Die Gabe
Als bei Marie auf dem abgelegenen Julianenhof im Winter 1940, die Wehen einsetzen, begehen sie und ihr Mann einen folgenschweren Fehler. Toni soll Maries Ziehschwester, die Hebamme Barbara holen und kehrt nie zurück.
Marie bringt ihre Tochter Anna allein zur Welt und erkennt, dass die Kleine die Gabe besitzt.
Fortan lebt Marie mit ihrem Kind allein auf dem Hof, unterstützt wird sie von Barbara, die ebenfalls die Gabe besitzt und Anna darin unterweist, diese einzusetzen und sich gleichzeitig davor zu schützen.
Ihr merkt, ich rede etwas drum rum, was genau die Gabe ist, das sollt ihr natürlich selbst herausfinden.
Sieht man das Cover und liest die ersten Sätze des Klappentextes: Die Forstau- ein kleines, verborgenes Berdorf am Fuße der österreichischen Tauern. Drei Frauen - Barbara, die selbstbewusste Hebamme. ...
könnte man einen simplen Heimatroman erwarten, herzergreifend und kitschig, der vielleicht eine tragische Liebesgeschichte vor den Kulissen der österreichischen Berge erzählt, gewürzt mit Intrigen innerhalb einer sturen und in der Vergangenheit verhafteten Dorfgemeinschaft.
Nur dann geht der Klappentext weiter...
Ihre schwermütige Ziehschwester Marie und Anna, das Kind mit der besonderen Gabe, die sowohl Geschenk als auch Fluch bedeutet...
Und da fing meine Fantasie an zu arbeiten, wie äußert sich die Gabe? Was macht dieses Kind so besonders? Sind es übernatürliche Kräfte oder ist sie einfach nur besonders intelligent und hat einen langen, schweren Weg vor sich bevor sie entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert wird? Wir dürfen nicht vergessen das Anna in den 40er Jahren geboren wird, zu spät für Hexenglauben und zu früh für Mädchen und Frauen an eine berufliche Karriere zu denken.
Die Geschichte der Frauen wäre auch ohne Annas und Barbaras Fähigkeiten etwas Besonderes, denn Mignon Kleinbeck verschont ihre Leser mit den klassischen Zutaten eines Kitschromans, sie erzählt von Barbara, Marie und Anna als hätten sie genau so gelebt. Ihr Schicksal mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid, ist absolut realistisch geschildert, ich hatte klare Bilder vor Augen, sei es die tief verschneite Landschaft, das Leben auf dem Julianenhof oder auch dem Leben im Dorf,
während des 2.Weltkriegs genauso wie die kleinen Glücksmomente, wenn z. B. Anna erkennt das die Freundschaft zu Mathis, einem jungen Mann aus dem Dorf, sich zu mehr entwickelt.
Oftmals hat man Lieblingsprotagonisten, die eine Person, die einem besonders ans Herz wachsen, hier konnte ich mich nicht entscheiden, mal war mir Marie am nächsten, die junge Frau kommt nicht zur Ruhe, immer wieder schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Dann wieder war es Barbara, die selbstbewusst und immer beherrscht der ruhende Pol ist, sie weiß immer was zu tun ist, zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort wäre aus ihr sicherlich eine erfolgreiche Ärztin geworden, das ist ihr auch bewusst, aber sie hadert nicht, sie liebt ihren Beruf und die Menschen um sich herum und sie ist diejenige die mit einer kleinen Aktion einen weiteren großen Schritt aus der traditionellen Frauenrolle heraus macht.
Ja und Anna? Sie ist ein Kind, wie könnte man Kinder nicht mögen.
Die Kinder
Inhalt: Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf den ersten Teil, das ist für diejenigen, die die Bücher nicht kurz nacheinander lesen konnten eine hervorragende Gelegenheit die Erinnerungen an die Geschehnisse auf dem Julianenhof aufzufrischen. Und obwohl ich den ersten Teil ja gerade erst beendet hatte, las ich den Rückblick gern.
Und was geschieht im zweiten Band?
Das Leben für Anna, Barbara und Marie wird nicht leichter.
Marie kämpft sich nach einem Schlaganfall zurück ins Leben und Anna trauert um ihre große Liebe Mathis, der nach einem Sturz vom Heuboden stirbt und sie schwanger zurücklässt. Einzig Barbara, findet ihr persönliches Glück in der Beziehung zu dem Arzt Kilian, der mit seinem kleinen Sohn Niklas Urlaub auf dem Haindlhof macht.
Doch für Trauer bleibt nicht viel Raum in jenen Zeiten und so geht Anna zurück auf den Julianenhof wo sie wieder auf Roman trifft und damit wieder in einen Kreislauf von Missbrauch und Gewaltt.
Selten hat mich ein Buch, das man durchaus im Fantasy Bereich ansiedeln kann, so traurig und wütend zurückgelassen, traurig, weil das Schicksal der Frauen so sehr zu Herzen geht und wütend, weil Roman immer irgendwie davon kommt.
Roman, der unstete Geist der Marie umgarnte bis sie einer Heirat zustimmte, nicht ahnend das er nur an ihr Geld wollte und als sich nicht alles so entwickelte wie er sich das vorstellt, sein zweites Gesicht zeigt, brutal und rücksichtslos nimmt er sich was er will und alle verschließen die Augen vor dem, was auf dem Julianenhof geschieht.
