girl, Bad Girl



Freitag, 10. Januar 2020

Totenland von Michael Jensen


Inhalt: In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ermittelt der Ortspolizist Jens Druwe im Schleswig Holsteinischen Kattrup in einem Mordfall. Der Parteifunktionär Gerhard Lessling  wurde erschlagen auf einem Feldweg aufgefunden. Ein Schuldiger ist auch schnell gefunden. Der entflohene Sträfling Steinfeld, ist der perfekte Täter. Aber Druwe, der früher bei der Berliner Kriminalpolizei arbeitete, zweifelt an dessen Schuld und er setzt alles daran den wahren Mörder zu überführen, koste es was es wolle.

Meine Meinung:
Krimis die vor oder nach den Weltkriegen spielen, habe ich schon einige gelesen, dies ist mein erster Krimi der im Krieg spielt.
Die Nationalsozialistische Regierung ist in Auflösung begriffen, der Krieg eigentlich schon verloren und doch sollen alte Strukturen mit Gewalt aufrechterhalten werden, während sich die führenden Köpfe auf ihre Flucht vorbereiten.
In der norddeutschen Provinz scheint die Front noch sehr fern zu sein und das Leben geht noch seinen gewohnten Gang.
Bis das kleine Örtchen durch den Mord aufgeschreckt wird. Druwe wird von dem Fall abgezogen, als Ortspolizist ist er nicht zuständig und er muss die Ermittlungen offiziell an die Kripo abgeben, nur durch seine Freundschaft mit Kommissar Oberbauer kann er versuchen die wahren Hintergründe des Mordes aufzudecken.



Dieser historische Krimi benötigt wieder einmal zwei Blogebeiträge. Bei mir findet ihr die spannenden Aspekte und bei Frau Goethe liest, wird wie gewohnt das Augenmerk auf den historischen Aspekt gelegt.
#zweiblogseinbuch für eine umfangreiche Betrachtung von historischen Krimis.

War es denn spannend?
Ja sehr, sei es die Geschichte Jens Druwes, der sich weigerte in die SS einzutreten und sich Dank der Fürsprache seines Vorgesetzten an der Front *beweisen* sollte, dort allerdings weigerte er sich Zivilisten zu ermorden, was ihn auch wieder in Schwierigkeiten brachte. Druwe hat also für die damalige Zeit einen zu eigenen Willen und ein Rechtsempfinden das mit dem des Regimes kollidiert.
Es ist sehr interessant seinen Gedankengängen und seiner Art zu ermitteln zu folgen, beides ist für die damalige Zeit sehr modern. 

Ebenso spannend ist es zu erfahren was die Ranghöchsten Mitglieder der Regierung zu der Zeit alles organisierten, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen, hier hat der Autor Michael Jensen meiner Meinung nach hervorragend recherchiert und Fakten mit Fiktion in perfekte Harmonie zu bringen.

Der Schreibstil Michael Jensens ist flüssig und bildhaft, ohne das er sich allzu sehr an Kleinigkeiten festbeißt, gerade bei den Personenbeschreibungen lässt er Raum für die eigene Vorstellungskraft, das ist etwas das ich sehr schätze.

Ich vergebe für Totenland eine absolute Leseempfehlung und freue mich auf weitere Fälle mit Jens Druwe.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (12. Juli 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746634601
  • ISBN-13: 978-3746634609




Mittwoch, 8. Januar 2020

Die Totenkünstlerin von Leonie Haubrich


Ellens Leben verläuft gerade nicht rund, ihre Beziehung ist am Ende und durch die mysteriösen Anrufe eines Fremden der behauptet ihr Großvater zu sein, erfährt sie, das ihr bisheriges Leben eine Lüge war. Ellen wurde als Kleinkind adoptiert, ihre leibliche Mutter litt unter Depressionen und nahm sich das Leben, heißt es. Doch ihr Großvater glaubt nicht an Selbstmord.
Ellen die gerade sowieso nicht so richtig weiß, wo sie hingehört, mietet sich gemeinsam mit einer Zufallsbekanntschaft, dem wohnungslosen Musiker Tobias in dem Haus ein, in dem ihre Mutter zuletzt wohnte.
Nicht ahnend das sie sich damit in höchste Gefahr bringt.

Im Klappentext heißt es:
Jeder Tod ist einzigartig. Das Foto, mit dem sie ihn festhält, muss Vergangenheit und Zukunft verbinden, den Moment in seiner Schönheit und seinem Schrecken festhalten. Gleichzeitig muss die Totenkünstlerin dafür sorgen, im Verborgenen zu bleiben. Jahrzehntelang ist ihr das gelungen.


