Montag, 31. Oktober 2022

Lügen über meine Mutter von Daniela Dröscher

 


Klappentext:»Lügen über meine Mutter« ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht?

Schonungslos und eindrücklich lässt Daniela Dröscher ihr kindliches Alter Ego die Jahre, in denen sich dieses  »Kammerspiel namens Familie« abspielte, noch einmal durchleben. Ihr gelingt ein ebenso berührender wie kluger Roman über subtile Gewalt, aber auch über Verantwortung und Fürsorge. Vor allem aber ist dies ein tragik-komisches Buch über eine starke Frau, die nicht aufhört, für die Selbstbestimmung über ihr Leben zu kämpfen. 



Daniela Dröschers Roman ist die Geschichte einer Familie in den 1980er Jahren, erzählt aus der Sicht eines Kindes.

Die Familie lebt gemeinsam mit den Schwiegereltern unter einem Dach, in einem kleinen Dorf im Hunsrück, einem Dorf und einem Haus, in dem die Mutter nicht willkommen ist, als Kind polnischer Aussiedler ist sie immer die Fremde und schon gar nicht gut genug für den "Prinzen" ihrer Schwiegermutter. („So ä dreggisch Weibsstick.“). Auch bei ihrem Ehemann hat sie keinen Rückhalt, im Gegenteil, er demütigt sie Tag für Tag wegen ihres Gewichts, drängt sie immer wieder zu Diäten, Kuren und Sport, zwingt sie sogar sich in seinem Beisein zu wiegen. Er gibt ihr, bzw., ihrem Gewicht die Schuld an allem, was in seinem Leben nicht so läuft, wie er es sich wünscht, sein eigenes Versagen ist ihre Schuld und er wird zerfressen vom Neid auf seine Frau, die intelligenter ist und die in der Firma, in der sie Teilzeit arbeitet, die Anerkennung findet, die sie in ihrer Familie schmerzlich vermisst. Doch immer wieder begehrt sie auf, versucht ihr Leben so zu leben, wie es sie glücklich macht, um immer wieder zu scheitern.


Die kleine Ela steht dazwischen, sie liebt ihre Eltern, findet ihre Mutter schön („Ich verstand einfach nicht, was an meiner Mutter „dick“ sein sollte. Hier am Strand gab es Frauen, die garantiert viel mehr wogen, und vor allem gab es Männer, die ganz selbstverständlich ihre enormen Bäuche vor sich hertrugen.“) und sieht sie doch durch die Augen des Vaters. „Ich verstand einfach nicht, was an meiner Mutter „dick“ sein sollte. Hier am Strand gab es Frauen, die garantiert viel mehr wogen, und vor allem gab es Männer, die ganz selbstverständlich ihre enormen Bäuche vor sich hertrugen.“ 


Lügen über meine Mutter, ist ein Buch, das mich fassungslos zurückließ und wütend. Wütend auf eine Gesellschaft, in der es immer noch vollkommen normal war, dass die Frau das tat, was sich der Herr des Hauses wünschte ohne Rücksicht darauf, wie es ihr dabei ging und wütend auf eine Gesellschaft, in der sich Männer am beruflichen Erfolg definieren (gut, daran hat sich noch nicht viel geändert). 


Und immer wieder stellte sich mir die Frage, warum geht sie nicht? Warum mutet sie sich und ihren Kindern dieses Leben zu? 

Der Autorin Daniela Dröscher ist die schwierige Gratwanderung gelungen, ein ernstes und immer noch aktuelles Thema ihren autofiktionalen Roman in leichte Worte zu fassen, ohne sich in Banalitäten zu verlieren und ohne eine allzu bedrückende Stimmung zu schaffen. Das ist etwas schwierig für mich zu erklären, aber wenn ihr das Buch lest, werdet ihr schnell wissen, was ich meine.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch; 3. Edition (18. August 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 346200199X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462001990

Samstag, 29. Oktober 2022

Blutrodeo: Der zweite Fall für Ted Garner von Frauke Buchholz

 


Während sich die Touristen in Kanada beim größten Rodeo der Welt vergnügen, wird der erfahrene Profiler Ted Garner auf einen kaltblütigen Mordfall angesetzt: zwei alten Männern wurde in Calgary die Kehle aufgeschlitzt. Bei der Ermittlung wird ihm die ehrgeizige junge Polizistin ­Samantha Stern zur Seite gestellt. Die Spur führt zunächst in den ­Norden Albertas, wo der Ölsandabbau verheerende Folgen für die Umwelt und die indigene Bevölkerung hat. Welche Rolle spielt der Ölkonzern, bei dem die beiden Opfer vor vielen Jahren gearbeitet haben? Die Reise führt weit in die Vergangenheit, und noch ist dem Ermittlerduo nicht bewusst, dass es sich selbst in tödliche Gefahr bringt, als es dem Täter näherkommt.

  • Der zweite Band um Ted Garner führt den erfahrenen Profiler nach Calgary, zwei alten Männern wurde die Kehle aufgeschnitten, es gibt keine Zeugen und kaum Spuren. Ted soll die ehrgeizige Polizistin Samantha Stern unterstützen. Samantha und Ted sind sich vom ersten Augenblick an nicht grün, das macht die Zusammenarbeit der Beiden nicht einfach.
    Dass sie trotz aller Animositäten auf Hinweise stoßen, die sie in den Norden Kanadas nach Alberta führen, war für mich tatsächlich etwas verwunderlich. Doch irgendwie schaffen es Samantha und Ted ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen.

    Beide Opfer arbeiteten in Fort McMurray für eine Firma, die Ölsand abbaut, und damit die Umwelt, den Lebensraum und die heiligen Stätten der indigenen Völker zerstört, vorbei die Vorstellung von weiten Wäldern, klaren Seen und guter Luft. Frauke Buchholz hat es geschafft, diese Bilder der Zerstörung direkt in meinen Kopf zu projizieren.
    Eine weitere Spur führt schließlich noch tiefer in die Vergangenheit, in die Zeit des Vietnamkriegs und plötzlich scheint auch Teds Vater irgendwie in die Sache verwickelt.

    Ich hatte ein klein wenig die Befürchtung, dass die gegenseitige Antipathie der Hauptprotagonisten zu sehr in den Vordergrund gerät, das hat sich zu meiner großen Erleichterung nicht bewahrheitetet. Die privaten Probleme der Beiden, sind zwar immer präsent, allerdings schaffen es sowohl Samantha als auch Ted, immer wieder gerade so professionell zu bleiben.


    Ich schrieb ja schon, dass es die Autorin geschafft hat, Bilder in meinen Kopf zu projizieren und das hat sie auch bei der Aufklärung des wahren Motivs geschafft und dabei habe ich mehr als einmal ganz tief durchatmen müssen.

    Frauke Buchholz führt sowohl ihre Leserinnen und Leser, als auch ihre Ermittler auf falsche Spuren, die einzelnen Kapitel werden immer aus der Sicht einer anderen Person erzählt, sodass ich als Leser zwar immer ein klein wenig mehr wusste als Samantha und Ted, aber nie genug, um bis zum Schluss nicht rätseln zu müssen, wer hinter den Morden steckt.


