Wenn ich früher in eine Buchhandlung ging, egal
wie groß, begegneten mir immer wieder die gleichen Verlage, die *Großen*
der Branche füllen ganze Regalwände mit Titeln der unterschiedlichsten
Genres. Irgendwann entdeckte ich das Internet und diverse Seiten auf
denen Bücher vorgestellt wurden und als ich mich genauer umsah, fiel mir
auf: Da gibt es ja noch mehr Verlage, Verlage die besondere Bücher
anbieten aus Genre die man lange Zeit im *normalen Buchhandel* gar nicht
fand und die vor Allem auch Autoren eine Chance geben, die evtl. nicht
aus dem Stand zum Bestseller werden. Ich stelle euch hier nach und nach
den einen oder anderen Verlag vor.
Dieses Mal
Torsten Low Verlag
Zuerst möchte ich euch erzählen, wie ich auf diesen Verlag aufmerksam geworden bin, purer Zufall, mir wurde von einer Seite die Rezensenten mit Autoren und Verlagen zusammenbringt eine Graphic Novel angeboten, das heißt ich konnte nachfragen ob ich ein Rezensionsexemplar bekommen könne. Gesagt, getan und nach ein paar Tagen bekam ich eine Mail von Torsten Low, dem Verleger der Graphic Novel, und das obwohl ich den Vor- und Zunamen des Autors vertauscht hatte. ;o) mit der Zusage für das Buch und eigentlich würde sein Verlag ja auch prima in meine kleine Reihe passen und ein Interview würde er mir auch geben *Schluck* so was habe ich ja noch nie gemacht. Egal, mehr als meine doofen Fragen ablehnen könnte er ja nicht.
Bevor ihr nun das Interview lesen, könnt ein paar Fakten zum Verlag und ich verrate euch auch welches Buch ich angefragt hatte.
Der 2005 von Torsten und Tina Low gegründete Verlag hat seinen Sitz in Meitingen (Bayern). Der Verlag hat sich auf phantastische Literatur spezialisiert, zugegebenermaßen habe ich bewusst noch kein Buch gelesen, ich könnte euch jetzt was anderes erzählen aber das wäre gelogen, beim Blättern im aktuellen Verlagskatalog, fällt mir aber das eine oder andere Buch ins Auge ( die Cover sind einfach toll), das sofort nach dem Lesen des Klappentextes auf meiner Wunschliste gelandet ist.
Mittlerweile habe ich weitere Bücher aus dem Verlag gelesen: Mein Jahreshighlight ist und bleibt erst mal. Herbstlande.
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| Zur Rezension |
Ungeziefer herausgegeben von Carolin Gmyrek
Aktuell lese ich gerade: Der Karussellkönig von Fabienne Siegmund mit Zeichnungen von Tatjana Kirsten und es scheint zu halten was es verspricht.
Stöbert doch einfach mal im vielfältigen Verlagsprogramm,einfach auf den Link klicken dann kommt ihr direkt dorthin.
http://www.verlag-torsten-low.de/
Hier sollte jeder etwas Passendes finden, sei es nun Horror, Steampunk, Graphic Novel oder Endzeit, ich geh schon mal vor und ihr dürft nun erst mal viel Spaß beim Lesen des Interviews haben.
Torsten Low, biologisches Alter 41, gefühltes Alter seit Verlagsgründung konstant 20, Frau, Kind, Haus, kein Hund, keine Katze.
Von
Montag bis Freitag 8-20 Uhr bin ich ein ganz normaler arbeitstätiger
Familienvater. Ich bringe jeden Tag meine Tochter in den Kindergarten,
gehe danach meinem Brotjob in der IT-Branche nach, komme Abends nach
Hause, schaue mit meiner Tochter gemeinsam 2-3 Folgen Wickie oder Bob,
der Baumeister (meine Tochter hat einen guten Geschmack), spiele und
kuschle mit ihr. Danach geht sie ins Bett – und mein Zweitleben kommt an
die Oberfläche.
Nein, ich bin kein Geheimagent, kein Superheld und ich gehe auch nicht auf die Pirsch.
Ich bin einfach nur ein ganz normaler Kleinverleger (wobei das „normal“ von vielen bezweifelt wird).
2. Wie kamen Sie dazu Verleger zu werden und ist das Ihr Hauptberuf?
Ach, das war eigentlich ein Versehen.
