Liebe
Faye,
vielen
Dank, dass du dich meinen Fragen stellst, im realen Leben würde ich
dir jetzt Kaffee und Kekse anbieten, hier geht das leider nicht, also
fangen wir am besten gleich an.
Und damit ihr wisst, mit wem ich mich unterhalten habe.
1.
Magst du dich meinen Lesern die dich vielleicht noch nicht kennen
kurz vorstellen?
Wer
ist Faye Hell?
Mhhmmm
… keine Kekse. *seufz*
Faye Hell? Nun, das bin ich!
Mag
jetzt banal und dämlich klingen, ist es aber nicht. Als ich begonnen
habe zu schreiben, habe ich mir ein Pseudonym gesucht. Unter anderem
auch deshalb, weil ich ja Lehrerin bin und es in diesem Zusammenhang
nicht immer gut ankommt, wenn man ein Horror-Nerd ist. Ich habe mir
überlegt, wie diese Faye zu sein hätte … nur um draufzukommen,
dass Faye vielmehr die Person ist, die ich eigentlich bin, als zum
Beispiel mein Lehrer-Ich. Fast so, als hätte ich Faye erschaffen, um
mich wahrhaftig ausleben zu können. Ein blödes Beispiel: Ich war
knappe zwanzig Jahre alt, als mir mal jemand gesagt hat, ich könne
nicht mehr lange so ein Gothic-Outfit tragen, ohne lächerlich zu
sein. Faye kann!
Also, Faye ist Horrorautorin, Horrorfan und
Horrorliebhaberin. Ein Leben ohne Horror – egal ob als Buch, Film
oder Serie – ist für mich seit meinem elften Lebensjahr undenkbar.
2.
Wissen deine Kollegen und vor allem deine Schüler, dass du schreibst
und vor allem was du schreibst und wenn ja, was sagen sie dazu?
Die
meisten Kollegen wissen es. Vor den jüngeren Schülern versuche ich
es (soweit wie möglich) geheimzuhalten. Das ist nicht (nur) meine
eigene Entscheidung. Die äußeren Umstände haben das mit sich
gebracht und eine gewisse Art von Geheimhaltung notwendig gemacht.
Denn nein, es ist nicht selbstverständlich, dass eine Lehrerin eben
nicht nur eine Lehrerin ist, sondern sogar ein Privatleben hat. Und
sich darüber hinaus vielleicht sogar noch für Horror begeistert!
Gott behüte! Eine Horrorautorin als Lehrerin ist für einige Eltern
undenkbar. Diese Erfahrung habe ich leider machen müssen.
3.
Deine Bücher. Keine Menschenseele und Tote Götter wurden mit
Preisen ausgezeichnet, kannst du den Moment beschreiben als du
erfahren hast, das du tatsächlich gewonnen hast?
Nahezu
alle Menschen werden von Zweifeln geplagt. Im Autorenumfeld bekomme
ich häufig den Eindruck, dass sich Autoren dieses Quäntchen mehr
quälen als andere. Der Zweifel ist ein fieses Vieh, das nur darauf
wartet, dir ins Ohr zu flüstern, dass deine Arbeit nichts wert ist,
sich sowieso niemand dafür interessiert und du am besten alles
hinwerfen solltest. Ich denke nicht, dass mich irgendeiner der Preise
objektiv wirklich weitergebracht hat in meiner (nennen wir es halt
mal so …) Karriere. Aber Preise sind richtig gut darin, dem
Zweifelsuntier fest in den Arsch zu treten. Und ja, ich habe mich
jedes Mal höllisch gefreut. Es ist eine Form der Anerkennung und ich
weiß es total zu schätzen, dass mich meine Leser immer so grandios
unterstützen.
4.
Im November erscheint dein neuestes Buch: Rigor Mortis, kannst du uns
schon ein bisschen was verraten?
Ich
glaube, Rigor Mortis könnte mein bisher bestes Buch sein. Aber mein
Freund und Autorenpartner M. H. Steinmetz hat mir mal gesagt, dass
das so sein muss. Wenn dem nämlich nicht so wäre, dann könnte man
aufhören zu schreiben. Da hat er sicher recht!
Ich habe vor
allem sehr viel Recherchearbeit in diesen Roman investiert, da ja
einer der Handlungsstränge im Yukon Territory/in Alaska zur Zeit des
Goldrausches spielt und es war mir sehr wichtig, dass ich die
Geschichte zwar zu meiner eigenen mache, in den zentralen Punkten
aber historisch korrekt bleibe. Dazu habe ich auch direkt vor Ort
recherchiert und Sekundärliteratur besorgt. Diese Reise hat den
Roman ungemein beeinflusst, nicht nur, was die Fakten angeht. Zum
Glück ist es mir gelungen, die Magie dieser besonderen Region
treffend zu Papier zu bringen. Und alle Orte, die in Rigor Mortis
erwähnt werden, habe ich tatsächlich selbst besucht!
Auch
musste ich das erste Mal in meiner Autorenlaufbahn ein Vorwort
schreiben, da ich einen Ich-Erzähler erschaffen habe, vor dem mir
wahrhaft selbst graut. Er ist meine wahrscheinlich abstoßendste,
aber auch vielschichtigste und durchdachteste Figur. Richard Darius
ist ein modernes Monster, ein Zerrspiegel unserer Zeit.
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| Zum Klappentext und zum Cover und zu einer Überraschung, klickt mal auf das Coverbild. |
(Das Buch erscheint als E-Book am 02.12.2018, Printliebhaber wie ich müssen noch etwas länger warten)
5.
