Donnerstag, 29. April 2021

Schwarzwälder Morde von Linda Graze

 


Schwarzwald-Kennerin Linda Graze: originell und schlagfertig, mit einem hintergründigen neuen Fall für den unverwechselbaren Kommissar Justin Schmälzle. Genießen Sie die erfrischende Schwarzwaldluft - mit einem Hauch von Mord und Verbrechen.


Flaute im Polizeiposten Bad Wildbad. Kollege Scholz bastelt Papierflieger, Kommissar Justin Schmälzle – Veganer, Reismilch-Macchiato-Fan und Badener mit haitianischen Wurzeln – langweilt sich. Bis eine Moorleiche mit eingeschlagenem Schädel gefunden wird, bei ihr eine beträchtlichen Anzahl Goldmünzen und eine große Flasche Kirschschnaps. Schmälzle reibt sich die Hände: endlich ein neuer Fall! Aber die Frau lebte im vorletzten Jahrhundert, meldet die Pathologie. Täter tot, seufzt Schmälzle …

Wenigstens erzählt die Putzfrau des Postens von illegal verschobenen Grenzsteinen zwischen der Schnapsfabrik und der geplanten Wildbader Ferienanlage. Dann schießt jemand dem Investor der Anlage in den Fuß. Wer war das? Warum? Und bestimmt nicht immer die Vergangenheit die Gegenwart?

Zwei Fälle beschäftigen Kommissar Justin Schmälzle und seinen Kollegen Harald Scholz, da wäre zunächst einmal ein verschobener Grenzstein, Drohbriefe und der Anschlag auf einen Notar. Hinter all dem scheint der Schnapsbrenner Willi Hauck zu stecken der den Bau einer Ferienanlage in direkter Nachbarschaft unbedingt verhindern will. Und dann ist da noch die weibliche Moorleiche, die Schmälzles Interesse weckt, auch wenn die Frau sei Jahrzehnten Tot ist und auch ihr Mörder nicht mehr unter den Lebenden weilt, will er den Fall aufklären und stößt auf Verbindungen, mit denen niemand gerechnet hatte.

Ich mag Geschichten, die die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander verknüpfen, sie haben ihren ganz besonderen Reiz und auch hier ist das der Autorin sehr gut gelungen. Die Tagebucheintragungen der jungen Frau, deren Leiche im Moor gefunden wurde, zeigen einen kleinen Einblick in das Leben der Frau und sie zeigen die Konsequenzen ihres Tuns die bis in die Gegenwart reichen und im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall in Bad Wildbad stehen.

Auch der Schreibstil der Autorin hat mir gefallen, er ist außergewöhnlich und weit ab vom gewöhnlichen, liest man normalerweise vielleicht Sätze wie diesen:
"Schmälze sah nur einen Schotterplatz, mit Steinen,Tannen und Büschen."

liest man hier ZItat:

"Schmälzle blickte auf Schotter neben Baum vor Strauch nach Tanne hinter Stein."

Ich mag das sehr und Linda Graze hat diese Art der Beschreibungen wohldosiert eingestreut, so das es nicht ermüdet.
 Ich mochte auch die Ermittlungsarbeit, genauso stellt man sich die Arbeit der Polizei in der Provinz vor, wobei ich natürlich hoffe, dass dem nicht so ist ;o) es gibt keine wilden Verfolgungsjagden oder Schießereien, keine ernstzunehmenden Querelen unter den Kollegen. Schwarzwälder Morde ist ein ruhiger Krimi mit humorigen Elementen, der auch für zartbesaitete Leser sehr gut geeignet ist.


Leidr gibd's abr au einen Aschbegd im Buch, der mir ned so mordsmäßich gfil. Für Nedschwaba isch vieles ned verschdändlich, sie müssa so mancha Dialog zwoimol lesa bsonders die Budzkrafd vom Bolizeiboschdens schbrichd mehr als Gewöhnungsbedürfdich für norddeidsche Ohra.



Auf für alle besser verständlich:

(Leider gibt es aber auch  einen Aspekt im Buch, der mir nicht so sehr gefiel. Für Nichtschwaben ist vieles nicht verständlich, sie müssen so manchen Dialog zweimal lesen besonders die Putzkraft des Polizeipostens spricht mehr als Gewöhnungsbedürftig für norddeutsche Ohren.)