    Der Titel Blutrodeo passt hervorragend zur Story, auch wenn mir die Zusammenhänge erst spät bewusst wurden.

    Ich vergebe für das Buch eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Pendragon; 1. Edition (7. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 264 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3865328105
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865328106






Freitag, 28. Oktober 2022

Die Kräutersammlerin und der junge Flößer von Heidrun Hurst

 




Der zweite Band um die Kräutersammlerin Johanna beginnt mit einer sehr erschreckenden Szene, wie sie auch heute noch Tag täglich stattfindet, nicht immer mit diesen Konsequenzen, doch dieses Erlebnis Johannas beeinflusst sicherlich die eine oder andere Entscheidung der jungen Frau.

Johanna lebt immer noch gemeinsam mit ihrem Ziehkind Ida und einer Wölfin in ihrer kleinen Hütte, diesen Umstand will der junge Flößer Lukas ändern, hartnäckig wirbt er um Johanna und wird ebenso hartnäckig von ihr abgewiesen.
Der Teufel geht um in Schiltach,  und sein Opfer ist junge Magd, die tot an der Kinzig aufgefunden wird, als der Wirt des Gasthauses Hirschen von einem Geist heimgesucht wird, bricht im Ort Panik aus. Und Johanna und Lukas setzen alles daran, den Mörder zu entlarven und das Geheimnis des Geistes zu lüften.

Gemessen an den bisher von mir gelesenen Büchern, ist die Anzahl historischer Krimis darunter überschaubar, doch nachdem ich auch schon den ersten Band um die Heilerin Johanna gelesen hatte, lag es nah, dass ich erfahren wollte, wie es der jungen Frau, ihrem Ziehkind Johanna und dem Flößer Lukas wohl weiterhin ergeht. 
Die Autorin schafft es nicht immer, die Waage zu halten zwischen den Beschreibungen der damaligen Lebensumstände, der Wirkungsweise verschiedener Heilkräuter und dem Kriminalfall, der manchmal ein klein wenig in den Hintergrund rückt, gegen Ende des Buches ändert sich das aber wieder dramatisch und alles hängt auf die eine oder andere Art zusammen. Durch die schon erwähnten Beschreibungen der Lebensumstände der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und besonders von Johannas Arbeit als Heilerin bleibt die Geschichte auf jeder Seite spannend und lesenswert.

Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr anschaulich und wer diese Gegend im Schwarzwald nicht kennt, bekommt sicherlich Lust darauf, genau dort einmal Urlaub zu machen.
Ihre Protagonisten sind mir sehr ans Herz gewachsen, allen voran die kleine Ida, die sich nur langsam an ein normales Leben gewöhnt, da schlug mein Mutterherz, vielleicht so manches Mal etwas aus dem Takt, es gab schon die eine oder andere herzerweichende Szene mit dem Kind, das schon so viel erdulden musste.(Nachzulesen im 1. Band: Die Kräutersammlerin). Seid gespannt, wie es Ida und ihrer Wölfin weiterhin ergeht. 
Man muss den ersten Band um die Heilerin Johanna nicht gelesen haben, um sich schnell im frühen Mittelalter wiederzufinden, es gibt genügend Verweise auf die wichtigen Vorfälle im ersten Buch, aber ich empfehle es trotzdem, denn warum solltet ihr euch des Vergnügens berauben. Johanna, Lukas, Ida und die Wölfin von Beginn an kennenzulernen.

Weitere Stimmen zum Buch findet ihr bei:

  • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag (20. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 320 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 374081358X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740813581

Vielen Dank an den emons-verlag und an die Autorin Heidrun Hurst für die Bereitstellung des Leseexemplars. 


Mittwoch, 26. Oktober 2022

Das Jungblut-Serum von Thomas Kiehl


Der Wunsch nach ewiger Jugend ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst, im Prolog erzählt uns Thomas Kiehl von Elisabeth Báthory (verheiratete Elisabeth Nádasdy, 7. August 1560 in Ungarn,  † 21. August 1614), die als Blutgräfin in die Geschichte einging. Elisabeth Báthory wurde als Serienmörderin verurteilt, nachdem sie angeblich unzählige junge Frauen zu Tode foltern ließ. Ein Blutspritzer, der sie zufällig traf, ließ ihre Haut an der Stelle wieder jung werden, im Anschluss daran badete sie angeblich im Blut ihrer jungfräulichen Opfer. So die Mischung aus Fakten und Legende.


Heute badet wohl niemand mehr in Blut, sondern nutzt die Errungenschaften der Pharmaindustrie. Und damit gelangen wir ins Jahr 2029. Auf einer kleinen schwedischen Insel erprobt ein Pharmaunternehmen ein Verjüngungsmittel, für das sich ein Großteil der Bevölkerung gern als Testpersonen zur Verfügung stellte. Doch Jahre später häufen sie die Fälle von Unfruchtbarkeit unter den Töchtern der Probanden und die Biologin Lena Bondroit wird gebeten herauszufinden, ob es einen Zusammenhang mit dem Medikament gibt.


Und wieder einmal habe ich mitten in eine Reihe gegriffen. Das Jungblut-Serum ist wohl schon der dritte Fall, den die Biologin Lena lösen muss, ich habe aber nichts vermisst, da der Autor genügend Informationen in die Story einflicht, mit denen ich mir ein Bild von Lena machen konnte.
Lenas Arbeit auf der Insel stößt nicht bei jedem auf der Insel auf Gegenliebe und sie gerät bald in Gefahr.
Das Jungblut-Serum ist ein spannender und actiongeladener Thriller, in dessen Mittelpunkt einige starke Frauenfiguren stehen. Ich war nicht mit allen Entscheidungen Lenas einverstanden, aber gerade diese machten Lena für mich authentisch und nahbar.
Besonders gut hat mir gefallen, dass man neben aller Unterhaltung auch noch etwas lernt, aus der Geschichte (googelt einmal die Blutgräfin, die Fakten über diese Frau sind fast genauso spannend wie die Legende, die um sie gewebt wurde) und natürlich auch über Epigenetik, ein Fachgebiet innerhalb der Biologie. Der Autor es geschafft auch wissenschaftliche Fakten verständlich zu erklären und neugierig auf weitere Informationen zu machen.
Ich vergebe gern eine Leseempfehlung

  • Herausgeber ‏ : ‎ Benevento; 1. Edition (18. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 371090143X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710901430


Dienstag, 25. Oktober 2022

Und jetzt ist Schluss von Christine Lehmann

 


Ruth Winkler, frisch verstorben, erzählt auf dem Totenbett ihr Leben, von dem sie früher nie erzählen wollte: »Wer weiß, was da alles hochkommt, was ich nicht mehr wissen will.« Aber jetzt ist Schluss – und damit ist es ohnehin einerlei. 1930 in Halle an der Saale geboren, Scheidungskind, Krieg, Flucht aus der DDR, Stationen in der Schweiz in Nord-, schließlich Süddeutschland. Freuden und Sorgen der Liebenden und Mutter, Tochter und Ehefrau, Irrungen und Wirrungen einer ganz normalen Frau zwischen zwei Deutschlands, gelebte deutsch-deutsche Geschichte: die Geschichte eines millionenfach gelebten Alltaglebens in seiner ganzen traurig-schönen, oft skurrilen, überaus spannenden Pracht. Christine Lehmann hat mit ihren jahrelangen Recherchen zu diesem Buch einen einmaligen Schatz gehoben, der wohl unser aller kollektives Gedächtnis zum Klingen bringt. Da wird Lesen zur Sucht.

