Dein neues Buch Transmission ist eine tragikomische Lovestory mit gesellschaftskritischem Unterton. Was hat dich dazu inspiriert, dich mit dem Thema Transidentität auseinanderzusetzen?
Die Idee kam mir vor einigen Jahren nach Gesprächen mit zwei Menschen in meinem
Freundeskreis. Es hat mich damals schwer beeindruckt, mit welchen Hindernissen und
Vorurteilen sie zu kämpfen hatten – gefolgt von dem Gedanken, dass man das Thema
mal literarisch aufgreifen müsste. Die meisten Vorurteile entstehen ja nicht aus
Böswilligkeit, sondern aus Unwissenheit und mangelnder Empathie. Und wie könnte
man dem besser begegnen, als mit einer mitreißenden Geschichte?
Wie hast du die Charaktere Roman und Julia entwickelt? Gibt es reale Vorbilder
für die beiden?
Ganz genau: Die beiden haben reale Vorbilder, die ich zur Vorbereitung des Projekts
interviewt habe, so wie ich es auch bei einer Reportage für meine Zeitung getan hätte.
Sie haben mich auch mit Ideen und Feedback unterstützt und den gesamten Roman vor
der Veröffentlichung quergelesen. Das Abenteuer ist rein fiktiv, aber die Szenen, in
denen es um Transidentität geht, sind durch reale Erfahrungen inspiriert.
Das Buch kombiniert Spannung, Humor und Drama. Welche Herausforderungen
gab es bei der Balance dieser Elemente?
Manchmal gehen die Pferde mit mir durch – dem zu widerstehen, war die wohl
schwerste Herausforderung. Humor ist total wichtig, aber je sensibler das Thema, desto
feiner muss der Humor eingesetzt werden. Es darf niemals albern wirken. Man soll mit
den Figuren lachen, nicht über sie. Bei der Lovestory wollte ich große Emotionen ohne
oberflächlichen Teenie-Kitsch – und wenn Kitsch, dann mit einem Augenzwinkern. Ob
mir das gelungen ist, müssen die Leser*innen entscheiden.
Transmission erscheint bei Edition Outbird. Wie war die Zusammenarbeit mit
dem Verlag?
Ein Träumchen! Ich habe jetzt schon zum dritten Mal mit Tristan Rosenkranz und
seinem Team zusammengearbeitet und das freundschaftliche Miteinander hier wieder
sehr genossen. Als Indie-Verlag macht Edition Outbird vieles möglich, von dem man bei
einem großen Publikumsverlag vermutlich nur träumen kann: persönlicher Austausch
und Absprachen auf dem kleinen Dienstweg, größtmögliche kreative Freiheit und
Mitspracheoptionen bis hin zur Covergestaltung. Das letzte Wort hat natürlich der Chef
– aber Tristan ist für viele Ideen offen und super zuverlässig, das schätze ich an ihm.
Natürlich gibt es auch mal Diskussionen (z. B. beim Lektorat), aber hinterher hat man
sich trotzdem wieder lieb ;-)
Im Buch spielt Fechten eine zentrale Rolle, und du hast selbst Fechterfahrung. Wie
hat dein persönlicher Bezug zu diesem Sport die Geschichte beeinflusst?
Ich fechte seit meinem zehnten Lebensjahr (mal mehr, mal weniger intensiv), und wollte
diesen wunderbaren Sport immer in einen Roman einbauen. Auf einer metaphorischen
Ebene passt das Fechtmotiv perfekt zur Story und zu den Charakteren, die beide als
Einzelkämpfer starten, sich sogar auf der Planche gegenüberstehen, und im Laufe des
Abenteuers immer mehr zu einem Team zusammenwachsen.
Edition Outbird ist bekannt für seine Unterstützung von Indie-Autoren und
außergewöhnlichen Themen. Was macht diesen Verlag für dich besonders?
Hier kann man über literarische Perlen stolpern, die man unter normalen Umständen
niemals entdecken würde. Wer auf der Suche nach dem besonderen Buch ist, sollte
unbedingt mal vorbeischauen.
