Donnerstag, 30. Januar 2025

Die Schanze von Lars Menz

 

Die Schanze von Lars Menz


Jahre nachdem sie ihr Heimatdorf verlassen hat, kehrt Ellen nach der Trennung von ihrem Freund in ihr Heimatdorf zurück. Die Ärztin übernimmt die Hausarztpraxis von Dr. Schwarz, der ihr eigentlich die Praxis persönlich übergeben wollte, doch Dr. Schwarz taucht nicht auf und die Praxis ist ziemlich heruntergekommen. So hat sich Ellen ihren Neuanfang in der alten Heimat nicht vorgestellt, doch es kommt noch schlimmer: Bei einer Joggingrunde trifft sie auf den ehemaligen Polizisten Haußer und den Journalisten Merab, deren Blick auf die Skischanze gerichtet ist. Dort oben hängt die Leiche eines Mannes, den Ellen nur zu gut kennt - er war ein Grund für ihre Flucht aus dem Dorf.

Ein Thriller, der unter die Haut geht und der die Leserinnen und Leser relativ lange im Dunkeln tappen lässt. Es dauerte lange, bis ich in dem Spinnennetz aus Lügen und Intrigen die richtigen Fäden fand, der Weg dorthin allerdings war außerordentlich spannend. Ich mag den Schreibstil des Autors Lars Menz schafft es in seinem Debütroman eine düstere und sehr beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die mich von Beginn an in ihren Bann zog.

Zwar war schon recht schnell klar, was Ellen widerfahren ist, aber das, was im Anschluss daran geschehen ist, hat mich persönlich mehr mitgenommen als der Mord. Mehr dazu will ich aber an dieser Stelle nicht verraten.Die einzelnen Protagonisten waren mir allerdings ein bisschen zu problembeladen: Haußer, der zum Stressabbau zu einer Domina geht, Merab, der seiner verflossenen Liebe nachtrauert, und natürlich auch Ellen, die allerdings nachvollziehbare Gründe hat.

Fazit
"Die Schanze" ist ein packender Thriller, der durch seine intensive Atmosphäre und komplexe Charaktere überzeugt. Für Fans des Genres eine absolute Leseempfehlung.





📖 Buchangaben:
Autor: Lars Menz
Verlag: Ullstein
Erscheinungsdatum: 6. Januar 2025
Seitenanzahl: ca. 304 Seiten
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548070285

Sonntag, 26. Januar 2025

Tod der Autorin: Ein Leben in elf Romanen von Birgit Rabisch

 

Die Autorin lädt anlässlich ihres siebzigsten Geburtstags die Hauptfiguren ihrer elf Romane zum feierlichen Dinner ein. Während der Tischgespräche lotet sie aus, was ihr Leben und Schreiben geprägt hat. Natürlich spielt die Liebe die Hauptrolle: die erotische Liebe, die Elternliebe, die Kindesliebe – im Gelingen wie im Scheitern. Aber auch ihre Auseinandersetzung mit Feminismus und Mutterschaft, der Gentechnologie und optimierter Fortpflanzung, der Gewalt im Politischen und mit ihrer mörderischen Familienvergangenheit hat sie ihren Romanfiguren eingeschrieben. Jetzt versucht sie, aus ihren Texten ihr Leben zu entziffern und erschreibt sich mit Hilfe ihrer literarischen Fiktionen eine höchst lebendige Version ihrer Biografie. Die zwar persönlichen, aber dennoch universellen Fragen, die in Tod der Autorin behandelt werden, machen eine Lektüre nicht nur für Fans von Rabischs Werk zu einem kurzweiligen und bereichernden Leseerlebnis.


Auf der Suche nach einem Buch, das nicht zu meinen gewöhnlichen Lesevorlieben gehört, bin ich auf Tod der Autorin von Birgit Rabisch gestoßen. Anfangs war ich skeptisch: Ein Roman über eine ältere Schriftstellerin, die in einer betreuten Wohnanlage ihr Leben reflektiert? Doch schon nach wenigen Seiten wurde ich angenehm überrascht. Der Roman hat mich schnell in seinen Bann gezogen.