"Ich bin noch warm, als meine Tochter zusammen mit ihrem Mann und meiner Enkelin kommt."

Ruth Winkler ist tot. 

Und nun beschließt sie von ihrem Leben zu erzählen, alles über das sie früher den Mantel des Schweigens legte, weil sie selbst nicht mehr wissen wollte, was sie alles erlebte, aber damit ist jetzt Schluss. Ruth erzählt und sie hört nicht mehr auf.
Doch zunächst erzählt sie von ihrem Sterben, vom Sterben ihrer Eltern und Schwiegereltern und vom Tod allgemein, das ist nicht traurig oder bedrückend, die Autorin lässt Ruth mit einer Leichtigkeit erzählen, die mich sehr beeindruckt hat. 

"Es muss still sein, wenn man sterben will"
Das ist einer der Sätze, die mich beeindruckt haben, wie kann man gehen, wenn die Menschen, von denen man geliebt wird, traurig und vielleicht verzweifelt festhalten?

Ruth hatte ein langes Leben, geboren 1930 in Halle, erlebt sie die Nationalsozialisten, die DDR und deren Auflösung, nach ihrer Flucht, wir erfahren über die schwierige Beziehung zu ihrer Tochter, die das schriftstellerische Talent des Vaters Markus geerbt hat, der akribisch alles, was in seinem Leben geschah, aufschrieb, in Listen notierte er Tage, an denen sie Skat spielten, er erzählt von seinen Reisen nach Schweden und Amerika, aber kein Wort über Ruth, als hätte sie in seinem Leben nicht existiert, ich fühlte mich Stellvertretend gekränkt, nicht einmal die Nachricht das sie ein Kind erwartete, befand er einer Erwähnung wert. 
Ruth entstammt einer anderen Zeit, wie viele Frauen ihrer Zeit nahm sie sich zurück, ob freiwillig oder einfach nur, weil es so war und sie gar keine andere Chance hatte. Doch wenn es nötig war und das war es häufig, wenn nicht sogar immer, zog sie die Fäden, sie war es, die die Familie leitete. 
Und Ruth erzählt, von eingeschmuggelter Literatur in die DDR, von späteren Westpaketen, die sie regelmäßig nach ihrer Flucht in den Westen an die zurückgebliebene Familie schickt, von den Ritualen zu Weihnachten, die unterbrochen wurden als die Kinder größer wurden und erst mit dem ersten Enkelkind wiederauflebten, von Reisen und Kindergeburtstagen, manchmal musste ich das Buch aus der Hand legen, es ist schwierig immer nur zuzuhören, ich schreibe bewusst zuhören, denn das war es, ich habe bei Ruth gesessen und habe gelauscht, manchmal habe ich mich dabei aufgeregt, manchmal war es traurig, manchmal habe ich gelacht und ich habe mich auch mal gelangweilt, das Leben anderer ist nicht immer spannender als das eigene.

Ruth ist mir ans Herz gewachsen, ihre Geschichte erzählt die Geschichten von Millionen und bleibt dabei so persönlich wie es nur geht, ganz nah, beinahe schon intim lässt sie uns an ihrem Leben teilhaben.
Dieses Buch kann vielleicht auch die Fragen derjenigen beantworten, die nie zu fragen wagten oder keine Antworten bekamen, das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam, aber nach der Lektüre ist sicher jedem klar, was ich meine.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Alfred Kröner Verlag; 1. Edition (5. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 520 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3520767015
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3520767011





Montag, 24. Oktober 2022

Messeberichte FBM2022 und BuCon2022

 



Jetzt ist die FBM2022 schon wieder vorbei, da wartet man monatelang, die Zeit vergeht wie in Zeitlupe und dann ist sie schwups schon wieder vorbei. 

Am Tag meiner Anreise wollte ich eigentlich noch kurz auf die Messe, *eigentlich* sagt ja schon das ich mit der Deutschen Bahn angereist bin, ich war so spät in meinem Hotel, dass sich die Messe nicht mehr lohnte, also habe ich mir ein wenig die Stadt angeguckt und gleichzeitig den Weg zum Restaurant gesucht, in dem ich am Abend zum Essen verabredet war. Frankfurt am Main ist und wird für mich auch immer eine etwas furchteinflößende Stadt bleiben, ich war schon froh das auf den Straßen noch soviel los war.

Am Donnerstag war dann endlich mein erster Messetag und ich habe mich genussvoll treiben lassen, mal hier geplaudert, mal da geplaudert und natürlich habe ich bei den Verlagen durch die Regale gestöbert, meine Wunschliste platzt aus allen Nähten. Bis auf ein Bloggertreffen beim wunderbaren KiWi-Verlag war ich frei wie ein Vogel, für Berichte über Treffen mit Autoren oder Verlagsmenschen auf der FBM müsst ihr woanders gucken.😉 Dafür habe ich euch vom Bloggertreffen ein Buch mitgebracht, das ich zeitnah verlosen werde, welches verrate ich euch dann.

Am Abend war ich dann mit zwei Bloggerkolleginnen bei der LCN, der Ladies Crime Night der Mörderischen Schwestern, ein wunderbarer Abend mit tollen Kurzlesungen und einem fantastischen Begleitprogramm, leider konnte ich mir den Namen der Sängerin nicht merken. Schon meine Kinder meinten ich würde sie nur mit Kosenamen anreden, weil ich mir ihre Namen nicht merken kann.

Am Freitag, wurde die Messe dann richtig voll, denn da durften sie alle Buch interessierten besuchen und trotzdem war immer noch Zeit für nette Gespräche und man konnte ja auch Bücher kaufen, aber da blieb ich standhaft, ich hatte schon genug zu tragen an den Büchern, die ich von den Verlagen bekommen hatte. Und ich wollte am Samstag ja noch zur


BuCon

Ich bin ja bekanntermaßen etwas schusselig und habe tatsächlich aus Versehen mein Zimmer bis Sonntag gebucht, obwohl mir klar war, dass ich auf keinen Fall am Samstag auf die FBM gehen würde.

Also zu BuCon, irgendwie würde ich da schon hinkommen, von Frankfurt am Main, nach Dreieich ist ja nicht so weit, da habe ich aber die Rechnung ohne den ÖPNV gemacht, der zwar in Frankfurt a.M. wunderbar funktioniert, mir nach Dreieich aber eine Odyssee bescheren würde. Was aber funktioniert ist Freundschaft und so wurde ich vom Hotel abgeholt und am Abend wieder zurückgebracht. 
Und dann durfte ich tatsächlich den tollsten Tag der Woche erleben.