Dein Roman wurde als Herbsttitel #1 angekündigt. Wie hat der Verlag zur
Vermarktung beigetragen, und wie wichtig sind solche Aktionen für dich als
Autorin?
Der Verlag ist ziemlich umtriebig. Buchbesprechungen durch Blogger oder in Medien
wie Orkus und Sonic Seducer sind für Indie-Autorinnen essenziell. Ebenso die Präsenz
auf Messen oder die Organisation von Lesungen. Wir liegen ja nicht in jeder
Buchhandlung, man muss uns erst mal finden. Da unternimmt Edition Outbird so
einiges. Ich kann nicht alles aufzählen, weil ich als Autorin gar nicht immer alles
mitbekomme, was hinter den Kulissen passiert.
Du bist bekannt für deine musikalischen Lese-Shows mit deinem Mann Ernest.
Wie beeinflusst diese kreative Zusammenarbeit dein Schreiben?
Sehr! Er kann total gut Dialekte nachahmen und Stimmen besondere Nuancen verleihen.
Das habe ich oft im Hinterkopf, wenn ich neue Figuren entwerfe. Umgekehrt schafft
Ernest es auch immer wieder, die Atmosphäre aus meinen Geschichten in Musikstücke
zu übertragen, die dann den Live-Soundtrack bei den Lesungen bilden. So beeinflussen
und inspirieren wir uns gegenseitig.
Deine bisherigen Werke waren eher der modernen Phantastik zuzuordnen. Was
hat dich dazu bewegt, mit Transmission ein neues Genre zu erkunden?
Theoretisch hätte man das Freundschafts- und Coming-of-Age-Thema wohl auch in eine
phantastische Geschichte einbauen können, so wie in meinem zweiten Roman „Geister“.
Das wäre mir in diesem Fall aber zu viel Ablenkung gewesen. Ich hatte mir in den Kopf
gesetzt, eine richtige Romanze zu schreiben, mit Konzentration auf das
Zwischenmenschliche – aber eben auf Pia-Art, mit einem sarkastischen Ich-Erzähler, der
eher ein Antiheld ist, skurrilen Entwicklungen und schwarzromantisch abgeranzten
Ruhrpott-Schauplätzen. Wahrscheinlich ist meine Handschrift trotz des neuen Genres
unverkennbar.
Kannst du uns einen Einblick in deinen Schreibprozess geben? Gibt es Rituale
oder Methoden, die dir besonders helfen?
Ich brauche Kaffee. Schwarz, ohne Zucker. Das ist eher eine Sucht als ein Ritual, aber
ohne Kaffee geht bei mir gar nichts. Außerdem benötige ich ausreichend Schlaf und
absolute Ruhe, um mich zu konzentrieren und in die Geschichte abzutauchen. Dann darf
mich niemand stören, sonst raste ich aus und verwandle mich in Jack Torrance ☺
Du lebst in einem „Spukschloss“ voller Bücher – klingt faszinierend! Wie prägt
diese Umgebung deine Kreativität?
Es ist Fluch und Segen, weil ich hier quasi täglich mit neuen Ideen überschwemmt
werde. In einem so alten Gemäuer hört man es ja immer irgendwo in den Wänden
knistern und knacken. Man entdeckt uralte Symbole oder vermauerte Zugänge zu
Geheimtunneln. Nimmt spukhafte Erscheinungen aus dem Augenwinkel war. Die
unheimliche weiße Frau, die im Turmzimmer hausen soll, zieht Geisterjäger aus dem
ganzen Land an. Und dann noch die Nachbarn, die allesamt etwas zu verbergen haben –
warum würden sie sonst in ein abgelegenes Spukschloss ziehen? Die Geschichten, die
sich hier abspielen, kann man sich nicht ausdenken.
OK, jetzt bin ich definitiv neugierig auf dein Zuhause.
Was möchtest du deinen Leserinnen und Lesern mit Transmission mit auf den
Weg geben?
Make love, not war!
Diesen Abschlussworten schließe ich mich sehr gern an und danke dir sehr für dieses Interview.
Hier ist auch der
Link zu meiner Rezension
Alle Fotorechte liegen bei Eberhard Kamm