Ich
habe seit meinem 5. Lebensjahr geschrieben. Haufenweise
Kurzgeschichten, haufenweise Romananfänge. Als mir 2002 mein damaliger,
langjähriger Arbeitgeber mit einem Tritt in den A…llerwertesten zu
verstehen gegeben hat, dass ich überflüssig bin und mein nächster Job
ein 600-km-Pendeljob wurde, schrieb ich meinen ersten Roman. Als dann
der 1. Teil von „Dunkel über Daingistan“ fertig war, hörte ich mich um,
redete mit anderen unveröffentlichten Autoren und las einen
Pseudoratgeber für neue Autoren. Das alles brachte mich zu der Annahme,
dass ich eh keine Chance hätte. Ich schickte also das Manuskript nicht
an einen Verlag. Und weil wir im Jahre 2000 das Buchbinden in einem Kurs
gelernt haben, wollte ich 2 Exemplare produzieren – eines für mich,
eines für eine gute Freundin. Bei meinen Recherchen zum Thema
Veröffentlichen bin ich dann über die ISBN gestolpert. Für unter 100
Euro bekam man eine Nummer, die man auf sein Druckwerk draufpappen
durfte und womit man sich die Berechtigung und Pflicht zur Abgabe der
Bibliotheksexemplare erwarb. Für unter 100 Euro zum deutschen Kulturerbe
zu gehören – das klang stark, das wollte ich. Gesagt, getan.
Dummerweise oder zum Glück kam dann die erste Bestellung rein. Zu einem in echt gar nicht existierenden Buch!
Wir
wollten natürlich alles richtig machen, es uns mit Gewerbeamt und
Finanzamt nicht verscherzen. Wir fragten nach, bekamen erklärt, dass wir
ein Gewerbe anlegen müssten und schwupps, schon gab es den Verlag
Torsten Low.
Hauptberuflich
mache ich etwas komplett anders. Ich bin ja ein zutiefst kritischer
(und oftmals auch destruktiver) Mensch – mit einer leicht sadistischen
Ader (das können meine Autoren übrigens bezeugen). Mit diesen
Voraussetzungen bin ich natürlich absolut geeignet als Softwaretester in
der Luftfahrtbranche.
Ich habe
natürlich auch schon öfters mit dem Gedanken gespielt, vom Verlegen
leben zu wollen. 2008 hatte ich ja auch großmäulig geäußert: „In 10
Jahren kann ich vom Verlag leben!“
Das
war allerdings, bevor ich ein Haus gebaut habe und eine Tochter
bekommen habe (also wenn man es ganz genau nimmt, hat ja meine Frau eine
Tochter bekommen …). Vom Verlegen leben zu wollen, ist ähnlich
kompliziert, wie vom Schreiben leben zu wollen. Und wenn man eigene
Kinder hat, hat man gerne ein Sicherungsseil mehr.
Außerdem
habe ich gerade auch in den letzten Jahren erleben müssen, was mancher
Verleger auf sich nehmen muss, um wirklich über die Runden zu kommen.
Bei einigen Sachen dachte ich mir nur noch: Nee, das würde ich nicht
wollen.
Ganz vom Tisch ist das Thema
trotzdem noch nicht. Unsere Umsätze steigen, unsere Gewinne steigen und
irgendwann kann ich definitiv davon leben. Auch mit meinem mittlerweile
erhöhten Sicherheitsbedürfnis.
3.
Der Name Ihres Verlages ist ja etwas unspektakulär, wenn man ihn mit
Anderen vergleicht, wie spontan kam Ihnen die Idee ihren eigenen Namen
zu verwenden?
Nun, eigentlich war das
eine rein rechtliche Frage. Als ich den Verlag gegründet habe und ich
mich für die Rechtsform „Einzelunternehmen“ entschieden habe, durfte man
noch keinen anderen Firmennamen außer „Vorname Name“ plus einem
erklärenden Zusatz wie beispielsweise „Verlag“ nehmen. Nicht für
Einzelunternehmen.
Das scheint
mittlerweile anders zu sein. Aber jetzt ist es eh egal, mittlerweile ist
unser Name – auch wenn er nicht sonderlich kreativ ist – eine Marke.
4.
Wie schwierig ist es einen eigenen Verlag zu gründen und wie geht das
überhaupt, wacht man eines Morgens auf und denkt sich *Jetzt bin ich
Verleger?*
Für mich war es schwierig – denn ich hatte von nichts eine Ahnung.
Für mich war es leicht – denn ich hatte von nichts eine Ahnung.
Es war wirklich beides – es war schwer und leicht zugleicht.
Schwer,
weil ich mir alles Stück für Stück selber beibringen musste. Gerade in
den ersten Jahren, meinen Lehrjahren, in denen ich tatsächlich noch
jedes einzelne Buch von Hand gebunden hatte. Wir hatten keine Ahnung von
Korrektorat, von Lektorat, von Cover, von Satz, von den üblichen Tools,
von Gestaltungsregeln, von dem, was Druckereien erwarten, von dem, was
Buchhändler erwarten, von dem, was Leser erwarten.