Ich kann gar nicht all die lieben Menschen aufzählen mit denen ich im Laufe des Tages gesprochen habe, allen voran die wunderbare Vanessa Kaiser, die sich ganz viel Zeit für mich nahm und mich allen anwesenden Autoren der neusten Anthologie *Mysterien der See*, die im Verlag Torsten Low erschienen ist, vorstellte. Dass ich ausgerechnet von ihr kein Foto gemacht habe, ärgert mich immer noch, aber ihr wisst ja *schusselig und so* mit Mario Steinmetz, dessen Bücher ich seit Jahren liebe und dem Verleger Jürgen Eglseer (Lieblingsverlag, muss ja mal gesagt werden) waren die Gespräche auch durchaus etwas ernsterer Natur und dementsprechend inspirierend und zum Nachdenken anregend. 

Mit Monika Loerchner, der Autorin der Hexenherz-Trilogie, die ich natürlich gelesen habe, schöne Grüße an ihren geheimnisvollen Ehemann, und *es ist immer noch Platz für mehr Regale* traf ich bei der Lesung von Silke Katharina Weiler (Stadt ohne Nacht, wieder ein Buch für die Wunschliste) wieder aufeinander, nachdem wir uns an ihrem Stand lange unterhalten hatten, wir waren uns nicht einig, wer nun wen stalkte. 

Beim Verlag OhneOhren durfte ich mich noch persönlich für die Rezensionsexemplare bedanken, die während meiner Abwesenheit zu Hause ankamen, ich bin schon so gespannt.

Ich könnte euch jetzt noch seitenlang von der BuCon vorschwärmen und euch doch nicht das Gefühl vermitteln können, das ich am Ende des Tages hatte, war ich nach einem Tag auf der FBM platt, waren meine Akkus nach der BuCon aufgeladen, ich hätte noch Stunden auf der kleinen Buchmesse verbringen können. Ich bin buconifiziert. Und wenn ihr das auch einmal erleben wollt. Vor der Bucon ist nach der Bucon. 




Kalt und Still Der erste Fall für Hanna Ahlander von Viveca Sten




Nachdem sie bei der Stockholmer Polizei  in Ungnade gefallen ist, weil sie sich weigert einen Kollegen zu decken, der seine Frau schlägt, ihr nahegelegt wird den Dienst zu quittieren und ihr Freund sie für eine andere Frau verlassen hat, verkriecht sich Hanna in das luxuriöse Ferienhaus ihrer Schwester nach Åre. Hanna versinkt in Selbstmitleid und Rotwein, bis sie die Nachricht erreicht, dass eine junge Frau vermisst wird. Amanda ist nach einer Party nicht nach Hause gekommen. 

Hanna beteiligt sich an der Suchaktion. Daniel Lindskog und seine Kollegen von der kleinen Polizeistation in Åre erkennen schnell, wie hilfreich Hannas Hilfe als erfahrene Ermittlerin ist.

Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal etwas von Viveca Sten gelesen hatte und frage mich gerade warum ich sie aus den Augen verloren hatte.
Ihr Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, die Beschreibung der Landschaft ließ mich die Kälte fast körperlich spüren. Ich war etwas besorgt, dass Hannas beruflichen und privaten Probleme zu sehr in den Vordergrund rücken würden, ebenso wie die ihres Kollegen Daniel Lindskog, der gerade Vater geworden ist und unter den Vorwürfen seiner Lebensgefährtin leidet, nicht genug Zeit für seine junge Familie zu haben. Diese Sorgen waren allerdings unbegründet, zwar erfährt man viel über die beiden Hauptprotagonisten, aber das ist meiner Meinung nach für den Start einer neuen Reihe durchaus legitim, und der Fall, bei dem die einzige Spur ein roter Schal am Straßenrand ist, gerät nie in den Hintergrund.
Hanna findet bald heraus das Amanda nicht das einzige Opfer in dem beschaulichen Ort ist. 


Ich mochte die Zusammenarbeit, zwischen Hanna und Daniel, sie sind ein sehr gutes Team, das sich hervorragend ergänzt. Und ich bin schon gespannt auf die weiteren Fälle, die sie gemeinsam lösen werden.



Autorin: Viveca Sten
ISBN: 978-3-423-26338-2
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Taschenbuch, 512 Seiten
ebenfalls erhältlich als e-book und Hörbuch
Erscheinungsdatum: 19. Oktober 2022
Verlag: dtv
Originaltitel: Offermakaren
Übersetzerin: Dagmar Lendt


Mittwoch, 19. Oktober 2022

Dark Clouds Der Regen ist dein Untergang von Thilo Falk




Innerhalb weniger Wochen kommt es in ganz Europa zu Extremwetterereignissen – Starkregen, Erdrutsche und Sturmfluten bedrohen das Land. Wasser quillt aus den Abflüssen, Strommasten stürzen um, Kohle- und Atomkraftwerke werden überflutet. Die enormen Regenmassen reißen immer mehr Menschen in den Tod und zerstören die Infrastruktur des Landes, während die Politik nur tatenlos zusieht. Die Wolkenkundlerin Fjella Lange, der IT-Spezialist Arian Fischer und der Schadensgutachter Philipp Graf forschen an den desaströsen Wetterereignissen und stellen sich einem atemlosen Wettlauf gegen die Zeit. Sie sind die Einzigen, die ahnen, dass dies erst der Anfang einer viel größeren Katastrophe ist – getrieben von der Gier nach Geld und Macht.

Wetter und Klima, es dauert wohl noch bis alle den Unterschied verstehen, vielleicht hilft dieses Buch ihnen dabei. Innerhalb weniger Wochen kommt es in ganz Europa zu extremen Wetterereignissen, Starkregen und Sturmfluten bedrohen das Land und die Wettervorhersagen werden immer unzuverlässiger, wer rechnet schon bei strahlendem Sonnenschein und einer Vorhersage, die leichten Wind und Sonnenschein voraussagt, mit einer Sturmflut.
Was Wasser anrichten kann, müssen Menschen, die von einer Überflutung betroffen werden, auch in Deutschland immer häufiger am eigenen Leib erfahren, der Verlust von Hab und Gut ist dabei noch die kleinste Katastrophe, Menschen verlieren ihr Leben bei sogenannten Jahrhundertfluten, die immer häufiger passieren. Es ist nicht zu leugnen, das Klima ändert sich.

Und wie in der Realität passiert auch im Buch auf politischer Ebene zu wenig und es gibt zu viele unbelehrbare, die immer noch vom Wetter reden, das sich immer mal wieder seltsam verhält, anders als im echten Leben kommt es im Buch allerdings nicht auf "natürliche" Weise zu den Extremwetterereignissen, jemand ist in der Lage, das Wetter zu manipulieren. Die Wolkenkundlerin Fjella Lange, der Versicherungsgutachter Philip Graf und der Datenanalytiker Arian Fischer entdecken, dass der Starkregen nicht nur am Klimawandel liegt, sondern, dass jemand das Wetter beeinflusst.