Leider wurde nur im ersten Kapitel ausführlich von der Totenkünstlerin erzählt, ich hätte wirklich gern mehr über sie erfahren, über ihre *Kunst* und ihre Motive.
Leonie Haubrich konzentriert sich auf Ellen.
Ich weiß gar nicht wie ich die junge Frau beschreiben soll, sie arbeitet für ihren Lebensgefährten, der sie nur Stundenweise bezahlt, obwohl sie fast Vollzeit arbeitet und der sie nach Strich und Faden betrügt, in der gemeinsamen Wohnung stellt er sogar Fotos seiner neuen Liebe auf, während Ellen dort noch wohnt.
Und Ellen, anstatt zu toben und mit Tellern zu schmeißen, übernachtet sie in ihrem Fensterlosen Büro in der Werbeagentur?
Das ist mir vollkommen unverständlich.
Auf der anderen Seite, verhält sie sich ihren Eltern gegenüber recht hartherzig, als erwachsene Frau zu erfahren, das man adoptiert wurde, ist sicherlich nicht einfach, aber ich kann ihre Eltern verstehen, sie wussten von Ellens Mutter und wie sie zu Tode kam und wollten das geliebte Kind schützen, wie so viele allerdings haben sie den richtigen Zeitpunkt verpasst, Ellen die Wahrheit über ihre Herkunft zu erzählen.
Irgendwann rückte die titelgebende Totenkünstlerin für mich etwas in den Hintergrund, ich vornehmlich wissen, ob sich Ellen von ihrem Freund emanzipiert und ob sie es schafft sich wie eine erwachsene den Problemen mit ihren Eltern zu stellen.
Erst gegen Ende des Buches rückt das Schicksal Ellens Mutter wieder in den Vordergrund und damit auch die Krimihandlung. Was genau geschehen ist, verrate ich euch nun natürlich nicht.
Alles in Allem hat mir das Buch gut gefallen, es war kurzweilig und durchaus spannend, wenn auch etwas anders als erwartet.

  • Taschenbuch: 244 Seiten
  • Verlag: Independently published (23. August 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1688169180
  • ISBN-13: 978-1688169180

Montag, 6. Januar 2020

Die Chronik der Dämonenfürsten Teil 1 von Monika Grasl

Als die Studentin Evy erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist und ihr nur noch wenig Zeit bleibt, bricht verständlicherweise ihre Welt zusammen, sie nimmt sich vor ihr Leben bis zum Ende ganz normal weiterzuführen, sie will studieren, nicht sterben. Allerdings hat sie die Rechnung ohne Vincent, ihren nervigen Nachbarn gemacht, der plötzlich vor ihrer Tür steht und behauptet ihr persönlicher Todesengel zu sein, der den Auftrag hat sie während der letzten Tage zu begleiten und dafür zu sorgen, das sie jede Therapie annimmt, die sie bekommen kann, denn Vincent muss, soll sie zu Azrael bringen, der mit ihrer Hilfe einen Krieg zwischen Dämonen und Engel auf der Erde verhindern will.
Einen ähnlichen Auftrag hat auch Merfyn, der Dämonenbote, er soll Evy an den Dämon Dantalion ausliefern, denn nur Evy könnte laut einer Prophezeiung verhindern, dass die Dämonenfürsten die Erde betreten.

Merfyn allerdings kennt noch einen Weg diesen Krieg zu verhindern und widersetzt sich dem Auftrag, auch wenn er dadurch nur Zeit schindet, denn natürlich gibt es mehr Dämonenboten als nur ihn.
Es gibt allerdings auch einen Weg, den Krieg auf Erden zu verhindern, hierbei allerdings benötigt Merfyn die Hilfe der katholischen Kirche, die allerdings tut in großen Teilen, das was sie immer tut: Nichts.

Jetzt habe ich euch genug verraten, sonst müsst ihr das Buch nicht mehr selber lesen und das wäre schade, denn dann würdet ihr Evy nicht kennenlernen, diese starke junge Frau, die nicht nur mit der Tatsache umgehen muss, das ihr Leben in absehbarer Zeit zu Ende sein wird, sondern auch damit, das Engel und Dämonen auf Erden wandeln. Womit wir bei Vincent und Merfyn wären, dem Todesengel und dem Dämonenboten. Die in diesem ersten Teil der Chronik der Dämonenfürsten gezwungenermaßen zusammenarbeiten. Beide sind nicht gerade das, was man als gehorsame Untergebene bezeichnen könnte, auch wenn sie sich nicht offen gegen ihre Herren auflehnen. Merfyn und Vincent haben das gleiche Ziel und werden so zu Verbündeten.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und sie spart auch nicht mit Humor, das lockert die vom Grundthema her sehr ernste Geschichte auf macht das Lesen zu einem großen Vergnügen.