Jetzt kann man sagen, das hättest du dir denken können. Nein, da ich meine Bücher nach Cover und Klappentext auswähle und da ist das leider nicht ersichtlich. 
Natürlich ist das mehr als subjektiv und hat vielleicht nur mein persönliches Lesevergnügen etwas gestört.

Trotzdem vergebe ich für das Buch eine Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Rowohlt Taschenbuch; 1. Edition (21. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 384 Seiten
  • ISBN-10 : 3499002086
  • ISBN-13 : 978-3499002083


Mittwoch, 28. April 2021

Mord frei Haus von Thomas Chatwin


Wieder einmal muss Daphne Penrose in ihrem Heimatort Fowey auf Mördersuche gehen, liebevoll verpackt in Geschenkpapier liegt die Leiche des unbeliebten George Huxton vor der Tür ihrer Cousine Annabelle, da diese von ihrem streitlustigen Nachbarn schon häufiger verklagt wurde gerät sie schnell in den Mittelpunkt der Ermittlungen und Chief Inspector Vincent würde den Fall zu gern schnell abschließen, doch er hat die Rechnung ohne Daphne gemacht, die alles daran setzt Anabelles Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu ermitteln.
Im Laufe ihrer Ermittlungen stößt Daphne auf Verbindungen Huxtons zu Lady Wickeltons einer berühmten Kinderbuchautorin und Illustratorin, die kränkliche alte Dame will ihren Besitz an die Hafenbehörde verschenken, die dort ein Museum einrichten will.


Mord frei Haus, ist bereits der dritte Teil der Reihe und wie schon bei den vorigen Bänden habe ich mich in der Gesellschaft von Daphne und Francis sehr wohlgefühlt, wie bei den vorigen Bänden fallen mir die Schlagworte, Cosy oder Häkelkrimi ein und diese assoziiert man ja automatisch mit dem Begriff "beschaulich" dabei sind die Morde alles andere als beschaulich, im Gegenteil, Chatwin lässt seinen Täter durchaus brutal vorgehen.
Es sind Daphne und Francis, die mit ihrer sehr sympathischen Art, den Krimi zu einem Wohlfühlkrimi machen. Thomas Chatwin hat einen sehr angenehmen Schreibstil, seine Beschreibungen der Landschaft Cornwalls wecken Sehnsüchte dieses herrliche Fleckchen Erde aufzusuchen dabei verliert er aber nie die Hauptstory aus den Augen und er löst am Ende alle Geheimnisse auf so dass sich alle Puzzleteile zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen fügen.

  • Herausgeber : Rowohlt Taschenbuch; 1. Edition (21. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 320 Seiten
  • ISBN-10 : 349900397X
  • ISBN-13 : 978-3499003974
 

Freitag, 23. April 2021

Buchgeplauder mit Heike und Manuela


 

Es ist wieder so weit, der Welttag des Buches ist da und deswegen haben Heike von fraugoetheliest und ich über Bücher geplaudert. (ab 13.00Uhr)


Unter anderem über:

Verlorenes Land von Andreas M.Sturm

Die Wahrheit der Dinge von Markus Thiele

Das Leben ein ewiger Traum von Helene Sommerfeld

und eigentlich auch noch über Frostchroniken 2 von Susanne Pavlovic, aber für das Buch kenne ich noch kein Erscheinungsdatum, also habe ich nochmals etwas von Band 1 geschwärmt.

Krieg und Kröten von Susanne Pavlovic

Später von Stephen King steht auch noch auf meiner Muss ich dringend lesen Liste, aber das liegt noch auf dem SuB. 


Ebenso wie Frostmond von Frauke Buchholz, manchmal fehlt dann doch die Zeit all die interessanten Bücher zu lesen, die man sich vornimmt.