Eigentlich ist das Buch schon spannend genug, bevor der Leser gemeinsam mit Fjella, Philip und Arian, herausfindet, dass jemand das Horrorszenario "Klimawandel jetzt und extrem" wahr werden lässt. Ab und an war es mir ein klein wenig zu technisch, aber im Großen und Ganzen hat mich die Story überzeugt und zum Nachdenken angeregt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (19. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 512 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 342322021X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423220217



Dienstag, 18. Oktober 2022

Die Wintertöchter-Trilogie von Mignon Kleinbeck

 


Die Gabe

Als bei Marie auf dem abgelegenen Julianenhof im Winter 1940, die Wehen einsetzen, begehen sie und ihr Mann einen folgenschweren Fehler. Toni soll Maries Ziehschwester, die Hebamme Barbara holen und kehrt nie zurück.
Marie bringt ihre Tochter Anna allein zur Welt und erkennt, dass die Kleine die Gabe besitzt.
Fortan lebt Marie mit ihrem Kind allein auf dem Hof, unterstützt wird sie von Barbara, die ebenfalls die Gabe besitzt und Anna darin unterweist, diese einzusetzen und sich gleichzeitig davor zu schützen.
Ihr merkt, ich rede etwas drum rum, was genau die Gabe ist, das sollt ihr natürlich selbst herausfinden.


Sieht man das Cover und liest die ersten Sätze des Klappentextes: Die Forstau- ein kleines, verborgenes Berdorf am Fuße der österreichischen Tauern. Drei Frauen - Barbara, die selbstbewusste Hebamme. ...
könnte man einen simplen Heimatroman erwarten, herzergreifend und kitschig, der vielleicht eine tragische Liebesgeschichte vor den Kulissen der österreichischen Berge erzählt, gewürzt mit Intrigen innerhalb einer sturen und in der Vergangenheit verhafteten Dorfgemeinschaft.
Nur dann geht der Klappentext weiter...
Ihre schwermütige Ziehschwester Marie und Anna, das Kind mit der besonderen Gabe, die sowohl Geschenk als auch Fluch bedeutet...
Und da fing meine Fantasie an zu arbeiten, wie äußert sich die Gabe? Was macht dieses Kind so besonders? Sind es übernatürliche Kräfte oder ist sie einfach nur besonders intelligent und hat einen langen, schweren Weg vor sich bevor sie entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert wird? Wir dürfen nicht vergessen das Anna in den 40er Jahren geboren wird, zu spät für Hexenglauben und zu früh für Mädchen und Frauen an eine berufliche Karriere zu denken.
Die Geschichte der Frauen wäre auch ohne Annas und Barbaras Fähigkeiten etwas Besonderes, denn Mignon Kleinbeck verschont ihre Leser mit den klassischen Zutaten eines Kitschromans, sie erzählt von Barbara, Marie und Anna als hätten sie genau so gelebt. Ihr Schicksal mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid, ist absolut realistisch geschildert, ich hatte klare Bilder vor Augen, sei es die tief verschneite Landschaft, das Leben auf dem Julianenhof oder auch dem Leben im Dorf,
während des 2.Weltkriegs genauso wie die kleinen Glücksmomente, wenn z. B. Anna erkennt das die Freundschaft zu Mathis, einem jungen Mann aus dem Dorf, sich zu mehr entwickelt.

Oftmals hat man Lieblingsprotagonisten, die eine Person, die einem besonders ans Herz wachsen, hier konnte ich mich nicht entscheiden, mal war mir Marie am nächsten, die junge Frau kommt nicht zur Ruhe, immer wieder schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Dann wieder war es Barbara, die selbstbewusst und immer beherrscht der ruhende Pol ist, sie weiß immer was zu tun ist, zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort wäre aus ihr sicherlich eine erfolgreiche Ärztin geworden, das ist ihr auch bewusst, aber sie hadert nicht, sie liebt ihren Beruf und die Menschen um sich herum und sie ist diejenige die mit einer kleinen Aktion einen weiteren großen Schritt aus der traditionellen Frauenrolle heraus macht.
Ja und Anna? Sie ist ein Kind, wie könnte man Kinder nicht mögen.

Die Kinder

Inhalt: Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf den ersten Teil, das ist für diejenigen, die die Bücher nicht kurz nacheinander lesen konnten eine hervorragende Gelegenheit die Erinnerungen an die Geschehnisse auf dem Julianenhof aufzufrischen. Und obwohl ich den ersten Teil ja gerade erst beendet hatte, las ich den Rückblick gern.
Und was geschieht im zweiten Band?
Das Leben für Anna, Barbara und Marie wird nicht leichter.
Marie kämpft sich nach einem Schlaganfall zurück ins Leben und Anna trauert um ihre große Liebe Mathis, der nach einem Sturz vom Heuboden stirbt und sie schwanger zurücklässt. Einzig Barbara, findet ihr persönliches Glück in der Beziehung zu dem Arzt Kilian, der mit seinem kleinen Sohn Niklas Urlaub auf dem Haindlhof macht.
Doch für Trauer bleibt nicht viel Raum in jenen Zeiten und so geht Anna zurück auf den Julianenhof wo sie wieder auf Roman trifft und damit wieder in einen Kreislauf von Missbrauch und Gewaltt.

Selten hat mich ein Buch, das man durchaus im Fantasy Bereich ansiedeln kann, so traurig und wütend zurückgelassen, traurig, weil das Schicksal der Frauen so sehr zu Herzen geht und wütend, weil Roman immer irgendwie davon kommt.
Roman, der unstete Geist der Marie umgarnte bis sie einer Heirat zustimmte, nicht ahnend das er nur an ihr Geld wollte und als sich nicht alles so entwickelte wie er sich das vorstellt, sein zweites Gesicht zeigt, brutal und rücksichtslos nimmt er sich was er will und alle verschließen die Augen vor dem, was auf dem Julianenhof geschieht.
Das mag der Zeit geschuldet sein, in der die Geschichte spielt, es gab Dinge, über die nicht gesprochen wurde, sehr viel hat sich ja bis heute in dieser Hinsicht nicht geändert.

Barbara wird zu einer folgenschweren Tat gerieben, um Anna zu retten, diesen Entschluss (was genau sie tut, verrate ich euch jetzt nicht) fasst sie, als sie mithilfe ihrer Gabe Anna rettet, die durch eine Lungenentzündung dem Tode näher ist, als dem Leben. In einer Zwischenwelt trifft sie auf Juliane die Urahnin der Familie, die sie eindringlich davor warnt, Anna und nicht nur diese in Romans Nähe zu lassen.

Ganz oft habe ich beim Lesen vergessen wie alt Anna eigentlich ist, sie handelt und fühlt meist, wie eine Erwachsene und dabei ist sie noch ein Kind, das in wenigen Lebensjahren mehr erlebte und erleiden musste als so mancher Erwachsene in seinem ganzen Leben. Sie ist allein in ihrem Leid, trotz aller Liebe die ihr von ihrer Familie entgegengebracht wird.

Wintertöchter Die Kinder, ist wie auch schon der erste Band kitschfrei und doch hochemotional, das Buch schlägt eine Brücke zwischen dem ersten Band Die Gabe und dem abschließenden Buch Die Frauen.