Tod der Autorin ist ein autofiktionaler Roman, der im Jahr 2024 erschienen ist. Darin reflektiert die Autorin über ihr Leben und ihre Schaffenszeit. Besonders originell fand ich den Aufbau: Anlässlich ihres siebzigsten Geburtstags lädt die Protagonistin die Hauptfiguren ihrer elf Romane zu einem festlichen Dinner ein. Schon die Vorbereitungen erinnern an reale Festlichkeiten. Wen lade ich ein, in diesem Fall stellte sich auch noch die Frage in welchem Lebensabschnitt sollen die Geladenen sein?   Was gibt es zu essen, wo wird gefeiert und welche Musik soll spielen, wobei die Autorin es recht einfach hatte, mit einer Tributband aus ihrem Roman "Putzfrau bei den Beatles" lässt sie weitere Protagonisten auftauchen, die für die Musik sorgen.

  Während der Gespräche mit ihren fiktiven Gästen beleuchtet sie prägende Erlebnisse ihres Lebens und gibt Einblicke in die Hintergründe ihres Schreibens.

Mit großem Interesse habe ich die Dialoge zwischen der Autorin und ihren Romanfiguren verfolgt. Ebenso faszinierend waren die Abschnitte, in denen die Autorin ihren Erinnerungen nachhängt oder ihr verstorbener Ehemann Giferto in ihren Gedanken auftaucht. Diese Szenen waren sehr bewegend.

Vor diesem Buch war mir Birgit Rabisch kein Begriff, und ich hatte auch noch nie von ihren früheren Werken gehört – was angesichts der Vielzahl an talentierten Autor*innen hoffentlich verzeihlich ist. Doch dieser Roman hat mir einen umfassenden Eindruck von ihrer Vielseitigkeit vermittelt. Rabisch behandelt hier zahlreiche Themen, die persönlich und gesellschaftlich relevant sind. Sie thematisiert die Vielfalt der Liebe, beleuchtet feministische Fragen und setzt sich mit den ethischen Aspekten der Gentechnologie auseinander.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Rabisch auch die dunkle Seite ihrer eigenen Familiengeschichte aufarbeitet. Ein Beispiel dafür ist ihr früherer Roman Die schwarze Rosa, in dem sie das Leben ihrer Großmutter beleuchtet. Ebenso spannend fand ich die Einblicke, die sie in ihre Arbeitsweise gibt. Für ihr Buch Warten auf den Anruf musste sie tief in die Arbeit der Wissenschaftler*innen eintauchen, die an der Kernspaltung forschten. Dabei gelangte sie zu Wissen, das weit über das hinausgingen, was letztlich im Buch verarbeitet werden konnte. Diese Hingabe zeigt sich auch in ihrem aktuellen Werk.

Diese Mischung aus persönlicher Reflexion und gesellschaftlichen Themen macht Tod der Autorin zu einem tiefgründigen und anregenden Leseerlebnis.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die sich für autofiktionale Literatur und Themen interessieren, die weit über das Private hinausgehen. Es ist ein Werk, das zum Nachdenken anregt und zugleich eine besondere Erzählweise bietet. Birgit Rabisch hat mich mit diesem Roman auf ganzer Linie überzeugt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Verlag duotincta GbR; 1. Edition (16. Dezember 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3946086772
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3946086772

Samstag, 25. Januar 2025

Jenseits des Ozeans: Die Fortsetzung von „Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte“ von T.J.Klune



Willkommen zurück auf der wunderbaren Insel Marsyas inmitten des azurblauen Ozeans. Hier bietet Arthur Parnassus magisch begabten Kindern, die zu Waisen geworden sind, ein Zuhause. Und hier hat Arthur seine große Liebe Linus Baker kennengelernt. Die Kinder und Linus sind Arthurs kostbarster Schatz. Doch sein Leben war nicht immer leicht, und als ein neuer Bewohner auf die Insel zieht und Arthurs dunkle Vergangenheit an die Öffentlichkeit kommt, droht sein Traum von einem glücklichen, freien Leben für alle magisch Begabten zu zerplatzen.