Heike hat Verlorene Engel von Frank Goldammer schon lesen dürfen und zeigt euch ein Video darüber, ihre Rezension findet ihr hier: Nachts auf den Strassen Dresdens (16.00Uhr)

Wir haben aber nicht nur gelesen, sondern auch gespielt und gebacken 
Mord in Richman Hall ist ein amüsantes Krimidinner Spiel aus dem Gmeiner Verlag.
Wie wir das Problem der Kontaktbeschränkungen gelöst haben erzähle ich euch 
https://lesenswertesausdembuecherhaus.blogspot.com/2021/04/mord-in-richman-hall-ein-krimi-dinner.html
und sehen könnt ihr es Hier. (ab 19.30)

Fleißig war Nadine sie hat eine Buchhülle genäht. Wie genau das geht verrät sie in diesem Video (ab 14.30Uhr)


Jetzt wünsche ich euch noch viel Spaß und schaut doch auch bei Heike auf Frau Goethe liest, vorbei. Sie hat noch einiges zum Welttag des Buches zu sagen.


Die Wahrheit der Dinge von Markus Thiele

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Frank Petersen ist Strafrichter aus Leidenschaft. Er ist von der Unfehlbarkeit des Rechts und von der Kraft des Gesetzes überzeugt. Seine Urteile sind gerecht und objektiv.
Als er wegen eines umstrittenen Rechtsspruchs heftig in Kritik gerät, droht sein Leben aus den Fugen zu geraten. Seine Familie wendet sich von ihm ab. Seine Frau macht ihm, dem Mann des Gesetzes, den schlimmstmöglichen Vorwurf: Er sei selbstherrlich und lasse sich von Vorurteilen leiten.

Die Geschehnisse reißen ein altes Trauma auf. 1989 erschießt Corinna Maier den rechtsradikalen Mörder ihres Sohnes in Petersens Gerichtssaal, noch bevor ein Urteil verkündet werden konnte. Plötzlich sind all die Themen von damals wieder präsent: Vorurteile, Fremdenhass, Selbstjustiz und die Grenzen des Rechtsstaats.


Die Wahrheit der Dinge ist eines dieser Bücher die ihre ganze Pracht erst nach der letzten Seite entfalten, der Leser macht die Entwicklung Frank Petersens hautnah mit. Der Richter der an seine Urteile glaubt, der sich immer der Objektivität seiner Urteile sicher war, muss sich der Frage stellen, inwieweit er wirklich unvoreingenommen geurteilt hat, besonders als höhere Instanzen seine Urteile verwerfen und er von seiner Familie verlassen wird. Die Wahrheit der Dinge ist ein Buch das nachhallt, es ließ auch mich darüber nachdenken, ob ich nicht vorschnell über andere Menschen und ihre Beweggründe urteile, ich bin so froh, dass ich kein Recht sprechen muss. Ich mochte die Entwicklung, die Frank Petersen durchmachte, es war ein schmerzhafter Prozess, der mit dem Ende des Buches sicher nicht an seinem Ende angelangt war, aber Petersen ist auf einem guten Weg, einem Weg der ihn zu einem besseren Richter machen wird, einem Richter, der nicht nur nach den Buchstaben des Gesetztes handeln wird, sondern der versuchen wird allen die vor seinem Richtertisch h erscheinen, das Gefühl zu geben gehört z und verstanden zu werden, auch wenn sie am Ende nicht das Urteil erwartet, auf das sie gehofft hatten.

Ein sehr empfehlenswertes Buch.

Und Heike von Frau Goethe liest meint zu dem Buch:


  • Herausgeber : Benevento; 1. Edition (22. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 240 Seiten
  • ISBN-10 : 371090093X
  • ISBN-13 : 978-3710900938

Mittwoch, 21. April 2021

Mord in Richman Hall. Ein Krimi Dinner


Mord in Richman Hall!
Wer hat den Earl of Rich auf dem Gewissen? Schlüpfen Sie in die Rollen von Lady Abigail & Co. und ermitteln Sie gemeinsam mit fünf Gästen den Mörder. Keine leichte Aufgabe, denn jeder der Anwesenden hätte Grund genug gehabt, „Onkel Rich“ ins Jenseits zu befördern. Und da Teatime und Dinner zum britischen Landadel gehören wie Tweedsakkos und Damenhüte, verraten Ihnen die Ladies & Gentlemen auch gleich ihre liebsten Schlemmereien:
LADY ABIGAILS Shortbread Fingers verleiten zum Kidnapping …
SAM WISES Strawberry Angels sorgen für teuflisch gute Stimmung …
ONKEL RICHS Best Meatballs sind kriminell köstlich, aber mordsmäßig einfach gezaubert
 