Leicht,
weil ich den Weg Schritt für Schritt gehen konnte, sich mir das große
Ganze nur ganz langsam erschloss. Ich wusste nicht, was vor mir lag.
Hätte ich es gewusst, hätte ich wohl manches Mal vorher aufgegeben. Aber
da ich nicht wusste, was als nächstes kam, bin ich immer
weitergegangen.
Wie andere das machen, weiß ich nicht. Ich dachte definitiv nicht: „Jetzt bin ich Verleger“
Ich dachte anfangs nur: „Ich hab ein Buch geschrieben. Was mach ich jetzt damit.“
Und
es hat sehr lange gedauert, bis ich mich überhaupt als Verleger gesehen
habe. Noch bei „Lichtbringer“, unserer ersten Anthologie, habe ich mich
mehr als Herausgeber denn als Verleger gesehen.
5. Würden Sie den selben Weg noch einmal gehen?
Ja, auf jeden Fall.
Der Verlag hat uns als Familie etwas Großartiges gegeben.
Wir
sind im Jahr auf gut 30 bis 35 Veranstaltungen. Unsere Saison startet
am letzten Februarwochenende und geht bis zum letzten
Novemberwochenende. Gerade jetzt aktuell stehen wir kurz vor unserer
diesjährigen Lesereise mit Veranstaltungen und Lesungen in Pösneck,
Magdeburg, Bad Segeberg und Hamburg.
Da
treten wir dann auch als Familie auf. Ich als der „bissige Verleger“,
meine Frau als mein Terminator und meine Tochter als Maskottchen und
Dauerpraktikantin (die Kleine wird 6).
Und
auf diesen Veranstaltungen treffen wir dann unsere „Großfamile“, unsere
Autoren. Ich liebe es, wenn wir nach einer Convention mal mit 2 oder 3
Autoren oder manchmal sogar mit 1-2 Dutzend Autoren in ein Restaurant
einfallen und einen »Verlagstisch« aufmachen. Ich liebe es, wenn an
diesen Tisch Menschen miteinander reden, die sich vorher nie gesehen
haben und die nur eines eint: dass sie mit einer Geschichte in meinem
Verlag veröffentlicht wurden. Ich liebe die Herausgebertreffen mit
meinen Führungskräften, meinen Herausgebern. Und es ist mir ein
besonderes Bedürfnis, an diesen Treffen für meine Autoren da zu sein,
mit ihnen über unsere gemeinsame Zukunft zu sprechen und für sie zu
kochen. Ich liebe es, wenn Autoren auf einer Messe oder einer Con an
unseren Stand kommen, uns umarmen, hinter unseren Tisch kommen und einen
Plausch beginnen. Ich freue mich, wenn es abends gegen 21 Uhr klingelt
und ein Autor telefoniert dann eine oder auch mal 2 Stunden mit uns –
und in dieser Zeit kommt dann auch alles aufs Tablett, was den Autor
gerade bewegt, sei es Bedenken wegen einem anstehenden neuen Projekt
oder auch wegen privater Probleme.
Wir brauchen den Verlag. Er gehört einfach zu unserem Leben dazu, ist nicht mehr daraus wegzudenken.
6. Das Lieblingsbuch aus Ihrem eigenen Verlag?
Ist immer das, bei welchem ich gerade in dem Moment an der Veröffentlichung arbeite.
Wenn
ich gerade ein neues Buch-Baby in die Welt entlasse, dann ist es mein
absolutes Lieblingsbuch – bis zum nächsten Buch-Projekt.
Standardfragen:
Haben sie schon immer gern gelesen?
Solange ich denken kann.
Ich
bekam mit 6 Jahren meinen Büchereiausweis und meine Eltern mussten,
wenn es in den Urlaub ging, für mich immer eine Extra-Tasche alleine für
Bücher einpacken. Ich hatte oftmals 6, 7, 8 Bücher mit im Urlaub.
Das ist die einzige Sache, die mir heute fehlt.
Wenn
man Bücher verlegt, verlernt man das entspannte Lesen. Der Rotstift ist
immer mit dabei. Ich hatte zwischenzeitlich sogar schon in gekauften
Büchern „nachlektoriert“ – bis ich dran gedacht habe, dass ich
eigentlich Freizeit habe.
Und man hat keine Zeit mehr zum Lesen … falsch, man nimmt sich keine Zeit mehr zum Lesen.