  • Taschenbuch: 228 Seiten
  • Verlag: Shadodex - Verlag der Schatten (19. Dezember 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783946381143
  • ISBN-13: 978-3946381143
  • ASIN: 3946381146

Sonntag, 5. Januar 2020

Leuchtende Tage von Astrid Ruppert


Leuchtende Tage ist der erste Band einer Trilogie über die Winterfrauen von Astrid Ruppert, in dem sie hauptsächlich Lisettes Geschichte erzählt. Lisette ist gerade 18 Jahre alt, als sie 1906 heimlich ihr von Konventionen und Traditionen geprägtes Elternhaus verlässt, um gemeinsam mit dem mittellosen Schneider Emile ein neues Leben zu beginnen.
Als Symbol für den Wandel der Zeit steht in diesem Buch die Frauenmode, auf der einen Seite
das Korsett sowohl das Gesellschaftliche in dem auch Lisettes Familie und besonders ihre Mutter gefangen ist als auch das Stoffliche in Form von Kleidern.
Lisettes Mutter Dora tut alles dafür die Fassade einer wohlhabenden und gebildeten Familie aufrechtzuerhalten, die sich in den höchsten adligen Kreisen bewegt und in der jeder seine Stellung kennt. Ihre Enttäuschung darüber, dass ihre Tochter sich gegen die Regeln der Gesellschaft auflehnt, kann sie nicht verbergen. Als Leser weiß man mehr über Dora als ihre Kinder, wir erfahren schnell das Dora und ihr Mann aus kleinen Verhältnissen stammen, das sie sich mit mühsamer Arbeit ihr Leben aufgebaut haben und um nichts auf der Welt daran erinnert werden wollen, wo ihre Wurzeln liegen.
So sehr wie ihre Mutter die Traditionen aufrechterhalten will, so sehr will Lisette ihnen entfliehen, sie weigert sich  ein Korsett zu tragen und versucht sich als Schneiderin eines Reformkleides, doch erst mit der Hilfe des Schneiders Emilie kann sie ihre Ideen umsetzen.
Gemeinsam mit ihm und der Hilfe von Zufallsbekanntschaften schafft sie es sich ein neues Leben aufzubauen.
Lisettes Leben ist perfekt, ein gut gehendes Geschäft, Emilies Liebe und Unterstützung als feste Größen und als Krönung des ganzen, Kinder, bis der 1. Weltkrieg ihr Leben in Trümmern zurücklässt.

100 Jahre später blickt Maya Winter auf das Leben ihrer Urgroßmutter zurück, sie ist voller Bewunderung für die unabhängige Frau, ist ihr Leben doch alles andere als ausgefüllt, auch wenn es auf den ersten Blick so erscheint, erzogen von einer unsteten Mutter, schlägt sie sich als Teilzeitübersetzerin durch und hat sich in einer unbefriedigenden Beziehung eingerichtet. Durch die Beschäftigung mit ihrer Familiengeschichte stellt sie ihr Leben nach und nach infrage und sie beginnt Fragen zu stellen, ich bin gespannt, ob sie die Antworten bekommt, die ich vermute.

Astrid Ruppert hat ein Stück Geschichte lebendig werden lassen, eine Zeit in der Frauen sich ihrer selbst bewusst wurden und sich nicht mehr einzwängen lassen wollten, weder in Kleider noch in Traditionen und sie zeigt auch, das dieser Weg schwierig war und immer noch ist.

Ich freue mich schon auf den 2. Teil der Trilogie.

  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (25. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423262265
  • ISBN-13: 978-3423262262
  

Freitag, 3. Januar 2020

U.N.E. Funke der Rebellion von Michaela Harich


Inhalt:
Die Welt in der Mariella lebt, wird bestimmt von Regeln.


Die U.N.E. die United Nation of Europe, unter der Führung Deutschlands, gründete sich nach dem Zusammenbruch der EU mit dem Ziel, das alle Menschen gleichberechtigt und sicher sind, der Preis dafür ist die totale Überwachung.
Jeder Schritt wird überwacht, jedes Wort könnte das falsche sein und wenn du deinen Ausweis verlierst, bist du automatisch ein Rebell.
Das Protokoll steht über allem.
Jeder der sich nicht daran hält, wird entfernt.