Die Frauen
Ich habe zig Versuche geschrieben und wieder verworfen, um eine Rezension zu verfassen, die euch nicht spoilert. Aber allein die Tatsache, dass es sich bei Die Frauen um den 3. Band der Forstau Saga handelt, ließ das zu einem unmöglichen Unterfangen werden.
Deshalb gibt es eine Spoilerwarnung.

Inhalt:
Im November 2004 liest Barbara die Tagebücher ihrer Nichte Anna und trifft eine Entscheidung, die die Leben aller Beteiligten von Grund auf ändern wird, sie schickt die Bücher nach Deutschland zu Helena, die in Heidelberg an einem wissenschaftlichen Institut arbeitet.
Mit Ende 40 lebt diese allein in einer kleinen Mietwohnung im Haus ihrer mütterlichen Freundin Rosa, den Kontakt zu ihrer Familie hat sie auf ein Mindestmaß eingeschränkt, von ihrer Zwillingsschwester Christina hat sie nicht einmal mehr eine aktuelle Adresse und sieht sie nur zu besonderen Gelegenheiten.
Helenas Kindheit war schwierig, da sie immer wieder unter unerklärlichen Anfällen litt, sahen ihre Eltern keine andere Möglichkeit als das Kind in die Obhut der Ärzte zu geben. In Helenas Erinnerung wurde nur Christina, der Sonnenschein der Familie, von den Eltern bedingungslos geliebt.
Die Tagebücher Annas bringen Helena und Christina zusammen und gemeinsam fahren sie nach Österreich.

Die beiden erwachsenen Frauen, kamen mir über weite Strecken des Romans wie Teenager vor unreif, zickig und aufeinander eifersüchtig, ihre Beziehung untereinander war geprägt von ihrer Kindheit. Während sich Helena zurecht von ihren Eltern unverstanden und zurückgewiesen fühlte und dabei zusehen musste wie sich alles im Haus um die fröhliche Christina drehte, fürchtete diese immer aufzufallen und ebenfalls den Unmut ihrer Eltern auf sich zu ziehen.
Beide waren zu jung um die unerträgliche Situation der anderen zu erkennen und gingen unbewusst auf Abstand zueinander.
In der Forstau treffen die Frauen auf Barbara und während Helena der alten Frau offen entgegenkommt ist Christina gewohnt zickig, aber daran ist Barbara nicht ganz unschuldig, sie ist verbittert geworden im Laufe der Zeit und trägt schwer an der Vergangenheit.

Je mehr die Geschichte aufgeklärt wird, je mehr die Zwillinge über sich und ihre Familie erfahren, desto mehr lösen sich die Fesseln der Vergangenheit und desto mehr Verständnis und Liebe entwickeln die einzelnen Personen zueinander.

Der dritte Band der Forstau Saga dreht sich natürlich auch um die Gabe, der Fantasyanteil kommt sicher nicht zu kurz, auch wenn ich hier kaum darauf eingehe. Wichtiger für mich war aber das was ich aus dem Buch herauslas.
Jede Entscheidung, die wir treffen, hat Einfluss auf unsere Zukunft und auf die Zukunft anderer, die meisten sind unbedeutend und nicht relevant, andere verändern unser Leben und das der andern, manchmal zum Guten manchmal zum Bösen. Egal wie wir entscheiden wir müssen damit leben, es gibt keinen Weg zurück. Wir können immer nur versuchen unser Leben so zu leben, das wir am Ende sagen können, ich habe mein Bestes versucht und wir müssen miteinander Reden, reden mit denen die uns wichtig sind.
Von mir bekommt auch dieser Band eine absolute Leseempfehlung.
Und damit natürlich auch die komplette Reihe,
Wir verlassen mit Die Frauen, die Forstau und ich warte gespannt auf weitere spannende und emotionale Romane aus der Feder Mignon Kleinbeks.

Sterz und der Mistgabelmord: Ein Steiermark-Krimi (Servus Krimi) von Isabella Archan


Auszug aus dem Klappentext:
Nach Jahren bei Europol in Deutschland kehrt Ferdinand Sterz in die Steiermark zurück. Aber das Wiedersehen mit seiner alten Heimat ist alles andere als einfach: Sein bester Freund aus Jugendtagen wurde brutal mit einer Mistgabel erstochen.



Isabelle Archan hat mit Ferdinand Sterz einen neuen Ermittler ins Spiel gebracht und ich war gespannt, ob dieser mir genauso ans Herz wachsen würde wie die Mördermitzi, die vielen Lesern bekannt sein dürfte.

Ferdinant lebt seit einigen Jahren in Köln als ein Anruf Lenas, der Schwester seines ehemals besten Freundes Ludwig zurück in die Steiermark holt. Ludwig wurde ermordet, erstochen mit einer Mitgabel. Zurück in seiner alten Heimat will Ferdinand den Fall unbedingt lösen, doch die Kollegen in Graz sind von seiner Mitarbeit nicht begeistert, einzig Gitte Busch unterstützt ihn bei seinen auf Hochtouren laufenden Ermittlungen. Und dann geschieht ein zweiter Mord.


Ich mochte das Buch, die Geschichte, die uns einige Geheimnisse auch aus Ferdinands Leben offenbart, die Protagonisten, allen voran Ferdinand, meine Erwartungen wurden also nicht enttäuscht. Die Karten im Innern des Umschlags helfen bei der Orientierung in dem mir völlig unbekannten Landstrich, der Heimat der Autorin, dem Buch merkt man die genauen Ortskenntnisse Isabella Archans an, so wie man auch die Freude am Schreiben spürt, die all ihre Bücher auszeichnet.
Am Ende des Buches findet sich ein Glossar, in dem die typischen österreichischen Begriffe übersetzt werden und ein Rezept für Steirischen Heidensterz.
Ich freue mich auf weitere Fälle, die Ferdinand Sterz lösen darf und vergebe gern eine Leseempfehlung.


Herausgeber ‏ : ‎ Servus; 1. Edition (18. Oktober 2022)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Broschiert ‏ : ‎ 352 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3710403081
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710403088

Ich steh hier und bügle von Tillie Olsen

Klappentext:
Die Geschichten dieses Bandes verzahnen sich immer enger miteinander und gewähren sprachlich brillante Einblicke in die Welt der sozial Benachteiligten: Die Gedanken einer Mutter gleiten gequält mit dem Bügeleisen hin und her – was konnte sie ihrer halbwüchsigen Tochter bieten, was blieb dieser verwehrt? Lennie, Helen und ihre Kinder machen Platz für Whitey, einen gestrandeten Freund der Familie, doch er stellt ihre Geduld einmal mehr auf die Probe. Zwei Freundinnen, eine schwarz und eine weiß, merken, dass ihre Welten immer unvereinbarer scheinen. Ein Ehepaar streitet erbittert darüber, wie sie jetzt, wo Kindererziehung und Beruf hinter ihnen liegen, leben wollen, als sie eine fatale Diagnose ereilt. Die Geschichten verzahnen sich immer enger miteinander, wenn die Verbindungen der Protagonistinnen untereinander sichtbar werden.




