Diese Geschichte ist so wahr, wie unsere Ängste real sind. Jeder muss sich ihnen stellen. Denn die grausamste aller Wesenheiten ist aus dem Schatten getreten und bedroht die Menschheit.Mitten in seiner Psychologievorlesung wird Thomas von einem Rykaner überrascht und ahnt nicht, wie weit deren Macht bereits reicht. Erst als seine Tochter Avyna ihn vor dem sicheren Tod bewahrt und dunkle Familiengeheimnisse lüftet, nimmt der ehemalige Dar-Rashûk gemeinsam mit ihr den Kampf gegen die alten Feinde auf
Doch die Rykaner wissen den Regierungsapparat hinter sich und auch der Hohe Rat der Wesenheiten steht unter ihrem Einfluss. Ungehindert bereiten sie ein großes Ritual vor, für das sie die Verzweiflung und das Blut unzähliger Menschen benötigen.
Jeder, der sich mit Thomas gegen sie stellt, scheint zu scheitern, wäre da nicht der kleine Schabernack eines toten Fauns und eine Hoffnung, die auch die größte Angst überwindet.
Thomas ist Psychologieprofessor, alleinerziehender Vater zweier heranwachsender Kinder, zuverlässiger Freund und ehemaliger Jäger des hohen Rates, ein Dar-Rashûk. Thomas hat sein früheres Leben hinter sich gelassen, an seine Zeit als Dar-Rashûk erinnern nur noch die Geschichten die er seinen Kindern Larin und Avyna erzählt. Geschichten von Wesenheiten, die im verborgen unter den Menschen leben. Doch die Vergangenheit drängt ans Licht, besonders in Gestalt der Rykaner die im Hohen Rat darauf drängen, die Menschen aus der Schicksalsgemeinschaft auszuschließen, denn wenn diese nicht mehr von den Hochgesetzen geschützt werden, sind sie freigegeben zur Jagd und die Rykaner dürsten nach ihrem Blut, das sie dringend für ein Ritual benötigen, welches ein Tor öffnet, durch das Sie und alle anderen Wesenheiten zurück auf ihre Heimatwelt gelangen sollen, von der sie einst verbannt wurden. Als Kalen, die Vertreterin der Menschen im Hohen Rat, ihn aufsucht und ihm von den Entwicklungen berichtet, muss er ein Geheimnis lüften, das das Leben seiner Kinder für immer verändert.
Das erste Mal las ich von David Lindsams Fantasy-Roman, als ich durch verschiedene Blogs stöberte, um meine Leseliste zu erweitern. Ich habe zwar schon immer mal wieder Fantasy gelesen, aber seit Dracula, dem absoluten Klassiker, sind Vampirromane eher von meinem Radar verschwunden, die Gründe dafür will ich jetzt eher nicht erläutern.
Aber reden wir von:
Dar-Rashûk. Die Macht der Vergangenheit
Der Klappentext klingt nun eher nach einem klassischen Jugend-Vampir-Roman, das ist er aber nicht, allein schon die Sprache unterscheidet sich sehr von den normalen Jugendromanen, sie ist geschliffener, manchmal etwas gestelzt und vielleicht sogar umständlich, darauf muss man sich als Leser einlassen wollen, schnell gelesen sind die 600 Seiten also nicht, ich brauchte das doppelte meiner normalen Lesezeit und sah es manchmal so wie Larin, Thomas Sohn, der sich wünschte, dass sein Vater vielleicht mal etwas schneller zum Kern der Geschichte kommt. Doch ich wusste ja worauf ich mich einlasse, die Biografie des Autors verriet seinen beruflichen Hintergrund als Philologe, da hatte ich einen noch schwierigeren Schreibstil erwartet.
Die Story ist hochinteressant.
Die Menschen sind nicht allein auf der Erde, alle diese Wesen von denen wir in den alten Horrorstorys, den Mythen und Legenden hörten, existieren wirklich, sie sind mitten unter uns, obwohl sie im verborgenen Leben.
Die verschiedenen Wesenheiten sind wie die Menschen auch, weder gut noch böse.
Auch die Rykaner, aus deren Existenz der Mythos des Vampirismus entstand und auf deren Betreiben hin die Menschen aus dem Hohen Rat ausgeschlossen werden sollten, sind nicht Böse, die Methoden einzelner sind es vielleicht, nicht aber der Grund für ihr Verhalten.
Um herauszufinden was die Rykaner planen und um eine Katastrophe abzuwenden, müssen Avyna und Larin, sich Herausforderungen stellen, für die sie eigentlich noch nicht alt genug sind und nun sind Kinder als Hauptprotagonisten überhaupt, in Romanen für meinen Geschmack eher nervtötend, denn entweder sind sie Tolpatschig und unfähig bis zu einem Schlüsselerlebnis oder altklug und fast übermenschlich begabt, nervig halt.
Avyna und Larin benehmen sich allerdings meist ihrem Alter entsprechend, manchmal vielleicht erwachsener als sie sind, aber das ist sicherlich ihrem häuslichen Umfeld geschuldet und dies wurde vom Autor recht gut umgesetzt. Besonders die Figur Avyna ist sehr glaubhaft dargestellt.
Protagonisten gibt es reichlich und sie sind alle eher mehr als weniger wichtig für die Story, da sind Sophie und Matthias, Tims Eltern. Lena und Hassan, der tiefer in die Geschichte verstrickt ist, als er selber weiß, sie sind die Eltern von Kevin. Fahed, der Führer der Rykaner, Kalen, Karma, Vampirwölfe, Faune, ein wurzelartiger Bibliothekar, Vlad ein direkter Nachfahre Draculas und noch viele mehr, die ich nicht alle aufzählen kann.
Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, mal sind wir Leser bei Thomas in Neapel, dann wieder mit Larin in Gesellschaft einer katzenähnlichen Wesenheit namens Delina und seiner Freunde Kevin und Tim im elterlichen Wohnzimmer, jeder Abschnitt steuert unvermeidlich auf einen spektakulären Showdown hin.
Die schnellen Perspektivwechsel rissen mich manchmal etwas aus dem Lesefluss, einmal wusste ich nicht mehr wie die Protagonisten an den Ort des aktuellen Geschehens gelangten, da werde ich noch einmal nachlesen müssen, vielleicht war es auch schon etwas zu spät in der Nacht.
Ich neige dazu in jeder Geschichte nach einem Bezug zur Realität zu suchen, so natürlich auch hier.
David Lindsam erzählt davon, dass sich die verschiedenen Wesenheiten nicht wirklich gut verstehen, es gibt Allianzen und die verschiedenen Gruppen hegen auch schon mal Sympathien füreinander, doch ein wahres miteinander gibt es nicht, die Hochgesetze wurden aus einer ausweglosen Pattsituation während eines Krieges geschaffen, das erinnerte mich ein wenig an die Beschlüsse, die die Regierungschefs unserer Welt fassen, um dann im Hintergrund nur die eigenen Interessen zu verfolgen und dabei nicht zu offensichtlich natürlich andere zu benachteiligen.
Mein Fazit: Ein durchaus lesenswerter Roman, mit ein paar Längen, die aber durch die interessante Story kompensiert werden. Ich wurde schon neugierig darauf wie es weitergeht, denn diese Geschichte ist noch nicht auserzählt.
Näheres zum Buch und weitere Leserstimmen findet ihr hier
https://edition-ars.de/
Würde ich Sterne vergeben, wären es 4 von 5.