Nachdem ich vor einiger Zeit ein Krimi Dinner im realen Leben besucht hatte, lag es nahe so etwas auch einmal in Spielform auszuprobieren.
Mord in Richman Hall ist ein Spiel für 6 Personen, das ist aktuell etwas schwierig aber machbar und schon die Vorbereitung ist spannend.
Zunächst benötigt man 2 Haushalte mit jeweils 3 Personen und eine Videoschaltung und dann kann es auch schon losgehen.
Nein Stop, noch nicht ganz, schließlich handelt es sich um ein Dinner und bei dem sollte das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. 


Nach einem leckeren Gurkensandwich und einer guten Tasse Tee, gern etwas verfeinert mit Gin, einem Spritzer Zitrone und Staubzucker ( die Rezepte findet ihr im zum Spiel gehörenden Rezeptbuch) konnte es losgehen. 

 


 

Das Spiel ist für Spieler ab 14 Jahren gedacht und  jeder schlüpft in die Rolle eines Gastes der Dinner Party. 

Instruktionen zum Handeln der einzelnen Personen finden sich auf den Spielkarten, je tiefer die einzelnen Mitspieler in die Rolle ihrer Figur eintauchen, desto amüsanter wird es, man sollte also alle Hemmungen ablegen, schließlich sind wir auf Richman Hall ja unter Freunden.

Die normale Spieldauer wird wohl um die 90 Minuten sein, wir brauchten etwas länger ;o)

Der Karottenkuchen dessen Rezept ihr auch im Kochbuch findet, ist der leckerste, den ich je gebacken habe.




  • ASIN : B081KQLJGL
  • Herausgeber : Gmeiner-Verlag GmbH; 2020. Edition (31. März 2020)
  • Sprache : Deutsch





Sonntag, 18. April 2021

Stay away from Gretchen Eine unmögliche Liebe von Susanne Abel


Eine große Liebe in dunklen Zeiten

Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Was anfangs ärgerlich für sein scheinbar so perfektes Leben ist, wird unerwartet zu einem Geschenk. Nach und nach erzählt Greta aus ihrem Leben – von ihrer Kindheit in Ostpreußen, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, der Sehnsucht nach dem verschollenen Vater und ihren Erfolgen auf dem Schwarzmarkt in Heidelberg. Als Tom jedoch auf das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut stößt, verstummt Greta. Zum ersten Mal beginnt Tom, sich eingehender mit der Vergangenheit seiner Mutter zu befassen. Nicht nur, um endlich ihre Traurigkeit zu verstehen. Es geht auch um sein eigenes Glück.


Ein Liebesroman im Bücherhaus, das kommt ja eher selten vor und liest man den Klappentext, passt dieses Buch so gar nicht zu mir. Es enthält viel zu viele Themen die Betroffenheit auslösen und doch hat mich irgendetwas zu dem Buch gezogen und ich habe keine Sekunde bereut.

Tom hat sich eingerichtet in seinem Leben, er ist erfolgreich und hat Schlag bei den Frauen, das Leben könnte so einfach sein, wäre da nicht die Sorge um seine Mutter, die er mitten in der Nacht aus einer Aschaffenburger Klinik abholen muss, in die sie nach einer stundenlangen Irrfahrt auf der Autobahn von der Polizei eingeliefert wurde. Allmählich muss der Anchorman einer Nachrichtensendung sich eingestehen das seine Mutter unter Alzheimer leidet. Tom gibt mit Unterstützung einer Nachbarin seiner Mutter sein Bestes, um sie gut versorgt zu wissen. Doch Gretas Zustand verschlimmert sich zusehends und sie verliert immer mehr den Bezug zur Gegenwart und muss sich für  alltägliche Dinge Zettelchen schreiben, um sie nicht zu vergessen und sie stellt mit vielen Äußerungen ihren Sohn vor Rätsel.