Doch nicht jeder will sich mit den Gegebenheiten abfinden, im Untergrund formiert sich die Rebellion und Mariellas Schwester ist Teil davon.

Meine Meinung.

Die Vorstellung in einer Welt zu leben in der die persönliche Freiheit nichts zählt, in dem jedes Wort ein Wort zu viel, in der gefühlt sogar ein falscher Blick dazu führen könnte in ein Umerziehungslager zu kommen, ist für mich sehr erschreckend. Wenn ich Bücher lese, in denen dieses Thema behandelt wird, versuche ich immer mir das so genau wie möglich vorzustellen, das ist manchmal schwierig für jemanden der in einer Zeit und an einem Ort lebt, in der die eigene Meinung gefahrlos geäußert werden darf.
Michaela Harich zeigt in ihrem Buch U.N.E. nun eine ganz andere Welt und das macht sie recht gut, ich hätte mir allerdings eine etwas genauere Vorstellung Mariellas gewünscht, zu Beginn des Buches hielt ich sie noch für ein Kind, das revidierte sich aber recht schnell, spätestens als die junge Frau auf die Rebellen traf und ihre Gefühle Achterbahn fuhren, war mir klar, sie ist zwar jung aber doch nicht so jung wie gedacht.
Wie ihr euch denken könnt, die Story ist recht spannend, das verrät ja schon der Klappentext, das Buch enthält alles, was ein gutes Jugendbuch ausmacht, ein bisschen Liebe, Freundschaft und eine gut durchdachte Geschichte mit einigen überraschenden Wendungen, die mich am Buch hielten, so das ich es in kürzester Zeit durchgelesen hatte. Evtl. aufkommenden Fragen während des Lesens, es gab eine Situation, bei der ich mir dachte: Hä, wieso ging das denn jetzt so schnell? Wurden im Laufe der Handlung beantwortet. Das ist ein Punkt, der mir sehr wichtig ist, auch wenn es manchmal nur Kleinigkeiten sind die mich innehalten, lassen will ich eine Logik dahinter finden.
Natürlich wird noch nicht alles geklärt, schließlich kommt noch eine Fortsetzung, aber als Leser hat man eine Vorstellung der Welt und ein Gefühl für die Protagonisten.
Und das Ende macht definitiv neugierig auf die Fortsetzung.

  • Taschenbuch: 252 Seiten
  • Verlag: Alea Libris Verlag (Nova MD); Auflage: 1. Auflage, Erstauflage (13. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3966988313
  • ISBN-13: 978-3966988315



Donnerstag, 2. Januar 2020

FAAR - Das versinkende Königreich: Herr der Wälder (Novelle) von Christian Günther


Ausnahmsweise bekommt ihr von mir den Klappentext, die Novelle ist zu kurz als das ich den Inhalt kurz zusammenfassen könnte ohne zu viel zu verraten.

Der wachsende Wald verschlingt das Land.
Weder Feuer noch Axt gebieten ihm Einhalt.
Unaufhaltsam überwuchert er das Königreich von Faar.
Niemand kehrte je aus seinen schwülen Tiefen zurück.
Menschenopfer werden ihm dargebracht, doch der Herr der Wälder lässt sich nicht besänftigen.

Fermalis, ein verstoßener Paladin der heiligen Bruderschaft vom Goldenen See, und der junge Gresa, der einer Opferung nur knapp entgangen ist, werden zum ungleichen Gespann. Tief im Inneren des Waldes entscheidet sich, ob sie ihn als Freunde oder Feinde wieder verlassen. Oder in seinem Schoß die letzte Ruhe finden.

Eine Novelle aus dem FAAR-Universum.

Meine Meinung:
Die Novelle Herr der Wälder kann durchaus gelesen werden, ohne die FAAR Reihe zu kennen. Die Geschichte ist absolut rund.
Wir lernen Fermalis kennen, der von dem Wunsch getrieben wird, einen Fehler wieder gutzumachen und von der heiligen Bruderschaft wieder aufgenommen zu werden, um das zu erreichen, geht er relativ skrupellos vor. Ein Umstand den Gresa hautnah zu spüren bekommt, als sie sich begegneten. 
Christian Günther stellt seine Charaktere nicht lang und breit vor und das muss er auch gar nicht, ihm reichen wenige Worte um sie seinen Lesern nahezubringen, er wählt halt die richtigen.
Als Charakter möchte ich fast auch den *wachsenden Wald* bezeichnen, das hört sich komisch an, ist aber so. Ich hatte nie das Gefühl als wäre der Wald böse. Der Herr des Waldes verfolgt einen größeren Plan, in dem die Menschen und ihre Interessen nicht berücksichtigt werden können.
122 Seiten umfasst die Novelle und auf diesen wenigen Seiten, stimmt einfach alles.
Die Charaktere werden ausreichend vorgestellt, die Handlung ist in sich stimmig und es wird alles erklärt, was zum Verständnis nötig ist und sie ist wirklich spannend.
Persönlich würde ich meine Lesereihenfolge ändern, wenn ich die FAAR Reihe nochmals lesen würde.
Beginnen würde ich natürlich mit
Die Aschestadt
dann die Novelle 
Herr der Wälder
Blinde Wächter
Am Seelenbrunnen