Da habe ich ja zielgenau zu einem 2. Teil gegriffen. Jenseits des Ozeans ist die Fortsetzung des Romans Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte und auch wenn ich den ersten Teil nicht kenne, war ich von der ersten Seite an sehr angetan von der Story. Im Laufe der Lektüre lernte ich die Kinder kennen, denen Arthur und sein Partner Linus auf der Insel ein liebevolles Zuhause geben und sie alle sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Besonders den kleinen Antichristen Lucy, der die Weltherrschaft anstrebt oder den amorphen Klecks der Hotelportier werden will, mochte ich sehr. T.J.Klune entführt uns auf die Insel Marsyas, wo Arthur Parnassus das Heim für magisch begabte Waisenkinder betreibt. Arthur hat den Traum, allen magisch Begabten ein glückliches und freies Leben zu ermöglichen.
Als ein Neuankömmling auf die Insel kommt, gerät Arthurs Traum in Gefahr, denn dieser droht ein Geheimnis aus Arthurs Vergangenheit ans Licht zu bringen, der alles, was Arthur und Linus aufgebaut haben, zu zerstören droht.
Arthur muss sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und dabei lernen, Vertrauen in die Menschen zu setzen, die ihm wichtig sind.
Klune behandelt Themen wie Freundschaft, Familie, Toleranz und Selbstfindung, das alles verpackt in eine wunderbare Fantasieerzählung voller magischer Momente.

Klunes Schreibstil ist warm, humorvoll und einfühlsam. Er schafft es, fantastische Elemente mit tiefen emotionalen Themen zu verbinden. Seine Sprache ist lebendig und bildhaft, sodass die magische Welt von Marsyas für die Leser gut vorstellbar ist. Besonders beeindruckend ist, wie er komplexe Charaktere erschafft, die trotz ihrer besonderen Fähigkeiten sehr menschlich und nachvollziehbar wirken. Der Autor findet eine gute Balance zwischen herzlichen Momenten und spannenden Szenen, was das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre macht.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (13. November 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 496 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453323335
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453323339
  • Originaltitel ‏ : ‎ Somewhere beyond the Sea

Sonntag, 19. Januar 2025

Die Nordseeprinzeßin von Maria Braig

Der Roman " Die Nordseeprinzeßin"spielt auf zwei Zeitebenen. In den 1960er Jahren wächst Annemarie als Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers auf einer Nordseeinsel auf. Ihr Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben wird durch strikte gesellschaftliche Konventionen und familiäre Erwartungen unterdrückt. Eine Reihe von Ereignissen, darunter ihre Beziehung zu Geske und eine Schwangerschaft, führen zu drastischen Maßnahmen ihrer Familie. Im Jahr 2021 entdeckt Delias Tochter Leda,, nach dem Tod ihrer Großmutter alte Briefe, die die Identität Delias in Frage stellen. Die Suche nach der Wahrheit führt Delia auf eine deutsche Nordseeinsel, wo sie auf eine verstörende Familiengeschichte stößt.


Der Klappentext hat mich zunächst auf eine falsche Fährte geführt, doch das Cover ließ mich erahnen, dieser Roman hebt sich von gängigen historischen Romanen ab. Maria Braig greift mutig Themen auf, die oft tabuisiert werden und die aber nach wie vor gesellschaftlich relevant sind.
Selten hatte ich ein so intensives Leseerlebnis. Der Roman beginnt wie viele Geschichten aus der Nachkriegszeit, in denen das Schicksal junger Frauen im Fokus steht, die in einer schwierigen Zeit ihren Weg zur Selbstbestimmung suchen, doch er entwickelt sich komplett anders.

Besonders faszinierend ist, dass die Idee zu diesem Buch auf einer realen Begegnung der Autorin beruht, was der Geschichte eine zusätzliche Authentizität verleiht. Die eingefügten Fotos von der Nordsee, die Maria Braig während ihres Rechercheaufenthalts aufgenommen hat, verstärken den Eindruck von Wirklichkeitsnähe und verleihen dem Roman eine einzigartige atmosphärische Dichte.

Ein zentrales Thema des Buches ist die unmenschliche Behandlung von Homosexuellen, die als krank stigmatisiert wurden. Diese vermeintlichen Krankheiten wurden mit Methoden "behandelt", die nicht nur an Folter grenzten, sondern tatsächlich Folter waren. Auch die Rolle von Geldgier und Zwangsehen wird eindringlich beleuchtet. Kinder wurden verheiratet, um Besitz zu mehren, ohne Rücksicht auf ihre eigenen Wünsche, besonders nicht auf die von Mädchen, die sich den Erwartungen der Gesellschaft unterordnen und sich auf ein Leben als Ehefrau vorbereiten sollten.