In Rückblicken erfährt der Leser von Gretas Flucht aus Preußisch Eylau, einem Städtchen in Ostpreußen wo die kleine Greta voller Hingabe zum Führer aufwächst, auf der Flucht erlebt sie Dinge, die sich tief in ihre Seele einbrennen und erst nach einer Odyssee durch Deutschland mit einem Zwischenstopp im Auffanglager Friedland, findet sie in Heidelberg so etwas wie ein neues Zuhause und sie trifft die Liebe ihres Lebens den GI Bob Cooper.
Eine verbotene Beziehung denn den Besatzungssoldaten war es strikt untersagt sich mit deutschen Frauen einzulassen und diese wurden als Huren oder Amiliebchen beschimpft, wenn ihnen nicht schlimmeres geschah. 
Ich könnte euch nun noch Seitenlang aus diesem Roman erzählen, von all dem furchtbaren das Greta erleben musste, von den heiteren Momenten in ihrem Leben, von Toms Wandlung , aber das würde den Rahmen sprengen.

Es gibt  einen Aspekt der mich beim Lesen besonders erschütterte, die Parallelen zur heutigen Zeit, die Geschichte spielt u.a. 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, als tausende Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft Strapazen auf sich nahmen die wir uns in unserem bequemen Leben nicht einmal annähernd vorstellen können und die genau wie die Flüchtlinge damals nicht von jedem mit offenen Armen aufgenommen wurden. 
Wir haben leider nichts dazu gelernt, genauso wenig wie wir gelernt haben Menschen unterschiedlicher Hautfarbe nicht unterschiedlich zu behandeln.

Stay away from Gretchen (das bedeutete für die GIs übrigens nichts anderes als: Halte dich von deutschen Mädchen fern) Eine unmögliche Liebe ist ein absolut empfehlenswertes Buch, die Autorin Susanne Abel hat es tatsächlich geschafft, viele verschiedene Themen zu einem sehr stimmigen Gesamtwerk zu verbinden.

  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (18. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 528 Seiten
  • ISBN-10 : 3423282592
  • ISBN-13 : 978-3423282598

Mittwoch, 14. April 2021

Das Leben ein ewiger Traum von Helene Sommerfeld

 

Kurz nach dem 1. Weltkrieg verlässt die Ärztin Magda Fuchs ihre beschauliche Heimatstadt Hildesheim um nach der Ermordung  ihres Mannes, der als Staatsanwalt gearbeitet hat, in Berlin als Polizeiärztin neu anzufangen.
Magda ist die erste Frau, die in Berlin die Stelle eines Polizeiarztes einnimmt und so wird sie besonders zu den Fällen hinzugezogen, bei denen Kinder involviert sind, sie untersucht im Gefängnis die weiblichen Insassen und bei den Prostituierten schaut sie nach Hinweisen auf eine mögliche Syphilis Erkrankung.
Für die junge Ärztin sind die Umstände, in denen die Kinder, auf die.
 sie trifft, Leben müssen ein Schock, nicht nur das sie in bitterer Armut leben, missbraucht und wie es aussieht auch verkauft werden, werden sie auch vom Staat im Stich gelassen, fast niemanden kümmert ihr Schicksal. Magda nimmt den Kampf gegen das scheinbar unabwendbare Schicksal der Kinder auf und bekommt dabei Unterstützung von Ina Dietrich, die als Fürsorgerin arbeitet und bald schon eine gute Freundin der jungen Ärztin wird. 
Helene Sommerfeld hat ein Bild der 20er Jahre geschaffen, das wohl sehr nah an der Realität ist, sie stellt den Goldenen Zwanzigern, die bittere Armut eines Großteils der Bevölkerung gegenüber. Während ein kleiner Teil der Menschen feiert und mit seinem Reichtum protzen kann, kämpfen die meisten um das tägliche Brot. Als Leser leidet man unweigerlich mit, besonders wenn es um die Kinder geht, dessen Schicksale wirklich ans Herz gehen.