Das mag der Zeit geschuldet sein, in der die Geschichte spielt, es gab Dinge, über die nicht gesprochen wurde, sehr viel hat sich ja bis heute in dieser Hinsicht nicht geändert.
Barbara wird zu einer folgenschweren Tat gerieben, um Anna zu retten, diesen Entschluss (was genau sie tut, verrate ich euch jetzt nicht) fasst sie, als sie mithilfe ihrer Gabe Anna rettet, die durch eine Lungenentzündung dem Tode näher ist, als dem Leben. In einer Zwischenwelt trifft sie auf Juliane die Urahnin der Familie, die sie eindringlich davor warnt, Anna und nicht nur diese in Romans Nähe zu lassen.
Ganz oft habe ich beim Lesen vergessen wie alt Anna eigentlich ist, sie handelt und fühlt meist, wie eine Erwachsene und dabei ist sie noch ein Kind, das in wenigen Lebensjahren mehr erlebte und erleiden musste als so mancher Erwachsene in seinem ganzen Leben. Sie ist allein in ihrem Leid, trotz aller Liebe die ihr von ihrer Familie entgegengebracht wird.
Wintertöchter Die Kinder, ist wie auch schon der erste Band kitschfrei und doch hochemotional, das Buch schlägt eine Brücke zwischen dem ersten Band Die Gabe und dem abschließenden Buch Die Frauen.
Die Frauen
Ich habe zig Versuche geschrieben und wieder verworfen, um eine Rezension zu verfassen, die euch nicht spoilert. Aber allein die Tatsache, dass es sich bei Die Frauen um den 3. Band der Forstau Saga handelt, ließ das zu einem unmöglichen Unterfangen werden.
Deshalb gibt es eine Spoilerwarnung.
Inhalt:
Im November 2004 liest Barbara die Tagebücher ihrer Nichte Anna und trifft eine Entscheidung, die die Leben aller Beteiligten von Grund auf ändern wird, sie schickt die Bücher nach Deutschland zu Helena, die in Heidelberg an einem wissenschaftlichen Institut arbeitet.
Mit Ende 40 lebt diese allein in einer kleinen Mietwohnung im Haus ihrer mütterlichen Freundin Rosa, den Kontakt zu ihrer Familie hat sie auf ein Mindestmaß eingeschränkt, von ihrer Zwillingsschwester Christina hat sie nicht einmal mehr eine aktuelle Adresse und sieht sie nur zu besonderen Gelegenheiten.
Helenas Kindheit war schwierig, da sie immer wieder unter unerklärlichen Anfällen litt, sahen ihre Eltern keine andere Möglichkeit als das Kind in die Obhut der Ärzte zu geben. In Helenas Erinnerung wurde nur Christina, der Sonnenschein der Familie, von den Eltern bedingungslos geliebt.
Die Tagebücher Annas bringen Helena und Christina zusammen und gemeinsam fahren sie nach Österreich.
Die beiden erwachsenen Frauen, kamen mir über weite Strecken des Romans wie Teenager vor unreif, zickig und aufeinander eifersüchtig, ihre Beziehung untereinander war geprägt von ihrer Kindheit. Während sich Helena zurecht von ihren Eltern unverstanden und zurückgewiesen fühlte und dabei zusehen musste wie sich alles im Haus um die fröhliche Christina drehte, fürchtete diese immer aufzufallen und ebenfalls den Unmut ihrer Eltern auf sich zu ziehen.
Beide waren zu jung um die unerträgliche Situation der anderen zu erkennen und gingen unbewusst auf Abstand zueinander.
In der Forstau treffen die Frauen auf Barbara und während Helena der alten Frau offen entgegenkommt ist Christina gewohnt zickig, aber daran ist Barbara nicht ganz unschuldig, sie ist verbittert geworden im Laufe der Zeit und trägt schwer an der Vergangenheit.
Je mehr die Geschichte aufgeklärt wird, je mehr die Zwillinge über sich und ihre Familie erfahren, desto mehr lösen sich die Fesseln der Vergangenheit und desto mehr Verständnis und Liebe entwickeln die einzelnen Personen zueinander.
Der dritte Band der Forstau Saga dreht sich natürlich auch um die Gabe, der Fantasyanteil kommt sicher nicht zu kurz, auch wenn ich hier kaum darauf eingehe. Wichtiger für mich war aber das was ich aus dem Buch herauslas.
Jede Entscheidung, die wir treffen, hat Einfluss auf unsere Zukunft und auf die Zukunft anderer, die meisten sind unbedeutend und nicht relevant, andere verändern unser Leben und das der andern, manchmal zum Guten manchmal zum Bösen. Egal wie wir entscheiden wir müssen damit leben, es gibt keinen Weg zurück. Wir können immer nur versuchen unser Leben so zu leben, das wir am Ende sagen können, ich habe mein Bestes versucht und wir müssen miteinander Reden, reden mit denen die uns wichtig sind.
Von mir bekommt auch dieser Band eine absolute Leseempfehlung.
Und damit natürlich auch die komplette Reihe,
Wir verlassen mit Die Frauen, die Forstau und ich warte gespannt auf weitere spannende und emotionale Romane aus der Feder Mignon Kleinbeks.