Ich habe das Buch in einem Atemzug durchgelesen, so sehr fesselte mich Annemaries Schicksal, das  mich tief bewegte. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ihr weiter ergangen ist, und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Die geschickte Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart durch die Figur der Delia sorgt dafür, dass sich die Geschichte nur langsam entfaltet und die Spannung bis zum Schluss anhält.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung der Roman verbindet historische Tiefe mit starken Emotionen und behandelt Themen, die lange unbeachtet blieben.



  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli; 12. Edition (4. Oktober 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 286 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3759886892
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3759886897
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 18 Jahren

Donnerstag, 16. Januar 2025

Der Club der hysterischen Frauen - Sarah Ramey

Warum weibliche Krankheiten nicht ernst genommen werden und was wir dagegen tun können.
Sarah Ramey ist jung und gesund, bis sie in einen See springt und sich eine Harnwegsinfektion zuzieht. Was dann folgt, ist ein Odyssee aus Schmerz, Leid und endlosen Facharztbesuchen, denn alles, was die Medizin zu bieten hat, hilft nicht oder macht ihre Beschwerden nur noch schlimmer. Zu den Schmerzen kommt noch eine kaum zu überwindende Erschöpfung hinzu. Sarah stammt aus einer renommierten Arztfamilie und so sollte man meinen, dass sie auch die beste Behandlung bekommt und das größte Verständnis. Aber auch sie ist nicht davor gefeit Sätze zu hören wie »Haben Sie es schon mit Antidepressiva probiert?«
20 Jahre lang sucht Sarah nach einer Diagnose, damit das, was sie quält, wenigstens einen Namen hat.


Ich habe mich während der Lektüre oft gefragt, woher die Frau die Kraft nimmt, zu recherchieren, Fachliteratur zu wälzen und sich einzuarbeiten in die vielen unterschiedlichen Krankheiten und ihre Behandlungsmethoden. Ihre Schmerzen in Körperregionen, über die man ja nicht spricht, um sie einmal beim Namen zu nennen, in der Vagina, in den Fortpflanzungsorganen, im Darm, im Rücken, dazu kommt noch »Brain Fog« Konzentrationsschwierigkeiten und das Gefühl damit allein zu sein und nicht ernst genommen zu werden. Eine Kraftquelle war wohl auch die Gewissheit, die sich irgendwann bei ihr einstellte: Sie ist nicht allein, Fibromyalgie, Chronisches Fatigue-Syndrom, Lupus oder MS z. B.sind Krankheiten, die zu 85 % Frauen betreffen. (Diese Zahlen sind aus den USA, es wird hier aber nicht anders sein) 85 %, das wären doch genug Fälle um der Sache mal auf den Grund zu gehen, aber die Forschungsgelder die z. B. für CFS bereitgestellt werden, sind schon lächerlich gering.


Wir begleiten Sarah auf ihrem Leidensweg, erleben mit ihr ihre Rückschläge, aber auch ihre kleinen Erfolge, wir erleben ihre Wut auf Mediziner und Medizinerinnen und das immer mit dem Wissen »Das kenne ich« Und tatsächlich kann ich von mir sagen »so etwas habe ich schon erlebt« nicht so extrem wie Sarah und ihre Leidensgenossinnen, aber oft genug um mich wirklich überwinden zu müssen bevor ich eine Praxis aufsuchte, viele nur einmal. Und ich kenne auch die Situation, dass Männer viel ernster genommen werden, das aber auch nur mit dem Glück, die richtigen Ärzte zu finden.


Sarah wollte nach Lösungen suchen, nach Heilung für alle Frauen im »Club der hysterischen Frauen«, das ist ihr nicht gelungen. Aber sie hat während ihrer Odyssee vieles gelernt, zu viel Antibiotika schädigt den Darm (das zuviel Antibiotika nicht gesund ist, weiß ja eigentlich jeder), der kann dadurch so durchlässig werden, dass Schadstoffe und sogar mikrobiotisch kleine Nahrungsbestandteile in die Blutbahn geraten, durch die das Immunsystem in stetiger Alarmbereitschaft gesetzt wird, das war mir vollkommen neu.