Eine weitere Rezension und einen Buchtrailer findet ihr bei   Heike von Fraugoetheliest

  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (18. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 544 Seiten
  • ISBN-10 : 3423262974
  • ISBN-13 : 978-3423262972



Dienstag, 13. April 2021

Das Grand Hotel Die mit dem Feuer spielen von Caren Bendedikt

 


Bernadette von Plesow hat schon viel durchmachen müssen, aber das letzte Jahr hat ihr fast zu viel abverlangt. Von ihrem prächtigen Hotel konnte sie alle Schäden abwenden, nicht jedoch von ihre Familie: Ihr Sohn Alexander ist tödlich verunglückt. Die Trauer lastet schwer auf ihr, besonders da sie im Unguten auseinandergegangen sind. Unterstützung erhält sie von ihrer Tochter Josephine, jedoch fällt es Bernadette nicht leicht, sich wieder mit aller Kraft dem Hotel zu widmen. Und plötzlich steht auch noch ein Mann vor der Tür, den sie nur von einer alten Fotografie kennt …

Bernadettes anderer Sohn Constantin, Eigentümer des verruchten Hotels Astor in Berlin, geht hingegen ganz anders mit der Trauer um seinen Bruder um. Er weiß, dass er die Schuld an dessen Tod trägt, wollte sich doch der Kopf der Frankfurter Unterwelt damit an ihm rächen. Constantin kann und will das nicht hinnehmen. Er hat sich einen perfiden Plan ausgedacht, wie er es dem Mörder seines Bruders zurückzahlen könnte und lässt sich damit auf ein gefährliches Spiel ein

Im Mai 1925 liegt der Tod Alexanders ein dreiviertel Jahr zurück und in dieser Zeit hat gerade Bernadette eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht, gleich zu Beginn des Buches hatte ich das Gefühl, das etwas an ihr anders ist als im ersten Band, auch wenn ich es noch nicht so recht greifen konnte.
Erst nach und nach fiel es so richtig auf, die starke und manchmal etwas herzlos scheinende Frau (die ich trotzdem schon sehr mochte) lässt ihre harte Schale aufbrechen und enthüllt ihren weichen Kern. Das Hotel steht nicht mehr allein an erster Stelle, die ihr verblieben Kinder Josie und Constantin, müssen nicht mehr das Gefühl haben an zweiter Stelle zu stehen.
Josie, die von ihrer Arbeit als Künstlerin nicht ganz so ausgefüllt wird wie sie erwartet hatte, überrascht ihre Mutter mit der Bitte, einen Anteil an der Leitung des renommierten Hotels zu übernehmen und das dem Verfall preisgegeben Palais dem Nachbarhotel zu kaufen. Ihre Pläne sind gewagt und kostspielig doch Bernadette lehnt sie nicht gleich ab, wie sie es früher vielleicht getan hätte, sondern nimmt ihre Tochter ernst, das hat mir sehr gefallen.
Noch spielt Josie nur eine kleinere Rolle im Roman, aber ich bin sicher, wenn sich ihre Zukunftsträume erfüllen werden wir noch viel mehr von ihr lesen dürfen.
Wenden wir unseren Blick nach Berlin zu Constantin, der noch immer das erfolgreiche Hotel Astor und das dazugehörige Variete leitet und seinen kriminellen Geschäften nachgeht. Er sinnt auf Rache für den Tod seines Bruders und schmiedet einen langfristigen Plan.
Ich mochte die Passagen die in Berlin spielen schon im ersten Band mit am meisten, sie inspirierten mich dazu etwas mehr über die berühmt-berüchtigten Ringvereine zu erfahren, von denen ich nicht wusste, dass sie sich über Gesamt Deutschland ausbreiteten. Constantin ist ein harter Hund, der vor nichts zurückschreckt, um seine Pläne durchzusetzen, doch ein Blick auf sein Privatleben zeigt, das er seiner Mutter mehr ähnelt, als man auf den ersten Blick sieht. Doch das müsst ihr schon selber lesen.
Über allem schwebt schon der Schatten der NSDAP, die Unzufriedenheit unter den Menschen nimmt zu und die Versprechungen für Recht und Ordnung zu sorgen, die die einzelnen Ortsgruppen aus Berlin erreichen fallen auf fruchtbaren Boden. So gibt es auch in Binz glühende Anhänger der bis vor kurzem noch verbotenen Partei und eine dieser Anhängerinnen ist Margit, Alexanders Witwe und Mutter der dreijährigen Zwillinge Paul und Erich, allerdings nicht aus politischer Überzeugung, sondern weil sie dadurch die Aufmerksamkeit erlangt, nach der sie so hungert. Diese oberflächliche und mehr als unsympathische Frau wird sicherlich noch für viel Ärger sorgen.
Ich könnte euch noch stundenlang von diesem Buch erzählen, aber dann müsstet ihr es ja nicht mehr selber lesen und das wäre wirklich ein Verlust.
Das Buch ist zwar der zweite Teil der Trilogie, es lässt sich aber gut als eigenständiges Werk lesen, aber auch hier gilt wie so oft: Warum sollte man sich selber des Lesevergnügens berauben.Es macht Spaß die Familie von Plesow kennenzulernen, teil zu haben an ihrem Leben mit all seinen Facetten.