Nach dem Buch ist vor dem Buch: Woran arbeitest du gerade?
Gerade
arbeite ich gemeinsam mit M. H. Steinmetz an einem
Old-School-Hardcore Roman, der Sommer nächsten Jahres bei Redurm
erscheinen wird. Das ist für mich ein neues Genre, auch wenn in all
meinen Büchern auch bisher schon Hardcoreszenen zu finden sind. Es
ist eine Herausforderung, aber auch saugeil! Mal so richtig auf den
Putz klopfen, bis Scheiße und Blut spritzen. Mal etwas weniger
literarisch. Und es macht unfassbar viel Spaß, mit einem Kollegen
und Freund an einem Roman zu arbeiten. Steinmetz und Hell, das
harmoniert. Wie bereits die Anthologie Ghost Stories of Flesh and
Blood beweist. Klar gibt es jetzt schon Stimmen, die behaupten, ich
würde für ein derartiges Buch meinen guten Namen verkaufen. Aber
ich vertraue auf die Mündigkeit meiner Leser und darauf, dass diese
selbst erkennen werden, dass dieses Buch wohl von meiner üblichen
Schiene abweicht. Steinmetz/Hell ist ja auch so etwas wie eine Marke
innerhalb der Marke.
Nebenbei feile ich an meinem zweiten
Infotainment Buch. Und an der Idee zu einer Novelle, die ich auch
demnächst umsetzen werde. Einen vierten, eigenständigen Roman habe
ich auch schon im Sinne und recherchiere eifrig.
6.
Hattest du schon mal den Wunsch alles hinzuschmeißen und das
Schreiben aufzugeben und was hat dich motiviert weiterzumachen?
Ja,
hatte ich. Mehrfach sogar. Niemand ahnt, wie viel Zeit und Herzblut
in diese Arbeit fließen und wie wenig oft zurückkommt. Ganz im
Gegenteil, oftmals kommt sehr viel Ablehnung auf einen zu. Schnell
mal wird man als Horrorautorin als pervers oder abartig abgestempelt.
Und ich bin noch nicht so abgebrüht, dass ich das als Adelsprädikat
anerkennen könnte. (grins) Es kann hart sein, einem Traum
hinterherzujagen und teilweise erschreckend ernüchternd. Was mich
grundlegend motiviert, ist die Liebe zur Sache. Der Horror, die
Schreiberei. Vincent Voss hat mir in einer Situation des Zweifelns
mal gesagt: „Du wirst nicht aufhören. Du wirst schreiben. Du
kannst gar nicht anders.“ Besser könnte ich es nicht sagen. Der
Drang zu schreiben steckt in mir, seit ich schreiben kann. Wenn ich
zweifle, habe ich mein schreibendes Umfeld, das mich aufbaut. Und
Mister Hell und Mama Hell. Kein Mensch ist eine Insel, auch Autoren
nicht.
7.
Diese Frage passt vielleicht zur vorigen. Was rätst du Menschen die
davon träumen zu schreiben und vor allem auch zu veröffentlichen?
Genau
das, was man mir ganz am Anfang geraten hat: Du brauchst einen langen
Atem! Weiterführend: Wer beim ersten Hindernis umdreht, beim ersten
Gegenwind die Ohren anlegt und abtaucht, der wird es nicht schaffen.
Und tritt die verdammte Eitelkeit in die Tonne! Ich weiß, du bist
überzeugt von deiner Arbeit. Das ist die Grundvoraussetzung und
schwer genug! Das heißt aber nicht, dass es alle anderen auch sofort
sein werden. Absagen sind kein Grund weinend im Selbstmitleid zu
versinken und aufzugeben oder (das andere Extrem) aufs Hohe Ross zu
steigen und diejenigen schlechtzumachen, die einen abgelehnt haben.
Nein, genau dann heißt es sich schütteln wie ein nasser Hund und
einfach weitermachen. Und wenn du damit fertig bist, dann machst du
weiter. Und weiter. Und weiter. Bis du ein Ziel nach dem anderen
erreicht hast. Und übrigens: He Leute, wenn ich das hingebracht
habe, dann schafft ihr das auch!
8.
Welchen Liebesroman hast du gelesen und geliebt? (Irgendeine Leiche
hat doch jeder im Keller).
Hihihi.
Das fragst du doch nur, weil du das bereits weißt! (grins) Ja, ich
lese auch mal Liebeskram. Sehr selten. So gut wie nie. Weil ich
einfach schrecklich unrund werde, wenn Klischees plattgetreten
werden. Etwas, dass die Liebe und der Horror übrigens gemein haben,
wenn es um die kommerzielle Nutzung geht. Weil die Rezipienten
teilweise auf Klischees bestehen! Wenn ich Rezensionen lese, in denen
sich ernsthaft Frauen darüber beschweren, dass das „dicke Mädchen“
aus dem Roman wohl niemals so einen klasse Kerl abbekommen würde und
dass die Autorin da gewiss nur ihre eigenen Sehnsüchte verarbeitet
hat … dann werde ich so aggressiv, dass ich gleich wieder ein paar
schöne Hardcoreszenen schreiben muss.
Mein
liebster Liebesroman ist von Phoebe Ann Miller „Auf die andere
Art“. Kein Klischee, echte Gefühle, viele Tränen!
Danke für das Interview und wehe, du
bringst mir in Leipzig keine Kekse ….
(Schnurrrrrrrrrr from
Hell)
Ich habe zu Danken, für Deine Zeit und dieses tolle Interview, ich freue mich schon auf ein Wiedersehen in Leipzig, mit Keksen.
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