Es gab aber auch eine Stelle im Buch, da hätte ich es fast an die Seite gelegt, sie erzählt von ihren Erfahrungen mit Yoga, Akupunktur und alternativen Heilmethoden und ich dachte, wenn sie mir jetzt erzählt, dass ein Schamane alle ihre Beschwerden weggezaubert hat, kann ich sie nicht mehr ernst nehmen, war mein Gedanke. Aber weit gefehlt, zwar hat sie davon berichtet, wie ihr Yoga und Akupunktur und auch Ernährungsumstellungen geholfen haben, aber auch dass das kein Allheilmittel ist, das dies ihren Leidensweg nicht schlagartig beendet hat, ihr allerdings hat das zu einer etwas besseren Lebensqualität verholfen, nicht immer von Dauer, aber immerhin.


Ramey argumentiert, dass viele chronische Krankheiten ökologischer Natur sind und von modernen Veränderungen der Gesundheitsgrundlagen wie Schlafqualität, Ernährung und sozialen Verbindungen beeinflusst werden. Gerade in Verbindung mit der Darmgesundheit bin ich geneigt ihr absolut zuzustimmen, schon unsere moderne Ernährung ist ja bei den meisten und da schließe ich mich ein, eine mittlere Katastrophe.


Wenn ich meinen Text hier nochmal lese, komme ich zu dem Schluss, eine Rezension ist das ja eigentlich nicht, ich lasse das aber trotzdem alles genau so stehen. Suchen wir uns Ärzte die Verständnis haben, sich Zeit nehmen zuzuhören und die nicht aufgeben nach der Ursache aller Beschwerden zu suchen, die nicht nur die schmerzende Vagina sehen und den Rücken missachten, die nicht nur die Konzentrationsschwierigkeiten sehen und den Darm dabei außer Acht lassen. Suchen wir uns Ärzte die zuhören. Und lernen wir Nein zu sagen, Nein zu der Diagnose Depression, wenn wir uns vor Schmerzen kaum noch rühren können oder wenn wir die Konzentration einer Stubenfliege habe, wenn es wieder einmal heißt.


»Haben Sie es schon mit Antidepressiva probiert?«


  • Herausgeber ‏ : ‎ btb Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (15. Januar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 592 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442770238
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442770236
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Lady’s Handbook For Her Mysterious Illness
  • Dienstag, 14. Januar 2025

    Serera: Erstes Buch: Die zwei Welten von Bruno Hof

    Eines muss enden: Wahn oder Welt

    Die Menschheit steht vor dem Untergang …

    All unser Denken und Tun hinterlässt Spuren. Nicht nur in unserer Welt, sondern auch in Serera, jener geheimnisvollen Parallelwelt, in der unsere Gedanken und Handlungen zu lebendigen Wesen werden.

    Einst ein traumhafter Ort mit fruchtbaren Feldern und einträchtig lebenden Gemeinschaften, dringen in Serera heute mitleidlos mordende Kreaturen vor. Sie alle dienen dem Einen oder Seelenlosen, der seinem Ziel stetig näher kommt: der Vernichtung beider Welten. Die friedlichen Völker Sereras müssen sich auf den Krieg vorbereiten, aber viele Menschen sind sich uneins oder unerfahren im Kampf.

    … und alle schauen auf Robin

    Ganz woanders hat der Jugendliche Robin Grimm seine eigenen Probleme: Im dauernden Streit mit seinem Vater will er von zu Hause weglaufen – da fällt ihm ein seltsamer Schlüssel in die Hand, der ihm das Tor nach Serera öffnet.

    Schön ist die Natur Sereras und freundlich die Menschen, die dort leben – doch schrecklich ist der Schatten, der sich ausbreitet. Eigentlich will Robin nur seine Ruhe. Aber er hat den Schlüssel nach Serera gebracht – und dies kann ungeahnte, weitreichende Folgen haben. Robin befindet sich plötzlich im Zentrum der Gefahren.

    Die Magier beschließen, der Menschheit, die sich ins Negative entwickelt hat, ein letztes Mal zu helfen. Um einen Krieg zu beenden, verbannen sie den EINEN, auch bekannt als der Seelenlose, in eine Parallelwelt. Nach Serera verbannt, gelingt es dem Seelenlosen nach langer Zeit, Kreaturen in unsere Welt zu schicken. Diese sollen ihm den Schlüssel zu seiner Befreiung beschaffen. Die Kreaturen treffen auf eine Welt, in der das Dunkle und Böse erneut die Oberhand zu gewinnen droht.