  • Herausgeber : Blanvalet Verlag; Originalausgabe Edition (15. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 512 Seiten
  • ISBN-10 : 376450708X
  • ISBN-13 : 978-3764507084

Samstag, 10. April 2021

Doggerland von Maria Adolfson

 Der Sommer hat gerade auf Doggerland Einzug gehalten. Die Musikerin Luna kehrt nach Jahren in den USA und Frankreich zurück in ihre Heimat. Auf einer Party verschwindet die Sängerin spurlos. Hat sie die Insel heimlich verlassen oder ist ihr etwas zugestoßen? Kommissarin Karen Eiken Hornby soll die Ermittlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit leiten. Denn je mehr an die Medien durchsickert, desto größer wird die Gefahr für die Künstlerin. Was keiner weiß: Karen verdächtigt ihren eigenen Freund, eine Affäre mit Luna zu haben. Weiß er etwas über ihr Verschwinden?


Karen ist tatsächlich eifersüchtig als sie sieht wie vertraut die Sängerin Luna  und ihr Freund und Mitbewohner Leo miteinander umgehen. Die Kommissarin hat sich gerade erst von den traumatischen Ereignissen der letzten Zeit erholt und sie ist sich nicht sicher, wie ihre Beziehung zu Leo aussieht: Freunde, Mitbewohner, Freundschaft Plus oder ist da doch mehr. Ihr Leben steht momentan also nicht auf festem Grund.
 Luna war einst eine Berühmtheit bevor sie sich ins Privatleben zurückzog. Nun will sie wieder auf die Bühne zurück und nimmt im Tonstudio von alten Freunden ihr neues Album auf. Kurz vor der Fertigstellung verschwindet die charismatische Frau.
Hat ihr Verschwinden etwas mit der Überfallserie auf Frauen zu tun, bei denen Frauen scheinbar willkürlich überfallen und schwer misshandelt wurden oder liegt bei Luna gar kein Verbrechen vor, hat sie sich einfach spontan eine Auszeit genommen, nicht zum ersten Mal wie ihr Ex-Mann aussagt und Karen verschwendet mit der Suche nach ihr nur ihre Zeit? 

Maria Adolfson hat nicht nur einen, sondern gleich zwei spannende Kriminalfälle erschaffen, wenn man es genau nimmt, sind es sogar noch mehr, aber das enthüllt sich erst im Laufe der Story, das sie es dazu noch schaffte das Privatleben Karens nicht zu kurz kommen zu lassen, ohne den Leser unnötig hektisch durch das Buch zu treiben ist schon sehr bemerkenswert. Es passt alles Punktgenau, anders kann ich es nicht ausdrücken.

Fester Grund ist der Abschlussband der Doggerland Trilogie von Maria Adolfson. Eine in der Realität schon längst in der Nordsee versunkenen Insel als Schauplatz hat mich vom ersten Band an fasziniert, gern hätte ich auch in diesem Band etwas mehr über die kleine Inselgruppe erfahren, das kam leider etwas kurz, aber da jammere ich auf sehr, sehr hohem Niveau. Vor allem da in Schweden wohl doch noch ein weiterer Band erschienen ist. Ich hoffe sehr, dass diese Information richtig ist und wir auch von Deutschland aus die Inselgruppe nochmals besuchen dürfen.