Von mir bekommt auch der Herr der Wälder eine absolute Leseempfehlung.


  • Taschenbuch: 122 Seiten
  • Verlag: Amrun Verlag; Auflage: 1 (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958695604
  • ISBN-13: 978-3958695603



Mittwoch, 1. Januar 2020

Marmor,Wein und Bienengift von Viola Eigenbrodt

Klappentext:

Im Südtiroler Marmorstädtchen Laas wird auf der historischen Schrägbahn die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Ihr Schädel wurde mit einem Marmorblock zertrümmert, die Identität ist zunächst schwer zu bestimmen.

Verdächtig sind nicht nur der dubiose Steinbruchbesitzer, sondern auch rechtsextreme Gruppierungen im oberen Vinschgau.
Die beiden Kommissare Matthias Ohnewein und Franco Marini, unterstützt von der schillernden Figur ihres Polizeichefs und einer höchst mysteriösen Kräuterfrau, kommen bald einer gewagten S/M Praxis auf die Spur, die unmittelbar mit dem Mord zu tun hat. Und einem geheimnisvollen natürlichen Potenzmittel, gewonnen aus dem Gift von Bienen.


Bei einem kleinen Raubzug in einen Steinbruch findet der Bildhauer Hans Krämer statt Marmor die Leiche einer jungen Frau.

Zunächst kann niemand die grausam zugerichtete Leiche identifizieren. Erst die Obduktion gibt Klarheit, die Tote ist die Tochter des SVP Politikers und Öko-Winzers Kofler. Eines aber ist klar, die junge Frau ist nicht selbständig in den Steinbruch gelangt, da sie seit langem an den Rollstuhl gefesselt war.

Die Kommissare Matthias Ohnewein und Franco Marini stehen vor einem Rätsel. Wer hatte ein Motiv die allseits beliebte Paralympics-Bogenschützin Monica Kofler zu töten.

Meine Meinung:

Die Kommissare Matthias Ohnewein und Franco Marini, stehen unter Druck, zu wenig Personal zwingt sogar den Leiter der Meraner Polizei dazu Hubert Pixner in dem Mordfall zu ermitteln.

Und diese Ermittlungen gestalten sich mehr als schwierig, niemand will etwas gesehen haben, niemand scheint etwas zu wissen.

Motive für Mord gibt es viele, doch scheint keines auszureichen, um eine junge Frau zu töten, niemand profitiert von ihrem Tod.

Mithilfe der *Kräuterhexe* Elisabeth Premstaller, die unwillig ihr Wissen über Monica preisgibt und der sehr redseligen Journalistin. Christa Rossi kommen sie dann doch einem Geheimnis, jenseits von Macht und Geld auf die Spur.

Schnell habe ich gemerkt, das ich mitten in eine Reihe gegriffen habe, leider konnte ich aus Zeitmangel den Vorgänger Band Rosengeschmack nicht lesen. Für die Kommissare Ohnewein, Marini und Pixner fehlte mir in diesem Punkt allerdigs nicht viel, ihre Charaktere erklären sich aus ihren Handlungen und ihrem Verhalten. Einzig die Kommissarin Lolita Mittereger, hatte einen zu kurzen Auftritt um meine Sympathie zu gewinnen. Ihr Verhalten erklärte sich mir nicht, aber ich gehe davon aus das sich dies aus der vorigen Story erklärt.

Nach ein paar Seiten freundete ich mich also mit den Kommissaren an und konnte sie bei ihren Ermittlungen begleiten. Dabei hatte ich gedanklich immer einen Finger auf der Landkarte, um mir die Handlungsorte vorstellen zu können. Die autonome Provinz Bozen – Südtirol, war mir vollkommen fremd, ebenso wie die Mentalität der Südtiroler, aber das störte weder den Lesefluss noch das Lesevergnügen.