Tillie Olsen war mir bisher vollkommen unbekannt. Die 1912 in Nebraska geborene Tochter jüdischer Einwanderer aus Russland, die junge vierfache Mutter musste ihre fortschrittlichen politischen Ansichten mit künstlerischem Ehrgeiz und Brotarbeit unter einen Hut bringen. Ihre Kurzgeschichte "Ich steh hier und bügle" erschien in »Best American Short Stories of 1957«

Und mit dieser Story beginnt auch die kleine Sammlung an Kurzgeschichten in diesem Band.

Hier erzählt eine Mutter von ihrer Beziehung zu ihrer ältesten Tochter, die sie in den ersten Lebensjahren des Kindes allein großziehen musste, eine schwierige Beziehung, die trotz aller Liebe auch eine gewisse Distanz zwischen Mutter und Kind beinhaltet. Einer ihrer Nachbarn rät ihr "Sie sollten Emily mehr anlächeln, wenn sie sie ansehen" Dieser Satz ist in der Lage einer liebenden Mutter das Herz zu brechen, denn manchmal ist zwischen Alltagssorgen und Geldproblemen nicht viel Platz für Liebesbekundungen, die über saubere Wäsche und regelmäßige Mahlzeiten hinausgehen.
Mit dieser Story erfährt man als Leser gleich, was einen in diesem Buch erwartet, es geht um zwischenmenschliche Beziehungen und diese Beziehungen sind nie einfach, in "He, Seemann, wohin die Fahrt?" besucht der Seemann Whitey eine befreundete Familie, Whitey ist Alkoholiker, eine gescheiterte Existenz, dessen einziger Zufluchtsort die Familie Helens, sein sicherer Hafen ist. Doch auch dort sind die Umstände schwierig. Und doch versucht die Familie alles um Whitey zu helfen, wie es scheint vergebens.
In "O ja" besuchen wir gemeinsam mit der Hauptfigur Carrie einen Gottesdienst einer schwarzen Gemeinde, das Kind ist vollkommen überfordert von dem Ablauf, in dem die Gläubigen ihren Gefühlen, die sie sonst unterdrücken, freien Lauf lassen, das beschreibt die Autorin auf sehr eindringliche Weise und auch wie sehr die einzelnen Gemeindemitglieder Hilfestellung leisten, trösten und in die Arme nehmen. Dieses Verhalten habe ich bisher nie verstanden, erst nach der Lektüre dieser Geschichte habe ich verstanden. Gerade diese Geschichte ist die wohl schwierigste in der kleinen Sammlung, aber auch die wichtigste. Carrie versteht noch nicht, sie ist ein Kind, das hin- und hergerissen zwischen der Freundschaft zu Parry und dem Druck seitens der Schule und ihren dortigen Freunden. Die Freundschaft zu einem farbigen Kind kann zu der Zeit nicht bestehen, will man nicht als Außenseiter enden. Was bleibt ist die Hoffnung, wenn die Mädchen erst einmal erwachsen sind, sie ihre Freundschaft neu knüpfen.

In der letzten Geschichte "Erzähl mir ein Rätsel" geraten wir mitten in einen Ehestreit, während David das Haus, in dem sie ihre Kinder großzogen, verkaufen und in ein Altenheim mit Vollversorgung ziehen will, endlich frei von finanziellen Sorgen und Pflichten möchte, Eva bleiben, wo sie ist, die Stille und den Platz genießen, die weniger werdende Arbeit, die Freiheit dann zu essen, wann sie will, für sich sein.
47 Jahre, Streit, Liebe, Sorgen und Freude, wobei man fast denken könnte, dass der Streit in all diesen Jahren überwog, aus Evas Sicht war es sicher auch so, sie hat sich immer zurückgenommen, mit sieben Kindern blieb ihr auch nichts anderes übrig. Als David erfährt, dass Eva nicht mehr lange zu leben hat, schleppt er sie auf eine lange Reise zu all ihren Kindern ohne ihr den Grund zu verraten.

Die Menschen in Tillie Olsen Geschichten sind alle auf die eine oder andere Art miteinander verbunden, sie beschreibt sie nicht mit ihren körperlichen Merkmalen und doch hatte ich immer ein klares Bild von ihnen vor Augen und auch wie sie lebten konnte ich mir gut vorstellen, das hätte ich zu Beginn der Lektüre nicht erwartet, denn der Schreibstil der Autorin ist sehr knapp und sehr kurz, das muss man mögen. Ich mag ihn, einen ganzen Roman in diesem Stil zu lesen, wäre zwar sicherlich etwas anstrengend, aber in der vorliegenden Form ist die Lektüre zwar eine Herausforderung, aber auf eine gute Art, die mich am Ende zufrieden zurückließ.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Aufbau; 1. Edition (11. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 160 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3351039824
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3351039820
  • Originaltitel ‏ : ‎ Tell Me A Riddle







Montag, 17. Oktober 2022

Die Rückkehr des Waldes: (Weltenwurzel-Saga Band I) Lucian Caligo


Durch die unbedarfte Tat eines Wächters entkommen zwei Gefangene aus der alten Festung mitten im Reich Kantatien und mit ihrer Flucht erwachen die Kräfte des Waldes zu neuem Leben und bedrohen das gewohnte Leben der Menschen in Sebastanes Grafschaft. Seit Jahrhunderten leben die Menschen der Grafschaft im Überfluss und sie sind nicht gewillt auch nur ein wenig davon aufzugeben, ist doch das Wissen um das Geheimnis des Waldes längst in den Bereich der Märchen und Legenden eingegangen, doch die Mächte des Waldes sind gnadenlose Gegner. Sebastane versucht sich dem Feind entgegenzustellen, doch kann er den Verlockungen des Feindes widerstehen?


Die Menschen haben es geschafft, die Natur zu bezwingen und werden damit durch reiche und häufige Ernte belohnt, nirgendwo sonst im Reich ist die Vegetation so üppig und dass der Wald in Schach gehalten werden muss, ist ein kleiner Preis dafür. Im besonderen Wohlstand leben selbstverständlich auch die Adligen, unter Ihnen die Enkeltochter Sebastanes, die sich mit ihrer Rolle als Frau in der Gesellschaft nicht so recht abfinden kann, still hat sie zu sein, aufgeputzt und demütig. Doch in diese Rolle mag sie sich nicht fügen und ihr Vater Ximilian der schwächliche Nachfolger Sebastanes lässt sie zunächst gewähren und erfüllt ihr jeden Wunsch. Zwar ist Ilora manchmal etwas zickig, aber das darf sie in jugendlichem Alter auch sein. 
Ein weiterer wichtiger Protagonist ist Marakus, der Hofmagier, der aufgrund seiner Herkunft nachvollziehen kann wie sich Illora fühlt.
Es mangelt nicht an Protagonisten, in Lucian Caligos Roman und sie alle würde ich als Hauptprotagonisten bezeichnen, da ist der ehemalige Soldat Freed, der als Hacker (Holzfäller) den Wald in Schach hält und dafür sorgt, dass die Wege durch den Wald begehbar bleiben.
Ob die Wesen des Waldes als Antagonisten bezeichnet werden können, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.