    Der Schlüssel befindet sich im Besitz der Familie von Burg Torheim. Klara von Burg Torheim, die letzte Hüterin, stirbt auf der Flucht vor einer Kreatur des EINEN bei einem Unfall. Mit ihrem letzten Atemzug übergibt sie den Schlüssel an Robin. Robin ist ein typischer Teenager: mürrisch, mit Problemen in der Schule und im ständigen Streit mit seinem Vater. Doch der Junge muss über sich hinauswachsen, um die Welt zu retten.

    Bruno Hof erzählt die Geschichte aus den Perspektiven seiner Protagonistinnen, wodurch sich die von ihm geschaffene Welt vor dem geistigen Auge der Leserinnen entfaltet. Besonders die Welt Serera wird detailliert beschrieben. Diese Parallelwelt spiegelt das Denken und Handeln unserer eigenen Welt wider, was dazu führt, dass sich das Dunkle und Böse immer weiter ausbreitet, verkörpert durch den EINEN und seine grausamen Kreaturen.

    Robin muss sich diesen Gefahren stellen, doch er ist nicht allein.

    Mit seinem Debüt Serera: Die zwei Welten hat Bruno Hof ein durchaus lesenswertes Buch geschaffen. Auf 832 Seiten bietet es ein umfangreiches Leseerlebnis für Fans epischer Fantasy mit Horrorelementen. Die Altersempfehlung ab 16 Jahren ist passend.

    Der Roman überzeugt jedoch nicht nur durch seine Fantasy- und Horrorelemente. Er verbindet geschickt weitere Genres wie Abenteuer und Endzeitroman. Hofs ausdrucksvolle Sprache zieht die Leser*innen in eine andere Welt, ohne den Bezug zur Realität zu verlieren.

    Die 832 Seiten sind zwar umfangreich, doch der größte Teil des Buches liest sich flüssig und unterhaltsam. Manchmal treten jedoch Wiederholungen auf, die den Lesefluss hemmen, insbesondere bei den Charakterbeschreibungen. Ein Beispiel ist die wiederholte Betonung der Hingabe und Grausamkeit der Kreatur, die auf der Jagd nach dem Schlüssel ist. Hier dachte ich mir gelegentlich: "Ja, das weiß ich schon."

    Trotz kleiner Schwächen in der Ausarbeitung präsentiert sich Serera: Die zwei Welten als ein vielversprechender Auftakt der Dilogie, die mit dem zweiten Band Die zwei Kriege ihren Abschluss findet.

    • Herausgeber ‏ : ‎ Calderan; 1. Edition (9. September 2021)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 832 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986006664
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986006662

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    Freitag, 10. Januar 2025

    Die Gouvernanten: Roman von Anne Serre

    Unionsverlag

     

    Sie sind zu dritt, und in der abgeschiedenen Villa hinter hohen Bäumen sind sie die Königinnen: die Gouvernanten. Auf die Erziehung der ihnen anvertrauten Jungen geben sie wenig, lieber lassen sie sich müßig durch die hellen Tage treiben.

     Anne Serres "Die Gouvernanten" ist ein Werk, das gleichermaßen fasziniert und verwirrt. Sprachlich beeindruckt es durch Eleganz und Präzision, was der Übersetzerin Patricia Klobusiczky hoch anzurechnen ist. Das Lesen der fließenden, poetischen Zeilen hat mir  Freude bereitet. Doch während ich sprachlich begeistert war, blieb eine zentrale Frage ungelöst: Worum geht es eigentlich?

    Diese Frage ließ mich nicht los und erinnerte mich an meine Deutschlehrerin, die uns stets aufforderte, in jedem Text eine tiefere Bedeutung zu finden. Zwei mögliche Interpretationen haben sich mir aufgedrängt:

    Zunächst könnte man den Roman als ein Sinnbild für die verschiedenen Lebensabschnitte verstehen. Die Kinder, die durchs Haus toben, symbolisieren Unschuld und das Bedürfnis nach Orientierung. Das Ehepaar Austeur lebt nebeneinander her, ein Bild für das Nachlassen der Leidenschaft und das Ankommen in einer leeren Routine, im mittleren Alter. Die Gouvernanten Inès,Éléonore und Laura stehen im Mittelpunkt: Sie verkörpern Jugend, überschäumende Energie und eine ungezähmte Lebenslust – mal verträumt, mal kopflos ins nächste Abenteuer. Schließlich gibt es den greisen Nachbarn, der durch seine passive Beobachtung den Rückzug des Alters darstellt.