Fester Grund bekommt eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Ullstein Paperback; 1. Edition (29. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 400 Seiten
  • ISBN-10 : 386493138X
  • ISBN-13 : 978-3864931383
  • Originaltitel : Mellan djävulen och havet

Freitag, 9. April 2021

Die nicht sterben von Dana Grigorcea

 


Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. „Uns kann niemand brechen“, pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat – und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um eines: Schicksal. Inzwischen aber ist es für jede Flucht zu spät.

Donnerstag, 1. April 2021

Verlorenes Land von Andreas M. Sturm

 


Februar 1982: In der Äußeren Neustadt von Dresden wird ein Mann erschossen aufgefunden. Bei seinen Ermittlungen stößt Volkspolizist Uwe Friedrich auf die Verbindung des Ermordeten mit der Devisenbeschaffungsgesellschaft KoKo. Daraufhin entzieht die Staatssicherheit der Kriminalpolizei den Fall. Uwe kann das nicht akzeptieren und setzt die Nachforschungen auf eigene Faust fort. Arglos recherchiert er in der Vergangenheit des Opfers; dabei legt er Zusammenhänge offen, die hohe Offiziere von Volkspolizei und Stasi schwer belasten, und gerät selbst in ein gefährliches Netz aus Korruption und Machtmissbrauch.

Als der Kriminalpolizei die Ermittlungen zu dem Mord an Siegfried Rost entzogen werden, kann und will der Volkspolizist Uwe Friedrich  sich nicht damit abfinden nur noch in alten Akten zu ungelösten Verbrechen zu wühlen. Er ermittelt auf eigene Faust und das, was er erfährt, bringt sein Weltbild gefährlich ins Wanken.

1982 war der Fall der Mauer noch Jahre entfernt und nichts deutete darauf hin das die beiden deutschen Staaten jemals wieder zu einem werden könnten. Die Lebensumstände in der DDR sind nicht immer einfach, es herrscht Mangel und das nicht nur an Luxusgütern und es herrscht die Angst vor der Stasi, die ihre Augen und Ohren überall hat. 

In seinem neusten Krimi "Verlorenes Land" führt uns der Dresdner Autor Andreas M. Sturm in eine für den Großteil der Menschen völlig fremde Welt, von der ich zwar wusste, dass es sie gibt die aber die Lebensumstände in diesem Deutschland waren für mich völlig unvorstellbar.
Nach dem Fall der Mauer hatte ich schnell ein konkretes Bild der DDR vor Augen, 
auf der einen Seite die Staatsmacht auf der anderen Seite die Menschen die eingesperrt im eigenen Land lebten und für die Luxus, schon mit einer schwer zu bekommenden Biersorte oder ein paar Rollen Tapeten beginnt.
Erst nach und nach erfuhr ich mehr und dabei halfen unter anderem auch Unterhaltungsromane in denen man die Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß zu sehen bekommt.
Der Autor erzählt vom ganz normalen Leben eines engagierten Volkspolizisten, der seinen Beruf nicht als Job, sondern als Berufung sieht und der daran glaubt, dass das Gute gewinnt. Erst als er bei seinen Ermittlungen zum Mord an Rost die Krankenschwester Sabine kennenlernt, die ihm u.a. davon berichtet, dass es ihr nicht erlaubt wurde Medizin zu studieren, weil ihr Vater in den Westen erkennt Uwe, dass dies nur die Spitze des Eisbergs aus Korruption, Gängelung und Machtmissbrauch ist.
Ich mochte diesen tiefen Einblick in die jüngste Vergangenheit unseres Landes. 
Es sind diese Bücher die uns immer wieder vor Augen führen, das es in jedem System Menschen gibt, die immer ihr Bestes geben für Recht und Gerechtigkeit, die aber auch einsehen, dass es manchmal nötig ist Kompromisse einzugehen und mit den Wölfen zu heulen.
Ich vergebe für
Verlorenes Land
eine absolute Leseempfehlung.

Eine weitere Stimme zum Buch findet ihr auf Seehases Lesewelt

  • Herausgeber : edition krimi; 1. Edition (9. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 384 Seiten
  • ISBN-10 : 3946734820
  • ISBN-13 : 978-3946734826