Früher
hab ich im Jahr knapp 100 Heftromane und 40 Bücher gelesen.
Mittlerweile bin ich froh, wenn ich jeden Monat ein Buch eines Kollegen
durchbekomme …
Die schlechteste Deutschnote in Ihrer Schulzeit?
Oh – da gibt es eine schöne Anekdote. Haben wir noch Zeit dafür? Egal, ich erzähl sie einfach.
Ich wäre fast durchs Deutsch-Abitur gefallen!
Als
ich mein Abitur gemacht habe, gab es tatsächlich noch Formnoten. Ich
hatte schon immer eine „Sauklaue“, wie meine Lehrer sehr häufig klagten.
Aber ich konnte gute Aufsätze schreiben.
Zwei
der drei Lehrer, die meinen Abi-Aufsatz bewerten sollten, wollten
knallhart und ungelesen eine Form-6 geben. Damit wäre ich durchgefallen
gewesen.
Meine Deutschlehrerin hat
dann die beiden bekniet, dass sie mir wenigstens nur eine Form-5 geben
und sie den Aufsatz lesen sollten, da sich meine Aufsätze lohnen würden.
Sie konnte sie glücklicherweise überzeugen.
Ich
bekam die 5 für die Form, für die 3 anderen Noten (Ausdruck,
Rechtschreibung, Grammatik/Orthografie) gabs dafür jeweils Einser.
Gesamtnote unabhängig vom Durchschnitt nur eine 3, da die Gesamtnote
nicht mehr als 2 Noten besser sein durfte, als die schlechteste Teilnote
… und das war nun einmal die blöde Formnote.
2 Jahre später wurde die Form-Note abgeschafft …
Die verhassteste Schullektüre?
Ganz ehrlich?
So etwas gab es nicht.
Ich
war eine absolute Leseratte. Ich hab wirklich alles gelesen und
wirklich alles, was uns angeboten wurde, habe ich auch gern gelesen.
Haben sie ein Lieblingsbuch?
Das
kann ich so gar nicht sagen. Ich liebe das Lesen und habe irrsinnig
viel Favoriten. Zumindest im Bereich der Phantastik, mein präferiertes
Lesegebiet.
Ob nun Klassiker wie Poe, Verne und Lovecraft oder aktuelle Autoren wie Heitz und George R. R. Martin oder Autoren, die so schräges Zeug machen wie Carlton Mellick III. Da möchte ich mich wirklich nicht festlegen.
Von welchem Autor würden sie auch den Einkaufszettel kaufen?
Von keinem.
Es gab früher zwar Autoren, von denen ich jedes Buch gekauft habe … aber das war mal.
Seitdem ich den Verlag habe, ist das vorbei.
Lesen sie lieber gedruckte Bücher oder bevorzugen sie digitale Medien?
Für
mich muss etwas Geschriebenes immer noch vorne und hinten einen Deckel
haben. E-Books sind für mich nach wie vor keine echte Alternative. Das
mag sich vielleicht ändern, wenn meine Augen schlechter werden – bei
Printbüchern lässt sich so schlecht die Schriftgröße ändern. Aber
bislang lese ich nach wie vor analog ;)
Für
den Verlag, explizit für die Auswahl von Geschichten, setze ich aber
schon einen E-Reader ein. 150 Geschichten a 20 Seiten zu drucken, nur um
am Ende alles wegzuwerfen und zu sagen „Die 20 kommen ins Buch“ ist mir
einfach zu unwirtschaftlich. Da geht es mir noch nicht einmal um
Umweltschutz – das ist pure wirtschaftliche Kalkulation.
Letzte Worte:
Unabhängige
Studien haben festgestellt, dass Vielleser im Durchschnitt oftmals über
ein höheres Nettoeinkommen verfügen, als Nichtleser oder Wenigleser.
Und da die meisten Menschen ja gerne mehr Geld in der Tasche hätten,
möchte ich einfach einen Rat in die Runde werfen: Lest mehr Bücher!
Vielen Dank für das Interview.
Viele Grüße,
Torsten Low
NEUERSCHEINUNG: Ungeziefer (div.)
NEUERSCHEINUNG: Protektor (Andre Wiesler)
IN VORBEREITUNG: Frischfleisch (Vincent Voss)
Phantastik vom Feinsten
www.verlag-torsten-low.de
Ich habe natürlich zu Danken, das hat mir wirklich Spaß gemacht ich hoffe Torsten Low auch, allerdings muss ich anmerken: Vielleser sein und mehr Geld in der Tasche haben, stimmt leider nicht, oder ich habe das einfach noch nicht lange genug probiert. Lesen gehe.