Ich habe selten, eigentlich noch nie, eine Fantasygeschichte gelesen, die so offensichtlich die Probleme unserer Zeit beschreibt und dabei so extrem spannend und unterhaltsam ist. Der Autor behandelt die aktuellen Probleme unserer Zeit, Klimawandel, Ausbeutung der Natur, Raffgier und Frauenrechte. Ohne seine Leserinnen und Leser mit der Nase darauf zu stoßen, immer wieder hatte ich beim Lesen den Gedanken, dass die Menschen das eigentliche Übel sind, nicht nur in dieser Geschichte. Niemand ist gewillt etwas von seinem Wohlstand aufzugeben, um der Natur den Raum zu geben, den sie braucht, wem das nicht bekannt vorkommt, geht wirklich blind durchs Leben.

Neben meiner Vorliebe für Thriller und Krimis, lese ich zu gern Fantasy Romane, vorzugsweise Einzelbände, Trilogien sind auch gut, dass ich mich jetzt auf weitere 7 Bände der Weltenwurzel-Saga freue wie ein Kind auf Weihnachten, spricht wohl für dieses Buch.

  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand; 1. Edition (30. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 556 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3756814300
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3756814305









Sonntag, 16. Oktober 2022

Der Spion aus dem Meer von Jörg Rönnau


Der Kommandant des US-Navy Geleit-Zerstörers USS ELLWOOD und sein langjähriger Freund Alexander Smith, Captain der US Navy werden während des 2. Weltkriegs für eine Spionagemission nach Deutschland geschickt. Da sie ursprünglich aus Deutschland stammen und sich besonders Peter in Norddeutschland bestens auskennt, sind sie prädestiniert für diesen Auftrag, denn sie sollen herausfinden, wo eine Versuchsanstalt liegt, in der ein neuartiges Waffensystem erprobt werden soll, Thors Hammer, könnte die Invasion der Alliierten in ein Blutbad verwandeln.

Abwechselnd erfahren wir als Leser von dem Spionageauftrag, der Peter auch mit seiner Jugendliebe, der Gräfin Dorothea von Zwiewitz, die mittlerweile als britische Spionin arbeitet, zusammenführt, gemeinsam versuchen sie den Auftrag zu erfüllen und fast ist es ihnen gelungen, als die Nazis ihnen in Person des Sturmbannführers von Schwentau auf die Spur kommen.

Abgewechselt wird der Krimiteil von Erinnerungen Peters, an seinen Werdegang auf See, der mit seiner Zeit als Schiffsjunge auf der Northern Clipper unter der Führung des Kapitäns Johannes Wilhelm Krögers beginnt, auf diesem Schiff lernt er auch Alexander Smith kennen, der damals noch Schmidt hieß. Ich bin hin- und hergerissen welchen Teil des Buches ich mehr mag, den Krimianteil, der sehr spannend über die Mission und ihren Gefahren berichtet, oder Peters Abenteuer beginnend mit seiner Zeit unter Kapitän Kröger, den wir schon aus früheren Büchern des Autors kennen.

Jörg Rönnau liebt das Meer und das spürt man in jeder Zeile und er schafft es diese Liebe zum Meer in einem Spionagethriller zu packen, ohne dass dieser dabei an Spannung verliert.

Ich vergebe sehr gern eine Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ MAXIMUM Verlag; 1. Edition (3. Oktober 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 264 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948346518
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948346515








Samstag, 15. Oktober 2022

Sisi von Karen Duve




Als Elisabeth (Sisi) durch Heirat zur Kaiserin von Österreich wird, betritt sie eine streng geordnete Welt voll steifer Konventionen und langweiliger Empfänge. Ausbrechen kann sie nur auf ausgedehnten Reisen und bei Aufenthalten auf ihrem ungarischen Schloss Gödöllö. Dort kann sie ungezwungen leben und ihrer größten Leidenschaft nachgehen: wilden Reitjagden. Kein Wassergraben ist der Kaiserin zu breit, kein Hindernis zu gefährlich – Sisi gehört zu den besten und tollkühnsten Reiterinnen ihrer Zeit. Der legendäre Jagd- und Rennreiter Bay Middleton bewundert die Kaiserin nicht nur für ihr reiterliches Können.


Sisi oder auch Sissi, wie im Film, war mir tatsächlich nur durch die hoffnungslos kitschigen Filme bekannt, die seit Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit wiederholt werden und die, die Sehnsucht nach Romantik, wahrer und unverbrüchlicher Liebe und heiler Welt befriedigen. Die Wahrheit über die schöne Kaiserin von Österreich-Ungarn kam mir immer nur bruchstückhaft zu Ohren.

Warum also dieses Buch?
Ich mag die Autorin Karen Duve, seit ihrem Buch
Fräulein Nettes kurzer Sommer
und da war es naheliegend, auch ihr neustes Werk zu lesen.




Die Autorin schreibt über einen kurzen Zeitraum im Leben der Elisabeth von Österreich, geboren als Elisabeth Amalie Eugenie von Wittelsbach, Herzogin in Bayern, um das Jahr 1870 herum. Sisi fühlt sich schon alt, aber sie wehrt sich gegen das Alter, mit exzessivem Sport und einer Ernährung, die jeder Beschreibung spottet. In ihrer Nichte Marie Wallersee sieht sie zunächst eine Vertraute, bis die junge Frau die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich zieht, und damit kommt die Kaiserin nicht wirklich klar, die an Depressionen leidende Frau braucht die Bestätigung ihres Umfelds, die bedingungslose Hingabe und Bewunderung. Da erinnerte mich die Kaiserin an die böse Stiefmutter aus Schneewittchen, zwar schickt sie Marie nicht zum Sterben in den Wald, aber sie sucht einen Ehemann für sie, um sie aus dem Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu entfernen.


Karen Duve wollte ein Buch über Pferde schreiben, und um Pferde geht es auch neben der Kaiserin, es wird viel geritten und viel gejagt, die Tierliebhaberin Sisi trennt ihre Liebe zu Pferden von ihrer Lust auf jagdbares Wild.

Wir erfahren viel über das Protokoll am Hof, das Leben Sisis ist absolut durchgetaktet, es galt noch das spanische Hofzeremoniell, bis sie ihre eigenen Tagesabläufe durchsetzt.

Habe ich nun mehr über die Kaiserin erfahren als das, was man aus den Filmen und den Bruchstücken, die ich schon über die reale Sisi wusste?
Nein, eher nicht, aber die Autorin hat aus diesen Bruchstücken ein fast vollständiges Bild der Frau erschaffen, ich konnte mir vorstellen, wie unglücklich sie gewesen sein musste, glückliche Menschen handeln anders.

Die Autorin, hat so weit ich das beurteilen kann, hervorragend recherchiert, alles, was ich nachschlug, hat mir das bestätigt. Sisi Fans werden nicht viel Neues erfahren, für unbedarfte Leser wie mich, war das Buch sehr lesenswert.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Galiani-Berlin; 1. Edition (22. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3869712104
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869712109

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