    Auf der anderen Seite könnte der Roman eine surreale Erforschung der Weiblichkeit und Sexualität sein. Die Gouvernanten scheinen nicht nur für Jugend zu stehen, sondern für eine weibliche Kraft, die sich den traditionellen Erwartungen widersetzt. Sie scheinen frei und unabhängig zu sein und doch gefangen, diese Gefangenschaft wird hier symbolisiert durch das goldene Tor, das den Park, in dem sie die meisten ihrer Tage verbringen verschließt. Die traumhafte Qualität der Erzählung unterstreicht diese Flüchtigkeit, lässt sie wie ein Schattenbild erscheinen, das sich nicht festhalten lässt.

    Vielleicht liegt die Stärke des Romans gerade in seiner Mehrdeutigkeit. Er lebt von der Atmosphäre, von den unausgesprochenen Bedeutungen und der Melancholie, die ihn durchzieht. Es ist ein Werk, das mich in einen Zustand zwischen Nachdenken, Staunen und Rätseln versetzte. 



    • Herausgeber ‏ : ‎ Unionsverlag; 1. Edition (20. Februar 2025)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Taschenbuch ‏ : ‎ 96 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3293710271
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3293710276
    • Originaltitel ‏ : ‎ Les Gouvernantes

    Donnerstag, 9. Januar 2025

    Nachtflut: Psychothriller von Stina Westerkamp

    Nach anhaltenden Regenfällen und Sturm drohen die Deiche an der Ostseeküste zu brechen. In den kleinen Küstenorten bereiten sich die Bewohner auf eine Evakuierung vor. So auch Elisa, die seit dem tragischen Tod ihrer Schwester Lizzy und dem Scheitern ihrer Ehe allein im Elternhaus lebt - nur 500 Meter vom gefährdeten Deich entfernt.Seit dem Verlust ihrer Schwester kämpft Elisa mit Panikattacken und ist auf Medikamente angewiesen. Der Gedanke, ihr Zuhause verlassen zu müssen, fällt ihr schwer. Als sie sich endlich durchringt, in Sicherheit zu gehen, macht sie eine überraschende Entdeckung: Im Nachbarhaus sieht sie ihre Nachbarn, die eigentlich schon am Vorabend geflüchtet sind.Zeitgleich schmieden Häftlinge in der nahegelegenen Justizvollzugsanstalt Fluchtpläne. Sie wollen das Chaos der Evakuierung nutzen, um auszubrechen. Einer von ihnen hat dabei ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen: Er will zu Elisa.


    Mein erstes Buch der Autorin Stina Westerkamp, aber es bleibt sicher nicht mein letztes. Aus wechselnden Perspektiven lässt sie die Protagonisten erzählen, was durchaus interessant ist. So erfahren wir von Max, der als freiwilliger Helfer beim THW arbeitet und alles daransetzt, Menschen zu retten. Seine einfühlsame Art macht ihn auf den ersten Blick sehr sympathisch. Oder Paul, der eine Haftstrafe in der JVA verbüßt und sich inmitten von Schwerkriminellen klein hält, nur nicht auffallen und den Unmut der Mithäftlinge auf sich ziehen, die für ihre Freiheit vor nichts zurückschrecken. Auch Vera, die Nachbarin, wird vorgestellt. Sie hätte gern mehr Kontakt zu Elisa, was ihr Mann ihr aber verbietet. Beide scheinen etwas zu verbergen.Die Story liest sich sehr spannend, und diese Spannung steigt wie die Flut, die die Menschen bedroht, von Seite zu Seite. Das Setting einer drohenden Sturmflut an der Ostseeküste wirkt äußerst bedrohlich und intensiviert sich kontinuierlich. Westerkamp schafft es scheinbar mühelos, Sympathien oder Antipathien für die Protagonisten zu wecken und dabei ihre Leserinnen und Leser auf vielleicht falsche Fährten zu schicken.Besonders fesselnd ist die Atmosphäre, die die Autorin kreiert. Die Orkanböen, die über die Straßen peitschen, und die Warnung vor der kommenden Sturmflut erzeugen eine klaustrophobische Stimmung. Die Geheimnisse, die jeder Charakter zu verbergen scheint, tragen zusätzlich zur Spannung bei. Elisa, die Hauptfigur, weckt Mitgefühl, während man gleichzeitig rätselt, was sie verbirgtWesterkamps Hintergrund in Psychologie spiegelt sich in der tiefgründigen Charakterentwicklung wider. Die unvorhersehbaren Wendungen und die geschickte Verwebung der verschiedenen Erzählstränge hielten mich bis zur letzten Seite am Buch.Insgesamt ist "Nachtflut" ein packender Psychothriller, der durch sein bedrohliches Setting, komplexe Charaktere und eine stetig steigende Spannung überzeugt. Die Autorin versteht es meisterhaft, die Leser in die Geschichte hineinzuziehen und sie bis zum überraschenden Ende zu fesseln.

    • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback (2. Januar 2025)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Broschiert ‏ : ‎ 368 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864932750
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864932755

     

    Dienstag, 7. Januar 2025

    Schatten aus der Sonnenwelt: Spekulative Fiktion aus Griechenland von Hephaestion Demetrios Christopoulos (Herausgeber), Torsten Low (Herausgeber)

    Als leidenschaftliche Leserin von Kurzgeschichten war ich gespannt auf »Schatten aus der Sonnenwelt«, eine Anthologie mit Geschichten griechischer Autor*innen, herausgegeben von Hephaestion Demetrios Christopoulos und Torsten Low. Schon der Titel versprach eine faszinierende Mischung aus Licht und Dunkelheit, und keine der Geschichten hat mich wirklich enttäuscht.Die zehn Kurzgeschichten in dieser Sammlung bieten ein breites Spektrum an Themen und Stilen, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesselten. Jede Geschichte enthüllt eine andere Facette, fernab der sonnigen Touristenklischees, und taucht tief in die Schatten ein.Besonders beeindruckt hat mich »Streuner« von Eleftherios Keramidas. Diese Geschichte, in der sich Science-Fiction und Fantasy-Elemente auf meisterhafte Weise vermischen, wurde schnell zu meinem Favoriten in der Sammlung.Viele der Geschichten greifen sozialkritische Themen auf, was der Anthologie eine zusätzliche Tiefe verleiht. »43 Minuten« von Yannis Papadopoulos, die sich mit dem heiklen Thema Kindesmissbrauch auseinandersetzt, hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck und einen Knoten im Magen. Die emotionale Intensität dieser Geschichte zeugt von der Fähigkeit der Autor*innen, auch schwierige Themen einfühlsam und wirkungsvoll zu behandeln.Trotz der oft düsteren Themen gibt es auch Lichtblicke in der Sammlung. Geschichten wie »Stellreflex« von Vasso Christou und »Das Mädchen und der Schoßgeborene« von Kostas Charitos lassen Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufkommen. Diese Balance zwischen Dunkelheit und Hoffnung fand ich besonders gelungen.Der Schreibstil der verschiedenen Autor*innen ist durchweg spannend und oft herausfordernd. Einige Geschichten musste ich erst einmal sacken lassen, um ihre volle Bedeutung zu erfassen. Dies sehe ich jedoch als Stärke der Anthologie – sie regt zum Nachdenken an und lädt zu mehrmaligem Lesen ein.Insgesamt haben mir die meisten Geschichten in »Schatten aus der Sonnenwelt« sehr gut gefallen. Die Vielfalt der Themen, die geschickte Vermischung von Genres und die tiefgründige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen machen diese Anthologie zu einem bemerkenswerten Werk. Für Liebhaber*innen anspruchsvoller Kurzgeschichten ist dieses Buch eine absolute Empfehlung.

    Bestellen könnt ihr das Buch direkt beim Verlag Torsten Low

    • Herausgeber ‏ : ‎ Low, Torsten; Erstauflage (9. Dezember 2024)
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Taschenbuch ‏ : ‎ 220 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3966290448
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3966290449